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Equines Coronavirus – eigentlich nur Fieber, aber auch Kolik und/oder Durchfall, manchmal sogar neurologische Symptome, und was sagt der Eisenwert im Blut eigentlich aus ?

Equine Vet News
Equine Vet News

186 plays · Sep 5, 2026

Transcript

Speaker: Diese Folge des Podcasts EquineVet News wird vom Labor Laboclin GmbH und CoKG unterstützt.

Speaker: Einem verlässlichen Partner für Tierarztpraxen und Tierkliniken in ganz Europa.

Speaker: Das Untersuchungsspektrum reicht von Mikrobiologie, klinischer Labordiagnostik und Allergiediagnostik bis hin zu Pathologie und Genetik.

Speaker: Musik

Speaker: Wir kennen ja alle aus dem Praxisalltag Pferde mit Fieber und Anorexie.

Speaker: Und entweder nehmen wir sofort oder erst wenn mehrere Pferde betroffen sind, Blutproben oder und nasale Tupferproben.

Speaker: Und die Tupferproben ja oft zum Nachweis von Herpes und oder Influenza oder eher gesagt mit der Hoffnung, dass kein Herpes und oder Influenza vorliegt.

Speaker: Jetzt bieten Labore auch noch andere PCR-Profile an für Fieber unbekannter Genese.

Speaker: Die kann man natürlich auch nutzen.

Speaker: Ja, wenn wir nur Nasentupfer nehmen, könnten wir aber entsprechend einer Veröffentlichung von Posterla et al.

Speaker: aus dem Jahr 2019 nachweisbare fieberauslösende enterale Viren verpassen.

Speaker: Für diese Veröffentlichung wurden bei 277 Pferden mit akutem Fieberbeginn Nasentupfer entnommen und mittels qualitativer Real-Time-PCR auf die typischen Atemwegspathogene Herpes, Influenza,

Speaker: Equinerinitis Viren A und B und auch auf Streptococcus equi subspezies equi untersucht.

Speaker: Zusätzlich wurden Kotproben genommen, an denen ebenfalls eine PCR auf Äquines Coronavirus erfolgte.

Speaker: Nachgewiesen wurden zu 9% EHV4, zu 6,1% Influenzaviren, zu 4,3% Streptococcus equi-equi, zu 3,2% Rhinitisviren und zu 0,7% EHV1.

Speaker: Bei 7,2 Prozent der beprobten Pferde war das PCR-Ergebnis positiv für Äquines Coronavirus.

Speaker: Ja, genau.

Speaker: Und dieses Virus ist das Thema der heutigen Folge des Podcasts Äquines Vet News.

Speaker: Wir möchten euch in diesem Podcast allen, also StudentInnen, AnfangsassistentInnen, GemischtpraktikerInnen und natürlich auch erfahrenen PferdetierärztInnen, kompakt und praxisnah aktuelle Studienergebnisse darlegen und sie auch einordnen in unseren Praxisalltag.

Speaker: Ich bin Dr. Anja Garbe, Fachdärztin für Pferde und Produzentin sowie Host dieses Podcasts.

Speaker: Und heute zugeschaltet ist Dr. Nora Gimbitzki, Fachdärztin für Pferde mit einer kardiologischen und internistischen mobilen Fahrpraxis.

Speaker: Und wenn ich das jetzt richtig gerechnet habe, bringen wir beide es wirklich auf 47 Jahre Berufserfahrung,

Speaker: Es ist so ein bisschen erschreckend auf der einen Seite, wie die Zeit so rennt.

Speaker: Und auf der anderen Seite ist es natürlich echt gar nicht so schlecht, dass wir jetzt hier heute so viel Berufserfahrung haben.

Speaker: Ja, verrückt manchmal, wie die Zeit vergeht.

Speaker: Und ich kann die zwei Sichten darauf gut verstehen.

Speaker: Weil einerseits klingt es immer gut und andererseits denke ich dann, boah, so lange schon.

Speaker: Ja, absolut, genau.

Speaker: Corona ist ja jedem seit 2020 gut bekannt.

Speaker: Jetzt müssen wir Tierärztinnen allerdings sagen, wir kannten das Virus schon vorher, weil das bei Tieren schon vorher aufgetreten war.

Speaker: Und auch bei Pferden.

Speaker: Ja, interessant ist, dass der erste Nachweis des Virus im Jahr 2000 im Code von einem Fohlen mit Enterocolitis erfolgte.

Speaker: Genau.

Speaker: Und was da das Interessante daran ist, ab 2011 wurden Ausbrüche mit mehreren Pferden schon beschrieben, aber das waren dann überwiegend adulte Pferde.

Speaker: Die erste Veröffentlichung zu einem Corona-erkrankten adulten Pferden betraf Kaltblutrennpferde in Japan.

Speaker: Auf dieser Rennbahn traten von 2004 bis 2025 insgesamt vier Ausbrüche auf.

Speaker: Also von diesen 600 bis 800 eingestallten Pferden erkrankten 20 bis 30 Prozent der Tiere.

Speaker: Was muss ich mir denn bitte unter Kaltblutrennpferden vorstellen?

Speaker: Ja, das ist echt verrückt.

Speaker: Ich kannte das ja von den Shire Horse Pferden, aber so allgemein Kaltblutrennen kannte ich auch nicht.

Speaker: Ich habe es dann mal gegoogelt.

Speaker: Jetzt kommt ein bisschen Allgemeinwissen.

Speaker: Also dieses Rennen heißt Banai und es ziehen Kaltblüter Schlitten, die bis zu einer Tonne wiegen.

Speaker: Die müssen diese Schlitten durch den Sand ziehen und zum Teil überrampen.

Speaker: Und dann habe ich mir auch Videos angeschaut und wenn du diese Videos siehst, siehst du wunderschön diese zehn enge Stellung der Kalbblüter, wie die so im Sand wegdrücken.

Speaker: Und da habe ich mich echt daran erinnert, dass die Hafflinger das ja auch immer haben.

Speaker: Zehn enge Stellung und auch die Kalbblüter, die ich so in der Behandlung habe.

Speaker: Ja klar, wenn eine Tierärztin so ein Video anschaut von einem Rennen, dann ist das natürlich das Erste, was auffällt.

Speaker: Ja, das ist eine echte Berufskrankheit.

Speaker: Ja, ich fand es jetzt nicht ganz so schön.

Speaker: Also ich habe mir Videos angeguckt, so ein paar von diesen Kaltblütern quälten sich ganz schön durch den Sand.

Speaker: Also ich weiß nicht, ob ich jetzt Fan von diesen Kaltblutrennen werde.

Speaker: Okay, aber wir sind ja nicht in Japan.

Speaker: Ausbrüche und auch Einzelfälle sind auch in Europa und auch in den USA beschrieben worden.

Speaker: Ja genau, also seit 2011 wurden Daten von zwölf Ausbrüchen mit einer Morbidität von 4 bis 83 Prozent veröffentlicht.

Speaker: In Deutschland habe ich jetzt keine Zahlen zur Prävalenz des Virus gefunden.

Speaker: Ich selber hatte schon Fälle mit positiven Nachweis und meine Kollegin hat auch hier in der Nähe einen Ausbruch betreut.

Speaker: Das hat auch ein bisschen gedauert, bis sie raus hatten, welches Virus verantwortlich war.

Speaker: Die Pferde hatten zum Teil 40 Fieber.

Speaker: Hattest du schon Kontakt mit dem Coronavirus beim Pferd?

Speaker: Also ich kann mich jetzt selber an keinen eigenen Fall erinnern in den vergangenen Jahren.

Speaker: Das mag aber auch mit daran liegen, dass diese Patienten oft nicht primär bei mir landen, sondern von den haustierärztlichen Praxen hauptsächlich betreut werden.

Speaker: Ja, da kommen wir nachher noch drauf, warum.

Speaker: Genau, und das waren ja alles Ausbrüche bei adulten Pferden.

Speaker: Zu Anfang hieß es doch, es handelte sich um eine Erkrankung von Fohlen.

Speaker: Gab es da keine weiteren Ausbrüche mehr?

Speaker: Ja, ich fand das auch ganz spannend.

Speaker: Also im Laufe der Zeit hat sich gezeigt, dass Fohlen gar nicht an sich an Corona erkranken, wie Adultpferde, sondern immer in Kombination mit anderen Keimen.

