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Buchbesprechung - "Lushins Verteidigung" von Vladimir Nabokov

Der Buchklub
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222 plays · Mar 4, 2024

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Speaker: Schach. Die komplizierteste Vergeudung menschlicher Intelligenz, die sich außerhalb einer Werbeagentur nur so finden lässt.

Speaker: von allem etwas. Ihnen gefallen halt immer die schönen jungen Authorinnen. Das ist keine Literatur, das ist bestenfalls literarisches Fast Fund.

Speaker: Hallo und herzlich willkommen zum Buchklub, liebe Leute. Lang ist es her, seit wir uns das letzte Mal gehört haben. Mein Name ist Igor und mit mir am Mikro mit leichten technischen Problemen. Hallo. Und auch noch anderen Problemen. Ist Josie, hallo.

Speaker: Hallo Josi, du hast eben so ganz komische Gesichter gemacht, ist alles gut bei dir? Ja, meine Kopfhörer waren viel zu laut, ich weiß nicht, ich hab neue Kopfhörer, wie ihr vielleicht seht, ich hab jetzt kein Paket Klebeband mehr an meinen Kopfhörern, aber irgendwie kann man hier nicht richtig die Lautstärke einstellen. Die kann man gar nicht einstellen. Ach toll, warum hat der denn einen Knopf dafür?

Speaker: nur wenn er mit der PlayStation verbunden ist. Josi hat meine schönen Camouflage -PlayStation -Puls -3D -Kopfhörer geerbt. Deswegen sieht sie jetzt so cool aus. Ja. Herzlich willkommen zu unserer sonntäglichen Sendung, die ihr möglicherweise erst am Montag hört, was auch immer das damit auf sich hat. Ähm ...

Speaker: Wir sprechen heute über Nabokov zum zweiten Mal im Buchklub vertreten. Und zwar über die Verteidigung Lujans. Auf Englisch einfach nur The Defense. Auf Deutsch einfach nur Lujans Verteidigung. Genau. Lujans Verteidigung.

Speaker: Ich hab mir außerdem Sahne, vegane Sahne in meinen Laptop schließen lassen, in mein Touchpad. Wie bitte? Ins MacBook? Ja, ja. Also. Was soll man da machen? Ja. Also, wenn ihr den Buchclub mögt, dann wisst ihr, dass wir uns immer über fünf Sterne freuen.

Speaker: Und normalerweise sind wir auch wesentlich professioneller als jetzt. Ähm, ja, also ... Und außerdem haben wir einen Discord -Server, wo ihr auch willkommen seid. Genau. Und schlag doch gerne Bücher vor, wir haben neulich einen Vorschlag bekommen, ne, Igor? Ah ja, das ist korrekt. Nein, ich hab auch noch gar nicht auf die nette Mail geantwortet. Aus Brasilien, liebe Leute, aus dem fernen Südwesten, da ganz anderes Ende der Welt. Ist da nicht eine deutschsprachige ... Das ist auch in der Nähe von Chinesien, glaub ich.

Speaker: Ist ja nicht eine deutschsprachige Community. Heldbesprechende, glaube ich. Nein, nein, nein, nein, stopp. Aus Mecklenburg -Vorpommern sind ganz viele Menschen im 16. und 17. Jahrhundert nach Brasilien ausgewandert. Ich hab da nämlich an der Uni zu, haben wir da mal was gemacht und haben da eine Brasilianerin

Speaker: oder ehemalige deutsche, deutsch -brasilianerin oder so, haben mit der jedenfalls gesprochen und die hat uns da ganz viel erzählt. Und das ist sehr, sehr interessant, weil die Sprache in diesen Communities ist eben eingefroren. Also, die kannte tatsächlich Deutsch.

Speaker: Ich konnte Deutsch, ein bisschen frei. Es klang ein bisschen komisch, weil das halt in dem Status quasi gefriest ist zum Teil. Wie das Deutsche eben, als sie ausgewandert sind, und sie hat uns erzählt, dass die da auch Oktoberfest feiern und so. Ja, aber dann kommen die nicht aus Mecklenburg -Vorpommern. Äh ...

Speaker: Ja, das ist jetzt eine gute Frage. Denk mal drüber nach. Da muss ich mal drüber nachdenken. Vielleicht kann uns ja unser Zuhörer aus Brasilien uns da noch mal aufklären, ob er das Oktoberfest feiert oder nicht. Wie dem auch sei, sein Wunsch waren die Wahlverwandtschaften von Goethe. Hat mich sehr gefreut.

Speaker: Wir werden dem Wunsch sehr gerne nachkommen. Das heißt, das kommt in unsere To -Read -Liste. Wir haben ja quasi momentan, also nachdem wir heute Nabokov besprechen, haben wir als nächstes Meister und Margarita von Bulgakov. Und dann würde ich sagen, hauen wir dann direkt danach den Goethe rein, oder?

Speaker: Ja, eigentlich hatte ich ja auch noch was angemeldet, ne? Ja, was? Alle Menschen sind sterblich. Irgendwie hast du immer nur deine Titel auf dem Schirm, ne? Ach, von Simone de Beauvoir, ne? Es ist schon zweimal hintereinander, was von dir. Ja. Also von ... Ja. Aber wir müssen, glaub ich, einfach mal gucken, wie lang die Bücher alle sind, ne? Also wenn wir jetzt wieder so ein 500 -Seiten -Epos als nächstes reinschieben, dann dauert das ja wieder ... ewig. Ach so, ich dachte, das war klar. Ich dachte, wir machen das so oder so als nächstes.

Speaker: Das machen wir jetzt erst mal, aber vielleicht machen wir zu viel, schieben wir dann doch noch mal einen anderen dazwischen, der kürzer ist, würde ich sagen. Die Ballverwandtschaft, die sind nicht so lang, ne? Die sind auch relativ lang, meine ich. Ach so. Und Simon de Beauvoir? Er ist auch nicht kurz. Also, ich glaube, was wir dann dazwischen schieben würden, wäre eher eine Novelle oder sowas. Aber da werdet ihr dann, ja, kann uns nicht versprechen, dass wir euch so richtig auf dem Laufenden halten.

Speaker: weil wir bis dahin keine Folge mehr haben und im Discord sind wir auch in der letzten Zeit ziemlich... naja, unzuverlässig. Aber wir geben uns Mühe.

Speaker: Die größte Mühe. Okay, gut, dann ... wollen wir nicht so lange Quatsch erzählen, wollen wir lieber anfangen. Und zwar ... Nabokov. Vladimir Nabokov. Ich erzähl euch ganz kurz was. So heißt er. Vladimir Nabokov? Josie, das ist schon jetzt irgendwie ein bisschen ... Ich muss hier nichts zu sagen. Also, Nabokov.

Speaker: ist ein russisch -amerikanischer Schriftsteller, aber eigentlich ein weltsbürgerlicher Schriftsteller, würde ich sagen. Schmetterlingsforscher. Ach, echt? Und Literaturwissenschaftler. Er ist, ja, also Schmetterlinge... Schmetterlingsforscher sind natürlich extrem unsympathisch. Das heißt, dass sie die Schmetterlinge auch so aufspießen, oder?

Speaker: Nee, der hat die immer in so Hefte eingemacht. Und wer hat die getötet? Weiß ich nicht, Josie. Das hab ich nicht herausgefunden. Hat mich auch gar nicht ... Also, Nabokov ... Was man über ihn wissen sollte, ist, er ... Hat Lolita geschrieben.

Speaker: Das ist das, was man über ihn weiß. Was man über ihn wissen sollte, ist, er ist um die Jahrhundertwende in St. Petersburg geboren, stammt aus einer adeligen Familie, also aus einem Adelsgeschlecht, aus einem Bekannten tatsächlich.

Speaker: von den Nabokovs. Sein Vater war dementsprechend auch eine bekannte Figur, ein Politiker, ein Offizier, ein Hochrangiger, der im späteren

Speaker: Seine Herkunft sollte Nabokov später noch ein paar kleine Vorteile einbringen. Abgesehen davon, dass er ausgezeichnet ausgebildet wurde, quasi dual oder sogar trilingual aufgewachsen ist. Er konnte einwandfrei Französisch, Englisch und Russisch sprechen. Dann kam ein bisschen später Deutsch dazu.

