Transcript
Speaker: Warum sind Frauen für Männer eigentlich so viel interessanter als Männer für Frauen?
Speaker: Das ist keine Literatur, das ist bestenfalls literarisches Fast Food. Igor? Hallo, herzlich willkommen beim Buchklub, liebe Freunde und Freundinnen. Mein Name ist Igor und ich bin Josi. Hallo.
Speaker: Hallo Josi. Hallo Igor. Hallo Leute, wir haben uns leicht verspätet mit dem zweiten Teil der Besprechung von Lichtspiel von Daniel Kehlmann. Fangen aber gleich sofort damit an. Bevor wir darüber sprechen, noch einmal kurz die Ankündigung, dass wir
Speaker: Danach die Verteidigung ... Lujans Verteidigung auf Deutsch. Lujans Verteidigung besprechen von Nabokov. Ein Roman über einen Schachspieler, der ... sich so tief in das Spiel ... begibt. Diego, warum sagst du das jetzt? Das sagen wir immer am Ende. Dass er irgendwann wahnsinnig wird. Aber wenn wir es jetzt sagen, ist es besser. Aber ... Am Ende sagen wir aber, was wir danach lesen.
Speaker: Ja, mein Gott. Also… Ja. Also, wenn ihr Vorschläge habt, nehmen wir allerdings gerne Vorschläge entgegen und freuen uns auf euer Feedback, eure Kommentare. Eure Sterne. Eure Beleidigungen. Euren Besuch bei uns in unserer Discord -Gruppe. Ja.
Speaker: Das war's. Auf mehr freuen wir uns nicht. So, dann lassen wir uns mal anfangen, weiter über Lichtspiel zu sprechen. Mein Zitat kann man vielleicht auch auf das Buch beziehen. Aber zunächst einmal, Josi, hast du eine Idee, von wem das ist? Also erstens, ist es von einer Frau oder von einem Mann? Es ist ... Sag noch mal, bitte. Warum sind Frauen für Männer so viel interessanter als Männer für Frauen? Das ist von einem Mann.
Speaker: Dann ist es von Virginia Woolf. Wow. On point. Ich hab's gelesen. Kanntest du das Zitat schon, oder was? Die Idee kannte ich, vermutlich hab ich das Zitat gelesen. Weil die einzige Frau, die ich jemals so was habe, und sie spricht dann ja auch darüber, wieso das so aussieht in der Literatur. Ich glaube nicht, dass sie wirklich der Meinung ist, dass es so ist. Aber weil so viel über Frauen geschrieben wird in der Literatur, ja, das ist aus, ne, A Room, wie heißt das?
Speaker: A Room of Our Own oder so? Das steht da nicht. Ach so, du weißt gar nicht, von wo das ist. Nee, ich weiß nur, dass es von Virginia Woolf ist. Und ich weiß, dass sie gebürtig Adeline Virginia Steven hieß. Ein Zimmer für sich allein heißt es A Room of One's Own, genau. Ist das, ja, Essay oder ich weiß gar nicht, wie ich es beschreiben würde. Es hat fiktionale Elemente auf jeden Fall. Also eigentlich ist es eine Geschichte mit Essay -Elementen.
Speaker: Sehr lesenswert. Ja. Aber ich würde trotzdem denken, dass die Aussage nicht stimmt. Oh. Ja. Nicht? Wieso nicht? Nein. Es ist einfach ein Bias in der Literatur. Also Männer finden Frauen interessant und Frauen finden Männer interessant. Und Männer haben mehr Bücher geschrieben in der Geschichte der Literatur als Frauen.
Speaker: schauen sehr viele Frauen in so einer Objektrolle auf. Also sie werden beschrieben und das wird selten aus ihrer Perspektive beschrieben. Das ist ja diese Verzerrung, die man in der Literatur hat.
Speaker: Das liegt einfach daran, dass es eine männliche Linse vorwiegend ist, die das Ganze zeigt. Meint sie damit nicht auch noch was anderes? Was denn? Ich dachte, sie meint damit auch, dass Männer abhängiger sind von Frauen als Frauen von Männern. Das heißt, dass eine Frau alleine quasi leben kann, überleben kann, und Männer nicht. Ich sehe das genau andersrum. Also, ich sehe ...
Speaker: die Welt, wie sie ist, genau in das Raum. Männer können Junggesellen sein, ohne dass es, war auch schon länger so, ohne dass das problematisch betrachtet wird. Nein, es geht nicht ums problematisch betrachtet werden, es geht halt darum ... Ja, Frauen können besser für sich sorgen, aber sie können nicht alleine ... Geld verdienen in der Zeit, in der sie geschrieben hat. Sie sind auf Männer angewiesen finanziell. Ja, klar, aber dieses Interesse, das bedeutet ja ... vielleicht einfach, dass ...
