Einführung: Geschlechterhierarchien und Gewaltbeziehungen
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Speaker
Geschlechterforschung im Blick.
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Speaker
Was sind so Geschlechtshierarchien, die entstehen und welche Folgen hat das?
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Speaker
Und das findet man ja schon auch in Gewaltbeziehungen wieder.
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Speaker
Es ist ja viel gelungen, bezogen auf Gewalt, dass sie öffentlich geworden ist, dass es Einrichtungen gibt, Hilfeeinrichtungen, dass es Unterstützung gibt.
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Speaker
Aber gleichzeitig ist es ja nicht gelungen, soweit man das sagen kann, dass Gewalt abgebaut worden ist.
Vorstellung der Gastgeber und Gäste
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Speaker
Hallo und herzlich willkommen zu Nachgefragt, dem Podcast des Gender- und Frauenforschungszentrums der hessischen Hochschulen.
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Speaker
Hanna Haag, die Koordinatorin des GFFZ und ich, Sabrina Schmidt von der Internationalen Hochschule Berlin, begrüßen euch sehr herzlich zur heutigen Folge.
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Speaker
Wir beschäftigen uns heute mit einem sehr wichtigen Thema der Geschlechterforschung, nämlich der Frage von Gewalt und quasi Gewalt im Kontext von Geschlechterforschung.
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Speaker
Und haben uns dazu spannende Gästinnen eingeladen, die schon sehr lange in dem Bereich forschen und lehren.
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Speaker
Und zwar Daphne Hahn und Margret Brückner.
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Speaker
Und Hannah wird sie euch jetzt vorstellen und dann geht es auch schon los.
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Speaker
Hallo auch von meiner Seite.
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Speaker
Ich würde einfach mal beginnen mit dir, Margret.
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Speaker
Margret Brückner ist Soziologin und vertrat bis zu ihrer Rente die Professur für Soziologie, Frauen, Geschlechterforschung und Supervision an der Frankfurt University of Applied Sciences.
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Speaker
Sie forschte unter anderem zu Gewalterfahrungen von sexuellen DienstleisterInnen
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Speaker
und zahlreichen anderen Themen und hat auch zum Thema Gewalt und Gender umfangreich publiziert, würde ich sagen.
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Speaker
Jüngst erschien der Beitrag Care-Arbeit zwischen Fürsorglichkeit und Gewalt im Sammelband Gewaltfrei arbeiten und leben bei Nomos.
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Speaker
Schön, dass du da bist, Margret.
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Speaker
Danke für die Einladung.
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Speaker
Zu dir, Daphne Hahn.
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Speaker
Daphne ist Gesundheitswissenschaftlerin und Professorin für empirische Sozialforschung an der Hochschule Fulda.
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Speaker
oder führt immer noch, wie du, Margret, zahlreiche Forschungsprojekte im Kontext von Geschlecht und Gewalt durch.
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Speaker
Zu nennen wären hier zum Beispiel die Projekte Gesicht zur Gesundheitsförderung für Frauen nach häuslicher sexualisierter Gewalt.
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Speaker
Oder auch vage Wege aus der Beziehungsgewalt, beide gefördert vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst.
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Speaker
Im letzten Jahr erschien das Praxishandbuch Interpersonelle Gewalt und Public Health bei BELTS.
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Speaker
Und ja, jetzt freuen wir uns auf eine spannende Diskussion mit euch.
Motivation und Karrierewege der Gäste
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Speaker
Ich würde auch gleich einsteigen mit der ersten Frage, die wir eigentlich immer allen stellen, und zwar...
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Speaker
interessiert uns brennend, warum ihr eigentlich Geschlechterforschung macht.
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Speaker
Also wie seid ihr dazu gekommen?
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Speaker
Was begeistert euch daran?
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Speaker
Was ist so das, wofür ihr brennt?
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Speaker
Daphne, magst du anfangen?
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Speaker
Ich fange gerne an.
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Speaker
Das hat bei mir mit...
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Speaker
der Wende vor nun 35 Jahren zu tun.
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Speaker
Ich hatte damals schon ein bisschen studiert Soziologie an der Humboldt-Universität, also sozusagen in dieser Wendezeit.
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Speaker
Und da ist unglaublich viel passiert.
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Speaker
Also viele Sachen im Bereich von Arbeit, dass Frauen ihre Arbeit verlieren sollten.
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Speaker
Andere Themen im Bereich der reproduktiven Gesundheit und der sexuellen, also das Thema Schwangerschaftsabbruch.
Daphnes Forschung zur Sterilisation in Ostdeutschland
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Speaker
Und das fand ich damals so extrem spannend, dass ich begann, mich damit zu beschäftigen und bin in einem Projekt gelandet zur neuen sozialen Bewegung, in dem ich dann auch meine Diplomarbeit geschrieben habe, also zur Frauenbewegung in der DDR.
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Speaker
Und gleichzeitig habe ich in
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Speaker
Demografie-Kurs und mich mit dem aktuellen Thema damals, das war so Anfang der 90er Jahre, so extrem virulent, Frauen aus dem Osten, also aus der ehemaligen DDR, die sich sterilisieren lassen mussten oder sollten.
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Speaker
Es wurde damals extrem skandalisiert, das war so Anfang der 90er und das fand ich so interessant, dass ich erstmal so alle Presseartikel gesammelt habe, da gibt es auch einen Text dann zur Diskursanalyse mit meiner späteren Doktormutter und kam dann auf eine sehr verrückte
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Speaker
Beziehungsweise zu einem Forschungsprojekt, bevor ich mein Studium abgeschlossen hatte, das hat Regine Hildebrandt, also damals Sozial- und Gesundheitsministerin von Brandenburg, machen wollen.
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Speaker
Und das ist bei mir gelandet, weil ich gerade mit diesem Thema beschäftigt war und durfte dann eine empirische Untersuchung in Brandenburg durchführen, eben genau zu diesem Thema.
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Speaker
Warum lassen sich Frauen sterilisieren?
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Speaker
Und es stellte sich eben damals heraus,
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Speaker
dass es ganz viel damit zu tun hatte, dass sie Angst hatten, dass das Thema Schwangerschaftsabbruch, also die Regelung, die es in der DDR damals gab, seit 1972, die Legalisierung dann für sie verschwindet und sie wollten nicht, dass jemand über ihren Körper bestimmt.
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Speaker
Das hat sich damals irgendwie bei mir auch
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Speaker
sozusagen sehr stark ausgeprägt, also diese Wahrnehmung dieser Situation und des Umgangs damit.
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Speaker
Und dann ist auch meine Dissertation daraus entstanden.
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Speaker
Und dann kam ich irgendwie auch, also weil ich dann auch in der Geschlechterforschung an der Universität Potsdam promoviert habe, kam ich sozusagen zu diesem Thema und zu diesen Debatten und bin dann auch relativ zügig dann nach meiner Dissertation in einem Projekt gelandet.
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Speaker
Da kam ich in die Gesundheitswissenschaften, weil ich habe Soziologie studiert.
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Speaker
und kam in die Gesundheitswissenschaften und wurde gefragt, ob ich nicht an einem Frauengesundheitsbericht mitmachen möchte und bin sozusagen mehr in diese Gesundheitsforschung geraten, wo ich jetzt auch schon ziemlich viele Jahre bin.
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Speaker
Das sind jetzt ja auch schon 30 Jahre, also doch relativ lang.
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Speaker
Und wenn man sich mit Gesundheitsforschung beschäftigt, dann landet man irgendwann auch bei diesem Gewaltthema, also unvermeidlich.