Speaker: Allerdings Englisch konnte er so gut sprechen, dass er schon nach seinem Exil, also nach Bukow, verließ. Russland, aka die Sowjetunion, die es ja dann wurde, also nach der Revolution,

Speaker: wie es jeder vernünftige Adelige natürlich tun sollte, verließ also die Sowjetunion, die dann entstand in Richtung Berlin. Da war eine ziemlich große russisch -jüdische Community, kann man noch sagen, Migranten aus der Sowjetunion. Allerdings mussten diese dann Berlin auch irgendwann wieder verlassen.

Speaker: Um 33 herum wurde es relativ unangenehm in Berlin und dementsprechend verließ Nabokov mit seiner Ehefrau 36 oder 37, also die Repression gegen Juden, seine Frau war eine Jüdin.

Speaker: zu stark wurden, verließen sie Berlin in Richtung Frankreich und dann aus Frankreich relativ schnell nach Amerika. Allerdings ist es so, dass Nabokov schon in Berlin angefangen hat, seine Prosa auf Englisch zu schreiben, relativ schnell. Er blieb dann auch dabei. Er schrieb sehr gerne seine Gedichte auf Russisch.

Speaker: Und seine Prosa auf Englisch. Mhm ... Er war halt wirklich bilingual. Also ... ne? Wirklich Englisch und Russisch waren für ihn ... zumindest diese beiden, und ich glaub, ehrlich gesagt, aber auch das Französische waren ... gleichwertig, gleich stark. Aber wahrscheinlich, da das Muttersprache, Emotion, et cetera, was wir auch schon besprochen haben, deswegen vielleicht die Poesie auf Russisch. Wie dem auch sein. Ich hätte eine andere Theorie, aber ...

Speaker: Das kannst du ja gleich sagen. Noch schnell zu einer Book -off. Was man zu der Verteidigung Lusions vielleicht noch sagen kann, ist, das ist eigentlich nicht sein erster Roman, aber für ihn, laut ihm, ist es der erste. Alles davor hat er dann im Nachhinein betrachtet als Aufwärmübung gesehen. Für ihn ist das sein erstes Werk.

Speaker: Hast du gesagt, wie alt er war, als er den geschrieben hat? Nee, hab ich nicht. Aber er war in den Zwanzigern, er war sehr jung.

Speaker: Okay. Ich glaube, 25, so was. Wo soll ich das wissen? Also jung. Okay. Also er hat ihn in Deutschland geschrieben. Merkt man vielleicht auch ein bisschen. Und er war in seinen 20ern. Okay, dann mach mal dieses Spilling, dann kommt meine Zusammenfassung. Und? Nee, das ist falsch.

Speaker: Ach so Leute, das war eine schöne Folge. Aber du wolltest noch ganz kurz was zu seinen Sprachen sagen, bevor wir zu der Zusammenfassung kommen, vielleicht? Das wäre jetzt nur, also ich glaube nicht, dass, also ich würde denken, weil Gedichte ja so viel mehr Präzision brauchen, so viel nuansierter sind in der Sprache.

Speaker: dass es erstens in der Muttersprache doch immer noch besser geht und zweitens man andersrum, wenn man diese Präzision, also es ist ja nicht jeder so, dass er so sprachlich präzise, so dass er so...

Speaker: Ja, diese Nuancen in der Sprache überhaupt so sieht, aber ich bin der Meinung, Nabokow war da sehr raffiniert mit der Sprache. Aber wenn er dann in einer Fremdsprache schreibt, gerade auf Englisch, was doch ein bisschen einfacher ist als die meisten anderen Sprachen, dann hat er vielleicht nicht diese Obsession, immer genau das perfekte Wort zu finden und kommt auch dazu, längere Texte zu schreiben.

Speaker: Also, Susan Arbukow selber hat was dazu gesagt, und das ist eigentlich genau ... steht im Widerspruch zu dem, was du sagtest. Er hat nämlich gesagt, mein Kopf spricht Englisch, mein Herz spricht Russisch und mein Ohr Französisch. Wieso ist das ein Widerspruch?

Speaker: Naja, weil eben sein Kopf, also sein Verstand, das, wo es um Präzision und so weiter geht. Nee, ich mein jetzt nicht Präzision, nur, dass genau das Richtige gemeint ist, eben leider auch, dass genau die richtigen Eindrücke, körperlichen Eindrücke, Empfindungen und so weiter transportiert werden. Genau, das ist ja nicht nur Kopf. Ja, dann ist es ja das, was ich auch gesagt hab. Also, ähm ...

Speaker: Ja. Ja, gut, weiß ich jetzt nicht. Vielleicht wusste er das ja auch selber nicht so genau. Ja, aber Fakt ist auf jeden Fall ein hochbegabter, talentierter Mensch. So, hast du einen Knopf gefunden? Und kommen wir mal zu Lucian. Oh, Igor, Mann. Ich hab übrigens äußerst starke Migräne, Leute.

Speaker: Okay, also Zusammenfassung. Lushens Verteidigung. Lushen. Ich glaube, Vorname Alexander Ivanovich. Sehr interessant. Wir erfahren seinen Vornamen auf der letzten Seite.

Speaker: Ja. Wird geboren in wohlhabenden Verhältnissen. Der Vater ist Schriftsteller, wobei nicht der Eindruck entsteht, dass er von der Schriftstellerei lebt. Und hat große Erwartungen für seinen Sohn, also ist sich sicher, dass er irgendwas Großes leisten wird. Weiß nur noch nicht, auf welchem Gebiet.

Speaker: ist aber sehr offen, das muss man eben zu gut erhalten. Die Mutter ist eher so eine Randfigur in seiner Kindheit, in seinem Leben. Sie wachsen auf dem Land auf, da ist eigentlich alles ziemlich idyllisch, hat man den Eindruck, aber sein Leben ändert sich zu miserablen, als er auf die Schule nach St. Petersburg geschickt wird.

Speaker: wo er ein Außenseiterdasein fristet. Also, er geht auch schon mit sehr negativen Erwartungen ran an diese ganze Schulsache. Ja? Ganz kurz, aber er wächst doch gar nicht auf dem Land auf. Die verbringen da die Sommerzeit auf der Deutsche bei den Großeltern. Aber wo wächst er denn bei den Großeltern? Im Sommer sind sie da bei den Großeltern, aber dieser eine schicksalhafte Sommer ... der beendet ja quasi diese Zeit, weil er ab da halt in die Schule gehen muss. Aber von den Großeltern ist doch gar nicht die Rede.

Speaker: Doch. Am Anfang, klar. Am Anfang des Romans. Okay. Also ich hab das so verstanden, dass es quasi deren Landhaus ist.

Speaker: Ja, ja, ist es ja auch. Also, ne? Gut, also jedenfalls, man kriegt eigentlich nur das Land zu sehen und die Schule. Und diese Einschulung führt dann eben auch, also erstmal wird er sehr unglücklich mit seinem Leben, dann entfremdet er sich auch vom Vater, der ihn da hingeschickt hat, mit dem auch nicht darüber reden kann, wie schlimm das da für ihn ist. Und vorher war der Vater eigentlich eine Bezugsperson für ihn. Die einzige Bezugsperson, die er dann auch hat, ist seine junge Tante.

Speaker: Also offenbar eine verwandte Mütterlicherseits, die oft zu Besuch ist. Die wird allerdings dann verstoßen, weil aufliegt, dass sie eine Affäre mit seinem Vater hat. Tüdüm. Und ja, an ihrem letzten Abend da, an dem Abend, wo das alles auffliegt, bringt sie eben ... ja, so beiläufig Schach bei. Wobei man muss sagen, zur Verteidigung des Vaters, die Tante ist quasi, das ist nicht ganz direkt. Lass uns dann nachher drüber reden. Okay.

Speaker: Ab dem Moment hat er diese Obsession für Schach. Also eigentlich schon vorher, weil er jemanden darüber hat reden hören. Ab dem ersten Moment, wo er mit der Idee von Schach irgendwie in Berührung kommt, ist diese Obsession da. Er wird dann auch zu einem Wunderkind.

