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Folge 8 - Fat Studies

Nachg*fragt
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23 Plays16 days ago

In der achten Folge des Gender- und Frauenforschungszentrums diskutieren Prof. Dr. Lotte Rose und Judith Pape über den aktuellen  Stand der Fat Studies und die Rolle des Geschlechts dabei. Moderiert wird diese Folge von Dr. Hanna Haag.

Transcript

Einführung in die Gender Studies und FAT-Studies

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Speaker
Nachgefragt.
00:00:02
Speaker
Geschlechterforschung im Blick.
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Speaker
Die FED-Studies sind eben auch und die Auseinandersetzung, die kritische Auseinandersetzung mit dem Thema Dicksein ist, glaube ich, ganz stark auch aus feministischen Bewegungen und aus feministischer Forschung und akademischen Disziplin auch hervorgegangen.
00:00:20
Speaker
Entwicklungsbedarf auf den FED-Studies, weil ich glaube, der Diskurs zu den
00:00:30
Speaker
dass Körper sehr viel besser entwickelt ist, als der zu männlichen Körper und zu männlichen Dicksein.

Vorstellung der Gäste: Lotte Rose und Judith Papel

00:00:40
Speaker
Herzlich willkommen zur nächsten Folge von Nachgefragt.
00:00:42
Speaker
Schön, dass ihr wieder alle dabei seid.
00:00:45
Speaker
Wir machen weiter und zwar heute mit dem Thema Fettstudys.
00:00:49
Speaker
Wir wollen wissen, welche Geschlechterbezüge sich hier finden, wie Perspektiven auf Dicksein eigentlich mit Geschlecht zusammenhängen.
00:00:55
Speaker
Und dafür haben uns auch wieder zwei wunderbare Gesprächspartnerinnen eingeladen.
00:00:59
Speaker
Zu Gast sind heute Lotte Rose und Judith Papel, beide von der Hochschule in Frankfurt am Main.
00:01:05
Speaker
Schön, dass ihr hier seid.
00:01:07
Speaker
Ja, hallo, danke für die Einladung.
00:01:09
Speaker
Auch von meiner Seite.
00:01:11
Speaker
Vielen Dank für die Einladung.
00:01:14
Speaker
Ich bin gespannt, worüber wir gleich reden.
00:01:17
Speaker
Prima, so soll es sein.
00:01:19
Speaker
Genau.
00:01:20
Speaker
Ja, das ist heute ein Heimspiel.
00:01:22
Speaker
Also wir sind jetzt hier alle drei Frankfurterinnen, auch wenn wir nicht wirklich alle drei in Frankfurt sind.
00:01:29
Speaker
Aber zumindest institutionell sind wir alle drei an der gleichen Hochschule angebunden.
00:01:34
Speaker
auch in einem Teamzusammenhang unterwegs.
00:01:37
Speaker
Das ist jetzt die erste Folge, die wirklich so gestaltet ist, finde ich aber auch mal spannend, mit den eigenen Kolleginnen über ihre Forschungsthemen zu sprechen.
00:01:46
Speaker
Ich würde euch jetzt einmal kurz vorstellen für diejenigen, die zuhören.

Lottes Karriere und Rolle in der Genderforschung

00:01:50
Speaker
Ich fange mal mit dir an, Lotte.
00:01:52
Speaker
Lotte ist seit 1997 Professorin für Soziale Arbeit mit der Denomination Pädagogik der Kinder- und Jugendarbeit an der Frankfurter Hochschule.
00:02:01
Speaker
für Angewandte Wissenschaften und seit 2003 Direktorin des Gender- und Frauenforschungszentrums, an dem auch ich arbeite.
00:02:07
Speaker
Sie ist also meine Chefin.
00:02:09
Speaker
Leider beides nicht mehr allzu lange.
00:02:12
Speaker
Zum Ende des Wintersemesters geht sie in den Ruhestand.
00:02:16
Speaker
Aber wir haben jetzt die Zeit genutzt, nochmal mit ihr zu sprechen.
00:02:21
Speaker
Lotte hat Erziehungswissenschaften, Soziologie und Psychologie in Marburg studiert und 1991 in Siegen promoviert.
00:02:27
Speaker
Ich kann selbst beurteilen, dass sie eine leidenschaftliche Forscherin ist.
00:02:30
Speaker
Wir haben nämlich auch viel zusammengeforscht in den letzten Jahren und das zu sehr unterschiedlichen Themen.
00:02:35
Speaker
Also nicht alles hat, glaube ich, bei dir mit Geschlecht zu tun, aber doch sehr vieles.
00:02:40
Speaker
Und die Themen, die dich am meisten beschäftigen, sind, denke ich, unter anderem Kindheits- und Jugendforschung, Genderforschung, Elternschafts- und Natalitätsforschung.
00:02:49
Speaker
Und eben deshalb seid ihr heute hier auch die FAT-Studies.
00:02:54
Speaker
Wunderbar, dass du heute da bist, Lotte.
00:02:57
Speaker
Dann haben wir noch Judith.

Judiths Forschung zu elterlicher Fettleibigkeit

00:02:59
Speaker
Judith Pape hat in Frankfurt an der Hochschule Soziale Arbeit im Bachelor und Master studiert und promoviert derzeit am Promotionszentrum Soziale Arbeit zu dicker Elternschaft.
00:03:09
Speaker
Sie arbeitet außerdem am Gender- und Frauenforschungszentrum in einem Forschungsprojekt zu Großwohnsiedlungen im Wandel am Beispiel der Nordweststadt in Frankfurt.
00:03:18
Speaker
Und ihre Forschungsinteressen sind Genderforschung, Elternschaft, Sorge und auch die FED-Studies.
00:03:26
Speaker
So, jetzt können wir loslegen und uns dem inhaltlichen Thema zuwenden.
00:03:32
Speaker
Als Einstieg wählen wir immer dieselbe Frage, weil uns das jedes Mal sehr interessiert.
00:03:38
Speaker
Nämlich, wie seid ihr denn zur Geschlechterforschung gekommen und was begeistert euch daran?
00:03:43
Speaker
Lotte, möchtest du anfangen?
00:03:47
Speaker
Eigentlich möchte ich nicht anfangen.
00:03:48
Speaker
Jetzt möchte ich erst mal von Judith hören, wie die denn zur Genderforschung gekommen ist.
00:03:56
Speaker
Okay, dann machen wir es so rum und du kannst dich erst ein bisschen zurücklehnen.
00:04:04
Speaker
Ja, ich finde, es sind so ein bisschen fast zwei Fragen, nämlich das eine ist, wie ist man zum Thema Gender gekommen und wie zur empirischen Forschung dann jetzt in meinem Fall, wenn ich auch empirisch gerne arbeite.
00:04:17
Speaker
Also bei mir war es auf jeden Fall so, dass ich in meinem sozialen Arbeitsstudium
00:04:22
Speaker
schon früh gemerkt habe, dass mir dieses Thema Geschlecht, Gender irgendwie besonders am Herzen liegt.
00:04:31
Speaker
Ich glaube, es war für mich auch eine Möglichkeit, eigene Erfahrungen immer wieder reflektieren zu können.
00:04:40
Speaker
Das ist auch so ein Teil von so einem sozialen Arbeitsstudium.
00:04:43
Speaker
Immer in diese Selbstreflektion zu gehen und seine eigene Sozialisierung und Haltung zu verschiedenen
00:04:52
Speaker
Themen zu hinterfragen.
00:04:55
Speaker
Und mir hat das sehr viel gebracht, die Seminare zum Thema Geschlecht zu besuchen.
00:05:01
Speaker
Um irgendwie mit Ambivalenzen, die man selber erlebt hat, mit vielleicht irgendwie Zuschreibungen, widersprüchlichen Anforderungen umzugehen und die zu verstehen, die einzuordnen.
00:05:15
Speaker
Und das war tatsächlich auch zu einem...
00:05:18
Speaker
Teil bei Lotte bei dir in den Seminaren, weiß ich noch, also in meinem Bachelorstudium.
00:05:23
Speaker
Und ich glaube, diese Erkenntnis eben darüber, dass man Geschlecht als etwas Konstruktivistisches betrachten kann, als etwas, was irgendwie hergestellt, ausgehandelt wird, das fand ich spannend.
00:05:38
Speaker
Und das war dann irgendwie ein Zugang auch zur empirischen Forschung, also in verschiedenen Bereichen, in denen ich unterwegs war.

