Transcript
Speaker: Hallo, hallo, liebe Hörerinnen.
Speaker: Hallo, wir melden uns heute aus der Sommerpause.
Speaker: Wir machen ein paar Wochen Pause, tanken auf.
Speaker: Wir arbeiten schon an den nächsten Folgen.
Speaker: Damit ihr die Zeit auch gut überbrücken könnt, haben wir euch etwas mitgebracht.
Speaker: Wir reposten eine der beliebtesten Folgen unseres Podcasts, der Blick nach innen, Selbsterfahrung in der Psychotherapie-Ausbildung.
Speaker: Wer die Folge noch nicht kennt, unbedingt reinhören.
Speaker: Große Empfehlung.
Speaker: Und wer sie schon kennt, vielleicht ist das Sommer der richtige Moment für den zweiten Blick nach innen.
Speaker: Wir hören uns dann im Herbst wieder mit neuen Gästen und frischen Themen.
Speaker: Schreibt uns gerne, welche Themen ihr euch wünscht.
Speaker: Die Mailadresse findet ihr wie immer in den Shownotes.
Speaker: Und nun wünschen wir viel Freude mit dem Blick nach innen.
Speaker: Willkommen zu einer neuen Folge von Theratalks.
Speaker: Wie geht es zur Psychotherapie?
Speaker: Wir sind Markus.
Speaker: und Nausicaa.
Speaker: Ja, heute ist schon die vierte Folge unseres Podcasts.
Speaker: Heute haben wir einen besonderen Gast und wir sprechen über Selbsterfahrungen, Einzelgruppen und Lehrtherapie.
Speaker: Zwei zentrale Themen für alle, die sich mit der persönlichen Entwicklung und therapeutischer Arbeit beschäftigen.
Speaker: Falls ich heute ein bisschen angeschlagen klinge, ich bin noch nicht ganz fit, aber keine Sorge, es wird trotzdem eine spannende Folge mit vielen interessanten Einblicken.
Speaker: Markus, wer ist denn heute bei uns?
Speaker: Wir haben eingeladen Herrn Dr. Josef Pennauer.
Speaker: Herr Pennauer, schön, dass Sie bei uns sind.
Speaker: Ja, vielen Dank für die Einladung.
Speaker: Ich freue mich auch drauf.
Speaker: Sie sind ja Arzt, also Mediziner, personenzentierter Psychotherapeut, Supervisor und Coach.
Speaker: Und Sie sind recht sehr erfahrener Lehrtherapeut.
Speaker: Kann man das so sagen?
Speaker: Kann man sagen, ja.
Speaker: Schön, dass Sie heute bei uns sind.
Speaker: Also damit wir unseren ZuhörerInnen oder damit Sie sie besser kennenlernen und wir auch.
Speaker: Und bevor wir unser Gespräch starten, was hat Sie dazu bewegt, Psychotherapeut zu werden?
Speaker: Also begonnen hat er sicher schon mit 14, 15, 16, also dann spätestens im Gymnasium.
Speaker: War der Arztberuf für mich etwas ganz Tolles, ein großes Ding und ein großes Ziel.
Speaker: War dann schon Jugendrotkreuz beschäftigt und schon sehr aktiv in diesem Alter auch schon und war erklärtes Ziel, ich will Medizin studieren, ich will Arzt werden.
Speaker: Ich weiß, dass ich damals schon sozusagen auch eine Seite hatte, die ein bisschen skeptisch so diesem traditionellen Bild von Medizin, Arztberuf etc.
Speaker: entgegengestanden ist, weil ich mich damals schon sehr für Psychologie im weitesten Sinne interessiert habe, also so das, was man halt so liest dann so in dem Alter, auch inklusive Sigmund Freud und alles mögliche, Psychoanalyse etc.
Speaker: Es war dann schon während dem Studium, dass da, also erstens bei mir ein hohes Interesse an solchen Dingen wie Psychosomatik, Arzt-Patient-Gespräch, also so diese Soft-Skills sozusagen in der Medizin mich sehr interessiert haben.
Speaker: Das war so typisch Anfang 80er, können Sie sich vorstellen.
Speaker: Also das war auch die Zeit.
Speaker: wo das alles sehr aufregend und sehr spannend war, Gründung des Instituts für Dismen, Psychologie und Psychoanalyse auf der Medizinischen Fakultät, Universität Wien, Institut für Medizinische Psychologie, Erwin Ringel mit seinen Büchern, mit seinen Vorträgen, wir sind da sehr oft dann eben auch zusammengesessen.
Speaker: Mein erstes Interesse galt eigentlich der Psychoanalyse, habe aber dann, und es gibt im Leben immer wieder Zufälle und besondere Momente, die tatsächlich auch so neue Entscheidungen auch hervorrufen,
Speaker: Auch ganz spannend, im Nachhinein kommt man dann erst darauf, welche Einflüsse da auch immer wieder eine Rolle gespielt haben.
Speaker: Völlig unerwartet, dass ich einfach Leute kennengelernt habe, die geschwärmt haben von einer neuen Psychotherapie und von Carl Rogers und von humanistischer Psychotherapie und ich irgendwie das Gefühl hatte, ja, das passt doch eigentlich viel besser zu mir.
Speaker: Schön, dass Sie uns da ein bisschen eine Einleitung zu Ihrem Weg zum Psychotherapeut gegeben haben.
Speaker: Vielleicht steigen wir dann gleich in das eigentliche Thema ein und die Selbsterfahrung, was sehr interessant ist.
Speaker: Das ist eben ein zentraler Bestandteil der Psychotherapieausbildung, also ganz wichtig, in der eben angehende TherapeutInnen sich mit ihrer eigenen Persönlichkeit auseinandersetzen.
Speaker: Dabei gibt es eben Unterschiede zwischen der Einzelnen, der Gruppensebsterfahrung und auch der Lehrtherapie.
Speaker: Also Herr Pennauer, wie erklären Sie, was Selbsterfahrung ist, jemandem, der sowas noch nie gemacht hat und welche Rolle spielt Selbsterfahrung in der Psychotherapieausbildung?
Speaker: Im Probedeutikum muss man ja zum Beispiel 50 Stunden absolviert haben.
Speaker: Vielleicht können Sie da ein bisschen was dazu sagen.
