Transcript
Speaker: Hallo und herzlich willkommen.
Speaker: Wie schön, dass ihr euch Zeit genommen habt zu Alles Buchmarkt.
Speaker: Der Podcast, in dem wir uns in jeder Folge ein Thema herauspicken, das die Buchwelt beschäftigt und interessiert.
Speaker: Und dazu laden wir uns dann immer die bestmöglichen Gäste ein, die sich richtig auskennen, dass wir ein schönes Gespräch führen und ein bisschen was dabei lernen.
Speaker: Und im Oktober kann es eigentlich nur ein Thema für uns alle geben.
Speaker: Und das ist natürlich die Frankfurter Buchmesse.
Speaker: die so viel Transparenz muss sein.
Speaker: Wir sind jetzt exakt, ich habe es ausgerechnet, 15 Tage und 16 Stunden bis zur feierlichen Eröffnung.
Speaker: Also in 376 Stunden geht es los.
Speaker: Und das wird eine ganz besondere Messe für unseren heutigen Gast.
Speaker: Warum?
Speaker: Das hören wir gleich.
Speaker: Wir haben ja immer tolle Gäste, aber ich glaube, heute haben wir den hochkarätigsten Tag
Speaker: überhaupt, den man haben kann und gar nicht unbedingt, weil jeder seinen Namen kennt.
Speaker: Aber wenn man dann sagt, welche Funktion er hat, dann kommt andächtiges Staunen.
Speaker: Wir wollen gar nicht unbedingt heute großartig über Zahlen oder Skandal oder sonst was reden, sondern wir gucken heute mal, wer ist eigentlich der Mann dahinter?
Speaker: Und Andi, du stellst ihn uns jetzt noch ein bisschen vor.
Speaker: Genau, vielen Dank, Alex.
Speaker: Unser heutiger Gast ist ein Mann, dessen berufliches Leben eng mit einem ganz besonderen Ort verbunden ist.
Speaker: Mit Frankfurt im Oktober, mit vollen Messehallen, mit Begegnungen, Gesprächen und natürlich mit Büchern.
Speaker: 1961 in Lörrach geboren, ist unser Gast seit vielen Jahrzehnten in der Welt der Bücher zu Hause.
Speaker: Nach seiner Ausbildung zum Verlagsbuchhändler beim Herder Verlag studierte er Marketing und Organisationstheorie und machte anschließend Station bei renommierten Verlagen wie Drömer Knauer, Karl Hansa, Springer und John Wiley & Sons.
Speaker: 2005 führte ihn sein Weg schließlich an die Spitze der Frankfurter Buchmesse.
Speaker: Und dort ist er geblieben, mehr als zwei Jahrzehnte lang.
Speaker: In dieser Zeit hat sich die Welt der Bücher natürlich enorm verändert.
Speaker: Die Messe wurde digitaler, internationaler und vielfältiger.
Speaker: Sie ist längst nicht mehr nur der Ort, an dem Bücher präsentiert und Rechte gehandelt werden.
Speaker: Sie ist ein großer Treffpunkt für Menschen und Ideen geworden.
Speaker: Für Autoren, Verleger, Buchhändler, Medienmacher, für die internationale Publishing-Branche und vor allem für all jene, die an Geschichten glauben.
Speaker: Diese internationale Perspektive auf Literatur zieht sich auch durch sein Engagement außerhalb der Messe.
Speaker: Als Präsident von Litprom setzt er sich für die Sichtbarkeit von Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika ein.
Speaker: Als Geschäftsführer der LitCam, der Frankfurt Book Fair Literacy Campaign, engagiert er sich zudem für Leseförderung und Bildung.
Speaker: Für sein Wirken wurde unser Gast vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst und dem französischen Kulturorden der Künste und der Literatur.
Speaker: Und zudem ist er Ritter erster Klasse des königlich-norwegischen Verdienstordens.
Speaker: Und nun, 2026, schließt sich ein Kreis.
Speaker: Nach mehr als 20 Jahren an der Spitze der Frankfurter Buchmesse gibt er die Leitung ab und verabschiedet sich nach der Buchmesse im Oktober in den wohlverdienten Ruhestand.
Speaker: Es gibt also noch einiges zu besprechen und wir freuen uns sehr, dass er sich Zeit für unsere Fragen nimmt.
Speaker: Herzlich willkommen im Alles-Buch-Markt-Podcast, Jürgen Boos.
Speaker: Hallo.
Speaker: Ja, hallo, ich freue mich sehr auf euch, danke.
Speaker: Gibt es etwas, was du richtig stellen möchtest?
Speaker: Bitte?
Speaker: Gibt es etwas, was du richtig stellen möchtest oder hat Andi gut recherchiert?
Speaker: Andi hat gut recherchiert, ja.
Speaker: Es klingt nur so geballt dann, auch so zielstrebig.
Speaker: Ich glaube, das war es nicht das ganze Buchsleben lang.
Speaker: Es war nur klar, dass es immer was mit Büchern sein sollte und dass es beim Ritter endet, das war mir nicht klar.
Speaker: Finden wir aber super.
Speaker: Aber ich würde gerne mal, weil du meinst, das ganze Leben dreht sich bei dir um Bücher.
Speaker: Ich habe gelesen, du warst 1975 zum ersten Mal auf der Buchmesse in Frankfurt als Jugendlicher.
Speaker: Vielleicht kannst du mal ein bisschen beschreiben, wie sah denn die Messe damals aus?
Speaker: Da habe ich gar kein Gefühl dafür vor 50 Jahren.
Speaker: Also wie konnte man sich da die Messe vorstellen in Frankfurt?
Speaker: Natürlich war es auch ein riesiges Gewusel.
Speaker: Mein Onkel war Buchhändler und nahm ich deswegen einfach mit.
Speaker: Und ich habe damals mit dem Fahrrad tatsächlich nachmittags die Bücher ausgefahren, um mir da das Taschengeld zu verdienen.
Speaker: Und zur Belohnung durfte ich dann mal mit nach Frankfurt.
Speaker: Und wann ich mich am nachhaltigsten erinnere habe,
Speaker: waren die großen Bentleys und Rolls Royce, die auf dem Ruf standen.
Speaker: Sodass ich dachte, was ist das für eine Branche?
Speaker: Da will ich auch hin.
Speaker: Das waren tatsächlich damals die Agenten und die Großverleger aus UK, für die der Ausflug auf die Buchmesse bedeutet.
Speaker: Das habe ich dann später erfahren.
Speaker: Die hatten nämlich alle auch noch eine Ferienwohnung in Südfrankreich.
Speaker: Das heißt, die haben sich einmal durch Frankreich gegessen, haben die fünf Tage Frankfurt gemacht und haben sich dann meist über Baden baden, um dann noch ins Casino zu gehen.
Speaker: Vielleicht noch über Genf sind die dann wieder zurück ins UK.
Speaker: Und das fand ich schon sehr beeindruckend, wie man sich so viel Zeit nehmen konnte und was da wohl alles verdient wird in dieser Branche.
Speaker: Das war aber dann hoffentlich nicht der einzige Grund für dich zu sagen, ich will unbedingt in der Buchbranche arbeiten.
Speaker: Nein, ganz sicher nicht.
Speaker: Aber wenn man aus dem Schwarzwald kommt, aus der tiefen Provinz, war das natürlich schon die große Welt.
Speaker: Und ich habe dann später auch viele Verlegerbiografien gelesen.
Speaker: Das war schon faszinierend.
Speaker: Und deswegen wollte ich dann ursprünglich nach meinem Studium eher in den Kunstbuchbereich, wollte selbst Lektor werden.
Speaker: Und dann kam es halt anders, dann wurde ich halt eher Verlagsmanager.
Speaker: Aber dann lass uns mal direkt da hinspringen.
Speaker: Das ist jetzt, glaube ich, deine 21.
Speaker: Messe, die du als Direktor verantwortest.
Speaker: Lass uns mal an den Abend vor deinem ersten Arbeitstag gehen.
Speaker: Du wusstest also, morgen geht's los, ich werde da alle kennenlernen.
Speaker: Wie hast du dich gefühlt und wie viel Respekt hattest du damals?
Speaker: Oder vielleicht gerade gar keinen?
Speaker: Ich hatte in dem Sinn gar keinen, weil ich keine Idee hatte, was da auf mich zukommt.
Speaker: Es war tatsächlich so, dass ich in der Verragsleitung bei John Wiley bei den deutschen Verlagen war.
Speaker: und für unsere Zeitschriften international zuständig und schon die ganze Zeit durch die Welt geflogen war.
