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Ep. 38 : „Ehrliche Uhren“ – mit Albert von Zeitwinkel

Zero Reset - Uhrenpodcast
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259 Plays7 days ago

Vor 20 Jahren hat sich Albert mit zwei Freunden aufgemacht, unter dem Namen Zeitwinkel, „ehrliche Uhren“ zu entwickeln und von Hand zu finishen und zu bauen.

Sie wirken sehr deutsch, kommen aber aus der Schweiz.

Was das mit MB&F zu tun hat, warum Tim Mosso sie „little Lange“ nennt und welchen Einfluss ein Großdatum auf 11 auf die Apokalypse darauf hat – das klären wir mit Albert!

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Transcript

Einführung von Albert Edelmann und Zeitwinkel

00:00:19
Speaker
Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Zero Reset, der Uhren-Podcast.
00:00:24
Speaker
Ich schaue hier, ich schaue gerade nicht in vier andere Augen, weil die vier Augen gerade weg gucken, aber wir sind zu sechs Augen, drei Menschen sitzen wir hier, nicht nebeneinander, aber virtuell zusammen, denn der Knut hat einen sehr tollen und interessanten Gast mitgebracht.
00:00:40
Speaker
Und deswegen, weil Knut so lieb war und uns den Gast mitgebracht hat, werfe ich direkt drüber zu Knut, der unseren Gast einleiten darf, der sich dann auch vorstellen darf.
00:00:51
Speaker
Vielen Dank.
00:00:51
Speaker
Wir haben heute Albert Edelmann von Zeitwinkel bei uns.
00:00:54
Speaker
Und zwar ist es so, die Ohrenmarke Zeitwinkel gibt es seit 2006.
00:00:59
Speaker
Und deswegen müssen wir zu 20 Jahren Zeitwinkel, 2026 natürlich, mit Albert darüber sprechen, wie es so ist mit Zeitwinkel.
00:01:06
Speaker
Er hat die Marke nämlich 2006 mit zwei Freunden gegründet.
00:01:10
Speaker
Und sie betreiben das auch bis heute.
00:01:12
Speaker
Und die Idee von Zeitwinkel war und ist es, in Anführungszeichen ehrliche Uhren zu bauen, ganz traditionell von Grund auf entwickelt und von Hand zusammengebaut in Saint-Emilier.
00:01:21
Speaker
Vielleicht kennen das einige von euch, weil auch Longy daherkommt.
00:01:25
Speaker
Real Swiss Made nennen sie das.
00:01:28
Speaker
und machen eben nicht Uhren, die aus Asien kommen oder viele Teile aus Asien, die sie dann mit Made in Swiss einfach weiter verschicken.
00:01:35
Speaker
Es ist also alles besonders und anders an Zeitentwicklung, nicht nur der Name, den finde ich sehr rätselhaft und das müssen wir alles mit Albert aufklären.
00:01:42
Speaker
So und deswegen fangen wir auch mit Albert an, denn ich fand das auch spannend, dass er das mit Freunden gegründet hat und dass die das auch immer noch zusammen machen.
00:01:49
Speaker
Das ist schon, finde ich, eine große Geschichte.

Innovativer Ansatz in der Uhrenentwicklung

00:01:52
Speaker
Albert, wenn ich es richtig verstanden habe, dann habt ihr mit der Entwicklung des Werks angefangen und dann erst später die Uhr drum gebaut.
00:01:58
Speaker
Das ist ja ein mutiger Ansatz und auch ziemlich besonders.
00:02:01
Speaker
Und ihr macht, wenn ich es richtig verstanden habe, ungefähr so 100 Uhren im Jahr, um die Qualität halten zu können.
00:02:05
Speaker
Das finde ich auch besonders, weil alle wollen ja immer skalieren, damit sie reich werden.
00:02:09
Speaker
Und mich hat das sehr an Enzo Ferrari erinnert, der immer gesagt hat, bei mir kauft man einen Motor und bekommt das Auto dazu.
00:02:15
Speaker
Und der vor allen Dingen einfach ganz lange einen Rennstall betrieben hat und nie Autos auf der Straße vermarktet hat.
00:02:20
Speaker
Der macht überhaupt keine Serienproduktion gemacht.
00:02:22
Speaker
Albert, bist du auch so ein Enzo Ferrari?
00:02:25
Speaker
Nein, also erstmal danke, dass ihr mich da aufgenommen habt in eure Arme.
00:02:30
Speaker
Obwohl ich, wenn ich da schon 20 Jahre auf dem Buckel habe, nicht mehr der Frischeste bin, sicherlich.
00:02:38
Speaker
Aber nein, ich bin kein Enzo Ferrari, keiner von uns drei Gründern ist ein Enzo Ferrari, aber wir haben mindestens genauso viel Spaß wie Enzo Ferrari, denke ich mal.
00:02:49
Speaker
Ja, wie seid ihr auf die Idee gekommen?

Das Gründungsteam von Zeitwinkel

00:02:51
Speaker
Das klingt, finde ich, in der Zusammenstellung, ich habe das jetzt sehr runtergebrochen, erst mal wie so ein Himmelfahrtskommando, also mit dem teuersten Teil anzufangen, den total ambitioniert und dann erst die Uhr hinterher und dann, ja, also wie kam das?
00:03:03
Speaker
Wie seid ihr drei da zusammen gestartet?
00:03:06
Speaker
Also erstmal gehört wahrscheinlich schon ein bisschen Naivität dazu, aber auch Erfahrung.
00:03:12
Speaker
Und die Erfahrung hat mein Freund Peter gehabt in der Uhrenindustrie, der für eine der Glashütter-Marken die Vertriebsrechte außerhalb Europas hatte und den ich da auf seiner Reise durch die Uhrenwelt auch immer mal wieder begleitet habe.
00:03:28
Speaker
Also
00:03:29
Speaker
auch wirklich physisch begleitet habe.
00:03:30
Speaker
Wir waren mal zusammen in Kuwait in quasi einer Golfkriegspause, weil jemand von ihm große Mengen Uhren gekauft hatte, die dann aber nicht zu verkaufen wusste.
00:03:43
Speaker
Er hatte die immer noch in Schachteln da liegen, hatte ein Geschäft für weiße Ware, also Kühlschränke, Spülmaschinen und Ähnliches und war einfach mal auf den Trichter gekommen, er will jetzt auch Uhrenverkäufer sein.
00:03:57
Speaker
Und ich fand das faszinierend, dass jemand dafür sechsstellige Beträge Uhren kauft, um die verkaufen zu können, aber keine Ahnung davon hatte.
00:04:07
Speaker
Also dieses Produkt musste eine gewisse Faszination noch haben über die reine Sammler-Tätigkeit hinaus.
00:04:13
Speaker
Und während Peter die Industrie-Erfahrung mitbrachte, hatte ich so ein bisschen aus dem Geschäftsleben noch Erfahrung und der dritte Gründer Max.
00:04:24
Speaker
Baum ist Professor für Kommunikationsdesign und kannte sich natürlich daher so ein bisschen in diesem Thema aus Darstellung nach außen.
00:04:36
Speaker
Du bist BWLer, ne?
00:04:38
Speaker
Ich bin tatsächlich BWLer, reib's nicht rein.
00:04:42
Speaker
Also du musst auf die Zahlen achten.
00:04:44
Speaker
Aber ich habe gesehen, du hast erst Geld gemacht mit erneuerbaren Energien.
00:04:49
Speaker
Das heißt, du bist doch irgendwie immer schon Überzeugungstäter gewesen, oder?
00:04:53
Speaker
Ja, also ich hatte mit erneuerbaren Energien angefangen, als das tatsächlich noch absurd war, dass das jemals irgendwas werden könnte.
00:05:01
Speaker
Story of your life offensichtlich.
00:05:03
Speaker
Ja, kann man so sehen, aber ich will mich ja nicht demotivieren.
00:05:10
Speaker
Also das hat auch erneuerbare Energien haben sehr viel Spaß gemacht.
00:05:13
Speaker
Ich bin der Branche auch bis heute verbunden, aber erneuerbare Energien wurde irgendwann so mainstream, so...
00:05:22
Speaker
perfektioniert, dass es mehr um das Management ging, als dass du tatsächlich was gestalten konntest.
00:05:29
Speaker
Also die Zeiten, wo du tatsächlich ein Solarpanel in Schweden auf der Hütte hattest, die sind ganz, ganz lange vorbei.
00:05:37
Speaker
Während in der Uhrenbranche kannst du tatsächlich mit einer Idee noch was bewirken.
00:05:43
Speaker
Und da kommen wir dann eben auch zu dem Grund, warum wir mit dem Uhrwerk angefangen haben.
00:05:47
Speaker
Und dann habt ihr, weiß ich nicht, 2004, also wenn ihr 2006 gestartet seid, seid ihr ein bisschen vorher angefangen, Dinge zu entwickeln, dann hattet ihr einen rotweinseligen Kaminabend und habt überlegt, man müsste das eigentlich mal machen.
00:06:00
Speaker
Naja, es gibt nicht den einen Startpunkt, wenn du so ein Projekt hast, das nicht dringend ist.
00:06:05
Speaker
Alle drei haben ja grundsätzlich auch eine Beschäftigung gehabt,
00:06:12
Speaker
gibt es nicht den Startpunkt, wo man sagt, wir müssen jetzt sofort anfangen, sonst wird das nie was, sondern man müsste mal.
00:06:19
Speaker
Ach komm, lass uns doch mal mit Ingenieuren sprechen.
00:06:22
Speaker
Lass uns einfach mal aufschreiben, wie würde das denn aussehen, wenn man es richtig macht.
00:06:26
Speaker
Und der Punkt, zu dem wir immer wieder zurückgefallen sind, war,
00:06:31
Speaker
vor dem Hintergrund der damaligen Landschaft, du musst dein eigenes Uhrwerk haben und du musst nicht behaupten, ich habe ein Unitas ein bisschen modifiziert und das ist jetzt mein eigenes Uhrwerk, sondern du musst wirklich ein eigenes Uhrwerk haben.
00:06:45
Speaker
Und dann sind Peter und ich eben auch durch die Schweiz gereist und haben uns angeschaut, wer stellt denn Uhrwerke für andere her und das war für uns nicht zufriedenstellend.
00:06:57
Speaker
Hattet ihr so eine Referenzuhr, wo ihr angefangen habt, dass ihr gesagt habt, also es muss mindestens so wertvoll sein wie diese oder es soll so eine ähnliche Optik haben wie dies oder wie seid ihr gestartet?
00:07:06
Speaker
Man hat ja bei drei Leuten auch wahrscheinlich drei unterschiedliche Vorstellungen, wie die ideale Uhr aussehen soll.
00:07:11
Speaker
Das ist auch der Grund, warum bei uns neben der Größe des Unternehmens alles recht lange dauert, weil wir erst einen gewissen Konsens herstellen müssen zwischen drei komplett unterschiedlichen Charakteren, was schon sehr schweizerisch klingt, extrem frustrierend sein kann, dann aber tatsächlich auch Lösungen bringt, die sehr, sehr lange halten.
00:07:36
Speaker
Und für uns war das so, dass wir uns angeschaut haben, wenn man ein eigenes Uhrwerk macht, wollen wir auch die Teile dafür in der Umgebung produzieren können.
00:07:46
Speaker
Und da ist sehr schnell sehr viel rausgefallen.
00:07:49
Speaker
Und wir sind, um die Geschichte abzukürzen, im Berner Jura gelandet, weil dort tatsächlich noch kleine Fertigungsbetriebe waren und bis heute sind.
00:08:00
Speaker
Und es ist auch dadurch dann klar geworden, wir können kein Uhr bauen für 3000 Franken.
00:08:07
Speaker
Also selbst wenn wir die üblichen Faktoren, die damals wie wahrscheinlich auch heute Faktor 5 bis 7 auf die reinen Produktkosten sind zum Endpreis der Uhr, das ist in unserer Sphäre nowhere near, also da bist du viel, viel, viel, viel niedriger.
00:08:23
Speaker
als Faktor.
00:08:24
Speaker
Aber selbst wenn wir ganz niedrige Faktoren ansetzen, ist ein eigenes Werk derartig teuer, dass du keine Uhr für untere vierstellige Beträge bauen kannst.
00:08:35
Speaker
Und daraus hat sich

