Transcript
Speaker: Untertitelung. BR 2018
Speaker: Bis zum nächsten Mal.
Speaker: Nachgefragt.
Speaker: Geschlechterforschung im Blick
Speaker: Das, finde ich, bräuchten wir auch in Deutschland und das wäre echt ein großer Gewinn, wenn wir Gender, Queer Studies, Trans Studies an den HAWs zum Beispiel in der sozialen Arbeit viel mehr stärken würden. Ich glaube, da werden genau die Forschungslücken sichtbar, die in der universitären Geschlechterforschung ignoriert werden aufgrund, ich glaube, es hat auch sehr viel mit den Klassenprivilegien der Wissenschaftler in sich.
Speaker: Ich wünsche mir so eine...
Speaker: eine Wissenschaft oder auch Gender Studies, die dieses
Speaker: Versprechen von Intersektionalität auch einlösen. Wir werden viele intersektionale Perspektiven behandelt und ich wünsche es mir einfach noch ein bisschen deutlicher, auch mit Blick auf Klasse.
Speaker: Herzlich willkommen zum Podcast Nachgefragt, dem Podcast zu Geschlechterforschung.
Speaker: des Gender - und Frauenforschungszentrums der hessischen Hochschulen. Mein Name ist Sabrina Schmidt. Normalerweise ist hier auch noch meine Kollegin Hannah Haag. Aber heute bin ich alleine da und habe zwei wunderbare Gästinnen da.
Speaker: die uns heute etwas zum Thema Geschlecht, Gender...
Speaker: und Klassismus erzählen werden.
Speaker: Darauf freue ich mich sehr. Das ist aus meiner Sicht ein sehr relevanter Aspekt in der Geschlechterforschung. Und da freue ich mich, dass wir einfach Personen, Menschen hier haben, die sich schon sehr lange...
Speaker: mit dem Thema auch eben an der Schnittstelle Geschlecht.
Speaker: auseinandersetzen.
Speaker: Ja, und für all diejenigen, die jetzt nicht so in dem Klassismusthema
Speaker: zu Hause sind, habe ich jetzt nochmal eine kurze Definition mitgebracht. Die Definition kommt aus einer Veröffentlichung von Frances Seeg und Marie Kottwitz.
Speaker: Frances Seeg ist ja heute auch hier zu Gast. Sie kommt aus einem Positionspapier zu Klassismusforschung. Das verlinken wir auch in den Shownotes.
Speaker: Und dort wird Klassismus...
Speaker: wie folgt definiert.
Speaker: Mit dem Begriff Klassismus wird die Diskriminierung entlang der sozialen Herkunft oder des sozialen Status bezeichnet. Klassismus richtet sich gegen Einkommensarmen,
Speaker: Arme, erwerbslose oder wohnungslose Menschen. Außerdem können Menschen, die nicht akademische, körperliche oder praktische Berufe ausüben, von Klassismus betroffen sein. Auch die Nachkommen
Speaker: dieser Personengruppe können Klassismus erfahren.
Speaker: zum Beispiel Kinder aus nicht akademischen oder armutsbetroffenen Familien.
Speaker: So, und dann stelle ich euch die Menschen, die heute hier sind, doch gleich mal vor. Wir starten rein.
Speaker: Heute ist zu Gast Tanja Abu.
Speaker: Sie arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sozial - und Organisationspädagogik der Universität Hildesheim. Und ich möchte unbedingt darauf auch hinweisen, dass Sie in einer Langzeitstudie auch zum Thema Care Leaver mit...
Speaker: betreut, wissenschaftlich bearbeitet und auch da sehr aktiv ist. Also Care -Level -Thema, Living Care, ein ganz wichtiges Thema. Bitte unbedingt reinschauen. Parallel dazu arbeitet Tanja Abu auch als...
Speaker: Praxisforscherin, Sozialarbeiterin, als Social Justice Trainerin und hat eine Vielzahl von Veröffentlichungen, wie das so ist, aber auch sehr, finde ich, sehr grundlegend ein Buch zum Thema, also mit dem Titel Klassismus im Bildungssystem. Ich glaube, da kam jetzt auch eine neue Auflage gerade. Kann das sein?
Speaker: Ja, eine überarbeitete Neuauflage.
Speaker: unbedingt reinschauen und lesen. Also das ist jetzt ein Buch.
Speaker: Und auch sehr spannend, habe ich jetzt auch nochmal gelesen, ein Text von 2020 mit dem Titel Prolo -Lesben und ArbeiterInnen -Töchter, wo du dich nochmal mit Interventionen in den feministischen Mainstream, also das ist auch der Titel, der 1980er und 1990er Jahre beschäftigst, aus dieser, genau auch Verschränkung, also höchst spannender Text. Auch hier eine Empfehlung, wie viele andere Texte, die ich von Tanja auch empfehlen kann und auch ihren Instagram -Account. Also ich könnte alles empfehlen.
Speaker: So, also das ist unser erster Gast. Tanja, schön, dass du da bist.
Speaker: Danke für die Einladung.
Speaker: Die zweite Person, die hier ist, ist Frances Seeg.
Speaker: Frances Seck hat die Professur für Soziale Arbeit mit dem Schwerpunkt Demokratie und Menschenrechtsbildung an der Technischen Hochschule Nürnberg.
Speaker: Und viele kennen Frances Seck wahrscheinlich schon. Für die, die es nicht tun, Frances Seck beschäftigt sich schon sehr lange mit dem Thema Klassismus. Hat jetzt gerade aktuell ein Forschungsprojekt gestartet. Es hat schon gestartet, ne?
Speaker: Startet im August. Startet im August zum Thema BürgergeldempfängerInnen und Klassismus.
Speaker: Gefördert von der Böckler Stiftung. Also genau, Klassismus im Alltag von Grundsicherungsbeziehenden, weil das Bürgergeld gibt es ja jetzt nicht mehr. Das stimmt, da hast du recht. Danke, das ist schon der erste Call. Genau, sehr gut. Und aber auch für unser heutiges Setting nochmal, Frances Seek forscht auch zu CARE.
Speaker: Vielen Dank.
Speaker: Und hat eine queer -feministische Perspektive auch nochmal auf Care, die ich sehr zentral und wichtig finde. Und hat da eine Studie, die sich nennt Care Transformieren, also Transformieren mit Unterstrich, eine ethnografische Studie zu trans - und nicht -binärer Sorgearbeit, die glaube ich auch für das Thema heute, das wir heute besprechen, auch nochmal ist Open Access auf Transkript.
Speaker: Bitte reingucken.
Speaker: Wirklich tolle Texte und auch nochmal eine gute...
Speaker: Also gerade der Care -Diskurs ist ja auch häufig ein sehr binärer Diskurs aus meiner Sicht.
Speaker: gibt es nochmal viele spannende Aspekte drin.
Speaker: So, jetzt habe ich eine lange Vorrede gemacht. Franz, auch schön, dass du da bist und dir die Zeit nimmst.
Speaker: zu kommen.
Speaker: Ich würde sagen, wir gehen rein.
Speaker: Ich starte immer mit oder wir starten auch immer mit so einer Frage, weil wir gerne auch so hören wollen, was beschäftigt Leute im Bereich jetzt hier Klassismus und Geschlechterforschung.
Speaker: Und mich und auch die Hörenden würde interessieren, wie seid ihr denn in die Wissenschaft überhaupt gekommen?
Speaker: auch wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema gekommen.
Speaker: Und vor allem, was begeistert euch?
Speaker: An dem Thema.
Speaker: Tanja, magst du vielleicht anfangen?
Speaker: Ja.
Speaker: Ich muss immer so ein bisschen lachen, weil mein erster Impuls, wenn ich gefragt werde, wie bist du in die Wissenschaft gekommen, ist immer so zufällig.
Speaker: Und dann denke ich aber wieder so, nee, eigentlich ist es nicht zufällig, wenn ich...
Speaker: auch kritisch betrachte, was halt als Wissen
Speaker: schafft und Wissen schaffen auch so betrachtet wird, weil ich
Speaker: Ich habe 2009, glaube ich, meinen ersten Workshop zu Klassismus gegeben, habe die Social Justice Trainingsausbildung bei Lea Czolek und damals noch Heike Weinbach gemacht, die ja auch die ersten Einführungsband oder ersten deutschen Einführungsband zu Klassismus auch mit rausgegeben hat.
