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Buchbesprechung - "Alle Menschen sind sterblich" von Simone de Beauvoir

Der Buchklub
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79 plays · Jul 7, 2024

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Josy: Vielen Dank für's Zuschauen.

aparikk: Der Sinn des Lebens liegt darin, dass es aufhört.

aparikk: Hallo? Hallo?

aparikk: Wir melden uns. Wir sind in einer Höhle verschüttet worden und wir melden uns daher aus Atlantis. Hallo und herzlich willkommen zum Buchclub, liebe Leute. Lange nicht gehört, aber wir sind wieder back und besprechen jetzt, wie vor ein paar Tagen angekündigt, Simone de Beauvois.

Josy: Wir sind selbst überrascht. Was? In deiner was?

aparikk: Alle Menschen sind sterblich. Aber vorher noch ganz kurz etwas zu unserer längeren Abwesenheit, Josy.

Josy: Ja, ähm, ja.

Josy: Bei uns ist gerade sehr viel los, also an allen Fronten. Also auch immer noch. Deshalb können wir nicht sagen, wann oder in welcher Form wir wieder regelmäßig senden werden. Wir sind jetzt da, haben uns jetzt mal die Zeit genommen, über Simon de Beauvoir zu sprechen. Auch wenn wir uns kaum noch dran erinnern. Also, das Buch ist lange her. Ich habe mir zum Glück Sachen aufgeschrieben. Aber, hm.

aparikk: für dich und ich nehme omega 3 fettsäuren also habe ich ein sehr gutes gedächtnis ja

aparikk: Ja, das hat halt viele Gründe. Aber du machst da so ein Geheimnis drum. Also ein Grund ist doch, ein Grund kann man doch mit angeben, nicht? Nee, das ist dein Grund, nicht meiner. Ja, das klingt ja so, als würde das irgendwie in zehn Jahren passieren. In drei Wochen werde ich zum Doktor.

Josy: Ja, dann sag. Dass ich promoviere. Ja, nee, in drei Wochen. Weniger als drei Wochen. Ich. Du nicht. Ja. Ich glaub, das macht man heutzutage nicht mehr.

aparikk: Ich finde, ich habe da auch das Recht. Herr Doktor. So wie Frau Doktor, hat man ja gesagt. Ja, warum geht das nicht auch? Ja, cool. Wo ist denn hier der Feminismus? Apropos Feminismus.

aparikk: Wir werden jedenfalls in den kommenden Wochen immer noch unregelmäßig unterwegs sein, aber wir werden uns dann, sobald die Turbulenzen durch sind, überlegen, wie wir irgendwie weitermachen, irgendwie anpassen, sodass wir alles gewuppt bekommen. Ja.

Josy: Wir haben auf jeden Fall eure Vorschläge, die ihr gemacht habt, auf dem Zettel. Und macht auch gerne noch weitere, wenn euch was einfällt über unsere E -Mail -Adresse oder in der Discord -Gruppe. Da seid ihr natürlich auch weiterhin herzlich willkommen, auch wenn wir da, wie gesagt, schon seit Monaten wenig aktiv waren.

aparikk: Ja. Aber als nächstes stehen die Wahlverwandtschaften an, richtig? Ja, dann lass doch dabei bleiben. Ja, das...

Josy: Das hatten wir gesagt. Ja, wir haben aber das Buch noch nicht, ne? Und eigentlich dachten wir auch, dass wir was Kürzeres zwischenschieben wollten, damit das nicht wieder so ewig dauert. Also ich gehe jetzt auch davon aus, dass wir zu Simone de Beauvoir zwei Folgen machen werden. Im Moment würde ich das davon ausgehen. Guck mal, wie es jetzt läuft. Nico macht schon komische Grimassen. Was soll das bedeuten?

aparikk: Also eben hast du noch gesagt, dass du dich gar nicht mehr an das Buch erinnerst, aber jetzt hast du doch viel... Okay. Wir schauen einfach mal... Kurz gesagt, wir waren lange nicht da, jetzt sind wir wieder da, aber wir wissen nicht, wann wir wieder regelmäßig da sind. Wir arbeiten dran und... Ich würde trotzdem sagen, dass wir jetzt mal anfangen, aber vorher noch... Ich würde sagen, wir besprechen die Wahlverwandtschaften als Nächstes.

Josy: Ich werde ja jetzt wieder reinkommen und du wirst mich auch dran erinnern. Also gucken wir einfach mal. Ja, aber ich lese gerade Doktor Faustus.

aparikk: Weil du hast doch selber gesagt, das Lesen ist nicht das Problem. Ja. Na gut, dann überlegen wir uns das noch, was wir lesen. Josi entscheidet das und dann sagen wir euch Bescheid über Discord. Okay, fangen wir an mit dem Buch. Beziehungsweise eigentlich erst mal mit der Autorin.

Josy: Weil so lange nichts mehr für den Buchklop war. Ach so, okay, dann fangen wir an.

aparikk: Simon de Beauvoir, euch allen bekannt als die Freundin von Sartre.

Josy: Ich dachte jetzt kommt Vorzeige für Ministin oder so. Ja.

aparikk: Vorzeige für Ministern, aber eben auch Satris Lebensgefährtin. Lebensgefährtin ist ganz treffend, weil sie quasi wirklich Gefährten fürs Leben waren und sich gegenseitig, glaube ich, in ihrer Philosophie beeinflusst haben. Simone de Beauvoir

aparikk: ist auf jeden Fall eine alte Säge, geboren am 9. Januar 1908 und hat es bis heute nicht geschafft. Philosophin, Schriftstellerin und Feministin eben, die auch

aparikk: ja auch politisch quasi engagiert war, und zwar nicht nur in Bezug auf den Feminismus, sondern eben, sie war ja Kommunistin eigentlich, zumindest bis zu einer gewissen Zeit, hat sich für die Aufarbeitung des Kolonialismus in Frankreich eingesetzt und war insgesamt sehr aktiv, hat viel geschrieben, hat viel nachgedacht.

aparikk: hat an der Sorbonne Philosophie studiert, dort hat sie auch den kleinen Boxer getroffen. Sartre war Boxer, der hat Boxen als Sport gemacht. Ja, in der Fliegengewichtsklasse. Wie süß soll das? Okay, egal. Das heißt aber wirklich Fliegengewicht.

Josy: Wieso Boxer?

Josy: Das Klingengewicht hört sich schon süß an.

aparikk: Ja. Gut, bekannt ist sie eigentlich vor allem für das andere Geschlecht. 1949 rausgekommen, ihr wichtigstes philosophisches Werk. Das ist dieses berühmte Werk, das quasi auch diesen Gedanken mit angestoßen hat mit dem Geschlecht als sozialen Konstrukt. Der Satz war, man wird nicht als Frau geboren, man wird es. So.