Herausforderungen bei der Entwicklung eigener Uhrwerke

00:08:36
Speaker
das dann entwickelt.
00:08:37
Speaker
Ich war mal auf einer Messe und habe mich mit einem Inhaber einer deutschen Uhrenmarke unterhalten und er meinte,
00:08:44
Speaker
dass die Entwicklung eines Uhrwerks sechsstellige Beträge kosten würde, dass sie deswegen davon Abstand genommen haben, das zu machen?
00:08:54
Speaker
Das ist realistisch und auch optimistisch.
00:09:01
Speaker
Ja, das ist tatsächlich so.
00:09:02
Speaker
Also wir haben damals zum Beispiel davon abgesehen, ein Chronografenwerk auch nur anzudenken, weil es hieß 5 Millionen Franken und 5 Jahre, bis du in eine saubere Prototypenphase kommst.
00:09:14
Speaker
Die Problematik bei der Entwicklung eines eigenen Werkes, wo du eben nicht auf die Geartrain von Unitas zurückgreifst oder einfach nur zwei, drei Platinen änderst oder sowas.
00:09:27
Speaker
Also heute gibt es ja auch viel mehr Anbieter als damals, was aus dem Regal nimmst und sagt, dreh mir das hier um, zieh das nach vorne und dann ist es mein eigenes Werk.
00:09:37
Speaker
Das sind sehr hohe Beträge.
00:09:41
Speaker
Und das Traurige, was einem niemand erzählt, die Arbeit geht ab der Prototypenphase erst richtig los.
00:09:48
Speaker
Im Sinne von, dass man dann erst mal testen muss, ob der Prototyp die Jahre ohne viel Revision überlebt und so weiter, denke ich mal richtig.
00:09:57
Speaker
Also, dass man dann erst wirklich die Kinderkrankheiten auch wirklich erfassen kann, oder?
00:10:02
Speaker
Ja, also Biverr hat mal gesagt, wenn das Werk nach zehn Jahren immer noch läuft, dann weiß man, die Kinderkrankheiten sind raus.
00:10:09
Speaker
Wir haben die ersten Werke 2009 rausgebracht, also da sind wir auf jeden Fall raus, aber es geht ja auch deutlich weiter als die Frage, ob das einfach nur läuft, sondern du musst die Konstruktion so anpassen, dass du es auch tatsächlich fertigen kannst.
00:10:23
Speaker
Ich gebe dir, also wir sind jetzt schon ganz tief im Schilf drin.
00:10:26
Speaker
Ja, ich wollte auch vielleicht...
00:10:28
Speaker
Weil vielleicht hat ja noch nicht jeder in seinem Leben eine Zeitwinkeluhr gesehen.
00:10:31
Speaker
Vielleicht mal, damit man weiß, worauf man sich einlässt, wenn man jetzt danach googelt parallel.
00:10:35
Speaker
Also ich habe mal versucht, das zusammenzufassen, was so der erste Eindruck für mich ist.
00:10:41
Speaker
Also sie haben eine ganz besondere Optik, sehr zurückhaltende Zifferblätter.
00:10:44
Speaker
Ihr habt sogar eine eigene Schrift entwickelt.
00:10:46
Speaker
Ich finde, sie haben einen sehr technischen Look.
00:10:48
Speaker
Und ihr habt so Smoke Sapphire Blätter, also so durchsichtig, ein bisschen vielleicht wie so eine lange Lume.
00:10:54
Speaker
Sie geistert ja immer wieder so durch, also man kann so halb durchgucken.
00:10:58
Speaker
Dann sind sie, als ihr 2006 gestartet seid, da waren die Uhren, glaube ich, insgesamt sehr viel größer, als sie im Moment sind im Medium.
00:11:04
Speaker
Ihr seid mit 42,5 mm gestartet.
00:11:07
Speaker
Jetzt mittlerweile gibt es auch kleinere, aber es sind auf jeden Fall substanzielle Uhren, würde ich sagen.
00:11:12
Speaker
Also nicht filigran.
00:11:14
Speaker
Das Werk fand ich interessant.
00:11:16
Speaker
Ich weiß nicht, ob ich den Namen richtig ausspreche, aber es habt ihr mit Hilfe von Laurent Bess genannt.
00:11:20
Speaker
entwickelt, den ich kenne, weil der für MBNF auch die Horological Machine 1 und ich glaube auch die 4 gemacht hat.
00:11:29
Speaker
Also
00:11:30
Speaker
wirklich ganz große Kathedralen der Uhrmacherei, wo es viele Fanboys von gibt, die glaube ich nicht bewusst ist, dass ihr auch ein Nexus zu dem habt.
00:11:38
Speaker
Dann habt ihr eine Dreiviertelplatine aus Neusilber oder English German Silver und nicht rodiniert.
00:11:44
Speaker
Neusilber kennt man auch von Lange vor allen Dingen oder also Glashütte insgesamt.
00:11:48
Speaker
Das ist ein Material, was sehr schön warmen Ton annimmt mit der Zeit, also schön, sagen wir mal, patiniert, aber was...
00:11:54
Speaker
anspruchsvoll ist, weil man jedes Elend, was man darauf fabriziert, sofort sehen kann.
00:11:59
Speaker
Also das spricht für eure Sorgfalt, dass ihr das habt.
00:12:01
Speaker
Und ich habe gerade erst am 28.05. ein Video von Timosso gesehen, da hatte er eine Uhr von euch drin und nannte sie, Zitat, das Little Lange Movement.
00:12:12
Speaker
Das fand ich interessant, also es ist jetzt sehr viel lange mal gefallen, aber einfach, dass man sich vorstellt.
00:12:16
Speaker
Ihr habt nämlich auch ein Großdatum.
00:12:18
Speaker
ein eigenes.
00:12:18
Speaker
Dazu muss ich hinterher auch wissen, was ihr da patentiert habt, was das eigene ist.
00:12:22
Speaker
Das habe ich noch nicht herausgefunden.
00:12:23
Speaker
Und ihr macht sehr viele Bauteile in-house, zum Beispiel auch die Zeiger.
00:12:27
Speaker
Und ihr habt sehr viel Handarbeit beim Finish und auch eine zweifache Montage.
00:12:32
Speaker
Ehrlich gesagt, 90 Prozent von dem, was ich jetzt gesagt habe, da denke ich immer zuerst an Glashütte.
00:12:35
Speaker
Aber ihr seid ja eine Schweizer Uhrenfirma, die aber von drei Deutschen produziert wird.
00:12:39
Speaker
Und jetzt frage ich mich ein bisschen, wieso habt ihr so eine Glashütte-Expat-Uhr in der Schweiz?
00:12:48
Speaker
Naja, das hat sich im Zweifel ergeben, weil wir die besten Features von beiden Welten wollten.
00:12:55
Speaker
MyShore oder Neusilber, wie du schon erwähnt hast, weil es sehr schön ist, aber auch weil es sehr hart und stabil ist, dadurch Präzision ermöglicht und weil du jeden Fehler drauf siehst.
00:13:06
Speaker
Also wir vernickeln das nicht, wir rodinieren das nicht.
00:13:10
Speaker
Du siehst das hohe Material und wenn da jemand drauf gefasst hat, siehst du diesen Fingerabdruck nicht sofort, aber nach ein oder zwei Monaten siehst du, da hat jemand drauf gefasst.
00:13:21
Speaker
Wenn jemand daneben gekratzt hat irgendwo, diesen Kratzer siehst du.
00:13:26
Speaker
Es war für uns ein Zeichen davon, dass Präzision gefragt ist, nicht nur in der Uhr, sondern auch in der Fertigung.
00:13:33
Speaker
Und da ist auch die Dreiviertelplatine, die oft mit Glashütte in Verbindung gebracht wird, sicher so ein Zeichen, weil du eben sehr viele verschiedene Punkte gleichzeitig in Übereinstimmung bringen musst und nicht nur zwei oder drei Achsenpunkte wie in geteilten Platinen.
00:13:52
Speaker
Der Grund aber auch, warum die Uhren, wie du vorhin sagtest, vielleicht etwas solider wirken, ist, dass wir im Zweifel zwischen, wenn wir einen Kompromiss machen müssen zwischen Präzision und Stabilität und Wartungsfreundlichkeit auf der einen Seite und Optik auf der anderen Seite immer zu dem Ersteren tendieren.
00:14:13
Speaker
Das heißt, man kann jede Platine, jede Brücke auch nochmal ausbohren, kann einen größeren Lagerstein einbauen, ohne dass die Uhr auseinanderfällt, selbst in 50 oder 100 Jahren noch.
00:14:26
Speaker
Vielleicht gehen wir mal auf eine spezielle Uhr.
00:14:29
Speaker
Wenn ich das richtig gesehen habe, habt ihr als letztes die 173 Grad vorgestellt, die alle Features, die ihr in eurem Flagship hattet, jetzt in einer aktuell gerade modernen Größe, so um die 40 Millimeter anbietet.
00:14:41
Speaker
Vielleicht fangen wir mal an.
00:14:42
Speaker
Also warum heißt die