Speaker: Also für Männer ist es einfach, sie sind obssessed mit Frauen und Frauen sind genügsam. Glaub ich gar nicht. Es ist zumindest. Im Gegenteil. Also Männer sind so lange obssessed mit Frauen, wie sie es noch nicht geschafft haben.
Speaker: Mhm. Sie ... für sich zu gewinnen und danach nicht mehr. Jetzt kommen wir ins, ähm ... evolutionsbiologische Erklärung. Ja, aber ich glaube tatsächlich, also, wenn du dir, also, wenn ich mit meinen Freundinnen rede oder mit meinen männlichen Freunden, ähm ... Wir haben ja auch schon drüber geredet, dieses ganze Psycho-, also dieses ... sich damit beschäftigen, was andere Leute denken, grundsätzlich ist bei Frauen stärker ausgeprägt als bei Männern.
Speaker: im Durchschnitt, also dass man sich freiwillig damit beschäftigt, was andere Leute denken, wie sie die Welt wahrnehmen. Und insbesondere, dass man die Perspektive des anderen Geschlechts einnimmt, ist bei Frauen einfach häufiger als bei Männern. Ich würde das als Interesse interpretieren. Und das ist, glaube ich, auch vielleicht sogar tatsächlich eine Überlebensstrategie, ja. Weil man ja letztendlich körperlich stärker sind als Frauen.
Speaker: Also, naja, kann man viel drüber spekulieren, aber ich würde nicht sagen, dass diese Prämisse stimmt. Na gut, na gut. Aber...
Speaker: Ja, lass uns die mal versuchen, vielleicht in Beziehung zu Lichtspiel zu setzen. Also, in der letzten Folge haben wir quasi aufgehört an der Stelle, an der du sagtest, dass du noch über die Rolle der Frau spielst. So hab ich das nicht gesagt. Ich wollte über Tode sprechen, aber auch über Louise. Weil ich nicht da wäre in diesem Buchblub. Ich würde nie über die Rolle der Frau gesprochen.
Speaker: Ja, deswegen bist du ja da. Du alleine würdest ja ... Sind wir alle sehr froh, dass du da bist und uns erklärst, was es mit der Rolle der Frau auf sich hat. Dann kannst du ja damit beginnen. Also, du wolltest über ... Ich ... Worüber? Ja, vielleicht, also ... Ich hatte gerade angefangen, über diese eine wichtige Szene am Schluss zu sprechen. Meine ich, wo ... Wie in der Höhle. Ja, Georg Wilhelm und Trude ... in der Höhle sind.
Speaker: Das hört sich jetzt auch wieder komisch an. Also, wenn ihr die ganze Handlung dieses Buches zusammengefasst haben wollt, hört in die letzte Folge rein. Da hat Josie nämlich einen 15 -minütigen ... 11 -minütigen ... Women's -Planning -Monolog gehabt. Einen Schub über die ... Ja, ich hab's zusammengefasst. So, jetzt wird natürlich auch alles gespoilert. Aber das ist ja immer so bei uns. Ja, gut, das ist ja klar.
Speaker: Ja, also, äh, wir befinden uns, es wurde gerade Geheimnisvolle Tiefe abgedreht. Geheimnisvolle Tiefe, ähm, zu dem Trude das Drehbuch geschrieben hat. Und zwar schon vor längerer Zeit, schon bevor die in den USA waren und immer so ein bisschen, ähm, ihrem Mann, GW, ähm ... Aber Paps wollte das nicht verfilmen. Ja, wollte das nicht verfilmen. Ja, sie hat ihn jetzt auch nicht so, glaub ich, dazu gedrängt, sie hat das immer so ein bisschen anklingen lassen.
Speaker: Sowieso hat mir gesagt, das könnte man. Es war auch mal die Idee, das zum Theaterstück zu machen. Sowieso hat gesagt, man kann das als Theaterstück machen, aber das Film wäre es besser und so. Und Georg Wilhelm wollte aber grundsätzlich keine Filme machen mit Trude. Also er wollte nicht mit ihr zusammenarbeiten.
Speaker: Was, glaub ich, eine gute Idee ist, wenn ihr Partner nicht zusammenarbeiten, aber ... Aber die arbeiten ja dann am Ende doch zusammen. Genau, weil letztendlich ist ihm ja alles egal.