Speaker: Selbsterfahrung würde ich jedem, jeder empfehlen, völlig unabhängig davon, ob das irgendwie beruflich genutzt oder überhaupt gleich eine Ausbildung in Psychotherapie angestrebt wird.
Speaker: Das ist für mich so etwas, wo Persönlichkeitsentwicklung für Menschen, die sich für sich selber sehr interessieren, aneinander besser kennenlernen wollen, sich vielleicht ein bisschen tiefer ergründen wollen oder vielleicht auch merken, dass es so bestimmte Bereiche im Leben gibt, wo sie
Speaker: nicht so zufrieden sind oder sich noch irgendwie vielleicht besser entwickeln könnten.
Speaker: Also das wäre für jede und jeden.
Speaker: Was speziell in der Psychotherapie, der Bedeutung sozusagen der Selbsterfahrung und Einzelselbsterfahrung und Lehrtherapie ist eigentlich Synonym, das ist dasselbe.
Speaker: Das heißt sozusagen in manchen Bereichen heißt es Lehrtherapie.
Speaker: Ich mag diesen Begriff ehrlich gesagt nicht so gerne, weil er nicht so zutreffend ist.
Speaker: Welche?
Speaker: Lehrtherapie?
Speaker: Lehrtherapie, genau.
Speaker: In unserer Ausbildungsordnung heißt es auch Einzelselsterfahrung.
Speaker: Warum mag ich den Begriff Lehrtherapie nicht so gut?
Speaker: Weil Therapie nicht zutrifft.
Speaker: Und der Unterschied zwischen dieser ausbildungsspezifischen Einzelselsterfahrung und einer Therapie ist eben der Anlass und das Ziel.
Speaker: Der Anlass ist einmal Leidensdruck bei der Heiltherapie und das andere ist Interesse und Ausbildung.
Speaker: Und das Ziel ist auch verschieden, weil das Ziel bei der Heiltherapie ist Heilung, Gesundheit.
Speaker: Und das Ziel bei der Lehrtherapie, auch wenn ich es jetzt so bezeichne, oder eben bei Einzelselbsterfahrung in der Psychotherapieausbildung, ist Selbsterforschung.
Speaker: Es ist sich selbst besser kennenzulernen.
Speaker: Berufspsychotherapeutin kann man jetzt als wissenschaftlich beschreiben, man kann es als Kunst beschreiben, man kann es aber auch als Handwerk beschreiben.
Speaker: Und wenn Sie jetzt eine Analogie hernehmen zu einem ganz normalen Handwerksberuf, nehmen Sie eben Möbeltischler, Schreiner etc.,
Speaker: haben sie da theoretische und praktische Ausbildung.
Speaker: Theoretische ist Werkstoffkunde, also sie müssen die Holzarten kennen, sie brauchen Werkzeugkunde, sie müssen wissen, welche Fräsen, welche Sägen und so weiter, welches Werkzeug für welches Material geeignet ist und verbringen sehr viel Zeit, also einerseits Theorie und die Praxis schaut so aus, dass sie zuerst Gelegenheit haben, jemandem zuzuschauen, einem Meister, einer Meisterin, bei ihrer Tätigkeit zu beobachten
Speaker: Und dann unter Anleitung, also dann wechseln Sie die Rollen.
Speaker: Ich kenne das auch jetzt so fast mal im Medizinerbereich.
Speaker: Zuerst schaut man ganz oft bei den Operationen zu.
Speaker: Das zweite ist, man darf assistieren, also so Haken halten oder so.
Speaker: Und die dritte Phase ist, man operiert selbst und der erfahrene Anleitung.
Speaker: Oberärztin, Oberarzt assistiert.
Speaker: Wenn ich das jetzt hernehme, was hat das alles mit Einzelselbsterfahrung, Lehrtherapie zu tun?
Speaker: Im Wesentlichen ist es Werkzeugkunde.
Speaker: Nachdem Psychotherapie in persönlichen Beziehungen, in persönlichen Kontakt ist,
Speaker: Und wir, das Werkzeug, wir als Personen, das Werkzeug der Psychotherapie sind.
Speaker: Wir sind der wirksame Faktor.
Speaker: Das ist mittlerweile ja auch gut erforscht über Wirkfaktoren in der Psychotherapie, dass der Wirkfaktor mit dem höchsten Impact die persönliche Beziehung ist, die Passung genau genommen.
Speaker: Also wie zwei Personen in der Einzelpersonen.
Speaker: Psychotherapie auch gut miteinander können, gut zusammenpassen in allen Bereichen.
Speaker: Also auch in der Kompetenz, aber auch in der Persönlichkeit, auch in dem, wo, wie man so sagt, die Chemie stimmt.
Speaker: Und nachdem wir selbst sozusagen unser wirksamstes Werkzeug ist, ist es so, die Analogie jetzt zu einem Handwerksberuf, sehr sinnvoll, das eigene gut genug kennenzulernen.
Speaker: Also mit dem Kennenlernen geht es da auch darum, dass man dann, wenn man, man ist ja selber irgendwie auch das Werkzeug als Person, als Mensch, als Therapeut, als Therapeutin geht es auch darum, dass man auch weiß und spürt in dem Moment, wenn man etwas wahrnimmt, ist das jetzt meins oder ist das deins, oder?
Speaker: Ganz genau.
Speaker: Dass man das genau unterscheiden kann und deshalb muss man sich auch selber, so verstehe ich das immer in der Selbsterfahrung, besser kennenlernen, damit man seine Triggerpunkte, das ist jetzt ein kleines Moodewort,
Speaker: Und das, was man selber mitbringt, dass man das unterscheiden kann von dem, was man jetzt vom Gegenüber wahrnimmt, um helfen zu können.
Speaker: Ja, sich selbst gut kennenlernen in allen Dimensionen.
Speaker: Woher was kommt in einem, wo meine Gefühle herkommen, wo meine wunden Punkte, blinde Flecken, was meine Stärken, meine Schwächen sind, wo ich vielleicht noch an mir arbeiten muss, wo mir vielleicht auch die Gelassenheit und die Selbstsicherheit fehlt, wo ich vielleicht empfindliche Punkte habe, die in einer Psychotherapie nicht sehr förderlich wären für den Prozess.
Speaker: und insgesamt auch, glaube ich, so etwas wie eine Ruhe, innere Ruhe auch irgendwie gewinnen, die eine Offenheit bewirkt.