Design und Namensgebung der Uhrenserien

00:14:44
Speaker
173 Grad?
00:14:44
Speaker
Ich habe wirklich doll und liebevoll geguckt.
00:14:46
Speaker
Erstens, was Zeitwinkel heißt.
00:14:48
Speaker
Das konnte man ergoogeln, aber kannst du, glaube ich, schöner sagen.
00:14:51
Speaker
Und zweitens, warum haben diese Uhren immer diese Gradangaben?
00:14:53
Speaker
Was bedeutet das?
00:14:54
Speaker
Das habe ich einfach nicht verstanden.
00:14:55
Speaker
Das musst du uns erklären.
00:14:57
Speaker
Gut, zunächst Zeitwinkel.
00:14:58
Speaker
Wir hatten überlegt, wie nennen wir denn unser kleines Abenteuer?
00:15:02
Speaker
Und wir waren relativ schnell klar darüber, wir wollen es nicht nach uns selbst benennen, weil wir nicht im Vordergrund stehen wollten.
00:15:09
Speaker
Und Zeitwinkel ist das Maß zur Bestimmung der exakten Ortszeit.
00:15:12
Speaker
Also ihr seid jetzt in Berlin, ich bin in St.
00:15:15
Speaker
Timiers in der Schweiz.
00:15:17
Speaker
Wir haben beide 17.22 Uhr zu dem Zeitpunkt, wo wir das aufnehmen.
00:15:22
Speaker
Aber in Wirklichkeit nach dem Sonnenstand ist es bei euch wahrscheinlich schon etwas später als bei mir.
00:15:27
Speaker
Eine Equation of Time?
00:15:29
Speaker
Ja, ich kann durch den Winkel des Sonnenstandes die tatsächliche Zeit bestimmen.
00:15:34
Speaker
Und wenn ich dann rausfinden will, also wenn ich die Zeit habe, kann ich den Ort bestimmen und umgekehrt.
00:15:40
Speaker
Wenn ich den Ort und den Winkel habe, kann ich wiederum die Zeit bestimmen.
00:15:47
Speaker
Es ist ein Maß der genauen Ortszeit und die Gradzahlen ergaben sich dann für uns zugegebenermaßen auch so ein bisschen nach dem Konsensprinzip aus der Tatsache, dass wir über Winkel sprechen.
00:16:03
Speaker
Okay, aber jetzt habe ich nicht verstanden, warum eine Uhr 173 Grad heißt und eine heißt 273 Grad.
00:16:08
Speaker
Ich kenne 3er BMWs und 5er BMWs, aber das wird den Grad wegen gar nicht verstanden.
00:16:12
Speaker
Gut, also wir hatten am Anfang 312 Grad, 32 Grad, 273 Grad und 181 Grad.
00:16:15
Speaker
Also quasi so ein bisschen aus jedem Bereich unter 360 Grad etwas.
00:16:27
Speaker
Und die 273 Grad, die du vorhin so ein bisschen in Richtung Lange Lumen gezogen hattest mit dem Saphir-Zifferblatt, das war tatsächlich die ganze Zeit unser Bestseller.
00:16:39
Speaker
Die Saphir für mich.
00:16:41
Speaker
Wobei die auch meiner Meinung nach vor der Lange Lumen kam.
00:16:45
Speaker
Ja, ja, ja.
00:16:45
Speaker
Nee, ich wollte nur, weil ich glaube, Lange Lumen...
00:16:48
Speaker
Leute öfter mal in der Zeitschrift gesehen.
00:16:50
Speaker
Genau, das kennt man.
00:16:53
Speaker
Und eine unserer ersten Uhren von diesem Modell ging damals auch an die Richemont-Gruppe.
00:17:00
Speaker
Das Herz der Finsternis.
00:17:02
Speaker
Nein, nein, das sind alles super nette Leute.
00:17:04
Speaker
Also finde ich auch wirklich gut.
00:17:06
Speaker
Und das belebt ja auch so ein bisschen die Bekanntheit, wenn dann Saphir-Zifferblätter, die wir ja auch nicht als erste hatten, mehr Anerkennung finden.
00:17:16
Speaker
Und einer der wenigen Kritikpunkte an dieser Uhr war, die ich jetzt auch gerade an meinem linken Mädchenhandgelenk trage, das sehr, sehr schmal ist, dass sie recht groß wirkt an schmaleren Handgelenken.
00:17:32
Speaker
sodass wir sie tatsächlich dieses Jahr endlich in einem kleineren Durchmesser herausbringen konnten, ohne dass das 8 mm hohe Uhrwerk in irgendeiner Form klobig wirkt am Handgelenk.
00:17:45
Speaker
Dann war für uns eigentlich klar, dass wir sie an die 273 Grad vom Namen her anlehnen wollten.
00:17:53
Speaker
Und weil sie eben weniger hoch wirkt und einen kleineren Durchmesser hat, haben wir uns für die 173 Grad entschieden.
00:18:00
Speaker
Also habt ihr die Zahlen ein bisschen gewürfelt und das ist nicht das Osterdatum von eurem Lieblingspapst oder sowas.
00:18:05
Speaker
Dann bin ich ja beruhigt, dass ich das nicht rausgefunden habe.
00:18:07
Speaker
Nein, nein, nein.
00:18:08
Speaker
Also da gibt es natürlich auch ganz tolle Zufälle, wofür diese Zahlen stehen, wenn man dann mal auf die Zahlen achtet.
00:18:17
Speaker
Also als wir rauskamen mit 181 Grad und 273 Grad,
00:18:23
Speaker
haben wir herausgefunden, dass es eine Universitätsstudie gibt, wie viele Menschen denn nach der Zombie-Apokalypse überleben werden.
00:18:29
Speaker
Und es ist tatsächlich, 181 Menschen überlegen, wenn es keine Inseln gibt.
00:18:35
Speaker
Wenn es aber eine Insel gibt, sind es in der Tat 273 Menschen.
00:18:40
Speaker
Das ist eine echte Illuminati-Uhr, die ihr da gebaut habt.
00:18:43
Speaker
Kommen wir mal zum Großdatum.
00:18:44
Speaker
Ihr habt ein eigenes Großdatum und da sind auch Dinge patentiert.
00:18:48
Speaker
Was ist es, erzähl mal.
00:18:49
Speaker
Ich habe nur gesehen, es ist an einer relativ ungewöhnlichen Position, aber vielleicht gibt es da noch mehr zu wissen.

Einzigartige technische Mechanismen bei Zeitwinkel

00:18:55
Speaker
Genau, es ist die Position 11, also vereinfacht ausgedrückt oben links.
00:18:59
Speaker
Kurz vor der Apokalypse um 12.
00:19:02
Speaker
Jaja, also Apokalypse ist immer um 12.
00:19:04
Speaker
Wir sind ja immer noch in Deutschland.
00:19:05
Speaker
Sehr gut.
00:19:08
Speaker
Nein.
00:19:09
Speaker
Also es gibt, soweit ich weiß, es gab zum damaligen Zeitpunkt vier Patente auf Datumsverstellmechanismen Großdaten bei der ELF.
00:19:18
Speaker
Das eine war Lange hat ein Patent, FP John hat ein Patent und Bucherer hat ein Patent und wir haben ein Patent über einen Mechanismus, wie man an dieser relativ außergewöhnlichen Position ein Großdatum verstellen kann.
00:19:34
Speaker
Und Buchacher ist aus dem Spiel, weil die Marke eben nicht mehr existiert als Uhrenmarke, sodass es jetzt drei Unternehmen gibt, die einen Verstellmechanismus patentiert haben an dieser Stelle.
00:19:47
Speaker
Also die Position ist kompliziert zu erreichen, weil Platzverhältnisse und so.
00:19:51
Speaker
Die Position ist kompliziert zu erreichen.
00:19:53
Speaker
Wir machen das durch einen...
00:19:56
Speaker
Hebelsystem aber auch durch einen Ring, auf dem 31 Stifte von Hand eingesetzt werden müssen, genau senkrecht wie Tortenkerzen und dann von Hand reingedrückt werden mit einer kleinen Drehpresse.
00:20:11
Speaker
Und wenn du da einen Fehler machst, und das ist Teil dessen, warum es so lange dauert, bis man tatsächlich ein Uhrwerk richtig zum Laufen bekommt, dann rutschen die durch.
00:20:23
Speaker
Dann hast du den 33. oder...
00:20:27
Speaker
Am Anfang hatten wir auch mal eine Uhr, da war der Nullnullte angezeigt und hat sich nicht mehr wegbewegt.
00:20:31
Speaker
Apokalypse halt, das verfolgt euch auch dann.
00:20:35
Speaker
Das ist gut.
00:20:36
Speaker
Was ich auch interessant finde, ist, dass ihr sehr viel Wert darauf legt, bei eurer Internetseite, das finde ich gut, dass die so transparent ist, dass ihr eben sehr viel Handfinish macht.
00:20:45
Speaker
Und jetzt wollte ich dich mal fragen, woran man das bei euch sehen kann.
00:20:48
Speaker
Also gibt es irgendein Qualitätskriterium, weil es wird ja immer viel behauptet.
00:20:53
Speaker
Aber es gibt sehr wenig Leute, die sagen können, was weiß ich, so wie bei Käse oder Rotwein, woran man handwerklich gute Qualität erkennen kann.
00:21:00
Speaker
Kannst du das sehr plastisch an der Uhr erklären, was an der Anglage oder an den Streifen, woran man sieht, dass es besonders schön gemacht ist bei euch?
00:21:08
Speaker
Also zunächst mal ist das Material, das wir nutzen, Neusilber und die Konstruktion des Uhrwerks eignet sich nicht für industrielle Fertigung.
00:21:19
Speaker
Aber das muss gefräst werden.
00:21:20
Speaker
Viele Uhrwerksteile werden heutzutage gestanzt.
00:21:24
Speaker
Das kannst du hiermit nicht machen.
00:21:26
Speaker
Und allein die Tatsache, dass du es nicht anfassen kannst mit bloßen Händen, ist schon nicht geeignet für eine richtig industrialisierte Produktion.
00:21:37
Speaker
Das heißt, wenn wir Kapazität verdoppeln wollen, brauchen wir doppelt so viele Uhrmacher mehr oder weniger.
00:21:41
Speaker
Wie viele Uhren macht ihr?
00:21:43
Speaker
Wir haben im Moment die Kapazität, ungefähr 100 Uhren im Jahr zu machen.
00:21:48
Speaker
Wir haben drei Uhrmacher im Haus.
00:21:50
Speaker
Wir nutzen teilweise auch Partner hier vor Ort, um zum Beispiel Bauteile zu bedrucken, auch zusammenzubauen machen.
00:22:00
Speaker
Aber so gut es geht im Haus.
00:22:04
Speaker
Wir können auch Komponenten selbst herstellen.
00:22:07
Speaker
aber lassen viele Komponenten in der Rohform von Partnern hier im Umkreis von 50 Kilometern herstellen.
00:22:14
Speaker
Erkennen kannst du grundsätzlich die Handdekoration oder die handgeführte Dekoration an kleinen Unregelmäßigkeiten, an Irregularitäten, beziehungsweise dass auch Unterschiede sind.
00:22:29
Speaker
Also wenn du irgendwo in der Ecke musst, siehst du, in der Ecke hat jemand nochmal neu angesetzt.
00:22:35
Speaker
Grundsätzlich ist die CNC-Technik und seit einigen Jahren auch die Lasertechnik so weit, dass du das bis zu einem gewissen Grad auch simulieren kannst.
00:22:44
Speaker
Das heißt, bei geschlossenem
00:22:46
Speaker
Uhrengehäuse durch den Saphir-Glasboden siehst du nicht unbedingt den Unterschied.
00:22:52
Speaker
Wenn du das Werk in der Hand hast und geschult bist, siehst du es heute immer noch.
00:22:56
Speaker
Das ist interessant, da wird halt nicht viel drüber geredet.
00:22:59
Speaker
Ein Beispiel bei der Anglage.
00:23:00
Speaker
Ich weiß, es gibt Hersteller, Glashütte Original, die machen die zum Beispiel 45 Grad, das ist denen wichtig.
00:23:08
Speaker
Es gibt aber auch Hersteller, die machen eine Anglage, die hat so einen gerundeten Winkel, damit das Licht sich anders bricht.
00:23:14
Speaker
Wie ist das bei euch und wie habt ihr euch das so überlegt, welche Arten von Verzierung an ihren Werken ihr machen wollt?
00:23:21
Speaker
Also zunächst mal ging es uns darum, überall nach klassischen Methoden zu verzieren.
00:23:26
Speaker
Du hast bei uns Perlagen in verschiedenen Größen, je nachdem wie der Bereich zum Beispiel einer Platine das hergibt.
00:23:34
Speaker
In einem kleinen Bereich eher kleine Kreise, wobei größere Kreise sind natürlich günstiger zu produzieren, weil du weniger Kreise brauchst.
00:23:43
Speaker
Dort, wo das zu nervös wirken würde, haben wir größere Kreise, aber immer noch nicht so groß, dass es günstig wird.
00:23:49
Speaker
Wir haben dann Anglage, wir haben Strichschliff, wir haben teilweise Schwarzpolitur in den Uhren drin, alles sehr klassische Methoden.
00:23:58
Speaker
Wir nutzen in der Regel gerade Anglage, weil das besser zu dem
00:24:05
Speaker
ja, ich würde nicht sagen eher deutsch-schweizerischen Design, aber eher klassischen, vielleicht Glashütte angelehnten Design der Uhren passt als gebogene Anglage, aber es wird trotzdem von Hand angliert.
00:24:19
Speaker
Also du hast teilweise handgeführte kleine Maschinen und die Endfertigung der Anglage, die passiert immer von Hand.
00:24:31
Speaker
Verstehe.
00:24:32
Speaker
Und wie habt ihr das entwickelt?
00:24:33
Speaker
Also ich habe jetzt gesehen, ich habe mal geguckt, was habt ihr 2006 gemacht, was habt ihr 2009 gemacht, 2016 und so weiter und man sieht, es sind...