Lottes feministischer Werdegang in den 80ern

00:05:45
Speaker
durch Praktika oder so im Rahmen der sozialen Arbeit zu gucken, wie geschieht das dort eigentlich?
00:05:53
Speaker
Wie wird da Geschlecht zugewiesen, ausgehandelt?
00:05:56
Speaker
Mit welchen Normen wird da auch hantiert?
00:06:00
Speaker
Und welche Verantwortungszuweisungen etc.
00:06:06
Speaker
sind daran gebunden?
00:06:07
Speaker
Genau, also meine ersten Zugänge zur Genderforschung waren dann auch ethnografisch.
00:06:12
Speaker
über Felder, in denen ich sozusagen als Studentin unterwegs war, der sozialen Arbeit.
00:06:18
Speaker
Und ich habe dann später nach meinem Abschluss gemerkt, okay, ich möchte das gerne auch weiter vertiefen, diesen Forschungszugang.
00:06:30
Speaker
Habe dann den Master draufgesetzt, habe auch empirische, kleinere Studien als Abschlussarbeiten gemacht.
00:06:38
Speaker
Und danach in verschiedenen Bereichen, nicht nur rein in der Genderforschung, aber immer auch mit Bezug zu Gender als wissenschaftliche Mitarbeiterin gearbeitet.
00:06:49
Speaker
Und habe da eben gemerkt, dieses Thema zieht sich sozusagen durch, auch wenn es jetzt nicht ein Fokus der jeweiligen Studie ist, es spielt immer eine Rolle.
00:06:59
Speaker
Und ich denke, so behandle ich das auch eher als Querschnittsthema und bin ja jetzt auch in den FED-Studies gelandet, wo ich jetzt nicht primär sage, ich gucke jetzt
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Speaker
nur auf Geschlecht, sondern immer auch, welche Rolle spielt Geschlecht in Verbindung zu anderen Dimensionen und in verschiedenen Feldern.
00:07:16
Speaker
Und ich würde sagen, dass ich da eben einen sehr empirischen Zugang habe, also immer interessiert an bestimmten Forschungsfeldern, Orten, Handlungen.
00:07:30
Speaker
Im Grunde waren es Zufälle, dass wir das eine und das andere war Menschen,
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Speaker
Menschen, die mir ermöglicht haben, in der akademischen Organisation, in der Hochschule überhaupt so etwas wie einen Platz zu finden.
00:07:51
Speaker
Das war das zentrale Motiv.
00:07:54
Speaker
Das war damals Frigga Haug mit dem Konzept des Frauengrundstudiums.
00:08:01
Speaker
Also liegt ja alles ganz weit zurück.
00:08:04
Speaker
Da wart ihr noch gar nicht auf der Welt.
00:08:06
Speaker
In den 80er Jahren, also ein totales Novum, Innovation, die Idee, also für junge Frauen ist es schwer, als Studentinnen überhaupt in dieser männlich organisierten Organisation Platz zu finden.
00:08:25
Speaker
und für sich sprechen zu können und wissenschaftlich aneignen zu können.
00:08:29
Speaker
Und sie hat eben dieses Konzept des Frauengrundstudiums dann propagiert und dazu auch veröffentlicht.
00:08:37
Speaker
Und da hat sich dann in Marburg damals eine Studentinnengruppe