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Speaker
Und wenn man Frauen- und Gesundheitsthemen betrachtet, gibt es natürlich viele Themen in diesem Bereich, beschäftige mich auch mit anderen.
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Speaker
Aber das ist eben auch ein starker Forschungszweig geworden.
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Speaker
Und der hat sich jetzt auch schon über die letzten 20 Jahre hingezogen mit unterschiedlichsten Projekten.
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Speaker
Und die Bedeutung dieses Themas hat auch gar nicht aufgehört.
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Speaker
Also von daher komme ich aus dieser gesundheitswissenschaftlichen Seite jetzt zum Thema Gewalt und Gesundheit und Gesundheitsversorgung und beschäftige mich eben auch in verschiedenen Forschungsprojekten damit.
Margrets Einstieg in die Geschlechterforschung
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Speaker
Margret, wie war das bei dir?
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Speaker
Mein Ausgangspunkt war die Frauenbewegung.
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Speaker
Als ich angefangen habe zu studieren, gab es so etwas wie Geschlechterforschung überhaupt nicht.
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Speaker
Keiner wusste davon, es war einfach nicht vorhanden.
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Speaker
Ich habe angefangen zu studieren mit der Studentenbewegung 1968 rum.
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Speaker
Und es war eine Zeit des Aufbruchs, es war eine Zeit des Kampfes um Demokratisierung gegen Vietnamkrieg.
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Speaker
Und es gab den SDS, wo ich auch Mitglied war, den Sozialistischen Deutschen Studentenverbund.
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Speaker
Und wir haben uns verstanden als diejenigen, die die Gesellschaft ändern wollen, an vielen Punkten.
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Speaker
Und gleichzeitig stellte sich im Laufe der
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Speaker
der Aktionen und der theoretischen Diskurse heraus, dass es immer die Männer waren, die da aktiv waren.
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Speaker
Und dass die Frauen hinten standen, sich auch nicht so getraut haben, es war nicht üblich als Frau aktiv zu werden, als junge Frau.
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Speaker
sowohl im öffentlichen wie auch im privaten diese Männerdominanz da war.
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Speaker
Aber das mussten wir auch erst mal begreifen.
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Speaker
Wenn es keine Begriffe dafür gibt und keine Wahrnehmung dafür gibt, ist es erst mal ein erster Schritt, so allmählich dazu zu kommen, zu denken, hoppla, es geht hier zwar dauernd um Demokratisierung, aber wo bleiben wir eigentlich als Frauen?
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Speaker
Und dann kam es zur ersten Gründung von Selbsterfahrungsgruppen, Consciousness Raising,
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Speaker
Es gab dann die Gründung des ersten Weiberrates, den Tomatenwurf in Berlin gegen die Genossen aufgrund ihres Machismo.
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Speaker
Und es gab dann Sprüche wie das Private ist politisch.
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Speaker
Das war sehr relevant.
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Speaker
Das Private ist politisch auch völlig neu.
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Speaker
Und im Zuge dessen wurde immer deutlicher, dass es politisch,
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Speaker
Gewalt in einem Geschlechterverhältnis gibt.
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Speaker
Und dass viele Frauen Gewalterfahrungen in unterschiedlichsten Bereichen hatten.
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Speaker
Und daraus entstand einer der Schwerpunkte der Frauenbewegung.
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Speaker
Nicht nur in Deutschland, damals erst noch vor allem in Westdeutschland, sondern auch in den USA.
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Speaker
Das war ein großes Vorbild für uns.
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Speaker
Aber auch England, Australien, in vielen Ländern gingen Frauen auf die Straße erstmals um die
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Speaker
auch innerhalb der linken Bewegung zu gucken, was ist unsere Position und unsere Position zu verbessern.
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Speaker
Daraus entstanden dann erste Überlegungen, dass das auch erforscht werden muss.
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Speaker
Ich bin ja auch Soziologin, es gab dann eine Frauensektion in der Deutschen Gesellschaft für Soziologie, die wir aufgebaut haben und es gab keine Vorbilder eigentlich, weil durch den Nationalsozialismus alle Vorbilder umgebracht waren, weg waren.
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Speaker
Es gab keine Kontinuität zur ersten Frauenbewegung.
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Speaker
So gab es da viel aufzubauen.
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Speaker
Und für mich war dann nochmal ein wichtiger Schritt, in die Fachhochschule zu gehen.
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Speaker
Da war die Fachhochschule gerade ein Jahr alt, als ich an die Fachhochschulen kam, Anfang der 70er Jahre.
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Speaker
Und das war die Zeit der Gründung der ersten Frauenhäuser.
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Speaker
Und da habe ich gedacht, wie kann ich verbinden, mein Frauenbewegungsinteresse mit meinem Beruf verbinden.
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Speaker
der Ausbildung Sozialarbeitern und Sozialarbeiterinnen.
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Speaker
Und da war der Aufbau der Frauenhäuser und überhaupt dieses Thema Gewalt im Geschlechterverhältnis, das so allmählich an Form gewandt, besonders bezogen auf sexuelle Gewalt, auf Vergewaltigung und eben auch auf häusliche Gewalt.
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Speaker
Wie kann ich das verbinden?
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Speaker
Und habe dann ein erstes Frauenprojekt,
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Speaker
an der Fachhochschule gegründet, wo viele sehr aktive Studierende mitgemacht haben.
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Speaker
Und wir haben dann in dem ersten autonomen Frauenhaus in Frankfurt, das war nicht das erste, das war ungefähr das dritte Frauenhaus insgesamt in der alten Bundesrepublik, haben wir angefangen, dort als
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Speaker
studentisches Projekt zu arbeiten und daraus sind erste Forschungsfragen entstanden für mich.
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Speaker
Und daraus hat sich dann schlussendlich meine Promotion entwickelt, die hieß Die Liebe der Frauen zum Verhältnis von Weiblichkeit und Misshandlung.
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Speaker
Und das war damals aber auch mir nur möglich zu schreiben, weil ich zwischenzeitlich in die USA gegangen bin und zwei Jahre in den USA war.
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Speaker
wo diese Fragen sehr viel virulenter waren, sehr viel mehr diskutiert wurden und wo es Forschungsansätze gab zu dem Thema Gewalt gegen Frauen und wichtige Forscherinnen, die auch schon in die Gesellschaft reinwirken
Herausforderungen und Institutionalisierung der Frauenbewegung
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Speaker
Es gab mehr Frauenhäuser und Ähnliches.
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Speaker
Und da mit dem Gepäck bin ich dann zurückgekommen und das war dann für mich eine Möglichkeit,
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Speaker
Und das hat mich immer gereizt, unbequeme Fragen zu stellen, sodass ich auch nicht nur auf Gegenliebe gestoßen bin.
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Speaker
mit meinen ersten Arbeiten, weil ich auch den Blick auf die Frauen selbst geworfen habe, was mir bis heute sehr wichtig ist.
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Speaker
Und wo es mir auch immer darum ging, was gibt es an Verstrickungen in Liebesbeziehungen.
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Speaker
Und das war ein Blick, der sehr schwierig war für die Frauenbewegung, weil da das Thema, was natürlich stimmte, dass Frauen die Opfer der Gewalt waren, aber den Blick auf diese Opfer und niemand ist ja nur Opfer,
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Speaker
den zu werfen und sich damit auseinanderzusetzen, was bedeutet das für die Frauen selbst.
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Speaker
Ich habe auch immer einen psychoanalytischen Schwerpunkt gehabt.
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Speaker
Ich bin auch Supervisorin und arbeite heute noch in diesem Bereich, auch mit Frauenprojekten zusammen, heute inzwischen auch mit Transprojekten.