Josy: Ja, oder man wird dazu gemacht, häufig übersetzt.

aparikk: Oder ja, also wie man übersetzt halt. Genau. Und zusammen mit Sartre und ihrem Buddy Camus, eine der wichtigsten Vertreterinnen des Existenzialismus, also der existenzialistischen Philosophie,

aparikk: Genau. Und da sie eine französische Philosophin ist, hat sie im Gegensatz zu beispielsweise deutschen Philosophen, die ihre wunderbaren Gedanken in kaum lesbaren Büchern niedergeschrieben haben wie Kant, hat sie ihre Philosophie, wie das halt in Frankreich irgendwie Usus ist, und übrigens in Russland ja auch im Endeffekt, in Billetristik transportiert. Also in Romanen, Erzählungen,

aparikk: Und alle Menschen sind sterblich, ist einer davon. Ne, Josie? Und Josie, die sich nicht mehr daran erinnert, was da passiert ist, die erzählt euch jetzt kurz was zum Inhalt. Ja, ich weiß. Ja, ich weiß.

Josy: Ja. Ich hab mir das zum Glück alles aufgeschrieben. Übrigens, Igor, dein Bild ist weg, hast du gemerkt, ne? Ok. Also. Paris, Zwischenkriegszeit.

Josy: Regine ist eine Theater -Schauspielerin. Sie ist unsäglich eitel und von nichts anderem als von sich selbst eingenommen. Sie arbeitet mit allen Mitteln an ihrem Durchbruch. Auf einem Gastspiel in der Provinz trifft sie auf

Josy: Raymond Fosker, anscheinend ein Fag hier, der nicht ist und mit niemandem spricht, der liegt nur in der Sonne. Und sie setzt ihren Ehrgeiz daran, sein Geheimnis zu lüften, was mit ihm los ist. Sie holt ihn nach Paris.

Josy: wo er ihr beweist, dass er unsterblich ist. Das ist ein Geheimnis. Zwischen den beiden entwickelt sich eine Liebschaft, die eher so eine Art Koabhängigkeit ist eigentlich. Also er braucht menschlichen Kontakt, den er nur durch sie bekommen kann.

Josy: also

aparikk: Seine Non -Leistung. -Leistung. Hä, Moment. Das, was du gerade erzählt hast, ist die Rahmenhandlung. Ach so, okay.

Josy: und konfrontiert ihn dann mit ihrer Unzufriedenheit, woraufhin er versucht, ihr klar zu machen, dass er niemandem eine Hilfe sein kann und ihr letztendlich seine Geschichte erzählt. Das ist die eigentliche Geschichte in diesem Buch, also der Rest ist eigentlich nur eine Rahmenhandlung. Also, Fosker wurde im 13. Jahrhundert... Was? Ja, sag ich ja. Also die eigentliche Geschichte ist das, was jetzt kommt.

aparikk: Ja, genau.

Josy: 200 Jahre lang regiert er dann Carmona mit eiserner Hand, große Sparmaßnahmen und eben alles für die Größe dieses Stadtstatus. Aber so richtig groß wird Carmona dabei dann auch nicht. Er hat noch einen Sohn, Antoine, dem er jeden Kummer und jeden Mühsal erspart.

Josy: bis der dann darauf besteht, in den Krieg zu ziehen und auch prompt stirbt. Ihm bleibt dafür nur noch Beatrice, das ist nämlich die Spielgefährtin von Antoine, also etwas älter, ein paar Monate älter als Antoine, die bei denen im Palast gelebt hat und

Josy: Beatrice hat Antoine geliebt, Fosca liebt Beatrice und das wahrscheinlich schon ziemlich lange. Beatrice heiratet ihn dann letztendlich auch, obwohl sie eigentlich nicht will, wahrscheinlich eher aus Mitleid, weil sie findet ihn aufgrund seiner Unsterblichkeit irgendwie abstoßend und angsteinflößend.

aparikk: Hm.

Josy: Ihm wird dann letztendlich klar, als Beatrice schon alt ist, dass er politisch größer denken muss und er versucht, Italien gegen ausländische, also ganz Italien, gegen ausländische Angreifer zu ein, scheitert aber daran. Also politisch kann er das nicht durchsetzen. Daraufhin verlässt er dann die inzwischen alte Beatrice und auch hässliche Beatrice, wenn man es, also so sagt er es nicht, aber

Josy: Ja, ist halt das Alter. Schließt sich den Habsburgern an, die gerade am Aufsteigen sind, und wird der Berater von Karl V., dem er vor allem dazu redet, die neue Welt zu kolonialisieren. Dieser hatte nämlich vorher Skrupel auf das zu tun. Er reist selbst nach Amerika und ist einigermaßen schockiert über die Zustände, obwohl er mit großem Leid ja bereits gerechnet hat.

Josy: Ähm, ja, außerdem berät er dann Karl V. bezüglich der Verfolgung der Lutherianer und später der Wiederteufelherrschaft in Münster. Karl dankt letztendlich ab und geht ins Kloster. Ziemlich resigniert. Ähm, Voská zieht sich nach Nordamerika zurück. Da trifft er auf Carlier, einen französischen Entdecker, der den großen Fluss finden will, der nach China führt.

Josy: Foska rettet ihm mehrmals das Leben und unterstützt sein Vorhaben auf jede erdenkliche Weise. Sie finden dann auch einen großen Floß erreichen, aber nie China. Zuerst sind die beiden unzertrennlich also beste Freunde wie Brüder. Doch je älter Karolier wird, desto mehr hasst er Foska dafür, dass er noch leben wird, wenn die Passage noch nach China gefunden wird.

Josy: Dann finden wir Fosker wieder, deutlich später, in Paris, wo er in Adelskreisen verkehrt und sich einen Spaß daraus macht, Existenzen zu zerstören. Das macht er so lange, bis er sich in Marianne verliebt, die ihn zuerst verabscheut, verständlicherweise.

Josy: Die hat sehr freigeistige Ideen und glaubt an die Zukunft. Mit Gleichgesinnten arbeitet sie daran, eine Universität zu gründen. Durch sie schafft Foska es erneut für die Menschheit, sich zu interessieren. Sie heiraten und bekommen zwei Kinder. Allerdings verschweigt Foska ihre Unsterblichkeit, weil er damit ja sehr schlechte Erfahrungen gemacht hat.

aparikk: Hm.

Josy: davon zu erzählen. Erst nach mehreren Jahrzehnten lüftet sie sein Geheimnis und das läutet dann ihr vorzeitiges Ableben ein. Also sie sieht eigentlich nur noch dahin. In den letzten Jahren lieben die beiden einander zwar schon noch irgendwie, sind aber tot unglücklich miteinander.

Josy: Das Bestreben Marianne bei sich zu behalten nach ihrem Tod motiviert Fosker in den nächsten Generationen für die Menschheit insgesamt und insbesondere für ihre Nachfahren und die auch seine sind zu sorgen. Der letzte, dem er beisteht ist Armand, der an der Juli -Revolution von 1830 beteiligt ist.

