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Equine Odontoclastic Tooth Resorption and Hypercementosis (EOTRH) Ätiologie – Symptomatik – Diagnostik – Therapie

Equine Vet News
Equine Vet News

335 plays · Jun 21, 2026

In dieser Folge beschäftigen sich Dr. Anja Gabe und Dr. Laura Schröter mit der chronischen und schmerzhaften Zahnerkrankung EOTRH beim älteren Pferd. Besprochen werden die klinischen Symptome, die histopathologischen Veränderungen sowie die aktuell diskutierten Ursachen der Erkrankung. Dabei werden sowohl die biomechanische Hypothese als auch die mögliche Beteiligung von Bakterien anhand aktueller Studien vorgestellt. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Diagnostik. Es wird die Bedeutung der intraoralen Röntgenuntersuchung erläutert, das Hemisphärenmodell zur Beschreibung der Strahlengänge erklärt und typische radiologische Veränderungen bei EOTRH vorgestellt. Zudem werden aktuelle Forschungsergebnisse zur Korrelation zwischen klinischen und radiologischen Befunden diskutiert. Darüber hinaus geht es um Schmerzanzeichen betroffener Pferde, therapeutische Möglichkeiten und die Indikation zur Zahnextraktion. Abschließend werden aktuelle Studien zu möglichen Risikofaktoren, zur niedrigen Prävalenz von EOTRH bei Islandpferden in Island, zur ätiologischen Relevanz hämatologischer, biochemischer und endokrinologischer Parameter bei EOTRH sowie zu neuen Erkenntnissen aus der Proteomanalyse des Zahnzements vorgestellt. Aetiological relevance of haematological, biochemical and endocrine parameters on equine odontoclastic tooth resorption and hypercementosis (EOTRH) Tretow M, Hain AM, Bienert-Zeit A (2026) Equine Veterinary Journal Equine Odontoclastic Tooth Resorption and Hypercementosis (EOTRH) in Icelandic Horses in Germany: A Correlation Between Clinical and Radiographic Findings Tretow M, Hain AM, Bienert-Zeit A (2025) Journal of Veterinary Dentistry Inflammation and response to bacterial infection as potential drivers of equine odontoclastic tooth resorption and hypercementosis: A proteomics insight Jensen A, Clarke EJ, Nugent Z, Paice E, Gringel I, Yamamoto K, Rocchigiani G, Peffers AJ, Cooper L, Peffers MJ (2025) Equine Veterinary Journal https://equine-vetnews.de/ Quellen unter www.pferdepraxishofheim.com [http://www.pferdepraxishofheim.com/] oder  https://equine-vetnews.de/ Fragen und Anmerkungen unter: anjagabe@pferdepraxishofheim.com

Transcript

Speaker: Zahnbehandlungen gehören für viele von uns ja zu einer der häufigen Behandlungen.

Speaker: In manchen Fällen macht es den Hauptteil der tierärztlichen Praxis aus.

Speaker: Und jeder von uns hat sicher schon die bei älteren Pferden auftretende schmerzhafte Schneidezahnerkrankung EOTRH, also Äquine, odontoklastische Zahnresorption und Hyperzementose diagnostiziert.

Speaker: Und genau dieses ist das heutige Thema unseres Podcasts Equal Bad News.

Speaker: Und wir sind heute Dr. Laura Schröter, welche sich schon vor 16 Jahren auf Zahnbehandlungen einschließlich Zahnextraktion spezialisiert hat und auch ihre Promotionsarbeit galt diesem Thema.

Speaker: Sie ist jetzt mit ihrer Kollegin Dr. Britta Kanter selbstständig in Taunusstein und die Zähne stehen absolut im Mittelpunkt ihrer Praxis.

Speaker: Aber sie erstellt auch Kurzreviews früher für die Pferdeheilkunde und jetzt für die Gesellschaft der Pferdemedizin.

Speaker: Ich muss das nochmal erwähnen, wenn ihr Mitglied der Gesellschaft für Pferdemedizin seid, könnt ihr diese Kurzreferate online einsehen.

Speaker: Also relativ viele, die neuen Artikel, die wir hier besprechen, sind als Kurzreferat auch online veröffentlicht.

Speaker: Ja, Laura, ich freue mich, dass du wieder dabei bist.

Speaker: Ich glaube, es ist jetzt das dritte Mal, oder?

Speaker: Ja, genau, ich glaube auch.

Speaker: Ich freue mich auch wieder dabei zu sein und das Thema ist für mich natürlich besonders spannend, weil es ja genau mein Fachgebiet ist.

Speaker: Und auch heute wieder dabei ist Dr. Anja Gabe, Fachtierärztin für Pferde.

Speaker: Sie ist seit 25 Jahren in Pferdepraxis und Kliniken tätig und beschäftigt sich seit vielen Jahren intensiv mit der veterinärmedizinischen Fachliteratur.

Speaker: Über 25 Jahre verfasste auch sie Kurzreviews für das Kompendium der Pferdeheilkunde und war 15 Jahre für die Auswahl und Bewertung deutsch- und englischsprachiger Fachpublikationen verantwortlich.

Speaker: Und auch sie ist seit Mai 2026 für den gleichen Bereich für die Gesellschaft für Pferdemedizin zuständig.

Speaker: Mit Equine Red News hat sie im September 2025 einen Podcast ins Leben gerufen, der aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse für die Pferdepraxis kompakt und praxisnah aufbereitet.

Speaker: Ziel ist es, tierärztlichen KollegInnen die neuen Studienergebnisse in die Praxis zu bringen.

Speaker: Laura, danke für diese nette Vorstellung.

Speaker: Immer nett, wenn man Sachen über sich mal hört.

Speaker: Wir wollen heute ja über die Äquine odontoklastische Zahnresorption und Hyperzementose und im Folgenden werden wir das immer nur EOTHH abkürzen, sprechen.

Speaker: Wie lange kennen wir diese Krankheit eigentlich überhaupt?

Speaker: Also diese Zahnerkrankung wurde 2008 erst mal von Stassik et al.

Speaker: beschrieben und ist definiert als eine chronische, fortschreitende und hochgradig schmerzhafte Erkrankung, vorwiegend des Zahnhalteapparats der Schneidezähne und in sehr seltenen Fällen auch der ersten Backenzähne, die primär ältere Pferde betrifft.

Speaker: Und wenn wir in diesem Zusammenhang von älteren Pferden sprechen, dann meinen wir Tiere in einem Alter von 15 Jahren und älter.

Speaker: Und welche klinischen Symptome finden wir bei der Maulhüllenuntersuchung?

Speaker: Also welche sind da ersichtlich?

Speaker: In der klinischen Untersuchung finden wir Symptome wie Gingivitis, subgingivale Schwellung, Gingiva-Ulzerationen, eitrige Parodontitis mit Fistelbildung und auch mit Futereinspießung zwischen den Zähnen, Schmerzhaftigkeit der Zähne, Probleme, das äußert sich dann in Problemen beim Abbeißen und teilweise dann auch Lockerung einzelner Schneidezähne.

Speaker: Und in fortgeschrittenen Fällen kann man dann auch schon klinisch eine knollenförmige Vergrößerung der Zahnwurzel erkennen.

Speaker: Und die Erkrankung kann zu Beginn nur einzelne Schneidezähne betreffen, kann sich aber auch auf alle Schneidezähne des Ober- und Unterkiefers ausweiten und sogar auch auf die Kanini.

Speaker: Okay, aber jetzt, also alles, was du jetzt so beschrieben hast...

Speaker: Darauf lässt ja der Name der Erkrankung, also odontoklastische Resorption und Hyperzementose, nicht wirklich schließen.

Speaker: Wie kommt es denn von der Resorption über die Odontoklasten der Zahnwurzeln zu den von dir beschriebenen klinischen Symptomen?

Speaker: Also die Resorption spielt sich früher ab, bevor wir überhaupt äußerlich klinische Symptome erkennen können.

Speaker: Histopathologisch treten die ersten Veränderungen erstmal intraalveolar auf.

Speaker: Smedley et al.

Speaker: beschrieben die histopathologischen Befunde von 17 Pferden mit radiologisch bestätigter EOTHH im Jahr 2015.