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Speaker
Und wo mir das wichtig ist, neben dem gesellschaftlichen Blick als Soziologin immer auch den Blick auf die Individualität und die Beziehungsstrukturen zu werfen.
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Speaker
Und das begleitet mich über viele Untersuchungen, über viele Fragen, die sich mir inzwischen gestellt haben, besonders auch hinsichtlich von Institutionalisierung.
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Speaker
Was bedeutet das, wenn eine Bewegung zu Institutionen wird?
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Speaker
Und was ist da der Gewinn und was geht verloren?
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Speaker
Ja, vielleicht erst mal so weit.
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Speaker
Darf ich gleich mal einhaken, was ich total interessant finde, Margret, ist, dass du sagst, du warst auch lange im Vorstand eines Frauenhauses.
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Speaker
Und danach bin ich dann Profamia-Vorsitzende geworden und fand das immer so als wesentlichen Teil meines Wissenschaftsverständnisses.
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Speaker
Nämlich also nicht nur Wissenschaft zu machen, Forschung zu machen, sondern...
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Speaker
diese Dinge also auch sozusagen der Praxis auch in die Forschung zu nehmen als Forschungsfragen und andererseits dann eben auch als Forscherin zu wirken, also mit dem, was ich dann auch geforscht habe, was ich gesellschaftlich auch relevant finde.
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Speaker
Ich war nämlich lange im Vorstand des vierten Frauenhauses in Berlin und bin dann, und danach dann, das war dann 2011, bin ich dann Vorsitzende von ProFamia geworden.
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Speaker
Das waren dann sieben Jahre bis 2017.
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Speaker
Und das waren immer auch Themen, wo mein Fokus darauf lag, wo gibt es eigentlich auch Benachteiligung in der Gesellschaft?
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Speaker
Also wofür werden Frauen insbesondere benachteiligt?
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Speaker
Wo spiegeln sich eben auch
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Speaker
Weiblichkeitsvorstellung wieder.
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Speaker
Und da ist ja die Geschlechterforschung sehr stark, das auch zu zeigen.
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Speaker
Was sind so Hierarchien, Geschlechterhierarchien, die entstehen und welche Folgen hat das?
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Speaker
Und das findet man ja schon auch in Gewaltbeziehungen wieder.
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Speaker
Und von daher ist das ja auch ein Thema, das wir von sehr unterschiedlichen Perspektiven bearbeitet haben.
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Speaker
Also ich dann aus dieser Public-Health-Perspektive oder gesundheitswissenschaftlichen Perspektive,
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Speaker
wenn man es mal so synonym nimmt, und du eben auch aus deiner Perspektive.
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Speaker
Und ich finde beide total wichtig und interessant, also diese unterschiedlichen Perspektiven auch zu haben.
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Speaker
Du hast ja auch in deiner Forschung, also hast du ja jahrelang dieses Thema beforscht.
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Speaker
Ja, das finde ich wichtig, dass du da nochmal drauf hinweist.
00:14:13
Speaker
Und ich kann mir auch bis heute Forschung nicht ohne Praxis beweisen,
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Speaker
Weil das natürlich sehr wichtig ist, um zu sehen, wie kommt es im wirklichen Leben an.
00:14:24
Speaker
Wir haben ja Hypothesen, wir haben Theorien, wir haben Bilder von Opfersein, von männlichen Tätern.
00:14:31
Speaker
Wir haben Bilder von Hilfeprozessen.
00:14:35
Speaker
Und da aber dann mal zu gucken, wie ist das in der
Aktuelle Forschung zu Gewaltprävention im Gesundheitswesen
00:14:39
Speaker
Wie wirkt sich das aus?
00:14:41
Speaker
Und wie viel differenzierter müssen wir noch mal denken,
00:14:45
Speaker
um zu verstehen, was die Vielschichtigkeit dieser Themen ist.
00:14:51
Speaker
Und daher bin ich heute auch noch in diesem Bereich aktiv.
00:14:55
Speaker
Ich bin eine der beiden Vorsitzenden im Landespräventionsrat in der Arbeitsgruppe Häusliche Gewalt.
00:15:03
Speaker
Ja, also das war ja schon, ich finde das total spannend, weil vieles, was ihr jetzt so erzählt habt, auch heute noch sehr aktuell ist und auch aktueller denn je.
00:15:13
Speaker
Also auch die Fragen...
00:15:14
Speaker
Deswegen, wenn ihr das jetzt quasi nochmal auf heute bezieht, womit beschäftigt ihr euch aktuell stark in Bezug auf Geschlecht und Gewalt oder Geschlechterverhältnisse und Gewalt?
00:15:24
Speaker
Was sind euch da wichtige Themen?
00:15:26
Speaker
Und vielleicht auch gerne, Margret hat es ja auch schon so ein bisschen angesprochen, auch aus einer intersektionalen Perspektive.
00:15:32
Speaker
Also wo steht ihr jetzt gerade?
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Speaker
Ich kann ja mal beginnen.
00:15:37
Speaker
Also die Forschung zu Gewalt, die ich gerade mache, beziehungsweise schon seit einigen Jahren mache, Hanna hat es ja vorgestellt, das sind ja alles so Fragen, die gesundheitliche Perspektive und die Gesundheitsversorgungsperspektive betreffen.
00:15:50
Speaker
Aber da gibt es eben auch Schnittpunkte mit dem, was Marget gerade gesagt hat.
00:15:53
Speaker
Wir haben gerade so eine Reihe von Projekten.
00:15:55
Speaker
Das ist das Dritte, was wir jetzt gerade führen.
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Speaker
Das guckt sich verschiedene Perspektiven an auf die gesundheitliche Versorgung, die auch
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Speaker
relevant sind, also um eine gute Versorgung abzusichern.
00:16:07
Speaker
Das Erste, was wir gemacht haben, Projekt, das ist jetzt schon ein bisschen her und eben auch ein hessisches Projekt, da ging es um Kooperation und Vernetzung in Hessen.
00:16:15
Speaker
Also wie sind verschiedene Versorgungsebenen miteinander verknüpft und wie kommunizieren die?
00:16:20
Speaker
Und haben zum Beispiel uns auch an die runden Tische gewandt, weil ja die Frage für uns war, wie wird denn in die Debatten für die runden Tische, also um auch eine gute Begleitung von gewaltbetroffenen Frauen sicherzustellen, auch das Thema Gesundheitsversorgung mitgedacht.
00:16:35
Speaker
Und ich erzähle dann gleich nochmals, warum das Thema Gesundheitsversorgung so wichtig ist, aber erst mal was zu diesem Projekt und stellten fest, dass die Gesundheitsversorgung, also Vertretende aus der Gesundheitsversorgung, da kaum vertreten sind.
00:16:47
Speaker
Und das ist ein interessantes Phänomen, weil das ja eigentlich auch so relevant ist, weil die, ich weiß jetzt erstmal von Frauen, bevor wir zu der intersektionalen Perspektive kommen, weil die, wenn es so, sagen wir mal, Verletzungen gibt und ein großer Teil der Verletzungen, das sind ja auch körperliche Verletzungen, die auch sichtbar sind, also man sagt so, ca.
00:17:05
Speaker
90% der Verletzungen, der unmittelbaren Verletzungen, die befinden sich im Hals-Kopf-Bereich,
00:17:09
Speaker
dann ist das ein Anlass auch in die Gesundheitsversorgung zu gehen.
00:17:12
Speaker
Deshalb ist die Gesundheitsversorgung auch so relevant.