Speaker: Und das wurde dann natürlich nochmal kontrolliert.

Speaker: Also 2014 wurden Kotproben von 51 Erkrankten und 37 gesunden Fohlen untersucht auf unterschiedlichste Erreger, einschließlich Corona.

Speaker: Die erkrankten Pferde hatten wässrigen Durchfall über mehr als 24 Stunden, verringerte Milchaufnahme, Fieber, Anzeichen einer Enterocolitis im Ultraschall oder Kolek.

Speaker: Und in dieser Studie wurden bei den erkrankten Pferden am häufigsten roter Viren nachgewiesen.

Speaker: Das Coronavirus wurde zu 29 Prozent bei erkrankten Fohlen und zu 27 Prozent bei gesunden Fohlen nachgewiesen.

Speaker: Also bestand da kein signifikanter Unterschied in der Nachweisrate zwischen gesunden und erkrankten Fohlen.

Speaker: Und in einer anderen Studie, in einem Zuchtgebiet, war das noch extremer.

Speaker: Da wurden 307 Fohlen mit Durchfall kontrolliert und bei denen wurde überhaupt kein Corona nachgewiesen.

Speaker: Bei den 120 gesunden Fohlen war eine Prävalenz von 2,5 Prozent.

Speaker: Also das Fohlen ist beim Coronavirus alleinig Coronavirus raus.

Speaker: Das ist wirklich nicht so.

Speaker: Okay, also doch eher eine Erkrankung der adulten Pferde.

Speaker: Die Morbiditätsrate lag ja zwischen 4 und 83 Prozent bei einem natürlichen Ausbruch.

Speaker: Wie hoch ist denn die allgemeine Prävalenz?

Speaker: Ja, da schauen wir uns am besten die Seroprävalenz an, da ja Kotprobenergebnisse meist in Verdachtsfällen vorliegen.

Speaker: Und bei gesunden, aus Europa in die USA importierten Pferden lag die Prävalenz bei Proben aus den Jahren 2019 bis 2023 bei 2,3 Prozent.

Speaker: Das ist geringer als in den USA.

Speaker: Dort liegt die Prävalenz bei 9,6 Prozent.

Speaker: Und wir gehen jetzt wieder nach Japan.

Speaker: Daten aus Japan zeigten, dass Jährlinge, es waren Rennpferde,

Speaker: keine Kalbblüter diesmal, im Dezember 2017, 2018 zu 82% seropositiv waren.

Speaker: Im Vergleich zu 27% im August 2017 bei Ankunft in den Aufzuchtsstall.

Speaker: Die Jährlinge zeigten alle keine schweren Verläufe.

Speaker: Also in dem gesamten Untersuchungszeitraum von 2017 bis 2020 wiesen 39,2% der infizierten Jährlinge Fieber auf.

Speaker: Ich fand es ganz interessant, dass im Vergleich dazu nur 4% der aktiven Rennpferde, also die sind zwei und älter, überhaupt Fieber entwickelten.

Speaker: Jetzt drängt sich ja der Gedanke auf, es entwickelt sich eine Immunität.

Speaker: Dabei ist zu beachten, ähnlich wie wir das von Covid kennen, dass das Coronavirus sich auch beim Pferd verändert.

Speaker: Also es gibt unterschiedliche Stämme.

Speaker: Und in dem genannten Rennstall mit den Kaltblütern

Speaker: Traten 2, 4, 2, 5 mehrere Ausbrüche auf und dann über längere Zeit keiner.

Speaker: Und dann erst 2025 wieder, da wurde einer beschrieben.

Speaker: Und da erklärten die Autoren diesen erneuten Ausbruch schon mit einem neuen Stamm, gegen den einfach gar keine Immunität vorlag.

Speaker: Das war eine Idee, warum jetzt im Endeffekt schon ein bisschen plötzlich in diesem Stall nochmal Corona ausbrach.

Speaker: Okay.

Speaker: Das heißt also, wir sprechen heute über ein enterales Virus, welches primär adulte Pferde betrifft.

Speaker: Und die Prävalenz wird von Geografie, vom Alter und von der Jahreszeit beeinflusst und variiert von 2,3 bis 82 Prozent.

Speaker: Und wie schon gesagt, die Morbiditätsrate liegt zwischen 4 und 83 Prozent.

Speaker: Musik

Speaker: Jetzt haben wir ja die ganze Zeit über Prävalenzen und Morbiditätsraten bei den Ausbrüchen gesprochen.

Speaker: Aber was zeigen die Pferde denn während eines Corona-Ausbruchs für klinische Symptome?

Speaker: Ja, das geht von bis.

Speaker: Also das ist unterschiedlich.

Speaker: Es kann sein, dass sie gar keine Symptome zeigen und nur das Virus ausgeschieden wird, also die sogenannten Stillenausscheide.

Speaker: Bei Untersuchungen ganzer Bestände lag der Prozentsatz dieser Tiere bei 4 bis 63 Prozent.

Speaker: Oder die Pferde können Fieber zeigen, Anorexie und Lethargie.

Speaker: Das sind die am häufigsten beschriebenen Symptome.

Speaker: Und wie hoch fiebern die Pferde?

Speaker: Beschrieben sind Temperaturen von 38,6 bis 41 Grad Celsius.

Speaker: Das ist 38,6 nicht gerade hoch, wenn man sich das überlegt.

Speaker: Da denkt man manchmal, es ist eine Normaltemperatur, es ist nicht sehr hoch.

Speaker: Jetzt haben wir ja zu Anfang gesagt, das ist ein enterales Virus.

Speaker: Bis jetzt beschreibst du nur Fieber und Anorexie.

Speaker: Und jetzt hatten wir ja auch Berichte von den erkrankten Fohlen mit Durchfall und die Diagnose Enterocolitis.

Speaker: Zeigen adulte Pferde gar keine gastrointestinalen Symptome?

Speaker: Doch, nur seltener und bei den eher schwerwiegenden Verlaufsformen.

Speaker: Also auch dazu haben wir Zahlen.

Speaker: Zwar kommen Symptome aus.

Speaker: Die Veränderung der Kotkonsistenz einschließlich Durchfall bei 21 Prozent der Pferde vor und Kolik-Symptome bei 12 Prozent.

Speaker: Okay, also das heißt, wir haben im Stall eventuell mehrere Pferde mit Fieber, zum Teil nur 38,6 Grad Celsius, einer schlechten Futteraufnahme und Lethargie und eventuell bei manchen Pferden Durchfall oder Kolik.

Speaker: Jetzt hast du ja erwähnt, dass es auch schwerwiegende Fälle gibt.

Speaker: Darauf wollen wir auch eingehen.

Speaker: Nora, wie kann denn so eine hochgradige Verlaufsform aussehen?

Speaker: Ja, also bei den Fohlen fiel ja vorhin schon mal das Wort Enterocolitis.

Speaker: Und die kann sich eben auch beim adulten Pferd im schwerwiegenden Verlauf entwickeln.

Speaker: Einschließlich Endotoxinämie und eventuell sogar eines toxischen Schocks mit Todesfolge.

Speaker: Also doch recht ausgeprägte Symptome in Einzelfällen.

Speaker: Ja, und leider kann ich dann noch etwas ergänzen, was nicht so ganz zum enteralen Virus passt.

Speaker: Und zwar stand dieses Virus auch in Assoziation zu einer Encephalopathie.

Speaker: Im November 2013 kam es in Kalifornien und Idaho zu Ausbrüchen, nachdem die Pferde von einer Show in Texas zurückgekehrt waren.

Speaker: In Kalifornien erkrankte das erste Pferd neun Tage nach der Rückkehr von der Show und in Idaho blieben die Showrückkehrer selbst symptomlos.

Speaker: Und es erkrankten Bestandspferde zwei bis drei Tage, nachdem die anderen Pferde von der Show zurückgekommen waren.

Speaker: Und ein Miniaturpferd Fohlen zeigte Lethargie, Fieber und Tachycardie und verstarb innerhalb von wenigen Stunden, also per akuten Verlauf,

Speaker: Zwei weitere Tiere, eine Miniaturpferdstute und ein Miniaturesel, entwickelten auch akut Fieber, Kolik und schwere neurologische Symptome, darunter Kopfpressen, zielloses Kreisen, Festliegen und Krämpfe.