FAT-Studies und soziale Implikationen

00:08:43
Speaker
gebildet, die dieses Frauengrundstudium nach Marburg geholt hat.
00:08:47
Speaker
Also auch in dieser Kombination mit Politik und Aufmischen, einen Fachbereich aufmischen,
00:08:54
Speaker
feministischen Anklagen und Vorwürfen.
00:08:57
Speaker
Also es war einfach auch eine schöne Rolle.
00:08:59
Speaker
Das hat Spaß gemacht.
00:09:01
Speaker
Und für Unruhe zu sorgen.
00:09:03
Speaker
Es hat Spaß gemacht, in einer Gruppe zu sein, die verbunden hat.
00:09:07
Speaker
Also im Grunde genommen die erste Erfahrung auch von Kollektivität im wissenschaftlichen Apparat.
00:09:15
Speaker
Und dann haben wir es auch geschafft, dieses Frauengrundstudium nach Marburg zu holen.
00:09:19
Speaker
Und das basierte auf einem sehr
00:09:24
Speaker
Forschungsorientierten Herangehen an Frauenfragen.
00:09:31
Speaker
Es ging um Frauenfragen damals, also Geschlechterfragen waren noch weniger.
00:09:37
Speaker
Wir haben zusammen gelesen, wir haben zusammen unsere eigenen Erfahrungen untersucht, also immer mit so einem
00:09:43
Speaker
wissenschaftlich orientierten Zugang zu dem, was unsere eigene Welt ausmacht.
00:09:50
Speaker
Aber ich denke dann im Nachhinein, wenn es ein anderes Thema gewesen wäre, was mir diese Gruppen, diese Kollektivitätserfahrung ermöglicht hätte oder diese Machterfahrung auch im Hochschulapparat, dann hätte es auch was anderes sein können.
00:10:07
Speaker
Also das meine ich so mit, ja, das ist auch Zufall gewesen.
00:10:12
Speaker
Und das war das eine, was mich reingezogen hat zur Frauenforschung.
00:10:19
Speaker
Und das andere war, dass ich dann nach meiner Promotion fünf Jahre in einem Mädchenmodellprojekt als wissenschaftliche Begleitung in Marburg gearbeitet habe.
00:10:30
Speaker
Und da musste ich ja quasi qua Job mich mit Mädchenfragen beschäftigen.
00:10:38
Speaker
Also es war ein beruflicher Auftrag.
00:10:41
Speaker
Und also der war mir nicht zuwider, aber dass es auch solche Zusammenhänge gibt und wenn ich eine andere Stelle gefunden hätte, wäre es auch was anderes gewesen.
00:10:54
Speaker
Ja, das ist spannend.
00:10:55
Speaker
Ich finde auch gerade eure generationale Verortung, die wird hier nochmal total sichtbar.
00:11:00
Speaker
Ich habe jetzt auch so gerade überlegt, wo ich mich da einsortieren würde.
00:11:03
Speaker
Du hast mich übrigens jünger gemacht, als ich bin.
00:11:05
Speaker
Also lauter in den 80er Jahren habe ich schon die Schulbank gedrückt.
00:11:08
Speaker
Du hast jetzt auch gleich, Judith, so dieses Curriculare aufgerufen.
00:11:12
Speaker
Also was ist das Angebot an den Hochschulen?
00:11:14
Speaker
Das war damals vielleicht, du hast es aber im Prinzip ja auch mit diesem Frauengrundstudium, also diese...
00:11:19
Speaker
Was ist auch angeboten?
00:11:21
Speaker
Mit was können wir uns beschäftigen?
00:11:23
Speaker
Ich habe das in Hamburg ganz anders, also da gab es eine große Bandbreite auch an Möglichkeiten, sich dazu zu wenden.
00:11:32
Speaker
Es gab einige ProfessorInnen, die sich da auch in der Geschlechterforschung verortet haben.
00:11:38
Speaker
Ich habe das trotzdem erstmal nicht als mein Angebot angenommen, aber ich glaube, jeder hat irgendwie so dann seine Initialzündung.
00:11:44
Speaker
Es sind meistens so
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Speaker
Aber ich glaube, am ehesten ist es wahrscheinlich auch so, das, was du beschrieben hast, Judith, es taucht immer überall auf.
00:11:52
Speaker
Es ist so ein Querschützthema, das immer wieder auch in bestimmten Situationen relevant wird.
00:12:01
Speaker
Ich glaube, es steckt überall drin.
00:12:04
Speaker
Und man muss sich dann suchen, was für einen selber die Brille ist, die man da auch dann aufsetzt.
00:12:13
Speaker
in diesem Kontext.
00:12:14
Speaker
Ja, und ich glaube, es klingt für uns in der Genderforschung manchmal fast banal oder wie eine Selbstverständlichkeit, dass man das als Analysekategorie ansetzen kann, Geschlecht, aber ich habe tatsächlich, glaube ich, lange nach einem Ort gesucht, an dem ich das so anschauen kann.
00:12:31
Speaker
Also ich denke, es ist tatsächlich, kann, der akademische Bereich kann ein Zugang dazu sein, das halt sichtbar zu machen, weil ich vorher
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Speaker
auch die Erfahrung gemacht habe, dass man ganz viel so essentialisierenden Vorstellungen begegnet zu Geschlecht.
00:12:50
Speaker
Und das ist wahrscheinlich was, was heute anders auftritt oder vielleicht auch irgendwie weniger dicht, als es für frühere Generationen womöglich war.
00:13:01
Speaker
Ich bin jetzt hier die Jüngste in der Runde, quasi Jahrgang 90.
00:13:06
Speaker
Aber trotzdem ist das was, woran ich mich irgendwie
00:13:10
Speaker
von meinem Studium gerieben habe und gemerkt habe, ich habe aber, es ist nicht greifbar für mich.
00:13:16
Speaker
Und da hat, glaube ich, dieser Zugang über die Genderforschung und über eine akademische Auseinandersetzung dann in diesem Fall mir eine Möglichkeit gegeben, meine Position eigentlich greifbarer zu machen, sichtbarer zu machen.
00:13:34
Speaker
Jetzt habt ihr euch ja einem sehr speziellen Thema auch nochmal zugewendet innerhalb, ich weiß gar nicht, ob ich sagen würde, innerhalb der Geschlechterforschung, aber vielleicht mit einem bestimmten Blick guckt ihr nochmal auf vergeschlechtlichte Körper, nämlich im Hinblick des Dickseins.
00:13:50
Speaker
Was hat euch dazu bewogen, sich dieser Perspektive nochmal zuzuwenden im Speziellen?
00:13:56
Speaker
Also ich könnte mir vorstellen, vielleicht haben wir dazu auch total unterschiedliche Zugänge.
00:13:59
Speaker
Ich meine, manches ist der Zufall, was einem angeboten wird.
00:14:03
Speaker
Ich muss auch sagen, dass ich kann mich für viele Themen begeistern.
00:14:06
Speaker
Und wenn jemand eine interessante Projektidee zum Beispiel hat oder an einem interessanten Thema arbeitet, hat das immer das Potenzial, meine Neugier zu wecken und zu halten.
00:14:17
Speaker
Aber gerade das Thema Dicksein hat mich, glaube ich, sehr angezogen, weil diese Auseinandersetzung mit dem Körper und wie der einen im sozialen Raum verortet, glaube ich, was ganz Machtvolles, Zentrales im Grunde für alle Menschen ist.
00:14:37
Speaker
Und sich das am Dicksein nochmal so stark kristallisiert oder man das da auch so besonders
00:14:46
Speaker
frontiert anschauen kann.
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Speaker
Und das verbindet sich dann eben mit anderen Fragen, mit denen ich mich vorher schon beschäftigt habe.
00:14:54
Speaker
Also vergeschlechtlichte Körper vor Ort, nein, auch im sozialen Raum, sind irgendwie gebunden an Zuweisungen, an bestimmte Vorstellungen, was ein Mensch gut kann oder tun sollte.
00:15:10
Speaker
Genau.
00:15:11
Speaker
Ich selber bin ja nicht dick.
00:15:14
Speaker
was vielleicht für viele ein Zugang zu dem Thema ist.
00:15:17
Speaker
Ich habe vorhin über dieses Biografische gesprochen in der Genderforschung.
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Speaker
Ich selber habe keine Erfahrung als dicker Mensch gemacht.
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Speaker
Aber gerade auch dieses Thema Körpergröße, Körpermasse, spielt, glaube ich, immer eine Rolle dafür, wie man auftreten kann, wie man wahrgenommen wird.
00:15:35
Speaker
Und über die Erfahrung konnte ich auch gut andocken.
00:15:39
Speaker
Und auch die Erfahrung, das Zweite ist vielleicht,
00:15:44
Speaker
diese Vorstellung beim Dicksein, das ist jetzt was Spezifisches, finde ich auch, dass das ja ein Ergebnis ist meines Lebensstils, meines Verhaltens, meines Verhältnisses zu meinem Körper.
00:15:59
Speaker
Und das ist dann auch nochmal ein interessanter Unterschied eigentlich zu Geschlecht, das häufig als gesetzt wahrgenommen wird.
00:16:08
Speaker
Und ich habe
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Speaker
persönlich eher die Erfahrung gemacht, dass auch der eigene Körper also total widerständig sein kann gegen Eingriffe, Veränderungen, Bearbeitungen.
00:16:20
Speaker
Und das fand ich irgendwie auch spannend.
00:16:22
Speaker
Also diese soziale, diese Vorstellung, dass der Körper jetzt ein Zeichen ist dessen, was man mit ihm tut, die da ganz fest mit verbunden ist, mit unseren Vorstellungen zu dick sein kann.
00:16:39
Speaker
die ich einfach hinterfragen wollte, weil ich das aus anderen Bereichen einfach eben nicht so kenne.
00:16:44
Speaker
Der Körper ist auch etwas, was sozusagen einfach auch tut und sich manchmal der Kontrolle entzieht.
00:16:53
Speaker
Und das, finde ich, ist ein Thema, was man auch spannend am Dicksein betrachten kann.
00:16:59
Speaker
Genau, das hat mich gereizt, wie man eigentlich mit diesen...
00:17:02
Speaker
Ambivalenzen sozusagen umgehen kann, weil man wird gleichzeitig auf eine ganz bestimmte Art angesprochen, man erhält bestimmte Zugänge oder erhält Zugänge nicht über das Körpergewicht, man hat eine bestimmte Position, auch eine bestimmte Machtposition und gleichzeitig sind die Anrufungen, die damit verbunden sind, sehr stark und nicht gleichzeitig in dem eigenen Erleben oder in der eigenen Realität nicht so einfach zu erfüllen.
00:17:30
Speaker
Und wie geht man damit um?
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Speaker
Also das finde ich eine spannende Frage.
00:17:36
Speaker
Aber würdest du dich als Genderforscherin in den FED-Studies begreifen?
00:17:42
Speaker
Weil Hannah ja damit eröffnet hat, wie seid ihr jetzt zur Genderforschung, zu den FED-Studies gekommen?
00:17:50
Speaker
Also ich selber...
00:17:53
Speaker
Also ja, klar, wenn man sich mit Hochgewichtigkeit beschäftigt, landet man bei Genderfragen.