00:17:15
Speaker
Und insofern wäre es im Prinzip auch immer wichtig zu gucken, wie solche Kooperationen zur Gesundheitsversorgung auch gehen können.
00:17:22
Speaker
Also wie diese Vernetzung und Kooperationen geht, auch zum Beispiel bei den runden Tischen.
00:17:26
Speaker
Wir stellten aber fest, dass diese Vertretenden aus der Gesundheitsversorgung relativ wenig dort an den runden Tischen teilnehmen.
00:17:32
Speaker
Sie sagen, das liegt eben auch an ihren zeitlichen Ressourcen.
00:17:35
Speaker
Also das ist ein organisatorisches Problem.
00:17:37
Speaker
Und das ist natürlich bedauerlich, weil das ja so ein wichtiger Teil auch der Betreuung, Begleitung von gewaltbetroffenen Personen auch ist.
00:17:47
Speaker
Also das fand man erst mal so als grundsätzliches Problem und anderes, also jetzt nur auf diese Kooperation und Vernetzung zu kommen, ist,
00:17:53
Speaker
dass die ambulante und die stationäre Versorgung nicht gut vernetzt sind, was eigentlich auch ganz zentral wäre, weil wenn die Frauen in die Klinik gehen und versorgt werden, dann ist ja die Frage, wie geht es dann weiter?
00:18:04
Speaker
Und diese Schnittstelle, die funktioniert zum Beispiel nicht zwischen stationärer und ambulanter Versorgung, was auch ein Problem ist, weil eigentlich die Idee ist, die auch in der WHO-Leitlinie zur gesundheitlichen Versorgung von gewaltbetroffenen Frauen ist,
00:18:19
Speaker
verankert ist auch diese Weiterleitung, die beinhaltet das auch, um das gut zu machen.
00:18:26
Speaker
Also wir sozusagen finden diese problematischen Stellen heraus und formulieren die dann entsprechend auch.
00:18:33
Speaker
Also das ermöglicht uns eben auch die Forschung, diese Dinge nochmal aufzuzeigen und zu gucken, wie funktioniert das oder wie funktioniert das eben nicht.
00:18:41
Speaker
Und daran anschließend haben wir ein Projekt gemacht, das jetzt auch schon abgeschlossen ist.
00:18:45
Speaker
Da haben wir die Sicht der Frauen selbst erfragt.
00:18:48
Speaker
Also wie erleben die gesundheitliche Versorgung und welche Erfahrungen machen sie damit?
00:18:52
Speaker
Und das ist auch sehr interessant, weil wir eben feststellten, und das ist, finde ich, auch eine ganz, ganz zentrale Erkenntnis, dass die in der gesundheitlichen Versorgung, die wir alle kennen, die Erfahrungen erzeugen,
00:19:05
Speaker
auch machen, die sie in ihre Gewaltbeziehung gemacht haben, nämlich von Fremdbestimmung.
00:19:09
Speaker
Also sie können da sehr wenig entscheiden und merken, dass die gesundheitliche Versorgung nicht so funktioniert, wie sie es brauchen.
00:19:16
Speaker
Also wie auch die WHO das zum Beispiel funktioniert, die Frauen ernst zu nehmen, in ihren Aussagen sie zu fragen und dann auch ihre Bedürfnisse zu berücksichtigen.
00:19:26
Speaker
Das funktioniert nicht.
00:19:27
Speaker
Und das ist erst die Frauen, die wir interviewt haben, es waren 15,
00:19:31
Speaker
alle so formuliert haben, also dass sie die Gesundheitsversorgung wenig nutzen oder schlechte Erfahrungen gemacht haben, weil das zu selten passiert, dass da ihre Bedürfnisse auch angemessen berücksichtigt werden.
00:19:43
Speaker
Und das sind schon Dinge, da ist großer Veränderungsbedarf, weil das ja auch ein Ort ist, deshalb ist das ja auch so wichtig, die Gesundheitsversorgung, also wo man nicht nur behandelt, also das, was man am Anfang gleich sieht, also so Verletzungen, eingerissene Ohren, eingeschlagene Zähne, Frakturen, Hämatome, also alle diese Dinge,
00:20:01
Speaker
die man sehen kann, sondern eben auch, um Möglichkeiten zu entdecken, dann aus einer Gewaltbeziehung rauszukommen, also wie auch immer das dann passiert.
00:20:10
Speaker
Und das sind eben auch Dinge, finde ich, für die es Forschung braucht und für die wir irgendwie auch wichtige Ergebnisse geliefert haben.
00:20:17
Speaker
Und jetzt sind wir gerade dabei, das ist das aktuelle Projekt, was wir auch in Hessen machen.
00:20:23
Speaker
Da schauen wir uns die Fort- und Weiterbildung an, weil ja die Grundlage, das überhaupt zu können, also mit solchen Personen sprechen zu können, das ansprechen zu können oder eben auch ein wichtiger Bestandteil, das Gerichtsverwert war, dokumentieren zu können, das muss man erst mal lernen und auswählen.
00:20:38
Speaker
Viele haben das Problem, wie spreche ich sowas an?
00:20:40
Speaker
Also wie frage ich, ob dahinter eine Gewalterfahrung steht?
00:20:44
Speaker
Und diese Fort- und Weiterbildung, also ob es die gibt, das fragen wir gerade.
00:20:48
Speaker
Die Pflegeschulen, also bezieht sich auch auf Hessen, die Pflegeschulen und medizinische Universitäten und Weiterbildungseinrichtungen in diesem Bereich.
00:20:57
Speaker
Das ist gerade das dritte Projekt.
00:20:59
Speaker
Und wir haben jetzt das große Glück,
00:21:02
Speaker
dass wir einen Antrag, das ist ein Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses, auch sozusagen ein Projekt beantragt haben, das diese drei Aspekte betrifft und das sich aber auf Gesamtdeutschland bezieht, dass wir das jetzt bewilligt bekommen haben und dann das, was wir auf Hessen bezogen haben, dann auch nochmal auf die gesamtdeutsche Ebene beziehen können.
00:21:19
Speaker
Also das erstmal kurz dazu.
00:21:22
Speaker
Ja, da kann ich gut anknüpfen.
00:21:25
Speaker
Die Basis meiner Überlegungen in den letzten Jahren ist jetzt weniger empirische Forschung im ähnlichen Sinne,
00:21:32
Speaker
als die theoretische Auswertung meiner Praxiserfahrung, sei es als Supervisorin, sei es als vielfache Vortragende in Frauenprojekten.
Komplexität von Gewalt und theoretische Ansätze
00:21:44
Speaker
Und da ist dieses Thema, was ist Erfolg und was ist die Kehrseite des Erfolgs, nämlich der Erfolg, es gibt inzwischen eine
00:21:54
Speaker
viele Maßnahmen, wie Daphne gerade geschildert hat, auch inzwischen im Gesundheitsbereich, Gott sei Dank.
00:22:01
Speaker
Und es gibt sowas wie Interventionsketten gegen häusliche Gewalt.
00:22:04
Speaker
Wir beginnen häufig mit dem Polizeieinsatz und über Interventionsstellen, über Beratungsstellen, Einbindung von Täterarbeit und so weiter und so weiter.
00:22:15
Speaker
Und die Frage, das ist einerseits gut und es ist sehr hilfreich für die Frauen,
00:22:22
Speaker
Und wichtig für die Männer, dass sie auch Ansprechpartner haben und dass es Einrichtungen gibt, wo sie auch zur Verantwortung gezogen werden.
00:22:30
Speaker
Auch das ist sehr wichtig im Sinne des Schutzes der Frauen und der Kinder.