Speaker: Davon kriegt man gar nicht so viel mit, aber er tourt dann durch die Welt von Turnier zu Turnier, zuerst mit dem Vater, dann noch mit Valentinov, das ist so ein Mensch aus dem Showgeschäft, der ja, der in ihm quasi so die nächste Attraktion wittert, mit der er Geld machen kann und der... Also der Elon Musk, der Lokale.

Speaker: und der für ihn dann so eine Art Vaterfigur abgibt, eine gewisse Zeit lang. Ja, der lässt ihn dann aber irgendwann, als er zu alt ist, alleine. Wann genau, ist mir gar nicht klar geworden. Jedenfalls treffen wir Lucian dann in seinen 30ern wieder. Er ist Großmeister, ziemlich in die Breite gegangen, also überhaupt körperlich nicht so... nicht gesund. Auch nicht ansehnlich, ne? Nee, sieht auch älter aus, als er ist.

Speaker: Hat einen sehr großen Kopf, also da ist eine Art Monster geschildert. Nein.

Speaker: Der Vater ist kürzlich gestorben. Die hatten auch bis zum Ende kein enges Verhältnis. Er ist an der Ostsee bei einem Turnier und da lernt er eine junge Russin kennen, die eine ungewöhnliche Neigung zur Empathie und Mitleid hat und von Lucien fasziniert ist vom ersten Moment an, obwohl sie überhaupt nichts von Schach versteht.

Speaker: Ja, ihre Mutter, die mit da ist, die mag ihn auch nicht luschen. Trotzdem, also die verbringen sehr viel Zeit miteinander und irgendwann macht er ihren Heiratsantrag tatsächlich, den sie auch nicht sofort annimmt. Aber er verkehrt dann wenig später bei ihnen zu Hause in Berlin.

Speaker: wo irgendwie ein anderes Turnier stattfindet, und zwar ein ziemlich wichtiges, wo nämlich auch Turati teilnimmt, das ist so ein Konkurrent von Lucien. Der ist im Grunde... Nemesis. Ja, es ist ein Italiener, der im Grunde alles verkörpert, was Lucien mal nachgesagt wurde. Also Originalität, spannendes und vorhersehbares intuitives Spiel. Also diese Leichtigkeit der Jugend, die man bei Lucien irgendwie nicht mehr so fühlt.

Speaker: Und Lucien hatte auch in der letzten Zeit einfach irgendwie eine Durststrecke, hat nicht mehr viel gewonnen. Und in dieser Zeit, wo er eben in diesen zwei Welten lebt, er verkehrt einmal bei den Eltern seiner Freundin zu Hause und einmal geht er tagsüber zu diesem Turnier. In der Zeit verengt sich seine Wahrnehmung immer mehr auf Schach und er kann diese zwei Welten nicht mehr auseinanderhalten.

Speaker: Am letzten Spieltag, die Partie gegen, also er ist gegen Torati, hat gegen Torati gespielt, die halt beide gleich viele Punkte haben. Es geht halt um den ersten Platz. Die Partie wurde unterbrochen. Da bricht er auf dem Rückweg zusammen und wird dann zur Russin nach Hause transportiert von sehr netten, betrunkenen Deutschen. Ja.

Speaker: aus einer Solidarität unter Biertrinkern heraus. So muss man das glaube ich lesen. Sie interpretieren ihn als betrunken und dann hat er quasi ein Anrecht von ihnen versorgt. Dann unterstützen sie ihn. Wäre schön, wenn die Deutschen wirklich so wären. Nabokov hat anscheinend einen sehr guten Eindruck von den Deutschen gehabt damals.

Speaker: Jedenfalls wird er dann auch in einer Heilanstalt gesund gepflegt, auf Kosten der Eltern von dieser Russin. Und alle sind sich einig, also auch die Ärzte. Der soll nie wieder Schach spielen. Das schadet ihm. Zuerst befolgt er diesen Rat auch. Er ist wie so ein kleines Kind. Er macht eigentlich alles, was seine Freundin, Verlobte zu dem Zeitpunkt will.

Speaker: Er ist ja unfähig zu irgendwas. Er kann ja nichts außer Schach. Er ist ja komplett ungebildet. Er hat nie was anderes gemacht, nie was anderes gelernt. Er ist überhaupt nicht lebens tüchtig. Also nicht lebens tüchtig, nicht akademisch gebildet. Er kann nichts außer Schach, genau.

Speaker: Dann passiert es aber doch, dass er wieder Kontakt mit, also über Schachrätsel in Zeitungen wieder Kontakt mit Sushach bekommt, sich heimlich damit beschäftigt und dass auch diese unvollendete Partie gegen Torati wieder in seinem Kopf wieder irgendwie aufgewühlt wird in seinen Erinnerungen. Man hat auch das Gefühl, dass er da irgendwie, also dass das irgendwie was Dissoziatives ist, was er da hat. Also er kann seine Erinnerungen auch nicht so richtig einwandfrei zusammen.

Speaker: Fügen. Jedenfalls hätte er sich ... Es geht ja auch konkret bei ihm dann um das Spiel des Lebens. Also, er sieht ja jetzt irgendwelche ... Er zieht ja jetzt dann die ganze Zeit Parallelen vom Schach auf sein Leben. Er fühlt sich bedroht. Er sieht wiederkehrende Züge. Er fühlt das Matt im Naht. Er sieht die Verteidigung gegen diese Bedrohung und so weiter. Er entwickelt letztendlich Paranoia.

Speaker: Schachspielerparanoia. Ja, aber das ist ja auch nicht der einzige Schachspieler in der Geschichte. Jedenfalls, man würde denken, er hätte trotzdem den Weg der Heilung weiter beschreiten können und mit der Fürsorge von all den Leuten um ihn rum, wenn nicht Valentinoff wieder aufgetaucht wäre.

Speaker: Er dreht jetzt nämlich einen Film, einen Spielfilm, wo ein Schachtturnier drin ist und er will unbedingt, dass Lucien dabei ist. Er entführt ihn quasi zu einem, bringt ihn zu einem gestellten Schachtturnier. Lucien flieht von da, es ist komplett aufgelöst, kehrt zur Wohnung zurück. Also inzwischen wohnt er mit seiner Russin, die auch keinen Namen hat, soweit ich weiß. Die wohnen zusammen in einer Wohnung, sind auch schon verheiratet.

Speaker: Und ja, da schließt er sich ein und im Badezimmer und springt aus dem Fenster. Mutmaßlich.

Speaker: Nee, er springt aus dem Fenster, das ist sicher. Er ist nicht mehr da. Wo soll er sonst hin sein? Ich würde sagen, die Frage, die nicht ganz klar ist, ist, ob er das überlebt hat vielleicht. Weil unten sind ja irgendwie, da wurde ja eine Rettungsmannschaft oder so was gerufen und ich interpretiere das so, dass da so ein Tuch oder was weiß ich gespannt wurde, um ihn aufzufangen.

Speaker: Ich weiß es nicht, aber es wird nie gesagt, dass er quasi sprengt. Das ist nur so der letzte Satz des Romans. Da stürmt dann doch einer der Gäste durch die Tür und schreit irgendwas. Und Alexander Ivanovich war nicht mehr da.

Speaker: Ja, also ich denke, das kann man nicht anders interpretieren, als dass er tatsächlich gesprungen ist. Aber was überlebt hat, wissen wir halt nicht. Also es waren halt auch noch Gäste da zu bald in diesem Abend. Ja. Und ich würde jetzt sagen, Fazit, es geht... Danke für deine Zusammenfassung erstmal. Es geht darum, dass Schach gefährlich ist.

Speaker: Ja, toll. Alles klar. Dann ... Es war sehr schön mit euch. Josi hat euch erklärt, worum es in dem Buch geht. Schach ist nix gut. Hat auch das Zitat am Anfang schon belegt, übrigens. Hast du eine Idee, von wem es ist? Nö. Also ... Okay, das ist auch ... wär jetzt sehr komisch, wenn du drauf kommen würdest. Raymond Chandler.

Speaker: Das ist irgend so ein, ah ja, das ist dieser Noir. Das ist der Erfinder vom, ne? Pulp, Noir. Ja, genau. Detektiv, Hardboiled Detektiv. Das ist der, von dem dieses Zitat ist mit diesen dunklen Wegen muss ein Mann wandeln, der selbst nichts Dunkles in sich trägt oder irgendwie so, ne?