Speaker: Wenn ich ständig mit mir selber beschäftigt bin, wir lösen aneinander immer wieder was aus.
Speaker: In jedem Kontakt lösen wir einander was aus.
Speaker: Manche Teile sind uns bewusst, manche sind uns nicht so bewusst und außerhalb unserer Gewahrwertung.
Speaker: Und ich brauche eine gewisse innere Ruhe und Gelassenheit, um wirklich aufnahmebereit zu sein.
Speaker: Wie lernt man diese innere Ruhe?
Speaker: Durch Selbstverfahrung.
Speaker: Und wie würden Sie die Selbsterfahrung unterscheiden zwischen dem Probedeutikum und dem Fachspezifikum?
Speaker: Es kommt darauf an.
Speaker: Die Strahlung ist so groß.
Speaker: Also ich kenne beides.
Speaker: Im Probedeutikum ist es limitiert.
Speaker: Ich glaube, es sind viel weniger Stunden vorgeschrieben.
Speaker: Wir haben in unserem Fachspezifikum gerne, wenn die Leute dann schon methodenspezifisch auch diese Selbsterfahrung machen im Probedeutikum.
Speaker: damit das auch dann schon genutzt werden kann, fürs Fachspezifikum besser.
Speaker: Ich glaube, es muss gar kein Unterschied sein.
Speaker: Es ist vielleicht der Anspruch ein bisschen höher.
Speaker: Also im Probe-Deutikum würde man sagen, okay, jetzt einmal so kennengelernt zu haben, sich einmal vertraut gemacht zu haben mit diesen Prozessen, dieser Selbsterforschung und dieser Auseinandersetzung mit sich in einer förderlichen Beziehung.
Speaker: Im Faktbezifikum ist der Anspruch auch ein bisschen höher.
Speaker: Und vor allem haben sie dort auch diese Verknüpfung, und das finde ich wichtig, wenn es auch darum geht, welchen Platz, welchen Raum soll Selbstverfahrung, Werttherapie in einer Gesamtausbildung haben, diese Verknüpfung mit Theorie und Methodik.
Speaker: Da habe ich sozusagen eine Parallelität, wo ich einerseits sitze ich dann am Wochenende zum Beispiel am Theorieseminar und höre was über Persönlichkeitstheorie, über Therapietheorie und dann sitze ich unter der Woche in meiner, ich sage jetzt bei dem Begriff Lehrtherapie und erlebe es sozusagen live unmittelbar an mir und in meinem Prozess.
Speaker: Und dann habe ich wieder ein Methodikseminar, wo es darum geht, wie arbeitet man in der Psychotherapie, was gibt es da für Herausforderungen und dann erlebe ich es wieder.
Speaker: Und diese Verknüpfung ist uns, zumindest in unserer Ausbildung, sehr wichtig.
Speaker: Daher ist auch der Zeitpunkt empfehlen, dass die Leute sehr früh mit dieser Selbsterfahrung anfangen, der Therapie.
Speaker: und diese möglichst über die ganze Ausbildungszeit begleitet.
Speaker: Später kommt dann die Supervision noch dazu, aber die Selbsterfahrung sollte eigentlich von Anfang an, weil da sozusagen die optimale Verknüpfung zwischen intellektuellem, kognitiven und emotionalem Lernen stattfindet.
Speaker: Ich kann mir vorstellen, dass man im Probedeutikum auch vielleicht im Rahmen der Entscheidung, für welche Schule, welche Methode man sich entscheidet,
Speaker: dass man vielleicht auch ein bisschen ausprobieren möchte, Selbsterfahrung in verschiedenen Methoden.
Speaker: Und weil Sie sagten, dass Sie es gerne sehen bei Ihrem Institut, dass im Probedeutikum schon in der Methode die Selbsterfahrung gemacht wird.
Speaker: Bei welchem Institut sind Sie denn und welche Rolle spielen Sie dort?
Speaker: Das heißt, es ist ein Fachspezifikum, heißt Institut für personenzentrierte Studien.
Speaker: Es ist ein Ausbildungsverein, Fachspezifikum für personenzentrierte Psychotherapie.
Speaker: Geht in den Cluster der humanistischen Schulen, humanistischen Psychotherapie.
Speaker: Eines von vielen Fachspezifika.
Speaker: IPS ist die Abkürzung.
Speaker: Gute Frage.
Speaker: Ich stimme Ihnen völlig zu.
Speaker: Ich sage das auch in meinen Propäteidikums-Seminaren immer wieder.
Speaker: Bitte schaut euch das an.
Speaker: Macht es einmal am Wochenende da, am Wochenende dort.
Speaker: Also jetzt in allen Schulen und es gibt ja unzählige Fachspezifika und unzählige Möglichkeiten.
Speaker: Und da jetzt jeweils 15 Stunden Einzelselbsterfahrung zu machen, ich glaube, das ist unrealistisch und das sollte es auch nicht sein.
Speaker: Aber so zum Beispiel Selbsterfahrungsworkshopgruppe oder irgendwo die Gelegenheit zu nützen, irgendwie Leute kennenzulernen, das ausprobieren wir jetzt auf jeden Fall.
Speaker: Darum wir es gerne sehen und eigentlich auch im Propädeutikum schon, ich glaube, 15 Stunden sind es.
Speaker: Ich glaube, viel mehr sind gar nicht vorgeschrieben, das weiß ich jetzt gar nicht.
Speaker: 50 Stunden sind.
Speaker: Sie wissen das besser, sehen Sie.
Speaker: Damit habe ich wenig zu tun, viel Selbsterfahrung.
Speaker: Aber spannend ist ja auch die Gruppenselbsterfahrung, weil Sie das schon erwähnt haben.
Speaker: Ich weiß nicht, ob man es muss oder kann, aber es wird auch empfohlen Gruppenselbsterfahrung machen.
Speaker: Warum?
Speaker: Also was ist da der Unterschied?
Speaker: Also Einzelselbsterfahrung, Gruppeselbsterfahrung?
Speaker: Also das hat mehrere Gründe.
Speaker: Der eine ist, dass es eben auch nicht nur Einzeltherapie, sondern auch Gruppentherapie gibt.