Diskurs über Essen und Gewichtskontrolle

00:18:00
Speaker
Aber erst mal war mein Zugang nicht über meine Genderforschung, sondern über die Essensforschung.
00:18:10
Speaker
Über viele Jahre oder bis heute fasziniert mich diese Lebenspraxis und es hat mich...
00:18:21
Speaker
Dann angekotzt, also da ist wieder ein ganz starker emotionaler Impuls auch, war das Antriebsmoment, dass man über Essen nur nachdenken kann, schreiben kann, dass Diskurse übers Essen immer bei der Frage des Gewichts landen.
00:18:39
Speaker
Heutzutage.
00:18:40
Speaker
Und das...
00:18:43
Speaker
über kurz oder lang dann immer im Raum steht, ja, aber die Art und Weise, wie wir essen, muss sich danach richten, um einen schlanken Körper zu sichern.
00:18:55
Speaker
Und das hat mich wütend gemacht, weil es für mich eine totale Verunstaltung von Lustmöglichkeiten ist.
00:19:09
Speaker
Also ein Disziplinarinstrument,
00:19:12
Speaker
was kaputt macht, was zerstört eine Lebenspraxis, die so wichtig ist, essentiell wichtig und so unglaublich schön sein kann als Verbindung zur Welt.
00:19:28
Speaker
Verbindung zur Welt und zu mir selber, weil ich verleibe mir Nahrung ein und es löst etwas in mir aus und
00:19:37
Speaker
Und es macht auch mit den Menschen, die mit mir essen, etwas.
00:19:43
Speaker
Das ist ja auch ein soziales Moment.
00:19:47
Speaker
Und wenn da immer wieder drüber liegt, die Warnung,
00:19:52
Speaker
pass auf, du wirst zu dick, wird uns eine wichtige Lebensgrundlage auch entzogen.
00:20:00
Speaker
Das hat mich zu den Fetstudies getrieben, Hanna.
00:20:04
Speaker
Und nicht die Frage der Genderforschung.
00:20:08
Speaker
Aber wenn man dann weitermacht, merkt man, da tun sich eklatante Geschlechterfragen auf.
00:20:17
Speaker
Und dann, also mein...
00:20:19
Speaker
Meine erste Offensive bei dem Thema war ja dann, dass ich mit dem Friedrich Schorb da ein Sammelband kreiert habe, zu den Fettstudies in Deutschland.
00:20:30
Speaker
Und dann hat man gar nicht so auf dem Schirm und überlegt.
00:20:37
Speaker
Und als wir alle Texte so beieinander hatten, das Manuskript stand, haben wir gesagt, oh, wir haben ja nur Frauen als Autorinnen.
00:20:46
Speaker
Es war für mich tatsächlich überraschend, weil ich ja mit Fritz und einem Mann diesen Band konzipiert hatte.
00:20:54
Speaker
Und dann auf einmal, oh ne, es ist offenbar ein Thema, was die Frauen angreift.
00:21:07
Speaker
Und ab da lag es als Gleis aus, als Brille, die man dann gar nicht mehr abnehmen kann.
00:21:15
Speaker
Ich würde auch nicht sagen, dass ich über die Genderforschung zum Körpergewicht oder zu den Fettstudies gefunden habe.
00:21:23
Speaker
Ich glaube eher, es ist eine Parallele in den Interessen, die man da verfolgen kann, auch da.
00:21:30
Speaker
Nämlich dieses Moment der sozialen Kontrolle über den Körper.
00:21:35
Speaker
Und ich glaube, das lässt sich sowohl auf Geschlecht beziehen, als auch auf das Gewicht.
00:21:41
Speaker
Und da gibt es einfach ganz viele Überschneidungen.
00:21:43
Speaker
Und ich glaube, das fand ich spannend.
00:21:45
Speaker
Und welche Hierarchien,
00:21:48
Speaker
darin dann stecken und wie die navigiert werden können.
00:21:51
Speaker
Vielleicht auch so ein Weg aus der, in dem Fall dann aus der sozialen Arbeit, zumindest mit dieser Perspektive auf das Thema soziale Ungleichheiten.
00:21:58
Speaker
Also das ist vielleicht auch, was mich dann hingebracht hat, also dass ich diesen Hintergrund aus der sozialen Arbeit mitgebracht habe, zu schauen, wer hat hier eigentlich welche, wer wird hier in einer letztlich ja auch Machtbewegung,
00:22:16
Speaker
Matrix einer gesellschaftlichen wie verortet.
00:22:18
Speaker
Das, glaube ich, kann man bei beidem und in der Überschneidung sehr gut verfolgen.
00:22:23
Speaker
Erstmal ist es ja schon interessant, dass die primäre Urfunktion ist ja die Mutter, die das Kind füttert.

Klasse und Geschlecht in der Adipositasforschung

00:22:32
Speaker
Das ist das eine.
00:22:33
Speaker
Und das andere ist, wir können ja wahrscheinlich nur so, wie wir darüber denken und reden und welche Bilder wir konstruieren, nur so darüber reden, weil unsere Ernährung sichergestellt ist.
00:22:45
Speaker
Erst dann können wir uns Gedanken darüber machen, wie wir uns ernähren wollen, dass wir uns besonders gesund ernähren müssen und dass unser Körper da auch noch eine Rolle spielt, wie wir den dann gestalten und formen durch unsere Ernährung.
00:22:56
Speaker
Aber das ist ja alles erst möglich durch eine gewisse Sättigung, die wir erfahren, oder?
00:23:02
Speaker
Ja, ja, da bin ich bei dir.
00:23:05
Speaker
Das sind jetzt Fragen zum Essen aus einer Luxusposition raus.
00:23:14
Speaker
Und ich selber in den 60ern bin noch in die Kinderkur geschickt worden, weil ich dicker werden sollte.
00:23:24
Speaker
Also das war die große Angst.
00:23:26
Speaker
Das ist die Dauerangst der Menschheit gewesen.
00:23:29
Speaker
Und das ist jetzt, also auf die Menschheitsgeschichte betrachtet, erst eine ganz kurze Angst.
00:23:36
Speaker
zu dick zu sein.
00:23:37
Speaker
Also das war, lange war das das Zeichen von Sicherheit.
00:23:42
Speaker
Der dicke Körper, das ist der überlebensfähige Körper.
00:23:50
Speaker
Ja, und gleichzeitig hat sich das ja in der Art und Weise, wie heute über Dicksein gesprochen wird, ja auf eine gewisse Art umgedreht.
00:23:58
Speaker
Weil also gängige Art, glaube ich, auf das Dicksein zu schauen, ist
00:24:02
Speaker
diese Perspektive, wir haben hier zumindest in den entwickelten Industrienationen Überangebot an industrieller, hochkalorischer Nahrung und so weiter.
00:24:14
Speaker
Und dann wird die soziale Frage daran eigentlich aufgemacht, wer kann sich denn
00:24:18
Speaker
die frische Kost, die gesunde Ernährung leisten.
00:24:22
Speaker
Also dann wird es zur Ressourcenfrage zu sagen, bilde ich mich zu gesunden Ernährungsgewohnheiten weiter?
00:24:29
Speaker
Kaufe ich auf dem Wochenmarkt mein Gemüse ein oder kaufe ich Convenience-Food?
00:24:34
Speaker
Habe ich Zeit zu kochen, zuzubereiten etc.?
00:24:39
Speaker
Also es hat sich tatsächlich, ich glaube unsere Perspektive darauf, hat sich ziemlich umgedreht in dieser Hinsicht oder zumindest stark verändert, ja.
00:24:49
Speaker
Also das Zeichen des Armenkörpers war über Jahrhunderte der Menschheit der dünne Körper.
00:24:58
Speaker
Und jetzt ist es der dicke Körper geworden.
00:25:02
Speaker
Und damit sind wir, also denke ich dann auch manchmal, dass die Klassenfrage beim Dicksein mir bei der Prominent,
00:25:15
Speaker
Aufmerksamkeit für die Geschlechterfrage immer ein bisschen zu sehr runterfällt.
00:25:21
Speaker
Also manchmal denke ich so, wir müssten mehr über die Klassenfrage bei diesem Körperphänomen nachdenken.
00:25:33
Speaker
Der Diskurs ist gut entwickelt dazu, die Stigmatisierungseffekte, die geschlechtsspezifischen, zu rekonstruieren, offen zu legen, anzuklagen, aber im Vergleich schwach ausgebildet in Bezug auf den Klassenkörper.
00:25:54
Speaker
Und das hat natürlich auch was damit zu tun.
00:25:56
Speaker
Wer macht diese Forschung?
00:26:00
Speaker
Die
00:26:01
Speaker
Also aus der Klassenposition heraus, die können sich nicht am wissenschaftlichen Diskurs und am politischen Diskurs beteiligen, weil die Voraussetzungen zur Beteiligung dann entzogen sind.
00:26:14
Speaker
Qua Klassenlage.
00:26:16
Speaker
Ja, ja.
00:26:18
Speaker
Ja, häufig bleibt es eben doch auf so einer deskriptiven Ebene.
00:26:21
Speaker
Also wo sozusagen zum Beispiel, also wir haben Studien, die Korrelationen feststellen zwischen Bildungsstatus und Körpergewicht, meinetwegen noch mit anderen Dimensionen verbunden wie Geschlecht oder so.
00:26:37
Speaker
Aber ich glaube, was eigentlich fehlt, ist nicht diese quantitative Betrachtung, okay, wer hat denn eigentlich...
00:26:46
Speaker
qua sozialer Position welchen Körper, sondern Fragen nach der Bedeutung.
00:26:52
Speaker
Weil man schnell, glaube ich, auch in diesen, und das ist ja ein verbreiteter, auch medialer Diskurs, also in diesen Diskurs reingerät,
00:27:01
Speaker
na warum machen es denn dann die Leute mit der geringeren Bildung oder mit dem geringeren Einkommen falsch?
00:27:07
Speaker
Also gleich verbunden mit einer moralischen Frage und auch Grundeinnahme, dass natürlich der dicke Körper dann ein Problem darstellt, dass es jetzt zu korrigieren gilt.
00:27:19
Speaker
Also die soziale Frage wird als Problemfrage aufgemacht.
00:27:24
Speaker
Und ich glaube, ein großer Gewinn durch die Perspektive der Fat Studies ist, hier nochmal den Blick
00:27:31
Speaker
weiten zu können.
00:27:33
Speaker
Und auch vielleicht, wenn man aus dieser Richtung der Ernährungsforschung kommt.
00:27:38
Speaker
Na, Silotte, du hattest vorhin über den Genuss und die soziale Bedeutung von Essen gesprochen.
00:27:44
Speaker
Dass Essen ja viele...
00:27:47
Speaker
Ernährung jetzt als ein Beispiel, ein Thema, das irgendwie mit dem Körper verbunden ist, dass das einfach viele Bedeutungen hat, viele verschiedene Bedeutungsdimensionen und zum Beispiel verbunden ist mit Identität, mit...
00:28:03
Speaker
sozialer Zusammenkunft mit Beziehungsfragen, auch mit, also wir sind beide auch in der Elternforschung viel aktiv, mit Fragen der Fürsorge.
00:28:12
Speaker
Wie leiste ich Fürsorge?
00:28:13
Speaker
Wie kann ich da eben auch Beziehungen innerhalb von zum Beispiel Familien oder anderen Fürsorgebeziehungen pflegen?
00:28:20
Speaker
Und ich glaube, das sind lauter Fragen, die oft hinten überfallen, wenn wir immer darauf schauen, okay, wer ist jetzt eigentlich was?
00:28:26
Speaker
Und wird man dann davon dick oder dünn?
00:28:28
Speaker
Oder ist das jetzt gut oder schlecht?
00:28:32
Speaker
Ich habe so das Gefühl, wir eiern so ein bisschen um die Frage rum, korrigiert mich, wenn ich falsch liege, ob es jetzt einen geschlechtlichen Bezug auch hat oder nicht.