Speaker: Sodass ich dachte, ja, international kann ich.
Speaker: Was für ein Ausmaß das dann bei der Buchmesse auch angenommen hat, das wusste ich überhaupt nicht.
Speaker: Ich habe mich aber tatsächlich am Vorabend noch mit meinem Vorgänger Volker Neumann zusammengesetzt, der mich da auch bei dem Übergang unterstützt hat, der ja nur kurze Zeit da war.
Speaker: Und der mir sagte, Jürgen, du brauchst zwei Jahre, um überhaupt zu kapieren, was da los ist.
Speaker: Und er war nach zwei Jahren ja schon wieder weg.
Speaker: Und die zwei Jahre habe ich auch mindestens gebraucht, vor allen Dingen neben der Buchmesse dieses Thema, dass wir, wie heißt es so schön, Instrumente der auswärtigen Kulturpolitik sind und tatsächlich für das Auswärtige Amt, mit dem Auswärtigen Amt, mit dem Goethe-Institut super präsent in der Welt der Literatur außerhalb Europas unterwegs sind.
Speaker: Und wir auch die Exportorganisation des deutschen Buchhandels sind und halt Rechtehandel unterstützen weltweit.
Speaker: Was das für eine Dimension hat, das war mir nicht klar.
Speaker: Aber wenn man schlussendlich sieht, dass die Buchmesse über 65 Prozent von internationalen Ausstellern belegt wird, dann weiß man, wo das herkommt.
Speaker: Hattest du aber...
Speaker: Respekt oder kam das dann irgendwann, dass du dann denkst, verdammt, hier sind weiß ich nicht, wie viel damals 150.000 Menschen, wie die gerade langlaufen, diese ganzen Dimensionen, das sind ja nur Superlative, aus denen dein Job besteht,
Speaker: Und wir wollen heute, glaube ich, auch mal so ein bisschen drüber reden, wie sieht so ein ganzes Jahr aus.
Speaker: Weil für uns alle ist das eine Woche, beziehungsweise im Vorfeld so ein bisschen, dass man mit dem Messebauer redet und überlegt, wer macht bei einem Standdienst.
Speaker: Aber all das, was zusätzlich zu deinem Job gehört, das ist ja nicht nur die Eröffnungsrede und die Hallenbelegung, sondern eben viel, viel mehr.
Speaker: Was mir erst klar wurde jetzt im Zuge der Vorbereitung auf unser Gespräch,
Speaker: Und dann dachte ich, ich weiß gar nicht, ob ich das machen wollen würde.
Speaker: War dir das alles trotzdem, also war dir das so klar, was auf dich zukommt?
Speaker: Nein, überhaupt nicht.
Speaker: Wie gesagt, ich habe erst nach zwei Jahren halbwegs durch die Kulissen geschaut.
Speaker: Ich hatte aber immer diese ganzen 21 Jahre ein wahnsinnig tolles Team.
Speaker: Das sind eigentlich diese drei Aufgaben.
Speaker: Also einerseits natürlich die Messeorganisation.
Speaker: Das sind wirklich geniale Leute, das sitzen Architekten.
Speaker: Die haben das wirklich wahnsinnig gut im Griff.
Speaker: Und unsere Klientel schaut ja sehr stark auf die Nachbarschaften, auf die Zusammenhänge, auf die Themenblöcke, wo man Kinderbuch, die wollen in eine ganz bestimmte Nachbarschaft, aber nicht neben denen, das ist mein Wettbewerber, der soll wo ganz anders hin.
Speaker: Der sagt aber wieder, ich will aber neben denen, weil ich will dem seine Kunden klauen.
Speaker: Und so weiter.
Speaker: Das ist also hoch ausdifferenziert.
Speaker: Und das habe ich erst mal verstanden, diese ganzen Nachbarschaften.
Speaker: Ich lebte ja bei den Amerikanern zuletzt in der Halle 8 oder halt im Wissenschaftsbereich und ich glaube, der war ein bisschen anders aufgestellt.
Speaker: Da kam es nicht so sehr auf diese Nachbarschaften drauf an und auf das Publikum sowieso nicht.
Speaker: Ich habe es geschafft, meine Hochzeit auf dem Buchmessen Samstag zu legen.
Speaker: Das kann einem auch mal passieren.
Speaker: Aber wie gesagt, diese Ganzjährigkeit, direkt nach dieser Buchmesse beschäftigen wir uns ja schon wieder mit dem nächsten Jahr.
Speaker: Das heißt, es ist eine Woche Pause für die ganzen Kolleginnen und spätestens im November läuft das auch wieder Fruchtouren für das darauffolgende Jahr.
Speaker: Und man muss ja dazu sagen, es geht hier nicht nur um die Frankfurter Buchmesse.
Speaker: Ihr habt ja viele Dependancen wie in Bologna, die ihr ja mitbetreut.
Speaker: Ja, wir haben diese Gemeinschaftsstände, die sehr großen, die ganz wichtigen.
Speaker: Du hast es genannt, das ist Bologna für das Kinderbuch.
Speaker: Das ist der größte Stand, den wir im Ausland betreuen.
Speaker: Wir aber auch für einzelne deutsche Kunden den Stand bauen, also die nicht Gemeinschaftsstand, sondern außerhalb sind.
Speaker: Und wir da auch Netzwerkveranstaltungen machen.
Speaker: Zweitwichtigste ist sicher London, London International Book Fair.
Speaker: wo wir auch einen sehr großen deutschen Stand haben.
Speaker: Und dann ist es eher so im zweijährigen Turnus, sind wir irgendwo zwischen Istanbul und Shanghai unterwegs.
Speaker: Und für mich beginnt eigentlich das Jahr, weil du vorhin gefragt hast, Alex, im Januar, früh im Januar fahre ich immer nach New York und treffe mich mit den großen Heads of Houses.
Speaker: Also mit Penguin Random House, mit Simon Schuster, HarperCollins, ja,
Speaker: You name it, ja, und vor allem auch mit ein paar Agenten, um einfach rauszukriegen, gefüllt zu kriegen, was ist das Thema dieses Jahr.
Speaker: Dann sind ich mit den großen Agenten wie Andrew Wiley zusammen und er sagt, ich brauche dringend jemanden für die Eröffnung.
Speaker: Also zehn Monate vorher, Eröffnungspressekonferenz, sag mir ein Public Intellectual.
Speaker: Und dann sagt er, oh, schwierig, wir haben keine Intellektuellen mehr in Amerika.
Speaker: Und es läuft dem kalten Rücken runter und dann mir erst recht.
Speaker: Also das sind so, da beginnt es für mich im Januar einfach die Trends nochmal zu hören, zu bestätigen und dann mit den Asiaten zu sprechen, weil da auch sich sehr viel bewegt.
Speaker: Natürlich mit Märkten, die neu zu entdecken sind in letzter Zeit.
Speaker: In den letzten zwei Jahren tut sich in Zentralasien einiges.
Speaker: Was ich dann wieder ganz spannend finde, wenn man feststellt, dass sich schon deutsche Bildungsverlage da tummeln und Privatschulen aufgebaut haben.
Speaker: Und die aber jetzt mit dem rechten Geschäft erst anfangen.
Speaker: Insofern ist das Jahr schon sehr strikt eingeteilt.
Speaker: Bologna, London, Präsenzen in Asien, Gespräche mit einfach wichtigen Schlüsselleuten, dann die Leipziger Buchmesse, wo ich viele deutsche Verleger treffe, Verlegertage, also das ist
Speaker: Ja, ihr kennt's.
Speaker: Wann machst du dann Urlaub?
Speaker: Im November oder?
Speaker: Nein, ich verhing natürlich auch viele Jahre in Schulferien wie viele andere.
Speaker: Okay, okay.
Speaker: Ich hatte nur schon im Verlag gelernt, also ich musste eigentlich fast jeden Sommerurlaub irgendwann unterbrechen und durfte dann von Südfrankreich aus schnell mal nach Paris für eine Herausgebersitzung und dann abends wieder zurück oder so.
Speaker: Also das war gelernt.
Speaker: Ich würde gerne nochmal jetzt 20 Jahre zurückgehen, weil ich kenne von vielen älteren Kollegen in unserer Branche diese ganzen legendären Geschichten.
Speaker: Das eine ist natürlich irgendwie, was im Frankfurter Hof alles abging, aber auch an den Ständen, die Messepartys, die
Speaker: Wie hat sich das Ganze in deinen Augen unsere Branche verändert und trauerst du dem manchmal so ein bisschen hinterher oder denkst du, nein, ich finde das super, dass das alles irgendwie eine andere Entwicklung genommen hat?