00:22:35
Speaker
Das Problem, was auftaucht, ist genau das, was Daphne genannt hat, das Thema Entscheidungsfreiheit.
00:22:43
Speaker
Und das ist eine moralische, eine ethische, eine politische und auch eine theoretische Frage.
00:22:50
Speaker
Es gibt einerseits dieses aufgebaute Netz, wo man sagen kann, das funktioniert nach dem Wenn-Dann-Mechanismus.
00:22:58
Speaker
Das heißt, wenn eine Frau Gewalt erlitten hat, dann häufig interveniert die Polizei, dann gibt es den Polizeieinsatz, dann gibt es Beratung, eventuell den Weg ins Frauenhaus und so weiter und so weiter.
00:23:10
Speaker
Und das sind vorgezeichnete Wege.
00:23:13
Speaker
Und in Anführungsstrichen gute Opfer gehen diese Wege.
00:23:18
Speaker
Und das führt in der Professionalität auch zu einem Bild von Opfern, was die zu tun haben.
00:23:27
Speaker
wenn sie Gewalt erfahren haben.
00:23:30
Speaker
Und Frauen, die denen nicht nachkommen wollen, aus verschiedensten Gründen, die es dann gilt, auf Beratungsebene und auch auf Forschungsebene anzuschauen, für die wird es ganz schwierig.
00:23:42
Speaker
Denn deren Thema ist ja, dass eine Beziehung gescheitert ist.
00:23:48
Speaker
Und das Scheitern von Beziehungen funktioniert nicht nach dem Wenn-Dann-Modell, sondern funktioniert nach dem Sowohl-als-Auch-Modell.
00:23:56
Speaker
Ich möchte mich trennen, aber vielleicht doch nicht wegen der Kinder, wegen dem Lebensstandard, wegen was auch immer.
00:24:03
Speaker
Oder ich liebe ihn noch oder ich versuche, er wird sich ändern, wenn ich das und das mache und so weiter.
00:24:08
Speaker
Und doch will ich mich ändern und dann entstehen.
00:24:11
Speaker
sozusagen eher Kreislaufe im Denken und im Handeln und im Fühlen.
00:24:17
Speaker
Und die werden häufig nicht eingefangen von den Interventionsketten und führen zu Frust auch bei Professionellen, die davon ausgehen, wir haben doch jetzt diese Hilfeangebote.
00:24:28
Speaker
Warum funktioniert das alles nicht?
00:24:30
Speaker
Oder funktioniert es nur für diesen einen Teil der Frauen?
00:24:34
Speaker
Und das finde ich sehr wichtige Fragen auf allen Ebenen, sowohl zu schauen nochmal vom individuell Unbewussten auf gesellschaftliche Kontexte, auf Fragen wie, wenn wir den Schichtfaktor mit einbeziehen, Fragen der Verarmung, wenn ich eine Beziehung verlasse oder wenn ich den Migrationsfaktor einschließe, wenn ich ein Aufenthaltsrecht habe über die Ehe, wird es nochmal richtig schwierig.
00:24:59
Speaker
Das heißt, auch das sind alles Faktoren, die natürlich eine Rolle spielen und die zusammengedacht werden müssen.
00:25:06
Speaker
Und das ist mir immer ein ganz zentrales Anliegen, zusammenzudenken.
00:25:10
Speaker
Diese gesellschaftlichen Faktoren und heute natürlich auch nochmal der Blick auf diese ganze Frage von Queer und Trans und wo gibt es überhaupt alles Gewalt.
00:25:20
Speaker
dass es ja inzwischen klar ist, dass es nicht nur Gewalt in heterosexuellen Beziehungen gibt.
00:25:26
Speaker
Da war es das ursprüngliche Thema, weil das war, was man denken konnte, was öffentlich gelebt wurde, Heterosexualität, als dieses ganze Thema Gewalt aufkam.
00:25:38
Speaker
Heute wissen wir, dass es auch natürlich in
00:25:41
Speaker
Homosexuellen, in lesbischen Beziehungen und auch in queeren Beziehungen aller Art und in Transbeziehungen auch Formen von Gewalt gibt, wo man nochmal genau hingucken muss, was sind denn da die Hintergründe und Ursachen und da nochmal ein sehr differenzierter Blick nötig ist.
00:25:59
Speaker
Dann die Frage natürlich auch nochmal bezogen auf die Intersektionalität, wer wird erreicht von welchen Einrichtungen und Maßnahmen und wer nicht?
00:26:09
Speaker
Und das stellt sich doch als rechtsschichtsspezifisch heraus.
00:26:13
Speaker
Und dann noch mal ein ganz eigenes Thema, was aber sehr wichtig ist und heute eine große Rolle spielt und sehr umgelöst ist, das Zusammendenken von Frauen und Kindern.
Gesellschaftliche Perspektiven und häusliche Gewalt
00:26:23
Speaker
Und teilweise unterschiedlichen Interessen und vor allen Dingen den gesellschaftlichen Fortschritt eigentlich.
00:26:33
Speaker
Väter sind wichtig für die Erziehung.
00:26:36
Speaker
Wenn ich das in den Vordergrund stelle,
00:26:39
Speaker
dann habe ich vielleicht das Gewaltthema nicht so im Blick.
00:26:42
Speaker
Und das kann dann dazu führen und führt häufig vor allen Dingen vor Familiengerichten dazu und manchmal auch bei Jugendämtern, dass wichtiger ist zu sehen, dass der Vater eine Rolle spielen soll für seine Kinder und nicht zu sehen, dass ein Vater, der Gewalt gegen die Mutter ausübt, ein Vater ist, der ein sehr schwieriges Vorbild für die Kinder ist.
00:27:07
Speaker
Also an diesen ganzen verschiedenen Stricken, die aber zusammenkommen, das beschäftigt mich nach wie vor und treibt mich seit Jahrzehnten um in unterschiedlichen Weisen.
00:27:16
Speaker
Darf ich da gleich nochmal anknüpfen?
00:27:19
Speaker
Also weil du auch gerade nochmal so diese Perspektive auf die Frauen hattest.
00:27:23
Speaker
Ich fand bemerkenswert und ehrlich gesagt auch total erschütternd, auch wenn ich das aus der Forschung und aus der Literatur weiß, als wir nach Interviewpartnerinnen gingen,
00:27:33
Speaker
gesucht haben, haben wir auch mal in der Hochschule einen Aufruf gemacht und ich war wirklich erschüttert, wie viele sich gemeldet haben, die diese Erfahrung von unseren Studierenden auch gemacht haben.
00:27:45
Speaker
Klar weiß man, es gibt da keinen Unterschied mit sozialen Schichten, also was diese Gewalterfahrung betrifft.
00:27:53
Speaker
Aber das hat mich doch sehr, sehr erschüttert.
00:27:55
Speaker
Und auch die Erfahrung, mit der ich mich dann begonnen habe, mehr zu beschäftigen, die Mühen dann auch ein Studium zu absolvieren, aufgrund eben der Bedingungen, die dann damit verbunden sind, das fand ich auch für mich sehr bedenklich.
00:28:09
Speaker
Andererseits eben auch als Anregung, dann auch so etwas als Thema immer überall eigentlich aufzunehmen, dass einige der Interviewpartnerinnen, die wir dann interviewt haben, auch gesagt haben,
00:28:21
Speaker
dass auch die Auseinandersetzung im Studium, also ich habe ja das ja auch ein Teil des Lehrportfolios, dann solche Themen mit zu beschreiben, auch dazu führte, die Dinge erst mal so zu verstehen, also Gewalt als Gewalt zu verstehen.