Gesellschaftliche Erwartungen an Körperbilder

00:28:40
Speaker
Also ich habe mich das auch gerade gefragt, wenn ich so diese Bilder des Fitnesswahns mir auch so in den Kopf rufe, die...
00:28:48
Speaker
männlich gelesenen Personen hier haben ja auch eine starke Prägung, was so ihren Körper anbelangt inzwischen.
00:28:56
Speaker
Also dieser durchtrainierte, guter Muskeltonus, viel Fitness an den Tag legen, immer Sport treiben, Proteinshakes zu sich nehmen, also eine ganz spezifische Ernährung, die dann nochmal diesen Muskelaufbau unterstützt.
00:29:11
Speaker
Ist das überhaupt noch an einem vergeschlechtlichten Körper im Sinne von
00:29:16
Speaker
Ist es zugeschrieben an einen weiblichen Körper, dieses du darfst nicht dick sein oder löst sich das auf und ist das so ein allgemeines gesellschaftliches Dogma?
00:29:27
Speaker
Also ich würde sagen, dass diese Anforderung des schlanken Körpers gilt für alle mittlerweile.
00:29:39
Speaker
Also historisch gab es da ein paar Verwerfungen.
00:29:45
Speaker
Aber gegenwärtig ist von dieser Norm kein Körper mehr frei.
00:29:51
Speaker
Aber das heißt nicht in Konsequenz, dass es damit geschlechtsneutral wird.
00:29:56
Speaker
Also der schlanke männliche Männerkörper muss weiterhin die Zeichen der Männlichkeit auch tragen und kultivieren.
00:30:06
Speaker
Du hast ja nicht unzufällig dann mit Fitness und muskulös gesprochen.
00:30:12
Speaker
Also da bestimmte weitere Merkmale aktiviert, die dann zusammengenommen Zeichen guter Männlichkeit sind und
00:30:22
Speaker
Die Zeichen des guten weiblichen Körpers, die Gemeinsamkeit ist auch nicht dick, aber jetzt nicht identisch mit den Anforderungen, den Merkmalen des männlichen Körpers.
00:30:34
Speaker
Also es bleibt, da vergeht schlechtlicht.
00:30:37
Speaker
Da ist auch ein gewisser Entwicklungsbedarf in den FED-Studies, weil ich glaube der Diskurs zu den weiblichen Vergeschlechtlichungen des Körpers sehr viel besser entwickelt ist, als der zum männlichen Körper und zum männlichen Dicksein.
00:31:03
Speaker
Und da frage ich mich immer wieder, wie das zu erklären ist.
00:31:09
Speaker
Also die Männerkörper sind ja sogar die dickeren.
00:31:13
Speaker
Judith, du hast vorhin gesagt, die Zählerei und so, irgendwie der Wert ist auch begrenzt.
00:31:20
Speaker
Aber da denke ich auch, es ist auch gut, dann mal so Zahlen zu bringen.
00:31:25
Speaker
Und alle Gesundheitsstudien sprechen davon,
00:31:28
Speaker
dass das Hochgewichtigkeitsproblem bei den Männern quantitativ größeres ist als bei den Frauen.
00:31:37
Speaker
Und gleichzeitig wissen wir aber zu denen kaum was.
00:31:43
Speaker
Also zu Bewältigungsstrategien, zu Explosionserfahrungen, zu Stigmatisierungserfahrungen.
00:31:50
Speaker
Wir haben gewusst,
00:31:52
Speaker
Kinderstudien dazu, Internationale, die sagen, also der dicke Junge ist das Kind, was am meisten Stigmatisierungsrisiken trägt und interessiert uns auch nicht groß.
00:32:09
Speaker
Die FED-Studies sind eben auch und die Auseinandersetzung, die kritische Auseinandersetzung mit dem Thema Dicksein,
00:32:16
Speaker
ist, glaube ich, ganz stark auch aus feministischen Bewegungen und aus feministischer Forschung und akademischen Disziplinen auch hervorgegangen.
00:32:25
Speaker
Und ich glaube, da steckt dann auch, ja, also da stecken zum einen Vorarbeiten drin zum Thema Weiblichkeit und da stecken auch, also da arbeiten, glaube ich, auch viele Menschen, viele Frauen, viele Menschen, die patriarchale Strukturen haben,
00:32:46
Speaker
mit Blick auf Weiblichkeit, sind in diesem Forschungsbereich aktiv und bringen ihre Perspektive und ihre Themen ein.
00:32:56
Speaker
Ich glaube, es ist nicht, also ich will damit nicht sagen, dass die Genderforschung nicht zugänglich wäre für Männer oder andere Geschlechter.
00:33:06
Speaker
Ich will damit vielmehr sagen, ich glaube, es gibt auch eine Tendenz, bestimmter Personengruppen sich dazu hingezogen zu fühlen.
00:33:14
Speaker
Und ich glaube, dass dieses Thema Dicksein und Schönheitsideale, Körpernormen und Anforderungen zur Körperbearbeitung ganz früh auch im Feminismus entdeckt wurde als ein feministisches Thema.
00:33:29
Speaker
Und das knüpft einfach total aneinander an.
00:33:32
Speaker
Also ich glaube aber, dass darüber auch ein starker Fokus auf dieses Thema ist,
00:33:41
Speaker
leben als Frau oder leben als Mädchen oder vielleicht auch als queere Person mittlerweile in einem dicken Körper, dass das vielleicht auch in Studien und theoretischen Auseinandersetzungen dadurch eine stärkere Aufmerksamkeit erfährt.
00:33:57
Speaker
Wir wissen im Übrigen aber auch durch verschiedene Studien, dass eben
00:34:04
Speaker
dicke Frauen in ganz besonderer Weise auch von ganz spezifischen Diskriminierungen betroffen sind.
00:34:08
Speaker
Also das will ich damit gar nicht in Abrede stellen.
00:34:11
Speaker
Aber ich glaube, dass das Thema Männlichkeit und Dicksein einfach bisher aus dieser Genese der Forschungsdistikien heraus nicht dieselbe Aufmerksamkeit erhalten hat.
00:34:25
Speaker
Und ich würde aber auch sagen, dass Dicksein als ein soziales Stigma sich ganz stark
00:34:37
Speaker
darauf auswirkt, ob jemand mit dem eigenen Geschlecht anerkannt wird, ob jemand mit Geschlechternormen entsprechen