Speaker: Ja, genau. Im Endeffekt, diese Verfilmung findet ja dann statt, weil sie das quasi eingerichtet hat. Und sie ist auch diejenige, die die Regie führt. Letztendlich ihm ist alles egal, wenn er um seine Meinung gefragt wird, sagt er, man könnte es so machen, aber es ist eigentlich egal. Er ist halt wie so ein wandelnder Zombie eigentlich. Genau. Er trauert eben seinem verlorenen Film, der Fall Molland, danach. Er ist nie darüber hinweggekommen.
Speaker: Ähm ... Also, man hat das Gefühl, dass diese Ehe doch am Ende ziemlich dysfunktional geworden ist. Also, die ist eigentlich im Verlaufe ... seiner Zeit im Dritten Reich ja schon eigentlich kaputtgegangen. Und am Ende ... hat man vielleicht noch die Hoffnung, dass es jetzt wieder heil ... Na ja, eigentlich hat man die Hoffnung nicht. Aber jedenfalls kommt da noch mal die Bestätigung. Na ja, man könnte die Hoffnung haben, zumindest hat Trude sich ja wieder regeneriert.
Speaker: Ja, bestimmt. Aber dafür ist jetzt Papst kaputt. Jetzt ist Papst kaputt. Also das Ende des Krieges war ganz gut für Trude irgendwie, aber ziemlich schlecht für Papst. Und ich hab so das Gefühl, was sie eigentlich von ihr will, ist Wiedergutmachung, indem sie jetzt diesen Film da zusammen produzieren.
Speaker: Also, sie hätte ja selber nicht die Macht, das durchzusetzen. Und jetzt profitiert sie einfach mal von ihrem prominenten Ehemann. Sie wollte ja eigentlich mal Schauspielerin werden früher. Das kommt auch irgendwann zur Sprache. Ist es tatsächlich dann letztendlich vor allem ... Sie schiebt es so ein bisschen auf Papst, weil er nicht wollte, dass sie in seinen Filmen mitspielt. Aber es gibt andere Regisseure, ne? Ja, das ist ... Da wartet sie da auch ein bisschen zu viel.
Speaker: Ja, zu viel Unterstützung. Andererseits sehe ich genau darin ein Problem. Also, denkst du, diese Beziehung war von Anfang an eine gute Idee? Puh, jetzt ist er wieder überfordert. Jetzt kommt ja so ein Rückgriff in so weite Vergangenheit. Also, wir erfahren ja super wenig. Wir erfahren, wie sie sich kennengelernt haben. Ja, aber...
Speaker: Ja, hat sie quasi ihren Mann ausgespannt. Sie hatten zuerst eine Affäre. Mhm. Ja. Du meinst jetzt einfach wegen dieser Abhängigkeit Schauspieler zu Regisseur, oder was? Auch, weil ... Also, wenn ich das mal in Kontraste als Satzu Luise Brooks, ich weiß gar nicht, wie man sie auch spricht, die ist ja Amerikanerin, ne? Mhm. Ihr Verhältnis zu G .W.
Speaker: Sie hat sich nie in einem Abhängigkeitsverhältnis zu ihm begeben. Sie war zwar von allen möglichen Männern abhängig in ihrem Leben, aber nie von einem alleine. Ich glaube, das ist der Hauptunterschied zu Trude. Und sie ist jetzt auch nicht so besonders gut damit gefahren. Sie tut auch nicht so. Aber GW hatte Respekt vor ihr als Künstlerin.
Speaker: Also, sie haben sich gegenseitig respektiert für ihr Schaffen, würde ich sagen. Ist das so? Ja. Ging es darum, ging es um sie als Künstlerin, ging es nicht um sie einfach als Frau? Beides, glaube ich. Also, er hat sie... Als Frau, die er steht? Er hat... Das kam halt dazu, ne? Also, er hat auch Greta Garbo respektiert als Künstlerin und stand nicht auf sie. Und auf Luise stand er halt, also, das ist ja schon mehr als stehen, ne? Er war sein ganzes Leben lang eigentlich in sie verliebt.
Speaker: Das wird dann an einer Stelle beschrieben, dass GW, ich weiß es nicht mehr wörtlich, aber halt, dass er halt diese eine Frau zu Hause hat, die er irgendwie sanft und leise liebt, still liebt und die andere, die er mit seinem ganzen Wesen begehrt. Also das wird ja so ein bisschen als reines
Speaker: Also zuerst hat man das Gefühl, Trude ist so die Richtige. Trude ist die, die Gutes für Gw, eine gesunde Beziehung. So fängt ja jede gesunde Beziehung an, bis sie dann nicht mehr gesund ist. Ja, genau. Aber man hat auch gleichzeitig das Gefühl, dass mit Luise das ist nichts Echtes. Ja, mit Trude schon. Und am Ende bin ich mir nicht mehr so sicher, ob das wahr war. Mit der Luise.