Speaker: Wie gesagt, eigentlich hat sich für mich, der da mittendrin stand, die Messe jedes Jahr neu angefühlt, anders angefühlt.
Speaker: Und ja, die Themen waren langfristig abzusehen, dass wir sehr stark Richtung Publikum gegangen sind.
Speaker: Die letzten Jahre, das hat sich abgezeichnet.
Speaker: Die Themen mit der Digitalisierung, das ist etwas, was sehr
Speaker: seitdem ich in der Branche bin, rumlag, angefangen von den Schrecken über das erste Kopiergerät.
Speaker: Das könnt ihr euch nicht mehr vorstellen.
Speaker: Irgendwann haben wir das Fax ausgemustert und irgendwann saß ich vor dem ersten Computer und so weiter und so fort.
Speaker: Und irgendwann machte ich Preismodelle für digitale Zeitschriften.
Speaker: Australien hatte 14 Abos und wollte jetzt digital nur noch eins.
Speaker: Was machst du?
Speaker: Das ist sehr, sehr teuer.
Speaker: Und insofern hat sich das bei der Buchmesse eigentlich weitergesetzt.
Speaker: Das Erkennen, das Ausprobieren, auch zu wissen, wenn mal was nicht funktioniert, dann rudern wir wieder zurück, dann machen wir was anderes.
Speaker: Einfach Trends zu spüren, immer so ein bisschen nicht vorne dran zu sein.
Speaker: Irgendjemand hat ja immer was ausprobiert, aber das mitzukriegen, wenn sich was tut.
Speaker: Das war sehr spannend.
Speaker: Ihr erinnert euch, die E-Book-Diskussion.
Speaker: Dann war das Ende.
Speaker: Dann gingen die Audiobuchzahlen hoch.
Speaker: All diese Themen.
Speaker: Vielleicht erinnert ihr euch noch an diesen riesen Pavillon, den uns mal Audi hinterlassen hat.
Speaker: Das ist ein Gebäude für mehrere Millionen Euro, die da hingestellt haben, die das nur mit so künstlichen Intelligenzthemen bespielt haben.
Speaker: Also für mich war es immer, immer spannend und immer auf der Suche nach den neuen Themen, neuen Geschichten.
Speaker: Andi?
Speaker: Also bleibt es dadurch dann eben auch interessant für dich, weil ich überlege dann immer, wenn du jedes Jahr jetzt wieder Messe im Oktober, aber wenn dadurch, dass sich ja auch die Themen verschieben und du immer versuchst auch zu gucken, was sind die Trends, dadurch bleibt es dann ja wahrscheinlich auch spannend und man freut sich dann wieder auf die nächste Messe.
Speaker: Ja, es sind die Themen, aber für mich war immer viel wichtiger die Menschen hinter den Themen, hinter den Büchern, weißt du, ob das jetzt Autoren übersetzt hat, Verleger, irgendwelche Kulturschaffende, irgendwelche Kulturmittler, die ich dann wirklich ja nur einmal im Jahr sehe.
Speaker: Oder die oft auch nur jedes zweite Jahr nach Frankfurt kommen können, wenn du aus New Zealand kommst.
Speaker: Oder von Patagonien.
Speaker: Und das war natürlich etwas, was ich durch die Jahre in Wissenschaftsverlagen mitgebracht hatte.
Speaker: So ein internationales Netzwerk.
Speaker: Und das hat mir dann sehr geholfen.
Speaker: Aber es waren immer die Menschen, die Begegnungen.
Speaker: Und ich glaube, dafür lebt die Frankfurter Buchmesse.
Speaker: Selbst die Zeit der Pandemie hat das extrem bestätigt.
Speaker: Über die Pandemie reden wir, glaube ich, gleich noch.
Speaker: Aber was macht für dich eine erfolgreiche Messe aus?
Speaker: Weil wir haben jetzt eben, das höre ich schon so ein bisschen raus, dass Besucherzahlen wahrscheinlich zu deinem Antritt gar nicht so eine Relevanz hatten wie jetzt, wo ich das Gefühl habe, das ist eine Unterstellung, aber da muss ein neuer Besucherrekord vermeldet werden, sonst war es keine erfolgreiche Messe.
Speaker: Naja, ihr wisst ja, wir sind ja sehr stark rechtegetrieben.
Speaker: Das ist dieses B2B, die 25 Prozent Ausländer, die haben ja kein Interesse an Publikum.
Speaker: Unser Dilemma ist immer das Spagat.
Speaker: Wir haben dann natürlich sehr stark europäische, deutsche Verlage, deutschsprachige Verlage, die sagen, ja, ich will 100.000 Leute am Samstag auf der Messe haben, um meine Produkte inzwischen auch zu verkaufen.
Speaker: Ja.
Speaker: Man wagt es ja kaum zu sagen, aber es ist ja de facto die größte internationale Buchhandlung der Welt inzwischen.
Speaker: Auch das ist ein Shift von wir verkaufen kein Buch.
Speaker: Ich erinnere mich noch in meiner Verlagszeit, da wurden Leute, die getauscht hatten mit anderen Verlagen, die hatten ein Riesenproblem.
Speaker: Und das hat sich ja komplett verändert.
Speaker: Ja, das hat sich vor allem im letzten Jahrzehnt geändert.
Speaker: Also wir sind jetzt seit, ich glaube vor 15, 16 Jahren war ich das erste Mal auf der Frankfurter Buchmesse.
Speaker: Und da war ja wirklich noch der Verkauf das No-Go.
Speaker: Und ich weiß noch, dass Verlage noch Reiseauftragsformulare dabei hatten und eigentlich wirklich nur Handelsgeschäfte gemacht haben, um ihre Buchhändler zu treffen.
Speaker: Und das ist schon eine relativ schnelle Entwicklung, finde ich, die da voranstatten gegangen ist.
Speaker: Ja, mein Onkel hat Ende 80er auch schon aufgehört, auf die Messe zu gehen, weil das für ihn in dem Sinn nicht mehr relevant war.
Speaker: Die Order-Geschichten waren da, die Vertreter kamen und dann veränderte sich auch sein Geschäft.
Speaker: Insofern ist es aus meiner Sicht immer noch super wichtig, für den Buchhandel einfach die Trends mitzubekommen, auch über den Tellerrand rauszuschauen.
Speaker: Ich glaube, dass es auch eine neue Dynamik kriegt.
Speaker: Heute war, glaube ich, in irgendeiner Zeitung, ich weiß nicht, ob es in der FAZ war, ging es darum, wie stark jetzt englischsprachige Bücher im deutschen Buchhandel gekauft werden.
Speaker: Wir haben das vor ein paar Jahren schon in den Niederlanden gesehen, wo die Verlage Riesenprobleme haben, weil die Leser direkt im...
Speaker: natürlich die Bücher, die englischsprachigen Titel im Internet kaufen und nicht warten, bis die im Land da sind.
Speaker: Das ist ein Riesenproblem.
Speaker: Und hier wird sich das auch ergeben, dass man tatsächlich auch ein englischsprachiges Sortiment haben wird.
Speaker: Ja.
Speaker: Und da kommt dann natürlich auch die Buchpreisbindung mit ins Spiel beim Englischsprachigen.
Speaker: Und dann sind wir beim Thema Buchpreisbindung.
Speaker: Dann sind wir bei Preisdifferenzierung.
Speaker: Dann sieht man, dass in der Schweiz die Buchpreisbindung schon vor Jahren gefallen ist.
Speaker: Dann siehst du, dass die Österreicher tatsächlich zu gewissem Maß auch Rabatte geben können.
Speaker: Also da gibt es mehr Flexibilität.
Speaker: Aber unsere Buchhandelslandschaft ist schon etwas super Besonderes.
Speaker: Von der Anzahl, der Dichte, vom Anspruch.
Speaker: den die Buchhändler an sich haben und wir an die Buchhändler.
Speaker: Das ist schon ziemlich genial und einzigartig.
Speaker: Das stimmt.
Speaker: Ich will trotzdem ein unangenehmes Thema jetzt mal aufreißen, weil ich weiß, uns hören auch viele Kolleginnen und Kollegen aus anderen Verlagen.
Speaker: Und eine Sache, die euch wahrscheinlich wahnsinnig genervt hat, ich will dir jetzt nicht unterstellen, dass du...
Speaker: gemütlich in den Ruhestand gleiten wolltest.
Speaker: Aber ich könnte mir schon vorstellen, dass trotz allem eine gewisse Routine da ist.