00:28:35
Speaker
Weil wenn man in so einer Beziehungsdynamik ist, Magde, das ist wahrscheinlich eher so dein Thema, also die Beziehungsdynamiken, über die du vorhin gesprochen hast, zu erkennen, also dass das keine normale oder gesunde Beziehung ist und
00:28:49
Speaker
sondern dass es eine Gewaltbeziehung ist und dass man das als Gewalt benennen kann, gegen die man sich auch zur Wehr setzen kann, also wo man irgendwas machen kann.
00:28:57
Speaker
Und das scheint mir doch noch relativ weit verbreitet zu sein, also dass bestimmte Dinge gar nicht als Gewalt bezeichnet werden.
00:29:04
Speaker
Also das finde ich auch nochmal, ist ja so dringend auch zu tun.
00:29:08
Speaker
Also die Klarheit, was ist Gewalt zu haben.
00:29:13
Speaker
Ja, das ist natürlich ein ganz wichtiger Punkt.
00:29:17
Speaker
Und in den letzten Interviews, die ich gemacht habe mit Frauen in Frauenhäusern,
00:29:24
Speaker
Da ging es mir weniger um die Gewalt als um die Frage, wie sie eine Liebesbeziehung sehen.
00:29:33
Speaker
Und natürlich haben sie dann auch über ihre Erfahrungen gesprochen, die Frauen.
00:29:37
Speaker
Und was da ein für mich wichtiger Punkt war, dass mehrere Frauen gesagt haben, es war gar nicht die Gewalt, die für sie das Schlimmste war.
00:29:49
Speaker
sondern dass sie nicht gesehen wurden, dass der Mann sie nicht beachtet hat, dass sie betrogen worden sind.
00:29:58
Speaker
Und nochmal ein anderer Aspekt, diese Unterschiede, was du angesprochen hast, Stephanie, bei Studierenden zum Beispiel oder auch Kollegen, Kolleginnen, überall kann es solche und zwar auch sehr schlimme Gewaltverhältnisse geben, die aber sehr unterschiedlich sichtbar sind.
00:30:14
Speaker
Und die auch nochmal so ein Paradox, mich interessieren immer solche Paradoxen, also Sachen, die wenig auf der Hand liegen, dass man ja erstmal denkt, am schwersten haben es die Frauen wegzugehen, die in der schwierigsten sozialen Situation sind.
00:30:29
Speaker
Das stimmt offenbar nicht, sondern Frauen in höheren Positionen.
00:30:35
Speaker
haben manchmal das Problem, sprechen auch davon, auch in Interviews, dass sie ihren Status nicht verlieren wollen, ihren Stand nicht verlieren wollen.
00:30:45
Speaker
Nicht nur für sich selbst, sondern auch für die Kinder.
00:30:48
Speaker
Was das bedeutet, wenn sie diese Beziehung verlassen und aufgeben, was das für ein Skandal ist, für ein gesellschaftlicher Skandal ist.
00:30:57
Speaker
Was es für sie bedeutet, für ihre gesellschaftliche Position.
00:31:01
Speaker
Und was es bedeutet, ein Charme.
00:31:04
Speaker
dass die Scham da manchmal noch schwerer zu überwinden ist.
00:31:10
Speaker
Soziologin, Ärztin, Rechtsanwältin und trotzdem passiert mir das und trotzdem habe ich vielleicht fünf Jahre, zehn Jahre in dieser Beziehung gelebt.
00:31:19
Speaker
Wie das bewältigt werden kann, dass das manchmal nochmal sehr, sehr viel Kraft kostet und sehr schwierig ist für die Frauen und dass ich das auch wichtig finde, das nochmal mitzudenken und in die Forschung reinzunehmen, um es auch sichtbar zu machen.
00:31:39
Speaker
Ich habe das Gefühl, dieses Thema Gewalt ist wirklich ein Thema, das in der Breite der Gesellschaft auf jeden Fall verortet ist.
00:31:44
Speaker
Also man kann es gar nicht in bestimmte Milieus oder Schichten hineindenken.
00:31:52
Speaker
Ich habe es so mitgenommen, es ist irgendwie sehr unterschiedlich auch in der Vulnerabilität und dann auch im Umgang damit.
00:31:58
Speaker
Das hat mich jetzt gerade nochmal so als zentrales Thema auch
00:32:03
Speaker
begleitet, das, was ihr gerade gesagt habt.
00:32:05
Speaker
Wir haben euch ja gebeten, wie auch alle Gäste vor euch, ein Zitat mitzubringen aus einem Text, den ihr für dieses Thema, das wir heute ausgesucht haben, besonders wichtig findet, der euch vielleicht schon länger begleitet oder aber auch erst vor kurzem zu euch gekommen
Zitate und Studien zu Gewalt und Geschlechterdynamik
00:32:23
Speaker
Und wir würden euch jetzt bitten, einfach mal den Kontext auch zu nennen.
00:32:28
Speaker
Was ist das für ein Text?
00:32:29
Speaker
Ihn dann kurz auch vorzulesen.
00:32:31
Speaker
Und auch zu sagen, warum habt ihr ihn ausgewählt?
00:32:34
Speaker
Ihr könnt auch gerne dann wechselseitig aufeinander Bezug nehmen.
00:32:38
Speaker
Ja, ich würde vielleicht jetzt einfach mal mit Margret beginnen.
00:32:42
Speaker
Was hast du uns mitgebracht?
00:32:44
Speaker
Ja, ich habe einen Satz mitgebracht von Carol Hagemann White.
00:32:48
Speaker
Carol Hagemann White ist mit Sicherheit die allererste, denke ich, in Deutschland, die
00:32:57
Speaker
sich mit dem Thema sowohl praktisch wie wissenschaftlich beschäftigt hat und im ersten Berliner Frauenhaus mitgearbeitet hat und die Forschung geleitet hat zum ersten Berliner Frauenhaus, wo das erste Werk zu dem Thema häusliche Gewalt, hieß damals noch Gewalt gegen Frauen, entstanden ist.
00:33:15
Speaker
Und sie war für mich immer und ist bis heute ein wichtiges Vorbild, gerade auch in dem Zusammenbringen von politischem und wissenschaftlichem
00:33:26
Speaker
Zu ihrem Satz, der stammt schon aus den 1990er Jahren.
00:33:29
Speaker
Gewalt im Geschlechterverhältnis ist jede Verletzung der körperlichen oder seelischen Integrität einer Person, welche mit der Geschlechtlichkeit des Opfers und des Täters zusammenhängt und unter Ausnutzung eines Machtverhältnisses durch die strukturell stärkere Person zugefügt wird.
00:33:49
Speaker
Soll ich gleich was dazu sagen zu dem Satz nochmal?
00:33:52
Speaker
Was mir daran wichtig ist, ist dieses Thema die strukturell stärkere Person.
00:33:57
Speaker
Also da ist die gesellschaftliche Ebene drin.
00:34:01
Speaker
Da hat es etwas zu tun mit den Geschlechterverhältnissen im Sinne von Machtverhältnissen, von Hierarchisierung zwischen den Geschlechtern.
00:34:10
Speaker
Auch innerhalb der Geschlechter, aber eben vor allen Dingen auch zwischen den Geschlechtern und dass das der Ausgangspunkt ist.
00:34:18
Speaker
Und das finde ich sehr wichtig für die ganze Debatte.
00:34:22
Speaker
die sich dann Anfang der 2000er eröffnet hat, gibt es eine Symmetrie der Gewalt im Geschlechterverhältnis.
00:34:28
Speaker
Da gab es ja lange viel Streit und eigentlich bis heute.