Speaker: und hatte den Eindruck, dass es schon auch ein großes Interesse gibt.
Speaker: an dem Thema Klasse, Klassismus und gleichzeitig bin ich noch ganz lange schon aktiv in so Living -Care -Kontexten, also für diejenigen, die das nicht wissen. Care -LieberInnen sind Personen, die einen Teil ihres Lebens oder ihr Leben, ihr Aufwachsen in den stationären Hilfen zur Erziehung verbracht haben, also Heime, Wohngruppen.
Speaker: Betreutes Einzelwohnen, Pflegefamilien.
Speaker: Und genau darüber gab es halt irgendwie eine sehr starke Verbindung. Und ich habe sehr früh tatsächlich angefangen, Texte zu schreiben für auch Sammelbände oder so einen Blog geschrieben.
Speaker: Und habe das, glaube ich, nicht als so formell wissenschaftlich gesehen. Ich habe mich immer ja so als Akademie Punk.
Speaker: gesehen und dachte, ich kann immer so von der Seite so einen Text reinschreiben und das hatte überhaupt nichts mit irgendeiner
Speaker: linearen Karriereplanung zu tun oder sowas. Ich hatte das nie im Kopf und bin dann über meine Masterarbeit, ich war durch den Aktivismus, also durch den Living Care Aktivismus, sehr stark verbunden mit der Uni Hildesheim, die, wie ich finde, eine sehr, sehr gute Schnittstelle sind von so Praxis, Wissenschaft und Politik und auch Einflussnahme gerade im Feld Living Care.
Speaker: und bin
Speaker: eben gefragt worden, ob ich in die Wissenschaft möchte und diese
Speaker: Studie.
Speaker: oder Teil dieser Studie werden möchte. Und mein erster Impuls war so, nee.
Speaker: Und dann meinten sie so, hey, hear me out, wir werden zum ersten Mal valide Daten.
Speaker: zum Thema Living Care haben und es ist eine Langzeitstudie, zehn Jahre, weil ich so nahe ich höre.
Speaker: Und es war jetzt so ein bisschen Aktivismus, persönliches Interesse und auch ein großes Vertrauen in die Arbeit der Uni Hildesheim. Und damit ist eigentlich die Frage von, was begeistert mich auch an Wissenschaft?
Speaker: mit beantwortet, glaube ich, weil...
Speaker: Es...
Speaker: Mh.
Speaker: eine Wissenschaft gibt, die sehr nah an Praxis auch ist.
Speaker: in der ich mich auch verorte und wo ich zumindest die Hoffnung habe, dass...
Speaker: dass es so etwas wie Sichtbarkeit und Veränderung auch gibt. Ich habe mich auch mega gefreut über die Studie, die Francis jetzt im August anfängt und ich kann es kaum abwarten, die Ergebnisse zu lesen.
Speaker: Ja, danke. Das sind ja schon spannende Aspekte. Ja, Francis, wie war es bei dir?
Speaker: Also ich würde die Fragen mal ein bisschen getrennt beantworten.
Speaker: Die sind ein bisschen getrennter in meinem Kopf. Also das Thema Klassismus ist für mich jetzt keins, was sehr akademisches oder universitäres ist.
Speaker: sondern es kommt ja aus den sozialen Bewegungen als Begriff und Thema.
Speaker: Also es ist für mich eher...
Speaker: auch ein biografisches Thema, weil ich
Speaker: in einer armutsbetroffenen Familie aufgewachsen bin im Sozialhilfebezug.
Speaker: Meine Mutter war dann auch erwerbslosen Aktivistin, zum Beispiel bei der Gruppe Die Hängematten.
Speaker: Und da war ich dann als Kind auch schon immer dabei und ich war auch dann bei den Protesten rund um die Einführung.
Speaker: zu Hartz IV und habe mich
Speaker: mit dem Thema Klassismus.
Speaker: Also biografisch hat mich das früh geprägt.
Speaker: Und es ist jetzt kein Thema, dem ich irgendwie im Studium oder so begegnet bin, ganz im Gegenteil.
Speaker: Es war dann eher so, dass ich Kulturwissenschaften und europäische Ethnologie...
Speaker: Ich habe dann eher gemerkt, zum Beispiel im Rahmen meiner Masterarbeit habe ich mich mit ordnungsbehördlichen Bestattungen beschäftigt. Auch aus dieser Erkenntnis, es geht zwar viel um das Thema Bestattungskultur, Trauerkultur in den Kulturwissenschaften, aber es gab kaum Studien, die sich mit...
Speaker: armutsbetroffenen Perspektiven oder klassismuskritischen Perspektiven in dem Feld beschäftigt.
Speaker: Also ich habe immer gemerkt,
Speaker: durch meine eigene Klassenherkunft.
Speaker: habe ich dann gemerkt, wo eigentlich überall Forschungslücken sind in dem.
Speaker: Und wie bin ich in die Wissenschaft gekommen? Das würde ich nochmal ein bisschen anders jetzt rückblickend beschreiben. Also da würde ich sagen, hatte ich schon ein bisschen einen klassischen Weg. Es hat vielleicht jetzt auch damit zu tun, ich habe jetzt sehr viel mit Studierenden zu tun, die zum Beispiel nicht übers Abitur kommen.
Speaker: Also ich arbeite jetzt an einer Hochschule, wo zwei Dritte der Studierenden...
Speaker: Ohne sozusagen klassisches Abitur ist vielleicht auch schon klassistische Beschreibung ins...
Speaker: ins Studium kommen, also die meisten kommen über andere Schulabschlüsse, Ausbildung, FOS.
Speaker: Und da fällt mir dann immer auf, dass mein Bildungsweg eigentlich schon recht klassisch ist. Ich weiß nicht, wie es bei euch ist, aber bei mir war es schon so, ich...
Speaker: Da habt ihr gewonnen zu der...
Speaker: hatte zwar ein paar Schulwechsel, aber war dann auf dem Gymnasium, habe das Abitur gemacht, habe dann Freiwilligendienst gemacht.
Speaker: Dann an der Universität bei mir ein Bachelorstudium und da...
Speaker: Also ich hatte persönlich...
Speaker: Also ich merke jetzt im Nachhinein.
Speaker: dass da schon...
Speaker: Tschüss.
Speaker: Ich hatte halt das Glück, dass die Rosa -Luxemburg -Stiftung mich dann zum Beispiel unterstützt hat. Also ich hatte ein Studierendenstipendium.
Speaker: Ich bin erstmal BAföG bezogen und dann bin ich in die Studienförderung der Rosa -Lux -Muck -Stiftung.
Speaker: Reingekommen.
Speaker: was natürlich noch mal viele Möglichkeiten eröffnet hat. Und ich bin seit 2009 in der politischen Bildung, also jetzt auch schon fast 17 Jahre.
Speaker: Ich bin jetzt 39 und habe dann schon mit...
Speaker: Also 2009 angefangen im Anne -Frank -Zentrum zu arbeiten, im freien pädagogischen Team in Berlin.
Speaker: Und also wirklich Holocaust Education, Begleitung von Schulklassen und Workshops mit LehrerInnen zum Nationalsozialismus und war dann bei...
Speaker: beim Deutschen Gewerkschaftsbund auch in der Bildungsarbeit tätig.
Speaker: Beim Gut Rübenstein Haus und auch ganz vielen anderen Bildungsstätten und habe früh...
Speaker: sehr viel
Speaker: Erfahrungen in der politischen Bildung gesammelt, was mir dann auch ermöglicht hat, jetzt so früh auf eine Professur gerufen zu werden für Demokratie und Menschenrechtsbildung.
Speaker: Insofern...
Speaker: Mein Weg sozusagen an eine Hochschule für angewandte Wissenschaften, weil da geht es ja dann auch immer um Berufserfahrung außerhalb der Wissenschaft, ist auf jeden Fall viel damit verbunden, dass ich schon...
Speaker: 2009 mit Anfang 20 dann angefangen habe.
Speaker: Ja.
Speaker: Vielen Dank.
Speaker: in der politischen Bildung auch.