Speaker: Und dann habt ihr aber in deinem Ausgerechnet zu deiner letzten Messe ein komplett überarbeitetes Messekonzept, ein Standkonzept kreiert, was auf nicht unbedingt immer Gegenliebe gestoßen ist bei den Ausstellern, was zu viel Diskussionen führte, eben auch mit Messebauern und so.
Speaker: Lassen wir mal.
Speaker: Und dann,
Speaker: Und haben alle ihren festen Stand, man denkt, das Konzept steht und dann kommt über die Medien, Halle 6 hat bauliche Mängel, die es nicht zulassen, dass man sie während der Messe nutzen kann.
Speaker: Und das alles, ich weiß nicht, eineinhalb Monate vor der Messe.
Speaker: Wie sehr hast du da gedacht, ich hätte einfach schon letztes Jahr gehen sollen?
Speaker: Nein, das habe ich nie gedacht.
Speaker: Das zeichnet mich oder andersrum, das zeichnet die Kollegen und mich aus.
Speaker: Wir haben alles schon mal erlebt.
Speaker: Es kann alles passieren.
Speaker: Wenn du ein großes Ereignis hast und arbeitest du das ganze Jahr darauf zu,
Speaker: Und es kommt jedes Jahr was um die Ecke.
Speaker: Sei es eine politische Krise, sehr häufig mit den Gastländern auch.
Speaker: Ich nenne nur China, Türkei, whatever.
Speaker: Wir haben eine große Herausforderung gehabt mit unseren Ehrengästen.
Speaker: Aber gleichzeitig diese Entwicklung, das war ja etwas, was ja nicht von heute auf morgen kam.
Speaker: Dass wir gesagt haben, wir müssen...
Speaker: den Besucheströmen gerecht werden.
Speaker: Wir mussten ja die letzten Jahre die Halle 3, die große deutsche Publikumshalle, mussten wir zeitweise schließen.
Speaker: Und wir mussten limitieren, wie viele Leute dürfen aufs Messegelände.
Speaker: Und da haben wir ja getestet, wir haben mit dem
Speaker: mit der Festhalle getestet, mit der Halle 1 getestet, wir haben vieles ausprobiert.
Speaker: Und jetzt waren wir der Meinung, auch nach vielen Gesprächen mit der Branche, wir haben ein gutes, belastbares Konzept.
Speaker: Und dann fällt uns eine Halle komplett raus.
Speaker: Wir verschicken die Standbestätigung und zwei Wochen später kriechen einen Anruf und sagen, wir müssen uns mal kurz treffen.
Speaker: Nicht so schlimm.
Speaker: Nicht so schlimm.
Speaker: Und dann hat man sich getroffen und ich fand es schon ziemlich schlimm, muss ich ehrlich sagen.
Speaker: Das ist das ganze Konzept.
Speaker: Wir mussten fast 500 Buchhändler und Verleger umziehen lassen.
Speaker: Und wir mussten die Nachbarschaften neu gestalten.
Speaker: Und ihr wisst gerade, das Publikum mit Signierarealen, das hat ganz andere Ansprüche.
Speaker: Aber natürlich auch im B2B-Bereich.
Speaker: Die Agenten sind jetzt in der Halle 1.
Speaker: Die wären in der 4.2 gewesen, in der Mitte.
Speaker: Jetzt rufen die mich an und sagen, Jürgen, das geht nicht, ich brauche drei Minuten länger zum Verlag.
Speaker: Die sind ja ganz eng getaktet.
Speaker: Das klingt jetzt erstmal lustig, aber wenn die in ihrer halben Stunde slots und müssen vielleicht woanders hin, das haben die mir alle um die Ohren gehauen.
Speaker: Das geht nicht.
Speaker: Insofern glaube ich, wir haben relativ schnell ein neues Konzept auf die Beine gestellt.
Speaker: Genial, dass die Kolleginnen so gearbeitet haben, die Architekten, die Vertriebsleute, alle zusammen.
Speaker: Die Kundenbetreuer, alle zusammen.
Speaker: Und es war sicher nicht einfach, irgendjemandem zu sagen, du, es war anders gedacht und wir haben dir das auch bestätigt, aber so wird es nicht sein.
Speaker: Insofern war es schon eine große Belastung in erster Linie auch für das Team.
Speaker: Und ich habe die Briefe aus dem Ausland abgekriegt.
Speaker: Ja, also ganz kurz als Ergänzung, wenn du sagst, die Halle 3 wurde geschlossen, sie wurde natürlich nicht für den Besucherverkehr an sich geschlossen, sondern wegen Überfüllung.
Speaker: Es gibt dann überall Security, jeder der samstags schon mal auf der Messe war, kennt das.
Speaker: Manche Eingänge sind plötzlich nur noch Ausgänge und die arme Security diskutiert sich einen Wolf, um Menschen zu erklären, warum sie jetzt hier nicht reingehen dürfen.
Speaker: Während die Aussteller reingehen dürfen und dann führt das wieder zu neuen Diskussionen.
Speaker: Also das nur als Ergänzung, die Hallen waren natürlich, die Halle 3, jeder der sich erinnert, die war natürlich immer belegt die ganzen letzten Jahre, aber eben wirklich geschlossen im Sinne von, da kommt jetzt keiner rein.
Speaker: Ja, stundenweise geschlossen, um die Menschen, die in der Halle waren, denen noch den Zugang zu den Verlagen, zu den Büchern zu erlauben.
Speaker: Und dann haben wir versucht, mehr nach außen zu verlagern, wie gesagt, die Festhalle.
Speaker: Aber ich glaube, wir haben jetzt für dieses Jahr ein gutes Konzept, in dem wir die meisten Publikumsverlage jetzt auf den Erdgeschossebenen um die Agora haben, sodass wir ganz anders mit diesen Menschenmengen umgehen können.
Speaker: Und tatsächlich auch, wenn man sieht, dass Leserinnen für den Fizek drei Stunden anstehen.
Speaker: Dafür müssten wir auch andere Möglichkeiten schaffen, das Ganze keinem zumuten.
Speaker: Obwohl ich ja glaube, dass es sogar gut ist, dass du noch da warst und noch nicht aufgehört hast, weil ich glaube, das war eine Herausforderung, wenn jemand...
Speaker: der Erfahrung haben musste.
Speaker: Schon alleine die 500 Aussteller im Blick zu haben, wer ist das, welche Befindlichkeiten sind im Raum, wie können wir schnellstmöglich umziehen, dafür braucht es ja Erfahrung.
Speaker: Und ich glaube, der Herr Kaufmann, wer kurz mal kollabiert, wäre das seine erste Messe und er hätte da jetzt mal 500 Aussteller umziehen lassen müssen.
Speaker: Also von daher war es ja sogar Glück, dass du noch da warst.
Speaker: Ja, aber ich freue mich.
Speaker: Joachim hat ja jetzt schon am 1.
Speaker: September angefangen und begleitet mich.
Speaker: Und wir kennen uns seit Jahrzehnten und sind befreundet.
Speaker: Wie ich ihn kenne und auch durch seine internationale Arbeit bei der IPA oder für den Bonniers-Konzern, ist er da schon mit allen Wassern gewaschen.
Speaker: Wie gesagt, das ist ja nicht die einzelne Person, sondern das Team, die das macht.
Speaker: Ich kenne ja auch nicht alle 500, die da umziehen mussten.
Speaker: Das geht nicht.
Speaker: Aber dann gehen wir mal auf deinen Nachfolger, Achim Kaufmann, der quasi du verantwortest diese Messe jetzt noch zu Ende und dann übernimmt er den Posten.
Speaker: Er hat aber zum 1.
Speaker: September schon bei euch angefangen.
Speaker: Wie läuft so eine Übergabe ab?
Speaker: Also einerseits weiß jeder, der schon mal jemanden einarbeiten musste, das ist zeitintensiv und gerade dann so vor der Messe weiß ich nicht, wie viel Zeit du dann tatsächlich hast.
Speaker: Und wie läuft das ab?
Speaker: Weil ich frage mich, gibt es so, kann man da ganz viele Tipps mitgeben oder gibt es so Sachen, wo man denkt, das muss der jetzt, da wird der selber irgendwann reinrauschen und das kriegt der schon gebacken, aber ob ich da jetzt einen Tipp gebe oder nicht, bringt eh nichts.
Speaker: Ja, ich denke, du kannst ihm schon einen Hintergrund geben zu manchen Schlüsselleuten international.
Speaker: Also das ist, was wir versuchen.
Speaker: Wir waren jetzt auch schon zusammen im Ausland unterwegs.
Speaker: Wie gesagt, er kennt einige über seine IPA-Vergangenheit.