Speaker: Diese Pferde wurden euthanasiert und es erfolgte auch eine Sektion.

Speaker: Und diese ergab bei zwei der drei Tiere eine diffuse, nekrotisierende Enteritis des Dünndarms.

Speaker: Es war jetzt nicht so, dass das dritte Tier keine Enteritis aufhieß.

Speaker: Es war so, dass da der Darm so autolytisch war, dass der nicht zu beurteilen war.

Speaker: Und dann zeigten sich bei einem Pferd histopathologische Anzeichen für eine hyperamidemische Enzephalopathie.

Speaker: Okay.

Speaker: Wir kennen ja bei Vergiftungen, wie zum Beispiel durch Jakobskreuzkraut und der daraus resultierenden Leberfunktionsstörung, das sogenannte Hepatoenzephali-Syndrom, was auch eine hyperammonemische Enzephalopathie darstellt.

Speaker: Gaben die Autoren einen Erklärungsansatz, warum eine hyperammonemische Enzephalopathie in diesem Fall auftrat?

Speaker: Ja, aber das sind dann schon auch nur Hypothesen.

Speaker: Da jetzt keine Nieren- und Lebererkrankung festgestellt worden war, gingen die Autoren von einer enterischen Hypermonomie aus.

Speaker: Auch deren pathophysiologischer Mechanismus ist nicht wirklich bekannt.

Speaker: Es besteht zum einen die Vermutung eines Überwachsens mit Urease bildenden Bakterien, woraufhin viel Ammoniak durch Abbau von Proteinen und endogenem Harnstoff entsteht und letztendlich resorbiert wird.

Speaker: Die andere Möglichkeit ist natürlich, dass die geschädigte Darmschranke bedingt, dass viel mehr Ammoniak resorbiert werden kann als normalerweise.

Speaker: Jetzt sind wir ja schon bei der Prognose der Erkrankung.

Speaker: Also jetzt haben wir ja drei tote Pferde.

Speaker: Zwei Tote und ein Pferde und ein Eselchen.

Speaker: Wie hoch war denn die Mortalitätsrate in den anderen Ausbrüchen, Nora?

Speaker: Also bei den meisten dokumentierten Ausbrüchen außerhalb der Miniatur Pferdefälle aus dem Jahr 2013 mit 27 Prozent lag die Mortalität ansonsten zwischen 0 und knapp 13 Prozent.

Speaker: Und jetzt meine Frage, gibt es Faktoren, welche das Auftreten der Infektion beeinflussen?

Speaker: Schon die Jahreszeit.

Speaker: Also in den meisten Fällen, natürlich wie immer bei uns nicht in allen, raten die Ausbrüche zwischen November und April auf.

Speaker: Es betrifft eher Pferde in Reit- und Rennstellen.

Speaker: Und dann gab es so Faktoren wie, dass in den USA die Seroprävalenz zum Beispiel in der Region Mittlerer Westen höher war und auch bei Kaltblutrassen.

Speaker: Jetzt stellt sich natürlich auch noch die Frage, gibt es Faktoren, die den Schweregrad beeinflussen?

Speaker: Also ob wir jetzt einfach nur Fieber und Anorexie haben oder diese Enzephalopathie?

Speaker: Ja, eventuell schon.

Speaker: In der Veröffentlichung zu den Miniaturpferden wurde beschrieben, dass die Viruslast bei nicht überlebenden Pferden signifikant höher war als bei den Überlebenden.

Speaker: Das betrifft allerdings die Mortalität und nicht, ob das Pferd klinisch unauffällig bleibt oder eben erkrankt.

Speaker: Kusterla konnte 2013 keinen statistisch signifikanten Unterschied der Viruslast zwischen positiven Kranken

Speaker: und positiv getesteten, aber gesunden Pferden im Kot nachweisen.

Speaker: Also so wirklich gibt es nichts, ne?

Speaker: Oder dass man jetzt sagen kann, du hast einen Erkrankten, du kannst eigentlich nicht sagen, ob der jetzt in die andere Richtung geht und schwer krank wird oder nicht.

Speaker: Weil das waren ja jetzt auch Fohlen und auch jetzt keine geriatrischen Pferde, wo du denkst, okay, bei den Älteren muss ich besonders aufpassen, wenn der Fieber hat und durchfällt.

Speaker: Ist ja super.

Speaker: Also können wir da gar nichts zu sagen.

Speaker: Das ist ja toll.

Speaker: Okay, also das Virus bedingt in erster Linie Fieber und Anorexie und seltener Durchfall und Kolik.

Speaker: Aber es gibt auch stille Ausscheider.

Speaker: Wichtig, wenn man einen Ausbruch in einem Stall hat, dass man weiß, auch die nicht fieberhaften Pferde könnten das Virus ausscheiden.

Speaker: Bei schweren Verlaufsformen entwickelt sich eine Enterocolitis.

Speaker: Es kann sich eventuell eine neurologische Symptomatik zeigen.

Speaker: Diese beruht wahrscheinlich auf einer Hyperammonomie.

Speaker: Die Mortalitätsrate variiert zwischen 0 und 13 Prozent.

Speaker: Die Ausbrüche treten eher im Winter und Frühjahr auf, sowie in Renn- und Reitstätten.

Speaker: Ja, jetzt haben wir schon angedeutet, dass das Virus über den Code ausgeschieden wird und somit darüber eine Diagnosemöglichkeit besteht.

Speaker: Ja genau, das haben wir glaube ich schon mehrmals erwähnt, dass das eine quantitative PCR ist.

Speaker: Und über Punkte bei Probennahme und Versand, die wir beachten sollten, habe ich mit einer Mitarbeiterin von Laboclean gesprochen.

Speaker: Ich freue mich, dass Frau Clarissa Jung vom Labor Laboclean sich Zeit genommen hat, ein paar Fragen zu Punkten bei der Probenbearbeitung zu beantworten.

Speaker: Sie ist Spezialistin für Infektionserkrankungen und ich freue mich wirklich, dass sie heute Zeit für uns hat.

Speaker: Ja, ich freue mich auch.

Speaker: Danke für die Einladung.

Speaker: Ja, gerne.

Speaker: Wir sind hier beim Thema Corona und natürlich müssen wir schon wissen, wenn wir Kotproben nehmen, ob dieser Kot frisch sein muss oder ob wir einfach Kot nehmen können, der da schon länger in der Box liegt.

Speaker: Das wäre so meine erste Frage an Sie.

Speaker: Ja, also bei den Äquinen-Coronaviren ist es so, dass die ganz genaue Tenazität nicht bekannt ist.

Speaker: Man geht davon aus, dass das Virus ein paar Tage in der Umwelt überleben kann, bei kälteren Temperaturen tendenziell ein bisschen länger.

Speaker: Prinzipiell ist es so, dass die Coronaviren zu den RNA-Viren gehören und RNA ist rein von der Molekülstruktur her

Speaker: instabiler als DNA, das heißt von der Tendenz her eher ein instabiles Virus.

Speaker: Wir würden also auf jeden Fall empfehlen, eine frische Kotprobe zu nehmen und nichts zu nutzen, was einfach schon irgendwo im Stuhl rumliegt.

Speaker: Okay, das heißt, eventuell müssten wir dann Rektal und Kode nehmen.

Speaker: Wobei, ich muss ja sagen, das Coronavirus macht ja in manchen Fällen Kolik.

Speaker: Ich habe jetzt wirklich gerade einen gehabt mit Fieber und Kolik.

Speaker: Dann rektalisiert man, dann kann man ja dann wunderschön die Kotprobe nehmen.

Speaker: Für so eine PCR-Untersuchung brauchen Sie nicht so viel Material.

Speaker: Also wie viel muss ich mir da vorstellen?

Speaker: Was brauchen Sie?

Speaker: Nee, genau.

Speaker: Also da brauchen wir überhaupt nicht viel Material.

Speaker: Wir sagen so eine Haselnuss, große Menge, vielleicht ein bisschen mehr, aber damit sind wir schon absolut glücklich.

Speaker: Da haben wir auch einen gewissen Anteil schon mit einberechnet, den wir auf Reserve halten können, falls wir noch ein bisschen was brauchen.

Speaker: Also beim Pferd normalerweise gar kein Problem, da ausreichend gut zu kriegen.

Speaker: Super.

Speaker: Okay, jetzt...