Speaker: Da lagen bei 88 Prozent der Pferde Veränderungen in Form einer Lymphoplasma-Zellulären Entzündung mit Fibrose des Periodontalligaments vor.

Speaker: Das ist das Band, welches den Schneidezahn in der Alveole verankert.

Speaker: Und alle Zähne zeigten Resorptionsläsionen.

Speaker: Und diese Resorptionsläsionen werden durch aktive Odontoplasten verursacht, die eine Resorption von Zement, Schmelz und Dentin bedingen, also eine Resorption von außen nach innen.

Speaker: Und wichtig, die Zahnpulpa ist somit erst später im Krankheitsverlauf betroffen.

Speaker: Und gleichzeitig wird aber auch entzündliches Granulationsgewebe und auch eine alivioleere Knochenblüse festgestellt.

Speaker: Okay, das habe ich verstanden.

Speaker: Das erklärt ja jetzt die Resorption.

Speaker: Und die Hyperzementose, ist die eigenschändig oder eher ein Versuch des Körpers, reparativ einzugreifen?

Speaker: Im Moment wird eher davon ausgegangen, dass der Körper versucht, eine Reparation durchzuführen.

Speaker: Und diese wird angestoßen durch die Aktivität der Zementoplasten.

Speaker: Diese ist irregulär und repariert nicht genau die resorptiven Läsionen.

Speaker: Sie ist unkontrolliert und nicht synchron und auch überschießend.

Speaker: Deshalb haben wir dann diese sogenannte Hyperzementose.

Speaker: Okay, das erklärt dann, warum wir in manchen Fällen...

Speaker: nachweisen können, also jetzt im Röntgenbild, dass die Wurzeln sich einfach auflösen und in anderen Fällen bulböse Auftreibungen der Zahnwurzeln vorzufinden sind, oder?

Speaker: Genau, in einem Übersichtsartikel von Hole et al.

Speaker: aus dem Jahr 2018 werden drei radiologische bzw.

Speaker: klinische Erscheinungsformen beschrieben.

Speaker: Einmal haben wir einen hyperzementotischen Typ, dann haben wir einen resorptiven Typ und dann noch einen Mischtyp.

Speaker: Und in der Praxis tritt am häufigsten der Mischtyp auf.

Speaker: Ja, okay, dann fasse ich jetzt einmal ganz kurz zusammen.

Speaker: EOTRH ist eine chronische, fortschreitende und schon schmerzhafte Zahnerkrankung älterer Pferde, die vor allem Schneidezähne und Canini betrifft.

Speaker: Die typischen klinischen Symptome sind Gingivitis, Schwellungen und Ulzerationen der Gingiva, Fistelbildungen und eventuell Schmerzen beim Abbeißen sowie lockere Zähne.

Speaker: Histopathologisch finden sich eine chronische Entzündung und Fibrose des Periodontalligaments sowie eine durch Odontoklasten verursachte Resorption von Zement, Schmelz und Dentin.

Speaker: Die auftretende Hyperzementose wird als fehlgeleiteter Reparaturversuch des Körpers angesehen.

Speaker: Okay, also bisher waren die histopathologischen Veränderungen, die du beschrieben hast, ja nur intra-alveolar.

Speaker: Das erklärt ja jetzt, wenn wir lockere Schneidezähne haben oder eventuell auch Frakturen der Zähne.

Speaker: Meistens ja der Zahnwurzel und dann finden wir einen lockeren Schneidezahn.

Speaker: Aber wir haben ja auch Gingivitis und Fistel mit eitriger Sekretion.

Speaker: Wie kommen die denn dann zustande?

Speaker: Also der Parodontalspalt wird eben weiter und dann können dort in diesen erweiterten Parodontalspalt Bakterien eindringen und eine schon bestehende Entzündung wird aufrechterhalten oder sogar verschlimmert.

Speaker: Spielen dann Bakterien bei der Erkrankung eine auslösende Rolle?

Speaker: Ja, also auf jeden Fall besteht die Vermutung, dass bei dem Krankheitskomplex Bakterien eine Rolle spielen.

Speaker: 2014 wurde von Sycora et al.

Speaker: dazu im Equine Veterinary Journal veröffentlicht.

Speaker: Und in der Studie wurde untersucht, ob die bei Menschen und Katzen eng mit hochgradiger Parodontitis verknüpften Bakterien Treponema, Tanerella und Porphyromonas, auch bei Pferden mit ETH vermehrt auftreten.

Speaker: Und wieder ein Zungenbrecher, die Arme Laura.

Speaker: Ja, und haben die die dann auch vermehrt nachgewiesen?

Speaker: Genau, Treponema wurde bei 78,2 Prozent der erkrankten Pferde festgestellt und nur bei 38 Prozent der Kontrollpferde.

Speaker: Tanarella wurde bei 34,8 Prozent der an ETH erkrankten Pferde nachgewiesen und nur bei 19 Prozent der Kontrollpferde.

Speaker: Insgesamt waren 100 Prozent der erkrankten Pferde von einem der drei Bakterien betroffen und nur 42,4 Prozent der gesunden Tiere.

Speaker: Die Autoren gehen aber trotzdem davon aus, dass die Bakterien alleine nicht ausreichen, um eine Krankheit auszulösen.

Speaker: Ja, wir sind jetzt mittendrin in der Äthiologie der Erkrankung und es existieren da eigentlich zwei wichtige Hypothesen.

Speaker: Also einmal die schon beschriebene bakterielle Beteiligung und dann existiert eine biomechanische Hypothese.

Speaker: Diese beruht auf dem Phänomen, das ja mit zunehmendem Alter die Länge der Wurzel abnimmt.

Speaker: Und dadurch verkleinert sich die Verankerungsfläche des Periodontium.

Speaker: Gleichzeitig bleibt natürlich die Kaubelastung gleich.

Speaker: Also wirken Kräfte auf einer viel kleineren Fläche.

Speaker: Dieses kann zu Mikronekrosen im Periodontalgewebe führen.

Speaker: Daraufhin werden Entzündungsmediatoren freigesetzt.

Speaker: Und diese wiederum führen zu einer Rekrutierung und Aktivierung von Odontoklasten.

Speaker: Und damit sind wir bei der Zahnresorption angekommen.

Speaker: Im Moment gilt die Vermutung, dass die reparative Hyperzementose daraufhin folgt, also nach beginnender Resorption.

Speaker: Die Bakterien nutzen dann wahrscheinlich den geschenkten Zahnhalteapparat und verschlimmern das Entzündungsgeschehen und halten es vielleicht dann auch weiter aufrecht.

Speaker: Genau, im Hinblick auf die Bakterien existiert ja eine Studie.

Speaker: Aber gibt es denn auch Studien zu der biomechanischen Hypothese?

Speaker: Ja, schon aus dem Jahr 2013.

Speaker: Das ist echt schon was her.

Speaker: Da wurde eine finite Elemente-Analyse von Schrock et al.

Speaker: durchgeführt.

Speaker: Und in dieser Untersuchung erfolgte eine Analyse der aus der Okklusion resultierenden Druck- und Zugbelastungszonen innerhalb des Periodontalspaltes sowie des umgebenden Alveolarknochens.

Speaker: Und zwar analysiert wurden Schneidezahnreihen eines sechsjährigen und eines 22-jährigen Pferdes.

Speaker: Und entsprechend dieser Ergebnisse waren die Stressregionen bei den älteren Pferden deutlich größer im Vergleich zu dem jüngeren Tier.

Speaker: Die Regionen maximaler Belastung stimmten mit den Regionen von histologisch beschriebenen Initial-Läsionen bei von EOTRH betroffenen Zähnen überein.

Speaker: Und was vermuten die Autoren als Ursache für dieses Belastungsmuster bei den älteren Pferden?

Speaker: Ja, also schon das, was wir eben beschrieben haben.

Speaker: Also, dass die altersbedingte Verkürzung der Reservekrone zu einer deutlichen Reduktion der Ansatzfläche des Periodontalbandes führt.

Speaker: Dadurch müssen die beim Kauen auftretenden Kräfte auf eine kleinere Fläche übertragen werden, was dann lokal zu höheren Spannungen, Dehnungen und in dieser Studie gemessenen Strain Energy Densities führt.

Speaker: Was ja spannend ist, dass wir betroffene Hengstzähne haben.

Speaker: Die haben ja eigentlich gar keine Belastung.