Speaker: Na, dass es mit der Trude gut war und mit Luise nicht, weil zumindest hatten die beiden Respekt voreinander, auf künstlerischer Ebene. Also Luise scheint ja extrem gut gewesen zu sein als Lulu, natürlich unter Anleitung von Gewe, aber...
Speaker: Die braucht nicht die Anerkennung von GW, weißt du. Ja, das stimmt, das stimmt. Sie ist irgendwie selber, sie hat sich dann ja auch geweigert, bei ihm aus der Patsche zu helfen, als er dann in Amerika irgendwie einen neuen Film drehen wollte, nachdem er da mit dem Hero da gescheitert ist. Auch was für ein Name ist. Durch und durch Amerika, also es hört sich sehr amerikanisch an, ein Modern Hero. Könnte auch heißen ein American Hero.
Speaker: Und irgendwie ... Ja, ich ... Ist es nicht das, was von vornherein der Beziehung zwischen Trude und Gewi gefehlt hat? Ist es nicht auch das, was die Beziehung so konventionell gemacht hat? Weil Trude als Frau ist ja nicht konventionell, aber ... Nee, aber sie hat sich halt ihm vollständig untergeordnet dann eigentlich.
Speaker: Sie war dann ja Hausfrau, oder? Sie hat da nicht gearbeitet. Und dadurch war sie halt in Abhängigkeit von ihm. Und dann konnte sie natürlich, dass sie ja quasi nach Deutschland mitgeschleift wurde.
Speaker: Was aber auch keine unausweichliche Notwendigkeit war, oder? Hätte sie nicht da bleiben können? Ja, das reflektiert sie ja später auch. Diese Idee, glaube ich, dass sie ihn hätte alleine fahren lassen können. Aber im Endeffekt fährt sie mit. Und das verzeiht sie ihm dann nach niemals. Ist das fair? Nein. Finde ich nicht.
Speaker: Und das zieht sich auch, also sie ist sehr, sehr hart zu ihm, auch in dieser Höhlen -Szene. Sie liebt ihn nicht mehr. Sollen wir das vielleicht mal kurz vorlesen, die Stelle? Ja, mach mal. Hast du die?
Speaker: Also er sagt, ich habe dir so viel angetan, sagte er. Ich habe eine andere Frau geliebt und ich habe dich und Jakob zurück in die Hölle gebracht. Das eine kann man vergeben, aber das andere, erinnerst du dich noch, seinen Brief, den er nachts geschrieben hat, als er 16 war und nicht einschlafen konnte, vor Freude, weil am nächsten Tag die ganze Klasse in die Partei eintreten würde, das kann man nicht verzeihen. Nie?
Speaker: Es ist nicht wichtig. Ich liebe dich schon lange nicht mehr. Hat sie geantwortet? Genau. Das ist die Szene, die Ego gerade meinte.
Speaker: Um ... ja. Und er aber versucht im Endeffekt auch nicht, irgendwas wieder gut zu machen, glaub ich. Denn bei diesem Film gibt es doch diesen einen Moment, wo sie darüber beraten, und er weiß ... Er weiß es. ... dass es beschissen ist, was sie machen. Aber greift nicht ein. Und dadurch ist dann ja später, sieht man, wie sie bei der Premiere ...
Speaker: wie das ausgelacht wird. Man hört in Jakobs, also aus Jakobs Perspektive kriegt man einmal diese Rückblendung. Er kommt noch nicht mal mit zur Premiere, also GW, weil er wahrscheinlich wusste, wofür sie nachlaufen wird. Lässt sie da halt alleine ins offene Messer laufen. Kann man so sehen. Das Problem ist nur, gleichzeitig
Speaker: ist es ja irgendwie ihre Verantwortung. Sie hat dieses Drehbuch geschrieben. Es ist offenbar schlecht. Wie wird darauf hingewiesen? Während der Dreharbeiten von...
Speaker: von diesen Menschen hier. Also das Problem ist nämlich, eine Frage sagte der Architekt Schlichting, der bisher still gewesen war. Er hatte eine leise, angenehme melodische Stimme. Ich verstehe noch immer nicht, warum die Retter nicht sofort den Eramid holen. Wir haben jetzt wirklich keine Zeit, das Skript zu besprechen, sagte Trude. So, dann fragt er nochmal nach und dann sagt sie nicht jetzt.
