Transcript
Speaker: Wir möchten heute einmal ein anderes Format ausprobieren.
Speaker: Statt tief in die einzelnen Studien einzusteigen, fassen wir euch heute kompakt zusammen, was wir zu den Raufutteralternativen bei Äquinem Asthma in der letzten Folge besprochen haben.
Speaker: Also wir gehen auch hier jetzt auf bedampftes Heu, gewässertes Heu, Heulage und auch auf die Pellets ein.
Speaker: ohne die ganzen Studiendetails, aber mit allen wichtigen Ergebnissen und unserer Einordnung dazu.
Speaker: Genau.
Speaker: Und wer es genauer wissen will, also sprich dann doch an dem Studiendesign, den Populationen und allen weiteren Details interessiert ist, der kann natürlich die ausführliche Version nach wie vor bei Spotify hören.
Speaker: Das hier ist jetzt die Kurzfassung zum schnellen Nachhören oder Neureinhören.
Speaker: Ihr hört den Podcast Equine Vet News, heute wie immer mit Dr. Anja Gabe, dem Host dieses Podcasts und mit mir Dr. Caroline Wirth.
Speaker: Fangen wir mit dem Klassiker an, Anja, bedampftes Heu.
Speaker: Danke.
Speaker: Bedampfendes Heus reduziert Keim, Schimmelpilz und Staubbelastung sehr deutlich.
Speaker: Unter Praxisbedingungen realistisch um etwa 70 bis 90 Prozent.
Speaker: Das ist natürlich abhängig von der Ausgangsqualität des Heus.
Speaker: Der große Vorteil, diese Reduktion hält über 24 Stunden an.
Speaker: Und wie wirkt sich das klinisch aus beim Pferd?
Speaker: Ja, im akuten Asthma-Schub bei hochgradigen Asthmatikern verbesserte die Fütterung vom bedampften Heu die Klinik, die BAL-Zytologie, Lungenfunktion und den Mukus-Score.
Speaker: Allerdings schwächer ausgeprägt als bei reiner Pellet-Fütterung,
Speaker: Und eine Restobstruktion blieb bestehen und die Lungenfunktion wurde im Laufe der Zeit auch wieder etwas schlechter.
Speaker: Dann erfolgte eine Untersuchung bei Pferden mit hochgradigem Asthma in Remission.
Speaker: Also die Pferde waren nicht in einem Asthmaschub, sondern klinisch unauffällig.
Speaker: Und auch in Hinblick auf Lungenfunktion und in Hinblick auf die Ergebnisse der BAL.
Speaker: Das war erzielt worden durch reine Weidehaltung und falls es notwendig war, wurde dann zusätzlich Heulage gefüttert.
Speaker: Unabhängig, ob die Pferde bedampftes Heu oder trockenes Heu erhalten hatten, blieben sie klinisch unauffällig, aber Lungenfunktion und die Neutrophilie der BALF verschlechterten sich über die Zeit.
Speaker: Unabhängig, ob trockenes oder bedampftes Heu gefüttert worden war.
Speaker: Okay, und was heißt das jetzt für uns?
Speaker: Ja, eigentlich zwei Punkte.
Speaker: Also erstmal, dass obwohl die Klinik unauffällig ist, die Möglichkeit besteht, dass die Lungenfunktion sich langsam verschlechtert und auch eine BALF-Neutropholie vorhanden ist.
Speaker: Obwohl wir von außen gar nicht sehen, spielt sich in den Bronchien schon wieder etwas ab.
Speaker: Und dass unter der Fütterung von bedampften Heu, also eigentlich einer idealen Lösung, weil Staub und Keime zuverlässig gesenkt werden, eine schleichende, zunächst unbemerkte Verschlechterung des Äquinen-Asthmas auftreten kann.
Speaker: Für mich würde das natürlich erklären, warum gut eingestellte Pferde
Speaker: wieder eine unerwartet deutliche Klinik entwickeln, wenn in der Außenwelt noch ein Faktor wie Feinstaub oder Pollen dazukommt.
Speaker: Also auch wenn wir jetzt eigentlich nur einen kurzen Überblick geben wollen, aber was geben denn die Autorinnen der Studie als mögliche Ursache dafür an?
Speaker: Das würde mich interessieren an der Stelle.
Speaker: Ja, das war schon eine intensive Diskussion.
Speaker: Kurz gesagt...
Speaker: Sie haben zugegeben, eventuell war das Heu doch nicht perfekt bedampft.