Speaker: Die unterliegen ja gar keiner mechanischen Belastung.

Speaker: Und entsprechend den Ergebnissen von Schrock et al.

Speaker: wurden auch Belastungszonen um diese Hengstzähne festgestellt.

Speaker: Die Autoren gehen davon aus, dass es durch eine Kraftübertragung über den Kieferknochen zu diesen Belastungszonen kam.

Speaker: Und wir wissen ja, dass noch weitere Auslöser der Erkrankung diskutiert werden, wie zum Beispiel Einflüsse der Fütterung, aber auch die Schilddrüse oder der Dysfunktion der Pars Intermedia der Hypophyse.

Speaker: Zu diesen Auslösern ist eine aktuelle Studie veröffentlicht worden und ebenso im Hinblick auf die bakterielle Beteiligung.

Speaker: Und damit beschäftigen wir uns dann im zweiten Teil des Podcasts.

Speaker: Ja genau, das kommt etwas später.

Speaker: Zuvor nochmal ein ganz anderer Gedanke.

Speaker: Die klinischen Symptome, die du beschrieben hast, sind ja eindeutig und sichtbar.

Speaker: Das ist ja dann klar zu diagnostizieren.

Speaker: Wir wissen allerdings von Studien, dass radiologische und auch histopathologisch festgestellte Veränderungen ohne diese eindeutig sichtbaren klinischen Symptome vorliegen können.

Speaker: Gibt es spezifische Verhaltensveränderungen der Pferde, die auf eine vorliegende Schmerzhaftigkeit der Schneidezähne hindeuten können?

Speaker: Zu dem Thema existiert eine interessante Studie aus dem Jahr 2024 von Rainbow et al.

Speaker: In dieser wurden die Verhaltensveränderungen der Pferde vor und nach Extraktion der erkrankten Schneidezähne verglichen.

Speaker: Und was kam da raus?

Speaker: Also entsprechend der Auswertung der Frageböden durch die Besitzer wohlgemerkt, verringerte sich das Heu aus dem Maul fallen lassen, das langsame Fressen, gereiztes Verhalten, Widerstand gegen das Auftrennen und Kopfschlagen beim Reiten.

Speaker: Okay, das wären also Verhaltensweisen, von denen wir jetzt nach dieser Untersuchung ausgehen, die wir bei EOTH beobachten können.

Speaker: Für mich jetzt abgesehen von so einer offensichtlichen Schmerzhaftigkeit der Schneidezähne, also wenn man mit dem Fingernagel draufklopft oder wenn die Pferde echt Schwierigkeiten bekommen, mit den Schneidezähnen die Möhre abzubeißen.

Speaker: Ja genau, das würde ich auch so sehen.

Speaker: Es existieren ja noch spezielle Pain Scores beim Pferd, das hast du dir ja mal genauer angeschaut.

Speaker: Ja, die werden echt mehr.

Speaker: Also es wurde jetzt auch gerade der Konsensus Report der Habemeier Working Group on Equine Pain Assessment veröffentlicht.

Speaker: Diese Gruppe empfiehlt allgemein, also jetzt nicht nur für Zahnerkrankungen, die Anwendung des Equine Pain Scale.

Speaker: Wichtige Punkte bei diesem Pain Scale sind Schmerzgesicht, Aktivität in der Box und was ich ganz spannend finde, ist auch Position in der Box.

Speaker: Also zum Beispiel ein nicht schmerzhaftes Pferd, entsprechend Grad Null, würde an der Boxentür stehen, die Umgebung beobachten.

Speaker: Und Grad 3, so schmerzhaft, steht das Pferd eher in der Mitte, eher mit dem Blick nach hinten oder im hinteren Bereich der Box.

Speaker: Berücksichtigt auch werden bei diesem Pain-Score Körperhaltung, Gewichtsbelastung, Kopfhaltung und Interaktion.

Speaker: Okay, und im Hinblick auf zahnezogene Schmerzen finde ich das Schmerzgesicht ja immer von großer Bedeutung.

Speaker: Und auf was sollten wir und vor allem die BesitzerInnen achten?

Speaker: Ja, also zum Beispiel nach hinten gerichtete Ohren sind Anzeichen für ein Schmerzgesicht, zusammenkneifende Augen, Spannung oberhalb der Augen und angespannte Nüstern.

Speaker: Und ich finde diese angespannten Nüstern ziemlich eindeutig, weil ich finde jetzt ganz klassisch beim Kolika, der nicht so hochgradig schmerzhaft ist, sieht man das schon, dass da so die Nüstern nach oben gezogen werden, dass es so eine Fältelung gibt und die nicht entspannt sind.

Speaker: Und ClearUp et al.

Speaker: hat dazu 2015 veröffentlicht.

Speaker: Und in diesem Paper befinden sich auch sehr anschauliche Bilder.

Speaker: Und der Artikel ist frei zugänglich.

Speaker: Wie immer findet ihr den Link zu den Quellenangaben in den Shownotes.

Speaker: Ja, dann fassen wir schon mal wieder kurz zusammen.

Speaker: Also EOTHH gilt als multifaktorielles Geschehen.

Speaker: Ethiologisch spielen wahrscheinlich sowohl biomechanische als auch bakterielle Faktoren eine Rolle.

Speaker: Mit zunehmendem Alter nimmt die Verankerungsfläche der Schneidezähne ab, wodurch höhere Belastungen auf den Zahnhalteapparat einwirken.

Speaker: Mikronekrosen entstehen, dadurch werden Entzündungsmediatoren freigesetzt und Odontoklasten aktiviert.

Speaker: Und voila, die Zahnresorption beginnt.

Speaker: Und überschießende Reparaturversuche, also Hyperzementose.

Speaker: Durch die Erweiterung des Parodontalspalts können Bakterien eindringen, die Entzündung verstärken oder aufrechterhalten.

Speaker: Die Keime der hochgradigen Parodontose von Mensch und Katze, also Treponema und Tarnarella zum Beispiel, wurden bei an EOTRH erkrankten Pferden deutlich häufiger nachgewiesen als bei gesunden Kontrolltieren.

Speaker: Da die Erkrankung häufig bereits vor sichtbaren klinischen Veränderungen schmerzhaft ist, also bevor wir das bei der Maulhöhlenuntersuchung klar erkennen können, sollte auf frühe Anzeichen wie Heu aus dem Maul fallen lassen, langsameres Fressen oder Widerstand gegen das Auftrensen und Kopfschlagen geachtet werden.

Speaker: Und vielleicht für alle mit jetzt so eine klinische Beobachtung mit aufnehmen, sollte man das Schmerzgesicht mit nach hinten gerichteten Ohren, zusammengekniffenen Augen und angespannten nüstern.

Speaker: Jetzt wissen wir ja, dass die Erkrankung auch ohne äußerlich ersichtliche Symptome schon da sein kann.

Speaker: Und so.

Speaker: um zu beurteilen, ob und wie weit fortgeschritten würden wir jetzt röntgen.

Speaker: Und jetzt gibt es einen kleinen Ausflug in die Röntgentechnik und da gebe ich an Laura ab.

Speaker: Ich weiß, dass für die Beschreibung des Strahlengangs am Kopf des Pferdes das sogenannte Hemisphärenmodell zur Hilfe genommen wird.

Speaker: Wie müssen wir uns das vorstellen?

Speaker: Ja, also man stelle sich den Pferdekopf als eine Erdkugel vor.

Speaker: die durch zwei Ebenen unterteilt wird.

Speaker: Einmal durch eine Horizontalebene auf Höhe der Kaufläche oder auch Oppusalebene des Pferdes, die die Halbkugel in Nord- und Südhalbkugel teilt.

Speaker: Und eine Medianebene, die den Pferdekopf in rechts und links unterteilt.

Speaker: Und mit Hilfe von Gradzahlen wird dann eben angegeben, wo wir uns auf den beiden Ebenen befinden.

Speaker: Mit der ersten Gradzahl gibt man die Angabe auf der Horizontalebene an und mit der zweiten Gradzahl auf der Medianebene.

Speaker: Und am besten schaut man sich dafür mal eine bildliche Darstellung an.

Speaker: Dann ist es nämlich deutlich besser zu verstehen.