Speaker: Ja. Also, kommen wir zu Allusionsverteidigung. Okay, Schach ist sehr gefährlich, Josi, das ist das, was du da heraus mitgenommen hast. Interessant. Das ist gut, weil vorher wusste ich das nicht. Ja, okay.

Speaker: Okay. Was möchtest du denn sagen? Worum geht's in deiner Meinung nach? Ich hab nicht mit so einem Einstieg gerechnet. Hast du das Buch nicht verstanden? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht genau.

Speaker: Also bei Nabokov geht es ja, ist es ja so, dass sehr, sehr viele Dinge immer im Subtext passieren. Das ist ja seine Art zu schreiben, einfach. Ist das so? Ich weiß nicht. Ist das so viel ausgeprägter als bei anderen?

Speaker: Ja, man muss schon auf Zack zählen, man muss bereit sein. Er hat halt eine sehr feine Art, ne? Also, die Art und Weise, wie die Affäre zwischen Vater und Tante hier geschildert wird, das ist bezeichnet für einen Book of Steel, das ist sehr interessant. Sie sitzen an Ostern am Familientisch. Der Vater und die Tante sind grade von ... Die waren irgendwo unterwegs, wiedergekommen, sind sehr gut gelaunt, eiern da rum. Die Tante ...

Speaker: Bewirft ihn mit so Brotkrümelchen. Und wirft ihm ein Brotkrümel in den Mund. Und die Mutter steht daraufhin auf, sagt, das ist quasi unerträglich und stürmt aus dem Zimmer. Und der Vater ihr hinterher, und es entsteht ein Riesenstreit. Und es geht offensichtlich, wobei das auch nicht expliziert wird, es geht offensichtlich, die Tante ist nämlich sehr bedrückt und so weiter. Also, was nicht ausgesprochen wird, aber passiert, ist ...

Speaker: dass die Tante und der Vater eine Affäre haben. Das ist halt wirklich interessant. Die Familie von Lujen ist halt auch die wie die Familie von Nabokov. Das sind sehr wohlhabende Leute. Das ist ein ...

Speaker: ein Umfeld, in dem es sicherlich als absolut inakzeptabel gelten würde, mit Brotkrübeln am Tisch zu werfen. Ähm ... Ach so, das hab ich jetzt gar nicht so ... Das war nämlich nicht so klar. Nee, die russischen Manieren, Josie, sind so ... Also, du kennst ja meine Großmutter.

Speaker: Ja, Guti ist auch eine Großmutter. Moment, wir sind hier in einer Zeit, wir reden hier von einer Zeit, in der ... Aber mit dem Alter wird man ja immer so ein bisschen konservativer. So, und Sie ist ja keine Adlige.

Speaker: Ich hab jetzt auch nicht versucht, bei ihr am Tisch mit Brotkrümeln zu werfen, das weiß ich gar nicht. Besser für dich. Also, die Sache ist, es ist eine, ja, natürlich. Also, inakzeptabel auf jeden Fall, mit Brotkrümeln zu werfen. Absolut, absolut barbarisch und vulgär.

Speaker: Und die Tante macht das. Und dann dieser Brotkrümel, den sie den Vater... Das sind, glaub ich, auch nicht nur Krümel. Ich hab das so verstanden, dass sie quasi das Weiße aus dem Brot so rausfriemelt, wie man das als Kind auch macht, oder was eine Kugel macht, und eben versucht, das in den Mund zu werfen. Nein, das macht sie nicht. Wieso nicht? Weil wenn sie das machen würde...

Speaker: Also, das ... würde zu weit gehen. Also, dann würde, glaub ich, dann ... Es geht ja auch zu weit, offenbar. Ja, aber es geht nicht ganz so weit. Ich hab mich, wie gesagt, ein bisschen informiert, ein bisschen was gelesen. Und ich hab einen Vortrag gehört von einem russischen Literaturwissenschaftler, der hat auch über diese Brotkrümel -Sache gesprochen. Und der hat aus Interesse sich ein Buch, es gab nämlich ein Buch im russischen Zahnreich,

Speaker: 1880 ungefähr publiziert, sehr populär. Manieren für die moderne Dame oder so. Und dort waren unter anderem auch Tischmanieren erklärt. Und wie das halt läuft. Man beißt auf gar keinen Fall ins Brot. Man beißt nicht Brot ab, sondern Brot funktioniert so, dass man ein Stückchen sich vom Brot abbricht.

Speaker: maximal so groß, dass es halt noch mit einem Happen in den Mund passt und so. Und dann standen da aber auch Dinge, die man nicht tun sollte.

Speaker: Und wie gesagt, abbeißen geht nicht, aber noch schlimmer ist Kügelchen machen aus dem Brot. Und zwar, warum, was ist der Grund? Der Grund ist, dass es deinem Sitznachbarn, also dass ihm übel davon werden wird, wenn er das sieht. Das ist in dem Buch so beschrieben. Also das ist so schlimm, es ist quasi, als würde man auf den Tisch scheißen.

Speaker: Also von so einer Art Gesellschaft reden wir.

Speaker: Das ist kein ironisches Hi -Hi -Buch, Josi. Das ist ein Ratgeber für quasi die Oberschicht des russischen Zahlenreiches. Ja, beim Knigge stehen halt auch Sachen, die nicht unbedingt alle ... Nein. Damals ... Ja, klar, damals hatte der Knigge ... Der Knigge hat heute nicht die Relevanz, die damals so ein Buch hatte. Gut, ich glaubte ja, dass das nicht so ein guter Stil war mit Brotkümmeln. Ja, nein, aber Moment. Von der Tante war's kein guter Stil.

Speaker: Aber von Nabokov ist es halt ein sehr, sehr guter Stil. Denn ... das ... nur diese Brotkrümelgeschichte ... und dieser Wurf in den Mund, das ist, ähm ... das ist der ... das ist quasi das, was ... uns dem Leser dann sagt, die beiden haben eine Affäre. Ja, die ... also, wer mit Brotkrümeln wirft, der hat auch Sex miteinander. Weil das so was Intimes ist.

Speaker: Und vulgär. Pornografisch. Also sexvulgär. Ich glaub nicht, dass Nauberkopf das sagen wollt. Nein, es ist einfach, es sprengt alle Grenzen.

Speaker: Ja, es ist ein Grenzübertritt, okay. Übertritt, und es ist eine Intimität. Aber halt auf eine unendlich subtile Art und Weise gezeigt, ne? Und deswegen, ähm ... Ja, aber ... vor dem Hintergrund könnte man ja auch denken, einfach weil das so schlimm ist, mit Brotkrümeln rumzuwerfen, dass die Mutter einfach deshalb so sauer war, weil die in ihrem Esszimmer mit Brotkrümeln rumgeworfen hat. Also, es ist mir ja ohne dieses Wissen über die Brotkrümel -Angelegenheit viel leichter gefallen, die Szene zu verstehen, als jemandem ...

Speaker: Nein, nein, nein, nein. Ich muss aber sagen, als ich das gelesen hab, hab ich dich ja gefragt, haben die eine Affäre? Also, weil mir war das ... Ich dachte, ja, aber vielleicht, also eigentlich ... Ja, aber siehst du, dann war's mir doch leichter zu verstehen mit meinem Brotkrümel -Hintergrundwissen. Ja, weiß ich nicht. Also, später wird es ja ziemlich offensichtlich, weil der Vater ja sogar, als er in Berlin ist, glaub ich, Besuch von der Tante kriegt oder als er in Petersburg ist. Auf jeden Fall sehen die sich immer noch.

Speaker: Nee, dass sie sich sehen, schon, aber... Na ja, doch, eigentlich, also was er expliziert. Also es wird dann schon ziemlich klar. An einer Stelle wird ja auch beschrieben, dass der Vater, also aus der Sicht des Vaters, dass der Vater sich nach ihr sehnt, sehr stark.

Speaker: und sich quasi jeden Tag verbieten muss, da hinzufahren zu ihr, zu diesem Haus und so darunter sehr leidet. Wir haben ja auch so ein bisschen Head Hopping hier bei Nabokov. Was für ein Hopping?