Speaker: tätig zu sein und ich hatte das Glück, dass ich im ersten Semester schon angesprochen wurde, weil ich in der qualitativen Sozialforschung und quantitativen Sozialforschung eine sehr gute Klausur geschrieben habe, dann konnte ich mich entscheiden, ob ich
Speaker: als Tutorin entweder für die Quali - oder Quantisozialforschung.
Speaker: Einsteige.
Speaker: Ich habe mich dann für die qualitative Sozialforschung entschieden, was ja jetzt...
Speaker: Also ich bin dann ja auch dabei geblieben und habe dann ab dem zweiten Semester allein ein Seminar zu qualitativer Sozialforschung.
Speaker: sozusagen ohne eigentlich, also ich musste da extrem viel.
Speaker: mir nochmal selbst erarbeiten.
Speaker: Da würde ich immer noch sagen.
Speaker: diese TutorInnen stellen und studentischen MitarbeiterInnen stellen. Das weiß man ja auch aus der Forschung, dass die einfach schon so den Weg Richtung Professur wirklich sehr befördern, weil Mensch einfach
Speaker: So viel schon lernt früh.
Speaker: und Einblicke bekommt, die andere Menschen nicht bekommen.
Speaker: Insofern...
Speaker: Ja, also im Nachhinein finde ich, habe ich...
Speaker: was Bildungszugänge angeht, weil ich halt übers
Speaker: auf dem Gymnasium bei Abitur gemacht habe.
Speaker: Das finde ich dann doch sehr klassisch.
Speaker: So ein...
Speaker: Zugänge verschränkt waren aufgrund von fehlenden finanziellen Ressourcen, aber das schon durch die Rosa -Lux -Muck -Stiftung dann auch so.
Speaker: so eine art abgefedert
Speaker: Wohle!
Speaker: Ja, spannend. Ich zum Beispiel habe auch kein klassisches Abitur.
Speaker: Genau, also bei mir war das genau anders.
Speaker: Ich weiß nicht, ob Tanja, wenn du noch was ergänzen willst.
Speaker: Ich glaube, was so Bildungszugänge angeht, war es bei mir eher so ein Ding von, ich habe eine Klasse übersprungen in der Grundschule.
Speaker: Es gibt halt ja immer so die...
Speaker: Vielen Dank.
Speaker: Ich habe das letztens irgendwann mal versucht zu formulieren, dass es halt irgendwie entweder immer so die Überfliegerkind -Erzählung gibt oder die Problemkind -Erzählung. Also wenn halt irgendwie...
Speaker: Familien, die eh schon unter Beobachtung stehen und die immer bewertet werden auch von außen und bei uns war es halt irgendwie, wir waren
Speaker: auch eine armutsbetroffene Familie und ich bin mit im Jugendalter dann auch in die stationäre Jugendhilfe gezogen und galt immer so ein bisschen als das Überfliegerkind, in Anführungsstrichen, also in starken Anführungsstrichen.
Speaker: Und...
Speaker: Bin dann auf eine Gesamtschule, dann auf eine Realschule, habe ein Fachabitur gemacht. Grottenschlecht, also dieses Fachabiturszeugnis ist tatsächlich irgendwie, ich habe das Fachabitur nur mit einer Nachprüfung geschafft. Ich hatte andere Sachen im Kopf.
Speaker: Ich habe einfach größere Schleifen.
Speaker: In meinem Leben irgendwie auch die immer so sehr.
Speaker: nah an Aktivismus, irgendwie so Ökoaktivismus, irgendwie drei Jahre Bäume besetzt gegen den Bau der Thüringer Waldautobahn und so eine Geschichte.
Speaker: Ich war formell wohnungslos und hatte aber einen Bauwagen und war in so einer linken Szene unterwegs, wo das auch als fancy galt oder als so der politisch...
Speaker: Also als was politisch Richtiges im Bauwagen zu wohnen. Deswegen konnte ich viele Dinge auch irgendwie erst so in der Rückbetrachtung irgendwie auch als extrem prekär einordnen, weil es für mich halt keine Orte gab, an die ich so hätte zurückgehen können.
Speaker: Vielen Dank.
Speaker: Und genau das halt bestimmte, und da würde ich später nochmal drauf zurückkommen, dass halt durch Klassismus geprägte Biografien eben auch irgendwie nicht unbedingt linear verlaufen.
Speaker: Vielen Dank.
Speaker: Ja, genau. Du nimmst ja schon einiges vielleicht auch von der nächsten Frage vorweg.
Speaker: Weil...
Speaker: Ihr beschäftigt euch ja auch, nicht ausschließlich, aber auch eben mit der Verschränkung von Geschlecht und Klassismus in euren Arbeiten, in euren Auseinandersetzungen, in euren Analysen und auch in eurer politisch...
Speaker: Bildungsarbeit, sage ich jetzt mal.
Speaker: Genau, was interessiert euch denn daran ganz genau, also an dieser Verschränkung?
Speaker: Na?
Speaker: Und was beschäftigt euch aktuell in Bezug auf die Verschränkung von Geschlecht und Klassismus?
Speaker: Vielleicht...
Speaker: Francis, fängst du an?
Speaker: Und dann.
Speaker: Ja.
Speaker: Also ich finde bei dem Punkt immer wichtig, wenn wir uns anschauen, wer ist in Deutschland armutsbetroffen oder wer hat eine hohe Armutsgefährdungsquote, dass da ja Alleinerziehende...
Speaker: Mütter zum Beispiel ganz weit oben stehen oder was wir in Bayern zum Beispiel auch viel sehen, ist,
Speaker: Altersarmut unter Frauen.
Speaker: Und...
Speaker: Die Debatte oder die Auseinandersetzung mit Klassismus ist ja auch eng verbunden mit der Frauen -Lesben -Bewegung.
Speaker: Vielen Dank.
Speaker: Aktivismus zum Beispiel der Prolo -Lesben.
Speaker: Da ist es sozusagen von der Bewegungsgeschichte ein feministisches Thema. Da haben Tanja und ich auch gemeinsam mit Marie Kottwitz und Martina Witte und Brigitte Theisel einen Artikel zugeschrieben an den feministischen Studien. Der wäre vielleicht auch für die HörerInnen.
Speaker: Ganz interessant, da geht es auch nochmal um die feministische...
Speaker: Bewegungsgeschichte von Klassismuskritik. Ich habe mich im Rahmen meiner Dissertation, das wurde ja schon genannt, da habe ich mich mit der Schnittstelle von
Speaker: Transgeschlechtlichkeit und Klasse auseinandergesetzt. Es ging eigentlich um die Frage, wie in trans - und nicht -binären Räumen Care organisiert wird. Und dann war eben eine...
Speaker: ein Erkenntnisinteresse auch.
Speaker: Oder etwas, was sich aus dem Material gezeigt hat, auch Klassenunterschiede, die sich zeigen.
Speaker: verschiedene Transpersonen.
Speaker: interviewt, die selbst armutsbetroffen sind, aus der Arbeiterinnenklasse und aber auch
Speaker: Vielen Dank.
Speaker: reichere Transpersonen und hab dann da die Klassen...
Speaker: Unterschiede nochmal aufgezeigt. Und eine Interviewpartnerin zum Beispiel, die hat gesagt, es ist ja klar, dass ich jetzt keinen Job mehr habe.
Speaker: Franz Frau, wo...
Speaker: diese Beschriebenheit, dass...
Speaker: Gerade bei transweiblichen Personen, die sich später im Leben outen, dass die ganz oft dann aus...
Speaker: der Erwerbsarbeit ausgeschlossen werden.
Speaker: Und...
Speaker: Ich finde gerade das Thema Klasse macht auf jeden Fall Sinn.
Speaker: auch noch mal aus einer
Speaker: transfeministischen Perspektive sich anzuschauen, weil...
Speaker: ganz viele Transfers sind einfach massiv ausgegrenzt werden.
Speaker: Transweibliche Personen sowohl im Bildungssystem als auch.
Speaker: auf dem Arbeitsmarkt und
Speaker: Ja, ich glaube jetzt bei dem neuen Forschungsprojekt.
Speaker: was ich leiten werde. Und da werden auch noch, also wir sind dann ein Team, sind auch noch wissenschaftliche studentische Mitarbeiterinnen beteiligt, die das mitgestalten. Da interviewen wir ja Menschen, die jetzt in der neuen...