Speaker: Und eine sehr schöne und, wie ich finde, sehr verständliche Beschreibung gibt es hierfür im Buch Lehrbuch der Zahnheilkunde beim Pferd.

Speaker: Und der Herausgeber ist Carsten Vogt.

Speaker: Ja, ich habe mir das ja schon mehrmals mal angeguckt.

Speaker: Also mein dreidimensionales Vorstellungsvermögen gehört wirklich nicht zu meinen Stärken.

Speaker: Da habe ich beim Medizinertest schon echt gelust.

Speaker: Ich brauche da jetzt mal ein Beispiel.

Speaker: Also ich möchte die Wurzeln der Oberkäferzähne rechts röntgen.

Speaker: Dafür würde ich die Platte rechts an den Kopf anlegen lassen und meinen Strahlengang

Speaker: käme schräg von oben und etwas von vorne für die vorderen drei Backenzähne oder etwas von hinten für die hinteren drei Backenzähne.

Speaker: Wie beschreibt man das denn jetzt im Hemisphärenmodell?

Speaker: Also, wenn wir vor dem Pferd stehen...

Speaker: dann wäre der Strahlengang 0 Grad, 0 Grad auf der Orklusalebene zwischen den ersten beiden Schneidezähnen.

Speaker: Wenn wir jetzt die Oberkieferbackenzähne röntgen möchten, dann müssen wir uns erst auf der Horizontalebene um ca.

Speaker: 105 Grad nach rechts bewegen.

Speaker: Dann kämen wir etwas von hinten sozusagen.

Speaker: Und auf der Medianebene plus 30 Grad nach oben sozusagen.

Speaker: Okay, ich denke immer noch nach, weil ich meinen Strahlengarten immer an der Christafatialis orientiere.

Speaker: Aber die Medianebene, die du sagst, ist ja dann Oklusalebene.

Speaker: Das heißt, ich gucke schon, wo die Backen- und Unterkieferbackenzähne aufeinandertreffen und gehe von da dann 30 Grad nach oben.

Speaker: Genau.

Speaker: Aber das Kreuz von deinem Röntgengerät, das liegt tatsächlich auf der Christafatialis.

Speaker: Ja, weil die ist einfacher.

Speaker: Die sehe ich dann und dann versuche ich mich wirklich darauf zu fixieren.

Speaker: Also ihr könnt euch die Christa Facialis immer so als Fixpunkt denken auch.

Speaker: Okay, jetzt haben wir ja Oberkieferzähne geröntgt.

Speaker: Ich möchte aber auch Unterkieferbackenzähne röntgen können.

Speaker: Da lege ich ja auch die Platte rechts an.

Speaker: Wir sind immer noch auf der rechten Seite.

Speaker: Jetzt würde ich schräg von unten kommen und auch wieder etwas schräg von hinten oder etwas schräg von vorne.

Speaker: Wie übersetzt du mir das jetzt ins Hemisphärenmodell?

Speaker: Genau, also in diesem Fall würden wir uns auch wieder um 105 Grad nach rechts bewegen auf der Horizontalebene und dann minus 45 Grad nach unten auf der Medianebene.

Speaker: Das ist dann sozusagen ein kleines bisschen steiler als bei den Oberkieferbackenzähnen.

Speaker: Okay, ich habe das verstanden.

Speaker: Also und du sagst immer, das erste ist die horizontale und das zweite ist die mediane, richtig?

Speaker: Genau.

Speaker: Okay.

Speaker: Bei den Schneidezähnen finde ich das ja etwas einfacher, weil da wird die Röntgenplatte zwischen die Schneidezähne geschoben und ich mache eine ventrodorsale Aufnahme.

Speaker: Das ist ja dann ein bisschen einfacher, nicht wahr?

Speaker: Genau.

Speaker: Also zunächst einmal müssen wir das Pferd sedieren, denn ohne Sedation werden die Bilder schlecht und eventuell auch wirklich teuer für euch, wenn die Platte dann zerkaut wurde.

Speaker: Ja, unbedingt.

Speaker: Einen stabilen Kassettenschutz benutzen, auch wenn die Pferde das nicht mögen.

Speaker: Ein Handtuch reicht nicht.

Speaker: Eine gemeinsame Kollegin von uns hat das so probiert und daraufhin war die Platte hin.

Speaker: Das war ein teures Vergnügen.

Speaker: Diese Zahnbilder waren echt teuer.

Speaker: Aber selbst mit einem stabilen Kassettenschutz, also wenn ein Pferd richtig fest dazu beißt, kann auch dieser kaputt gehen.

Speaker: Deshalb gibt es jetzt für die Maulgatter Schneidezahnauflagen aus Kunststoff, durch die wir problemlos durchröntgen können.

Speaker: Und ich muss noch einmal betonen, Anja, es ist absolut notwendig, dass die Pferde tief genug sediert sind.

Speaker: Weil erstens hat man sonst entweder unscharfe Bilder durch die Kaubewegung

Speaker: Und zweitens können diese Kunststoffauflagen, die sind nicht für größere Kaudrücke ausgelegt, also die gehen dann kaputt.

Speaker: Ja, ich weiß, ich sediere die ja einfach nicht so gerne so tief, aber ich muss da echt tiefer sedieren.

Speaker: Ich habe es schon verstanden.

Speaker: Wir haben, glaube ich, noch nicht erwähnt, dass die Platte natürlich echt tief vorgeschoben werden muss, damit wir alle Zahnwurzeln auch darstellen können.

Speaker: Das ist auf jeden Fall wichtig.

Speaker: Man kann schon eine Übersichtsaufnahme machen, wenn man Ventrodorsal schießt.

Speaker: Aber um die Wurzeln jedes einzelnen Zahns wirklich gut darzustellen, müssen wir eigentlich sechs Röntgenaufnahmen machen.

Speaker: Okay, jetzt üben wir nochmal Strahlengänge.

Speaker: Wie müssen die dann sein?

Speaker: Für die Darstellung der 0,1er im Oberkiefer bleiben wir auf der Horizontalebene bei 0.0.

Speaker: und gehen auf der medianen Ebene auf circa plus 45 Grad.

Speaker: Und für die Darstellung der 02er bzw.

Speaker: der 03er bleiben wir bei plus 45 Grad auf der medianen Ebene und gehen aber auf der Horizontalebene jeweils 15 Grad zur Seite.

Speaker: Also 15 Grad plus 45 Grad für den 02er und 30 Grad plus 45 Grad für den 3er.

Speaker: Und genauso gehen wir auch bei den Unterkieferschneidezähnen vor, nur dass wir auf der Medianebene 45 Grad minus nach unten gehen.

Speaker: Und somit haben wir dann für Oberkiefer und Unterkiefer jeweils drei Aufnahmen.

Speaker: Okay, jetzt haben wir wunderschöne Röntgenbilder gemacht.

Speaker: Und welche Befunde erwarten wir denn bei EUTH?

Speaker: Ja, das sagt uns ja der Name der Erkrankung schon.

Speaker: Also wir sehen Veränderungen entsprechend hervorragend.

Speaker: Zahnresorption und oder Hyperzementose, also die Abrundung der Zahnwurzel, Verbreiterung des periodontalen Ligaments, Zahnresorption, die knollenförmige Vergrößerung des intraalveolären Anteils durch röntgendichte Massen,

Speaker: Und manchmal auch eine Lüse des Alveolarknochens oder auch eine Sklerosierung des Alveolarknochens.

Speaker: Also es kann entweder alles einzeln vorkommen oder aber auch alles gleichzeitig an verschiedenen Stellen.

Speaker: Okay.

Speaker: Jetzt haben wir ja schon angedeutet, dass wir intraalveoläre Veränderungen schon haben und wir klinisch gar keine Symptome sehen.

Speaker: Wie ist denn das?

Speaker: Jetzt in Bezug auf die klinischen Symptome und die radiologischen Befunde.

Speaker: Sind die denn dann übereinstimmend?

Speaker: Schön, dass du fragst.

Speaker: Nein, das sind sie nicht.

Speaker: Und genau zu diesem Thema haben wir eine aktuelle Studie aus 2025 von Treto et al.

Speaker: von der Uni Hannover herausgesucht.

Speaker: Der Titel ist Equine Odontoclastic Tooth Resorption and Hypersematosis in Icelandic Horses in Germany, a Correlation between Clinical and Radiographic Findings.