Speaker: Das ist schon groß, sehr super hilfreich.
Speaker: Wichtiger ist, dass das Team loyal da ist.
Speaker: Und er bespricht sich jetzt mit allen Kollegen, wird eben Mitarbeiter, wird für die Gespräche und das ist super wichtig.
Speaker: Weißt du, wenn du das Team hast, dann sagt dir das schon, was zu tun ist.
Speaker: Das kann ich nicht.
Speaker: Ich kann anekdotisch arbeiten und etwa ein bisschen Strukturen erklären.
Speaker: Ich bin jetzt gerade in Berlin, Termine mit dem Auswärtigen Amt und so weiter.
Speaker: Das sind alles Dinge, es geht um eine Einführung.
Speaker: Man hat sich mal gesehen, damit wird Vertrauen hergestellt.
Speaker: Und genauso wie auf der Messe, der Hauptgrund für die Frankfurter Buchmesse ist, Vertrauen herzustellen.
Speaker: Und das gilt jetzt natürlich auch bei unseren externen Stakeholdern.
Speaker: Ja, ja.
Speaker: Wie geht denn das jetzt, wie laufen die nächsten Wochen ab?
Speaker: Und vor allem, was mich interessiert, wie läuft deine Messewoche ab?
Speaker: Es gibt am Dienstagabend die feierliche Eröffnung.
Speaker: Hast du die Rede dafür schon parat?
Speaker: Nein, die Rede habe ich nicht verarbeitet.
Speaker: Da sitzen wir mit meinen Kommunikationskollegen vermutlich noch in der Nacht vorher zusammen, um da immer wieder anzupassen.
Speaker: Natürlich ist es jetzt noch mal ein bisschen speziell durch mein Ausscheiden.
Speaker: Es hängt natürlich auch sehr viel vom Ehrengast ab.
Speaker: Du weißt, wir arbeiten drei Jahre mit so einem Land, mit der Kultur zusammen.
Speaker: Die bringen 70, 100 Autoren und die kommen schon die Woche vorher.
Speaker: Das heißt, ich bin schon die Woche vorher im Strudel, viele Ehrengastveranstaltungen, viele Ausstellungen in Frankfurt, ob das Architektur ist.
Speaker: Kommunikationsmuseum, ob das die Scheren ist, alle beschäftigen sich mit dem Ehrengast und irgendwie müssen wir da auch repräsentativ dabei sein und die begleiten.
Speaker: Und deswegen geht das schon für mich relativ früh los.
Speaker: Im Moment pendel ich irgendwie zwischen Berlin und Frankfurt.
Speaker: Ja, weil natürlich jetzt auch die Unterstützung, die wir von den Berliner Stakeholdern bekommen, das ist alles immer wieder in Frage gestellt und wir verhandeln.
Speaker: Und dann hüpfen wir mal, lass uns mal so eine Messewoche durchgehen, weil hast du Zeit, wirklich durch die Hallen zu gehen?
Speaker: Oder machst du das, weiß ich nicht, machst du das abends?
Speaker: Nachts allein auf der Messe.
Speaker: Tatsächlich.
Speaker: Das finde ich ja immer der schönste Moment, wenn man sich vielleicht mit Verlagen, mit Kollegen und Kolleginnen aus anderen Verlagen verquatscht hat und man geht dann abends irgendwie, weiß ich nicht, 21, 22 Uhr oder wenn es ganz besonders lustig war, noch später raus.
Speaker: Ja.
Speaker: Und das ist ja nochmal eine ganz, ganz besondere Atmosphäre, wo man zum Teil auch wirklich mal gucken kann.
Speaker: Siehst du die Messe?
Speaker: Ne, das sehe ich in dem Moment nicht.
Speaker: Einerseits mache ich ja selbst Termine, die entweder in den Bürostags stattfinden oder am Messestand.
Speaker: Die sind super eng getaktet zwischen 15 und 20 Minuten, weil wir immer nochmal die Wegzeit einberechnen.
Speaker: Und das nach Ländergruppen.
Speaker: Natürlich treffe ich die ganzen Verlegerverbände weltweit.
Speaker: Ich treffe einige Verleger, die ich über das Jahr nicht gesehen habe.
Speaker: Insbesondere halt aus Ländern, die weit entfernt sind.
Speaker: Ich treffe einige über das Stakeholder-Göthe-Institut.
Speaker: Natürlich, wir führen Politiker herum.
Speaker: Wir haben einige Kulturminister aus der ganzen Welt.
Speaker: Dort muss ich einfach protokollarisch mit dabei sein.
Speaker: Dann für mich beginnt es Montagabend mit dem Deutschen Buchpreis.
Speaker: Dann renne ich da ganz schnell weg, weil die IPE, der Internationalen Verlegerverband, macht ein offizielles Treffen und danach werde ich vermutlich...
Speaker: unser Einladungsprogramm begrüßen.
Speaker: Und dann ist zwölf und dann ist das ein früher Abend.
Speaker: Und Dienstag dann die offizielle Pressekonferenz ist sicher das Highlight.
Speaker: Und dann unser Dienstag, unsere eigene Eröffnung.
Speaker: Und ihr wisst, es sind fast zweieinhalbtausend Menschen in dem Raum.
Speaker: Und jeder hat seine Meinung und ist sehr gespannt, was da präsentiert wird.
Speaker: Mal sehen, wie das, wie nennt man das, wenn Vulkan...
Speaker: Aber hast du an irgendeiner Stelle innerhalb wirklich dieser Messe, so wie wir sie alle erleben, mal den Moment, wo du stolz sein kannst, wo du denkst, boah, wir haben hier echt gerade, weiß nicht, ist das Sonntagabend, wenn die Lautsprecherdurchsage kommt, also wo du wirklich sagst, wir haben es wieder geschafft, es gab keine schlimmen Unglücke, weder irgendwie menschlich irgendwie, dass es zu Getränke oder sonst was kam, wir hatten keine schlimmen Verletzten, es ist...
Speaker: Wir hatten keine diplomatischen Vorfälle.
Speaker: Kommt da irgendwo dieser Moment, wo du da mal rekapitulieren kannst?
Speaker: Also ein richtiges Rekapitulieren ist es nicht.
Speaker: Sonntagabend schreiben wir nochmal mit dem Team zusammen die Abschlusspressemitteilungen, legen die Kommunikation fest.
Speaker: Und dann treffen sich aber alle.
Speaker: Die kommen alle von ihren Stationen.
Speaker: Das sind dann über 100 Kollegen, die da kommen.
Speaker: Und die tröpfeln nach und nach ein, so wenn sie ihren Platz aufgeräumt haben, die letzten Aussteller verabschiedet.
Speaker: Und wenn dann so alle da sind, dann spreche ich nochmal mit allen.
Speaker: Und das ist dann ziemlich genial.
Speaker: Und das sind einfach ein bestimmter Rytos,
Speaker: Wir verabschieden Kolleginnen, ja, wir sind Kollegen, die schon seit 40 Jahren da sind und das machen und die feiern wir dann auch nochmal, wer das so lange ausgehalten hat, den Wahnsinn, den feiern wir an dem Abend und wir feiern uns selbst, ja, das ist eine gute Messe.
Speaker: Dann wirst du dieses Jahr gefeiert wahrscheinlich.
Speaker: Ja, ich möchte mich ja eigentlich eher in Luft auflösen.
Speaker: Wie denkst du jetzt schon an diesen Moment, wenn dann die Messe vorbei ist?
Speaker: Ich habe so gedacht, bist du dann so der Letzte, der quasi, du willst dann die Tore zuschließen, so als Allerletzter und dann gehst du nach Hause?
Speaker: Wie fühlt sich das an?
Speaker: Hast du da irgendwie auch ein bisschen Respekt davor oder Angst oder Vorfreude vielleicht auch, weil du dann endlich sagen kannst, boah, endlich dieser ganze Stress ist jetzt endlich vorbei?
Speaker: Ich kann es mir überhaupt nicht vorstellen, ehrlich gesagt.
Speaker: Weder in die eine Richtung noch in die andere.
Speaker: Ich kann mir nicht vorstellen, dass das nicht mehr meinen Alltag bestimmt.
Speaker: Aber ich war jetzt auch gesundheitlich nicht mehr auf der Höhe die letzten Jahre.
Speaker: Insofern war es dringend nötig, dass ich mir das nicht mehr antue.
Speaker: Insofern ist es der richtige Zeitpunkt.
Speaker: Aber wie das aussehen wird, ich habe keine Ahnung.
Speaker: Wenn ich das zweite Mal in Rente gehe, sage ich es euch, wie es beim ersten Mal war.