00:34:32
Speaker
Wenn das mitgedacht wird, was es bedeutet, zwei strukturell sehr unterschiedlich mächtige Personen, die eine Beziehung eingehen und wenn das dann noch gesellschaftlich legitimiert wird und kulturell legitimiert wird, dass da dann eine
00:34:51
Speaker
Situation von Gewalt entsteht, gegen die sich die schwächere Person so schwer wehren kann und wo das so schwer ist, da rauszukommen aus diesem
00:35:04
Speaker
Gewaltstrukturen, weil sie einhergehen mit dieser Macht.
00:35:08
Speaker
Also das war das, was mich daran beschäftigt hat und mir sehr wichtig ist.
00:35:13
Speaker
Ja, danke, Margret.
00:35:14
Speaker
Möchtest du jetzt dein Zitat vorlesen, Daphne?
00:35:17
Speaker
Gerne, mache ich das.
00:35:18
Speaker
Ich habe was aus dem gesundheitswissenschaftlichen Bereich mitgebracht.
00:35:22
Speaker
Und das ist ein Zitat aus dem Weltbericht für Gewalt und Gesundheit.
00:35:28
Speaker
Und der Weltbericht ist schon etwas älter.
00:35:30
Speaker
Der erste war aus dem Jahr 2002.
00:35:31
Speaker
Und ich kann zumindest für mich sagen, dass ich nie vergessen habe, was ich da gelesen habe und dachte, ja, dieses Zitat.
00:35:39
Speaker
hat mich schon immer auch in meinem Denken und Arbeiten begleitet.
00:35:42
Speaker
Und zwar steht da, Gewalt gegen Frauen betrifft alle Gesellschaftsschichten in allen Teilen der Welt.
00:35:49
Speaker
Also schon sozusagen dieser Teil, der deutlich macht, dass es keine Frage von sozialer Position ist und auch keine Frage, an welcher Stelle der Welt man lebt, fand ich da so interessant, weil man ja immer so gewisse Vorstellungen auch hat.
00:36:04
Speaker
Also die einen haben das mehr, die anderen weniger.
00:36:06
Speaker
Es ist aber überall vertreten, auch wenn es natürlich auch Unterschiede gibt.
00:36:10
Speaker
Und dann geht es weiter.
00:36:11
Speaker
Körperliche Verletzungen reichen von Knochenbrüchen bis hin zu chronischen Gesundheitsschäden.
00:36:15
Speaker
Zu den Folgen für die reproduktive Gesundheit zählen gynäkologische Erkrankungen, sexuell übertragbare Infektionen, ungewollte Schwangerschaften und Komplikationen bei der Geburt.
00:36:26
Speaker
Psychische Störungen, darunter Depressionen und soziale Funktionsstörungen sind häufige Folgen von körperlicher Gewalt und sexuellem Missbrauch.
00:36:34
Speaker
Also diese hier formulierten gesundheitlichen Folgen, also die nicht nur kurzfristige sind, von denen ich auch vorhin berichtet habe, also das, was man unmittelbar sieht, was dann aber verschwindet, sondern das, was sich wirklich auch mittel- und langfristig körperlich verankert,
00:36:48
Speaker
Und wo es auch wichtig ist für die Gesundheitsversorgung zu wissen, dass es Folgen von Gewalt sind und nicht gerade irgendwie was Akutes.
00:36:56
Speaker
Also es sind ja eben auch so Magen-, Darmbeschwerden, Rückenbeschwerden, die langfristig auch Menschen begleiten können.
00:37:04
Speaker
Und wenn man dann keine Idee hat, wie solche Zusammenhänge sind, dann kann eben auch eine gesundheitliche Versorgung nie gelingen.
00:37:12
Speaker
Der Bericht, der jetzt auch schon ein bisschen älter ist, schon länger vorliegt, also die Repräsentativstudie zu Gewalt, also die gegenüber Frauen, die herausgefunden hat, dass jede dritte Frau in ihrem Leben irgendwann mit Partnergewalt konfrontiert war, natürlich in unterschiedlicher Beziehung.
00:37:30
Speaker
Wenn man das bedenkt, sind solche Sachen eigentlich schon immer mit zu berücksichtigen.
00:37:34
Speaker
Und gerade bei den psychischen Erkrankungen, also wenn man sich die Zahlen anschaut, also von Frauen, die Gewalt erlebt haben und in welcher Ausprägung sie häufiger dann von Angst- und Panikstörungen, Depressionen betroffen sind.
00:37:49
Speaker
Also bei Depressionen ist es ungefähr elfmal so viel.
00:37:51
Speaker
und sich die Zusammenhänge betrachtet, dann ist das auch immer wieder als Teil der gesundheitlichen und auch psychologischen Versorgung zu betrachten, wird aber auch da selten thematisiert.
00:38:03
Speaker
Und mir erscheint es also grundsätzlich wichtig, und deshalb habe ich dieses Zitat auch genommen,
00:38:08
Speaker
auch deutlich zu machen, welche Relevanz das hat.
00:38:10
Speaker
Also auch nochmal diese kurz-, mittel- und langfristigen gesundheitlichen Folgen, die eben auch bis Suizidalität gehen können, also Ursache sind dafür, dass sich dann Menschen das Leben nehmen.
00:38:21
Speaker
Das ist auch nochmal ein wichtiger Punkt.
00:38:23
Speaker
Also wie das auch Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen, auch eben Lernstörungen beeinflusst und dazu führen kann, dass solche Sachen auch die Arbeits- und Lernfähigkeit extrem beeinträchtigen.
00:38:34
Speaker
Also deshalb auch dieses Zitat, weil es mich wirklich auch begleitet und sich so eingebrannt hat in meinem Kopf.
00:38:43
Speaker
Ja, besonders beeindruckend ist da die Langfristigkeit und die...
00:38:48
Speaker
dass es auf allen Ebenen gesundheitliche Folgen hat und jetzt eine Ebene noch dazu, welche gesellschaftlichen Kosten das verursacht.
00:38:58
Speaker
mit denen wir einfach leben, als wäre nichts weiter.
00:39:02
Speaker
Da gibt es ja dann auch Untersuchungen über gesellschaftliche Kosten, jetzt rein monetär.
00:39:09
Speaker
Und das kann man sich ja vorstellen, weil dieser Breite von gesundheitlichen Problemen, die da drin enthalten sind und die Frauen erleiden, dass das nicht kostenlos ist.
00:39:20
Speaker
Genau, und das ist was, was ich, also das macht mich auch sehr, sehr ärgerlich, also wenn ich darüber nachdenke, wie wenig ernsthaft, also gesellschaftlich gegen solche Formen von Gewalt, also generell Formen von Gewalt tut.
00:39:33
Speaker
Also die individuellen, die familiären Folgen und die gesellschaftlichen Folgen sind so groß, aber trotzdem wird das immer noch als etwas,
00:39:42
Speaker
normales Verstanden, also nicht ernsthaft genug verfolgt, egal welche Form von Gewalt.
00:39:48
Speaker
Ich finde, da müsste man viel, viel mehr Prävention betreiben.
00:39:50
Speaker
Ja, ein zentrales Stichwort Prävention.
Politische Maßnahmen und Gewaltprävention
00:39:56
Speaker
Denn es ist ja viel gelungen, bezogen auf Gewalt, dass sie öffentlich geworden ist, dass es Einrichtungen gibt, Hilfeeinrichtungen, dass es Unterstützung gibt,
00:40:08
Speaker
Aber gleichzeitig ist es ja nicht gelungen, soweit man das sagen kann, dass Gewalt abgebaut worden ist.