Josy: Obwohl er seinen Wirken in den Dienst der Revolution stellt, also Fosker, erlaubt er sich selbst keine eigenen Urteile mehr in Dingen, die das Schicksal der Menschen angehen. Er glaubt nicht an die Revolution oder an Fortschritt, versucht aber, wie Mariannes ihm geraten hat, als Mensch unter den Menschen zu leben, weil er glaubt, dass das seine einzige Hoffnung ist.

Josy: Als die Revolutionäre dann gescheitert sind, erkennt er, dass er sich nicht mehr am Marian erinnern kann und verschwindet in einen Wald, in dem er sich für 60 Jahre zum Schlafen hinlegt. Ja, dann wird er da gefunden und in ein Irrenhaus gesteckt, das später zu einer Herberge wird, in der Reginien dann findet. Das ist seine Geschichte.

Josy: War das eine Frage, die du gestellt hast? Ich weiß nicht mehr. Also da ging es darum, was war dein Zitat? Dass die Sterblichkeit gibt einem Leben ihren Sinn oder so, ne? Camus. Kannst du das nochmal sagen? Also Camus ist ja nicht mit K.

aparikk: Ne, das war ne Aussage. Ja, also grob gesagt, ja. Hast ne Idee von wem das ist? Aber auch mit K. Der Sinn des Lebens ist, dass es endet. Ne, mit K.

Josy: Also mit Kauder mit sie. Fällt mir jetzt niemand ein. Bitte. Jetzt weiß ich auch wieder besser Bescheid.

aparikk: Ausprache. Kafka. Okay. Gut. Danke, Josy, für deine Zusammenfassung.

aparikk: Sehr schön. Du hast ja umfangreiche Notizen gemacht. Ja. Gut. Lass uns beginnen. Ich habe ja eben groß angekündigt, dass quasi französische Philosophen ihre Philosophie über Billetristik vermitteln.

Josy: Natürlich nicht nur, ne? Ja, also mit dem Existenzialismus ist es ja erstmal so eine Sache, wir sind ja beide keine Philosophen und ich finde den Existenzialismus extrem schwer zu verstehen.

aparikk: Nee, aber also inwiefern findet sich hier quasi der Existenzialismus wieder?

Josy: Also ich kann sagen, die Existenz geht der Essenz voraus. Okay, aber was hat man damit verstanden? Ja, also ich weiß natürlich, dass der Existenzialismus wie die Franzosen da, die drei vor allem, ihn verstanden haben, atheistisch ist. Es gibt kein Gott. Jeder Mensch muss sich selber entwerfen letztendlich.

aparikk: Wenig. Mhm. Mhm. Mhm.

Josy: Letztendlich, ja, also ich würde sagen, eigentlich ist dieser Roman der Versuch, dieses Los des Menschen, dass er seinem Leben einen Sinn geben muss. Dadurch, also weil eigentlich ist das ja was Selbstverständliches, wie wir alle erleben das tagtäglich, aber wir denken nicht darüber nach und dem eine neue, quasi die Aufmerksamkeit darauf zu lenken, auf dieses Problem, was es eigentlich, also,

Josy: wie besonders das auch ist, wie typisch menschlich das ist, indem wir halt diese Figur Fosker kriegen, der ein Mensch ist, aber eben auch nicht. Also der in dieser, der ist wie wir alle auch, aber in dieser einen wichtigen Hinsicht, dass er nicht sterblich ist, sich von uns unterscheidet. Und ich finde es ganz interessant zu sehen. Man kann sich ja mit, man kann sich sehr gut in Fosker hineinversetzen. Oder?

aparikk: Ich weiß nicht, nee, kann man nicht. Es fällt mir echt schwer, mir vorzustellen, wie es wäre, unsterblich zu sein.

aparikk: Weil das ist halt so absurd. Also das ist so... so... Ja. Ich weiß nicht. Normalerweise ist es ja so, dass die Menschen den Tod fürchten. Ja? Oder... Ja, das ist das Natürliche. Also nicht nur die Menschen, sondern alle Lebewesen wollen ihn vermeiden. Instinktiv. Und dann...

Josy: Ja. Der unbedingte Wille zum Leben oder wie das da heißt bei Schuppi.

aparikk: von Schopenhauer. Aber die Frage ist, warum ist denn dann also das ein Problem, wenn man unsterblich ist. Also für Voska ist es ja am Anfang auch kein Problem. Er macht das ja

Josy: Ja, er hat das ja freiwillig gemacht, ja.

aparikk: Ja, und er macht das ja nicht nur, weil er dem Mord entgehen will, sondern er hat ja auch schon Bock drauf auf Unsterblichkeit. Und die ersten 100, 200 Jahre macht das auch ihm ziemlich viel Spaß. Seine Unsterblichkeit. Er führt da... Mhm. Mhm.

Josy: Es ist immer ein bisschen unbefriedigend. Ich würde sagen, die ganze Zeit... Also am Anfang hatte er noch das Gefühl, erst kurz davor quasi sein Ziel zu erreichen. Nur noch ein bisschen mehr. Ein bisschen mehr seine Landsleute irgendwie ausbluten lassen oder...

aparikk: Ja, also er führt ja da diese ganzen Kriege mit den anderen italienischen Stadtstaaten, das ist ja diese Zeit. Und also am Anfang, ja, erstens ist es natürlich relativ praktisch, wenn man unsterblich ist beim Krieg führen. Und er verhilft ja auch seiner Stadt Carmona zu Reichtum und so weiter.

Josy: Mhm. Mhm.

aparikk: Also eigentlich läuft's, aber er dann in einem Moment, wo quasi Dinge erreicht sind, merkt er,

aparikk: Merkt er halt die Sinnlosigkeit des Lebens. Weil er halt irgendwie ... Na ja, auf die Sache, auf die er hingearbeitet hat, das Großmachen von Carmona, als das halt geschehen ist Ja, ist er halt immer noch nicht glücklich.

Josy: Ja, was man sehr gut daran sieht, ist diese Expansionslogik des strebenden Menschen. Also der Mensch, wenn ein Ziel erreicht ist, sucht er sich sofort das nächste. Nie genug. Erst Carmona, dann Italien, dann die Welt eigentlich.

aparikk: Ja. Ja, aber das ist ja urmenschlich. Ja, richtig. Mhm.

Josy: Und dann später ist er sich noch nicht mal sicher, ob die Welt genug ist. Genau, das ist urmenschlich. Das Problem ist, der Tod setzt ein natürliches Ende. Man muss halt mit den Grenzen haushalten, die man hat. Und dann sagt man irgendwann, wenn man weiß, man hat noch fünf Jahre zu leben, sagt man dann vielleicht auch einfach, okay, Streben ist an sich gar nicht so lustig.

Josy: Das ist ganz schön anstrengend. Vielleicht ist es auch mal ganz nett, das zu genießen, was man hat. Also vielleicht findet man dann einen Modus, das genug, auch wenn es nur für die letzten Lebensjahre ist.

aparikk: Hmm. Ja, aber. Ja.

aparikk: Aber warum, ich verstehe halt nicht, wenn das, die zielverfolgen sinnlos ist, weil nach einem Ziel das nächste Ziel gesetzt wird, warum ist es dann quasi erträglich, wenn man sterblich ist? Weil man irgendwann dann stirbt endlich?