Speaker: Ja, ich frage mich gerade, legen die gerade alle zusammen?
Speaker: Kriegst du eine Torte zum Abschied?
Speaker: Ich weiß, Verlage, die gewisse Jubiläen auf der Messe hatten, haben früher zumindest so kleine Törtchen bekommen.
Speaker: Kriegst du sowas?
Speaker: Nein, ich habe allen gesagt, bitte nicht.
Speaker: Ich möchte einfach nur gehen.
Speaker: Lass dich gehen.
Speaker: Ich könnte es ja machen, wie mein Vorgänger Peter Weite heißt.
Speaker: Der hat
Speaker: ich glaube vier Bücher über seine Zeit bei der Buchmesse geschrieben.
Speaker: Und die waren ziemlich spannend, also wenn man noch die handelnden Personen aus der Zeit kennt.
Speaker: Inzwischen sind das natürlich alles andere Leute.
Speaker: Aber auch das, ich weiß noch, Gottfried Honnefelder, damals Vorsteher, sagte auch zu mir, Boos, wehe, Sie schreiben ein Buch.
Speaker: Von Boos zum Ritterschlag.
Speaker: Ja.
Speaker: Aber dafür gibt es jetzt Podcasts.
Speaker: Wir machen das jetzt hier alles.
Speaker: Wir machen also eine eigene Rubrik und dann kannst du dauerhaft erzählen.
Speaker: Weil ich glaube, du hast wirklich super viel zu erzählen.
Speaker: Wir sind heute natürlich so ein bisschen begrenzt in der Zeit.
Speaker: Mich interessieren ja trotzdem diese kleinen Sachen, die man sonst nicht mitbekommt.
Speaker: Ein Glas am Rand.
Speaker: Nein, ich frage mich das jetzt zum Beispiel, das ist ein sehr düsteres Thema, aber sterben auf der Buchmesse Menschen?
Speaker: Also ich habe das in meinen 20 Jahren nicht erlebt, 21.
Speaker: Wir haben Leute, die der Rolltreppe runtergefallen sind.
Speaker: Wir hatten aber nie Auseinandersetzungen.
Speaker: Ne, ist nie passiert.
Speaker: Ich glaube, die Leute freuen sich so sehr, dass ein Herzinfarkt ausgeschlossen ist.
Speaker: In Flugzeugen passiert es ja auch, aber umso schöner das zu wissen, das beruhigt mich sehr.
Speaker: Es gibt bei uns, wir sind immer in der Halle 3.0 und da gibt es ja diese großen Tore, die für LKWs gemacht sind und so und die...
Speaker: haben noch mal kleinere Tore, die dann die Besucher benutzen.
Speaker: Und damit diese großen Tore festhalten, gibt es so Halter im Beton.
Speaker: Und ich habe jahrelang, standen wir da und haben immer so mit einer gewissen Schadenfreude zugeguckt, wenn Leute, die da gerade verträumt rumgucken, dann drüber gestolpert sind.
Speaker: Und das habe ich so lange gemacht.
Speaker: Verspüre ich da eine gewisse Schadenfreude.
Speaker: Ja.
Speaker: Aber die endete ganz abrupt, als ich irgendwann wieder da draußen lang ging und da war eine große Blutlache.
Speaker: Und dann war es tatsächlich auch noch, der Zufall wollte so eine Autorin von uns, die da ganz gewaltig irgendwie hingepackt hatte.
Speaker: Und seitdem kann ich da nicht mehr lang gehen und nicht mehr hingucken, weil ich Angst habe, ich sehe jemanden, der jetzt ganz, ganz gemein fällt.
Speaker: Aber sowas bleibt natürlich nicht aus.
Speaker: Aber jetzt, okay, es ist niemand gestorben, das halten wir fest und finden es gut.
Speaker: Ähm,
Speaker: Und dass es auf alle Fälle so bleibt.
Speaker: Aber gucken wir mal so ein bisschen auf andere, dann doch eben Skandale.
Speaker: Ich habe vorhin gesagt, wir wollen das heute nicht so ausbreiten, aber es gab so ein paar Stationen in deiner beruflichen Karriere, die wahrscheinlich dir und deinem Team einiges abverlangt haben.
Speaker: Du hast es eben selber schon gesagt, 2009
Speaker: gab es einen Vorfall, dass zwei Regimekritiker, glaube ich, waren es, im Zuge der Messe, auf der Pressekonferenz sprechen durften, woraufhin die Republik China ganz große Bedenken hatte und, ich glaube, mit Boykott gedroht hat.
Speaker: Vielleicht magst du es noch mal ganz kurz erzählen, weil das ist insofern spannend, dass, glaube ich, für euch eine wahnsinnige Bewährungsprobe war.
Speaker: Also erstmal, die Diskussion kann man China einladen, kann man totalitäres System einladen.
Speaker: Die Idee der Buchmesse und auch des Börsenvereins, man muss mit den Leuten reden, sonst bleibt alles so, wie es ist.
Speaker: Und wenn nicht wir, die Buchbranche, die Autoren, ja.
Speaker: wo wir tatsächlich die wahnsinnig vielen Stimmen haben, Kritiker, alles Mögliche.
Speaker: Und wir haben drei Jahre lang mit dem Regime in dem Sinne oder mit dem, ja, tatsächlich würde ich mit dem autoritären Regime verhandeln darüber und was ist möglich.
Speaker: Und wir haben gesagt,
Speaker: Ja, wir wollen euch gerne als Ehrengast haben, aber ihr müsst die Freiheit des Wortes zulassen.
Speaker: Insofern war das ganz klar, es wird tatsächlich zum Thema werden.
Speaker: Es werden die Uiguren zum Thema werden, es wird Tibet zum Thema werden, es wird der Tiananmen-Platz zum Thema werden, all diese Themen.
Speaker: Und ihr müsst das aushalten.
Speaker: Und dann haben sie es dann doch nicht so unbedingt ausgehalten.
Speaker: Und dann auch natürlich, muss ich sagen, das war meine bestbesuchteste Pressekonferenz.
Speaker: Und wir haben dann auch wirklich ein Schauspiel geboten, als der chinesische Botschafter von der Bühne gegangen ist, empört und hat gesagt, das war's.
Speaker: Am Dienstag, am Messedienstag.
Speaker: Und ich hinterher bin, um nochmal mit ihm zu sprechen.
Speaker: Und wir dann Modus Verendi geschaffen haben.
Speaker: Aber die nächsten Jahre durfte ich dann nicht nach China einreisen.
Speaker: Also ich habe dann kein Visa bekommen.
Speaker: Aber das ist tatsächlich so, ihr habt drei Jahre verhandelt und eigentlich wart ihr an einem Punkt, wo ihr einen gemeinsamen Kompromiss gefunden hattet und der wurde aber quasi am ersten Messetag zurückgenommen.
Speaker: Ja, aber wie gesagt, es war ja auch kein Kompromiss, sondern wir haben gesagt, die Freiheit des Wortes ist nicht verhandelbar.
Speaker: In Frankfurt wird das alles passieren.
Speaker: Ich habe Ihnen auch die Themen aufgezählt.
Speaker: Ihr wisst, wie ihr damit im Land umgeht.
Speaker: Und das wird Thema sein.
Speaker: Und ich muss sagen, auf Autorenseite war das auch sehr gut.
Speaker: Aber nachher hat vermutlich die Administration dann doch kalte Füße bekommen.
Speaker: Und wie fühlt sich das dann an?
Speaker: Ist das nicht furchtbar enttäuschend, wenn man sagt, die haben verarbeitet, sind wirklich für die Katz?
Speaker: Und ich weiß nicht, ob ihr das noch wisst, Xi Ping war damals Vizepräsident und der hat damals mit Frau Merkel die Messe eröffnet.
Speaker: Die haben sich sehr gut miteinander verstanden.
Speaker: Und dann begann die Messe.
Speaker: Die Enttäuschung ist das eine, aber mal rein aus organisatorischer Sicht, wie läuft das denn ab?
Speaker: Dann ist auf einmal schaltet dein ganzes Team in Panikmodus und dann zieht man sich irgendwo zurück und bespricht sich hektisch.
Speaker: Wie geht man jetzt um?
Speaker: Nein, vieles.
Speaker: Das ist wirklich vorbereitet, ja.
Speaker: Das ist einfach gelerntes Krisenmanagement seit 1949.
Speaker: Also ist ja nichts Neues.
Speaker: Auf irgendeine Art spiegelt sich auf der Buchmesse immer das, was gesellschaftlich passiert, was auf der Welt los ist.