Speaker: Headhopping, also es ist wie bei Kehman, haben wir es auch neulich besprochen, dass man immer jemand anderes Perspektive hat, also zeitweise des Vaters, zeitweise von der verlogten Freundin, Frau von Lucien, ich glaube zeitweise auch von der Mutter, ich bin mir gerade nicht mehr ganz sicher, und von Lucien selbst auch, aber eigentlich nur in der Kindheit glaube ich, wobei

Speaker: Nee, später dann auch. Also, verrückt wird auch. Da wird ja immer beschrieben, wie er die Welt wahrnimmt. Also, es ist quasi ein ... Also, eine Mischung von verschiedenen Personen, zu verschiedenen Zeitpunkten relativ nah. Sogar der Tante. Die Szene, wo diese eigentlichen drei ... Also, als diese Tante rausgeschmissen wird und sie mit Lucien Schach spielt, die ist aus der Perspektive von der Tante beschrieben.

Speaker: Die ist aus der Tante, die ist aus der Perspektive der Tante. Die Szene ist ja sehr, sehr interessant, weil für die Tante geht's grade in dem Moment ja um die Wurst. Da geht quasi die Welt unter. Bei ihr entscheidet sich quasi ihr Schicksal. Also die Mutter wird den Vater vor die Wahl stellen. Und was macht der dann? Tante oder ich. Was macht er? Scheiße. Und dann hast du daneben diesen quängelnden Luschen. Bring mir Schach bei. Willst du nicht lieber Karten lernen oder so? Lass Durak spielen. Schach!

Speaker: Ja, genau. Aber Karten sind modern so. Niemand spielt Schach. Nee. Okay. Get the fuck out. Wenn du deine Klappe hältst, aber bitte leise. Also, sie lauscht ja die ganze Zeit. Ja, genau, dann geht sie ab und zu noch an die Tür lauschen und so. Aber diese Art und Weise, dass sie in dieser Anspannung Lujen Schachspielen beibringt, zeigt, dass ... also, dass ... sie ist ein sehr, sehr ...

Speaker: Warmer, menschlicher Charakter. Sie will ihn auch zum Schweigen bringen. Also jemand, der... Nee, nee, nee. Weißt du, wie man Kinder zum Schweigen bringt?

Speaker: Sie ist sehr warm mit, sie ist die einzige ... Man schreit sie an, so, und dann gehen sie weg und weinen in der Ecke. Das, was die Tante in dem Moment macht, ist schon ... sehr ... barmherzig. Also, wie gesagt, das ist ja das, was ich meine mit dem Subtext. Wir erfahren ja nicht so richtig viel über die Charaktere, über ... Also, aus solchen Handlungen können wir uns halt viel über die Figuren ableiten, glaub ich.

Speaker: Also, das schätze ich zumindest so bei Nabokov. Und ich find, das ist auch bei Lolita so. Man bekommt ein gutes Gefühl für die Charaktere. Definitiv. Und das ist der, deswegen, um jetzt den Kreis zu schließen, du meint, du hast ja angefangen mit Schachspiel, das ist gefährlich oder schädlich. Aber wir sind noch nicht fertig, wenn du den Kreis schließen willst.

Speaker: Nee, um darauf zurückzukommen. Wenn du sagst ... Also, wenn wir uns beide darauf einigen können, dass Brotkrümel am Tisch werfen, eine Affäre und Sex bedeuten. Ja, nicht immer und unter einem Umständen. Dann, bei so einem Autor, bedeutet Schach nicht Schach. Also, das ist klar. Und ... Daher stellt sich eigentlich die Frage am Ersten, was ...

Speaker: Gegen was verteidigt sich Lucian da eigentlich? Vielleicht gegen die Anforderungen der Welt, die Welt an ihn stellt, erwachsen zu werden. Aber er hat ja Erfolg zunächst in dieser Welt. Einen großen Erfolg. Ohne erwachsen zu werden, ja. Nee, als er erwachsen wird. Nee, er wird ja gerade nicht erwachsen, er wird nur alt. Achso, so meinst du das. Hm.

Speaker: Okay, aber also es ist ja so. Vielleicht ist er so ein negativer Peter Pan, so ein bisschen. Also man muss ja vielleicht dazu sagen, was das mit der Verteidigung eigentlich auf sich hat. Ich weiß nicht, hast du das, das hast du glaube ich nicht erwähnt, oder? Oder doch?

Speaker: Was hat das denn auf ... Also, ja, diese Paranoia hat das Gefühl, dass er sich ... Nein, ich meine, was ... Diese Verteidigung von Lujen, was soll das sein? Also, im Schach gibt es gewisse Eröffnungs ... einfach Theorien. Und die haben dann gewisse Namen so. Es gibt zum Beispiel die Sizilianische Verteidigung, das ist halt eine Art und Weise, von Schwarz auf gewisse Züge von Weiß zu antworten.

Speaker: Und dieser Turati ist ein innovativer ... Er spielt Weiß. Ja. Turati ist ein innovativer italienischer Schachspieler, der vor allem durch seine ungewöhnlichen Eröffnungen glänzt. Er spielt nämlich nicht die quasi bewährten und durchtheoretisierten E4 ... oder D4 -Eröffnungen. Also die ...

Speaker: Schachfiguren, die Bauern in die Mitte. Können wir das ohne Zahlen und Buchstaben mal machen? Das ist sehr wichtig. Sondern er spielt über die Flügel, über die Flanken. Das ist sehr, sehr ungewöhnlich. Also er eröffnet an der Seite und bringt keine Figuren ins Zentrum, was eigentlich ein Schachprinzip ist.

Speaker: sondern entwickelt Figuren auf der Flanke, um das Zentrum zu bedrohen. Das ist das, worauf sich Lujen vorbereitet, woran er arbeitet. Also seine Verteidigung, er entwickelt eine Theorie, eine Schacheröffnungstheorie, die gegen Turatis moderne Eröffnung

Speaker: funktionieren soll. Strategie würde ich das nennen, nicht Theorie. Und, ja. Und was, nein, nein, es ist ja im Schach mehr als eine Strategie. Es ist ja wirklich tatsächlich Theorie, weil Strategie, das klingt ja nach so einem Algorithmus, der dann irgendwie eventuelle Situationen, also eine Handlungsanweisung gibt, die man noch ... Aber das ist es doch. Ja, überlegt sich wohl der, was wir zu Rati vielleicht machen. Nein, es ist ja alles durchgedacht.

Speaker: alle Möglichkeiten werden durchgespielt von ihm. Ja, aber davon ist noch keine Theorie. Das heißt, das ist ja dann vollständig durchtheoretisiert. Davon ist es noch keine Theorie. Ja, aber eine Theorie hat eine ganz andere Funktion. Warte. Nein, also Josi, das heißt einfach ... Igor, komm, komm. Jetzt hör mal, Entschuldigung. Ich wollte noch mal das zu Ende bringen. Was wollte ich denn jetzt sagen?

Speaker: Gut, also der Titel des Buches ist immerhin. Er entwickelt also Lucians Verteidigung, also entwickelt eine Verteidigung. Vielleicht hätte sie mal irgendwann dann von der Nachwelt Lucians Verteidigung genannt werden können. Und in dem entscheidenden Spiel spielt Turati einfach E4. Also er spielt einfach eine konventionelle Eröffnung,

Speaker: Absolut nicht das, wofür Lujen Jahre sich vorbereitet hat. Und das ist der Moment, wo Lujen snappt. So, danach passiert ein Nervenzusammenbruch. Und danach geht alles den Bach runter. Ich hab das so gar nicht verstanden. Was hast du nicht verstanden? Dass es diesen direkten Zusammenhang gibt. Gibt es, gibt es. Ich hatte das Gefühl ...

Speaker: weil er ja wirklich erst nach dem Spiel snappt, das ist ja deutlich, also nach der ersten Hälfte oder was, nachdem sie da bestimmte Stunden gespielt haben. Ja, nachdem es klar ist, dass seine ganze Vorbereitung komplett für den Arsch war. Inna Bokow selber war ja Schachspieler. Das heißt, der hat das nicht zufällig ...