Josy: Es ist auf eine andere Weise unerträglich, glaube ich. Aber das ist genau die Frage, irgendwie, wir sehen ja in Regien, dass sie es nicht erträgt.

aparikk: Ja.

Josy: Das ist genau das Problem, glaube ich. Das ist auch die Frage, die ich mir gestellt habe beim Lesen. Ist es jetzt schlimmer, stirblich zu sein oder unsterblich?

aparikk: Genau. Genau, das ist halt, äh, also deswegen auf deine Frage zurückzukommen, ähm, quasi wie es wäre, Fosker zu sein. Ich find's halt, ja, ich kann's mir halt nicht vorstellen und, ähm, ich finde auch,

aparikk: Also es leuchtet mir nicht so ganz ein, dass er dann in diesen Zustand verfällt, als er halt realisiert, dass nach dem Erreichen eines Ziels ein neues Ziel folgt und dass es quasi kein Ende gibt. Naja, der stimmt, ja. Aber es läuft ja quasi

Josy: In welchem Zustand? Welchen meinst du jetzt? Es gibt ja mehrere Stadien, die er durchläuft.

aparikk: Also, die Ziele werden größer, globaler und so weiter und so fort. Und dann, ab einem gewissen Punkt ... quasi merkt er ... dass die Welt nicht ausreicht, weil das wird auch irgendwann quasi erreicht sein. Ähm ... Jaja, das ist relativ spät. Relativ spät. Mhm. Ja klar, aber ab da beginnen die großen Probleme mit der Unsterblichkeit quasi.

Josy: Das ist aber erst so, das ist schon in der Mitte des Buches ungefähr, ne? Nee, ich finde das ist relativ früh. Weil danach passiert ja noch einiges. Ja, das stimmt.

aparikk: Und er verfällt halt in depressionsartige Zustände. Jaja, er will die Welt quasi besser machen, ja.

Josy: Ich würde sagen, zuerst haben wir diese Expansion, das Tier wird immer größer und er ist auch bereit, jedes Opfer dafür einzugehen. Also es ist komplett pragmatisch, was das angeht, weil und letztendlich hat er ein hires Ziel, er will, dass die Menschheit eigentlich will, dass es gerecht und vernünftig zugeht in der Welt. Aber nach seiner Vorstellung.

Josy: Und dann merkt das funktioniert nicht, also er merkt erstens das funktioniert nicht, die Menschen lassen sich nicht leiten. Zweitens merkt er aber auch

Josy: Ja, selbst wenn es funktioniert, klar, also es gibt kein Ende, also er scheitert auf jeden Fall daran an seinen Zielen. Und dann sucht er sich externe Ziele und das ist sehr beliebig, habe ich das Gefühl. Also es ist egal, wenn Karriere jetzt gesagt hätte, er will keine Ahnung, eine neue Käferart finden und das ist ganz wichtig und so, dann hätte er auch das mit ihm gemacht.

aparikk: Hm?

aparikk: Warum eigentlich? Okay, die Aufopferung, ne?

Josy: Ja, ich glaube, das Problem ist da wirklich, also das Problem ist bei jedem Menschen, der da trifft, glaube ich, was anderes. Es ist nie genau dasselbe, aber für sie ist das Problem, sie liebt ihn und sie ist davon ausgegangen, sie sind quasi, das ist, das ist, glaube ich, auch der Deal in so einer Zweierliebesbeziehung. Wir sind da drin zusammen. Naja, das ist unser, also wir sind zu zweit, wir sind so zwei in einem Boot.

aparikk: Naja, und ich habe quasi jemandem seine Lebensjahre quasi zu schenken. Und nicht jemand anderem ist ja quasi ein Zeichen der Verehrung, der Würdigung, der Liebe halt im Endeffekt. Genau, genau, genau.

Josy: Und nichts, ja, genau. Es ist vor allem ein großes Commitment, weil du hast nur diese Zeit und er eben nicht. Es ist, genau.

aparikk: Genau, und Foska kann halt theoretisch auch mal 50 Jahre mit irgendeiner Pennerin abhängen. Ist ja auch kein Problem für ihn.

Josy: hat sie auch, hat er auch gemacht. Also er hat ja seinen zweiten Sohn mit einer Frau bekommen, von der wir irgendwie zweimal gehört haben oder so. Also

aparikk: Ja, das führt halt in der Liebesbeziehung natürlich zu einer Katastrophe, das stimmt. Aber das ist ja dann die Katastrophe für die sterbliche Frau. Ich verstehe halt eher nicht so ganz, also ich verstehe Voskas Problem nicht so ganz.

Josy: Für ihn ist das Problem tatsächlich ähnlich schlimm, glaube ich, weil er hängt ja genauso stark an Marianne wie sie an ihm. Und er will, dass diese Beziehung exklusiv und für immer ist. Dieses ideoromantische Liebe ist für immer. Geht aber nicht, wenn du wirklich für immer lebst. Es geht einfach nicht. Also er hat irgendwie keine Ahnung, wie viele hundert Jahre

aparikk: Ja. Ja. Ja. Ja. Na ja, gut logisch. Ich meine, ja.

Josy: hat das hingekriegt. Aber wenn du 40 Jahre mit einer Person zusammenlebst und danach 200 Jahre sie nicht mehr siehst, dann vergisst du sie einfach. Das scheint so zu sein. Ja.

Josy: Also es ist eine schöne Idee, dass es nicht so sein könnte. Das ist wirklich was, was man sich schwer vorstellen kann, glaube ich. Das ist was, wie es ist, 20 Jahre jemanden nicht gesehen zu haben und immer noch an den zu denken, genau 200 Jahre. Das ist was, was wir uns, glaube ich, schwer vorstellen können. Was glaubst du, wie das auf 200 Jahren aussieht?

aparikk: Ja. 200. Ja, hätte er zum Tätowierer seines Vertrauens gehen sollen und sich ihr Gesicht tätowieren sollen, dann wäre alles gut. Ja, so wie das Gesicht von jemandem, der 200 Jahre alt ist. Ja.

Josy: Es ist doch nur noch ein sapschiger Fleck auf dem Arm. Ja.

aparikk: Ja, also jedenfalls die Tatsache quasi, dass das Leben, also die Endlichkeit macht quasi das Leben lebenswert, im Endeffekt. Gut.

Josy: Aber interessanterweise, das fand ich ganz schön an dieser Geschichte mit Marianne, nicht nur die Endlichkeit deines eigenen Lebens, sondern auch die Endlichkeit der Menschen, die du liebst, macht dein Leben lebenswert. Weil er findet ja wieder befristet einen Sinn und eine erfüllende Tätigkeit, dadurch, dass er weiß, er hat nur eine begrenzte Anzahl von Jahren mit Marianne. Und das ist was, was, glaube ich, das ist was, das kann man nachvollziehen.

aparikk: Ja. Stimmt. Ja. Mit ihr. Das kommentiere ich jetzt nicht.