Speaker: Haben wir unsere Kotprobe, aber in manchen Fällen können wir das Pferd vielleicht nicht so einfach rektalisieren, haben keinen frischen Kot und in den Studien stand schon rektale Abstrichtupfer.

Speaker: Also geht es dann wie beim Nasentupfer, dass ich einen trockenen Tupfer nehme und einmal im Rektum praktisch entlangstreife?

Speaker: Genau, also auf jeden Fall für die PCR ganz allgemein immer einen trockenen Abstrich.

Speaker: Nährmedien können die PCR-Reaktion inhibieren.

Speaker: Das heißt, für eine PCR-Untersuchung immer einen trockenen Abstrich nutzen.

Speaker: Dann eben gucken, dass man wirklich einen schönen Schleimhautkontakt hat, einen ordentlichen Abstrich nimmt.

Speaker: Und dann kann man das auf jeden Fall als Alternative verwenden.

Speaker: Wenn ich noch mal

Speaker: Aus Laborsicht draufschauen, sind wir immer froh, wenn wir eine Kotprobe kriegen, hat einfach den Hintergrund, dass an einem Abstrich nicht sonderlich viel Material dran ist.

Speaker: Das heißt, wenn der im Labor ankommt, den kompletten Abstrich weichen, den einmal ein, nutzen den für die PCR und dann ist das Material weg.

Speaker: Wenn wir eine Kotprobe kriegen, dann nehmen wir normalerweise, wenn wir genug haben, einen Teil von der Kotprobe, lassen die PCR laufen.

Speaker: Und denken wir jetzt mal dran, dass wir vielleicht ein unklares Signal haben, ein Signal genau an der Nachweisgrenze.

Speaker: Da haben wir im Labor dann den Vorteil in der Abarbeitung.

Speaker: Bei Code haben wir noch was da, können einfach nochmal von vorne anfangen, die PCR komplett laufen lassen und haben dann die besten Chancen, Ihnen ein valides Ergebnis zu schicken, ohne irgendwelche Fragezeichen.

Speaker: Und dann sind wir glücklich und Sie hoffentlich auch.

Speaker: Das heißt, ich würde Kotprobe bevorzugen, rektaler Abstrich ist aber eine gute Alternative, wenn man sagt, man hat jetzt sonst keine Möglichkeit für eine frische Probe.

Speaker: Jetzt fahren wir ja viel Praxis und dann ist die Probe länger im Auto und unser Sommer war ja extrem, da wird es ja dann schon heiß im Auto.

Speaker: Sollte die Probe, während wir da so den ganzen Tag spazieren fahren, gekühlt transportiert werden oder kann ich die vorne auf die Ablage legen?

Speaker: Genau, Sie haben jetzt die Frage schon entsprechend schön formuliert, also in den kälteren Monaten.

Speaker: Und vor allem, wenn ich weiß, ich schicke die Probe wirklich am selben Tag noch weg, dann ist das alles nicht so wahnsinnig kritisch.

Speaker: Dann kommen wir auch gut zurecht mit einem Probenversand, der bei Raumtemperatur stattfindet.

Speaker: Also da kriegen wir schöne Ergebnisse im Labor.

Speaker: Wenn ich jetzt aber so die 25-Grad-Marke

Speaker: geknackt habe, dann verlasse ich langsam die guten Lagerungstemperaturen, hatten wir im Sommer ja vor allem im Auto schnell mal und dann ist schon ein gekühlter Transport sinnvoll, um die Probe schön stabil zu halten, vor allem, wenn ich vielleicht weiß, dass die Probe nicht mehr am selben Tag in den Versand geht.

Speaker: Gilt das Gleiche, wir haben zu Beginn dieses Podcastes von Nasentupfernproben berichtet, also bei fieberndem Pferd nehmen wir die ja häufiger für den Nachweis von Influenza oder Herpes, sollten diese Tupfer genauso behandelt werden, also auch wenn ich im Sommer im Auto durch die Gegend fahre, eher in die Kühltransportkiste oder also ich habe eine eigene Kühlschublade, lieber da rein als im heißen Auto rumfahren.

Speaker: Ja, also im Grunde ähnliche Antwort.

Speaker: Bei den Herpesviren ist es so, dass es ein DNA-Virus ist.

Speaker: Das heißt, es ist von der Tendenz her eher stabil.

Speaker: Influenza ist wieder ein RNA-Virus.

Speaker: Also wenn sie...

Speaker: kurze Zeiten haben, einen direkten Versand und nicht zu heiße Temperaturen würde ich mir jetzt nicht zu viele Sorgen machen.

Speaker: Aber an sich ist es so, gekühlt ist das ganz Optimale.

Speaker: Also damit machen sie auf keinen Fall was falsch.

Speaker: Wenn wir Impfungen mithaben, haben wir ja eine Kühlkiste oder eine Kühlschublade.

Speaker: Das ist ja schon machbar.

Speaker: Jetzt wird es ein bisschen spezieller.

Speaker: Wir haben jetzt die Proben schön bei Ihnen im Labor und es erfolgt eine PCR.

Speaker: Jetzt habe ich ja sehr viel Veröffentlichungen gelesen und da wurde schon erwähnt, dass es unterschiedliche Stämme des Äquinen-Coronavirus gibt.

Speaker: Werden die dann alle bei einer PCR erfasst oder kann es sein, dass sie auch einen Mal nicht erfassen?

Speaker: Genau, also es ist ja ganz allgemein so bei den Coronaviren, dass es schon so ist, dass Coronaviren einfach mutationsfreudig sind.

Speaker: Jetzt ist es aber so, dass diese Mutationen nicht gleichmäßig über das gesamte Genom auftreten, sondern dass wir bestimmte variable Regionen kennen, die eben auch beim Äquinen-Coronavirus, wenn man sich die einzelnen

Speaker: Stämme anschaut, häufig Unterschiede aufweisen.

Speaker: Und dann gibt es aber wieder Regionen im Genom, die, man sagt, konserviert, also sehr stabil sind.

Speaker: Das heißt, zwischen den einzelnen Stämmen identisch.

Speaker: Es gab tatsächlich auch Studien, die sich so ein paar Stämme rausgepickt haben aus Japan, USA und Europa, das mal verglichen haben.

Speaker: Und da hat man gesehen, dass gut 97 Prozent bis über 99 Prozent des Genoms identisch ist.

Speaker: Das heißt, man hat auf jeden Fall Genabschnitte, die man sich da aussuchen kann für die PCR, die alle Stämme gleichermaßen detektieren.

Speaker: Und das ist auch das...

Speaker: Was wir bei Laboclean gemacht haben, wir weisen das sogenannte M-Gen nach.

Speaker: Das ist ein Gen, das für Membranproteine kodiert und man sagt hochkonserviert ist, also stabil identisch bei den verschiedenen Stämmen auftritt.

Speaker: Das heißt, sie haben da bei uns den Vorteil, dass wir eine PCR laufen lassen, die gleichermaßen alle Stämme des Äquinen-Coronavirus detektiert und eben

Speaker: geringes Risiko für falsch negative Ergebnisse besteht.

Speaker: der in Anführungsstrichen Nachteil ist, wenn die PCR dann positiv zurückkommt, können wir überhaupt nicht sagen, welchen Stamm wir gefunden haben.

Speaker: Also wir wissen nur Äquines Coronavirus und nichts Genaueres.

Speaker: Aber letztendlich ist das die Antwort, die Sie in der Praxis interessiert hat.

Speaker: Mein Pferd Äquines Coronavirus, ja oder nein?

Speaker: Die Ausdifferenzierung der Stämme ist tatsächlich für Sie im Alltag irrelevant, weil jetzt keine groß unterschiedlich klinischen Verläufe zu erwarten sind.

Speaker: Ja, es ist nur wichtig, dass es unterschiedliche Stämme gibt, dass man nicht glaubt, wenn ein Pferd einmal Corona hatte, ist ja wie bei uns mit Covid, dass es dann trotzdem nochmal Corona haben kann, vielleicht ein bisschen milder, aber dass das geht, das haben die in Japan.

Speaker: auch festgestellt bei dem Rennstein mit den Kalbblutpferden.

Speaker: Da hatten die dann auch wieder einen Ausbruch nach zehn Jahren.

Speaker: Genau, also das ist gut im Hinterkopf zu haben, aber man muss jetzt nicht groß Angst haben vor falsch negativen Ergebnissen in der PCR-Therzene.