Kulturelle Unterschiede in der Wahrnehmung von Körpergewicht

00:34:49
Speaker
kann.
00:34:49
Speaker
Und ich glaube, das gilt für das weibliche sowie das männliche Geschlecht.
00:34:53
Speaker
Wir gucken da oft irgendwie auf das Thema Weiblichkeit und welche besonderen, ja,
00:35:02
Speaker
Betroffenheiten es gibt oder welche besonderen intersektionalen Diskriminierungen zwischen Geschlecht und Dicksein bestehen.
00:35:10
Speaker
Aber dass dicken Frauen zum Beispiel ihre Weiblichkeit abgesprochen wird, bedeutet im Umkehrschluss nicht, dass Dicksein ein Kennzeichen der Männlichkeit ist und als solches anerkannt im sozialen Sinne.
00:35:23
Speaker
Sondern ich glaube, ebenso gibt es mittlerweile ganz gute
00:35:28
Speaker
Hinweise auch darauf, dass Dicksein auch herangezogen werden kann, um eben männliche Geschlechtlichkeit abzusprechen.
00:35:37
Speaker
Und dass viele Zuschreibungen an dicke Menschen eigentlich in einem sehr starken Gegensatz zu Männlichkeitsidealen und Männlichkeitsnormen stehen.
00:35:46
Speaker
Also diese Weichheit, dicker Körper zum Beispiel.
00:35:51
Speaker
Ja, noch mehr.
00:35:52
Speaker
Also er hat ja Brüste.
00:35:54
Speaker
Ja, genau.
00:35:56
Speaker
Der dicke, männliche Körper hat Brüste.
00:35:59
Speaker
Ich denke, da sind auch mit unseren, sowohl für Frauen als auch für Männer, eigentlich für alle Körper, ist das Körperideal mit einer gewissen Leistungsfähigkeit und Leistungsnorm verbunden.
00:36:13
Speaker
Und unsere Vorstellung von einem dicken Körper widerspricht dem total.
00:36:17
Speaker
Also wenn ich an den muskulösen, starken, männlichen Idealkörper denke...
00:36:22
Speaker
dann denke ich eben damit auch an einen Körper, der aktiv geformt wird und aktiv so muskulös so stark gemacht wird.
00:36:33
Speaker
Und ich glaube, dass das als ein Kennzeichen von Männlichkeit immer noch oder auch sehr stark gilt.
00:36:40
Speaker
Und das widerspricht sozialen Vorstellungen, finde ich, sein auf jeden Fall, ja.
00:36:45
Speaker
Was wir jetzt noch gar nicht so richtig angesprochen haben, sind die kulturellen Codes.
00:36:49
Speaker
Also ich stelle mir jetzt vor, wir sprechen jetzt über unsere westliche Kultur, über unser Körperbewusstsein, aber es gibt ja durchaus auch Kulturen, in denen das Dicksein, gerade auch des weiblichen Körpers, nicht so besetzt ist.
00:37:03
Speaker
Also nicht so diskriminiert und marginalisiert ist, sondern es eher ein Zeichen für Stärke, für Kraft, für Natürlichkeit gesehen wird.
00:37:13
Speaker
Auch Attraktivität.
00:37:18
Speaker
Es gibt zum Beispiel Studien dazu, jetzt würde ich euch natürlich gerne die AutorInnen nennen, aber ich habe es jetzt aus dem Kopf leider nicht parat, vielleicht kann ich es nachschließen.
00:37:26
Speaker
Die zeigen, dass in schwarzen Communities zum Beispiel weniger starke Internalisierung von Gewichtsstigma herrscht, weil es da auch eine größere Normalisierung ist.
00:37:38
Speaker
von dicken Körperformen gibt.
00:37:41
Speaker
Also dass es da quasi gewisse Resistenzen sozusagen gegen eigentlich diese Gewichtsdigmatisierung auch gibt.
00:37:48
Speaker
Also wir haben einen sehr weißen und auch eurozentrischen Blick auf das Thema Körperform und Körpergewicht, den wir als Standard ansetzen.
00:38:00
Speaker
Und ich glaube nicht, dass der überall geteilt wird, auch in der westlichen Welt nicht überall geteilt wird, sondern dass es einfach der hegemoniale Blick
00:38:08
Speaker
eben auch und hängt eng damit zusammen, auch mit einem kolonialen Blick, wo dicke Körper und schwarze Körper verbunden wurden mit Zuschreibungen zu Unzivilisiertheit oder zu Maßlosigkeit, die dann dem zivilisierten weißen europäischen Körper gegenübergestellt wurden.
00:38:31
Speaker
Also ich glaube, da gibt es viele Verwobenheiten und ein, ja,
00:38:36
Speaker
Einen hegemonialen Blick, der nicht von allen kulturell geteilt wird und wurde, der sich aber eben durchgesetzt hat darauf, was ist ein guter Körper, was ist ein starker, ein leistungsfähiger Körper und auch ein quasi erhabener, ein besserer Körper, der in der sozialen Hierarchie über anderen stehen sollte und über andere Menschen.
00:39:02
Speaker
bestimmen kann.
00:39:03
Speaker
Und da wurde, glaube ich, Körpergewicht früh auch mit einem kolonialen Denken verbunden.
00:39:08
Speaker
Aber ich sehe das bislang nicht so stark in den deutschen FED-Studies als ein Thema, was jetzt eben auf unseren deutschsprachigen Raum übertragen erforscht wird.
00:39:20
Speaker
Oder ich bin dem noch nicht so viel begegnet, wie eben dieser dann doch vielleicht weiß-feministisch geprägten Perspektive auf das Thema Geschlecht.
00:39:28
Speaker
Ja, also da würde ich mich auch anschließen.
00:39:31
Speaker
Die
00:39:31
Speaker
Die Klassenfrage und die Frage von Race ist im deutschsprachigen Diskurs zu den FED-Studies relativ unterentwickelt.
00:39:42
Speaker
Ich würde ganz gerne nochmal auf eine Schnittmenge von euch beiden eingehen, weil ich das sehr spannend finde.