Josy: Also mir geht es so mit meinem Hund. Das ist wirklich so. Also es ist genau das gleiche Gefühl. Du willst diese Jahre, die du hast, also wenn du weißt, dass jemand vor dir sterben wird, vielleicht ist es... Ja.

Josy: Also ich mein, jeder hat ja Menschen bei denen er davon ausgeht, dass sie vor ihm sterben werden und die ihm wichtig sind. Bei mir ist es tatsächlich in erster Linie mein Hund. Aber das ist glaube ich, weil er wirklich deutlich vor mir sterben wird. Also Lisa, siehst du das nicht so?

aparikk: Ähm, doch, doch. Ich seh's ähnlich. Ich glaub, das ist nur lustig, weil die Menschen ... Erwartet das mal. Dass du mich nennst und nicht den Hund. Aber das ist ja ... Nein, es ist ja logisch. Wir können uns ja selber noch gar nicht so richtig ausmalen, wie das aussieht, wenn wir alte Knacker sind und so.

aparikk: Untertitel im Auftrag des ZDF, 2021

Josy: Ich gehe jetzt ja nicht, ich kann jetzt ja nicht davon ausgehen, dass du deutlich vor mir stirbst. Vielleicht. Ja. Ja. Und das intensiviert die Beziehung zu diesen Menschen oder Rundchen.

aparikk: Während das bei Hunden ja tatsächlich leider absehbar ist, dass sie halt irgendwann alt sind und alt werden und sterben. Das stimmt. Ja, das stimmt. Das ist... Ja, also durch diese Begrenztheit... Ja, quasi werden diese Momente halt bedeutsam. Und das funktioniert dann bei Foska halt auch, obwohl er selber unsterblich ist.

Josy: Ja. Niemand mehr. Ich glaube nicht, dass es... Denkst du, das ist das Problem, dass die Menschen nicht so sind? Ich glaube eher, es ist wie er ist, das Problem. Irgendwann bist du einfach

aparikk: Aber er findet halt nach Marianne niemanden mehr, der so ist. Na gut, vielleicht muss er noch 500, 600 Jahre warten. Oder halt diese eine Erfahrung, dass quasi auch das nichts genutzt hat. Und außerdem das Leid, das er ihr quasi damit zugefügt hat.

aparikk: Ja, vielleicht war das dann deswegen auch... Ach gut, irgendwann vergisst er das ja. Nach 2000 Jahren kann man vielleicht wieder loslegen. Aber... Ich verstehe halt nicht... Nur nicht so ganz, warum das existenzialistisch ist.

Josy: Ich glaube, er ist wirklich, wir wissen nicht, was er noch macht. Tja, warum das?

aparikk: Oder ist der Existenzialismus nicht möglich, wenn man unsterblich ist und deswegen kann man nicht glücklich sein, wenn man unsterblich ist? Weil Existenzialismus ist ja, deine Handlungen definieren deine eigene Existenz. Du schreibst deinen eigenen Lebensweg.

Josy: Also nicht nur deine Handlung. Deine Handlungen sind schon wichtig dafür. Aber du entwirfst dich selbst. Ja. Also

aparikk: Alles. Also du definierst dich. Ja, genau. Also das Gegenteil vom Fatalismus. Und da er sich neu entwerfen kann, mehrfach, was er auch tut, sind seine Sachen schlussendlich sinnlos, seine Handlungen alle. Weil sie nicht von Dauer sind halt.

aparikk: Also weil sie nicht, weil sie kein prozentuales Gewicht quasi haben.

Josy: Also die Frage ist ja eigentlich, ist diese Sterblichkeitssache, ist jetzt, wir sind uns ja nicht sicher, ob jetzt der Sterbliche glücklich ist als der Unsterbliche oder zumindest in einer besseren Lage. Ich weiß auch gar nicht, ob Glück tatsächlich so ein existenzialistisches Konzept ist.

aparikk: Naja, Glück, also Zufriedenheit halt eher. Also Erfüllung. Ja gut, aber irgendwie das Ziel jeder Philosophie ist doch, dass sie dir den richtigen Weg zum Leben weist. Aber das ist eigentlich ursprünglich die Idee der Philosophie gewesen.

Josy: Ja, auch das habe ich selten. Ich weiß nicht. Das ist jetzt nichts, was ich als erstes damit verbinde, weil irgendwie ist das alles immer sehr erdrückend. Puh, da bin ich mir schon bald nicht so sicher, aber

Josy: Aber ja, der Existenzialismus ist sehr praktisch, hat sich immer als sehr praktische Philosophie gesehen. Das heißt, es geht natürlich schon darum, was moralisch richtig ist und auch was für dich selber gesund ist.

aparikk: Mhm. Naja, moralisch, also moralisch, äh ... Ja, moralisch bezogen, also nicht ... nicht so protestantisch moralisch. Sondern es ist ja das Gegenteil eigentlich, ne? Ein wichtiger Punkt im Existenzialismus ist ja diese ... die Authentizität. Also das, ähm ... quasi, dass man sein Ich, wenn man das dann halt definiert hat, oder dabei ist, zu definieren, dass man das auch wirklich ausleben kann.

aparikk: gegen die Grenzen vielleicht auch der Gesellschaft, die im Gesetz sind. Ja, genau. Ja, gut, klar, aber das ist halt keine vorgeschriebene, sondern halt deine eigene. Ja.

Josy: Gegenkonvention. Ja, es ist was sehr Unkonventionelles, das ist auf jeden Fall. Aber natürlich gibt es auch nur Moral im Existentialismus.

Josy: Naja, also die Freiheit als die Freiheit des Anderen als Grenze der eigenen Freiheit und so, aber

aparikk: Aber ja, das ist ... Jedenfalls ... fand ich ... Also, ich fand ... Ich fand, ähm ... das ... das Buch ... Also, wie gesagt, für mich hätte das eigentlich auch ohne Existenzialismus. Also, für mich hat diese ... diese Geschichte nicht ... Vielleicht bin ich halt zu blöd und verstehe den Existenzialismus nicht.

aparikk: Aber für mich funktioniert die auch ohne die existenzialistische Philosophie, also ohne, dass man davon irgendeine Ahnung hat, weil es einfach dieses Thema der Unsterblichkeit halt sehr, sehr schön und vor allem auf vielfältige Weise quasi die Probleme, die damit einhergehen, also an verschiedenen Beispielen so ein bisschen illustriert als Gedankenexperiment.

Josy: Ja.

Josy: Das ist ja auch, das ist ja auch der Sinn der Sache, wenn du einen Roman schreibst. Das ist ja auch der Grund, wieso diese, diese, diese Philosophen, diese, diese, ja, die sich eben auch als, ja, Schriftsteller, beletristische Schriftsteller sehen. Das ist der Grund, wieso sie Romane schreiben, weil sie, sie schreiben ja nicht nur Romane. Sie können ja auch Abhandlungen schreiben und haben das auch gemacht. Aber das ist ja genau der Sinn. Du sollst es nicht unbedingt

aparikk: Ja. Ich, ähm, also ich, ja ja, ja ja.