Zeitlose Designphilosophie

00:24:43
Speaker
Da ist eine Kontinuität drin.
00:24:44
Speaker
Das ist eine Uhr.
00:24:46
Speaker
Das ist ein Idealtyp dieser einen Uhr und die wird dann kleiner oder größer oder so.
00:24:52
Speaker
Aber es ist im Großen und Ganzen immer die gleiche Uhr.
00:24:54
Speaker
Das fand ich interessant, weil wir haben ja seit 2006 mindestens drei Großmoden gehabt.
00:24:58
Speaker
Von groß, klein, bunt, retro.
00:25:02
Speaker
Vor 2009 gab es auch viel so Space-Uhren mit komischen Komplikationen und so.
00:25:06
Speaker
Und bei euch ist es immer gleich.
00:25:07
Speaker
Wie ist da euer Ansatz?
00:25:10
Speaker
Also wir haben tatsächlich da keine Änderungen drin und das klingt jetzt vielleicht erstmal langweilig, aber wie du sagst, es gab alle möglichen Moden, die durchgelaufen sind und wir sind einfach zu klein, um mit diesen Moden mitzulaufen.
00:25:23
Speaker
Und vor allem sind viele von diesen Moden nicht nur zeitgeistgeprägt, sondern auch hypegeprägt und dadurch dann auch relativ bald wieder aus der Mode.
00:25:35
Speaker
Wenn es langweilig klingt, dass wir die Dekoration nicht groß verändert haben, habe ich darauf zwei Antworten.
00:25:41
Speaker
Und die eine Antwort ist zunächst mal, wir haben sie auch nicht runtergedummt.
00:25:45
Speaker
Also wenn du Uhren gewisser sehr hochwertiger Marken nimmst von, sagen wir mal,
00:25:52
Speaker
1990 umbaust sie auseinander und baust dasselbe Einstiegsmodell derselben Marke heute auseinander, wirst du möglicherweise überrascht werden.
00:26:03
Speaker
Du meinst, falls man davon spricht, dass Leute mal ein Gemfer Siegel hatten und dann irgendwann fanden, man kann auch eigene Siegel entwickeln?
00:26:11
Speaker
Ja, es gibt alle möglichen Marken, die eben teilweise, weil sie zu einem Konzern gehören oder teilweise, weil es geht.
00:26:18
Speaker
Also wenn du 70.000 Uhren im Jahr machst, kannst du nicht erwarten, dass alle 70.000 Uhren wirklich handdekoriert sind oder auch wirklich überall dekoriert sind, wo sie früher mal dekoriert waren.
00:26:30
Speaker
Das geht schlichtweg nicht.
00:26:32
Speaker
So große Gebäude gibt es in der ganzen Schweiz nicht.
00:26:34
Speaker
Ja, das haben wir öfter schon aufgerufen, dass solche Hersteller vielleicht auch sehr viele Stahl-Quarzuhren mit Diamanten drauf verkaufen.
00:26:40
Speaker
Ja, irgendwas ist ja immer.
00:26:42
Speaker
Und die zweite Antwort, die ich dann noch hätte, wir haben immer wieder Anfragen nach mehr sichtbarer Handdekoration, wo wir eben gefragt werden nach Inner Angles, nach zusätzlichen Dekorationen und wir sind im Moment dabei,
00:26:58
Speaker
sowas auch auszutesten, weil wir können das ja.
00:27:02
Speaker
Unsere Uhrmacher können das machen.
00:27:04
Speaker
Es ist nur die Frage, wie viel Zeit möchte man bezahlen?
00:27:07
Speaker
Ist das nicht aber vielleicht auch eine Großmode?
00:27:09
Speaker
Ich habe so den Eindruck, dass es in letzter Zeit sehr viele so ganz neue Independents gab von irgendwelchen 20-Jährigen, die aus der Uhrmacherschule gefallen sind und dann gesagt haben, ich habe bei Vollmond 400 Innenwinkel in dieses Zweizeigerwerk reingefummelt, gib mir 80.000 Euro und irgendwie ist mein Eindruck, das ist jetzt auch ein bisschen durch wieder.
00:27:27
Speaker
Ja, und das ist genau der Grund.
00:27:28
Speaker
Da sind wir wieder bei dem Hype bzw.
00:27:30
Speaker
bei den Moden.
00:27:31
Speaker
Du hast in den letzten Jahren, insbesondere seit der Pandemie, eben recht viele Marken, die rausgekommen sind.
00:27:37
Speaker
Es wurde dann irgendwann akzeptiert, dass eine Dreizeigeruhr irgendwo um die 50.000 Franken kostet.
00:27:43
Speaker
Natürlich schön dekoriert, aber nach dem Baukastensystem.
00:27:47
Speaker
Uhrwerk von Anbieter A, Gehäuse von Anbieter B, Zifferblatt von Anbieter C und erstaunlicherweise kennt die Klientel, die solche Uhren kauft, auch diese Anbieter, weil sie ihnen immer wieder wiederholt werden als das Beste, was es gibt.
00:28:04
Speaker
Und dann kostet die Uhr 50.000.
00:28:06
Speaker
Mittlerweile sind wir im Jahr 2026, dass so eine Uhr auch 80.000 kostet.
00:28:12
Speaker
Ja, ich habe auch gesehen, es gibt mittlerweile echt ja auch Zeitschriften B2B, wo ganzseitige Anzeigen geschaltet werden.
00:28:20
Speaker
Bei uns können Sie Ihr Inhouse-Chronografenwerk bekommen, rufen Sie hier an.
00:28:25
Speaker
Ja klar, das ist Baukastensystem.
00:28:27
Speaker
Ja, du sagst das so, aber du bist ja drin.
00:28:29
Speaker
Aber wenn wir jetzt von der Kundenseite sozusagen kommen, man müsste eigentlich nicht sehr viel recherchieren, um eben rauszufinden, wer eigentlich auch heute noch...
00:28:37
Speaker
ein Unitas-Kaliber eigentlich nimmt und dann da von der Seite noch eine halbe Komplikation anflanscht und eben eine andere CNC-Brücke und dann ist es plötzlich ganz was Eigenes und da fallen viele Leute drauf rein.
00:28:46
Speaker
Das finde ich immer erstaunlich.
00:28:47
Speaker
Also das war aber nicht ganz das, was ich damit sagen wollte.
00:28:50
Speaker
Diese 50.000 Frankenuhren,
00:28:53
Speaker
Das sind schon höherwertigere Uhrwerkshersteller, die eben sagen, ich habe auch ein Baukastensystem, das ich anbiete.
00:29:00
Speaker
Bei mir kostet das Uhrwerk halt 3000, 4000 Franken und nicht wie ein Unitas, das eben in millionenfach jedes Jahr produziert wird oder wurde.
00:29:12
Speaker
Und dadurch ist das schon höherwertig.
00:29:14
Speaker
Aber es ist eben, theoretisch wir drei könnten uns jetzt entscheiden, wir haben irgendwoher richtig viel Geld, nächstes Jahr kommt so eine Uhr raus.
00:29:22
Speaker
Weil wir eben zu diesen vier, fünf, also dann ist es auch immer dieselben Designer, die die Uhren dann designen.
00:29:30
Speaker
Und irgendwie schaffen solche Marken das immer recht gut, die erste Serie zu verkaufen.
00:29:38
Speaker
auch mit Hilfe von interessierten Publikationen, die dann oft Partner in dieser Veranstaltung sind, schwieriger wird immer die zweite Uhr.
00:29:47
Speaker
Das ist interessant.
00:29:48
Speaker
Ich weiß nicht, wie offen du darüber sprechen kannst, aber ich habe den Eindruck, das ist eine sehr enge Verkopplung.
00:29:54
Speaker
von sagen wir mal geschmacksbildenden Personen in der Szene gibt, mit Menschen, die Uhren herstellen und Vertriebskanäle und also man kriegt das manchmal mit, auch durch Periscope zum Beispiel, wie sich das gestaltet bei Vintage Uhren, also wie Preise bei Auktionen gebildet werden durch Berichterstattung und so weiter und so weiter.