Speaker: Denkt an die Diskussionen und tatsächlich die Vorfälle mit den rechten Verlagen in Frankfurt.
Speaker: Ganz deutsches Thema.
Speaker: Hat das Ausland überhaupt nicht mitbekommen.
Speaker: Xi Jinping hat das wiederum, das Ausland mitbekommen.
Speaker: Aber es sind immer Themen, die da stattfinden, weil
Speaker: weil wir da mal eine Bühne sind und weil wir knapp 7.000 Journalisten akkreditieren, von denen jetzt natürlich weit über die Hälfte Blogger und Podcaster sind.
Speaker: Aber trotzdem noch, obwohl der Journalismus große Probleme hat, sind wir ein Magnet über die vielen Bühnen.
Speaker: Und dieses Jahr werden es noch mehr Bühnen werden, also noch mehr Themen besprochen.
Speaker: Wir kuratieren auch mehr selbst jetzt.
Speaker: Früher haben wir halt die Bühnen gesagt, du bringst ein Auto, wir stellen dir die Bühne zur Verfügung.
Speaker: Jetzt versuchen wir noch stärker eigene Themen zu setzen.
Speaker: Das geht schon nach großer politischer Diplomatie, die ihr da an den Tag legen müsst.
Speaker: Ja, das wäre auch mein Punkt gewesen.
Speaker: Also du hast vorhin auch gesagt, das ist Kulturpolitik.
Speaker: Und siehst du dich auch so ein bisschen als Politiker oder Diplomat in dieser Rolle?
Speaker: Ich habe mich nie so gesehen.
Speaker: Ich hatte immer das Gefühl, das ist Teil unserer Verleger, unserer Buchhändlerwelt.
Speaker: Der Roman beschäftigt sich immer mit den Menschen der Gesellschaft und dem nochmal eine Bühne zu geben.
Speaker: Ich weiß nicht, wie das entstanden ist, keine Ahnung.
Speaker: Aber das war mir immer super wichtig.
Speaker: und tatsächlich auch meinen Vorgängern und dem Gesellschaften, dem Börsenverein, dass wir genau der Meinungsverein die Bühne geben.
Speaker: Ich spreche sehr viel international zu diesem Thema.
Speaker: Aber ich glaube, Frankfurt ist durch diese internationale Präsenz auch zu dem geworden, was es ist.
Speaker: Das macht uns aus, dieser Dreiklang Wirtschaft, Recht, Handel, Vertriebsthemen, was passiert mit AI, das ist das große Thema.
Speaker: Dann einfach gesellschaftliche Probleme, die der Inhalt der Bücher sind.
Speaker: Und dann hast du damit verbunden, dass automatisch bist du eine politische Bühne.
Speaker: Das lässt sich einfach nicht trennen.
Speaker: Das ist, was wir machen.
Speaker: Young Romance hat eine gesellschaftspolitische Dimension, die sehr stark ist.
Speaker: Und wenn wir über AI reden sowieso, was kommt da auf uns zu?
Speaker: Jetzt gehe ich aber nochmal einen Schritt zurück.
Speaker: Keine Bühne bieten konntet ihr während der Corona-Pandemie.
Speaker: Das haben wir vorhin mal kurz angesprochen.
Speaker: Das war, also ich stelle mir das vor, da ist doch die ganze Arbeit, das war eh alles umsonst, aber...
Speaker: Wie schnell musstet ihr da entscheiden?
Speaker: Das Ganze ging ja im März los, aber jetzt haben wir schon ein paar Mal von dir gehört, das hat alles einen wahnsinnigen Vorlauf.
Speaker: Und wie lange habt ihr damals, wenn du dich zurückerinnerst, gehadert, lassen wir es stattfinden, lassen wir es nicht stattfinden?
Speaker: Ich weiß, das war damals ja, zumindest im ersten Jahr, ja sehr lange unsicher.
Speaker: Ja, wir haben dann ja auch noch ein paar Aussteller gehabt, also vielleicht eine Halle von vorher sieben.
Speaker: Also es kamen wirklich ein paar große Fans der Buchmesse, um uns zu unterstützen unter größten Vorsichtsmaßnahmen.
Speaker: Und dann haben wir ja angefangen mit viel Unterstützung vom Land Hessen tatsächlich und BKM und anderen Institutionen, Wirtschaftsministerium.
Speaker: eine digitale Messe aufzubauen, um tatsächlich festzustellen, wir haben in der Festhalle ja Bühnen gehabt, Panada, der Ehrengast fand virtuell stand, zwei Jahre hintereinander, Albtraum.
Speaker: Leipzig hat drei Jahre, ist drei Jahre ausgefallen.
Speaker: Ganz schlimm.
Speaker: Und natürlich hat uns das finanziell belastet.
Speaker: Ich habe die Hälfte der Belegschaft verloren.
Speaker: Insofern schon eine wahnsinnige Belastung für das Team, wenn alle, mit denen du vorher super gut zusammengearbeitet hast, perspektivisch dann wirklich zu sehen.
Speaker: ist das jetzt das Ende?
Speaker: Ja.
Speaker: Ja.
Speaker: Ja, um dann im nächsten Jahr dann wieder zu sehen, es geht doch wieder aufwärts und zu merken, na, die Leute wollen sich treffen.
Speaker: Wir haben uns gerade Millionen versenkt in den Aufbau einer digitalen Messe und können das wegwerfen, ja.
Speaker: Ja, ja.
Speaker: Ja, weil die Leute, ich sprach vorhin von Vertrauen und das kriegst du nur, ja, face to face, ja, das ist so wichtig.
Speaker: Gerade wenn du, was weiß ich, deine Rechte nach Singapur verkaufst, dann willst du eigentlich wissen, ja, was passiert da mit meinem Recht, mit meinem Buch.
Speaker: Aber wenn man sagen kann, ich weiß nicht, ob das dem Messekonzept geschuldet war oder dass es womöglich weniger Aussteller gab, aber wenn das Ganze was Positives hatte, dann dass auf einmal die Gänge ein bisschen breiter wurden danach.
Speaker: Ja, also das war natürlich, sagen wir mal, erstmal den Gesundheitsmaßnahmen geschuldet.
Speaker: Aber ihr habt es beibehalten, weil ihr gemerkt habt,
Speaker: Das war dann abschaustellig Young Adult geschuldet.
Speaker: Du hast es vorhin beschrieben von der Halle 3.
Speaker: Tatsächlich, wenn du die Massen da hattest, deswegen mussten wir jetzt das Konzept ändern.
Speaker: Und natürlich jetzt mit dem Verlust der Halle 6 werden die Gänge wieder ein paar Stellen schmäler sein.
Speaker: Wenn du dich da wohler fühlst, kannst du sie nennen.
Speaker: Nein, nein, nein, ich fand das super.
Speaker: Ich finde, das Einzige, was mein ästhetisches Empfinden stört, ist, dass die Teppiche nicht breiter geworden sind.
Speaker: Ja, aber das ist natürlich der Ökologie geschuldet.
Speaker: Diese Teppiche sind zwar schon dreimal wiederverwertet und werden auch wieder aufbereitet, aber es ist natürlich, wenn du um die Welt schaust, sind wir noch eine der wenigen, die überhaupt noch sowas benutzen.
Speaker: Ja.
Speaker: Wir müssen fürchtlich zum Ende kommen, weil du einfach kein Wunder, zwei Wochen vor der Messe, viele Termine hast.
Speaker: Aber vielleicht die letzte Frage an dich.
Speaker: Wenn du so viel rumreist, du siehst Menschen, du siehst Politik, du lernst wahnsinnig viele wichtige Menschen kennen, du siehst Buchhandel in Deutschland und überall auf der Welt.
Speaker: Was denkst du, wenn du hier in eine Thalia-Filiale gehst oder Hugendubel oder aber auch wirklich in die kleine Sortimentsbuchhandlung um die Ecke?
Speaker: Wie bewertest du uns?
Speaker: Ganz offen gefragt.
Speaker: Wie bewerte ich den Buchhandel?
Speaker: Nein, was denkst du dann?
Speaker: Auch bei den ganzen Diskussionen, die da geführt werden, wird man da so ein bisschen zynisch und denkt, ey Leute, über was ihr euch hier gerade aufregt, dass irgendwie ein Erstverkaufstag nicht eingehalten wurde, seid froh, dass wir überhaupt Bücher haben oder, weiß nicht, stumpft man da, abstumpfen ist das falsche Wort, aber man bekommt ja ein breiteres Bild von einem.
Speaker: Ja, du siehst, das sind natürlich viele Modelle auf der Welt.