Josy: Also, du sollst die Ideen quasi aufsaugen, ohne sie zu durchdenken. Du sollst dich mit Konzepten auseinanderzusetzen auf eine nicht -intellektuelle oder nicht, ja, rein kongitive Art. Mhm.

Josy: Mit dem dem Thema, mit welchem Thema jetzt nochmal, genau. Ach so, ich dachte jetzt mit dem Thema, ob man Roman schreiben soll oder eine Abhandlung. Okay, weil das wäre mich so interessant gewesen als Erzählung.

aparikk: Und ich würde es interessant finden, wenn wir vielleicht das vergleichen, also wenn wir als nächstes der Unsterblichkeit.

aparikk: Äh, nee. Nee, mit dem ... Nein, das wär sehr uninteressant. Nein, mit dem Thema der Unsterblichkeit und halt auf eine etwas andere Art. Äh, also, Borgess ist ja ... Naja, das ist dann halt so ein bisschen magisch mehr oder surreal oder so. Aber trotzdem kommen diese ... diese ähnlichen ... also, die Probleme halt, die die Vosga schon hat.

Josy: Mmh...

aparikk: Die kommen eben auch da heraus. Und ich finde, was mir halt bei dem Buch, bei Simon de Beauvoir ... ein bisschen, also was mich ein bisschen gestört hat, war die ... also die Länge. Ich finde, das Buch hatte halt wirklich ... ab einem gewissen Zeitpunkt, so ab der Mitte ... Also, ab dem Moment, wo Voská dieses Problem erkennt,

Josy: Mhm.

aparikk: Und wo ihm das so wirklich klar wird, hat sich das irgendwie angefangen zu wiederholen. Und es ist nicht mehr wirklich was Neues dazu gekommen. Vor allem das letzte Drittel, oder vielleicht die letzten 25 Prozent, waren halt ... Dieser eine Monolog, da haben wir kurz drüber geredet von, weißt du, von Fosker, den er immer wieder mit sich selbst geführt hat, quasi ... wie sinnlos das alles ist.

Josy: mein Leben wie seinen Geschmack ändern oder so. Also ich sehe auch, dass man ein bisschen hätte kürzen können, also vor allem es ist

aparikk: Mhm, mhm, mhm. Das, ähm ... Ja, ich fand, ich fand das Buch halt ... zu lang quasi für das, ähm, was es ... zu dem Thema zu sagen hatte. Also, die Rahmenhandlung war für mich, äh, die hätte man fast weglassen können im Grunde.

Josy: Ich das ist ein

aparikk: Also, es ist Ach, Ach, das ist nicht ihr allein? Oder wie ist es besser? Mhm, mhm.

Josy: Doch doch, aber die haben da quasi, die wollten den Existenzialismus unter das Volk bringen, also unter das lesende Volk, aber nicht unter die Philosophenritz. Und ich meine, dass dafür das geschrieben wurde. Und ich hab das Gefühl, so Regine ist der Anknüpfungspunkt, so der Anker in der damaligen Realität.

Josy: ist eine Person, die extrem unsympathisch ist, aber sie ist zeitgenössisch. Man versteht das. Und wenn das angefangen hätte mit Ja, und hier ist jetzt ein Unsterblichkeitselixier und weißt du, das hätte, glaube ich, also ich glaube, das ist eher so, das ist wirklich eher eine pragmatische Entscheidung gewesen, als

aparikk: Mhm. Ja. Nein, ähm... Ach so. Mhm. Du meinst, weil das sonst vielleicht einfach bei den Lesern nicht ernst genommen... Mhm.

Josy: Ja, das sind ja Leser, die was für Existenzialismus hören wollen. Und dann fängt es an im 13. Jahrhundert mit so einem Italiener. Und das wäre vielleicht ein bisschen weit weg gewesen von dem, was sie sehen. Existenzialismus war ja vor allem Rollkragen, Pullover und Rauchen und Trinken. Was für Drogen denn damals?

aparikk: Mit so einem Fürster und so, ne? Ja, okay. Und Drogen. Ja, die, die man damals halt so zur Hand hatte. Opium rauchen.

aparikk: Ja, aber so richtig Mitleid mit ihr konnte man auch nicht haben, weil sie war unfassbar unsympathisch. Ja, ja. Ja.

Josy: Nee, konnte man nicht haben, weil sie einfach so eine Narzisstin ist. Also ich mein, jeder hat so sein Problem mit der Sterblichkeit, aber für sie ging es wirklich...

Josy: Nur Umgeltung, es ist ja was anderes, ob dich die Unsterblichkeit fertig macht, weil sie dich von den Menschen trennt, die du liebst, wie bei Marianne, oder ob sie dich deshalb fertig macht, weil deine Größe nicht anerkannt wird in alle Ewigkeit, weil dann auch niemand mehr ist, der sie anerkennen kann. Also, das sind beides.

aparikk: Ja. Ja, ja. Also, ja, ihr Motiv, ihr Motiv, also quasi sich in Foskars Gedächtnis einzubrennen, das war auch eher, ja, also ... Ja. Das war nicht so gut nachvollziehbar irgendwie. Und dass sie dann das nicht geschafft hat, ja, da konnte man auch so mittelfil Mitleid mit ihr erführen finden. Ja.

Josy: Ja genau, also es war nichts, weil sie so unsympathisch war und weil sie einfach so eitel war als Mensch. Also im Sinne von einfach oberflächlich war sie einfach als Protagonistin jetzt nicht so der

aparikk: Aber...

Josy: hat mir jetzt nicht so viel gebracht, deshalb das Einzige, was ich in dieser ganzen Unterhaltung mit ihr wirklich interessant fand, aber das hätte man auch ohne sie machen können, war, als sie am Ende nochmal, also da ist dieses Gespräch und da sagt Fosker dann nochmal, fügt der Geschichte hinzu, den Blick in die Zukunft. Er sieht sich am Ende aller Zeit, keine Menschen mehr und nur noch er und die Maus.

Josy: Die Maus, die, das habe ich nicht erzählt, an der er das Unsterblichkeitselixier getestet hat. Das war halt nur eine Ampulle für eine Person. Das war wirklich eine Stelle, die ich nicht vergessen werde. Sollte ich nicht kurz erzählen, was da passiert ist?

aparikk: egal.

Josy: Also, das war das Haustier von Tancred, also von seinem Sohn, der damals noch ganz klein war. Und da war dieses Unsterblichkeitselixier, was er sich da von jemandem gekriegt hat, damit er sein Leben verschont. Und dann wollte er das natürlich nicht einfach so trinken, hat ihr Gift sein können, hat es an der Maus getestet. Hat die Maus, hat er das gegeben, Tropfen, hat die Muster umgebracht.

aparikk: Mhm. Na, die hat halt ihr Mäuse -Ding gemacht. Mhm, mhm.