Speaker: Dann sagt er nochmal, genau GW sagte Schlichtling, es wäre nicht schwer das zu ändern und egal sagte Papst. Keineswegs sagte er so und dann wird er aus dem Raum geschickt. Also er hat wirklich versucht,
Speaker: das Beste, also seine Expertise da einzubringen. Und sie hat's einfach nicht hören wollen. Und an dem Punkt, also sie ist so kritikunfähig geworden. Sie ist so eine richtige Diktatorin geworden. Das ist eigentlich ganz interessant, wenn man sich das anguckt. Bei Kehlmann könnte man jetzt, wenn man da so ... den Frauen in der Literatur -Approach nimmt, sagen, dass wir ...
Speaker: Kunstschaffende haben und in der Position des Fü-, also desjenigen, der das anführt, Regisseur eben, können nur Männer das machen.
Speaker: Das heißt, na ja, wir haben halt nämlich, ähm... Ja, Leni Riefenstahl ist schlecht darin, ja. Aber nicht schlecht als Schauspielerin. Das heißt, also Frauen... Na ja, doch, also gut auch nicht, ne? Nee, aber als... Wie ein komischer Tanzler. Er konnte sie gut machen, so. Weil er so super ist. Aber, ähm... Und wie gesagt, Luise ist ja auch gut. Aber eben nicht in leitender Position.
Speaker: Das heißt, in dem Moment, wenn Frauen versuchen, die Leitung zu übernehmen, geht alles kaputt. Kunst wird zu miserablen Filmen. Ich weiß nicht überhaupt. Was denn? Ich versetz mich hier ein bisschen in deine Gender -Studies -Rolle. Das wollte ich nicht sagen. Ich hab das für mich entdeckt, und jetzt möchte ich das hier auch weiter ... entwickeln. Und dadurch ergibt sich, dass Daniel Kehlmann Sexist ist.
Speaker: Okay. Nein, aber man kann das ja schon so lesen. Trude wird ja zu so einer Art Lini Riefenstahl. Ja, wird sie tatsächlich. Kritikunfähig. Es kann natürlich auch einfach ... Und talentlos, einfach schlecht.
Speaker: Schlecht, das ist das Hauptproblem. Das Drehbuch, was sie geschrieben hat, ist schlecht. Ja, genauso wie Leni Riefenstein. Aber auch im Prozess des Films ist sie schlecht. Ja, ich glaub, das ist wirklich so. Ein Regisseur muss sich halt von den anderen irgendwie, der muss mit den anderen gut zusammenarbeiten. Was bedeutet das denn, dass sie im Grunde genommen zu Leni Riefenstein wird? Ja genau, das ist halt so ein bisschen mein Problem. Das ist das, was ich letztes Mal meinte mit der Abstieg oder wie sie halt demontiert wird im Laufe des Buches.
Speaker: Also Moment, dann haben wir ja doch ein Problem mit der Darstellung von Frauen in dem Buch. Nee, nicht unbedingt, aber mit ihr auf jeden Fall. Das Problem ist so ein bisschen, die Frau gab's ja wirklich. Man weiß sehr wenig über sie. Man weiß, dass dieser Film nicht besonders gut angekommen ist. Also ich hab hier mal ... Aber Papst war auch nicht ... Er wird ja wirklich quasi lobotomiert dargestellt.
Speaker: Aber er hat ... de facto hat er ja noch, ich glaub, drei Filme in der Nachkriegszeit gedreht. Die waren nicht alle schlecht, ne? Nein, er konnte sich zwar nicht mehr rehabilitieren. Man hat's ihm nicht verziehen. Im Kultur - und Kunstbetrieb, dass er fürs Dritte Reich gedreht hat. Aber ... alle seine drei Filme waren nämlich ... ähm ...
Speaker: Also alle drei thematisierten, den Zweiten Weltkrieg, Antisemitismus und Nazizeit. Ja, ich meine auch, also hab ich gelesen. Er war halt weiterhin kunstschaffend, so. Und er wird hier so als Zombie dargestellt. Genau. Was auch eine interessante Entscheidung ist.
Speaker: Ja, ich meine, das sind einige Dinge, die einfach hier anders dargestellt werden, als sie waren. Bei vielen Dingen weiß man nicht, wie sie sind, also man weiß nicht viel über Trude, man weiß nicht viel über Jakob. Über Jakob weiß man super wenig, ja. Man weiß über den Dreh von der Fall Molanda halt offenbar wirklich nichts. Deshalb konnte er sich ne Menge ausdenken. Zumindest nicht die letzten Tage vom Dreh, ne? Ja, ja.
Speaker: Aber dieser Film, Geheimnisvolle Tiefe, den gibt's eben und bei Wikipedia steht dazu, jetzt nur ein Ausschnitt von den Kritiken, die gute Kameraführung kann das sich bedeutend gebende triviale Schicksalsdrama nicht retten. Also fast schon so ein bisschen zusammen.