Speaker: Und wenn du siehst, wie in Buenos Aires, die argentinische Wirtschaft ist eine Katastrophe.
Speaker: Absolute Katastrophe.
Speaker: Und trotzdem ist an jeder Ecke eine Buchhandlung.
Speaker: Und die werden mit Passion betrieben.
Speaker: Passion mit Leiden unterstrichen, Leidenschaft.
Speaker: Aber das sehe ich auch, wenn ich in meine Bücherstube an der Tiefburg in Heidelberg gehe jeden Samstag, dann sehe ich das genauso.
Speaker: Die machen fast jeden Abend einen Büchertisch auf einer Veranstaltung.
Speaker: Und das finde ich das Geniale an der Branche.
Speaker: Es ist ein spezielles Produkt, aber es sind die Menschen, die das Produkt speziell machen.
Speaker: Der Autor, der Buchhändler, die Verleger, bis hin zu den Zwischenbuchhändlern.
Speaker: Kein Land der Welt hat so ein Zwischenbuchhändelssystem.
Speaker: Ich fühle mich eher ein bisschen stolz.
Speaker: Ja, okay.
Speaker: Das ist ein sehr schönes Fazit, was ich jetzt einfach mal so stehen lasse.
Speaker: Bevor wir dich aber in den nächsten Termin entlassen, ist es bei uns gute Sitte, dass der Gast ein Buch mitbringt.
Speaker: Du machst dich jetzt bei einem Verlag sehr beliebt, bei allen anderen wahnsinnig unbeliebt, aber jetzt ist auch wurscht.
Speaker: Was hast du uns mitgebracht?
Speaker: Tatsächlich eines der Bücher, das mich eigentlich seitdem ich 15, 16 bin, begleitet hat, war Milan Kundaras »Unerträgliche Leichtigkeit des Seins«.
Speaker: Und das kommt natürlich jetzt mit Tschechien massiv wieder hoch.
Speaker: In diesen letzten Jahren ist Kundara gestorben, seine Frau Vera ist gestorben.
Speaker: Das waren einfach so ikonische Menschen, die
Speaker: leider nie treffen durfte.
Speaker: Die haben in Paris gelebt.
Speaker: Er hat ja dann auch französisch geschrieben.
Speaker: Aber jetzt ist es mir gelungen, im Beirat der Milan Kundera Bibliothek in Brunno in Tschechien zu sein.
Speaker: Und ich darf mich zumindest einmal im Jahr wieder damit beschäftigen.
Speaker: Und wo es auch immer wieder hochgekommen ist, das war einer der ersten Titel,
Speaker: mit einer grandiosen Literaturverfilmung.
Speaker: Ich weiß nicht, ob die, ich glaube, die meisten Menschen haben erst den Film gesehen und dann das Buch gelesen, was vielleicht auch den Zugang vereinfacht hat.
Speaker: Aber das hat ja grandios funktioniert, ja, diese Verfilmung.
Speaker: Und das merken wir jetzt in Frankfurt immer, Book to Screen und so weiter, Riesenthema.
Speaker: Aber das war es auch schon mal, ja.
Speaker: Und wie gesagt, dieses Buch von Kundera, überhaupt viele Bücher von Kundera,
Speaker: auch seine theoretischen Sachen, die Kunst des Romans.
Speaker: Das hat mich mein Leben lang begleitet.
Speaker: Und jetzt ist mit Tschechien ist das alles sehr, sehr präsent.
Speaker: Deswegen macht mir das auch sehr viel Spaß.
Speaker: Ich habe das, glaube ich, so mit meiner Pubertät gelesen, weil mein Bruder das gelesen hat und wahrscheinlich damals den Zugang nicht gefunden.
Speaker: Aber vielleicht ist das der Anlass, sich da mal wieder ranzutrauen.
Speaker: Ja, schaut doch noch mal rein.
Speaker: Das hat jetzt ein paar Mal die Backlist in den Verlag gewechselt.
Speaker: Auch spannend, wie sowas passieren kann.
Speaker: Schaut mal, wo es jetzt gerade erschienen ist in Deutschland.
Speaker: Wir verlinken euch das wie immer in den Shownotes, dass ihr euch das direkt bestellen könnt.
Speaker: Der Anlass war natürlich, dass dieses Jahr Tschechien ein Gastland ist.
Speaker: Das wollen wir der Vollständigkeit halber auch noch sagen.
Speaker: Und sagen jetzt schon mal vielen Dank, aber jetzt kommt noch schnell, ich muss ein bisschen hetzen, Tinas Rote.
Speaker: Ich habe von Dirk Sternmann, mir geht es gut, wenn ich heute dann morgen mitgebracht, sicherlich auch ein bisschen den politischen Umständen in unserem Land geschuldet, dass ich dieses Buch rausgesucht habe.
Speaker: Ich habe es schon vor ein paar Wochen gelesen.
Speaker: Es geht um Erika Friedman.
Speaker: Das ist, wie auf dem Cover so schön steht, ein Jahrhundertleben.
Speaker: Denn die gute Frau ist weit über 90, ist in Corona-Zeiten wegen einer OP nach Wien gekommen, saß dann im Hotel Imperial Fest und
Speaker: Das Besondere am Hotel Imperial ist, dass auch Hitler dort übernachtet hatte und sie ist eine Holocaust-Überlebende.
Speaker: Sie ist mit zwölf Jahren aus Wien geflohen, ich glaube, das war 1940, alleine, ohne ihre Eltern, ohne irgendjemanden.
Speaker: wurde ihr Koffer gepackt und sie wurde nach New York verschickt.
Speaker: Und dort ist sie auch alleine angekommen, in ein Heim gekommen, ist später Psychoanalytikerin geworden und ist die Psychoanalytikerin Hollywoods.
Speaker: Und sie hat ein unfassbar spannendes Leben.
Speaker: Und in kleinen Anekdoten, die treffen sich einmal die Woche, das haben die in Corona-Zeiten angefangen, einmal die Woche treffen die sich zum Kaffee im Hotel Imperial und kommen von Hölzchen auf Stöckchen.
Speaker: Und diese Frau ist einfach für mich ein wahnsinniges Wunder, mit welcher Fähigkeit sie Verlust, Schmerz,
Speaker: Angst, Vergänglichkeit einfach hinter sich lassen kann, unfassbar fröhlich ist.
Speaker: Man kriegt auch immer wieder mit, so Situationen zwischen Kellner und Erika Freeman, also wie sie auch im Hotel wahrgenommen wird, als Ikone, als Stargast.
Speaker: Und es ist einfach ein sehr lebensbejahendes, schönes Buch, was sich mit einem sehr schweren Thema auseinandersetzt.
Speaker: Und deswegen ist das meine Empfehlung.
Speaker: Es ist sowohl im Hardcover als auch im Taschenbuch bei Rowold erschienen und macht große Freude zu lesen.
Speaker: Vielen Dank, Tina.
Speaker: Und wir sind auf den Punkt, Jürgen, so, dass du jetzt direkt deinen Sakko überwerfen kannst und zum nächsten Termin ein kannst.
Speaker: Wir sagen ganz, ganz herzlichen Dank, dass du heute da warst, dir die Zeit für uns genommen hast und wünschen dir jetzt erst mal zwei reibungslose Wochen noch.
Speaker: Was habe ich gesagt?
Speaker: Noch 376 Stunden.
Speaker: Drei Wochen wünschen wir dir vor allen Dingen.
Speaker: Fast drei Wochen, ja.
Speaker: Bitte, schließt die Messe an.
Speaker: Okay, stimmt.
Speaker: Und dass es am Sonntag keinen Kuchen gibt.
Speaker: dass es am Sonntag keinen Kuchen gibt.
Speaker: Und du hast hier, bekommst du jederzeit eine Heimat, wenn du noch ein bisschen Anekdoten erzählen willst und das Buch dann doch nicht schreiben möchtest.
Speaker: Aber die erzähle ich unter vier Ohren.
Speaker: Sehr gerne.
Speaker: Wir hätten eh nicht weiterreden können.
Speaker: Das ist sehr, sehr spannend.
Speaker: Aber alles, alles Gute für dich, auch für die Zeit danach.
Speaker: Ich hab jetzt nach dem Gespräch nicht den Eindruck, dass du ganz von der Bildfläche verschwindest.
Speaker: Von daher sagen wir einfach nur bis zum nächsten Mal und vielen Dank.
Speaker: Macht's gut.
Speaker: Bis zum nächsten Mal.
Speaker: Vielen Dank.
Speaker: Gute Zeit.
Speaker: Ciao.