00:30:13
Speaker
Aber ich habe zunehmend den Eindruck gewonnen, dass es auch bei neuen Uhren so ist, dass es da eine sehr kleine Szene gibt, die diese Bestätigungs-Zirkel aufbaut.
00:30:25
Speaker
Ich würde jetzt vermuten, dass du da erstmal ein ganz großes, stumpfes Wort Marketing wieder etwas aufziehst.
00:30:30
Speaker
Du kannst eine neue Marke einfach positionieren durch und dann die entsprechenden Reize bei den Menschen setzen.
00:30:36
Speaker
Und ich glaube gerade bei Menschen, die sich mal eben so eine Uhr für 50.000 bis 80.000 Franken, Euro, whatever kaufen können, die haben sehr viel Geld und die haben oftmals, denke ich mal auch so, den Kick nach etwas Neuem, dass du den brauchst.
00:30:50
Speaker
Und wenn du dann einer der Ersten sein kannst, du hast ja von einer neuen Marke, die dir ganz viel verspricht, in Klammern Marketing, diese Uhr haben kannst.
00:30:57
Speaker
ist es, glaube ich, fast einfach schon, so ein Ding an den Mann oder Frau zu bringen in der ersten Reihe.
00:31:02
Speaker
Und dann haben diese Menschen diese Uhr und dann wird, wie Albert, wie du gesagt hast, das ist in meinem Kopf immer eine Vermutung, die zweite Riege dann schwerer zu verkaufen, weil dieses I want it, dieses FOMO, ist abgedeckt.
00:31:14
Speaker
Und dann einen neuen Reiz zu finden und den zu triggern, ist halt doppelt schwierig.
00:31:19
Speaker
Warum machst du das nicht, Albert?
00:31:21
Speaker
Naja, also erstmal sind wir ja in, wie du vorhin schon gesagt hast, seit 20 Jahren da.
00:31:28
Speaker
Und da würde es jetzt sehr schwer werden, so zu machen, als haben wir da irgendwas ganz Neues, wo es ganz wichtig ist, dass du eben nicht auf der Strecke bleibst.
00:31:39
Speaker
Und so wird das ja auch meistens gemacht, dass du eben eine neue Marke hast.
00:31:45
Speaker
Dann hilft dir meinetwegen auch noch der Hersteller einer Komponente an Leute zu kommen.
00:31:49
Speaker
Aber irgendwie schaffst du es, dass zwei, drei einflussreiche Menschen sagen, du musst diese Uhr haben.
00:31:57
Speaker
Das sind oft Sammler, die haben die Uhr da möglicherweise auch noch bevorzugt bekommen und dann hast du tatsächlich Fear of Missing Out.
00:32:05
Speaker
Das ist aber beim zweiten und dritten Mal nicht unbedingt mehr der Fall.
00:32:09
Speaker
Der stehende Satz ist glaube ich, das ist das neue FP Journ und bei der zweiten Uhr hat man ja gesehen, ob die erste Uhr das neue FP Journ war oder nicht.
00:32:18
Speaker
Ich will da nicht unfair sein.
00:32:20
Speaker
Da gibt es auch richtig gute Leute, die sowas machen und da gibt es auch richtig gute Ideen.
00:32:25
Speaker
Aber manche sind eben auch One-Trick-Ponys und es gibt halt meinetwegen einen begrenzten Markt weltweit für besonders geformte oder besonders aufgebaute Uhren in dem Bereich 50.000 bis 100.000.
00:32:36
Speaker
Was?
00:32:39
Speaker
Kannst du abschätzen, wie groß die Szene eigentlich wirklich ist?
00:32:44
Speaker
Weil ich habe den Eindruck, sie ist eigentlich sehr, sehr klein.
00:32:46
Speaker
Das sind immer dieselben Leute und gar nicht so besonders viele.
00:32:50
Speaker
Also es sind, ich glaube, man kann fast sagen, es sind regionale Ringe.
00:32:55
Speaker
Du hast regionale Hardcore-Enthusiasten, die oft auch sehr laut sind.
00:33:01
Speaker
Dann hast du Hardcore-Enthusiasten, die leise sind.
00:33:05
Speaker
Dann hast du welche, die folgen diesen verschiedenen.
00:33:08
Speaker
Und das hast du in Singapur, in New York, in L.A., in Miami.
00:33:12
Speaker
Ich muss dazu sagen, du bist überall unterwegs.
00:33:14
Speaker
Du bist ja auf allen Messen und kennst viele wahrscheinlich Ringe.
00:33:17
Speaker
Und das ist dein selbst gewonnener Eindruck.
00:33:20
Speaker
Gut, und teilweise gibt es eben auch globale oder global präsente Menschen.
00:33:25
Speaker
Ich glaube, der wahre Kern unserer Kundschaft ist in wenigen dieser Ringe vertreten.
00:33:32
Speaker
Das sind oftmals Leute, die sagen, ich möchte mir eine richtig gute Uhr kaufen und die gar nicht mitbekommen, was in der Uhrenszene eigentlich so abgeht.
00:33:41
Speaker
Das ist schon so interessant, dass es da komplett getrennte Welten gibt, wo eben, ich sage mal, der Scheinermeister...
00:33:53
Speaker
Ja, was für Kunden ihr im Blick habt?
00:33:55
Speaker
Also entwickelt ihr für diese Art von Kundschaft, für Menschen, die sehr an der Substanz dran sind, von einem Gegenstand?
00:34:02
Speaker
Oder habt ihr so jemand im Kopf, einen Idealkunden,
00:34:08
Speaker
Also wir haben als Idealkunden tatsächlich jemand im Kopf, der eine ähnliche Wertvorstellung hat wie wir.
00:34:14
Speaker
Und zwar Wert nicht im Sinne von irgendwelchen moralischen Werten, sondern was du bekommst für das Geld, das du für ein Produkt ausgibst.
00:34:22
Speaker
Und ich glaube, es ist fast nicht möglich, zu den Preisen, die wir haben, obwohl das eine Menge Geld ist für ein Objekt, das eigentlich nicht benötigt wird, ist es fast unmöglich, einen höheren Wert in eine Uhr zu diesem Preis reinzubekommen.
00:34:38
Speaker
Dafür ist die Uhr eben nicht gehypt, sie ist nicht flashy, aber du kannst sie auch 30 Jahre lang tragen.
00:34:46
Speaker
Ich finde es interessant, gerade auch mit diesem Saphir-Glas, weil das jetzt, könnte man sagen, es wirkt ein bisschen modisch, aber ihr macht es ja schon seit, ich weiß nicht, 20 Jahren oder so.
00:34:54
Speaker
Das Saphir-Glas macht man noch nicht ganz so lang, das ist jetzt, glaube ich, 10 Jahre.
00:34:58
Speaker
Na gut, aber jedenfalls deutlich länger als sozusagen diese Mode, die man da wahrnehmen könnte.
00:35:03
Speaker
Das finde ich spannend.
00:35:04
Speaker
Profitiert ihr eigentlich von diesem großen Indie-Boom?
00:35:08
Speaker
Ja und nein.
00:35:09
Speaker
Also wir an uns, weil eben viele unserer Kunden uns, ich würde fast sagen zufällig finden, sind wir etwas unabhängig davon, ob der Markt in China jetzt gerade 10% hoch oder runtergegangen ist oder ob Indies schwach sind oder stark sind.
00:35:26
Speaker
Wir können 100 Uhren im Jahr bauen.
00:35:29
Speaker
Und dadurch sind wir gar nicht so sehr davon abhängig, dass irgendein Händler in Italien jetzt gerade einen Indie-Boom ausgerufen hat.
00:35:36
Speaker
Okay, und ich habe gesehen, ihr habt am Anfang ja auch vor allen Dingen über Händler