Speaker: Grundsicherungen sind.
Speaker: Und es geht um auch Veränderungen durch die Reform und welche Formen von Klassismus sie im Alltag erfahren. Und ich glaube, da wird sich dann zeigen, je nachdem wie...
Speaker: Also wir werden natürlich versuchen, Menschen aus unterschiedlichen Positionierungen, Perspektiven...
Speaker: zu befragen.
Speaker: Wo da Geschlecht eine Rolle spielt, das wird sich dann erst im Laufe der Forschung zeigen. Da kann ich jetzt noch nicht so viel zu sagen, weil wir gerade starten, nur dass natürlich auch viele Menschen in der...
Speaker: Grundsicherung sind, weil sie zum Beispiel Care -Verantwortung haben, Pflegeverantwortung und oder in sehr schlecht bezahlten Jobs tätig sind und dann aufstocken müssen.
Speaker: Hm, ja.
Speaker: Also schon mal spannende Überschneidungen. Tanja, was denkst du dazu?
Speaker: Ja, also ich kann
Speaker: Das auf jeden Fall unterstützen.
Speaker: gesellschaftsanalytischen Perspektive, aber nochmal mit der Frage nach, wie wir überhaupt
Speaker: dazu gekommen sind. Ich bin...
Speaker: Das erzähle ich auch sehr gern von feministischen SozialarbeiterInnen sozialisiert. Unser Körper, unser Leben, das ist so eine...
Speaker: 70er, 80er Jahre Buchreihe und ganz viel so...
Speaker: feministische Literatur wurde mir sehr früh schon so zugetragen und irgendwie so
Speaker: Mädchen -Empowerment, also ich komme halt auch so ein Stück weit aus der feministischen Mädchenarbeit oder Mädchensternchenarbeit.
Speaker: Und...
Speaker: Ich habe ganz früh tatsächlich auch ein Buch von Anja Meulenbelt. Also Anja Meulenbelt war auch so eine Heldin in der Zeit, eine Theoretikerin und Autorin aus den Niederlanden, die sowohl theoretische Bücher als auch literarische Bücher geschrieben hat. Und das Buch heißt Scheidelinien über Rassismus, Sexismus und Klassismus.
Speaker: Und das Buch ist 1988 rausgekommen, wenn ich das richtig rekonstruiere. Und ich finde es für mich selber sehr, sehr abgefahren.
Speaker: Interventionen zu Klasse und Klassismus eigentlich
Speaker: schon sehr lange existieren, auch in so einer feministischen Bewegungsgeschichte und wie
Speaker: das wieder an den Rand gedrängt wurde.
Speaker: tatsächlich für mich selber diesen Begriff Klassismus, auch wenn, was wir eben schon beschrieben haben mit diesem, es hat alles mit meinem Leben zu tun oder es hat so wie, also auch ein Erkennen von Sexismus einfach so tief irgendwie mit dem eigenen Selbst dann zu tun hat.
Speaker: war das für mich wirklich nochmal so ein Paukenschlag. Dann im Studium an der Alice -Salomon -Hochschule, als Lea Czolek das dann nochmal aufgebracht hat und ich dieses, ich habe es wirklich übersehen, vergessen, weil es auch in meinen politischen Kontexten quasi kaum Thema war. Und ich hatte irgendwann den Begriff Habitus gelernt und habe dann gesagt,
Speaker: meinen GenossInnen irgendwie, ich möchte
Speaker: Mittelklasse Habitus an Bildungsinstitutionen.
Speaker: Ähm...
Speaker: Und das war zu einer Zeit, als diese ganze Bildungsreformgeschichte da im Dorf, es hätte eigentlich bekannt sein müssen. Und ich habe da keine Bestärkung bekommen. Also ich habe irgendwie mit bestimmten Themen hatte ich das Gefühl, ich laufe immer in so.
Speaker: Resonanz.
Speaker: freie Wände und ich wurde dann nur angeguckt und es gibt ja so Momente, die einem so...
Speaker: im Gedächtnis bleiben, dass ich dann so angeguckt wurde mit so hochgezogener Augenbraue und gefragt wurde, wie wird es denn das methodisch machen? Es gab die Wissenschaft dazu, es gab irgendwie die Theorien dazu und sie sind aber in bestimmten Kontexten nicht aufgegriffen worden und ich habe das Gefühl, dass
Speaker: So gerade auch mit diesem Prolo -Lesben -Text, den du am Anfang genannt hast. Ich bin immer so ein bisschen...
Speaker: so ein bisschen hungrig hinter so Bewegungsgeschichte hergelaufen, als dann eine Kommilitonin eigentlich zufällig auf einer Abschlussfahrt gesagt hat,
Speaker: Da gab es doch die Prolo -Lesben und ich war so, ey, die bitte was?
Speaker: Und das...
Speaker: dass es ziemlich mühselig war und ist, das Thema Klasse, Klassismus auch in Kontexten, die sich intersektional betrachten, irgendwie wieder so einbringen.
Speaker: zu wollen und zu müssen und auch sowas wie feministische Ökonomiekritik, die ja irgendwie ein bisschen präsenter ist auch im Feminismus, auch wieder zu verbinden mit Klassismus und auch zu gucken, inwiefern auch klassenprivilegierte, weiblich verortete Personen
Speaker: profitieren.
Speaker: von der Klassenposition. Und das war und ist aus meiner Perspektive einfach immer noch nicht so.
Speaker: ausreichend reflektiert oder benannt, weil es gibt immer so
Speaker: so gefühlt irgendwie so Grabenkämpfe oder so ein Abstecken irgendwie der eigenen Felder, obwohl es ja eigentlich intersektional gedacht ist.
Speaker: Und genau deswegen ist für mich irgendwie gerade dieses klare Benennen von so alleinerziehenden Müttern sind die Gruppe, die am meisten Armutsgefährdet ist und das ja auch in der
Speaker: um diesen Hashtag, ich bin armutsbetroffen, auch ganz deutlich wurde, wo es ganz viel darum ging, ich kann meinem Kind im Sommer nicht mal die Wassermelone kaufen. Das war so das eine Bild, was dann auch durch die Medien gegangen ist. Und ich denke, dass es da noch sehr viel mehr Sichtbarkeit braucht.
Speaker: ungeduldig, weil ich so denke, es ist doch eigentlich alles da. Und das ist, wenn man in Bewegungsgeschichte reinschaut.
Speaker: sind die Wissenschätze, die da formuliert wurden, auch aus dem schwarzen Feminismus Bell Hooks, eben
Speaker: Nein, das ist nicht...
Speaker: Mich macht das manchmal so ein bisschen verzweifelt, aber die Frage war ja eigentlich, wie wir dazu gekommen sind.
Speaker: biografisch und
Speaker: Ein Stück weit auch zufällig.
Speaker: Vielen Dank.
Speaker: Francis, willst du nochmal sagen, wie du dazu gekommen bist?
Speaker: Also zu dieser Verschränkung quasi.
Speaker: Ja, ich glaube auch über die Auseinandersetzung dann mit...
Speaker: Klassismuskritik, Klassismusforschung.
Speaker: ja eng mit feministischen Queeren.
Speaker: Bewegung verbunden ist und natürlich auch selbst auch als queer positionierte Person dann mit Janastadis Bezug und
Speaker: Dann am Ende natürlich auch.
Speaker: klar über die Dissertation und den
Speaker: wo ich versucht habe, Trendstudies und Klassismusforschung stärker zu verschränken.
Speaker: Ich wollte noch eine Sache sagen, ich finde es aber immer wichtig bei diesen Armutsgefährdungsquoten, dass da zum Beispiel Transperspektiven in den Quantiumfragen oft nicht ausreichend sind.
Speaker: dargestellt werden und ich bin mir auch nicht sicher, ob nicht eigentlich trans Frauen zum Beispiel die am stärksten gefährdetste Gruppe sind, aber das wird oft nicht erhoben bzw. es gibt nicht genug
Speaker: Forschungs...
Speaker: Daten zu dem Thema.
Speaker: bei den Quantenumfragen.
Speaker: muss man immer ein bisschen schauen, was...
Speaker: Welche Lebensrealitäten kommen da überhaupt vor? Aber natürlich...
Speaker: Das sind beide Gruppen.