Speaker: Ja, Kameraführung, das ist das, was Papst so auf dem FF beherrscht. Das war ganz gut, aber so ... war halt kein guter Film. Ja. Wer hat denn die Kamera gemacht? Wie war der Kameramann? Ich weiß es nicht. Ich weiß es nicht mehr. Es war aber nicht ... Dings, ne? Wer? Na ... Vilcek?
Speaker: Nee, das glaub ich nicht. Nee, die haben sich ja danach offen nur noch ein paar Mal gesehen. Also, ich finde, Trude ist als Figur halt, zuerst denkt man, also mein erster Impuls war, ich hatte sehr viel Mitleid mit ihr. Ja, hat man. Aber am Ende
Speaker: Sie trägt halt auch Verantwortung dafür, viel Verantwortung dafür, dass Jakob wieder zurückgeschleift wurde nach Österreich und letztendlich haben sie damit ja sein Leben versaut. Das wird ziemlich klar bei seinem Besuch von Luise.
Speaker: Dieses ergeben sein ist halt, Luise bezeichnet sie ja als ergebene Frau. Das ist keine Entschuldigung dafür, wenn der Mann falsche Entscheidungen trifft, die das Kind mit betreffen. Das ist eben auch die Pflicht der Frau, sich dagegenzustellen.
Speaker: Ich ... Sie ist halt, ja, quasi, sie verhält sich wie eine unmündige Person und nimmt das dann aber Papst quasi. Und beschwert sich. Ja. Und hasst ihn dafür. Genau. Und schiebt das auf ihn, ihre eigene Untätigkeit. Ja. Irgendwie schon. Ich mein, sie war natürlich auch deutlich jünger als Papst, aber ... Ja, aber zu dem Zeitpunkt war sie kein Kind.
Speaker: Vor allem finde ich, dass... Also ich meine, es wird eben... Gut, sie hat das Drehbuch geschrieben und wenn das Drehbuch schlecht ist, dann muss man es wirklich ihr anlasten. Ich frag mich aber, wie das... Die reale Trude lebt ja vermutlich nicht mehr, aber es ist halt eine reale Person, ne? Ja. Und wenn die dann so krass... ... runtergeputzt wird? Ja. Wenn man doch so wenig weiß über die realen Ereignisse. Ich finde, dann ist das...
Speaker: Ja, vielleicht schon ein bisschen schwierig. Ich mein, ich bin ja nicht leicht dabei, irgendwie ... alles zu problematisieren, was so geschrieben wird. Aber bei Trude ... Also, dir ist Trude quasi zu ... Also, da nimmt sich Gellmann zu viel raus, dass er sie aus ihr so einen unsympathischen Charakter im Endeffekt macht.
Speaker: Ja, letztendlich geht's nicht anders. Also, man muss, glaub ich, wenn man einen Roman schreibt, muss man sich von der Realität entfernen, man muss sich gewisse Freiheiten nehmen. Er hat ja auch bewusst getan. Er hat ja extra nicht mit den Angehörigen et cetera geredet. Weil sonst sind auf einmal alle Personen super, ja. Und damit kann man keinen Roman schreiben. Oder halt sie sind nicht super und er ist dann schuldig, weil er sie ausgenutzt hat und dann ihre verstorbenen Verwandten quasi durch die Scheiße gezogen hat.
Speaker: Deswegen hat er das... Ja, das ist halt aber... Ja, ich weiß nicht. Ich bin mir da selbst nicht sicher. Ich glaube, der Film hätte... Der Film, mein Gott. Ich glaube, das Buch hätte genauso funktioniert, wenn alle Figuren fiktiv gewesen wären.
Speaker: Ähm, von daher weiß ich nicht, ob es nötig ist, dass man ... Wie nie so ... Der Film hätte ... Das Buch ... Warte mal. Das Buch hätte funktioniert, wenn es statt Papst schmapst gewesen wäre. Das ist sehr, sehr, sehr hypothetisch, weil die Kermans -Inspiration ist ja doch immer die Realität, oder? Zumindest in dem Beispiel, was wir gelesen haben. Nein, also Till ist so weit weg von der Realität, mit so viel, ähm ...
Speaker: eigenen Verknüpfungen und Ideen. Es ist einfach auch schon sehr lange her, ne? Aber dass es so jemanden wie Till gegeben hat... Ja, es gab da sowas in der Art, aber vielleicht als davon auch ungefähr fünf Stück, die dann zu einer Geschichte verwoben worden sind. Ja, sicher. Hier ist er viel, also hier ist er näher als in allen seinen bisherigen Werken an... An der heutigen Zeit. Figuren und auch an der heutigen Zeit.