Speaker: Oder Pilz- und Bakterienzellwandfragmente können im Heu weiterhin als Antigen wirken und diese geringgradige Entzündung aufrechterhalten.
Speaker: So, das sind wir jetzt schon fertig mit dem bedampften Heu.
Speaker: Caro, machen wir mit dem gewässerten Heu weiter.
Speaker: Also gewässertes Heu.
Speaker: Wässern über 10 bis 30 Minuten, sprich im Wasser liegen, nicht mit der Gießkanne bewässern, reduziert atemwegsgängige Partikel deutlich.
Speaker: Unter Laborbedingungen hat man Werte bis zu 90 Prozent.
Speaker: Unter realen Bedingungen, direkt in der Atemzone des Pferdes gemessen, hat man so Werte zwischen 60 bis 70 Prozent.
Speaker: Die Schimmelpilzreduktion ist uneinheitlich und insgesamt auf jeden Fall schwächer als beim Bedampfen.
Speaker: Und wie sieht das mit den Bakterien aus?
Speaker: Direkt nach dem Wässern sank interessanterweise die Keimzahl fast auf null teilweise.
Speaker: Das Problem, der Effekt hielt natürlich nicht an.
Speaker: Nach spätestens sechs Stunden war die Keimzahl wieder auf dem Niveau vom trockenen Heu, teilt sogar darüber.
Speaker: Und die Anzahl von Häfen, die stieg innerhalb von sechs Stunden Liegezeit sogar überhalb des Richtwertes an.
Speaker: Also, gewässertes Heu sollte deshalb zügig verfüttert werden.
Speaker: Und wie waren die Auswirkungen auf die klinische Symptomatik?
Speaker: Ja, die waren tatsächlich deutlich.
Speaker: Es gab eine klinische Verbesserung, die vergleichbar war mit der von reiner Pelletfütterung.
Speaker: Der Lungenwiderstand sank sogar stärker und eine Restobstruktion war am Ende nicht mehr nachweisbar.
Speaker: Der Mukus-Score verbesserte sich tatsächlich ebenfalls.
Speaker: Nur bei den BLF-Neutrophilen zeigte sich keine signifikante Reduktion.
Speaker: Also okay, somit.
Speaker: Gewässertes Heu ist funktionell eine der wirksamsten Alternativen im akuten Asthmaschub, vorausgesetzt das Heu liegt vor der Fütterung über 10 bis 30 Minuten im Wasser.
Speaker: Und das Verfüttern des nassen Heus sollte zeitnah erfolgen.
Speaker: Super, kommen wir zum dritten, zum letzten, die Heulage.
Speaker: Bei Heulage ist die Keim-, Schimmelpilz- und Staubbelastung deutlich geringer als bei trockenem Heu.
Speaker: Immer die Einschränkung, gute Lagerung und gute Herstellung.
Speaker: Der entscheidende Punkt bei unserem Podcast jetzt ist, im Vergleich zu den Studienergebnissen der anderen Alternativen, Heulage ist bisher nur bei geringgradig erkrankten oder klinisch gesunden Pferden untersucht worden, nicht bei Pferden im akuten hochgradigen Schub.
Speaker: Und was sagen die Ergebnisse da?
Speaker: Klinisch war der Effekt in den Studien nicht relevant, aber noch einmal, das waren keine Untersuchungen bei Pferden im akuten hochgradigen Schub.
Speaker: Doch eine reine Pelletfütterung verbesserte die erhobenen Parameter signifikant im Vergleich zur Heulagefütterung.
Speaker: Aber bei den BALF-Neutrophilen zeigt der Heulage durchgehend die stärkste reproduzierbare Reduktion, sogar deutlicher als bei Pellets und bedampften Heu.
Speaker: Der Mukus-Score war auch niedriger als bei trockenem Heu.
Speaker: Was fehlt?
Speaker: Es gibt bisher keine Lungenfunktionsdaten zur Heulage.
Speaker: Okay, und jetzt würde ich sagen zu den Vorwürfen.
Speaker: Botulismus, Karies, Hufrehe, Dysbiose.
Speaker: Was sagst du uns dazu, Anja?
Speaker: Ja, die nehmen wir auch bei der Kurzversion rein.
Speaker: Also, Modulismus ist keine Erkrankung der Heulage an sich, sondern des kontaminierten Futters.
Speaker: Natürlich steigt das Risiko bei Herstellungsfehlern von Heulage, kann aber genauso bei Heu auftreten.