Vertrieb und Kundenbindung bei Zeitwinkel

00:35:40
Speaker
verkauft.
00:35:40
Speaker
Jetzt verkauft ihr, wenn ich es richtig verstanden habe, vor allen Dingen direkt und über einige wenige ausgewählte Händler.
00:35:45
Speaker
Kannst du dazu ein bisschen was sagen?
00:35:47
Speaker
Weil ich hätte einfach erst mal gedacht, man braucht Händler gerade für so ein bisschen nischigere Uhren, weil die ihre Kundschaft kennen und so eine Uhr erklären können und weil die Schwelle über das Internet relativ hoch ist.
00:35:57
Speaker
Wie macht ihr das?
00:35:58
Speaker
Das ist bei uns ein bisschen in Wellen verlaufen.
00:36:00
Speaker
Wir hatten am Anfang schon sehr, sehr gute Partner, die auch teilweise heute gar nicht mehr existieren.
00:36:07
Speaker
Also wir waren bei Tourneau in der Fifth Avenue in der Time Machine, wir waren bei Tenchodo auf der Ginza, waren bei vielen Partnern an wirklich guten Locations und haben gemerkt, die können keine Independence verkaufen.
00:36:22
Speaker
Das ist das Produkt, das erklärungsbedürftig ist, wo du eben nicht die Seite 3 Anzeige in der New York Times hast und jemand reinkommt, ich brauche diese KT-Uhr, sondern wo sie wirklich sagen müssen, du willst wirkliche Uhrmacherei und nicht nur zusammengestecktes Zeugs, dann zeige ich dir hier mal drei verschiedene Marken, die sowas machen.
00:36:40
Speaker
Das gab es damals nicht.
00:36:42
Speaker
Und wir haben dann irgendwann den ganz, ganz harten Schnitt gemacht und haben gesagt, wir ziehen uns von allen Partnern zurück.
00:36:49
Speaker
Es gab eine kleine Goldschmiedenwerkstatt in der Schweiz, die wir behalten haben, alles andere radikal gekappt.
00:36:56
Speaker
Und das war eine ganz, ganz harte Zeit, weil du musst jetzt plötzlich Endkunden ansprechen in einer Zeit, in der es Instagram noch nicht so gibt, auch die Leute erstmal nicht übers Internet irgendwas einkaufen.
00:37:08
Speaker
Und seitdem bauen wir ganz, ganz langsam...
00:37:12
Speaker
in den letzten Jahren etwas verstärkt wie der Partner auf, aber ausschließlich solche, die wirklich Independence verkaufen können.
00:37:20
Speaker
Ich habe das zum Beispiel gesehen bei Infinity Watches in Prag, wo ich ja auch war bei der Mikro Praha und da gibt es ja auch diesen Salon irgendwas in Prag.
00:37:30
Speaker
Exceptional Watches.
00:37:31
Speaker
Fand ich interessant, weil ich hatte so Osteuropa und Prag gar nicht so sehr auf dem Zähler, aber das scheint ein Riesenmarkt zu sein.
00:37:37
Speaker
Ich habe das dann aus Interesse gefunden.
00:37:39
Speaker
Kannst du so ein bisschen erzählen, wie das ist in Osteuropa, in Mitteleuropa, Westeuropa, Asien, USA?
00:37:47
Speaker
Sind die da unterschiedlich, die Leute?
00:37:48
Speaker
Und kaufen die unterschiedliche Uhren?
00:37:51
Speaker
Also natürlich, alle Menschen sind natürlich unterschiedlich, weil wir im Zweifel ja Leute ansprechen, die gar nicht so sehr auf den üblichen Hype gehen.
00:37:59
Speaker
Also wenn du sein willst wie alle anderen, kaufst du dir eine Rolex und am besten eine, wo klar ist, da hast du mehr für bezahlt, als der Listenpreis ist.
00:38:08
Speaker
Wir müssen vorsichtig sein.
00:38:09
Speaker
Ich glaube, Pat kann uns hören.
00:38:11
Speaker
Nee, der sieht für mich aus, als wäre er eingeschlafen.
00:38:14
Speaker
Insofern ist das völlig okay.
00:38:16
Speaker
Nein, er habe ich nicht gesehen.
00:38:17
Speaker
Ach so.
00:38:18
Speaker
Nee, er hört sogar Deutsch nur.
00:38:19
Speaker
Ich kann das an seinem Gesicht sehen.
00:38:21
Speaker
Nein, also der Punkt ist, wir haben ja eigentlich in der Kundschaft hauptsächlich Individualisten, weil du musst wirklich reingucken.
00:38:27
Speaker
Du musst ein Verständnis dafür haben, was ist Handarbeit, was ist wirkliche Uhrmacherei.
00:38:32
Speaker
Und wenn du mal...
00:38:34
Speaker
die Menschen anschaust, für die wir dann interessant sind, dann sind die schon irgendwie alle weltweit ähnlich.
00:38:40
Speaker
Jetzt mag es sein, dass es mehr kleinere Handgelenke in Asien gibt als in den USA.
00:38:47
Speaker
Aber gerade in den USA sind Menschen zum Beispiel extrem zahlengetrieben.
00:38:50
Speaker
Wenn du da sagst, ich habe 42,5 Millimeter, dann kriegst du erzählt, ich kaufe nichts über 40.
00:38:57
Speaker
Da geht es gar nicht um Passformen, sondern da geht es um irgendwelche Kennziffern und wenn die alle stimmen, dann bin ich beruhigt und fühle mich sicher.
00:39:06
Speaker
Ich habe da die Erfahrung gemacht, dass obwohl die Menschen in dem asiatischen Raum eher ein kleines Handgelenk haben, sogar oft sehr, sehr große Uhren tragen, gerne sogar, weil ich habe für ein Microbrand aus Hongkong mal einen Kundensupport gemacht und ich war erstaunt, dass sie halt ihren Hauptabsatzmarkt USA und der gesamte asiatische Raum hatten, gerade auch den Fokus auf Japan und Singapur sehr stark.
00:39:29
Speaker
Und die Uhren waren alle über 42 Millimeter.
00:39:32
Speaker
Und die sind da weggegangen wie warme Semmel, kannst du sagen.
00:39:35
Speaker
Und ja, was wir hier, glaube ich, im mitteleuropäischen Raum in Deutschland eher als, das ist viel zu groß für ein Handgelenk empfinden würden, haben die da super easy getragen, aber durch die Bank weg.
00:39:44
Speaker
Also das fand ich sehr interessant.
00:39:46
Speaker
Das hat mich persönlich überrascht.
00:39:48
Speaker
Ja, also das ist auch bei uns so, als wir die 39 Millimeter Version rausgebracht hatten, 2018,
00:39:55
Speaker
ich glaube auch 12 oder 13, dann wurden wir da so ein bisschen angefeindet, macht ihr jetzt nur noch Mädchenuhren?
00:40:04
Speaker
Was soll denn das?
00:40:04
Speaker
Wer trägt denn sowas Kleines?
00:40:06
Speaker
Und wenn ich heute in den USA mit den 39-Millimeter-Uhren antrete, dann kriege ich erzählt, die sind aber arg groß und habt ihr dennoch irgendwie 36 Millimeter?
00:40:17
Speaker
Auch wieder ein Trend, ne?
00:40:18
Speaker
Haben wir nicht, haben wir nicht.
00:40:19
Speaker
Also merkt ihr auch, dass die Leute bedeuten kleinere Uhren gerade anfangen in letzter Zeit?
00:40:25
Speaker
Ja, das läuft ja immer in Wellen, wie Knut vorhin sagte.
00:40:28
Speaker
Das sind ja alles Moden, die da durchlaufen.
00:40:30
Speaker
Die werden oft von jemandem gemacht, der Leuten, die sich da vielleicht gar nicht so sehr trauen, das zu kaufen, was sie gut finden, ein falsches Gefühl von Sicherheit geben.
00:40:43
Speaker
Also ich habe alles richtig gemacht.
00:40:44
Speaker
Guck mal, ich habe die Uhr, die jetzt alle kaufen wollen, habe ich kaufen können.
00:40:49
Speaker
Wobei ich mich immer frage, klar Mode und Style, das kann man machen wie man will und wie das so ist, aber jetzt rein ergonomisch auf ein Handgelenk.
00:40:59
Speaker
Wenn man jetzt annimmt ein durchschnittliches Handgelenk hat zwischen was weiß ich 16,5 und 18 Zentimeter.
00:41:05
Speaker
dann kann man ja trotzdem vermuten, dass bestimmte Größen einfach sich nicht mehr so ganz gut tragen lassen, egal wie gut man die Hörner macht, weil die einfach anfangen irgendwann zu kippeln, weil sie top-heavy werden und so weiter und so weiter.
00:41:15
Speaker
Also das frage ich mich manchmal, ob das nicht doch irgendwann dazu führt, dass die meisten Uhren zwischen 38 und 41 oder so sind.
00:41:23
Speaker
Ja, nur hast du dann ja allein schon in der Form des Handgelenks unterschiedliche Ausprägungen.
00:41:29
Speaker
Es gibt welche, die sind tatsächlich fast kreisrund.
00:41:32
Speaker
Da würde ich sagen, musst du tatsächlich eine kleinere Uhr tragen.
00:41:36
Speaker
Und dann gibt es welche, die haben denselben Umfang, sind aber eher flach.
00:41:41
Speaker
Also ich habe ein kleines Handgelenk und ich habe eine 42,5.
00:41:46
Speaker
Millimeteruhr an, die dann auch noch ordentlich hoch ist.
00:41:49
Speaker
Die passt, weil die Hörnchen sehr stark runtergeführt werden und weil die Bandanstöße relativ weit nach innen gezogen sind.
00:41:58
Speaker
Ja, das habe ich gesehen, dass auch früher, als die Uhren so groß waren, zum Beispiel bei so älteren Gérard Perregaux, ist das auch oft so, dass die Anstöße so eingerückt sind, dass die Hörner optisch größer wirken, aber der Anstoß.
00:42:07
Speaker
Okay, was ich mich gefragt habe, wenn ihr 100 Uhren ungefähr macht,
00:42:12
Speaker
Habt ihr dann auch so Personalisierungswünsche und was ist der verrückteste Wunsch, der schon mal bei euch ankam?
00:42:18
Speaker
Ich glaube nicht, dass der schon angekommen ist, weil das immer steigerbar.
00:42:22
Speaker
Aber ja, wir haben solche Wünsche.
00:42:25
Speaker
Gelegentlich machen wir das.
00:42:26
Speaker
Also wir haben auch schon für Sammlerclubs zum Beispiel eigene Varianten gemacht, wo dann...
00:42:33
Speaker
Auch zum Beispiel der Wunsch kam, beim Gehäuse statt 20 mm Breite des Anschlags 21 mm zu machen.
00:42:43
Speaker
Oftmals sind es Zifferblättergeschichten, wo wir dann aussteigen, wenn jemand ein Handaufzugswerk mag oder eben irgendwelche Modifikationen im Werk.
00:42:53
Speaker
Das sei doch kein Problem, das könnte man doch eben mal schnell machen.
00:42:57
Speaker
Das ist halt so, sobald wir anfangen etwas zu modifizieren, egal ob wir es könnten oder nicht, bauen wir dafür in der Regel zwei oder drei andere Uhren nicht.
00:43:09
Speaker
Und wenn jetzt einer kommt und ganz lieb guckt und sagt, ich möchte gerne ein Bild von meinem toten Hund aufs Zifferblatt gelasert bekommen oder so, was macht ihr dann?
00:43:18
Speaker
Naja, dann geht es halt, also sag mal den, was weiß ich, den größten Fisch, den er jemals gefangen hat, um da nicht von der Haustier-Lobby dann jede Menge Laserbriefe zu bekommen.
00:43:30
Speaker
Dann geht es natürlich um feine, geschmackliche Nuancen, dann geht es ewig hin und her, das Projektmanagement treibt dich in den Irrsinn und dann musst du oftmals tatsächlich noch solche Banalitäten wie UV-Tests machen.
00:43:45
Speaker
Also ihr macht das?
00:43:46
Speaker
Das ist eigentlich die Frage.
00:43:47
Speaker
Wir könnten es machen.
00:43:48
Speaker
Wir haben zum Beispiel mal eine gelbe Uhr in einer Porsche-Farbe für einen Kunden in den USA gemacht.
00:43:56
Speaker
Gelbe Uhr, gelbes Band, sieht sensationell gut aus.
00:43:59
Speaker
Aber da mussten wir zum Beispiel einen UV-Test machen, weil du in Kalifornien für einen neuen Farbton natürlich gewisser Strahlung ausgesetzt bist.
00:44:07
Speaker
Und wenn das dann nach dem Jahr verblasst ist, sieht doof aus.
00:44:10
Speaker
Heißt, kostet eine Menge Geld.
00:44:12
Speaker
Die Hersteller von Zifferblättern sitzen nicht darum und sagen, hurra, endlich kommt mal einer und beschäftigt uns.
00:44:18
Speaker
Da redest du möglicherweise über ein Jahr und länger, drei, vier Iterationen, weil der Ton nicht gestimmt hat, weil irgendwas nicht funktioniert hat.
00:44:28
Speaker
Und du willst es auf keinen Fall nochmal machen.
00:44:31
Speaker
Ja, aber es ist eine schöne Geschichte, weil das sagt viel über euch aus, finde ich, dass ihr euch da so Mühe mitgebt.
00:44:38
Speaker
Fände ich aber auch mega interessant, weil das sind, glaube ich, so Dinge, an die der Kunde im ersten Moment gar nicht denkt, was man dann alles berücksichtigen muss.
00:44:44
Speaker
Und ich glaube, der normale Kunde denkt sich auch, ja, dann greifen die einfach in den Farbtopf, nehmen Gelb und fertig ist.
00:44:50
Speaker
Aber du weißt ja nie, ich kenne das, weil mein Onkel, mein Stiefvater hat eine Druckerei und dann geht es auch mal um Farbmischen für...
00:44:58
Speaker
wenn der Kunde eine spezielle Farbe haben möchte oder zum Beispiel, er hat glaube ich mal für Telekom gedrückt, dieses Magenta Pink zu machen, das auf dem richtigen Papier, da musst du eine spezielle Farbmischung