Speaker: stark betroffen und auch
Speaker: Rentnerinnen im Alter.
Speaker: Vielen Dank.
Speaker: Was ich noch, also ich finde interessant, ich finde, es hat sich auch noch nicht so viel getan. Also es wird jetzt schon mehr über Klassismus gesprochen. Vergleichsweise haben wir jetzt gerade...
Speaker: findet auch so ein bisschen Ausverkauf, sage ich mal, vom Thema statt.
Speaker: dass jetzt ganz viele Menschen, die sich so seit einem Jahr erst mit dem Thema beschäftigen, aber
Speaker: Viele Follower haben auf Instagram dann irgendwie einen Buchvertrag bekommen, dann leider auch sehr viele Plagiate.
Speaker: Danke.
Speaker: von unseren beiden
Speaker: Von Tanjas und von meinen Sachen.
Speaker: die dann auch vielleicht über KI -Tools oder so ganz schnell ganz viel zusammenschreiben und wo das...
Speaker: fachlich überhaupt nicht mehr fundiert ist.
Speaker: Also das finde ich jetzt gerade...
Speaker: Da kommt jetzt echt nochmal viel auf den Markt, so an gut dotierten Buchverträgen, wo aber wenig Neues bei rumkommt.
Speaker: Da merkt man so, das Thema ist jetzt.
Speaker: auf eine Art in den...
Speaker: so ein Mainstream reingekommen ist, aber...
Speaker: in der Wissenschaft immer noch nicht irgendwo wirklich verankert. Also wir haben ja auch ein Netzwerk Rassismusforschung gegründet.
Speaker: Und da merkt man das auch, weil die allermeisten Menschen, die in diesem Netzwerk sind, sind gar nicht wirklich institutionell fest angebunden.
Speaker: Und ich...
Speaker: Wenn wir darüber sprechen, wer ist in der Wissenschaft oder wie ist man in die Wissenschaft reingekommen, ist es ja dann auch immer die Frage, hat man da überhaupt eine unbefristete Stelle oder Perspektive oder was ist da die Position?
Speaker: Und bei dem Netzwerk Klassismusforschung oder auch diese...
Speaker: Skoping Workshop.
Speaker: den wir organisiert hatten, da hat man gemerkt, die allermeisten, die da zu arbeiten haben, befristete Verträge oder sind gar nicht fest in Wissenschaftsstrukturen.
Speaker: Verankert.
Speaker: Vielleicht eher so ein bisschen in dem System.
Speaker: Mit unsicheren Positionen oder vom Rand aus. Insofern sehe ich da auch noch nicht.
Speaker: dass ich da gerade, also es gibt eine größere Sichtbarkeit, aber es hat sich noch nicht so grundlegend was.
Speaker: verändert.
Speaker: Ja.
Speaker: Ja, spannend, weil ich...
Speaker: Ich finde es schön, weil ihr findet für vieles Worte, wo ich jetzt auch die ganze Zeit denke, was geht hier eigentlich ab? Genau so zum Thema, dass ich jetzt auch wahrnehme, es gibt...
Speaker: Doch.
Speaker: eine größere Besprechung des Themas auf Social Media und so weiter, aber dann auch immer nicht so ganz sicher bin.
Speaker: Nein.
Speaker: Was das jetzt im Sinne der Erkenntnisse und der...
Speaker: weiteren Verortungen auch in Bewegungen so bringt.
Speaker: Ich finde, ihr habt schon mal angesprochen, und das passt jetzt auch ganz gut, weil aus der Perspektive der Geschlechterforschung habe ich auch den Eindruck, aber da würde mich genau eurem...
Speaker: Perspektive darauf interessieren, dass es häufig, wenn es um Klassismus dann geht, aber eben um eine sehr heteronormative und binäre Geschlechterperspektive angelegt ist, die auch unhinterfragt, also die auch nicht expliziert wird als, ja, ich so.
Speaker: Und wie seht ihr das? Also wird Klasse und Geschlecht oder Klassismus und Geschlecht, wie nehmt ihr das wahr? Wird das in der Geschlechterforschung verhandelt? Und teilt ihr da mal eine Einschätzung oder bin ich vielleicht da?
Speaker: auf dem falschen Dampfer.
Speaker: Ich würde vielleicht was zu den Queer Studies sagen. Da finde ich diese Auseinandersetzung ganz interessant, wenn man sich mal anschaut, was wird eigentlich in den Queer Studies beforscht. Das ist ja jetzt so diesen Spruch, die Rich Queer Studies versus Poor Queer Studies. Und ich finde, das ist ein Diskurs eher aus dem US -amerikanischen Raum, wo auch gesagt wurde, die allermeiste Forschung in den...
Speaker: Queer Studies ist sehr elitär und bildet nur die Lebensrealitäten ab von
Speaker: Klassenprivilegierten.
Speaker: von queeren Leuten und da muss ich sagen, bin ich auch sehr
Speaker: Generell sehr zufrieden über meinen Wechsel von der europäischen Ethnologie und der Geschlechterforschung da in die...
Speaker: soziale Arbeit, weil
Speaker: ich das wirklich nur noch schwer auszuhalten fand.
Speaker: Das ist irgendwie eine Million.
Speaker: Studien gibt dann zu Queeren.
Speaker: Clubkulturen und Queeren.
Speaker: Familiengründungen, was ja auch teilweise sehr kostspielig ist und ich fand diese
Speaker: bürgerliche Klassen privilegierten Bias in den Queer Studies an den Unis schwer auszuhalten.
Speaker: Und das finde ich jetzt wirklich schön, weil wenn wir dann über Queer Studies in der sozialen Arbeit sprechen, dann gibt es einfach riesige Forschungsfelder eher im Bereich queere Wohnungslosigkeit, queere Perspektiven.
Speaker: in der Erwerbslosigkeit oder es wird einfach viel mehr
Speaker: Also...
Speaker: Vielen Dank.
Speaker: Es ist einfach viel klarer, dass...
Speaker: Das ist auch...
Speaker: Queere Perspektiven, also das...
Speaker: Queerness und Armut zum Beispiel sehr oft verbunden ist, aber das finde ich so eine unglaubliche Leerstelle und
Speaker: Ja.
Speaker: Man merkt halt natürlich, dass...
Speaker: An Unis studieren ja auch viele klassenprivilegierte Studierende.
Speaker: Die beforschen dann eher ihren eigenen.
Speaker: Kontext.
Speaker: Weswegen es dann unglaublich viele Bachelor -Masterarbeiten gibt zu queeren Bars in Berlin.
Speaker: Und...
Speaker: Zu queerer Wohnungslosigkeit zum Beispiel nichts. Also ich fand das einfach, da bin ich so froh, das hätte ich einfach nicht mehr länger ausgehalten.
Speaker: Und da passiert gerade einiges in den USA.
Speaker: Also es gibt ein Buch aus den USA, was ich in dem Zusammenhang spannend fand, Poor Queer Studies von Matt Baim.
Speaker: Der Untertitel sagt, elitäre Strukturen in der Universität.
Speaker: konfrontieren oder
Speaker: Und ich glaube, das ist auch für die universitäre Geschlechterforschung von...
Speaker: großer Relevanz.
Speaker: mit eben vielen Studierenden, die selbst aus der Arbeiterinnenklasse kommen.
Speaker: sehr viel Klassismus einfach machen, berufstätig sind, Kinder haben Care -Verantwortung, das alles versuchen zu jonglieren und er unterrichtet halt da Queer Studies und die Studierenden bringen ganz andere Perspektiven ein.
Speaker: wie sie so an den Elite -Unis nie sichtbar werden. Und das, finde ich, bräuchten wir auch.
Speaker: Das wäre echt ein großer Gewinn, wenn wir Gender -Queer -Studies, Trans -Studies an den HAWs zum Beispiel in der sozialen Arbeit viel mehr stärken würden.
Speaker: Ich glaube, da werden genau die Forschungslücken.
Speaker: Sichtbar.
Speaker: die in der universitären Geschlechterforschung.
Speaker: ignoriert.
Speaker: werden aufgrund, ich glaube, es hat auch sehr viel mit den Klassenprivilegien der Wissenschaftler zu tun, weil
Speaker: An sich.