Speaker: Also auch ein Bildungsziel sozusagen ist auch nicht nur Kompetenz, Einzelpsychotherapie, sondern auch Gruppensychotherapie.
Speaker: Das heißt, es ist von Anfang an auch ein Teil der Ausbildung.
Speaker: Und jeder Teil der Ausbildung sollte eben auch selbst erfahren werden.
Speaker: Das ist zum Beispiel eben auch der Teil, wollte ich vorher noch ergänzen, es ist ja nicht nur dieses Bildungszielen,
Speaker: mich selbst kennenlernen unter dem Gesichtspunkt, ich bin das Werkzeug, ich bin sozusagen das Tool oder das Haupttool, sondern es ist ja auch, diesen Prozess live mitzuerleben.
Speaker: Ich nehme noch einmal dieses Handwerksmodell her.
Speaker: Ich frage dann oft, wo haben Sie die Gelegenheit, jemandem zuzuschauen bei der Psychotherapie?
Speaker: So wie Sie dem Meister zuschauen, wie er das Holz poliert.
Speaker: Oder dem Gerurgen zuschauen, wie er den Blitdarm operiert oder so.
Speaker: Und da gibt es eigentlich nur zwei Dinge.
Speaker: Das eine wird oft wieder genannt Praktikum, obwohl ich beim Praktikum nicht das Gefühl habe, dass man da wirklich live bei einer echten Psychotherapie, das ist höchstzellend.
Speaker: Das ist eine Realität und ein unglaubliches Glück.
Speaker: Aber man hat eine Möglichkeit, nämlich das ist tatsächlich die eigene Lehrtherapie, die eigene Einzelselbstfahrung.
Speaker: Da sehe ich sozusagen einerseits jemanden beim Arbeiten zu und erlebe gleichzeitig die Wirksamkeit dieser Arbeit, was es mit mir macht.
Speaker: Das heißt, ich soll ja auch einmal erleben, wie es einer Klientin einem Klienten geht, mit denen ich mich dann vielleicht später näher beschäftige.
Speaker: Warum Gruppe?
Speaker: Gruppentherapie, Ursache ist ganz einfach, also der Grund ist ganz einfach Gruppentherapie.
Speaker: Und Gruppentherapie ist gerade in der humanistischen Psychotherapie, hat einen hohen Stellenwert, weil die Idee ist, dass Gruppe eigentlich unsere ursoziale Situation ist.
Speaker: Also dass wir eigentlich auch humananthropologisch, entwicklungsbiologisch eigentlich
Speaker: Gruppenmenschen sind, eine Spezies sind, die am besten in Gruppen funktioniert, lässt sich auch immer wieder reproduzieren und dass das Einzelsetting eigentlich eine Sonderform ist.
Speaker: Daher da die Chance ist, nicht nur einer Person einerseits zuzuschauen, sich von einer Person irgendwie auch herausgefordert zu fühlen in der Selbsterforschung, sondern ich da mehrere Personen habe, die verschiedenste Möglichkeiten bieten.
Speaker: Ich kann versuchen, hilfreich zu sein in einer Gruppentherapie für andere.
Speaker: Ich kann erleben, wie andere für mich hilfreich sein können und was an anderen für mich hilfreich sein kann, nützlich sein kann, was ich mitnehmen kann.
Speaker: Und ich erlebe andere in ihren Problembeschreibungen, mit denen ich mich teilweise identifizieren kann, mit denen ich mich aber auch abgrenzen kann.
Speaker: Ich sage, okay, das kenne ich, was du da erzählst.
Speaker: Oder manche sagen dann, ja, das habe ich auch.
Speaker: Oder das habe ich auch schon gehabt oder so.
Speaker: Und man kann sagen, oh, da ist ein Unterschied.
Speaker: Da gibt es Leute, die sind ganz anders als ich.
Speaker: Spannend.
Speaker: Und dann, auch im Anderen, im Anderssein, kann ich ja wieder auch mehr erkennen, was an mir besonders ist.
Speaker: Ich habe jetzt am Mittwoch Seminar gehabt, wo wir gesagt haben, was wir alle gemeinsam haben, ist, dass wir alle unterschiedlich sind.
Speaker: Das ist das Gemeinsame unter uns Menschen, das wir anders ist.
Speaker: Schön, oder?
Speaker: Ja, hat uns gefallen, allen im Seminar, der Satz.
Speaker: Wenn wir jetzt kurz bei der Lehrtherapie, wenn wir es einfach mal so bleiben, da habe ich ja eine diarische, also eine 1 zu 1 Beziehung mit einer Person, die mich in meiner Ausbildung, in meinem Werdegang begleitet.
Speaker: Das ist ja schon prägend, kann ich mir vorstellen.
Speaker: Wie ist es denn, fängt man da an, auch so den Stil zu übernehmen?
Speaker: Man geht ja in die Lehre und wenn man jetzt das Beispiel mit dem Tischler nimmt,
Speaker: Man übernimmt ja auch so ein bisschen den Stil und die eigenen Arten von einem Meister und fängt dann an, seinen eigenen Stil zu entwickeln oder das fängt man vorher schon an.
Speaker: Aber kennen Sie das aus Erfahrung, dass dann so die Auszubildenden so ein bisschen den Stil und die Art und Weise übernehmen von den Personen, die ihre Lehrtherapeutinnen sind?
Speaker: Das ist ein sehr spannendes Thema und es wird auch bei uns auch in unseren Ausbildungskonferenzen immer wieder auch das Thema Meistermodell.
Speaker: Ist es ein Meistermodell?
Speaker: Welche Art von Lernen findet hier statt, was eben diesen Lernteil, dieses Bildungsziel betrifft?
Speaker: Ja, ist es sicher auch.
Speaker: Es ist sicher sozusagen auch Lernen am Modell.
Speaker: Darum sucht man sich wahrscheinlich, man wählt ja sozusagen seine Lehrtherapeutin, seinen Lehrtherapeuten und das hat ja meistens auch einen Hintergrund, dass ich jemanden schon ausgewählt habe im Sinne von da will ich mehr, von dieser Person will ich näher kennenlernen, da will ich mehr sehen, wie die arbeitet.
Speaker: Und vielleicht andere Ausbilder und Ausbilderinnen, wo man sagt, na, ich glaube, ich kann nicht wissen, wie die arbeiten.