Maßanfertigungen und Produktionskapazitäten

00:45:08
Speaker
haben.
00:45:08
Speaker
Das hat auch echt lange gedauert, bis sie den richtigen Ton hatten, um auf diesem Papier diese Farbe hinzubekommen.
00:45:13
Speaker
Das sind dann so Kleinigkeiten, an die denkt der Mensch, der das Ding dann in der Hand hat, denkt da am Ende meistens oder weiß gar nicht und versteht gar nicht, was da für Denkprozesse hinterstecken.
00:45:24
Speaker
Genau, und da hast du jetzt nur die Farbe geändert.
00:45:25
Speaker
Wenn du jetzt zum Beispiel sagst, ich hätte gerne abgestumpfte Indizes, dann muss der Hersteller des Zifferblattes die Form der Indizes ändern für ein Zifferblatt.
00:45:35
Speaker
Der Batch Indizes kostet genauso viel, als würde er Indizes bauen für 500 Zifferblätter.
00:45:43
Speaker
Weil er die Werkzeuge ändert, ne?
00:45:45
Speaker
weil er die Werkzeuge ändert, weil er eben seine gesamte Produktion anhält und sagt, jetzt mache ich einen Satz, sagen wir mal, du brauchst zwölf, du machst 50, nur für diesen einen Kunden.
00:45:57
Speaker
Das ist ein Irrsinnsaufwand und es gibt Unternehmen oder Uhrenmarken, die sich darauf spezialisiert haben und es gibt welche, die haben es früher gemacht und die ziehen sich stillschweigend und leise aus diesem Angebot zurück.
00:46:13
Speaker
Wie ist das denn Thema Individualisierung?
00:46:16
Speaker
Bei so kleineren Firmen ist ja auch ein Punkt, warum viele das mögen, dass man direkten Kontakt hat.
00:46:21
Speaker
Also dass das nicht ein E-Mail-Postfach ist und dann ist da ein Konzern dahinter, sondern da sind Menschen dahinter und zum Beispiel dich habe ich jetzt schon öfter bei Messen und so weiter gesehen.
00:46:31
Speaker
Also das menschliche Antlitz dieses Unternehmens.
00:46:34
Speaker
Was ist, wenn ich jetzt euch bei Instagram schreibe oder eine E-Mail?
00:46:38
Speaker
Wer geht dann da ran?
00:46:39
Speaker
Ja, einer von uns dreien, oftmals ich.
00:46:43
Speaker
Und du hast dann tatsächlich auch mit einem der Gründer zu tun.
00:46:48
Speaker
Es kann natürlich sein, dass in der Abwicklung dann auch mal die FedEx mit dir spricht, wenn du in den USA bist.
00:46:55
Speaker
Es geht darum, den aktuellen Tariff dann zu entrichten.
00:46:58
Speaker
Aber ansonsten hast du einen von uns Gründern dran.
00:47:01
Speaker
Und wenn uns jemand hier besuchen kommt, wir haben auch keine Showproduktion, wo den ganzen Tag hinter einer Glasscheibe dasselbe Uhrwerk zusammengebaut und wieder auseinandergebaut wird, sondern du stehst dann mittendrin und da wird dann auch genau das gemacht, was für den Tag geplant war.
00:47:17
Speaker
Das kann von hinten hinter dem Uhrmacher extrem langweilig aussehen.
00:47:22
Speaker
Ihr habt ja jetzt schon beide öfter mal gesagt, dass ihr 100 Uhren pro Jahr macht.
00:47:27
Speaker
Reicht euch das finanziell?
00:47:29
Speaker
Interessiert mich sehr, Künder, sondern ist vielleicht der Anspruch, dass ihr noch mehr Menschen mit den Uhren befriedigen wollt oder sagt ihr 100 ist genau das, was für uns zeitlich, finanziell als auch von der Ambition her passt?
00:47:43
Speaker
Also von der jetzigen Mannschaft her sind 100 Uhren das, was wir komfortabel tatsächlich vertreten können.
00:47:51
Speaker
Wenn wir mehr machen wollen, brauchen wir mehr Uhrmacher.
00:47:54
Speaker
Und wir wollen durchaus ganz, ganz sachte skalieren.
00:47:58
Speaker
Wir wollen auch teilweise ein bisschen mehr komplexere Sachen anbieten, wie ich vorhin erwähnte, bei Dekorationen.
00:48:04
Speaker
Aber jetzt stell dir vor, du machst eine Dekoration, die nochmal...
00:48:08
Speaker
eine Woche dauert für einen Uhrmacher.
00:48:09
Speaker
Der sitzt eine Woche lang nur an zwei Platinen dran, die er zusätzlich dekoriert.
00:48:15
Speaker
In der Zeit können wir andere Uhren nicht bauen.
00:48:17
Speaker
Das heißt, wir müssen für solche Sachen dann preislich auch entsprechend das kompensiert bekommen.
00:48:23
Speaker
Und eines der Probleme, das wir tatsächlich in der Schweiz wie auch in anderen Ländern haben, ist, dass wirkliche Uhrmacher kaum noch ausgebildet werden.
00:48:33
Speaker
Es werden aber jede Menge Uhrfachkräfte ausgebildet.
00:48:38
Speaker
Also die Uhrmacherschulen bilden hier in der Schweiz zumindest aus, Leute, die gut in den Uhrenkonzernen in der Serienfertigung arbeiten können.
00:48:49
Speaker
Verstanden, ja.
00:48:51
Speaker
Aber wenn du denen dann...
00:48:53
Speaker
Wenn du denen dann sagst, aber guck mal hier, der Lagerstein sitzt nicht richtig, das musst du also ausbohren und musst einen neuen Stein setzen oder dekorier das hier mal eben, das wird schwierig.
00:49:06
Speaker
Also die Leute werden auf böse Masse getrimmt, aber das feine Handwerk wird ihnen gar nicht mehr beigesetzt.
00:49:13
Speaker
Auf Fließband habe ich verstanden.
00:49:15
Speaker
Ja, es ist ja auch, wenn du eine Seelenproduktion hast, nicht mehr notwendig.
00:49:18
Speaker
Also wir sind hier in einer ehemaligen Zifferblattfabrik.
00:49:22
Speaker
Den Namen darf ich nennen, Flückiger.
00:49:24
Speaker
Das ist die Zifferblattfabrik von Patik Philipp.
00:49:26
Speaker
Die sind auf die andere Seite von Saint-Dimier gezogen.
00:49:29
Speaker
Schöner, alter Industriebetrieb.
00:49:32
Speaker
Das Ding ist relativ riesig.
00:49:34
Speaker
Wir haben eine Etage, weil hier sehr, sehr viel von Hand gemacht wurde früher.
00:49:40
Speaker
Egal in welchem Segment du tätig bist, du kannst viele Sachen automatisieren, wenn du nur auf Stückzahlen kommst.
00:49:47
Speaker
Das heißt, du brauchst heute keinen mehr, der an einer Schaublin irgendwas nachbohren kann oder irgendwas passend machen kann.
00:49:55
Speaker
Du musst aber Leute haben, die im Akkord zwei Schrauben festziehen können.
00:50:00
Speaker
Und die Teile, die du da festschraubst, die kommen per Fließband aus der fünften Etage des Hochregallagers.
00:50:08
Speaker
Geht so ein bisschen in die Richtung, dass, dann unterhalten Knut und ich uns öfter darüber, dass Knut ein sehr, das meine ich gar nicht negativ, dass er die Uhrenszene sehr romantisiert und sagt, dass das, dieses Handwerk, mega, mega wichtig ist und mega schön ist.
00:50:20
Speaker
Ein klar meine ich Stimme zu, jetzt kommt das Aber.
00:50:22
Speaker
Ich BWL-getrieben in meinem Kopf ein bisschen.
00:50:25
Speaker
Und gerade auch die größte Kundschaft, denen ist dieses ganz krasse, schöne Handwerk egal.
00:50:31
Speaker
Die wollen die Marke.
00:50:34
Speaker
Und dann ist denen egal, ob das Hand gemacht ist, ob das Band handgemacht ist.
00:50:38
Speaker
Die wollen einfach in Anführungszeichen nur die Marke und dass die Leute sehen, ich habe hier was Teures, Tolles am Handgelenk.
00:50:44
Speaker
Das ist auch sehr, sehr okay, wenn Sie für Ihre Sackgasse des Sammler-Evolutionsbaums, ja, wir sind ja auch in einer anderen Sackgasse des Sammler-Evolutionsbaus, aber wenn du sagst, ich will zum Beispiel immer die neueste Stahl-Rolex haben, solange diese neueste Stahl-Rolex tatsächlich den Wert repräsentiert, für den Sie auch bezahlen, ist das völlig okay.
00:51:06
Speaker
Und wenn wir bei dem Beispiel Rolex bleiben, das sind Top-Uhren,
00:51:10
Speaker
Richtig gut gemacht, sensationelle Markenführung, optimierte Fertigung, alles top.
00:51:17
Speaker
Ist aber eben nicht vergleichbar mit einer Uhr von Paul Gerber, der Sachen von Hand macht.
00:51:24
Speaker
Die würden die meisten Leute, die bei Rolex schon zehn Jahre arbeiten, da würden die daran scheitern.
00:51:30
Speaker
Ist einfach ein komplett anderes Produkt.
00:51:32
Speaker
Das ist der Golf gegenüber.
00:51:33
Speaker
Ja, das ist spannend.
00:51:34
Speaker
Wir hatten Paul Gerber auch...
00:51:37
Speaker
auch mal hier in Berlin zu einem Event.
00:51:39
Speaker
Das ist wirklich ganz was anderes, wenn man das so gegenüberstellt.
00:51:43
Speaker
Das hast du sehr preisgemacht.
00:51:44
Speaker
Ich habe eine Frage noch, die mich ein bisschen umtreibt.
00:51:47
Speaker
Ihr macht das ja jetzt seit 20 Jahren.
00:51:49
Speaker
Das ist ja auch ein bisschen unser Aufhänger.
00:51:51
Speaker
Ich habe auch alte Kataloge ausgewertet.
00:51:53
Speaker
Ihr habt ja am Anfang auch noch Uhren für unter 10.000 Euro angeboten.
00:51:57
Speaker
Jetzt würde ich vermuten, der Preispunkt fängt so bei 18.000 Euro vielleicht an mit Steuern inklusive in Deutschland an.
00:52:03
Speaker
Kannst du das ein bisschen beschreiben und erzählen, was sich so entwickelt hat?
00:52:07
Speaker
14.900 Franken plus Mehrwertsteuer.
00:52:09
Speaker
Und gut, über 20 Jahre ändern sich natürlich Preise.
00:52:14
Speaker
Das sind zwei Faktoren, die damit reingekommen sind.
00:52:17
Speaker
Das eine ist, wir sind am Anfang viel, viel zu optimistisch reingegangen mit den Preisen.
00:52:25
Speaker
Ich hatte ja vorhin gesagt, Faktor 5 bis 7 war normal.
00:52:29
Speaker
Wir sind unter Faktor 1 reingegangen, weil wir dachten, Economies of Scale werden schon irgendwie funktionieren und hatten eben nicht auf dem Schirm, wie teuer alle möglichen Sachen in der Schweiz sind.
00:52:40
Speaker
Jetzt ist der Ton gerade weg.
00:52:45
Speaker
Ja, ich bin auch gerade.
00:52:47
Speaker
So, jetzt drei, zwei, eins und es geht weiter.
00:52:52
Speaker
Ja, wir hatten damals unterschätzt, wie teuer alle möglichen Sachen in der Schweiz sind und was du an Kosten in so einem in der Uhrenmanufaktur hast, die erstmal gar nicht die reinen Materialkosten betreffen.
00:53:05
Speaker
Und das Zweite ist, neben den allgemeinen Lohnsteigerungen, die wir über 20 Jahre hatten, in den letzten Jahren auch richtig krass, hast du
00:53:13
Speaker
auch so ein bisschen durch den Boom der Independence ein Problem für die Schweizer Uhrenindustrie und das ist, dass wirklich die Preise für Komponenten durch die Decke gegangen sind.
00:53:24
Speaker
Wir haben Komponenten, also wir lassen uns, sagen wir mal, Platinen roh fertigen, wir lassen uns Stifte zum Beispiel roh fertigen.
00:53:34
Speaker
Bei manchen Komponenten sind in den letzten fünf bis sieben Jahren haben sich die Preise verdreifacht.
00:53:40
Speaker