Speaker: auch an dem, was tatsächlich geschehen ist. Und es gibt halt Angehörige. Das ist halt die Frage.
Speaker: Ich bin ja auch, also ich bin vielleicht noch krasser als du, ähm, sehr weit davon entfernt, quasi, äh, in Schriftstellern so, irgendwie, irgendwelche moralischen ... Limits, ja. ... Mängel vorzuwerfen. Ich bin hier auch selber komplett unschlüssig. Ich find, man kann es ihm ...
Speaker: Man kann ihm das vorwerfen, dass er quasi ... Charaktere nimmt, die es gab, deren Verwandte noch leben, und die dann fiktiv Dinge tun lässt, Dinge sagen lässt, die sie nicht getan haben, möglicherweise. Aber ... ja, nee. Ich weiß es nicht. Ich weiß nicht. Ich hab da wirklich keine eindeutige Meinung zu. Ja.
Speaker: Ich finde, es hängt viel davon ab, wie weit das von der Realität entfernt ist. Das kann er nicht wissen. Natürlich nicht. Er hat absichtlich nicht mit den Angehörigen, die ihm das sogar angeboten haben, initiativ geredet. Von daher ... keine Ahnung. Würdest du aber sagen, wieder in die Geschichte rein, die Figuren, wie sie sind,
Speaker: Würdest du sagen, Gewi ist Reue, die er ausdrückt in dieser Szene, weil er sagt, ich hab dir so viel angetan. Also kurz davor passiert das übrigens, dass sie ihn fragt, ich hab dich nie nach der Meinung gebeten zu meinem Drehbuch und er sagt, es sind halt ein paar gute Sätze. Ja.
Speaker: Das heißt, da ist schon, also immerhin ist diese Ehrlichkeit da. Aber würdest du sagen, dass er ernsthaft versucht hat, das wieder gut zu machen bei ihr, dass er ernsthaft bereut hat, was er ihr angetan hat?
Speaker: Es scheint nicht so, weil er sich halt ... Es ist schwer zu sagen. In der Zeit, in der es mit ihr bergab ging, hat er sich einen Scheißdreck für sie interessiert. Hat ja anderes zu tun, ja. Das Einzige, was ihm Sorgen gemacht hat, war vielleicht Jakob. Aber eigentlich haben ihm vor allem seine Filme beschäftigt.
Speaker: Ich denke, das war für ihn auch der Ausweg, ne? Ja, klar. Das war für ihn der Weg, psychisch intakt zu bleiben. Und sie hat halt mit Vino versucht, einen Ausweg zu finden. Ähm ... Ja, und dann dieses ... Hätte ja auch mal ein paar Drehbücher schreiben können in der Zeit.
Speaker: Ja, vielleicht bessere. Vielleicht was Besseres. Und dieses Reuebekenntnis ... Ich hab ... Ich weiß nicht, ich weiß ... Ich glaub, in dem Moment meint er's ernst, weil ich wüsste nicht, welche Motivation er haben sollte, warum sollte er lügen. Er ist ja in einem Zustand, wie gesagt ... in dem er, glaub ich, keine ...
Speaker: Also er verfolgt damit keine Ziele, weil er verfolgt grundsätzlich überhaupt keine Ziele. Er ist einfach nur noch da so. Und vielleicht will er ihr das wirklich in dem Moment sagen, dass es ihm leid tut. Aber kann man ernsthaft bereuen, ohne einen ernsthaften Versuch der Wiedergutmachung zu betreiben? Weil er ist ja in der Position. Er ist ja in der Position. Sie drehen jetzt diesen Film, es läuft scheiße. Wieso kann er nicht? Ja, weil er ein Zombie ist.
Speaker: Aber er kann seine Reue ausdrücken. Er kann bereuen, aber er kann nicht aktiv sich an die Gutmachung ... Ja, inwiefern da ... Also, er drückt seine Reue aus, aber es ist natürlich ein Lascherversuch. Vielleicht ist es auch gar nicht Reue. Vielleicht ist es nur die Feststellung. Aber warum solltet ihr es dann mitteilen? Hm ...
Speaker: Ich weiß nicht, ich finde das halt ganz schwer, die, also zu sehen, in welchem... Also es ist so der Zeitpunkt, wo man sich halt fragt, mein Gott, wo sind die falsch abgebogen? Also wie konnte das passieren, dass die jetzt sich in dieser Höhle wiederfinden, wo sie dann auch noch das Problem haben, dass die Lampe ausgeht und sie nicht wieder rausfinden, wahrscheinlich? Das ist natürlich auch eine schöne Metapher. Naja, ich...