Speaker: Also, ne? Das ist jetzt nicht irgendwie quasi, ja, ich dachte, er spielt so. Aber nein, er hat dann anders gespielt, und meine Theorie ist nicht aufgegangen. Sondern er hat das ja auch ... Also, er hat's ja wirklich beschrieben. Er hat, glaub ich, sogar den Zug genannt, dass er E4 gespielt hat. Also, willst du jetzt sagen, dass der sich dann umgebracht hat, weil ...

Speaker: mit Turati E4 gespielt hat, oder was das ist? Nein, nein, nein, nein, nein. Das mit Turati ... Das hat zum Nervenzusammenbruch geführt. Aber die Verteidigung von Lucian geht ja dann weiter. Nämlich, dann abstrahiert er das ja auf sein Leben. Dann geht's ja gar nicht mehr ums Schach, sondern er verteidigt sich im Leben gegen ein drohendes Matt. Und wird dann anscheinend Matt gesetzt. Denn er ...

Speaker: Er sprengt aus dem Fenster, also er fällt um. Äh, ne? Beim Schach, wenn man aufgibt, schmeißt man den König um, den eigenen. Ähm ... Aber gibt er auch, oder wird er tatsächlich matt gesetzt? Das ist nicht ganz klar, ne? Vielleicht ist das das Matt, ich weiß es nicht. Aber die Sache ist ... Es ist, also ... Ich glaube ... Ich glaube, da geht noch ein bisschen mehr ab als einfach nur Schach.

Speaker: Ja, dann könnte man natürlich das auch interpretieren, als dass er quasi scheitert an der Unkontrollierbarkeit der Welt, des Lebens. Richtig. Möglich. Denn, ja.

Speaker: Ja. Also, ja, naja, nein, oder beziehungsweise, oder anders, also, Schach ist ja besonders, also Schach ist vor allem so populär, oder, also, eines der Anziehungskräfte von Schach ist, dass er absolut keine Zufallskomponente hat, sondern quasi hundertprozentig ...

Speaker: logisch, äh, äh, quasi sauber, rational, quasi ... Berechenbar. Genau, berechenbar, ne? Genau. Einfach alles auf dem Schachbrett ist echt und begründbar, und das sind Tatsachen. Auf dem Schachbrett gibt's keine Eventualitäten, es gibt nur Tatsachen. Und Lucian bereitet sich auf ... Ja, klar, es ist Eventualitäten, das ist ja hypothetisches Denken in Reihenform im Schach. Ja, aber es ist alles ... äh, wie soll man sagen?

Speaker: Es gibt halt keine Zufallskomponente. Dementsprechend müsste man davon ausgehen können, wenn man alles wirklich durchdenkt, alle Züge durchdenkt, dann findet man quasi die Wahrheit. Und Lucian ... findet sie nicht. Im Schach nicht. Und vielleicht kommt dann halt irgendwann die Erkenntnis, also wenn er es nicht mal geschafft hat im Schach, sich gegen ... Also wenn er nicht mal auf dem Schachbrett ...

Speaker: wirklich sich schützen kann. Aber das steht ja noch gar nicht fest. Er hat das Spiel ja gar nicht zu Ende gespielt. Ja, aber er steht, glaub ich, schlecht. Nee, das glaub ich nicht. Er hat doch sogar in einem Moment, meint er, doch er hat die Lösung gefunden. Deshalb, ich hab nicht das Gefühl, dass er in dem Moment durchdreht oder dass an dem Moment quasi alles fatal ist, wo Torati seine Eröffnung spielt, sondern ich hab das eher so wahrgenommen,

Speaker: dass durch diese komplette Absorption ins Spiel, natürlich durch dieses ungelöste Problem, dadurch dass diese Partie nie beendet wurde, er ist einfach noch in diesem, ich muss mich verteidigen -Modus, er kommt da nicht raus und eigentlich hätten sie ihn das Spiel beenden lassen müssen. Also geht's doch nur um Schach.

Speaker: Ich habe ja gesagt, meiner Meinung nach geht es um Schach. Aber natürlich geht es nicht nur um Schach, aber also man kann sich die Frage stellen und ich bin mir nicht sicher, ich habe da jetzt keine Antwort darauf, warum er von Schach gerade so fasziniert ist, also er als Person, was das quasi für ihn, was es ihm bedeutet. Es ist ja, es passt ja offenbar wie die Faust aufs Auge, da ist es ja irgendein Bedürfnis oder irgendeine Schulle, irgendein Defizit in ihm, was damit kompensiert wird.

Speaker: Sein Interesse für Schach erwacht ja, als er diesen Musiker davon sprechen hört. Und der Musiker sagt, dass er beim Schachspielen quasi, dass er beim Ziehen von Figuren quasi Musik entstehen hört. Das ist eine Komposition.

Speaker: Und er sagt auch, also der Musiker, das ist ja ein Violinist, der scheint eigentlich lieber Schach zu spielen als Geige. Und als Lucian das hört, quasi

Speaker: Eine Art, ähm ... Wie heißt das, wenn man Farben hört? Synthesie? Synesthesie. Synesthesie, also eine Art synesthetische Erfahrung, da in Aussicht ihm gestellt wird. Ab da erwacht sein Interesse so für Schach.

Speaker: Und die hat er ja auch später, das wird ja auch bestreben, wie er das Schachfeld wahrnimmt. Da hinten eine kleine Explosion, da ein, sagt es irgendwie, Rauschen, Begegnung. Also, das ist ja viel, da sieht er ja Sachen drin, die andere nicht sehen. Also, Felucian ist das halt ... Kunst und Symbol fürs Leben. Also, es geht ihm ja ... nicht wirklich um ... Es geht ihm ja nicht um Geld. Es geht ihm nicht ...

Speaker: Es geht eben nicht wirklich darum, diesen Turati zu besiegen. Es geht ja prinzipiell darum ... Also ... Ja, worum geht's? Turati muss auch einfach lösbar sein. Das ist einfach Teil des Spiels. Turati ist ein Rätsel. Genau, ist einfach ein Scherzproblem, der Turati. Und das muss man einfach überwinden.

Speaker: Aber dieses künstlerische, das ist ja das, was seine Frau auch seit dem ersten Moment in ihm gesehen hat. Also wo sie überhaupt keine Idee von Schach hat, vielleicht auch gerade deshalb, hat sie das Gefühl gehabt, ab dem ersten Moment, das ist so eine, also er ist genial, aber auf eine irgendwie künstlerische Weise. Also irgendwie ist da eine Schaffenskraft in ihm.

Speaker: Wollen wir vielleicht mal kurz darüber sprechen, wobei erstmal möchte ich dich noch mal fragen, findest du denn auch, sie hätten ihnen das Spiel beenden lassen müssen? Ja, natürlich. Meinst du, dann wäre nicht gesprungen? Oder direkt gesprungen.

Speaker: Nein, nicht in dem Moment. Der war nicht in der Verfassung, um das Spiel zu beenden. Aber später war nicht. Es ist völlig klar, dass wenn du ... wenn du ein ... ein quasi Fisch, also ein Fisch aus dem Wasser ziehen und ihm zu sagen, nee, ganz ehrlich, Bruder, Wasser ist nicht gut für dich. Aber das Wasser wär wirklich nicht gut für ihn.

Speaker: Dann ist er vielleicht gerade durch einen komischen Tümpel geschwommen, aber die Lösung ist, also die Lösung, du lebst jetzt an der Luft, ist einfach nur brutal, unmenschlich und führt im Endeffekt zu seinem Tod. Ja, sie haben es natürlich alle gut gemeint. Wobei sie haben ihn ja eigentlich gesehen. Aber es sieht ja so aus, dass der Rückfall zum Schach letztendlich seinen Selbstmord dann auslöst.

Speaker: Ja, aber der Rückfall zum Schach, der kam ... also, der musste ja kommen. Der war ja unabwendbar. Auf die Weise war's wirklich ganz blöd, ne? Aber ...

Speaker: Er war ja einfach eine Art Zombie. Er war ja absolut am Ende. Oder denkst du vielleicht eine Version, vielleicht noch eine Interpretation? Vielleicht hat er wirklich in diesen Wochen, die er da ständig letztendlich drüber nachgedacht hat, wie er sich retten kann, wenn man jetzt ... Es wurde ja nicht ganz klar, ob das nur Halluzinationen sind, dass er sich von Zimmerpflanzen bedroht fühlt, weil er im Schach steht. Er hat Schachmustern überall gesehen.