Speaker: Oder man sucht auch ein bisschen so nach Sympathie aus erstmal, oder?
Speaker: Man muss sich auch wohlfühlen auf Anhieb.
Speaker: Ich glaube, das spielen viele Faktoren eine andere Rolle.
Speaker: Aber ich glaube schon, dass es auch eine Auswahl ist, die man trifft, von wem will ich besonders etwas lernen.
Speaker: Das hat immer etwas mit Sympathie zu tun.
Speaker: Wir wissen, dass Leute, die man mag, von denen man lieber etwas lernt, als Leute, die man nicht mag.
Speaker: Das ist sicher ihre Schulzeit.
Speaker: Ich glaube, wenn die Lehrer nett waren, haben sie auch lieber gelernt, als wenn sie Ekel gehabt haben.
Speaker: Aber...
Speaker: Aber es ist auch dann gerade in der Lehrtherapie ein Prozess der Differenzierung.
Speaker: Also es kann schon sein, dass das sozusagen so positive, projektive Gefühle sind.
Speaker: Und natürlich, wie in jeder Therapie, gibt es dann auch sehr idealisierende, auch sehr zugewandte Gefühle in der Lehrtherapie der Lehrtherapeutin, Lehrtherapeutin gegenüber.
Speaker: Aber wenn die Lehrtherapie funktioniert und wenn sie erfolgreich ist, setzt immer mehr Differenzierung ein.
Speaker: Das heißt, ich kann dann zum Beispiel eben auch in meiner Lehrtherapie Kritik üben.
Speaker: Das ist auch etwas, was letztes Wochenende Thema war, weil die Leute im Fakti gefragt haben, naja, darf man dann auch sagen, was einem nicht passt?
Speaker: Und ich habe gesagt, man muss sagen, was man muss.
Speaker: Das ist die Mitwirkungspflicht, die gibt es in der Psychotherapie.
Speaker: Mitwirkungspflicht, also Klienten, Klientinnen müssen sagen, wenn es nicht passt und wenn es irgendwie schief läuft und genau das müssen sie auch üben in der Lehrtherapie.
Speaker: Also sie müssen in der Lehrtherapie, empfehlen das jetzt auch ganz persönlich, weil ich weiß, dass sie ja selber in Psychotherapieausbildung sind oder eben damit gerade begonnen haben.
Speaker: Seien Sie kritisch, schauen Sie Ihren Ausbilder, Ausbilderinnen gut auf die Finger, hören Sie genau zu und gehen Sie auch in die Auseinandersetzung.
Speaker: Es geht nicht darum, trotzig immer nur kritisch zu sein, aber in dieser Differenzierung, wo die Leute dann sagen, viel später, das habe ich mitgenommen, das habe ich nicht mitgenommen, da habe ich gewusst, so will ich nicht arbeiten.
Speaker: Weil wir sie auch in der Lehrtherapie oder auch in Gruppentherapien, das sind ganz wertvolle Erfahrungen.
Speaker: Und jetzt jemand, der frisch aus dem Probedeutikum im Fachspezifikum startet, einen Lehrtherapeut, Therapeutin gerade ausgesucht hat und startet, ist man da, was ist da Ihre Erfahrung?
Speaker: Ist man da nicht auch so ein bisschen, fühlt man sich unter Beobachtung?
Speaker: Weil man wird ja auch beurteilt im Sinne von, wann ist man dann reif genug, um in den Status zu kommen?
Speaker: Das heißt, dass man selber therapiert.
Speaker: Wie frei kann man sich machen von all diesen Dingen, um eine echte Selbsterfahrung zu erleben?
Speaker: Das ist ein sehr guter Punkt und ein sehr wichtiger Punkt.
Speaker: Und das ist auch immer Thema.
Speaker: Weil es ist natürlich auch etwas, wo ein Ausbildungsteil unterliegt gewissen Bewertungen.
Speaker: Andererseits eben genau die Lehrtherapie ohne Bewertungen ausgabelt.
Speaker: Also wir versuchen, dass es so gut es geht.
Speaker: Natürlich zum Beispiel, dass LehrtherapeutInnen, wenn es um Evaluierung von Ausbildungszielen geht, ist ja auch Teil der Ausbildung, die Ausbildungsfortschritte und Erfolg zu evaluieren, spätestens am Ende, aber wir machen es auch laufend immer wieder, laufende Evaluierung von Ausbildungsfortschritten.
Speaker: dass die da eben nicht beteiligt sind.
Speaker: Erstens einmal ist die Verschwiegenheitspflicht auch in der Lehrtherapie nicht anders als in der Heiltherapie.
Speaker: Und alles, was unsere Lehrtherapeutinnen sagen dürfen, ist, Lehrtherapie wurde erfolgreich beendet.
Speaker: Also quantitativ, qualitativ okay.
Speaker: Passt.
Speaker: Ausbildungsschritt hat ein Hackerl, ist erledigt.
Speaker: Aber natürlich, Sie haben völlig recht, auf der anderen Ebene ist das natürlich auch in der Lehrtherapie ein Thema.
Speaker: Und das erfordert wieder eine besondere Kompetenz auch dieser Kollegen, Kolleginnen, also der LehrtherapeutInnen, genau das auch anzusprechen und auch das einzugehen.
Speaker: Also wie sprechen wir über den Elefant im Raum?
Speaker: Also wo sozusagen auch immer dieses, ja, ich würde sehr gerne über mich reden und auch alles sagen, wie ich mir denke und fühle.
Speaker: Denkt mir dann immer, na, gescheit ist das jetzt nicht, weil was denkt sich der jetzt über mich?
Speaker: Also wie oft haben mir Ausbildungsteilnehmerinnen gesagt,
Speaker: Das fällt mir jetzt schwer, weil so denken sie sich wahrscheinlich, aus mir wird nie eine Psychotherapeutin und ich bin viel zu gestört und viel zu ungeeignet und wenn ich sie das erzähle, dann fliege ich morgen aus der Ausbildung oder so.
Speaker: Absolut verständlich, weil da auch natürlich auch in der Lehrtherapie Dinge auf, von denen man sich selber erschreckt oder die man selbst sehr abwertet und natürlich davon ausgeht, dass sie auch von der Therapeutin, vom Therapeuten abgewertet und negativ beurteilt werden.
Speaker: Und das muss einfach besprechbar sein.