Speaker: Belastbare Prävalenzzahlen fehlen weitgehend.
Speaker: Insgesamt ist die Prävalenz eher gering, aber natürlich die Erkrankung ist sehr schwerwiegend.
Speaker: Auf jeden Fall.
Speaker: Kommen wir zum Karies.
Speaker: Da hält sich das Vorurteil ja sehr hartnäckig.
Speaker: Ja, das ist spannend.
Speaker: Also dieses Vorurteil beruht auf einer älteren Postmortem-Studie bei Pferdeschädeln.
Speaker: Und da wurde Heulagefütterung als vermuteter Risikofaktor genannt.
Speaker: Allerdings ohne tatsächlich erhobene Fütterungsdaten.
Speaker: Das war eine reine Vermutung der Autoren.
Speaker: Neuere Arbeiten zeichneten ein anderes Bild.
Speaker: Eine größere Erhebung stufte Heulage explizit nicht als belegten Risikofaktor ein.
Speaker: Und eine Studie, die den oralen pH-Wert direkt gemessen hat, zeigte, obwohl der Futter-pH von Heulage selbst sauer war, blieb der pH-Wert im Pferdemaul durchgehend alkalisch.
Speaker: Der Speichel pufferte vollständig ab.
Speaker: Heulage erreichte dabei sogar den alkalischsten Wert aller getesteten Futtermittel, alkalischer als Heu.
Speaker: Die Autoren dieser Untersuchungen sehen ihre Daten explizit als Widerspruch zu dieser alten Karieshypothese.
Speaker: Super interessant, Anja.
Speaker: Und was ist jetzt mit unserer gefürchteten Hufrehe?
Speaker: Der Fruktangehalt bei Heulage ist niedriger als bei Heu.
Speaker: Der Gesamtzuckerwert kann teilweise höher liegen.
Speaker: Somit ist schon wichtig, dass bei rehegefährdeten oder erkrankten Pferden der Gesamtzuckerwert analysiert werden sollte.
Speaker: Allerdings gilt das genauso für Heu, da ja aktuell dieses oft zu hohe Zuckerwerte aufweist, also jetzt für ein Rehepferd.
Speaker: Wichtig, im Gegensatz zum Heu, wo wir ja wässern können, um die Kohlenhydratkonzentration zu senken, das geht bei Hollage nicht, dadurch, dass Wässern die Keimbelastung zu stark ansteigt.
Speaker: Okay, kommen wir jetzt zu der Übersäuerung des Darms, vor der ja auch im Netz, genauso wie vor den anderen Themen, ziemlich stark gewarnt wird.
Speaker: Ja, auch da gibt es eine Untersuchung zu.
Speaker: Es wurde direkt eine pH-Messung im Kolon durchgeführt, nach Futterumstellung von Heu auf Heulage.
Speaker: Und es zeigte sich keine Übersäuerung im Sinne einer echten pH-Wertverschiebung.
Speaker: Allerdings, das war so ein Nebenbefund, sank in den folgenden Monaten nach dieser Umstellung die Trockensubstanz der Kolon-Ingäste und des Kots.
Speaker: Das könnte mit dem bei Heulage häufiger beobachteten Kotwasser schon zusammenhängen.
Speaker: Es könnte eine Erklärung sein.
Speaker: Aber warum das so war, wurde in der Studie nicht begründet.
Speaker: Da gingen die Autoren leider nicht drauf ein.
Speaker: So Caro, möchtest du jetzt zur viel zitierten Dysbiose etwas beitragen?
Speaker: Ja, sehr gerne.
Speaker: Also, die Fäkalmikrobiotika, die verändern sich unter Heulage nachweisbar.
Speaker: Das ist so.
Speaker: Das haben mehrere Studien gezeigt.
Speaker: Aber das passiert genauso bei jedem anderen Futterwechsel.
Speaker: Sprich zum Beispiel von Gras auf Heu oder umgekehrt.
Speaker: Entscheidend ist eigentlich...
Speaker: Weder sank die bakterielle Diversität, noch traten die für echte Darmerkrankungen wie Colitis beschriebenen typischen Verschiebungen auf.
Speaker: Ein wirklich pathologisches Muster lässt sich also aus diesen Daten gar nicht ableiten.
Speaker: Hinzu kommt auch noch, dass es für diese Äquine Darmflora ohnehin gar keine validierten Normwerte gibt.