Speaker: Aufgrund der Tatsache, dass die PCR nicht funktioniert.

Speaker: Also was man schon im Hintergrund haben darf, ist immer beim direkten Erregernachweis, dass das Risiko für falsch negative Ergebnisse besteht.

Speaker: Das hängt dann aber von anderen Faktoren ab.

Speaker: Wie zum Beispiel Probennahme, habe ich die entsprechend passende Probe gewählt für meinen Test.

Speaker: Oder wenn man jetzt bei den Äquinen-Coronaviren bleibt, da ist ja beschrieben, dass die Ausscheidung

Speaker: So nach drei bis vier Tagen circa beginnt über den Kot.

Speaker: Und wenn man jetzt das Fallbeispiel überlegt, ich habe einen Bestand, weiß, da zirkuliert Äquines Coronavirus und ich beprobe jetzt ein Pferd, was gestern das erste Mal Kontakt mit dem Virus hatte, sich infiziert hat, kommt die PCR negativ zurück.

Speaker: dann ist es falsch.

Speaker: Negativ liegt aber nicht daran, dass die PCR falsch war, sondern dass ich einfach zu früh dran war mit der Probennahme.

Speaker: Und wenn der klinische Verdacht weiter besteht, würde man dann einfach nach ein paar Tagen nochmal beproben.

Speaker: Ja, auf dieses Ausscheidungsmuster gehen wir gleich nochmal genauer ein.

Speaker: Also wie lange das Ausscheidungsmuster ist, wann es beginnt.

Speaker: Es gibt da ja wunderschöne experimentelle Studien zu, die besprechen wir.

Speaker: Gleich.

Speaker: Ja, Frau Jung, vielen, vielen Dank für Ihre Zeit, die vielen Informationen.

Speaker: Es hat uns bestimmt geholfen.

Speaker: Und ich sage mal, tschüss.

Speaker: Es war sehr nett, mit Ihnen zu sprechen.

Speaker: Dankeschön, sehr gerne.

Speaker: Tschüss.

Speaker: So, jetzt wissen wir, wie wir die Proben nehmen und versenden sollten.

Speaker: Jetzt stellt sich noch die Frage nach dem Ausscheidungsmuster.

Speaker: Ja, es gab experimentelle Infektionen.

Speaker: Und ich habe echt gedacht, das fiel ja alles in die Corona-Zeit.

Speaker: Das durften die nur, weil das Corona war.

Speaker: Also die haben die Pferde infiziert.

Speaker: Und da begann die Ausscheidung ab dem dritten bis siebten Tag.

Speaker: Also manche Pferde immer am dritten und manche am siebten Tag.

Speaker: Und wie erfolgte die Infektion in den Studien?

Speaker: Ja, in der ersten Studie, die gemacht worden war, per Nasen-Schundsonde,

Speaker: Und in der zweiten auch Pernasenschundsonde, aber auch über eine tägliche Exposition gegenüber Kot von infizierten Pferden, also eher der natürlichen Exposition ähnlich,

Speaker: Und in der ersten Studie entwickelten die Pferde auch Fieber und Anorexie und passösen Kot.

Speaker: Und in der zweiten zeigten die Pferde auch weicheren Kot und eines Fieber.

Speaker: Ich finde es wichtig hier zu erwähnen, dass bei der eher natürlichen Infektion, also über die Exposition mit infizierten Kot, der Beginn der Ausscheidung erst nach sieben Tagen festgestellt worden war.

Speaker: und später als nach der Inokulation über die Nasenschlundsonde.

Speaker: Was natürlich beide Experimente gezeigt haben, dass Pferde sich auf jeden Fall oral über die Exposition mit infiziertem Kot anstecken.

Speaker: Und wann entwickeln die Tiere die Symptome?

Speaker: Also wie lange ist die Inkubationszeit?

Speaker: Das ist eine ganz schnelle Antwort, nach zwei bis vier Tagen.

Speaker: Und nächste schnelle Frage, und wie lange war die Ausscheidung über den Kot?

Speaker: Also bei dieser experimentellen Infektion bis 14 Tage, aber wiegt euch nicht in Sicherheit, da zählen wir nachher noch was anderes zu, also es ist nicht immer 14 Tage.

Speaker: Jetzt stellt sich für uns alle ja immer die Frage, haben wir nur eine Ausscheidung über den Kot oder gibt es auch eine nasale Ausscheidung?

Speaker: Sagen wir mal so, das Virus kann über den Nasentupfer nachgewiesen werden.

Speaker: Aber der Nachweis gelingt deutlich seltener als über den Kot.

Speaker: Und die Ausscheidung ist auch deutlich geringer.

Speaker: Bei der experimentellen Infektion mit Inokulation über die Nasenschlundsonde begann die Nasalausscheidung, wenn man das so nennt, zwei Tage nach Beginn der Fäkalenausscheidung.

Speaker: Und bei der experimentellen Infektion über die Exposition mit infiziertem Kot war zunächst das Virus über den Nasentupfer nachweisbar.

Speaker: Und das drei Tage vor der fäkalen Ausscheidung.

Speaker: Okay.

Speaker: Und was vermuten die Autoren jetzt hinter diesem Ausscheidungsmuster?

Speaker: Also ist das eine Kontamination der Nüster über den Kontakt mit coronahaltigem Kot, wenn die da ihre Nase reintun?

Speaker: Ja, wie immer gibt es mehrere Theorien.

Speaker: Das, was du eben vorgeschlagen hast, ist eine davon.

Speaker: Oder aber es tritt eine hämatogene Verteilung mit Kolonisierung der Nüstern auf.

Speaker: Dazu ist anzumerken, dass Sektionsdaten aus einer experimentellen Infektionsstudie keine Infektion der unteren Atemwege zeigen.

Speaker: Also bei einer experimentellen Infektion tritt die Ausscheidung des Virus nach drei bis sieben Tagen auf und die klinische Symptomatik nach zwei bis vier Tagen auf.

Speaker: Wenn wir jetzt die Tiere aufgrund von Symptomen vorgestellt bekommen und dann sofort Proben nehmen, wären wir nicht im richtigen Zeitfenster.

Speaker: Wir sind dann zu früh, weil Symptome zwei bis vier Tage nach Infektion und Beginn der Ausscheidung war ja bei den experimentellen Versuchen erst nach sieben Tagen.

Speaker: Also beim negativen Befund, nicht glauben, es ist kein Corona, sondern eher mal nachtesten,

Speaker: Und es gibt noch einen Einwand bei einem negativen Probenergebnis.

Speaker: Wenn ein per akuter Verlauf vorliegt, könnte man auch einfach zu früh sein, da nicht genug Viruspartikel im Kot sind.

Speaker: Es besteht zum einen die Möglichkeit, dass aufgrund von Kolik die Motilität des Gastrointestinaltraktes reduziert ist und wir einfach nicht genug Viruspartikel dann im Kot haben.

Speaker: Also auch bei hochgradig erkrankten Pferden, auch wenn die zum Teil schon verstorben sind, kann es immer noch sein, wenn noch ein anderer kommt, dass es Corona ist.

Speaker: Auch wenn bei den per akut erkrankten Pferden gar kein Corona nachgewiesen worden war.

Speaker: Das ist ein bisschen teurer wahrscheinlich, wenn wir öfter Proben nehmen, aber es ist wie immer.

Speaker: Wenn eine Probe negativ ist, heißt es nicht, dass es nicht da ist.

Speaker: Wir haben ja schon gesagt, dass Pferde bei einer Coronavirus-Infektion, obwohl es sich um ein enterales Virus handelt, keine Anzeichen einer gastrointestinalen Erkrankung aufweisen müssen.

Speaker: Und dass wir in diesen Fällen oft nicht nur Tupferproben, sondern auch Blutproben nehmen.

Speaker: Und was erwartet uns denn da bei einer Coronavirus-Infektion?

Speaker: Ja, also vorab, wenn wir einen geringradigen Verlauf haben,

Speaker: werden wir bei der Biochemie keine Veränderungen finden.

Speaker: Es ist natürlich klar, dass wenn ein Pferd hochgradigen Durchfall aufweist, dass dann die Biochemie verändert ist, also zum Beispiel Elektrolyte.

Speaker: Im Hinblick auf das Blutbild zeigt sich eine für eine Virusinfektion typische Veränderung, also Leukopenie aufgrund von, also das ist bei Corona schon Neutropenie und oder Lymphopenie.