Speaker: Es ist dann doch oft sehr persönlich, welche Forschungsthemen einen interessieren oder auf welche Forschungsthemen man auch stößt.
Speaker: Vielen, vielen Lücken in dem Feld.
Speaker: was klassismuskritische Perspektiven angeht, hat eben was mit der sehr bürgerlichen Herkunft von vielen ProfessorInnen und
Speaker: anderen Wissenschaftlerinnen in der universitären Geschlechterforschung zu tun. Ich glaube, wir müssen da schon unterscheiden zwischen universitärer Geschlechterforschung und Geschlechterforschung an den Habis. Das war jetzt ein kleiner Rant. Ich habe gesehen, Tasia, du hast schon das Buch gesucht, oder? Ja, genau. Ich habe es aber leider in Hildesheim im Büro stehen. Ich wollte gerade gucken, wo ich habe so ein kleines Bücherregal in meinem Büro in Hildesheim stehen. Es gibt einfach so Bücher, wo alleine der Titel
Speaker: für mich irgendwie schon so was hat von
Speaker: We're here, we're queer and klassismusbetroffen, we're fabulous, don't mess with us. Genau, und ich würde...
Speaker: mich eigentlich ungern irgendwie an so ein...
Speaker: Rant anschließen muss aber.
Speaker: Vielen Dank.
Speaker: Genau, ich habe halt nach meinem Bachelor soziale Arbeit und man muss auch sagen, das ist schon auch einige Jahre her, wobei ich ein bisschen konsterniert bin, auch über die Erzählungen von Frances, weil die Erfahrungen da noch ein bisschen fresher sind. Ich bin tatsächlich mit einem riesen Idealismus in so ein Master Gender Studies rein und habe immer...
Speaker: Okay, Gender Studies, das muss doch irgendwie aus so einer intersektionalen Idee, auch aus dem schwarzen Feminismus mitgeboren sein. Bell Hooks ist unser aller Mother of Thought, also nicht nur alleine.
Speaker: Und saß tatsächlich in jedem Seminar und habe versucht, aber was ist denn mit Klasse? Was ist denn mit Klasse? Was ist denn mit Klasse?
Speaker: Ich habe dann...
Speaker: angeboten, englische Texte zu übersetzen und sie mit ins Seminar zu bringen. Und ich bin da so, was ich eben auch gesagt habe, in so Nicht -Resonanz -Wände reingelaufen, weil aufgrund der Zusammensetzung der Studierendenschaft und auch der Lehrenden,
Speaker: erst mal überhaupt nicht als eine relevante Kategorie galt. Und es gab halt diesen Einführungstext. Also sie hat da mittlerweile...
Speaker: glaube ich auch.
Speaker: nachgelegt, würde ich jetzt mal so sagen. Aber es gab diesen Einführungstext von Katharina Weigenbach, diesen Gender als interdependente Kategorie, den irgendwie dann alle gelesen haben. Und ich habe...
Speaker: Klasse irgendwie, bis ich glaube, auf einen Nebensatz wirklich schmerzlich vermisst und auch die Interviews wurden sehr
Speaker: ausführlich
Speaker: die Intervention unterschiedlicher marginalisierter Gruppen auch beschrieben, aber eben nicht irgendwie, die Prolo -Lesben kamen nicht vor, obwohl es halt zeitgleich war. Und das war für mich...
Speaker: Und das kommt so ein bisschen zeitgleich mit diesem so auf Suche gehen, Ausgrabungsarbeiten machen und ich habe mich da so rausgeboxt gefühlt und dieser Prolo -Lesben -Text.
Speaker: der sollte mal meine Masterarbeit werden. Und ich bin dann aber, ich bin da raus. Also ich habe gedacht, ich finde hier keine Resonanz. Ich finde, ich arbeite mit Resonanz und Begeisterung und irgendwie auch einem
Speaker: Ich glaube, irgendwie...
Speaker: so eine Anschlussfähigkeit, also ich bin gerne im Kollektiv und denke zusammen und das war so ein, was ich jetzt irgendwie auch epistemische Gewalt oder einen Teil von epistemischer Gewalt irgendwie benennen würde, immer wieder so gegen
Speaker: auch
Speaker: theoretische Wände zu laufen und dann natürlich irgendwie auch
Speaker: Momente aus der Frauen -Lesben -Lesben -Frauen -Bewegung der 70er, 80er Jahre.
Speaker: die ja auch so sehr normorientiert.
Speaker: Also auf eine Art von so...
Speaker: Dieser Boss -Girl -Feminismus, wenn nur genügend Frauen oder weiblich positionierte Personen in den Führungsetagen sitzen, dann haben wir den Feminismus erreicht. Und dann aber auch zu gucken, wer macht dann aber die Care -Arbeit für euch, damit ihr Boss -Girls sein könnt. Und das ist eine Auseinandersetzung, die überhaupt nicht geführt wurde.
Speaker: Norm orientiert und ich habe eigentlich
Speaker: Und das habe ich am Anfang angedeutet, eine große Chance gesehen, irgendwie auch in so Ideen von...
Speaker: Queer Time, also was Halberstam irgendwie auch eingebracht hat in Richtung.
Speaker: dass queere Lebensläufe sich anders verzeitigen und auch disruptiv sind oder unterbrochen sind und sich nicht an so
Speaker: ausbildung
Speaker: heiraten, Kind kriegen, Haus bauen, jetzt mal so ganz platt gesagt, orientieren. Und ich glaube, das ist auch eine...
Speaker: Verschränkungen mit so Class -Time gibt. Ich glaube, ich teile das, dass ich so eine Ungeduld habe, in dem Thema weiterkommen zu können, weil wenn ich jetzt in die Themen
Speaker: reinschaue, die irgendwie als so der New Shit verhandelt werden, denke ich so, das haben die Polo -Lesben in den 80ern gesagt, das haben die Furies, so eine lesbisch -feministische Gruppe aus den USA irgendwie in den 70ern gesagt und so das sagen wir irgendwie seit Jahren oder wir bemühen uns irgendwie dieses Wissen immer wieder sichtbar zu machen.
Speaker: Und genau, also thematisch tritt es so ein bisschen auf der Stelle. Ich bin ganz froh, dass es jetzt nicht immer...
Speaker: Ich habe Eribon als so eine Zäsur erlebt von, ja jetzt wird Klasse besprochen, aber eher auf so einem Level von...
Speaker: Riband gibt uns Futter für das Narrativ der...
Speaker: Arbeiterinnenklasse, die frustriert ist und rechts wählt und insgesamt irgendwie kein Interesse an Wissensproduktion oder Verbesserung von Lebensverhältnissen hat.
Speaker: Und bin tatsächlich ein bisschen froh, dass halt eben nicht nur weiße Cis -Männer
Speaker: Vielen Dank.
Speaker: Vorkommen in diesen neueren Publikationen und trotzdem denke ich manchmal so.
Speaker: Mmh.
Speaker: Genau, die Diskussion geht nicht weiter und ich hätte einfach gerne irgendwas, wo...
Speaker: Also Theorie und Praxis und zivilgesellschaftliches Engagement, wo Forschungsorte entstehen, wo es einfach nochmal so...
Speaker: anders inhaltlich weitergeht und irgendwie auch Dinge sichtbarer gemacht werden und da bin ich
Speaker: sowohl von den Gender Studies enttäuscht, als auch von Wissenschaft, wenn man das jetzt irgendwie so groß fassen will, allgemein. Also dass es halt nicht so ein großes Interesse gibt. Und vom Literaturbetrieb.
Speaker: Bin auch noch enttäuscht.
Speaker: Genau, aber zu Glück seid ihr ja auch da, schon seit einigen Jahren und versucht da...
Speaker: Die Perspektiven einzubringen. Deswegen will ich jetzt auch noch mal pointiert den Raum geben. Was steht denn für euch jetzt so an in der nächsten Zeit? Also wir haben schon mal so ein bisschen gesagt, aber was beschäftigt euch denn gerade so aktuell zu dem Thema Geschlecht, Klasse? Und daran können wir auch gerne gleich anschließen. Was wünscht ihr euch denn?