Speaker: Also anders als beim Hund zum Beispiel, haben wir keine etablierten Referenzwerte oder ein Referenzsystem, an dem wir uns orientieren können und das uns normal und pathologisch vorgibt.
Speaker: So, jetzt hoffe ich, dass wir ein bisschen aufgeräumt haben mit den Vorurteilen gegen die Heulage.
Speaker: Unser Fazit, Heulage ist im Hinblick auf die Kontrolle der neutrophilen Atemwegsentzündung aktuell eine sehr wirksame Alternative.
Speaker: Bei allerdings offener Lungenfunktionsfrage ist
Speaker: und deutlich höherer Qualitätsvariabilität als bei bedampften Heu.
Speaker: In den Studien wurden eine alleinige Pellet-Fütterung als Vergleichsgröße genutzt.
Speaker: Jetzt stellt sich natürlich die Frage, ob wir bei einem akuten Asthmachub auch statt Heu die in den Studien genutzten Dozent-Pellets empfehlen können.
Speaker: Was sagst du, Anja?
Speaker: Ja, natürlich, das reizt einen, das zu tun.
Speaker: Die Pellets sind annähernd staub- und keimfrei im Vergleich zu Heu.
Speaker: Allerdings bei den Luzerne-Pellets ist die Fressdauer im Hinblick auf die Magengesundheit zu kurz.
Speaker: Wenn man jetzt statt den trockenen Pellets einfach trockene Luzern-Kops nehmen würde, dann ist die Fressdauer pro Kilogramm länger vergleichbar zu trockenem Heu.
Speaker: Allerdings hat man da natürlich ein höheres Risiko für eine Schlundverstopfung.
Speaker: Also eine Alternative wirklich nur für den Notfall.
Speaker: Ja.
Speaker: Fassen wir das jetzt je nach Behandlungsziel zusammen, Anja.
Speaker: Also gerne.
Speaker: Eine funktionelle Erholung im akuten Schub.
Speaker: Da sind alle drei Alternativen sinnig.
Speaker: Sie senken Staub- und Keimbelastung.
Speaker: Gewässertes und bedampftes Heu zeigt dem akuten Asthmachub eine deutliche klinische Verbesserung.
Speaker: Zur Heulage fehlen für den akuten Schub die Daten.
Speaker: in Hinblick auf Kontrolle der Atemwegsentzündung.
Speaker: Klarer Vorteil schon für die Heulage.
Speaker: Einzige Alternative mit immer wieder reproduzierbarer, signifikanter Reduktion der BALF-Neutrophilen.
Speaker: Nachteil, keine Lungenfunktionsdaten und die hohe Qualitätsvariabilität der Heulage.
Speaker: Hygiene und Praktikabilität.
Speaker: Da ist das bedampfte Heu schon weit vorne.
Speaker: Es hat eine starke Keim- und Staubreduktion und ist alltagstauglich.
Speaker: Nachteil, funktionell etwas schwächer als bei Pellets im Schub und kein zuverlässiger Schutz vor einer Verschlechterung, wenn die Pferde in Remission sind.
Speaker: Klare Botschaft also, es gibt nicht die eine richtige Alternative.
Speaker: Bei allen dreien gibt es Vor- und Nachteile.
Speaker: Siehst du auch so, oder?
Speaker: Ja, genau.
Speaker: So, so schnell waren wir noch nie.
Speaker: Wir sind durch für heute.
Speaker: Ich hoffe, es war kompakt genug, wie besprochen.
Speaker: Super, es hat sich auf jeden Fall kompakt angefühlt.
Speaker: Und wer jetzt Lust auf die Langversion bekommen hat mit all den Studiendetails, die findet ihr natürlich weiterhin bei Spotify.
Speaker: So, wir brauchen jetzt eure Hilfe.
Speaker: Wenn euch diese Kurzversion getrennt von der langen gefallen hat, also wenn wir jetzt immer eine Kurzversion zusätzlich machen sollen, schreibt mir oder auch wenn ihr unsere Podcast eigentlich ein bisschen zu lang findet, dann sagt uns doch bitte Bescheid.
Speaker: Entweder schreibt ihr eine Mail unter anjagabe-at-pferdepraxishofan.com oder ihr könnt mir auch gerne einfach unter Instagram schreiben.
Speaker: Wie immer, wir wünschen euch ruhige Nächte und kooperative Patienten.
Speaker: Vielen Dank an unseren Sponsor dieser Folge, FS Animal Health, Hersteller des Heubedampfers Haygain und Anbieter kostenfreier Seminare.