00:40:16
Speaker
Man muss immer ein bisschen vordesslich sein mit den quantitativen Studien.
00:40:19
Speaker
Wie gesagt, mit den Schwedern sieht man, dass das nicht so ganz so einfach ist und dass heute es vielleicht mehr Meldungen gibt und ähnliches.
00:40:26
Speaker
Aber trotzdem, das Ausmaß von Gewalt ist nach wie vor so erschreckend groß, dass da der Bedarf, sich auseinanderzusetzen mit Geschlechterverhältnissen und mit gewaltfreien Beziehungen auf allen Ebenen,
00:40:42
Speaker
Ja, das führt jetzt auch sehr gut zur Schlussfrage.
00:40:45
Speaker
Wir kommen leider schon zum Ende, aber für uns auch immer wichtig, unsere InterviewpartnerInnen zu fragen, was wünscht ihr euch für die Zukunft in Bezug auf Geschlecht und Gewalt, also Geschlechterverhältnisse und Gewalt, in Bezug auf Forschung, aber gerne auch, ich finde das, was du, Margret, gesagt hast, aus der Bewegung denken, in Bezug auf politische Verhältnisse,
00:41:08
Speaker
Ja, was wünscht ihr euch da für die Zukunft?
00:41:11
Speaker
Vielleicht fängt nochmal Daphne an jetzt.
00:41:16
Speaker
Also es gibt ja auch eine Reihe von Vereinbaren, auch europaweit, die Istanbul-Konvention, die vereinbart wurde, um auch Gewaltprävention zu betreiben, auch in der Gesundheitsversorgung, die erst 2018 in Deutschland ratifiziert wurde und finde ich, wo viel...
00:41:32
Speaker
Potenzial ist, also auch auf politischer Ebene was umzusetzen.
00:41:35
Speaker
Ich finde, das muss man entsprechend ernst nehmen.
00:41:37
Speaker
Und ja, man könnte, finde ich, auch auf wirklich relevanter politischer Ebene dieses Thema verfolgen.
00:41:44
Speaker
Ich wünschte mir manchmal auch ein Gesundheitsziel.
00:41:46
Speaker
Wir haben ja verschiedene nationale Gesundheitsziele, zum Beispiel Rauchen aufzugeben, das ist auch wichtig.
00:41:51
Speaker
Aber ich finde, dieses Thema Gewalt muss auch ein nationales Gesundheitsziel sein mit unterschiedlichen Akteuren, Akteurinnen.
00:42:01
Speaker
muss das verfolgt werden.
00:42:02
Speaker
Das wäre ein Thema.
00:42:03
Speaker
Ich selber, also forsche ja weiter.
00:42:05
Speaker
Ich hatte gerade von diesem Innovationsfondsprojekt erzählt und das ist insofern auch ein besonderes Projekt, weil es sehr praxisorientiert ist.
00:42:14
Speaker
Also man muss auch Empfehlungen geben.
00:42:16
Speaker
Das ist nicht die reine Forschung, sondern das ist ein Projekt, das verlangt festzulegen, in welcher Form das dann umgesetzt wird.
00:42:25
Speaker
Und das tun wir natürlich auch gern.
00:42:28
Speaker
Also von daher verbindet sich Forschung und auch meine Vorstellung, wie das auf politischer Ebene passieren kann.
00:42:36
Speaker
Also dass das, was wir geforscht haben, auch dann umgesetzt wird in der Praxis und auf politischer Ebene ernst genommen wird.
00:42:45
Speaker
Mein zentrales Stichwort wäre die Demokratisierung der Geschlechter- und Generationenverhältnisse.
00:42:52
Speaker
Da steht viel Arbeit uns bevor.
00:42:55
Speaker
Und was wir ja auch wissen ist, dass sowohl Gewalterleiden wie Gewalttätigkeit etwas zu tun hat mit Generationserfahrungen.
00:43:06
Speaker
Dass Frauen, die in ihrer Kindheit Gewalt erlitten haben, sei es sexuelle Gewalt, sei es körperliche Gewalt,
00:43:14
Speaker
oder auch Jungs, dass die dann geschlechtsspezifisch häufig das weitertragen.
00:43:21
Speaker
Also diesen transgenerationellen Faktor nicht zu vergessen.
00:43:25
Speaker
Und deswegen finde ich es wichtig, Geschlechter und Generationen zusammenzudenken im Sinne von nicht gewalttätigen Verhältnissen.
00:43:37
Speaker
Und da glaube ich, dass Demokratisierung eine große Rolle spielt und das glaube ich nicht nur, sondern das haben auch Untersuchungen in den USA gezeigt, dass Paarbeziehungen, die tendenziell gleichberechtigt sind und gleichmächtig sind, weniger häufig in Gewalt ausgehen.
00:43:56
Speaker
Übung enden, als welche, die von Anfang an hierarchisch aufgebaut sind.
00:44:01
Speaker
Das ist auch nicht zwingend, nicht jede hierarchische Struktur führt zur Gewalt, aber es kommt häufiger vor.
00:44:06
Speaker
Das finde ich sehr, sehr wichtig und
00:44:10
Speaker
nicht Gewalt immer mitzudenken.
00:44:12
Speaker
Und da macht mich sehr besorgt, dass diese neue soldatische Männlichkeit aufgrund dieser vielen Kriege, neue Form von Machismo, von Incels bis sonst wohin.
Entwicklung von Männlichkeitsrollen
00:44:23
Speaker
Und auf der anderen Seite gibt es aber sowas wie Initiativen für Caring Dads, wo ich dann denke, eine fürsorgliche Männlichkeit, dass das auch Thema heute ist.
00:44:34
Speaker
Also an diesen Punkten weiterzuarbeiten,
00:44:37
Speaker
Das scheint mir sehr, sehr wichtig.
00:44:39
Speaker
Im Moment sehe ich da eher so eine gesellschaftliche Spaltung, dass es auf der einen Seite ein Bemühen gibt um Gewaltfreiheit und auf der anderen Seite aber eher das Gegenteil wieder stärker wird, dass Gewalt nicht so delegitimiert wird.
00:44:57
Speaker
wird mehr, wie es auch schon mal war, sei es jetzt in politischen Kontexten von rechter Gewalt, aber die ist ja dann nie auch nur politische Gewalt, sondern da muss man auch gucken, was es an häuslicher Gewalt gibt.
00:45:08
Speaker
Und was wir wissen ist, dass Länder, die Krieg führen, dass da auch die häusliche Gewalt zunimmt.
00:45:14
Speaker
Also auch in diesem Kontext das Zusammendenken von gesellschaftlichen Frieden und Gewaltfreiheit in Geschlechter- und Generationenverhältnissen, das ist mir wichtig, begleitet mich und da will ich weiter
Abschluss und Dankesworte
00:45:26
Speaker
jedenfalls auf der Ebene von Forschung und aber auch von Politik.
00:45:32
Speaker
Ja, ich würde sagen, das ist ein schönes Schlusswort, liebe Margret.
00:45:36
Speaker
Danke für die anregende und ich würde sagen auch zukunftsweisende Diskussion.
00:45:40
Speaker
Ich denke, wir haben viel mitgenommen, wir haben viel gelernt über Gewalt und Geschlechterverhältnisse und ich würde sagen, da ist auch noch viel zu tun.
00:45:49
Speaker
Ich danke euch, dass ihr bei uns zu Gast wart und den Zuhörenden danke, dass ihr wieder reingehört habt.
00:45:55
Speaker
Bis zum nächsten Mal.
00:45:57
Speaker
Vielen Dank an euch.
00:45:59
Speaker
Ja, danke euch und allen.