Speaker: Ich hab das Gefühl, also GW hat eigentlich Trude nie so sehr geliebt wie sein Schaffen, seine Kunst, so viel ist sicher. Ja. Die Frage ist, ob er Luise, so nenne ich sie jetzt mal, so geliebt hätte wie sein Schaffen. Weil letztendlich sind die beiden näher beieinander und es ist halt dieser Respekt, weißt du, Luise?
Speaker: Hätte das gemerkt, hat man das Gefühl, wenn da ein schlechter Film herausgekommen wäre. Irgendwie befinden die beiden sich auf einer anderen Ebene als Trude und GW. Und das wird erst da so richtig klar, als dieser Film halt komplett floppt. Dass es eigentlich immer eine sehr asymmetrische Beziehung war auf diesem künstlerischen Niveau, was ja das einzige ist, was GW wirklich interessiert.
Speaker: Wenn man die Kunst, also die eigene Kunst, also das, was er halt damit meint, das Filme machen, so über alles andere stellt und letztendlich auch die Welt unter diesem Gesichtspunkt wahrnimmt, die ganze Zeit, wie kann man dann halt eine Frau lieben, die zwar gerne Schauspielerin wäre und so, aber eigentlich keine Ahnung vom Filmemachen hat.
Speaker: Das ist eine Offenbarung meiner Meinung nach, die da am Ende rauskommt, dass von vornherein der Wurm drin war. Kann man, glaube ich, kann man so lesen. Und ich glaube, das wäre vielleicht mit Luise anders gelaufen. Möglich. Wir werden es nie herausfinden.
Speaker: Ich wollte dich eigentlich ... na ja. Ja. Lassen wir Papst jetzt mal in Frieden ruhen, Josi. Kehlmann hat da schon genug Necromantie betrieben. Ist jetzt Schluss. Schluss damit jetzt. So. Jetzt wird weitergemacht. Denn in hoffentlich zwei Wochen, wenn Josi endlich mal vorankommt, lesen wir die wunderbare ... Besprechen wir.
Speaker: und besprechen. Die wunderbare Verteidigung Luzhins, Luzhins, Ruzhins. Es heißt aber einfach nur die Luzhins Verteidigung, heißt das einfach nur? Sachitra Ruzhina. Ein wunderbares Buch von Nabokov. Nabokov wirklich
Speaker: My favorite between the age of two and five. Also hervorragend. Wir haben im Übrigen aufgrund der Tatsache, dass eine Neuverfilmung von Meister und Margarita in diesem Jahr herausgekommen ist in den russischen Kinos. Mit Augustin.
Speaker: Mit August Diehl, dem Typen aus 23 und anderen Filmen. Niemand kennt aber, der mein Lieblingsfilm ist. Den kennt man, den kennt man. In Glorious Basterds spätestens. Aber 23 kennt keiner. August Diehl spielt Volland, den Teufel, der Moskau besucht. Mit Kater und einem anderen Kollegen, anderen Kollegin im Gepäck.
Speaker: Meister Margarita wollten wir sowieso schon mal wieder lesen. Das ist schon lange her bei uns beiden. Ich hab's damals auch nicht im russischen Original gelesen. Werd das diesmal tun, hab schon damit angefangen. Das ist aber auf unserer Longlist. Das heißt, falls ihr quasi momentan nichts zu lesen habt, vielleicht Logion durchgelesen habt oder aber auch keinen Bock auf Logion habt, warum auch immer ihr keinen Bock haben solltet, ein hervorragendes Buch,
Speaker: dann könntet ihr, wenn ihr wollt, schon mal mit Meister Margarita anfangen. Außerdem hat Josie noch ein Buchwunsch. Es kommt auch auf unsere Liste. Ja, und zwar lesen wir irgendwann dann mal Simon de Beauvoir, alle Menschen sind sterblich. Richtig. Das ist auch nicht so ganz kurz, meine ich.
Speaker: Das heißt, ihr habt jetzt euer Lesematerial, liebe Leute, ihr wisst, ihr habt jetzt die Lektüreliste bekommen.
Speaker: Wenn ihr etwas auf diese Liste hinzufügen wollt, damit reinpacken wollt und vielleicht sogar Vormeister und Margarita und vor Simon de Beauvoir schieben wollt, wenn nicht kurz genug ist, ja? In eurer Dreistigkeit, dann schreibt uns gerne eine Mail und das erfolgen, solange es keine miserable Literatur ist. Oder meldet euch im Discord, da wird es auch immer gerne besprochen.
Speaker: Dann hören wir uns in zwei Wochen, liebe Leute. Wir wünschen euch wunderschöne Zeit mit Nabokow und Bulgarkow und dieser komischen Französin da. Haut rein. Tschüss.