Speaker: Und in einer retrospektiven Studie wurden Daten ausgewertet von Pferden, welche aufgrund von Fieber in Kombination mit einer gastrointestinalen Problematik eingewiesen worden waren.

Speaker: Und da war bei den Corona-positiven Pferden die Lymphopenie, Neutropenie und Leukopenie signifikant deutlicher ausgeprägt als bei den Pferden ohne Nachweis einer Coronavirus-Infektion, die auch Fieber hatten und gastrointestinale Probleme,

Speaker: Die Werte bei den Corona-Pferden waren vergleichbar mit denen einer salmonellen Infektion.

Speaker: Und hier nur ein kleiner Einschub.

Speaker: Ihr wisst das bestimmt alle, aber nur zur Erinnerung.

Speaker: Wenn wir eine Salmonelleninfektion diagnostizieren wollen, müssen wir schon Kotproben an drei bis fünf aufeinanderfolgenden Tagen nehmen.

Speaker: Also da gilt dann wieder auch nicht eine Probe.

Speaker: Das ähnelt schon ein bisschen dem Coronavirus.

Speaker: Für den Nachweis einer systemischen Entzündungsreaktion steht uns ja nicht nur das Blutbild zur Verfügung, sondern auch die Bestimmung der Konzentration von Serum Amyloid A, SAA, oder auch Fibrinogen.

Speaker: Ich glaube, diese beiden Parameter kennt jeder.

Speaker: Wir wollen heute noch auf einen weiteren eingehen, der spannend ist und den wir, glaube ich, nicht immer ganz so als Ersten auf dem Schirm haben.

Speaker: Das heißt, das ist jetzt ein kleiner Ausflug und zwar zur Interpretation der Eisenkonzentration im Blut.

Speaker: Ja, genau.

Speaker: Also erst einmal vorab.

Speaker: Die Eisenkonzentration im Blut sagt nichts über die Eisenversorgung des Pferdes über die Fütterung aus.

Speaker: Und jetzt, so by the way, die Eisenversorgung des adulten Pferdes ist über das Heu immer ausreichend.

Speaker: Also da muss man sich überhaupt gar keine Gedanken machen.

Speaker: Genau.

Speaker: Und es ist so, dass in unterschiedlichen Untersuchungen gezeigt werden konnte, dass die Erniedrigung des Eisenwertes im Blut mit einer systemischen Entzündung korreliert.

Speaker: Also zum Beispiel bei Pferden mit Peritonitis, intestinaler Entzündung oder Pneumonie finden wir erniedrigte Werte.

Speaker: Und eben, dass der Wert auch niedrig bleibt, solange die systemische Entzündung besteht.

Speaker: Wir kommen nachher noch mal darauf, warum das eigentlich so ist.

Speaker: Wir besprechen ja heute eine virale Infektion.

Speaker: Jetzt gibt es zu der Veränderung der Eisenkonzentration im Blut und Corona beim Pferd keine Studien.

Speaker: Und ich habe mir stellvertretend dafür eine Untersuchung zur Herpesinfektion und der Eisenkonzentration angeschaut.

Speaker: Diese Pferde waren intranasal infiziert worden und über 14 Tage wurden täglich Blutproben genommen und unter anderem der Serum-Eisenwert bestimmt.

Speaker: Okay, und wie veränderte sich dieser?

Speaker: Innerhalb von 24 Stunden sank der Serum-Eisenwert deutlich ab.

Speaker: An den Tagen 2 und 6 nach der Infektion waren die Tiefpunkte erreicht, parallel zu dem, was wir immer kennen, zweigipfligen Fieber beim Herpes.

Speaker: Und nur so zum Vorstellen, der Wert lag an Tag 2 bei 34% des Ausgangswerts.

Speaker: Also schon eine deutliche Veränderung.

Speaker: Sinkt stark, ja.

Speaker: Und wann stieg die Konzentration wieder?

Speaker: Also so ungefähr vier Tage nach jedem Abfall stieg die wieder an.

Speaker: Und das ist natürlich abhängig vom Krankheitsverlauf.

Speaker: In dieser Studie erkrankten die Pferde auch neurologisch.

Speaker: Aber es gibt über diesen Wert keinen Hinweis darauf, ob das Pferd schwerer erkrankt oder nicht.

Speaker: Also wenn der Eisenwert extrem niedrig ist, heißt das jetzt nicht, das Pferd muss neurologisch erkranken.

Speaker: Und der zeitliche Verlauf der Veränderung dieser Eisenkonzentration im Blut ähnelte dem, welcher bei einer bakteriellen Infektion schon vorher festgestellt worden war.

Speaker: Jetzt haben wir ja schon andere Entzündungsparameter genannt.

Speaker: Es gibt ja die Leukozytenanzahl, das SAA und Fibrinogen.

Speaker: Und wie sieht denn der Eisenwärts im Vergleich zu diesen Parametern aus?

Speaker: Gibt es da einen Vorteil?

Speaker: Also im Vergleich zu den Leukozyten konnte in einer Untersuchung bei Warmblütern mit systemisch entzündlicher Erkrankung eine klare Unterscheidung zwischen gesund und krank über den Eisenwert erfolgen, nicht jedoch über die Leukozytenanzahl.

Speaker: Im Hinblick aufs Fibrinogen bietet Eisen den Vorteil, dass es schneller reagiert.

Speaker: Es zeigt also ein akutes Krankheitsgeschehen schneller an als Fibrinogen.

Speaker: Und dann ist es noch so, dass Fibrinogen auch langsamer auf eine Besserung des Entzündungsgeschehens reagiert, also sich da langsamer wieder normalisiert.

Speaker: Bei dem Vergleich zu SAA sieht es etwas anders aus.

Speaker: Der Zeitverlauf der Konzentrationsveränderung bei einer induzierten Endotoxinämie war zunächst gleich.

Speaker: Der Eisenwert normalisierte sich dann allerdings schneller, innerhalb von 48 Stunden, wogegen SAA über 72 Stunden erhöht blieb, also ein ganzes Stück länger.

Speaker: Das heißt, der Eisenwert könnte somit den Krankheitsverlauf etwas genauer darstellen als SAA.

Speaker: Allerdings müssen wir sagen, dass Eisen auch mehr Störgrößen unterliegt als zum Beispiel der SAA-Wert, wie zum Beispiel bei Hämolyse, bei Lebererkrankungen oder auch bei der Gabe von Glucocorticoiden.

Speaker: Diese Faktoren können den Eisenwert erhöhen und so einen entzündungsbedingten Abfall eben maskieren.

Speaker: Jetzt stellt sich natürlich die Frage, warum sinkt der Eisenwert bei einer bakteriellen oder viral bedingten systemischen Entzündung denn ab?

Speaker: Jetzt kommt Nerdivissen.

Speaker: Man glaubt ja nicht, was alles beim Pferd untersucht wurde.

Speaker: Also es existiert ein Regulator des Eisenmetabolismus, welcher zu dieser Erniedrigung der Eisenkonzentration im Serum während einer Entzündung führen soll.

Speaker: Das ist Hepzidin.

Speaker: Dieses Peptid bindet an einen Eisenexportkanal der Zellen, vor allem der Makrophagen und der Darmepithelzellen.

Speaker: Wenn diese Kanäle blockiert werden, bleibt das Eisen in den Zellen und der Plasmaspiegel fällt.

Speaker: Das wurde in der Leber beim Pferd auch nachgewiesen.

Speaker: Die Pferde hatten intravenös bakterielles Endoxin verabreicht bekommen.

Speaker: Und dann wurde sechs Stunden nach der Gabe der Endotoxine festgestellt, dass die Messenger-RNA-Expression von Hepzidin in der Leber signifikant erhöht war.

Speaker: Und zwei Stunden später, nach diesem Anstieg der Expression, war der Plasma-Eisenwert signifikant niedriger.

Speaker: Und jetzt kommt natürlich die Frage, was bringt denn dem Organismus ein niedriger Eisenwert bei einer Infektion?

Speaker: Das ist ja echt eine gute Frage.

Speaker: Das habe ich auch gefragt.

Speaker: Warum?

Speaker: Muss der Eisenwert sinken?

Speaker: Also Eisen ist für Bakterien und Viren zum Überleben einfach wichtig.