Josy: und die Maus ist kurz danach später wieder quick -lebendig gewesen. Und danach haben wir die Maus aus dem Auge verloren, die ist nie wieder aufgetaucht, aber ganz am Ende, ja genau, ganz am Ende, ganz am Ende kommt sie, also ganz am Ende der Geschichte kommt sie wieder zur Sprache und ganz am Ende, also ein Ende hat ja seine Existenz nicht, aber der weitest mögliche Zeitpunkt, den er in die Zukunft guckt, also letztendlich ist das die Vorstellung von der Ewigkeit für ihn.

Josy: Er ist alleine mit der Maus auf einer wahrscheinlich komplett verwüsteten Erde, ohne sonstiges Leben. Und er ist da aus eigener Schuld, die Maus ist da, weil er ihr das gegeben hat. Und in dem Moment hatte ich den Eindruck, dass für ihn, und ich habe das sehr gut nachempfunden, ich habe es genauso gesehen, die Schuld, die er auf sich geladen hat, weil er dieser Maus

aparikk: mhm mhm mhm mhm mhm

Josy: die Unsterblichkeit gegeben hat, gegen ihren Willen, schlimmer ist, als alles, was er auf sich geladen hat, an Schuld, weil er Menschen umgebracht hat. Weil es die Unsterblichkeit ist. Das ist ewig.

aparikk: Also das ist, das sehe ich wirklich ganz ganz anders. Aber Josy warte mal kurz. Warte mal bitte. Ich finde da ist ein philosophischer Trugschluss, weil als es sich übrigens nach den Zitaten zur Unsterblichkeit oder

aparikk: dem sterben dem leben was auch immer gesucht habe habe ich was von borgess gefunden und fand das auch sehr interessant und das passt hier zu dem punkt sehr gut und zwar to be to be immortal is commonplace except for man all creatures are immortal for they are ignorant of death das ist so also die

Josy: Nochmal. Was ist commonplace to be... Ach so. Das heißt, kleine Kinder sind auch noch unsterblich. Nee, aber es gibt einen Unterschied zwischen erlebter Unsterblichkeit und tatsächlicher Unsterblichkeit. Also...

aparikk: Immortality, also Unsterblichkeit ist eine sehr gewöhnliche Sache, weil außer ... Genau. Und Lisa ist auch unsterblich. Und die Maus war vorher unsterblich und ist danach unsterblich. Das ... weiß ich nicht, ob das bei einer Mause ist. Also meinst du, Lisa würde existenzialistische Probleme bekommen, wenn sie unendlich lange Frisbees jagen würde? Quasi?

Josy: Sie jagt dann eben keine Frisbees mehr, weil die Welt irgendwann zu Ende geht. Mit wem soll sie Frisbees sammeln? Sie wäre ganz alleine. Also das ist überhaupt das große Problem in diesem Buch. Also nein, also das ist eigentlich das zentrale Problem, was sich ergibt. Das ist das zentrale Problem.

aparikk: Warum? Ja, gut, aber naja, komm, das ist jetzt, also dann... Nein, aber dann, nein, das ist, also...

aparikk: Ja, aber das ergibt ja auch logisch keinen Sinn. Also was ist dann am Ende? Wenn der Planet explodiert, schwebt er mit der Maus im Weltraum rum? Das ist einfach so ein Ding, das es nicht gibt. Also diese...

Josy: Das weiß er natürlich nicht, aber ja, ja, ne, guck mal, wenn es die Unsterblichkeit gibt, von dieser Prämisse müssen wir jetzt mal ausgehen, das ist natürlich rein fiktiv, aber wenn es sie gäbe, dann, ja, dann müsste man sich das vorstellen, dann wärst du... Du nimmst es nicht ernst, du nimmst es nicht ernst, die Unsterblichkeitsidee.

aparikk: Ja, aber die... Nein, das ist nicht ausdefiniert genug. Also ist die Unsterblichkeit... Was passiert quasi, wenn du wirklich atomisiert wirst? Weil... Nein, es wird nicht erklärt. Nein, was passiert denn, wenn du wirklich zu atomarem Staub quasi gemacht wirst? Eben.

Josy: Also ich denke, man kann durchaus sagen, es ist eine Schwäche des Romans, dass er sich mit diesen naturwissenschaftlichen Fragen überhaupt nicht beschäftigt. Ich finde auch, dass das überhaupt über dieses Entsterblichkeitselixier kommt, dieses Fantasy -Element und danach ist nie wieder Fantasy. Das finde ich ein bisschen billig, muss ich sagen. Das hätte man anders machen können. Ich wüsste jetzt auch nicht so genau wie, aber man hätte sich damit mehr Mühe geben können.

aparikk: Das ist quasi... Es wird ja gar nicht gesagt, auf welche konkrete Art und Weise diese Unsterblichkeit funktioniert. Also heilen...

Josy: Ja, weil das halt nicht der Punkt ist, ja.

aparikk: Ja, klar ist es nicht der Punkt, aber wenn man das halt nicht macht, ergibt auch dieses Gedankenexperiment mit der zerschrotteten Erde keinen wirklichen Sinn, weil ... Und weitergehend quasi mit dem Planeten, der dann irgendwann nicht mehr existiert. Weil halt einfach nicht klar ist, wie diese Unsterblichkeit funktioniert. Also ...

Josy: Ich denke, du musst dir eigentlich das Schlimmste vorstellen. Du musst dir das Schlimmste mögliche vorstellen, weil alles in der Unendlichkeit wird ja alles, was du dir vorstellen kannst, passieren. Also alles, was möglich ist, wird passieren. Nee, es ist eben nicht super. Ja, Foska muss nicht atmen. Er muss nicht essen, er muss nicht trinken, er muss nicht atmen. Nein! Wie kommst du denn darauf?

aparikk: Nein, aber ... Ja, aber du lebst ja nicht. Du kannst ja ... Ist ja super und sterblich, aber ... Du kannst ja nicht mehr atmen, wenn du keinen Sauerstoff hast. Doch, muss er ... Er muss atmen. Ja, weil er atmet. Nie weiß ich nicht, ob das Spaß ... Also ... Nein, das ist alles nicht ausbuchstabiert, Josy. Das ist jetzt einfach ... Das vermutest du.

Josy: Ja, weil das Spaß macht, aber er muss nicht. Genauso wie er nicht essen muss. Doch, also das ist nur logisch. Er hat nicht die physiologischen Bedürfnisse eines lebenden Menschen. Er schwirrt ein bisschen und dann geht er weiter. Genauso wie wenn ihn mit dem Messer verletzt. Das ist doch auch nicht mit den Naturgesetzen vereinbar.