Speaker: Genau, genau. Oder ob das tatsächlich die Partie gegen Turati war, die er da immer im Kopf ... Ist nicht klar. Ob er die ganze Zeit rekonstruiert hat und weiter überlegt hat. Aber sagen wir, das hat er. Es war die Partie und er ist tatsächlich zu dem Schluss gekommen. Es gibt keinen Ausweg. Ich werde verlieren. Und in dem Moment, wo er dann zu diesem Turnier geführt wird und Turati sollte ja auch da sein, ne? Das ist quasi die Konfrontation mit Turati.

Speaker: Bei dem, wo Valentinov mit ihm das aufnehmen will. Wobei, ich glaube, Torati, ich weiß nicht, ob da der wirklich sitzt. Ich meine, er sieht den gar nicht. Ich weiß es nicht. Ich glaub nicht. Aber er hört davon, ne?

Speaker: Er ist ja in diesem Saal und flieht dann irgendwie in den Moment, wo er da ein aufgebautes Spiel sieht oder so. Jedenfalls, dass er quasi da damit konfrontiert wird, dass es unausweichlich ist, dass er verliert, und dass es so schlimm ist, dass er sich umbringt, weil es durch dieses Spiel seines Lebens ist. Wobei ich da nicht verstehen würde, was macht dieses Spiel so besonders. Ja. Nein, sein Leben ergibt keinen Sinn mehr, wenn er nicht dazu in der Lage ist, die Lösung für dieses Problem zu finden.

Speaker: Aber es ist doch nicht das erste Mal, dass er ein Schachspiel verliert. Nee, aber es ist das erste Mal, dass er keine Lösung findet, vielleicht. Wie er keine Lösung findet. Dass er nicht aufgrund von Zeitnot verliert, sondern er findet halt keine Lösung für das Problem. Er verliert halt einfach gegen eine Idee ...

Speaker: Aber dann würde ich sagen ... Er verliert ja im Endeffekt gegen sich selbst. Ich mein, muss ja gar nicht gesagt sein, dass Turati alle richtigen Antworten gefunden hätte und so. Hypothetisch. Ja, aber dann würde ich sagen, es schafft wirklich gefährlich.

Speaker: Weil, es kann ja noch mal sein, dass man sich da in eine Situation reinmanövriert, wo man ... Also, irgendwann ist ja eine Partie auch entschieden. Und die Partie war ja in dem Moment ... Also ... Es ist schwer zu sagen, es gibt keine Schachcomputer zu der Zeit. Die Schachklubs waren sich nicht einig. Es sah ziemlich ausgeglichen aus. Turati hat gesagt ... Lucien hat eigentlich verloren, aber Turati ist vielleicht nicht so ... Aber Turati ist ja auch so ein richtiger ... So ein Mackerl, ja. Ja, ja. Ähm ... Die Italiener, Mensch, Mensch, Mensch.

Speaker: Jedenfalls ... Ja, es ist, ich find, es wird alles nicht so richtig klar. Aber was klar ist, dramaturgisch, also man wartet die ganze Zeit darauf, dass diese Partie beendet wird. Das ist wirklich, das hängt so in der Luft. Und da bleibt es dann auch. Also, es kommt nie zu diesem Befreiungsschlag. Man möchte einfach wissen ... Weil es heißt ja schon Lucians Verteidigung. Wäre es ein normales, ein handelsübliches amerikanisches Sportdrama so?

Speaker: Dann würde am Ende irgendwann die epische Rocky -Musik laufen. Und dann würde er seine Verteidigung spielen und gewinnen. Und diesen Motherfucker halt crushen einfach. Seinen Kopf noch mal nehmen und ins Brett rein crushen. Dann würde irgendwo von oben eine amerikanische Flagge runterwehen. Ein Adler würde vorbeifliegen.

Speaker: Und dann würde er eine Rede halten, obwohl er in seinem Leben nie Reden halten konnte. Egal. Und dann würde er darüber reden, dass Demokratie hat gewonnen. Ich habe geredet mit meinem Freund Valentino auf SN. Er ist ein sehr guter Mensch. Sehr guter Freund. Mehr Freunde habe ich leider nicht. Aber ich grüße meine Frau. Sie ist eine sehr gute Frau. Ich liebe alle.

Speaker: Und am allermeisten liebe ich Amerika. Aber Anna Bokow gibt, gönnt uns das nicht. Er gönnt uns kein amerikanisches, erhofftes dramaturgisches Ende. Ich möchte noch.

Speaker: Ich glaube, wir haben jetzt ein bisschen besser verstanden, worum es vielleicht gehen könnte, weil ich muss sagen, ich konnte damit erst mal jetzt nicht viel anfangen. Das war sehr viel Schach. Also jetzt nicht im Sinne von, ich muss da irgendwas nachvollziehen an Schachpositionen oder so. Und es war auch gut beschrieben. Also es war irgendwie sehr massiv. Man hat sich richtig selber vor Schachfiguren in seinem Umfeld bedroht gefühlt.

Speaker: Es ist großartig, weil man es als, glaub ich, du kannst es auch nicht bewerten, ob man es als jemand, der Schach nicht, also überhaupt nicht die Regeln kennt, ob es für so jemanden auch interessant ist, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass es das ist. Ich glaub tatsächlich, wenn ich jetzt keinen Schach gespielt hätte, also nicht können würde, würd ich danach, würd ich das lernen wollen danach. Ja, also eben, genau. Es macht im Grunde genommen das, was Queens Gambit auch gemacht hat.

Speaker: Ja. Allerdings ... Ja, es sparkt Inspira ... Also, ne? Faszination, Inspiration für Schach. Allerdings muss ich sagen, dass ich mit Lucien einfach nicht so warm geworden bin wie mit ... anderen Figuren. Von der Bokow oder überhaupt. Ach so, ich dachte, du willst gerade mit Queen's Gambit Frau.

Speaker: Nee, das vergleiche ich jetzt nicht. Also, ähm ... Ja, das ist ja auch ein bisschen ... Also, ich, ich find, also ... Ja ... Er tat mir schon ... Ist halt so passiv, vielleicht ist das das Problem. Ich, ich, ähm ... Ah, ich weiß auch nicht. Ähm ... Wir sind wieder bei unserem Klassiker, Josie, ne? Was denn? Du hattest keine Figur, mit der du dich identifizieren konntest.

Speaker: Man struggelt immer. Du dagegen schon. Du hast dich mit Lucian identifiziert. Absolut. Absolut. Ich hätte dich auch mit Lucian identifiziert. Was soll denn das? Also, ja. Aber lasst mich noch kurz. Also, ich möchte auch sagen, ich finde die Sprache im Vergleich zu anderen Sachen, die ich von Nabokov gelesen habe, nicht so gut.

Speaker: Das kann an der Übersetzung liegen, das ist nicht fair. Wer hat das denn übersetzt? Hat er das nicht selber übersetzt? Nein, nicht ins Deutsche. Oder ist das auf Englisch gelesen? Nee, ich hab's auf Englisch gelesen. Er hat das ins Englische ganz spät übersetzt. Ja, aber er hat's selbst übersetzt. Also es ist vor allem einfach... Mit Michael Scammell zusammen.

Speaker: Es ist kein Mangel an Fähigkeit, würde ich sagen, sondern ein Mangel an Genauigkeit, Gewissenhaftigkeit. Also, da sind einfach manche Sachen drin. Manche Wörter sind doch einfach doppelt. Ich weiß nicht, ob das am E -Book liegt. Aber es sind auch manche Formulierungen. Moment mal, aber das ist... Nein, das ist ein E -Book. Also, das ist... Ja, ich weiß es nicht. Aber jedenfalls sind da auch einige... Früher wurden Bücher nicht so gepublished, Josi, mit doppelt. Das gab's früher nicht. Das ist ein neues Ding.