Speaker: für die Zukunft in Bezug auf Forschung, Wissenschaft. Ihr habt schon vieles angesprochen. Aber macht doch gerne mal so einen Zukunftsausblick, auch gerne, was ihr gerade auch Wichtiges tut in dem Bereich. Da würde ich sagen, Tanja, kannst du doch gleich weitermachen. Du hast doch schon so ein bisschen Zukunftswünsche formuliert.
Speaker: Ähm...
Speaker: Das sind große Fragen. Also ich mache tatsächlich gerade oder ich versuche zu theoretisieren, wie man diese Gegenüberstellung ForscherInnen und beforschte.
Speaker: Auf.
Speaker: heben kann bzw.
Speaker: Es ist...
Speaker: ist mein Erleben, dass für viele Leute oder auch in wissenschaftlichen Kontexten gar nicht richtig denkbar ist, dass es Personen gibt, die
Speaker: Eine biografische Erfahrung zum Beispiel mit Armut und Klassismus haben auch ihre KollegInnen sein können. Es wird immer so verhandelt, als wäre das sowas Trennbares und man macht dann immer zwischendurch sowas wie
Speaker: Also ich oute mich nicht nur als queer, sondern ich oute mich eben auch als working class oder ich oute mich oder poverty class oder ich oute mich auch als Care -Lieferin und ich stelle auch in Kontexten, wo
Speaker: Eben so der Fokus auf Living Care ist, dass es für KollegInnen ganz schwierig ist,
Speaker: das zu denken und sich auch dazu zu verhalten, dass eben eine Person mit Erfahrungsexpertise im Bereich Living Care auch ihre Kollegin ist.
Speaker: Und dann halt, weil es immer so eine Top -Down -Vorstellung ist von, okay, da kommen die Care -LieferInnen, die sind halt das Material für unsere Forschung, die werden beforscht.
Speaker: Und...
Speaker: Wir werden dann auch...
Speaker: sofort geduzt, kommen in Texten nur als Vorname vor, egal ob wir irgendwie 16 oder 40 sind. Und es muss immer so eine Hierarchisierung geben. Und das ist tatsächlich gerade so ein Fokus meiner Arbeit, wie so eine Formen von dichotomem Denken oder auch irgendwie so sehr, ich habe noch gar kein richtig gutes Wort dafür.
Speaker: So.
Speaker: aufgelöst werden kann, also wie epistemische Gewalt irgendwie auch im Sinne von was Ombudstellen in der Praxis machen, hätte ich gerne für die Wissenschaft und eben viel mehr zu gucken, welche Wissensschätze auch gewertschätzt werden und wer spricht, wem wird zugehört, wessen
Speaker: Wissen wird seziert und dann als Rohmaterial zum
Speaker: Ähm...
Speaker: zum Beforschen gesehen und wessen Wissen wird als
Speaker: Vielen Dank.
Speaker: Gültiges Wissen auch anerkanzen. Alles keine wirklich neuen Themen. Es beschäftigt mich gerade total stark und bezogen auf die Zukunft der Wissenschaft. Ich wünsche mir so eine...
Speaker: Ähm.
Speaker: Eine Wissenschaft oder auch Gender Studies, die dieses Versprechen von Intersektionalität auch einlösen.
Speaker: Also die...
Speaker: Es werden viele intersektionale Perspektiven behandelt und ich wünsche es mir einfach noch ein bisschen.
Speaker: Ähm.
Speaker: deutlicher, auch mit Blick auf Klasse. Ich habe vor Jahren
Speaker: von einer befreundeten Person mal ein Buch irgendwie geschenkt bekommen, Working Class Studies. Davon habe ich in Deutschland bisher noch nichts gehört und ich habe immer so ein, ich gucke auch immer so.
Speaker: so ein bisschen neidisch irgendwie auf so Kontexte und Diskurse, wo ich zumindest den Eindruck habe, dass es auf so einer theoretischen Ebene akzeptierter, normaler
Speaker: Vielen Dank.
Speaker: auch keine guten Worte, aber so ein bisschen gängiger ist.
Speaker: dass auch Klasse, Klassismus mit verhandelt wird.
Speaker: Und...
Speaker: Genau, ich glaube anschließend irgendwie an das, was ich eben gesagt habe. Ich wünsche mir einfach...
Speaker: in denen der Diskurs auch einfach so ein bisschen...
Speaker: Also noch weiter geht. Und das halt irgendwie...
Speaker: Vielen Dank.
Speaker: Dass es nicht so die Wiederholung der gleichen Argumente immer wieder braucht.
Speaker: Und Resonanz. Ich glaube, das ist halt so ein... Ich wünsche mir viel mehr Leute irgendwie in...
Speaker: Vielen Dank.
Speaker: formeller und informeller Wissenschaft eine Enthirachisierung. Ich wünsche mir eine Bezahlung von Leuten, die ihr Erfahrungswissen in die Universitäten geben. Ich wünsche mir Zertifikate, bezahlte Stellen.
Speaker: die auch
Speaker: mit nicht formalen Bildungsabschlüssen zugänglich sind.
Speaker: Visionen.
Speaker: Und ich möchte nicht mehr Leute auf ihr Wissen nur befragen und dann die Person sein, die auf der Konferenz das präsentiert, sondern ich will einfach...
Speaker: Das auch als...
Speaker: Ein Stück weit, und ich meine das gar nicht so romantisiert, aber auch als eine Forschungscommunity aus unterschiedlichen Perspektiven irgendwie auch.
Speaker: vertreten können in unterschiedlichen Sprachen und auch in der Sprache, die ich vielleicht mittlerweile
Speaker: Nun noch.
Speaker: Schwerlich spreche.
Speaker: Und dass es auch irgendwie vermittelbar ist.
Speaker: Vielen Dank.
Speaker: Ja, Franz, das willst du gleich anschließen.
Speaker: Ja.
Speaker: Mit dieser Frage von...
Speaker: Also wie macht Kritisforcen, wie Hierarchien auf?
Speaker: brechen und die eigene Position.
Speaker: Reflektieren in der Forschungsbeziehung, da habe ich eine Methode entwickelt im Rahmen einer Promotion, die Sorgen der Ethnographie. Das wird jetzt auch gerade, da freue ich mich, weil das wird jetzt in der Geschlechterforschung gerade von unterschiedlichen Stellen aufgenommen.
Speaker: Da geht es eben auch gerade um die Frage, die Hierarchien, also diese Binarität zwischen ForscherInnen, Beforschte aufzulösen oder genauer hinzuschauen.
Speaker: Weil das ist ja auch in den Queer Studies...
Speaker: das ist ein wichtiger Punkt, Binaritäten kritisch zu befragen, was ich finde, wir auch für eine klassismuskritische Forschung mitnehmen können.
Speaker: Weil ja auf diese kleinen Zuschreibungen dann auch gar nicht so aufgehen und sich stärker...
Speaker: das sehr komplex wird in der konkreten Forschung. Und dann ging es auch um die Frage,
Speaker: was kann man auch zurückgeben dann als forschende Person, wo sind aber auch Grenzen, weil ich finde es auch immer wichtig, jetzt auch mit Blick auf das neue Forschungsprojekt.
Speaker: auch immer schwer davon auszugehen, dass jetzt alle Menschen zum Beispiel, die gerade in der neuen Grundsicherung sind, jetzt Zeit und Lust haben, jetzt wirklich bei einem Forschungsprojekt bei uns einzusteigen.
Speaker: Vielen Dank.
Speaker: Wir haben da jetzt auch Aufwandsentschädigungen und so mit drin für die Beteiligung an Forschung, aber trotzdem habe ich jetzt...
Speaker: aus meiner Dissertation und der Methode, die ich da entwickelt habe, tatsächlich dann auch von vielen InterviewpartnerInnen. Da gibt es auch ein Kapitel dazu, das heißt Sorgen der Ethnographie.
Speaker: Ich habe auch dann die Interviewpartnerin aus der Trans -Community immer gefragt, was wünschen Sie sich von Forschung? Und da war es dann so, dass einige gesagt haben, dass sie aber auch...
Speaker: von Forschern erwarten, dass wir die Ergebnisse liefern und präsentieren.
Speaker: Die hatten dann auch keine Lust mehr, über das Interview hinaus noch weiter in Kontakt zu sein. Bei anderen war es anders, aber es war sehr individuell. Es kam auf die jeweilige Position der
Speaker: Menschen anträchtig sind.