Speaker: Das ist sehr wichtig.
Speaker: Würden Sie sagen, gibt es da auch Unterschiede von den verschiedenen großen Schulen oder Clustern, wie man sie jetzt nennt?
Speaker: Also ich kann natürlich nur das qualifiziert von unserem Cluster oder von unserer Ausbildung sprechen.
Speaker: Aber wir haben natürlich auch Kontakt zu Kollegen und Kolleginnen aus anderen Schulen.
Speaker: Also nicht zuletzt im Propäteutikum, wenn es wieder einen Schulentag oder sowas gibt.
Speaker: Das ist wichtig.
Speaker: Die Podiumsdiskussionen, die Podiumsdiskussionen, Sie haben es gerade auch einmal erlebt und auf der Uni Wien, die machen da im Silvester jedes Mal so einen ganzen Tag, Schulentag, wo dann die Schulenvertreterinnen auch miteinander diskutieren.
Speaker: Zum Gaudium des Publikums, sage ich immer.
Speaker: Das ist total dann schwer.
Speaker: Ja, das ist interessant.
Speaker: Ja, gut so, gut so, gut so.
Speaker: Also immer wieder reden die Leute auch noch Jahre davon, wie spannend das war.
Speaker: Da sollten wir mal hingehen.
Speaker: Ja, also ich kann es wirklich dringend empfehlen.
Speaker: Ursprünglich war es ja so, dass wir zum Beispiel, wir haben das aufgeben müssen, weil das Gesetz ist einfach nicht erlaubt.
Speaker: Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich mich dafür interessiert habe und ich wollte ja auch einmal Psychoanalyse studieren, dass man, bevor man überhaupt ins Fachspezifikum aufgenommen wird, eine komplette Lehranalyse machen muss.
Speaker: Und komplette Lehranalyse heißt, so war es damals, ich weiß nicht, seit ich da noch ist, viermal die Woche über mindestens zweieinhalb Jahre.
Speaker: Man startet ja so eine Therapieausbildung als reflektierter, stabiler Mensch im besten Fall.
Speaker: Und doch kann ich mir vorstellen, dass man so eine Veränderung erlebt, so entlang des Weges.
Speaker: Was passiert denn da so mit so einem Auszubildenden, Auszubildenden, Identität, Beziehung, Werte?
Speaker: Also man wird sich nicht ein anderer Mensch werden, aber ich denke schon, dass da viel passiert.
Speaker: Viel, sehr viel.
Speaker: Viel.
Speaker: Sehr viel.
Speaker: Was denn?
Speaker: Ich wollte fast sagen alles, aber nicht.
Speaker: Ich habe es gleich wieder zurückgenommen und sage viel.
Speaker: Alles mögliche, zum Beispiel, dass man draufkommt, dass es nicht das Richtige ist.
Speaker: Ich habe dazu eigentlich eine Frage.
Speaker: Und zwar, ich habe jetzt vor kurzem gehört, und da war ich ziemlich überrascht, dass Vortragende von einem Pro Bedeutigung meinten, dass...
Speaker: Selbst Erfahrung, also wenn man in Therapie davor geht und eine Diagnose bekommt, man geht halt gewisse Jahre in Therapie, dass man sich das gut überlegen soll, ob man stabil, unter Anführungszeichen, genug ist, um die Ausbildung zu machen.
Speaker: Wie stehen Sie dazu, die Therapie davor zu machen und vielleicht danach eher Interesse entwickelt zu haben, um diese Ausbildung zu machen?
Speaker: Wie stehen Sie dazu, zu der Therapie vor der Ausbildung?
Speaker: Darf ich Sie fragen, haben Sie das komisch gefunden, wie Sie es gehört haben?
Speaker: Ja.
Speaker: Ja, okay.
Speaker: Also dass man sich Gedanken darüber macht, verstehe ich schon, also das ist ein guter Punkt, aber es könnte vielleicht auch ein bisschen abschreckend wirken, habe ich mir gedacht.
Speaker: Das ist eine Bandbreite.
Speaker: Ich kenne ja Kollegen, Kolleginnen, die sagen so Dinge wie, nur wer selber einmal wirklich Krisen durchlebt hat, wirklich harte Zeiten auch hatte, auch vielleicht psychisch gelitten hat.
Speaker: dass das fast eine Voraussetzung dafür ist, ein guter Psychotherapeut zu werden.
Speaker: Ich verstehe, was Sie meinen.
Speaker: Sie haben nicht ganz Unrecht.
Speaker: Ich sehe es ehrlich gesagt nicht so.
Speaker: Ich glaube, es gibt viele Zugänge.
Speaker: Es gibt tatsächlich auch immer wieder Ausbildungsteilnehmerinnen, die schon ziemlich viel mitgemacht haben.
Speaker: Aber ich finde den Satz schon grundsätzlich richtig, dass diese Prüfung der Stabilität, bin ich gesund genug?
Speaker: Es ist nicht nur die Eignung, sondern auch das Durchhaltevermögen.
Speaker: Es ist ein sehr anspruchsvoller Beruf.
Speaker: der uns persönlich sehr fordert und den wir ja doch eine Zeit lang durchhalten sollten.
Speaker: Ich kann mir mal vorstellen, dass das Konzept oder der Prozess der Selbsterfahrung, der hört ja eigentlich nie auf.
Speaker: Also wenn man Therapeutin ist, dann ist das ja ein Teil vom Job.
Speaker: Also das ist zum Beispiel für mich so ein Aspekt, wo ich mich so freue, wirklich freue drauf, auch über das Älterwerden und über die ganzen Dinge, dass man immer etwas hat, was
Speaker: mit einem selber zu tun hat, wo man sich entwickelt auch, also wo man nicht so still steht.
Speaker: Und zu dem, was ihr vorhin gesprochen habt, mit den Erfahrungen vor der Ausbildung, therapeutischen, also ich kann mir schon vorstellen, dass es wahnsinnig hilfreich ist, wenn man später therapeut ist und man hat einmal zumindest einmal die Erfahrung gemacht, wie man sich fühlt, wenn man psychisch leidet und auch die Erfahrung, was es heißt, wenn es sich verändert.
Speaker: Also diese Erfahrung, die, ich glaube, die ist schon elementar, also die hilft
Speaker: einem sicher.