Speaker: Guck mal, das war ein Zuckenbrecher und locker flockig durchgegangen.

Speaker: Wie sind denn die Autoren dabei vorgegangen?

Speaker: Wie haben die das denn untersucht?

Speaker: Also untersucht wurden 154 Islandpferde im Alter von durchschnittlich 20 Jahren aus Niedersachsen.

Speaker: Eingeschlossen wurden nur klinisch gesunde Pferde ohne bekannte PPID und ohne Vorbericht einer EUTRH.

Speaker: Zunächst erfolgte eine detaillierte klinische Untersuchung der vorderen Maulhöhle.

Speaker: Aus den erhobenen Befunden wurde ein klinischer Score erstellt, anhand dessen die Pferde von Stadium 0 bis Stadium 4 eingeteilt wurden.

Speaker: Anschließend wurden digitale intraorale Röntgenaufnahmen der Schneidezähne angefertigt.

Speaker: Und bewertet wurden die Anzahl der betroffenen oder fehlenden Zähne sowie Veränderungen von Zahnform, Zahnstruktur und Zahnoberfläche.

Speaker: Auch daraus wurde ein radiologischer Score berechnet, der die Pferde wiederum in die Stadien 0 bis 4 einteilte.

Speaker: Große Studie.

Speaker: Fangen wir bei der klinischen Maulhöhlenuntersuchung an.

Speaker: Wie waren da denn dann die Ergebnisse bei diesen Pferden?

Speaker: Also nur 11,3 Prozent der Pferde zeigten überhaupt keine klinischen Veränderungen.

Speaker: Dagegen wurden 67,5 Prozent klinisch als EOTRH-positiv eingestuft.

Speaker: Etwa 21 Prozent galten als Verdachtsfälle, weitere 21 waren geringgradig betroffen, 33 Prozent mittelgradig und immerhin 13 Prozent hochgradig betroffen.

Speaker: Am häufigsten fanden die Autoren Zahnstein, danach folgte ein altersuntypischer Gebisswinkel gegen die Wittis, Zahnfleischrückgang und eine Bulbusvergrößerung.

Speaker: Fisteln und lockere Schneidezähne waren deutlich seltener und traten nur bei 19,9 bzw.

Speaker: 16,6 Prozent der Pferde auf.

Speaker: Wie sahen dann die radiologischen Befunde und die Einteilung bei den Pferden aus?

Speaker: Die Verteilung war ähnlich, aber nicht identisch.

Speaker: Radiologisch wurden 15 Prozent der Pferde als gesund eingestuft, 13 Prozent als Verdachtsfälle, 17 Prozent galten als geringgradig erkrankt, 29 als mittelgradig und 26 als hochgradig betroffen von IOTH.

Speaker: Das ist ja jetzt schon spannend, wenn man jetzt überlegt,

Speaker: Die Pferde galten ja als klinisch gesund und auch ohne Vorgeschichte von EUTH.

Speaker: Also dass kein Mensch das vorher irgendwie gedacht hat, dass so viele Pferdebefunde entsprechend EUTH aufwiesen.

Speaker: Zeigten jetzt Pferde mit den klinischen Veränderungen auch immer radiologische Befunde?

Speaker: Das ist ein sehr interessanter Punkt.

Speaker: Selbst bei den 23 radiologisch unauffälligen Pferden gab es bereits klinische Veränderungen.

Speaker: Über 60 Prozent zeigten Zahnspeinbildung, fast 50 Prozent eine geringgradige Gingivitis und mehr als 25 Prozent einen gering- bis mittelgradigen Zahnfleischrückgang.

Speaker: Außerdem wurde bei drei Pferden bereits eine Bulbusvergrößerung festgestellt.

Speaker: Fisteln traten dagegen überhaupt nicht auf.

Speaker: Also für mich würde sich jetzt so der Gedanke auftun, dass einzelne Symptome alleinig nicht ausreichend sind, um diese Diagnose EOTHH zu stellen.

Speaker: Genau, bei den radiologischen Verdachtsfällen, also geringgradige Veränderungen der Zahnstruktur, der Zahnoberfläche oder der Form, unterschieden sich die klinischen Befunde kaum von denen der gesunden Pferde.

Speaker: Bei Röntgengrad 3, also bei deutlichen radiologischen Veränderungen, waren die klinischen Befunde dann eben auch wesentlich deutlicher.

Speaker: Und 90 Prozent der Pferde hatte tatsächlich einen veränderten Gebisswinkel.

Speaker: Über 80 Prozent zeigten Zahnsteinbildung und Bulbusvergrößerungen.

Speaker: 70 Prozent hatten Zahnfleischrückgang und Gingivitis.

Speaker: Und zusätzlich trat bei knapp 30 Pferden bereits eine Fistelbildung auf.

Speaker: Also das heißt, bei Röntgengard 3 hatten wir diese deutlichen klinischen Veränderungen, die du jetzt beschrieben hast.

Speaker: Und Gingivitis?

Speaker: Kann ich das so interpretieren, also diese radiologischen Verdachtsfälle könnten dann auch einfach altersbedingte Befunde sein?

Speaker: Genau.

Speaker: Und welche klinischen Befunde waren statistisch tatsächlich mit EUTH verknüpft?

Speaker: Also die stärksten Zusammenhänge fanden die Autoren für Zahnfleischrückgang, Gingivitis und insbesondere Bulbusvergrößerungen.

Speaker: Ein physiologischer Gebisswinkel bzw.

Speaker: das Fehlen einer subgingivalen Schwellung war mit einem geringeren Risiko für EOTRH verbunden.

Speaker: Und überraschenderweise hatten Zahnsteinbildung und Zahnbeweglichkeit keinen statistisch signifikanten Einfluss auf die radiologische Diagnose.

Speaker: Ja, ich fall jetzt auch so ein bisschen über die Zahnsteinbildung, weil eigentlich hatten wir die bei den klinischen Befunden ja jetzt nicht beschrieben.

Speaker: Warum gehören die zur EUTH dazu oder wie siehst du das?

Speaker: Also laut dieser Studie ist Zahnsteinbildung kein wesentliches Symptom der EUTH.

Speaker: Was ist für dich jetzt so die wichtigste Botschaft aus dieser Arbeit für die Praxis?

Speaker: Also die Studie zeigt ja sehr deutlich, dass einzelne klinische Befunde unspezifisch sind.

Speaker: Also Zahnstein, Gigiwitis oder leichte Veränderungen des Gebirgswinkels kommen auch bei älteren Pferden ohne ETH vor.

Speaker: Aber erst die Kombination mehrerer Symptome erhöht die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung.

Speaker: Und deshalb sollte insbesondere das gemeinsame Auftreten von Gigiwitis, Zahnfleischrückgang, Bulbusvergrößerung und verändertem Gebisswinkel Anlass sein für eine introporale Röntgenaufnahme.

Speaker: Ja, wir müssen echt nochmal betonen, dass viele Veränderungen auch altersbedingt auftreten können.

Speaker: Also es ist nicht alles EUTHH, wenn man so geringgradige Röntgenveränderungen hat.

Speaker: Ganz genau, ja.

Speaker: Also EUTRH wird ja überwiegend bei den älteren Pferden diagnostiziert und gleichzeitig entwickeln die älteren Pferde ja aber auch altersbedingte Veränderungen der Schneidezähne.

Speaker: Ich will jetzt nicht sagen physiologisch, weil das ist ja trotzdem nicht physiologisch, aber altersbedingte Veränderungen der Schneidezähne.

Speaker: Und nicht jede Veränderung des Gebisswinkels und nicht jeder röntgenologische Befund bedeutet automatisch EUTRH.

Speaker: Und die Autoren betonen deshalb, dass sowohl die klinische als auch die röntgenologischen Befunde immer im Gesamtzusammenhang bewertet werden müssen.

Speaker: Und ich wollte noch was dazu sagen, wenn man jetzt die Backenzähne eines älteren Pferdes röntgt, also ich sage mal Backenzähne eines über 20-jährigen Pferdes, da findet man ja auch oft Veränderungen an den Zahnwurzeln der Pferde, ohne dass das klinisch relevant ist.

Speaker: Ja, absolut.

Speaker: Es ist eigentlich ja schon wie auch bei anderen Erkrankungen.