Einfluss elterlicher Rollen auf das Körperbild

00:39:47
Speaker
Eigentlich eine Schnittmenge von uns dreien, weil wir uns alle irgendwie mit Elternschaft, mit Sorge beschäftigen und ihr beide tut das ja.
00:39:55
Speaker
Judith, du promovierst dazu, zu dicken Eltern.
00:39:57
Speaker
Lotte, wir machen jetzt gerade ein Forschungsprojekt zu filtern in der Wissenschaft, aber du hast dich auch viel mit dem Thema Kinderernährung eben in Form des Stillens auch befasst.
00:40:06
Speaker
Also irgendwo kommen wir immer wieder auch zu Fragen von, ja,
00:40:10
Speaker
Bildern des Sorgens, des Versorgens, vielleicht auch eben der ernährungsmäßigen Versorgung und dann auch landen wir irgendwie vielleicht beim Mutterbild.
00:40:19
Speaker
Also wie hängt denn diese Auseinandersetzung zum Dicksein auch mit einem bestimmten Mutterbild zusammen?
00:40:27
Speaker
Naja, ganz...
00:40:29
Speaker
Ganz eng ist das verkoppelt.
00:40:31
Speaker
Also gute Mutterschaft zeigt, wird ausgewiesen durch den Körper des Kindes.
00:40:39
Speaker
Wobei da eben interessant ist, dass die Normen für den guten Kinderkörper sich eben verändert haben.
00:40:46
Speaker
Es war dann lange das schöne, dicke, runde Kind.
00:40:51
Speaker
Und da braucht man gar nicht so weit zurückgehen.
00:40:54
Speaker
Noch in den 50er Jahren die Werbung für die
00:40:59
Speaker
Kinderkunstmilch und Breie haben ein moppeliges Kind gezeigt, was heute das Etikett kriegen würde oder mit der Warnung beim Kinderarzt verbunden würde gegenüber der Mutter, passen Sie auf.
00:41:19
Speaker
Das darf nicht so weitergehen.
00:41:22
Speaker
Aber die Normen,
00:41:27
Speaker
An den Kinderkörper haben sich verändert, aber nicht der Anspruch oder nicht der Mechanismus, dass die Care-Leistung der Mutter daran bemessen wird, wie der Körper des Kindes aussieht.
00:41:40
Speaker
Und da gibt es eben auch eine Verbindung, es geht ja bei dem Thema Elternschaft nicht nur um die Elternschaft von Menschen, die dicke Kinder unter Umständen haben, sondern auch um die dicken Eltern selber.
00:41:53
Speaker
Und da gibt es eben auch eine Verbindung zu dieser sehr verbreiteten Vorstellung,
00:41:58
Speaker
wie gesagt, dass das Dicksein Ergebnis eines bestimmten Lebensstils sei, eines bestimmten Verhaltens.
00:42:03
Speaker
Und das verbindet sich auch mit Vorstellungen dazu, wie Kinder sozialisiert und erzogen und dadurch geprägt werden.
00:42:10
Speaker
Also diese Vorstellung, dass dicke Eltern oder dicke Mütter in dem Fall vielleicht, weil sie als primäre Ernährungspersonen angesprochen werden, nach wie vor ihren Kindern einen bestimmten Lebensstil vorleben würden, der eben dick mache,
00:42:28
Speaker
Und der damit als schädlich für Kinder auch deklariert wird.
00:42:33
Speaker
Also da gibt es auch wieder einen gewissen Leistungsanspruch auch an Elternschaft, an mütterliche Fürsorge, an elterliche Fürsorge, diese besonders gut und entwicklungsförderlich zu leisten.
00:42:46
Speaker
Das ist etwas, was dicken Eltern vielfach abgesprochen wird.
00:42:50
Speaker
Dabei geht natürlich die Ebene verloren, dass Körper komplex sind und ganz viele Faktoren auf die Entwicklung von Körpern sich auswirken.
00:42:59
Speaker
Genetik, Verhalten, Umwelteinflüsse, auch Fragen, also soziale Fragen, ökonomische Fragen nach Wohnumgebung, nach den Möglichkeiten der Ernährungszubereitung,
00:43:15
Speaker
für verschiedene Gruppen, die gegeben sind oder nicht.
00:43:17
Speaker
Aber es verkürzt eben stark diese Vorstellung, dass dicke Eltern eine mangelhafte Fürsorge leisten.
00:43:23
Speaker
Und ich glaube, da wird es dann wirklich interessant.
00:43:27
Speaker
Man kann bestimmt breiter auf das Thema dicke Fürsorgende schauen.
00:43:31
Speaker
Und ich meine, auch die Erzieherin hat einen Erziehungs- und Bildungsauftrag und bekommt Verantwortung zugewiesen für...
00:43:40
Speaker
Das Wohlergehen der eher anvertrauten Kinder.
00:43:43
Speaker
Also ich kann mir das sehr gut als ein ergebiges Forschungsfeld vorstellen, gerade am Fachbereich Soziale Arbeit.
00:43:49
Speaker
Ja, sehr spannend.
00:43:50
Speaker
Und ich weiß gar nicht, ob ich das immer so stark, also ich persönlich, ich forsche ja zum Thema dicke Eltern und habe bewusst auch mit dicken Vätern gesprochen.
00:43:58
Speaker
Und ich weiß gar nicht, ob ich das immer so direkt auf dicke Mutterschaft beziehen möchte.
00:44:03
Speaker
Also es gibt, glaube ich, unterschiedliche...
00:44:05
Speaker
Ausprägungen und Erfahrungen, die Menschen machen und unterschiedliche Deutungen dieser Situation, wo auch Geschlecht mit reinspielt.
00:44:12
Speaker
Aber ich würde insgesamt sagen, es ist eine Frage dessen, wer Verantwortung auch für Kinder zugewiesen kriegt.
00:44:19
Speaker
Und ich glaube, da sind ja Väter mittlerweile immer stärker mit inbegriffen.
00:44:24
Speaker
Vielleicht nicht in derselben Intensität oder ja, nicht in derselben Intensität wie Mütter.
00:44:30
Speaker
Aber ich...
00:44:32
Speaker
wäre immer dafür, erstmal zu schauen, was ist eigentlich hier, also was ist Elternschaft und was ist dann spezifisch Mutterschaft und nicht davon auszugehen, dass es immer um Mütter geht.
00:44:41
Speaker
Also leider ist es auch so, dass bei den empirischen Studien ganz häufig mit Müttern nur gesprochen oder nur mit Müttern Interviews geführt werden und es relativ wenige Studien gibt, die da wirklich gezielt irgendwie schauen, was sagen denn dicke Mütter und Väter,
00:44:56
Speaker
zum Thema, welche Erfahrungen habt ihr in der Elternschaft gemacht, was es euch begegnet, weil auch da wieder ein gewisser Fokus darauf liegt, klar, ist ein Thema der Mutterschaft, natürlich, wir gucken uns jetzt diese Geschichten an und da finde ich eigentlich spannend zu schauen, wo tritt da vielleicht auch Geschlecht mal in den Hintergrund und es geht eigentlich um die dicke Körperlichkeit in der Fürsorge.
00:45:22
Speaker
Das ist nochmal ein spannender Punkt, finde ich, also die
00:45:25
Speaker
die Frage auch, wie eigentlich der Wandel von Körperbildern auch mit dem Wandel von Geschlechterbildern zusammen ist.
00:45:33
Speaker
Und in dem Moment, wo vielleicht jetzt Väter-Männlichkeiten stärker auch in die Verantwortung zur Sorge gezogen werden, tritt vielleicht in dem Moment diese Geschlechter-Dualität in den Hintergrund.
00:45:45
Speaker
Das geht stärker um die Frage von Sorge generell.
00:45:50
Speaker
Und wie wirkt sich das dann aus auf
00:45:53
Speaker
verkörperte Wesen.
00:45:56
Speaker
Was haben die für Anforderungen?
00:45:58
Speaker
Was wird von ihnen erwartet, um gut fürsorgen zu können?
00:46:02
Speaker
Und früher war das eben immer gleichzeitig adressiert an ein gutes Mutterbild, weil die Mutter primär die fürsorgende war, gesetzt, das ist so, und jetzt wird das aufgeweicht, zunehmend.
00:46:13
Speaker
Also eigentlich alles sozial konstruiert, irgendwie wir merken, es gibt hier keine Feststreibungen.
00:46:18
Speaker
Das ist immer wieder spannend.
00:46:20
Speaker
Mich würde vielleicht noch interessieren, ihr habt auch so ein paar Lehrstellen ja auch benannt,
00:46:24
Speaker
Mit Klassismus, das war eine Richtung und Race, die andere, was wären so Themen, an die ihr jetzt in diesem Forschungsfeld künftig andocken würdet?
00:46:35
Speaker
Wenn ihr jetzt die Möglichkeit hättet, ihr hättet jetzt Geld für Forschung, was würdet ihr bearbeiten?
00:46:41
Speaker
Ich gebe euch eine Million.
00:46:42
Speaker
Da hat man jetzt die Qual der Wahl.