Speaker: Also wenn man die noch nie gemacht hat, dann hat man vielleicht auch nicht so Interesse, Therapeut zu sein.
Speaker: Spannendes Thema, ja.
Speaker: Allein damit könnte man eine Stunde füllen.
Speaker: Man muss aber nicht.
Speaker: Also wo wir schon eine Grenze ziehen, also ich sage jetzt einmal so ganz direkt auch, also wenn jemand eine manifeste, behandlungsbedürftige, schwere psychische Krankheit ist, würde ich niemandem empfehlen, diese Ausbildung oder diesen Beruf anzustreben.
Speaker: Also das ist ja fast masochistisch, nicht?
Speaker: Also das würde man sich ja nichts tun.
Speaker: Und abgesehen natürlich auch, dass man vielleicht nicht arbeitsfähig ist.
Speaker: Aber schön, was Sie da gesagt haben, Markus, also auch so im Sinne von, dass es auch eine Chance ist, nicht?
Speaker: Also man kann es jetzt als Pflicht, steht es als Berufspflicht, quasi lebenslang sich fortführen.
Speaker: Lebenslang.
Speaker: Da hat man lebenslang.
Speaker: Ich weiß nicht, ob es im Gesetz steht, lebenslang, aber zumindest solange es in diesem Beruf die Fortbildungspflicht, wie zum Beispiel eben auch Supervision, aber auch die eigene Entwicklung.
Speaker: Im hippokratischen Eid ist das so schön zitiert, dass man sozusagen auch verantwortlich ist fürs eigene Leben.
Speaker: Also nicht nur für die Pflichten, die man ausübt, dass man so nach bestem Wissen und Gewissen, nach den Regeln der Kunst seinen Beruf ausübt, sondern dass man auch eine Fürsorgepflicht sich selbst gegenüber hat.
Speaker: Also wir sollten sozusagen auch die Kunst lernen, uns selbst immer wieder weiterzuentwickeln.
Speaker: Erstens macht es mehr Spaß und zweitens ist es für alle Beteiligten nur ein Vorteil.
Speaker: Ich finde vielleicht noch ein Thema interessant, die Supervision, weil Supervision, würden Sie sagen, ist auch ein Teil der Selbsterfahrung, oder?
Speaker: Ja, also Supervision ist einfach Reflexion, Reflexion eigenen Tuns, was immer es ist.
Speaker: Es ist Reflexion der Ausbildung, es ist Reflexion natürlich dann der Praxisstunden, des Praktikums, der Praxisstunden, aber es ist immer gemischt.
Speaker: Es ist oft ganz wirklich Fall Supervision.
Speaker: Ich habe da jetzt eine Klientin, die ist so und so, was mache ich jetzt mit der oder so oder was muss ich da jetzt aufpassen und so weiter.
Speaker: Aber es ist natürlich auch, und ich sage das auch in der Supervision immer dazu, es geht auch um Work-Life-Balance, wie es halt so schon heißt.
Speaker: Wir wissen ja, wenn wir unsere eigene Verfasstheit und unsere eigenen Themen für die Arbeit ganz wesentlich sind.
Speaker: Wir sind wieder bei diesem Modell, ich bin mein Werkzeug.
Speaker: Das heißt, wenn ich gerade irgendwie mit irgendwas struggle, wo ich gerade selber sehr beschäftigt und abgelenkt bin, dann hat das einen Einfluss auf das, wie ich arbeite, wie gut meine Qualität ist und wie zufrieden ich auch mit meiner Arbeit bin.
Speaker: Sie haben es ja auch so ein bisschen eingeleitet, der Penner, die Selbsterfahrung, die passiert vielleicht schon im Vorfeld.
Speaker: Was wäre denn die Selbsterfahrung außerhalb der Selbsterfahrung im Sinne von außerhalb dieser institutionell vorgegebenen Selbsterfahrungselemente von Propedeutikum und Fachspezifikum?
Speaker: Diese Selbsterfahrung bietet sich immer und überall, würde ich einmal sagen, in Kontakten, in Beziehungen.
Speaker: Wir schauen natürlich auch schon bei unseren Ausbildungsteilnehmerinnen auf ihr gesamtes Leben.
Speaker: Das ist in Auseinandersetzung mit Eltern zum Beispiel, in Partnerschaften, in Beziehungen.
Speaker: Auch in Auseinandersetzung mit Leuten, die man als Feinde, Gegner, Feindinnen, Gegner, Gegnerinnen,
Speaker: Reizpersonen betrachtet.
Speaker: Im Idealfall bringt diese Ausbildung und nicht einmal im Idealfall, sondern eigentlich fast im Regelfall, also ich habe es jetzt nicht statistisch erfasst, aber immer wieder sozusagen, dass AusbildungsteilnehmerInnen berichten, dass ganz viel außerhalb der Ausbildung und der Lehrtherapie passiert, dass sich etwas verändert und dass sie Entscheidungen treffen, die sie sich vor zwei Jahren noch gar nicht zugetraut hätten.
Speaker: Ich sage dann oft am Anfang der
Speaker: am Anfang der Ausbildung so quasi Beipackzettel, wie sie einen Beipackzettel beilegen, sozusagen Vorsicht, Psychotherapie kann ihr Leben verändern.
Speaker: Ob man das als erwünschte oder unerwünschte Nebenwirkung sieht, ist dann wirklich Geschmacksfrage oder wir warnen dann manchmal auch Partner und Partnerinnen, dass sich die Partnerschaften auch verändern können, Beziehungen verändern können.
Speaker: Komischerweise werden dann unsere Ausbildung-Teilnehmerin manchmal so anspruchsvoll, ich weiß auch nicht warum.
Speaker: Ja,
Speaker: Zu Hause auch reden und so.
Speaker: Ja, und wenn man bewusst durchs Leben geht, kann man an jedem Tag, zu jeder Stunde, an jedem Ort selbst erfahren.
Speaker: Sie sagen jetzt gerade, wenn man bewusst durchs Leben geht, aber nochmal gefragt, was macht dann die Erfahrung zu einer Selbsterfahrung in dem Sinne des Besprochenen?
Speaker: Also wann bleibt was davon?
Speaker: Weil eine Erfahrung machen ist ja eine Sache, aber was gehört da dazu?
Speaker: Reflexion oder was ist es denn?