Da sind wir völlig abgehoben von irgendeiner Energiepreis- oder Inflationslogik, sondern da geht es einfach nur darum, offensichtlich ist das ja nachgefragt, was wir hier herstellen, also ich brauche jetzt einen Porsche.
00:53:55
Speaker
Und das ist auch, eigentlich, wenn man das Ganze schon länger macht, ist das ganz witzig.
00:53:59
Speaker
Ich bin morgen früh wieder, übermorgen früh bin ich wieder bei einem Zulieferer und der fährt einen 9-11er.
00:54:06
Speaker
Und dieses 9-11er-Phänomen bei Uhren-Teilzulieferern ist immer so, dass, wenn es richtig gut läuft, ist der Parkplatz voll und vorne sind die ganzen 9-11er der Geschäftsführer.
00:54:17
Speaker
Und wenn es dann etwas schlechter läuft, stehen irgendwann um 15 Uhr nur noch die 9-11er da.
00:54:23
Speaker
Ja, genau.
00:54:23
Speaker
Und dann irgendwann, wenn es noch schlechter läuft, stehen dann irgendwelche Audis da gebraucht, schon ein bisschen älter, aber die Neun-Elfer wurden verkauft.
00:54:30
Speaker
Und dann zieht es wieder irgendwie an und dann steht ein dickerer Neun-Elfer da.
00:54:34
Speaker
Und diese Zyklen, das ist, also um aus dem Nähkästchen so ein bisschen zu plaudern, ich habe noch keine Branche gesehen, wo die Lernkurve derartig wieder auf Null gesetzt wird, wenn irgendwas passiert ist, wie die Uhrenindustrie.
00:54:47
Speaker
Das ist interessant.
00:54:48
Speaker
Woran liegt es?
00:54:49
Speaker
Woran liegt es?
00:54:50
Speaker
Was glaubst du?
00:54:50
Speaker
Ja, es liegt teilweise daran, dass in den Konzernen relativ wenig Markenloyalität ist.
00:54:57
Speaker
Also wer in Marke 1 eine Position inne hatte, dem kann es passieren, dass er die nach zwei Jahren dann bei einer anderen Marke inne hat und dann erst aufsteigt, sodass du eigentlich konstante Wechsel hast und viel Wissen verloren geht.
00:55:12
Speaker
Interessant.
00:55:13
Speaker
Und für mich auch eine Überleitung.
00:55:14
Speaker
Wenn du, Pat, nichts mehr hast, würde ich nämlich gerne zum Schluss von dir, Albert, wissen wollen, was ihr die nächsten 20 Jahre vorhabt.
00:55:21
Speaker
Doch, ich hatte gerade was, aber dann war gerade auf meinem Handy was mit der Arbeit.
00:55:27
Speaker
Das war, glaube ich, auch gar nicht so uninteressant.
00:55:29
Speaker
Aber frag mal nach den 20 Jahren.
00:55:30
Speaker
Mir fällt es gleich bestimmt wieder ein.
00:55:32
Speaker
Ja, Albert, wie macht ihr das?
00:55:33
Speaker
Ihr seid jetzt 20 Jahre drei Freunde.
00:55:35
Speaker
Was macht ihr drei Freunde in den nächsten 20 Jahren?
00:55:37
Speaker
Also zunächst mal grenzt es ja an ein Wunder, dass wir immer noch Freunde sind.
00:55:42
Speaker
Ich glaube, das ist schon mal wichtig.
00:55:44
Speaker
Irgendwas müssen wir da richtig machen, hoffentlich.
00:55:46
Speaker
Und das ist auch das oberste Ziel, dass wir in den nächsten 20 Jahren weiter Freunde sind und dass wir Spaß daran haben, Uhren zu bauen, die dementsprechend, was wir kaufen würden, wenn wir das Geld dafür hätten.
00:55:59
Speaker
und nicht eine Uhrenmanufaktur gegründet hätten.
00:56:03
Speaker
Und einfach schöne Uhren bauen, die auf altem Handwerk basieren.
00:56:10
Speaker
Finde ich richtig schön.
00:56:11
Speaker
Mir ist es wieder eingefallen, weil das, was du gesagt hast mit der Marge, wir hatten mal im Podcast, ich weiß nicht, ob du es kennst, Sherpa Watches, den Martin.
00:56:21
Speaker
Und ich habe selbst mal Kontakt zu einem Gründer aus den USA gehabt, zu dem ist der Kontakt leider eingeschlafen, der mir genau das gleiche, oder sie haben genau das gleiche erzählt, was du gesagt hast, dass sie halt nicht annähernd diese Margen mitgehen konnten und auch am Anfang,
00:56:34
Speaker
einen Struggle hatten mit den Preisen, dass sie dann sehr überrascht waren, wie teuer das Ganze eigentlich er mir wird.
00:56:39
Speaker
Vor allem dann, Martin ist ja, glaube ich, ein bisschen ähnlich, er wollte ja am Anfang komplett Swiss-Made haben und hat sich dann aber dafür entschieden, European-Made, wenn ich mich recht entsinne.
00:56:50
Speaker
Er lässt manche Sachen in Deutschland machen, ja.
00:56:53
Speaker
Genau, genau.
00:56:55
Speaker
Weil er gemerkt hat, dass wenn er nur Swiss-Made macht, dass er nicht annähernd den Preis halten kann, den er sich vorgestellt hat, sondern halt dann in Preisklassen kommt, die
00:57:03
Speaker
wahrscheinlich die Kunden noch weniger zahlen würden, als das, was er am Anfang aufgerufen hat.
00:57:07
Speaker
Also das ist auch den Kunden und den Endverbrauchern gar nicht so sehr bewusst, wie teuer das Ganze dann ist und vor allem, was oft, glaube ich, außer Acht gelassen wird, dass die Menschen wie du, die das dann ihr Herz mit da reinstecken, auch von irgendwas leben wollen und auch irgendwo Geld verdienen möchten.
00:57:21
Speaker
Ja, also selbst wenn man diese Leute, also die Gründer außen vor lässt, du musst dir überlegen, wenn du ein neues Modell rausbringen möchtest, dann gehst du in Vorleistung, ja?
00:57:32
Speaker
dann hast du ein Jahr vorher Prototypen fertigen lassen.
00:57:35
Speaker
Das kostet mal eben 30.000 Prototypen, 50.000 teilweise, weil du noch irgendwelche Zifferblätter von Hand machen lassen musst.
00:57:44
Speaker
Das sind alles irrsinnige Kosten hier in der Schweiz, die sich natürlich durchreichen auf viele verschiedene Ebenen, die aber nicht vergleichbar sind, wenn jemand nach dem Plug-and-Play-Prinzip sich über Alibaba was zusammenstecken lässt und dann...
00:57:59
Speaker
eine Serie Micro Brand.
00:58:02
Speaker
Ist völlig okay, ist auch ein cooles Segment.
00:58:04
Speaker
Aber das ist nicht dasselbe Business.
00:58:08
Speaker
Verstanden.
00:58:09
Speaker
Eine Frage vielleicht von mir noch, weil du gesagt hast, aus dem Saarland kommst du, bist aber in der Schweiz.
00:58:14
Speaker
Wie viel mehr bringt das eurer Marke, dass ihr zum Beispiel nicht in Glashütte sitzt, sondern in der Schweiz?
00:58:20
Speaker
Oder würdest du am Ende sagen, das wäre eigentlich fast egal?
00:58:22
Speaker
Nein, das ist nicht egal, weil wir ja diesen Ansatz haben, dass tatsächlich die Dinge, die wir fertigen können,
00:58:29
Speaker
oder die sinnvoll bei uns im Haus gefertigt werden können, von erfahrenen Uhrmachern gefertigt werden und dass alles, was wir nicht selbst machen, möglichst aus direktem Umkreis kommt.
00:58:38
Speaker
Und als wir angefangen haben, wurde in Glashütte fast nichts gefertigt.
00:58:42
Speaker
Da gab es keine wirklichen Zulieferbetriebe.
00:58:45
Speaker
War also für uns wirklich extrem wichtig, dass wir in dieses Ökosystem hier reinkommen.
00:58:50
Speaker
Und nach 20 Jahren sind wir hier auch akzeptiert.
00:58:54
Speaker
Hier gibt es Betriebe, wir haben hier in Saint-Imier einen, da muss ich morgen hin, der bedruckt unsere Großdatumsscheiben.
00:59:01
Speaker
Der macht sonst nichts für uns, der macht nur die Drucke für die Großdatumsscheiben.
00:59:05
Speaker
Das findest du in anderen Regionen der Welt nicht.
00:59:08
Speaker
Glaube ich.
00:59:10
Speaker
Das haben wir auch von Superluminova gehört, von Martin hat das von Sherpa Watch auch erzählt, dass er da sehr viele kleine Kontakte hat.
00:59:18
Speaker
Ich finde, das klingt immer so idyllisch, wenn ihr davon erzählt, also ich sage jetzt mal ihr, was für eine kleine, schöne, große Familie das in der Schweiz ist.
00:59:26
Speaker
Dass du so kleine Familienbetriebe hast, die das seit 20, 30 Jahren machen und alle gehen dann zu dem, weil der gut da drin ist und sowas, finde ich, klingt immer, klingt so idyllisch und so schön.
00:59:36
Speaker
Ja.
00:59:36
Speaker
Naja, das ist halt, ich meine, denk an deine eigene Familie nicht, das muss nicht unbedingt immer idyllisch und schön sein.
00:59:44
Speaker
Am zweiten Weihnachtsfeiertag wird es dann auch manchmal etwas anstrengend, aber ja, das ist tatsächlich so, dass das ein Ökosystem ist und natürlich gibt es da auch wieder verschiedene Ringe und Schichten, aber das sind oft kleine Betriebe.
00:59:58
Speaker
Der Betrieb, der uns die Datumscheiben betrugt, das sind drei Menschen.
01:00:04
Speaker
Ja, die bedrucken Zifferblätter und Datumschreiben.
01:00:07
Speaker
Fertig.
01:00:07
Speaker
Finde ich mega schön.
01:00:08
Speaker
So, und ich erstmal danke dir, Albert, für deine echte Offenheit.
01:00:13
Speaker
Die Infos waren sehr schön.
01:00:14
Speaker
Deswegen bin ich eingeschlafen, ich habe euch zugehört und Informationen, damit ich am Ende Fragen stellen kann.
01:00:20
Speaker
Wir sagen auf der Arbeit immer, am Ende kackt die Ente.
01:00:23
Speaker
Deswegen habe ich Knut jetzt den Drang abgelaufen, so ein bisschen.
01:00:25
Speaker
Nein.
01:00:26
Speaker
Was Knut nicht mag, was ich immer gerne mache und jetzt haben wir die Stunde voll, vielleicht für mir die Abschlussfrage.
01:00:31
Speaker
Gibt es etwas, was du den Zuhörern empfehlen könntest oder auch nicht empfehlen könntest, was du in letzter Zeit erlebt hast, sei es Essen, Film, Serie, eine Reise, irgendetwas, was du irgendwie mitgeben kannst, das ist mega gut oder das auf gar keinen Fall zu machen?
01:00:47
Speaker
Auf gar keinen Fall zu machen, ich möchte nicht noch drei Stunden dranhängen, wenn ich meine ganzen Lebensfehler raushaue.
01:00:55
Speaker
Aber was ich immer gerne empfehle, ist Finnland.
01:00:59
Speaker
Wir hatten jetzt gerade die Messe in Helsinki und die Watch of Finland ist einfach super cool.
01:01:06
Speaker
Wenn ihr, eigentlich immer im Mai, wenn ich es recht habe, einfach da mal hin und Helsinki genießen, wenn der Frühling losgeht.
01:01:17
Speaker
Das lohnt sich auf jeden Fall.
01:01:19
Speaker
Das werde ich mir auf jeden Fall mal merken und angucken, weil das kann mir zu überraschen.
01:01:22
Speaker
Positiv, also finde ich cool, interessant, werde ich mir angucken.
01:01:25
Speaker
Danke dir dafür.
01:01:26
Speaker
Und Knut, wenn du nichts mehr zu sagen hast, gebühren dir die letzte Worte, Albert.
01:01:31
Speaker
Ja, vielen Dank, dass ihr mich gehabt habt.
01:01:34
Speaker
Hat Spaß gemacht, war natürlich jetzt ein Querschnitt und ein paar Vorstritt durch verschiedene Themen, aber zeigt vielleicht auch, dass wir uns immer freuen, wenn uns Leute auf Uhrmacherei ansprechen und einfach nur mit uns reden wollen.
01:01:49
Speaker
Danke dir, Albert.