Speaker: so im Kern die Wegen.
Speaker: Living -Care -Forschungsbereich ein bisschen anders.
Speaker: Ich finde es da auch wichtig, immer zu schauen, was wurde da schon alles gemacht, gerade auch in der Geschlechterforschung, weil ich finde, da gibt es schon viele spannende Ansätze.
Speaker: Feministischen Forschen und so eigene Methoden, die da entwickelt wurden.
Speaker: Vielen Dank.
Speaker: Genau.
Speaker: Zum Thema Klassismusforschung, wir hatten...
Speaker: Ich hatte auch ein einjähriges Projekt, das hieß Klassismusforschung, interdisziplinäre Zugänge und Zukunftsperspektiven.
Speaker: Da haben wir auch genau darüber gesprochen, was wünschen wir uns.
Speaker: Für die Zukunft der Klassismusforschung und das ist auch Open Access, kann nachgelesen werden. Ein Punkt, der mir wichtig ist, ist so...
Speaker: diese Hierarchie zwischen Universitäten und Hochschulen für angewandte Wissenschaften stärker zu hinterfragen.
Speaker: und eben die elitären Strukturen
Speaker: die es auch in dem Feld gibt.
Speaker: Und...
Speaker: auch die Wissensproduktion, die zum Beispiel in der sozialen Arbeit
Speaker: zu Armut, zu Klasse an den HAWs passiert, stärker.
Speaker: Ernst zu dem.
Speaker: uns da auch selbstbewusster aufzustellen. Ich glaube, das ermöglicht nämlich auch nochmal viele...
Speaker: Möglichkeiten für
Speaker: Klassismuskritische Forschung auch mit Erfahrungsexpertinnen, weil Universitäten haben da auch, glaube ich, nochmal ein verschärftes Problem oft.
Speaker: Und...
Speaker: Dann...
Speaker: Genau, haben wir auch.
Speaker: viele Forderungen aufgestellt. Auch nochmal, was auch damit zusammenhängt, dass man, weil wenn man Drittmittelprojekte beantragt und durchführt, wie jetzt in dem Fall von meinem neuen Projekt, hat man ja auch schon
Speaker: nicht immer so lange Laufzeiten.
Speaker: Es ist ja auch diese ganze...
Speaker: Beziehungsarbeit und zum Beispiel eine wirklich sorgende Forschung.
Speaker: zu etablieren, das ist eben sehr viel auch.
Speaker: Austauschbeziehungsarbeit, die dann nirgends sichtbar wird.
Speaker: Und das dann gleichzeitig mit den Anforderungen an Drittmittelforschung oder an eine Promotion oder...
Speaker: eine Habilitation da in Einklang zu bringen, ist auch eine große Herausforderung. Da hatten wir ein paar Forderungen aufgestellt oder Wünsche.
Speaker: insofern auch längere Laufzeiten.
Speaker: dass dieser ganze Punkt der engagierten
Speaker: Vielen Dank.
Speaker: mit solchen Forschungen mehr Raum bekommt.
Speaker: Und...
Speaker: Ich würde mir wünschen, dass überhaupt mehr zu dem Thema geforscht wird.
Speaker: Zum Klassismus, es gibt so wenige Forschungsprojekte in dem Bereich.
Speaker: Es gibt so wenige Menschen, die überhaupt irgendwie
Speaker: auch.
Speaker: dazu Promotionen schreiben oder Habilitation oder Forschungsprojekte machen.
Speaker: Auch bei Bachelor - und Masterarbeiten. Ich finde, das ist...
Speaker: tatsächlich noch so ein unterrepräsentiertes Thema. Ich dachte auch, dass jetzt irgendwie ganz viele Menschen...
Speaker: zu dem Thema irgendwie zur Reform vom Bürgergeld zur neuen Grundsicherung arbeiten. Aber es ist tatsächlich dann doch irgendwie voll die kleine Community.
Speaker: Meine Maßarbeit zum Thema ordnungsbehördliche Bestattungen, die wurde ja dann veröffentlicht, aber es haben bisher auch erst...
Speaker: Vielen Dank.
Speaker: ganz wenige Leute daran weitergearbeitet, weswegen ich dachte, da habe ich eigentlich auch nochmal Lust, also da habe ich nochmal ein Forschungsprojekt beantragt zum Thema.
Speaker: Vielen Dank.
Speaker: ordnungswörtliche Bestattungen, Trauerstärbepraktiken aus der Perspektive der Armutsforschung, weil einfach niemand daran weitergearbeitet hat, was...
Speaker: Aber es ist ja auch gut, dann habe ich was zu tun für die nächsten 30 Jahre, sage ich mal.
Speaker: Wenn ich einfach so noch eine ganz lange Liste habe an Forschungsthemen.
Speaker: Und dann finde ich es manchmal ein bisschen langweilig, dass man zu Themen einfach...
Speaker: Vielen Dank.
Speaker: da gar nichts mehr Neues da rauskommt und trotzdem...
Speaker: dass wieder tausend Studien zu gewissen Themenfeldern, wo aus meiner Perspektive keine Lücken bestehen.
Speaker: Und...
Speaker: Die Lücken und gleichzeitig Forschungslücken, die Offensicht, also da würde ich mir manchmal ein bisschen mehr irgendwie Neugier und Kreativität wünschen.
Speaker: In Sinne von...
Speaker: Wirklich. Und ich würde mir auch wirklich wünschen, dass Leute dann den Forschungsstand lesen, also gerade auch die älteren Texte.
Speaker: Auch von den Polo -Lesben aus der Bewegungsgeschichte, gerade bei Klassismus.
Speaker: oder Feld - und Klassismusforschung, dass da Leute wirklich gut den Forschungsstand sich erarbeiten, bevor sie dann was dazu machen und nicht, dass alles wieder von vorne losgeht.
Speaker: Vielen Dank.
Speaker: dann wenig Fundierung, da bin ich.
Speaker: Langsam.
Speaker: Ja, da haben wir auch in dem Positionspapier sehr viele...
Speaker: Jetzt darf ich nochmal aufsetzen.
Speaker: Grundlagentexte bezogen.
Speaker: Ich glaube, da müssen wir auch ein bisschen Qualitätskontrolle machen, also ein bisschen schauen, ist da wirklich der Forschungsstand berücksichtigt worden oder nicht und uns da auch ein bisschen stärker dann...
Speaker: dagegen wehren oder positionieren, wenn...
Speaker: sich Wissen angeeignet wird.
Speaker: Oder nicht, klar.
Speaker: benannt wird.
Speaker: Und dann finde ich diese ganze Debatte, ich glaube, das wird ja auch von der Community rund um diesen Podcast viel gemacht oder diese Frage der sorgenden Wissenschaft.
Speaker: Vielen Dank.
Speaker: Oder das finde ich persönlich auch eine...
Speaker: super spannend.
Speaker: spannenden Ansatz, um Geschlechterperspektiven und Klassismuskritik gut miteinander zu verbinden.
Speaker: zu übernehmen.
Speaker: wie können wir eigentlich Hochschulstrukturen
Speaker: sorgend gestalten.
Speaker: Ja, da bin ich gespannt, wie es da weitergeht und was da noch alles passiert und wie wir es wirklich schaffen.
Speaker: die Strukturen zu verändern. Geschlechterforschung wird in Deutschland noch so stark mit universitärer Geschlechterforschung verbunden, obwohl es auch an den HAWs viele spannende GeschlechterforscherInnen gibt und Perspektiven, die aber
Speaker: aufgrund von den elitären Strukturen dann weniger ernst genommen werden und weniger sichtbar.
Speaker: Ja, das finde ich ein sehr schönes Schlusswort, auch gerade für diesen Podcast. Ja, ich danke euch sehr fürs Dasein, dass ihr euch die Zeit genommen habt für eure spannenden Einblicke und auch...
Speaker: Rants, die glaube ich eigentlich vor allem eine Bestandsaufnahme sind und gar nicht so sehr. Rants, ja, vielen Dank, dass ihr da wart.
Speaker: und...
Speaker: Ich bin froh.
Speaker: dass es weitergeht zum Thema Klassismus und Gender auch.
Speaker: Und vor allem...
Speaker: Tschüss euch beide.
Speaker: Danke für die Einladung.
Speaker: Danke.