Speaker: Und somit versucht der Organismus, so schlau er ist, die Bakterien am Wachstum verhindern.

Speaker: Das ist ein Faktor, wo Eisen benötigt wird bei den Bakterien.

Speaker: Und das Virus braucht das Eisen zur Replikation.

Speaker: Die Verringerung dieses Eisenwertes gilt als sogenannter primitiver Abwehrmechanismus.

Speaker: Ich fand das echt spannend.

Speaker: Tut mir ja leid, wenn ihr jetzt diesen Nerdy-Ausflug mitmachen musstet, aber ich fand es einfach spannend zu wissen, warum so ein Eisenwert bei einer systemischen Entzündung fällt, wenn Viren und Bakterien beteiligt sind.

Speaker: Ja, ich finde es auch spannend und einfach auch gut, den nochmal sozusagen ein bisschen in Erinnerung zu rufen.

Speaker: wie uns der Eisenbeer eben weiterhelfen kann.

Speaker: Ja, absolut.

Speaker: Genau, und dazu jetzt noch die Frage, gibt es noch Einschränkungen, wenn wir diesen Wert verwenden wollen?

Speaker: Also wir hatten ja schon gesagt, Hämolyse und Lebererkrankungen können den Wert verändern.

Speaker: Gibt es noch weitere Punkte, die wir beachten müssen?

Speaker: Ja, also beim neonatalen Fohlen ist er nicht aussagekräftig.

Speaker: Bis zum 14.

Speaker: Lebenstag können wir den nicht verwenden als Parameter.

Speaker: Ein bisschen schade, aber da nicht.

Speaker: Sondern eben erst ab dem 14.

Speaker: Tag.

Speaker: Okay.

Speaker: Und reagiert der Eisenwert tatsächlich nur auf infektiöse Erkrankungen?

Speaker: Ja, dankeschön.

Speaker: Jetzt musst du das auch noch fragen.

Speaker: Jetzt ist nämlich die ganze schöne Hepzidin-Theorie hin, weil...

Speaker: Die haben 1987 bei Ponys einen Versuch durchgeführt und sie haben Terpentin intramuskulär verabreicht und da sank der Wert auch innerhalb von 24 Stunden.

Speaker: Also wir können nicht nur sagen, es sind Viren und Bakterien.

Speaker: Es reagiert auf eine systemische Entzündung.

Speaker: Er reagiert nicht auf eine lokale Entzündung, wie bei Äquien im Asthma.

Speaker: Da reagiert er nicht drauf.

Speaker: Aber...

Speaker: Ich meine, Terpentin ist kein Virus und kein Bakterium und trotzdem sank er.

Speaker: Wir müssen das schon noch im Hinterkopf haben, dass es nicht nur Viren und Bakterien sein müssen.

Speaker: Okay, gut.

Speaker: Dann können wir auf alle Fälle festhalten, dass typische Blutbildveränderungen bei einer Corona-Infektion in der Regel eine Leukopenie mit Lymphopenie und oder Neutropenie sind.

Speaker: Und allgemein, dass eine Verringerung der Eisenkonzentration im Blut auf eine systemische Entzündung hinweist, unabhängig ob durch Bakterien oder Viren verursacht.

Speaker: Der Eisenwert zeigt diese Entzündung sensitiver an als die Leukozytenanzahl, reagiert schneller als das Fibrinogen und zeigt etwas besser die Verbesserung der systemischen Entzündungsreaktion an als der SAA-Wert an.

Speaker: Okay, kommen wir wieder zur Corona-Erkrankung zurück.

Speaker: Wir können ja auch, wenn wir Anzeichen einer gastrointestinalen Erkrankung haben, eine Ultraschalluntersuchung machen.

Speaker: Auch dazu gibt es Veröffentlichungen, wo Befunde beschrieben worden sind, die allerdings sehr ähnlich denen sind, die wir eben typischerweise bei gastrointestinalen Erkrankungen finden können.

Speaker: Also jetzt nichts Spezifisches für Corona.

Speaker: Und die Befunde waren auch relativ selten bei den betroffenen Pferden.

Speaker: Genau.

Speaker: Schade eigentlich, ne?

Speaker: Ja.

Speaker: Ultraschall bringt uns nicht weiter.

Speaker: Genau.

Speaker: Also Anja, du hast dir doch eine Untersuchung aus dem Jahr 2022 angeschaut, in welcher die Verteilung der Coronavirus-RNA im Atmungs- und Darmtrakt nach Infektion über die Zeit erfasst wurde.

Speaker: Ja genau, die wollten über das Studiendesign nachvollziehen, wann das Virus sich wo befindet.

Speaker: Und?

Speaker: Also man traut sich gar nicht zu sagen, was das für eine Studie war.

Speaker: Also sie haben die Pferde infiziert und haben dann die zu unterschiedlichen Zeitpunkten euthanasiert.

Speaker: Also ich sage immer mal wieder, das kann nur klappen, weil das Corona war in der Zeit.

Speaker: So und am dritten Tag nach der Infektion waren große Virusmengen nachweisbar vom Jejunum bis zum Cekum.

Speaker: Jetzt an Tag 5 und 7 vom Duodenum bis zum Rektum.

Speaker: Jetzt muss man sagen, mir fehlte auch das Duodenum.

Speaker: Das ist ja eigentlich vor dem Iunum.

Speaker: Das waren eben unterschiedliche Pferde.

Speaker: Also geht halt nicht anders.

Speaker: Aber es war schon so, dass die Infektion im Dündern beginnt und dann weiterzieht Richtung Rektum.

Speaker: Und ab dem 14.

Speaker: Tag waren die Zahlen rückläufig.

Speaker: Okay.

Speaker: Und wie sah es im Bereich der Atemwege aus?

Speaker: Also die Tracheaproben waren bei allen Pferden negativ.

Speaker: Es zeigte sich bei einem Pferd eine positive Lungengewebsprobe.

Speaker: Aber die Gewebefärbung fand keine infizierten Lungenzellen.

Speaker: Dieses Pferd hatte zeitgleich eine Viremie und die Lunge war bei der Sektion stark mit Blut gefüllt.

Speaker: Damit geht man eigentlich davon aus, dass die Virus-RNA wahrscheinlich aus dem Blut in der Lunge stammte und nicht aus einer Infektion des Lungengewebes.

Speaker: Was auch interessant war, dass bei diesen Pferden die Corona-positiven Zellen hauptsächlich an der Darmenoberfläche nachweisbar war.

Speaker: Was natürlich dann erklärt, warum der Krankheitsverlauf in den meisten Fällen so milde ist.

Speaker: Bei den schweren Fällen von vorhin, bei den Miniaturpferden,

Speaker: ist ja auch eine Sektion durchgeführt worden, da saß das Virus nicht an der Oberfläche, sondern tief in den Drüsenzellen.

Speaker: Und jetzt haben wir ja echt viel über das Virus gesprochen, aber das, was eigentlich ja alle Tierärzte interessiert, noch überhaupt nicht über Therapie gesprochen.

Speaker: Wie sieht das denn aus, Nora?

Speaker: Ja, das ist ja nicht so schwierig.

Speaker: Also zumindest, wenn wir es mit den geringgradigen Fällen zu tun haben, die es häufig gibt, dann ist in der Regel nur eine fiebersenkende und entzündungshemmende Therapie über 24 bis 48 Stunden notwendig.

Speaker: Wenn wir jetzt Patienten haben mit Kolik persistierende Anorexie oder Diarrhoea,

Speaker: Dann sollte eine intensive Therapie mit Flüssigkeits- und Elektrolytgaben erfolgen, je nachdem per Nasenschlundsonde oder auch intravenös, wenn der Verdacht besteht, dass die Darmschranke nicht mehr intakt ist, gegebenenfalls auch mit Antibiotika.

Speaker: In manchen Fällen haben wir es ja mit einem Ausbruchsgeschehen zu tun.

Speaker: Was sind denn dann die empfohlenen Managementmaßnahmen?

Speaker: Ja,

Speaker: Das sagt sich jetzt immer so einfach, dass ich sag's mal, wie es vorgeschrieben wäre.

Speaker: Alle erkrankten Pferde und alle PCR-positiven, auch klinisch nicht erkrankten Pferde sollten isoliert werden.

Speaker: Und jeder, der hier zuhört, weiß, dass es unfassbar schwierig ist, in den Stellen zu organisieren.