Speaker: Es ist nicht häufig, ne? Aber davon abgesehen sind da in Formulierungen manchmal so Sachen, wo einfach dasselbe Wort und also Dinge, die ich nicht verstehe, so Wiederholungen, die einfach keinen Sinn ergeben. Also es ist sprachlich nicht so ausgefeilt wie jetzt zum Beispiel die Lieder oder auch der Zauberer.

Speaker: Oh, nee, das find ich aber anders. Bei dem Zauberer ist mir so was nicht aufgefallen. Ich find das wesentlich feiner und cleverer als den Zauberer. Also, ich find das ... Es ist sprachlich auch schon mal ganz anders. Lolita hat halt diesen Charme, dass das so ein Philologe oder so was schreibt. Das ist ein russisches Buch. Und Lolita ist ein englisches Buch, das ist schon wichtig. Es ist schon wichtig zu sehen, du hast Lolita quasi im Original gelesen.

Speaker: Und hier hast du eine Übersetzung gelesen. Egal, ob es die Übersetzung von Nabokow ist, du hast eine Übersetzung gelesen. Aber Nabokow ist der Einzige, der sich die Freiheit nehmen kann, das der englischen Logik anzupassen. Ja, nein, aber es funktioniert halt nicht immer. Ich weiß nicht, ob man das ... Er hat es halt auf Russisch geschrieben. Und es ist sogar ... Also, auch wenn er es übersetzt, gehen Dinge verloren. Es ist einfach so, es gibt im russischen Wörter,

Speaker: Die lassen sich nicht übersetzen. Da kannst du Nabokov sein Urgroßvater sein. Du kannst sie nicht übersetzen. Sie verlieren irgendwelche Konnotate. Automatisch. Und deswegen finde ich ... Also, ich hab ja ... Lucian auf Russisch gelesen. Und zum Beispiel damals Lolita auf Englisch. Und den Zauberer, glaub ich, auch auf Englisch. Oder auf Deutsch.

Speaker: Oder auf Englisch? Oder auf Russisch? Weiß ich nicht mehr. Lolita auf jeden Fall auf Englisch und Lucian auf Russisch. Und es ist sprachlich... Ich glaube fast den Zauberer haben wir auf Deutsch gelesen, oder? Auch möglich. Und ich find's sprachlich sehr, sehr gut. Also auf Russisch haut es für mich sehr, sehr, sehr, sehr gut hin.

Speaker: Es ist auch, ich würd sagen, sehr gut, aber es ist nicht so exzellent, wie ich das von, also ich finde wirklich Nabokov in, also Lolita ist außergewöhnlich. Ja, also ich find Lolita sprachlich auch noch mal besser.

Speaker: Aber das liegt da natürlich auch diese Originalität durch die Protagonisten, der auch immer derselbe ist, der diesen ganz eigenen Stil hat. Und das ist hier natürlich anders, einfach dadurch, dass man auch mehrere Protagonisten hat und keinen Ich Erzähler. Also mehrere Protagonisten nicht, aber mehrere Perspektiven.

Speaker: Also, er hat seine Craft natürlich schon weit entwickelt bei Lolita. Ja, er hat sich auch viel mehr getraut. Er ist als Person ... 25 Jahre später? Ja, das merkt man auch. Also, der ist als Person noch mal deutlich interessanter geworden, glaub ich. Oder in dem, was er sich getraut hat, ist es einfach noch mal deutlich originaler. Trotzdem ist es natürlich interessant, quasi sein, das war sein erster Roman, sie zu lesen. Das war jetzt ... Ich fand, ich weiß auch nicht ...

Speaker: Es ging bei mir nicht so flüssig, also ich weiß nicht, es hatte auch viel zu tun natürlich, aber es hat mich nicht so in sein Wann gezogen wie andere Bücher. Ich muss aber auch sagen, ja, wahrscheinlich fehlte mir so ein bisschen die Figur, zu der ich wirklich Nähe hatte. Ich fand eben auch leider seine Ehefrau.

Speaker: Ich fand diese Motivation, die sie da hat, die eigentlich nur darin besteht, dass sie eben dieses überbordende Mitgefühl hat und alle Kreaturen auf dieser Welt retten muss, vor allem die, in denen sie irgendwie so was wie Genie wahrnimmt. Das war mir ein bisschen zu wenig. Ja, nein, das ist ein Buch, in dem ... Also, wir wissen nicht im Endeffekt vielleicht nicht ganz, was wirklich in ihr vor sich geht.

Speaker: Sie sagt nie, dass sie ihn liebt. Und ihre Mutter beharrt darauf, dass sie ihn nicht liebt. Sie widerspricht ihr nicht. Also... Das ist alles nicht so ganz klar. Ja, das stimmt. Das Einzige, was sie dazu sagt, ist, ich werd' ihr nicht verlassen. Punkt. Also ich werd' ihr nicht im Stich lassen. Punkt. Ja. Ja. Aber das ist jetzt gleich ein Fass, das aufzumachen. Wir. Nicht tun. Eine andere kleine Beobachtung noch. Josie, kannst du mal bitte ganz kurz... Auf Frauencharaktere. ... im Chat gucken.

Speaker: Ach so, Igor muss mal. Ja, also liebe Leute. Eine Minute, Igor. Ich wollte nur kurz sagen, wir haben bei Dostoyevsky schon darüber gesprochen, dass alle Frauen ab einem gewissen Alter als debil dargestellt werden. Und irgendwie habe ich das hier wiedererkannt. Das hat mich dran erinnert. Alle unverheirateten Frauen waren noch irgendwie cool und alle verheirateten Frauen, also

Speaker: wurden dann irgendwie komisch, so ein bisschen dümmlich, ein bisschen lächerlich. Und ich frag mich ein bisschen, ob das so ein russischer Topos ist. Aber wir können vielleicht irgendwann anders nochmal drüber reden. Ja.

Speaker: Gut. Danke, dass ihr uns zugehört habt. Ist uns wichtig, dass uns jemand zuhört. In zwei Wochen, oder Josie, bist du? Wie ist dein Lesestand? Wie ist der Stand der Dinge? Ich hab das Buch noch nicht mal. Du wolltest Miri das organisieren. Cool, cool, cool. Also auf keinen Fall in zwei Wochen.

Speaker: In zwei Wochen also. In zwei Wochen also sprechen wir dann über Frauen oder so. Mal wieder. Frauen und so. Frauen. Der hat immer viel zu sagen. Alle männlichen Autoren schreiben immer Frauen richtig blöd und Frauen. Ich bin immer für die Rolle der Frauen. Ihr habt immer gesagt, Frauen sind wichtig in der Gesellschaft. Und das besprechen wir wahrscheinlich dann. Aber währenddessen wird Josy vielleicht trotz dessen ...

Speaker: dass sie eine Frau ist, wird sie vielleicht trotzdem lesen. Und zwar Bulgakov. Ja, so wie ihr auch vielleicht. Meister von Margarita. Von dem wunderbaren ... Bulgakov hast du schon gesagt. Von der wunderbare Michael Bulgakov Meister. Michael M. Superman. Superman hat, glaub ich, auch ein M auf dem T -Shirt. Aber ich glaub, es ist eigentlich ein S. Von daher, liebe Leute, machen wir ... McDonalds hat ein M auf dem T -Shirt.

Speaker: Genau, McDonald's, Meister Michael Bulgakov, Meister und Margarita. Gönnt euch das, Leute. Ein großartiges Buch. Und das werden wir euch auch erklären, warum das so großartig ist. Hey, Igor, ich weiß nicht. Vielleicht ändern wir noch unsere Meinung. Das ist schon ein paar Mal passiert. Ich ändere meine Meinung nicht. Nein. Das ist schon ein paar Mal passiert, doch. Weißten wir noch viel entlos in Las Vegas?

Speaker: Ich hab das Buch zum dritten Mal gelesen, es ist großartig, ich werde es bis aufs Blut verteidigen. Solltest du es angreifen. Aber du wirst es nicht angreifen, weil man kann es nicht angreifen, wenn man es gelesen hat und es angreift, dann ist man Kommunist, Menschenfeind, Stalinist.

Speaker: Wobei, über die Rolle von Stalin im Kontext von Meister Margarita sollten wir nochmal sprechen. Da ist mir noch einiges zu auf und eingefallen. Wir sehen uns, liebe Leute. Wir hören uns. Haut rein. Tschüss.

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