Speaker: Also du hast die klinische Untersuchung, die liefert wichtige Hinweise, aber die endgültige Diagnose ist dann eine Kombination aus klinischer Untersuchung und bildgebend, aber bildgebend alleine ist auch nicht aussagekräftig.

Speaker: Das ist immer in Kombination mit einer Klinik zu sehen.

Speaker: Das haben wir ja eigentlich nicht nur bei den Zähnen, das haben wir ja auch bei anderen Sachen.

Speaker: Ganz genau.

Speaker: Und je mehr typische Befunde eben gemeinsam auftreten, desto wichtiger wird die röntgenologische Abklärung.

Speaker: Okay, ich wiederhole jetzt aber nicht das Hemisphärenmodell bei der Zusammenfassung.

Speaker: Das guckt ihr euch bitte in dem Buch dann doch nochmal an.

Speaker: Ich fasse noch einmal zusammen.

Speaker: Wenn die Schneidezähne geröntgt werden, sollte zur Einzeldarstellung einer Wurzel nicht einfach nur eine Übersichtsaufnahme gemacht werden, sondern

Speaker: mehreren unterschiedlichen Winkeln.

Speaker: Im Hinblick auf Klinik- und Röntgenbefund ist eigentlich alles möglich.

Speaker: Also es gibt klinische Veränderungen ohne radiologischen Befund, es gibt radiologische Befunde und das ist häufiger ohne klinisch ersichtliche Befunde.

Speaker: Ältere Pferde können radiologisch EOTH-entsprechende Veränderungen aufweisen.

Speaker: Die können aber eben altersbedingt sein und müssen daher mit der Klinik beurteilt werden.

Speaker: Sind Befunde wie Gingivitis, Zahnfleischrückgang, Bulbusvergrößerung und veränderter Gebisswinkel gleichzeitig vorhanden, wäre es schon sinnvoll, eine Röntgenaufnahme zu machen.

Speaker: Und die wichtigsten Röntgenbefunde sind abgestumpfte Wurzelspitzen, raue, unregelmäßige Zahnoberflächen,

Speaker: ein intraalveolärer Zahnanteil, der breiter ist als die klinische Krone.

Speaker: So, bevor wir uns mit den Ergebnissen einiger aktuellen Studien befassen, so wie immer, diesmal zur Ursachenfindung von EUTRH, gehen wir kurz auf die Therapie ein.

Speaker: Soll ich das beantworten?

Speaker: Ja, oder wir machen es jetzt ganz einfach und sagen, die Erkrankung ist unheilbar und führt letztlich zwangsläufig zur Extraktion der betroffenen Zähne.

Speaker: Das wäre der einfachere Weg.

Speaker: Ja, vor diesem radikalen Schritt kann man den Besitzerinnen allerdings noch an die Hand geben, das Futter regelmäßig aus dem Zahnzwischenräumen zu entfernen und mit 0,12-prozentiger Chlorhexidin-Lösung zu spülen.

Speaker: Allerdings zum Thema Chlorhexidin hat mir mal eine...

Speaker: Chirurgin aus der Uni gesagt, damit sollen wir bitte sparsam umgehen, weil Chlorhexidin wichtig ist für die Desinfektion in der Klinik.

Speaker: Und die zu häufige Anwendung von Chlorhexidin führt leider mittlerweile auch zu Bakterienresistenzen.

Speaker: Ja, wir hatten das ja als Thema bei der Mauke.

Speaker: Und da wurde empfohlen, Octenidin zu nehmen.

Speaker: Weil das hat noch weniger Resistenzen.

Speaker: Das ist dann Octenisept.

Speaker: Das kann man dann auch wahrscheinlich da verwenden.

Speaker: Wir können natürlich auch...

Speaker: für eine Schmerzreduzierung, also das hat nichts irgendwie mit Heilung zu tun, den schmerzhaften Zahn einkürzen, dass er weniger Druck bekommt.

Speaker: Und jetzt gebe ich ein etwas diskutierfähiges, nein, warte mal, etwas widersprüchliches Thema an Laura weiter.

Speaker: Gibt es noch was anderes als das, was wir jetzt genannt haben?

Speaker: Es gibt noch verschiedene Zusatzfuttermittel mit Vitalpilzmischungen,

Speaker: unterschiedlicher Zusammensetzung von verschiedenen Herstellern, die sich positiv auf die Entzündung des Zahnfleischs und auf die Schmerzhaftigkeit auswirken sollen.

Speaker: Also wurde wohl beobachtet, dass Fisteln zurückgehen und austrocknen und dass es weniger Zahnfleischbrötung und Zahnfleischentzündung gibt.

Speaker: Aber es gibt keine wissenschaftlichen Studien, die diese Wirkung belegen.

Speaker: Und deshalb wird es auch nicht als Medikament, sondern als Zusatzfuttermittel verkauft.

Speaker: Jetzt werden wir ja dann doch extrahieren müssen.

Speaker: Wann entscheidest du dich dafür, die Zähne zu extrahieren?

Speaker: Ja gut, also die Extraktion sollte natürlich trotzdem immer der allerletzte Schritt sein.

Speaker: Da eine Extraktion, auch wenn es in Anführungszeichen nur ein Schneidezahn ist, immer mit Risiken verbunden ist.

Speaker: Aber wenn ein Pferd wirklich über längere Zeit trotz Einschleifen der Schneidezähne, also wenn man die betroffenen Zähne aus dem Druck nimmt, eine mittelgradige oder sogar hochgradige Gingivitis, Parodontitis zeigt und das Pferd offensichtlich Schmerz anzeigt und auch man im Röntgenbild eine mittel- bis hochgradige Hyperzermintose sieht,

Speaker: oder lytische Veränderungen sieht, würde ich den Zahn extrahieren.

Speaker: Man muss natürlich auch immer beachten, dass, wenn man eine Totalextraktion durchführt, dass auch immer Probleme nach sich zieht.

Speaker: Denn einerseits wird natürlich die zukünftige Zahnbehandlung ohne Malgötter sehr schwierig.

Speaker: Und gerade wenn man auch schon Veränderungen im Backenzahnbereich hat und man zieht dem Pferd die Schneidezähne,

Speaker: muss man ja auch immer bedenken, dass durch das Fehlen der Schneidezähne natürlich auch viel mehr Druck auf den Backenzähnen landet und andererseits eben auch die Zunge heraushängen kann.

Speaker: Und dieses Heraushängen der Zunge kann eben auch zu Zungenverletzungen führen.

Speaker: Also wir hatten tatsächlich einen Fall, bei dem ein Pferd mit danach einer Totalextraktion, wo die Zunge raushängt und das Pferd hat sich tatsächlich beim Grasen auf die eigene Zunge getreten.

Speaker: Ja, ich glaube, das haben wir alle schon mal mitgekriegt.

Speaker: Und wir haben ja jetzt gar nicht den Hengstzahn, also den Caninus, erwähnt.

Speaker: Da haben wir beide ja zusammen einen Patienten gehabt, wo die Extraktion von diesem Hengstzahn im Nachhinein echt kompliziert war.

Speaker: Das war ja dann auf ewig einen Fistelgang.

Speaker: Würdest du sagen, bei Hengstzähnen ist das mit mehr Komplikationen verbunden als bei den Schneidezähnen?

Speaker: Auf jeden Fall.

Speaker: Also allein schon die Extraktion ist ja viel schwieriger als die Extraktion vom Schneidezahn.

Speaker: Also beim Hengstzahn würde ich noch länger überlegen, ob ich den Zahn ziehe oder nicht.

Speaker: Ja, nach unserer letzten Erfahrung stimme ich da auch voll zu.

Speaker: Jetzt ganz kurz, weil das ist ja immer eine Frage.

Speaker: Wahrscheinlich wissen das ganz viele, aber ich würde es doch noch einmal kurz fragen wollen.

Speaker: Wenn alle Schneidezähne gezogen worden sind, was können die Pferde ohne Schneidezähne fressen und wo gibt es Probleme?

Speaker: Also sobald die Zahnfächer und das Zahnfleisch komplett ausgeheilt sind, können die Pferde ganz normal fressen.

Speaker: Sie können sogar grasen.