Speaker: Es ist immer leicht dahergesagt, aber es ist echt schwierig, vor allem, wenn die Pferde ja gar nicht so schwer krank werden.

Speaker: Es ist wirklich schwierig, glaube ich, das durchzusetzen.

Speaker: Und jetzt kommen wir nochmal zu den stillen Ausscheidern.

Speaker: Es geht ja dann auch immer darum, wie lange sollen die denn dann in Quarantäne?

Speaker: Und bei den stillen Ausscheidern gab es Pferde, die 98 Tage lang dieses Virus im Kot ausschieben.

Speaker: Also da weiß ich überhaupt nicht, wie man 98 Pferde, Quatsch, wie man 98 Tage die Pferde in Quarantäne setzen soll.

Speaker: Also wie man da Besitzer zu kriegen soll.

Speaker: Normalerweise machen wir ja zwei bis drei Wochen, das kriegt man vielleicht noch hin, aber

Speaker: 98 Tage, ich habe keine Ahnung.

Speaker: Das Endergebnis aus dieser Überlegung ist einfach nachtesten.

Speaker: Immer mal wieder nachtesten, um eben zu gucken, ob man einen mit so einer langen Ausscheidungsdauer hat.

Speaker: Im Hinblick auf die Desinfektion ist Corona empfindlich gegenüber Hitze und den üblichen Desinfektionsmitteln.

Speaker: Da gibt es keine Besonderheiten.

Speaker: Und jetzt nicht speziell für das Äquine-Coronavirus.

Speaker: Das Coronavirus überlebt auf Oberflächen bis zu 120 Stunden und im Abwasser bis zu zwei Tage.

Speaker: Aber wir wissen alle von Covid noch, bei kälteren Temperaturen sind diese Zeiten deutlich länger.

Speaker: Also zum Beispiel im Kot hält sich das Virus dann bei 4 Grad Celsius über mindestens 17 Tage.

Speaker: Musik

Speaker: Okay, gut.

Speaker: Dann würde ich sagen, wir fassen jetzt nochmal alles zusammen.

Speaker: Wollen wir uns abwechseln?

Speaker: Ja.

Speaker: Okay, ich fange an.

Speaker: Also das Äquine-Coronavirus ist ein enterales Virus, das vor allem adulte Tiere betrifft.

Speaker: Fohlen erkranken meist nur in Kombination mit anderen Erregern.

Speaker: Die Prävalenz je nach Region, Alter und Jahreszeit schwankt zwischen 2,3 bis sogar 82 Prozent.

Speaker: Die Morbidität bei Ausbrüchen zwischen 84% und die Mortalität in der Regel zwischen 0% bis 13%.

Speaker: Wir hatten einen Ausbruch mit diesen Ausrutschern mit 27%.

Speaker: Zur Klinik Fieber, Anorexie, Lethargie, seltener Durchfall oder Kolik.

Speaker: Viele stille Ausscheider.

Speaker: Schwere Verläufe mit Enterocolitis, Endotoxinämie und hyperammonemischer Enzephalopathie sind möglich.

Speaker: Diagnostik, quantitative PCR aus dem Kot, Nasentupfer sind ungeeignet.

Speaker: Die Ausscheidung beginnt nach Infektion nach drei bis sieben Tagen.

Speaker: Die Symptome nach Ansteckung.

Speaker: treten nach zwei bis vier Tagen auf.

Speaker: Daher kann es immer sein, einen negativen Befund erstmal zu erzielen, das heißt nachtesten.

Speaker: Im Blutbild fällt eine Leuko-, Neutro- und Lymphopenie auf.

Speaker: Wir haben über das Serumeisen als Marker für eine systemische Entzündung gesprochen.

Speaker: Das Serumeisen reagiert sehr schnell auf eine systemische Entzündung und zeigt auch relativ gut an, wenn sich diese wieder bessert.

Speaker: Und jetzt im End nochmal zu betonen, bei einem Pferd, was nur Fieber aufweist und Anorexie, ist eine Untersuchung auf Corona absolut sinnvoll und nicht nur den klassischen Nasentupfer zu nehmen, den wir sonst immer nehmen, sondern auch eine Kotprobe nehmen, es kann Corona sein.

Speaker: Therapie und Management, meist nur symptomatisch über 24 bis 48 Stunden, bei Kolik oder Durchfall, eventuell intensive Flüssigkeitstherapie, Isolation positiver Tiere, Quarantäne zwei bis drei Wochen, Ausscheidung bis 98 Tage möglich.

Speaker: Das Virus ist Hitze- und Desinfektionsmittel empfindlich und überlebt in Kälte deutlich länger.

Speaker: So, jetzt wisst ihr ganz, ganz viel über Corona.

Speaker: Und wie immer am Ende des Podcasts gibt es ja eine Rubrik, es läuft nicht immer ganz so, wie wir uns das vorstellen in der Praxis.

Speaker: Und diesmal hat Nora eine Geschichte mitgebracht.

Speaker: Genau, wir haben ja gehört, es kann auch zu Durchfall kommen.

Speaker: Und ich hatte mal einen Patienten, der hatte, glaube ich, keinen Durchfall, aber ordentlich Kotwasser, den ich rektal untersuchen musste.

Speaker: Und dann ist das passiert, was manchmal passiert, dass ich danach leider ziemlich viel davon auf der Hose hatte und auch keine Wechselhose mehr im Auto.

Speaker: Und als ich nach Hause kam, dann war mein Kind ziemlich entsetzt.

Speaker: Und dann hatten wir eine ganz lange Phase,

Speaker: wo sie immer an der Tür stand, wenn ich heimkam und wusste, ich war beim Patienten.

Speaker: Und sie stand immer so halb in Deckung im Türrahmen und hat von weitem gefragt, Mama, wurdest du heute wieder angekackt?

Speaker: Ich bin ja schon fasziniert, dass du eine Hose extra mithast.

Speaker: Ich habe nie Ersatzklamotten mit.

Speaker: Ich komme dann immer so nach Hause.

Speaker: Also mein Mann hat auch schon mal angedeutet, ob wir nicht eine Schmutzschleuse anbringen könnten, dass ich über den Keller reinkomme, statt über die Haustür.

Speaker: Also auch bei uns gibt es manchmal Diskussionen.

Speaker: Und ich bin schon mal nach einer Horror-Euthanasie so zum Elternabend gegangen.

Speaker: War auch schön.

Speaker: Also wirklich hatte auch keine Ersatzklamotten mit und war sonst zu spät.

Speaker: Und war dann, die ersten 20 Minuten des Elternabends ging es dann erstmal nur darum, über das Berufsbild eines Tierärztes oder einer Tierärztin in der Pferdepraxis.

Speaker: Genau, war sehr...

Speaker: Ja, so das sauberste Beruf haben wir nicht.

Speaker: Ich habe mich sehr gefreut, dass du heute mit dabei warst.

Speaker: Spannendes Thema, der Coronavirus.

Speaker: Und dann hoffe ich, dass wir uns bei einer Folge, ich sage es ganz ehrlich, ich weiß noch nicht, wann die kommt.

Speaker: Wir haben eine Folge vor zu Haben wir immer schon so gemacht?

Speaker: Und dann wollten wir mal gucken, was es da eigentlich für Studienergebnisse gibt bei so den Themen, die haben wir immer schon so gemacht.

Speaker: Ja, auf das Thema freue ich mich, weil das ist tatsächlich sehr spannend.

Speaker: Und ja, ich habe mich auch sehr gefreut, dass ich heute mal live dabei sein konnte.

Speaker: Dann bis zum nächsten Mal.

Speaker: Ja, tschüss, bis zum nächsten Mal.

Speaker: So, jetzt sind wir am Ende der 14.

Speaker: Folge des Podcasts Equal Vet News angekommen.

Speaker: Wir hoffen, dass es euch gefallen hat und dass ihr das nächste Mal auch wieder reinhört.

Speaker: Die Quellenangaben findet ihr wie immer in den Shownotes.

Speaker: Wenn ihr Anmerkungen oder Themenwünsche habt, schreibt mir gerne an anjagabe.pferdepraxishofan.com oder über Instagram bei Equal Vet News.

Speaker: Und wie immer, wir wünschen euch kooperative Patienten und ruhige Nächte.

Speaker: Bis bald.

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