Zukünftige Forschungsbereiche in der Adipositasforschung

00:46:48
Speaker
Also was ich damit machen würde, Hanna, ich würde, ich habe ja mal einen kleinen Ausflug gemacht zur Hochgewichtigkeit der Heimtiere.
00:46:59
Speaker
Also wir haben ja bei den Heimtieren den gleichen Problemdiskurs mittlerweile und das gleiche Problemphänomen, dass sie nämlich dicker werden.
00:47:08
Speaker
Und das ist in der Tiermedizin, wird das auch intensiv verhandelt.
00:47:15
Speaker
Und das würde ich mir, glaube ich, also diese Parallelisierung von bestimmten Tieren, also Phänomenen in der Menschenwelt, die transferieren oder ergreifen die Tiere, mit denen Menschen ihr Leben zunehmend ganz eng teilen.
00:47:38
Speaker
Da wäre dann aber, ja, auch Tiere haben ein Geschlecht oder wir weisen ihnen ein Geschlecht zu
00:47:45
Speaker
Auch das könnte man sich dann angucken.
00:47:47
Speaker
Ja, das wäre die erste provokante, der Nutzungsimpuls von meiner Seite zu der einen Million.
00:47:56
Speaker
Und das andere wäre im Alter, Hochgewichtigkeit im Alter.
00:48:03
Speaker
Da interessiert sich bislang kein...
00:48:06
Speaker
ein Mensch dafür.
00:48:07
Speaker
Das wird als natürliche Entwicklung irgendwie hingenommen.
00:48:15
Speaker
Die Körper werden immer dicker im Lebenslauf.
00:48:22
Speaker
Und so nach dem, ach, da am Ende, das ist Wurscht oder es kehrt sich sogar um, das von Seiten der Medizin, der dicke Körper dann als Vorteil.
00:48:33
Speaker
auch proklamiert wird, weil dann habe ich Reserven bei ernsthaften Erkrankungen.
00:48:41
Speaker
Aber auch da, ich kenne das jetzt nur aus Frauenperspektive, aber das ist weiterhin für Frauen auch ein enormes Problem mit diesem immer voluminöser werdenden Körper,
00:48:59
Speaker
dann klar zu kommen.
00:49:00
Speaker
Und das macht was auch mit Geschlechtlichkeit im Alter.
00:49:06
Speaker
Wahrscheinlich interessiert es uns auch deshalb nicht, weil wir haben keine Geschlechtlichkeit mehr im Alter.
00:49:11
Speaker
Wir werden dann schleichend sexuell und dann ist es sowieso scheißegal.
00:49:17
Speaker
Da würde ich dann die eine Hälfte für die Tiere und die andere Hälfte für die Hochgewichtigkeit im Alterungsprozess, diese Verkreuzung.
00:49:28
Speaker
Ich glaube, insgesamt wünsche ich mir gar nicht mal jetzt mit Bezug auf ganz andere Zielgruppen, sondern insgesamt würde ich mir mehr Forschung zu den eigenen Perspektiven, zu den Selbstdarstellungen, Selbstdeutungen und Lebenserfahrungen dicker Menschen wünschen, weil ich das nach wie vor...
00:49:50
Speaker
als ein bisschen unterrepräsentiert sehe.
00:49:53
Speaker
Und da sind ganz viele Lebensbereiche spannend.
00:49:56
Speaker
Ich fände die dicken Hundehalter spannender als die dicken Hunde.
00:50:01
Speaker
Aber das könnte man super verbinden.
00:50:04
Speaker
Wir holen uns zusammen und hauen die Millionen auf den Kopf.
00:50:08
Speaker
Genau.
00:50:09
Speaker
Und gerade auch das Thema Vaterschaft habe ich gemerkt.
00:50:13
Speaker
In meiner eigenen Forschung finde ich einfach total spannend.
00:50:15
Speaker
Und da gibt es einfach noch
00:50:17
Speaker
Wirklich relativ wenig.
00:50:19
Speaker
Und auch mit meiner Studie, mit der ich versucht habe, Mütter und Väter gleichermaßen zu erreichen, habe ich eben ganz spezifische Vätergruppen eher erreicht, nämlich die Alleinerziehenden, was auch für sich sehr spannend ist.
00:50:31
Speaker
Das macht dann wieder die Frage, wer fühlt sich zu einer Studie zum Thema Elternschaft überhaupt angesprochen und sprechfähig?
00:50:38
Speaker
Aber ich würde mich noch für viel mehr verschiedene Vaterschaften
00:50:45
Speaker
in diesem Feld zum Beispiel interessieren und da auch gerne noch mehr aus dieser Eigenperspektive erfahren.
00:50:53
Speaker
Mich interessieren alle möglichen anderen Felder auch.
00:50:55
Speaker
Also auch die Frage nach Dicksein in der sozialen Arbeit, also sowohl, wie wird das adressiert bei dicken Eltern in Hilfe,
00:51:07
Speaker
Verhältnissen in Sozialsystemen, Hilfen zur Erziehung, was es nicht alles gibt, als auch die Frage, was ist eigentlich mit den professionellen Helfenden, die selbst dick sind.
00:51:20
Speaker
Aber mich würde da wirklich interessieren, mehr Eigenperspektiven der dicken Menschen abgebildet zu sehen in der Forschung.
00:51:29
Speaker
Gar nicht unbedingt, welche Zielgruppen will ich noch weiter aufmachen.
00:51:36
Speaker
Ich habe trotzdem noch eine Zielgruppe, die mich auch noch interessieren würde, nämlich die Menschen, die Hochgewichtigen, die dann zu radikalen Maßnahmen greifen in ihrer eklatanten Not, zur bariatrischen Chirurgie.
00:51:59
Speaker
Also die
00:52:02
Speaker
Aus meiner Perspektive sind das ganz furchtbare Eingriffe.
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Speaker
Die Vorstellung, dass an meinem Körper so etwas vollzogen würde, da kriege ich Gänsehaut.
00:52:18
Speaker
Aber es machen Menschen.
00:52:21
Speaker
Und was ist danach eigentlich?
00:52:24
Speaker
Wie geht das Leben nach?
00:52:26
Speaker
einer solchen Intervention, die, soweit wir informiert sind, ja nicht bedeutet, dass danach alles, also ein Leben, wie irgendwie nicht dicke Menschen leben können, möglich ist.
00:52:44
Speaker
Also was ja zumindest bleibt, ist, dass Ernährung weiter hochkontrolliert bleiben muss.
00:52:52
Speaker
Und wo mein
00:52:55
Speaker
Fantasie immer ist.
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Speaker
Also das bleibt dann eine ungeheure Belastung, aber es hat stattgefunden, es hat aus guten Gründen stattgefunden, es wird ja nicht aus Jux und Dollerei gemacht, also es ist ja Ausdruck auch von einer ganz grauenhaften Situation, die vorher da war.
00:53:18
Speaker
Aber was ist danach besser?
00:53:24
Speaker
Ist danach was besser?
00:53:28
Speaker
Meine Befürchtung ist, es ist danach nicht alles besser.
00:53:31
Speaker
Aber was braucht es dann, damit das, was gehofft wurde, was ich einstellen soll, nämlich ein besseres Leben, tatsächlich zu realisieren ist?
00:53:47
Speaker
Ja, und das führt ja eben nicht nur zu einer unter Umständen einer radikalen Körperveränderung, sondern, du hattest angesprochen, eine ganz radikale Veränderung zum Beispiel der Ernährung, die jetzt notwendig wird, also ein Beispiel der Magenbänder oder Magenverkleinerung, einfach durch dieses wahnsinnig abgenommene Magenvolumen.
00:54:09
Speaker
Also das hat ja Implikationen für viele andere soziale Bereiche,
00:54:14
Speaker
Also man denke einfach mal ganz simpel an die gemeinsame Mahlzeit mit anderen.
00:54:19
Speaker
Genau, ja, also da ist mir jetzt bislang auch keine Studie, insbesondere jetzt im deutschsprachigen Raum bekannt, die da mal mit Menschen gesprochen hätte und erfasst hätte, wie sieht jetzt der Alltag aus, was sind eure eigenen Deutungen, Perspektiven auch darauf, wie der sich verändert hat und ja,
00:54:38
Speaker
Ich weiß gar nicht, ob ich immer über verbessert sprechen möchte, weil dann immer direkt so eine Bewertung darin steckt.
00:54:44
Speaker
Aber ich denke, es ist eine radikale Veränderung, die vorher lange abgewogen wird und die auch sehr hochschwellig ist.
00:54:52
Speaker
Ja, aber sie war ja mit einer Hoffnung verbunden.
00:54:55
Speaker
Ja, genau.
00:54:55
Speaker
Also das ist ja was, wofür Menschen lange sich auch bemühen müssen und viele vorherige Maßnahmen nachweisen müssen und einen großen Haufen an Anträgen und Papierkram bewältigen müssen, um das bewilligt zu kriegen.
00:55:11
Speaker
Also ja, da steckt auf jeden Fall eine Dringlichkeit dahinter, die sich, glaube ich, auch zu sehr, sehr großen Teilen einfach auswirkt.
00:55:20
Speaker
der Stigmatisierung, mit der Menschen konfrontiert sind, ergibt.
00:55:25
Speaker
Wäre jetzt meine These zumindest.
00:55:28
Speaker
Und genau, das wäre bestimmt auch spannend, ja.
00:55:31
Speaker
Also Hanna, wir haben ganz viel.
00:55:32
Speaker
Wunderbar.
00:55:33
Speaker
Wir sind am Ende unserer Folge angelangt.
00:55:35
Speaker
Es gäbe sicherlich noch vieles zu besprechen zu diesem Thema.
00:55:38
Speaker
Und ich glaube, eure Perspektiven zeigen, es geht weiter.
00:55:42
Speaker
Ihr seid dabei, mitzudenken, weiterzudenken, zu reflektieren.
00:55:45
Speaker
Und alle, die das gehört haben, sind auch herzlich dazu eingeladen.
00:55:49
Speaker
Schön, dass ihr heute bei uns wart, Judith und Lotte.
00:55:53
Speaker
Es geht weiter, wie immer geht es weiter mit nachgefragt, in Kürze dann mit dem Thema Gesundheit und Geschlecht, also ein Thema, das diesem heutigen sehr nah ist, wo wir sicherlich auch Querverbindungen finden werden.
00:56:04
Speaker
Ich bin schon sehr gespannt und sage Tschüss und bis zum nächsten Mal.
00:56:08
Speaker
Tschüss.