Speaker: Nur manchmal fällt das Fressen aus dem Heulnetz am Anfang etwas schwer, aber die meisten Pferde lernen das dann doch recht schnell.

Speaker: Ja, also ich finde die Zahnbehandlung am schlimmsten und dass sie sich die Zunge verletzen können.

Speaker: Okay, jetzt kommen wir zu den drei aktuellen Studien.

Speaker: Und wie schon die Studie zur Korrelation zwischen Klinik und radiologischen Befunden, stammt auch der im Jahr 2025 veröffentlichte Beitrag von der Arbeitsgruppe um Dr. Astrid Biener-Zeit.

Speaker: Laura, was war Inhalt dieser Studie?

Speaker: Also die Grundlage der Studie war, dass außerhalb Islands das Islandpferd als prädisponiert für die Entwicklung einer ETH gilt.

Speaker: Jetzt stellte sich die Frage, ob das auch bei in Island lebenden Islandpferden so ist.

Speaker: Okay, und wie viele Pferde wurden da beurteilt?

Speaker: Für die Studie wurden 170 in Island lebende Islandpferde in einem Alter von 15 Jahren und älter klinisch beurteilt.

Speaker: Und von 188 Islandpferden die Röntgenbilder beurteilt.

Speaker: Ich habe die ganze Zeit darüber nachgedacht, dass ich echt gerne so eine Doktorarbeit gemacht hätte.

Speaker: Wenn ich mir das überlege, so ins Island 170 Pferde beurteilen, finde ich super.

Speaker: Drei Monate Urlaub in Island.

Speaker: Oh Mann, ja.

Speaker: Okay, was war das wichtigste Ergebnis von der Untersuchung jetzt?

Speaker: Die Prävalenz klinischer und radiologischer EUTRH-ähnlicher Veränderungen war bei den in Island lebenden Islandpferden außergewöhnlich niedrig.

Speaker: Bei dem Vergleich der radiologischen und klinischen Befunde zeigte sich, dass Islandpferde in Island ein 7,8-fach geringeres Risiko aufwiesen, EOTRH zu entwickeln als Islandpferde in Deutschland.

Speaker: In Deutschland waren 72,2 der Pferde radiologisch betroffen, in Island nur 27,7.

Speaker: Das ist echt verrückt.

Speaker: Das ist echt verrückt.

Speaker: Also...

Speaker: Da kommt einem ja sofort der Gedanke, das muss an der Fütterung liegen, weil Islandpferde ja eigentlich den überwiegenden Teil ihres Lebens auf der Weide stehen.

Speaker: Ja genau, das wird diskutiert.

Speaker: Die Islandpferde in Island waren zu 82 Prozent über neun bis zwölf Monate im Jahr auf der Weide.

Speaker: 75% erhielten Mineralfutter und nur 6,4% Kraftfutter.

Speaker: Und die Bedingungen der extensiven Weidehaltung in Island dürften wahrscheinlich zu der sehr niedrigen klinischen und radiologischen Prävalenz von IOTRH bei den Studienpferden beigetragen haben.

Speaker: Und bei diesen Pferden hatte nur das Alter, nicht die Gabe von Kraft- oder Mineralfutter oder die Häufigkeit der Zahnbehandlung einen Einfluss auf die Entwicklung von IOTH und auch nicht die zusätzliche Fütterung von Heu während der Weidezeit.

Speaker: Ja, somit ist wahrscheinlich der 24-stündige Weidegang über diese lange Zeit, also neun bis zwölf Monate, das haben wir ja gar nicht, der Hauptfaktor und keine anderen Fütterungsparameter.

Speaker: Ich denke die ganze Zeit darüber nach, ob die dann auch so fett werden wie bei uns.

Speaker: Also wenn du bei uns so einen Isländer 24 Stunden auf die Weide packst und dann neun bis zwölf Monate...

Speaker: dann haben wir, glaube ich, ein anderes Problem.

Speaker: Das wäre die nächste Studie, um zu schauen, was der Body Condition Score bei diesen Isländern macht.

Speaker: Ja, ich glaube aber, dass auch einfach die Weidegraszusammensetzung in Island eine andere ist als bei uns.

Speaker: Ja, aber sie bewegen sich natürlich viel mehr als bei uns.

Speaker: Bei uns stehen die ja dann auf einer Weide.

Speaker: In Bezug auf für die Entstehung von EOTRH möglicherweise verantwortliche Faktoren sind ebenfalls aus der Forschungsgruppe um Dr. Astrid Biener-Zeit im Jahr 2026 im Equal Veterinary Journal Studienergebnisse veröffentlicht worden.

Speaker: Und das hast du dir auch noch mal genauer angeschaut.

Speaker: Genau, die Autoren haben untersucht, ob hämatologische, biochemische oder endokrinologische Veränderungen mit EOTRH in Zusammenhang stehen.

Speaker: Und dafür wurden insgesamt Daten von 151 Islandpferden im Alter von mindestens 15 Jahren ausgewertet.

Speaker: Die Pferde waren klinisch sowie röntgenologisch untersucht worden und anhand eines standardisierten Röntgenscores die Befunde in verschiedene EOTRH-Stadien eingeteilt.

Speaker: Basierend auf diesen Untersuchungen, wie viele Pferde hatten dann EOTRH?

Speaker: Von den 151 Pferden hatten tatsächlich 109 EOTRH.

Speaker: 23 waren röntgenologisch unauffällig und 19 wurden als Verdachtsfälle eingestuft.

Speaker: Und welche Blutparameter wurden erfasst, außer jetzt der Routineparameter, die wir auch bestimmen?

Speaker: Also neben Blutbild, Blutchemie wurden die Konzentrationen von Selen, Zink, Vitamin A und Vitamin D bestimmt.

Speaker: Und auch endokrinologische Parameter wie ACTH, Insulin und Schilddrüsenhormone wurden bestimmt.

Speaker: Und gab es einen Zusammenhang zwischen irgendeinem dieser Werte und EOTRH?

Speaker: Das Ergebnis kann man ganz knapp zusammenfassen.

Speaker: Es gab keinen überzeugenden Zusammenhang zwischen den untersuchten Blutparametern und EOTRH.

Speaker: Und auch nicht bei den endokrinologischen Parametern?

Speaker: Also wir haben ja alle das Gefühl, dass Pferde mit PPID eher EOTRH aufweisen.

Speaker: Also es gab auch keinen Zusammenhang zu ACTH oder Insulin?

Speaker: Nein, etwa 17 Prozent der Pferde hatten PPID, aber statistisch bestand kein Zusammenhang zwischen PPID und EUTRH.

Speaker: Das ist echt Wahnsinn, ne?

Speaker: Also das bedeutet ja wirklich, EUTRH ist eine lokale Erkrankung der Maulhöhle.

Speaker: Und es waren ja dann, wenn ich das richtig verstehe, auch die Entzündungszellen nicht verändert.

Speaker: Also wir haben auch keine systemische Entzündungsreaktion.

Speaker: Das ist jetzt nicht ganz verwunderlich.

Speaker: Wir haben ja alle schon mal Blut abgenommen bei EUTH-Pferden und da war keine Veränderung.

Speaker: Aber was ja jetzt auch so ein bisschen raus ist, Vitaminkonzentration und Spurenelendkonzentration waren ja dann auch in keinem Zusammenhang mit EUTH.

Speaker: Genau.

Speaker: Die Suche nach der Ursache von EUTH geht also weiter.

Speaker: Und zu dem Thema hast du dir noch eine Veröffentlichung aus dem Jahr 2025 von Jensen et al.

Speaker: veröffentlicht im E-Coin Veterinary Journal genauer angeschaut.

Speaker: Ja, das ist ein bisschen Grundlagenforschung.

Speaker: Die Autoren sind da einen anderen Weg gegangen.

Speaker: Also statt klinische Befunde oder Blutwerte zu untersuchen, wie die vorherigen Studien, haben sie direkt das Zement der betroffenen Schneidezähne analysiert.

Speaker: Und für diese Autoren war die zentrale Frage, gibt es Hinweise auf biologische Prozesse, die erklären könnten, warum EUTH überhaupt entsteht?

Speaker: Und wie sollten die biologischen Prozesse erfasst werden?

Speaker: Ja, es sollte überprüft werden, ob proteomische Unterschiede im Zement der Schneidezähne von Pferden mit oder ohne klinische EOTRH vorliegen.