Josy: Ja, dann wird er wieder zurückfinden oder wächst nach, eins von beiden. Müsste man ja, die sind nicht formuliert worden, aber ich finde trotzdem,

aparikk: Ja, guck, aber diese ganzen Sachen, wenn man halt das Gedankenexperiment bis zum Ende durchführen will, muss man halt da gewisse Regeln haben.

aparikk: Nee, die existieren nicht. Und deswegen ist ... ist für mich ... bleibt das halt alles nur in dem Rahmen quasi, wo wir davon ausgehen, dass er ... na ja, wenn er einen Dolchstoß halt abbekommt, dann wächst das wieder zu quasi und heilt innerlich und so weiter. Aber ... Dann versteh ich ...

Josy: Aber damit nimmst du die Grundidee der Unsterblichkeit dann auch nicht ernst. Und dann hat das für dich auch nicht so den philosophischen Impetus, den es eigentlich haben soll.

aparikk: plausibel und da kann man glaube ich wirklich wesentlich besser dann über diese ganzen Konsequenzen reden, weil die Regeln, die er halt aufstellt, die sind ausdefiniert und folgen einer inneren Logik und das ist bei uns

Josy: Also in dieser Kurzgeschichte, ja, von der du erzählt hast. Sie hat das irgendwie so weit es geht vermieden darüber,

aparikk: Mhm. Also das, worüber wir jetzt die letzten zehn Minuten geredet haben, dieses Problem, dass Simone de Beauvoir halt quasi dieses eine Fantasy -Element, sie brauchte das halt, aber sie hat da so richtig viel drüber, also weiter drüber nachgedacht, hat sie halt nicht. Was das eigentlich für, also wie das eigentlich quasi naturwissenschaftlich dann

aparikk: Genau, also in dieser Welt, in der es das gibt, wie funktioniert das in dieser Welt? Das hat sie halt überhaupt nicht gemacht. Und das hat Borgers aber sehr wohl gemacht. Und deswegen würde ich vorschlagen, dass wir an der Stelle der Unsterblichkeit Sense machen und beim nächsten Mal

Josy: Ich möchte aber noch eine Sache kurz zur Unsterblichkeit sagen, die wird bestimmt auch bei Bill Guest wieder. Ja, das können wir machen, aber ich möchte trotzdem noch mal kurz sagen, weil das mich nicht sofort kommen lassen.

aparikk: Und beim nächsten Mal dann mit Borgess, nachdem wir das gelesen haben, an der Stelle weitermachen. Ja.

Josy: Eigentlich ist zentral, würde ich sagen, das zentrale Problem, was durch die Unsterblichkeit von Foskar entsteht, nicht nur für ihn, sondern auch für seine engsten Menschen, ist ja das Alleinsein.

Josy: Er ist allein und Marianne ist dann am Ende auch allein. Also es ist was vereinzelndes, diese Unsterblichkeit, was man sehr gut nachvollziehen kann. Also das ist auch das, was ich sehr gut mitgefühlt habe in dem Brasen. Da konnte ich mich hineinversetzen in dieses

aparikk: Ja.

Josy: in dieses Problem, was daraus entsteht. Ich hab mich gefragt, ist Voskas Problem eigentlich, dass er unsterblich ist oder dass alle anderen es nicht sind? Und... Ich hab ja... Hm? Sind Amira unsterblich? Das ist interessant, das ist interessant.

aparikk: Das wäre auch eine gute Überleistung in dem Buch, weil bei Borge... Ja, da sind alle unsterblich. Und ich glaube, dass das Problem nicht gelöst wäre, wenn alle unsterblich wären.

Josy: das

aparikk: Ja, aber Vampire sind cool und Vosga ist... naja, egal. Er ist eben edgy, edgy cool. Nicht alle, also Regis ist doch eigentlich ganz content.

Josy: Und einsam halt. Und für immer unbefriedigt. Also... Meine Vorstellung von Vampiren... Ja, aber immer nur auf Zeit. Also... Ich finde, es hat sehr viel von einem Vampir. Sein Dasein.

aparikk: Der hat auch Freunde gefunden, dem geht's gut. Also...

aparikk: Ja, das stimmt. Aber gibt's da eigentlich so Vampir -Romane, die sich auch mit diesem Thema ein bisschen intensiver befassen? Weil ich mein, Dracula, der Vampir ist ja gar nicht der Protagonist.

Josy: Hm, das klingt nur so ein bisschen an bei Dracula.

aparikk: Einfach nur Evil, Knievel und Twilight ist halt trash. Die Frage ist, ob es quasi wirklich einen existenzialistischen Vampirroman gibt. Das wäre interessant. Ansonsten musst du den schreiben. Ja, nein, nein, stimmt, stimmt.

Josy: Existenzialist, nein, da muss ja nicht existen-, also das Problem mit dem allein sein, das ist ja keine jetzt existenzialistische Grundidee. Also ob es-, also ich wollte, ich wollte ja immer mal sowas lesen oder schreiben, aber ich finde in Tanz der Vampire ist diese Idee drin.

aparikk: Ja, okay, aber das ist, ja. Aber das ist kein Roman. In Empire of the Vampire auch nicht. Das hab ich gelesen.

Josy: Also sehr prominent. Nee, ist kein Roman, aber ich kenn mich auch nicht so aus mit Vampirromanen. Also ich hab ein paar gelesen, wobei ich hab, ich hab ja schon... Also in Camilla ist es nicht drin, in Polydores, so Vampire ist es auch nicht drin. Da sind Vampire wirklich immer die Bösewichte und... Ist es in Interview mit einem Vampir vielleicht drin? Ja.

aparikk: Dann müssen wir den als nächstes angehen. Aber erstmal finde ich, dass das eine gute Sache ist, wie wir das machen mit der Library of Babel auf Englisch oder Unendliche Bibliothek, glaube ich. Aber Library of Babel

Josy: Also jetzt doch erstmal was Kurzes. Ich weiß es nicht. Von wann ist denn das? Okay. Also auch ungefähr

aparikk: klingt cooler und ich glaube im original im original heißt es auch la bibliotheca de babel also sagen wir library of babel das ist von 1941 vor simon aber sie wird es wahrscheinlich nicht gelesen haben denn es wurde erst spät ins englisch übersetzt keine ahnung

Josy: Ja, etwas vor. Ist es Englisch? Die hat bestimmt nicht auf Englisch gelesen. Warte mal, ist es Spanisch? Vielleicht kannte sie Spanisch. Spanisch ist nah am Französischen.

aparikk: Ja, aber ich mein, wenn's ins Englische erst spät übersetzt wurde, war Französisch wahrscheinlich danach.

aparikk: Borges ist Spanisch, ja. Aus Argentina. Genau, also die unendliche Bibliothek von Jorge Luis Borges oder La Biblioteca de Babel, das besprechen wir dann als Nächstes quasi auch vergleichend mit Simone de Beauvoir. Und danach aber dann die Wahlverwandtschaften. Das ist der Plan.

Josy: Okay. Ja. Bis dahin.

aparikk: Einverstanden? Gut. Okay, liebe Leute, macht es gut. Wir hoffen, dass die nächste Folge nicht so lange dauern wird, wie diese jetzt gedauert hat. Und hören uns dann alsbald. Adios.

Josy

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