Speaker: Also wie gesagt, echte Grundlagenstudie.

Speaker: Das bedeutet, welche Proteine im Zahnzement von EUTH verändert sind, daraus kann man dann Schlüsse ziehen, welche Entzündungs- oder Stoffwechselprozesse bei der Erkrankung ablaufen.

Speaker: Und wie sind Sie dabei vorgegangen?

Speaker: Also ich erkläre das jetzt einfach.

Speaker: Das ist viel komplizierter.

Speaker: Also Sie haben das Zementproteom von Schneidezähnen mit EOTHH analysiert und mit dem von gesunden Kontrollzähnen verglichen.

Speaker: Das hört sich immer so einfach an.

Speaker: Das ist natürlich ein ganz komplizierter Vorgang.

Speaker: Und zur Verfügung standen insgesamt fünf EOTHH-Zähne und fünf Kontrollzähne.

Speaker: Ja, das klingt ja erstmal sehr technisch.

Speaker: Was kam denn dann dabei heraus?

Speaker: Ja, die Antwort ist jetzt auch technisch.

Speaker: Also Sie haben 1149 einzigartige Proteine im Zement nachgewiesen.

Speaker: Spannend finde ich vier Proteine ausschließlich nur in ETH-betroffenem Zement.

Speaker: Drei von diesen spielen bei der Immunabwehr und aktiven Entzündungsgeschehen eine Rolle.

Speaker: Und auffällig war des Weiteren die Zunahme mehrerer Proteine, die typischerweise bei bakteriellen Infektionen und neutrophilen Entzündungsreaktionen eine Rolle spielen.

Speaker: Und auch Proteine, die an der Erkennung und Bekämpfung mikrobieller Krankheitserreger beteiligt sind, waren bei den erkrankten Zähnen öfter zu finden.

Speaker: Also die Autoren interpretieren dieses Proteinmuster bei den an EUTH erkrankten Pferden als Hinweis darauf, dass bakterielle Pathogene an den Veränderungen des Zahnzements bei EUTH beteiligt sein könnten.

Speaker: Gehen die Autoren dann auch so weit, dass Bakterien ursächlich für EUTH sind?

Speaker: Nee, nee, also es war ja eine Grundlagenstudie.

Speaker: Also die Studie kann keine bakterielle Ursache beweisen.

Speaker: Sie zeigt, lediglich finde ich jetzt fast gemein zu sagen, also sie zeigt, dass im betroffenen Zahnzement eine starke Signatur von Entzündung und antimikrobieller Immunantwort vorhanden ist.

Speaker: Ob Bakterien die Erkrankung auslösen oder sie sich erst sekundär im bereits erkrankten Gewebe ansiedeln, bleibt weiterhin offen.

Speaker: Nur wieder eine Studie, die darauf hindeutet, dass Bakterien in irgendeiner Weise eine Rolle spielen können.

Speaker: Okay, dann kommen wir jetzt zu unserer letzten Zusammenfassung für heute.

Speaker: Islandpferde in Island haben ein 7,8-fach geringeres Risiko, EUTHH zu entwickeln als Islandpferde in Deutschland.

Speaker: Bei diesen Pferden hatte die Gabe von Mineral- oder Kraftfutter sowie die Häufigkeit der Zahnbehandlung keinen Einfluss auf das Auftreten von EUTHH.

Speaker: Somit ist wahrscheinlich der 24-stündige Weidegang über 9 bis 12 Monate der Hauptfaktor.

Speaker: Es besteht kein Zusammenhang zwischen der Konzentration von Selen, Zink, Vitamin A und Vitamin D im Blut, den Werten des Differenzialblutbildes und der Blutchemie und EOTHRH,

Speaker: noch zwischen endokrinologischen Parametern wie ACTH, Insulin und Schilddrüsenhormon und ETH.

Speaker: Das Proteinwuster im Zahnzement von an ETH erkrankten Zähnen ist verändert und hinweisend auf Entzündung und antimikrobielle Immunantwort.

Speaker: Ja, Laura, danke für diese wunderschöne letzte Zusammenfassung.

Speaker: So, jetzt sind wir am Ende angekommen.

Speaker: Und wie immer gibt es noch eine Geschichte.

Speaker: Es läuft nicht immer ganz rund in der Praxis.

Speaker: Ich habe da ja irgendwie nie was zu berichten, aber erzähl du doch mal.

Speaker: Hey, ich habe schon wieder eine.

Speaker: Und die ist auch gar nicht so alt.

Speaker: Das war, glaube ich, vor vier Wochen.

Speaker: Also.

Speaker: Man muss sich vorstellen, ein zweijähriger, pechschwarzer Shetland-Wallach, der auf Halftern wirklich nicht mag und auch das Halfter immer abkriegt.

Speaker: Ich habe den dann das erste Mal Tetanus geimpft, dann bin ich einmal hingefahren, da ging gar nichts, da bin ich wieder weggefahren, dann bin ich dann nochmal hingefahren.

Speaker: Und dann kommt der Mann von der Besitzerin auf mich zu und sagt, Frau Gabe, ich habe schon wieder keinen Halfter drauf.

Speaker: Und dann habe ich gedacht, naja, komm, bist doch eine Tierärztin, du kriegst das schon hin.

Speaker: Also habe ich das Halfter genommen, bin zu dem Pony hin, habe das noch gelockt mit Leckerlis, das ging dann alles gut und habe dann das Halfter um den Hals gehabt.

Speaker: Dann hat aber der Shetty den Braten gerochen und hat beschlossen, nix, ich gehe jetzt.

Speaker: Und ich habe mich losgelassen.

Speaker: Also hat mich dieses zweijährige Shetland-Pony, und man muss sich vorstellen, ich bin 1,85 Meter, das sah echt lustig aus, quer über die Weise gezogen.

Speaker: Mein Knie tat danach weh.

Speaker: Irgendwann habe ich dann losgelassen, weil ich dann doch aufgegeben habe.

Speaker: Ich war so sauer, mein Knie tat weh.

Speaker: Und dann kam der Besitzer nur und meinte, also vor Gabes sei jetzt schon ganz lustig aus.

Speaker: Und sagen Sie mal, warum haben Sie denn nicht losgelassen?

Speaker: Und ich muss auch sagen, wir sagen das ja immer, lasst los, die sind so stark.

Speaker: Ich habe nicht losgelassen.

Speaker: Aber der Teufel war auch, also der wollte nicht, der wollte nicht geimpft werden.

Speaker: Ich war dann wütend, habe gesagt, ich komme wieder.

Speaker: Und dann beim nächsten Mal hatte er dann das Heif da drauf.

Speaker: Wir konnten ihn auch impfen.

Speaker: Ich hatte wirklich über anderthalb Wochen echt einen blauen Fleck am Knie.

Speaker: Und immer, wenn ich mich hinknien wollte, wurde ich dann an dieses schwarze Ungetüm erinnert.

Speaker: Das war meine Geschichte des Monats Juni.

Speaker: Genau.

Speaker: Die kleinen sind die schlimmsten.

Speaker: Also es wäre auch lustig gewesen, wenn das einer gefilmt hätte.

Speaker: Aber so schnell war er nicht.

Speaker: Aber er fand es, glaube ich, doch lustig.

Speaker: Naja, boah, Laura, wir waren schnell.

Speaker: Danke.

Speaker: Ich war total glücklich über deine Expertise heute.

Speaker: War voll dein Thema.

Speaker: Ja, vielen Dank.

Speaker: Und dann, das war die elfte Folge des Podcasts Equine Vet News.

Speaker: Wir hoffen, dass es euch gefallen hat und ihr das nächste Mal wieder dabei seid.

Speaker: Kommentare oder Anregungen, wie immer, könnt ihr mir unter der E-Mail-Adresse anjagabe.pferdepraxishofheim.com zusenden.

Speaker: Und?

Speaker: Wir wünschen euch kooperative Patienten und ruhige Dienste.

Speaker: Bis bald.

Speaker: Tschüss.

Speaker: Ja, vielen Dank, dass ich dabei sein durfte.

Speaker: Es hat sehr viel Spaß gemacht und wir hören uns beim nächsten Mal.

Speaker: Tschüss.

Speaker: Bis dann.

Speaker: Ciao.

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