Speaker: Erfahrung erleben, Erfahrungsoffenheit, Kernstück unserer Persönlichkeitstheorie ist ja in unserer Schule.
Speaker: Erfahrungsoffenheit sich selbst gegenüber.
Speaker: Was kann eine Selbstentfahrung machen?
Speaker: Sie kann Interesse, und zwar positives Interesse, an der Selbsterforschung wecken.
Speaker: Also ich kann es aber nur interessant finden, was da alles in mir ist.
Speaker: Auch Dinge, die mich erschrecken.
Speaker: Aber ich kann es annehmen.
Speaker: Nicht, ich muss es nicht toll finden, aber ich kann es akzeptieren, ich kann es an mir annehmen.
Speaker: Insofern ist Selbsterfahrung nicht einfach nur ein Prozess der Selbstbespiegelung und sich dauernd über sich und über irgendwelche Gefühle und über seelischen Dinge irgendwie Gedanken zu machen, sondern es ist auch eine Auseinandersetzung mit der Welt.
Speaker: Also insofern leitet es eigentlich einen Prozess ein, der weit über diese Ausbildungsstunden hinausgeht und auch weit über die Ausbildungszeit hinausgeht.
Speaker: Es ist tatsächlich eine Entwicklung zu einem anderen Umgang mit sich und mit der Welt.
Speaker: Ja, Dankeschön.
Speaker: Die Rubrik Psychotherapie in Zeitgeist und Popkultur.
Speaker: Herr Penner, gibt es ein zeitgeistiges oder popkulturelles Phänomen, zum Beispiel aus der Politik, Film, Literatur, sozialen Medien zurzeit sehr aktuell, mit dem Sie sich vielleicht beschäftigen oder das Ihnen so auffällt, vielleicht auch in Ihren Therapiestunden, was Ihre Klientinnen einbringen?
Speaker: Naja, nachdem ich ja jetzt schon doch ein paar Jahrzehnte sozusagen in diesem Geschäft tätig bin, habe ich schon viele Phasen miterlebt.
Speaker: Ich habe diesen ersten Psychoboom miterlebt, 70er, 80er Jahren, wo plötzlich breites Interesse und auch wirklich auch eine Entmystifizierung von psychischen Krankheiten, Psychotherapie, alles, was damit zusammenhängt, stattgefunden hat, das leider dann auch wieder, ja, nicht nur leider, leider und Gott sei Dank gleichzeitig, auch wieder ein bisschen abgeebt ist,
Speaker: Und dann eher so eine eher kühle Phase, die ich miterlebt habe.
Speaker: Man könnte es neoliberal nennen.
Speaker: Wo sozusagen auch wieder andere Werte in den Vordergrund gerückt sind.
Speaker: Ab den 90ern?
Speaker: Ja, genau.
Speaker: Wieder eine Distanzierung davon und wieder mehr auf Effizienz und Selbstoptimierung und so weiter gezielt wird.
Speaker: Es ist unübersichtlich geworden.
Speaker: Ich habe vor kurzem auch wieder erlebt, dass es zum Beispiel im Bereich Autismus-Spektrum, wo sozusagen auch neue Sichtweisen auf Neurodiversität etc., auf bestimmte ADHS oder so, haben Sie sicher schon gehört, tut sich ja immer wieder was, wo es ganz viel Austausch gibt, das was wir früher Selbsthilfegruppen genannt haben.
Speaker: Die gibt es ja auch schon lange und wir haben sie immer wieder gefördert.
Speaker: Nicht Therapie, also nicht auch geleitet und auch nicht irgendwie mit einer Expertise, sondern weil die Leute selber in Kontakt geben und einander unterstützen, einander helfen.
Speaker: Also eigentlich auch die Idee einer Gruppenselbsterfahrung eben auch umgeleitet.
Speaker: Und dass das halt auch sehr viel in den sozialen Medien stattfindet, wo ganz viel Austausch ist.
Speaker: Das ist eine Chance und eine Gefahr gleichzeitig.
Speaker: Also wir sehen sozusagen auf der negativen Seite, dass es oft Überidentifizierungen gibt, also dass sozusagen, wenn eine Störung aufpoppt, also wir haben es bei der Anorexia nervosa zum Beispiel sehr viele schlechte Erfahrungen gemacht, wo so in diesen Resonanzkammern, in diesen Echoblasen,
Speaker: Auch sehr viele Leute angeteast wurden.
Speaker: Dann auch diese Störung sozusagen als Besonderheit, als etwas, was sie auszeichnet.
Speaker: Als etwas Erstrebenswertes, als etwas Tolles, Geiles, Großartiges.
Speaker: Und sich damit vielleicht auch identifizieren.
Speaker: Über Identifizierung nenne ich das.
Speaker: Ein bisschen modisch auch, gell?
Speaker: Ja, also natürlich auch wieder, da gibt es wahrscheinlich eher Leute in einem bestimmten Alter, die da eher empfänglich sind und Ähnliches sieht man manchmal auch bei Störungen.
Speaker: Also es gibt sehr viel Gutes, aber es gibt auch sehr viel Schlechtes.
Speaker: Und das meine ich mit unübersichtlich und daher traue ich mich gar nicht, da viel dazu zu sagen.
Speaker: Bin ich wahrscheinlich auch nicht der Richtige.
Speaker: Was ich schon sehe, ist, dass ich es immer wieder, wie ich eine Fernsehserie hernehme, einerseits eine Selbstverständlichkeit geworden ist.
Speaker: Also ich habe jetzt so
Speaker: Die letzten Filme, die ich gesehen habe, wo es um so Beziehungsthemen gegangen ist, war eigentlich immer so die Frage, wenn sich zwei kennengelernt haben, also vor allem aus dem amerikanischen Bereich, warst du schon in Psychotherapie oder gehst du erst?
Speaker: Also warst du sozusagen eine der ersten Fragen?
Speaker: Also quasi im Sinne von, bist du schon beziehungsfähig?
Speaker: Hast du dich selber schon genug kennengelernt, um mit mir in Beziehung zu gehen oder kommt das alles erst dann?
Speaker: Sie haben gesagt, dass es in Filmen, mehr in den amerikanischen Filmen so vorkommt.
Speaker: Haben Sie ein Beispiel für einen Film?
Speaker: Mir fällt jetzt gerade, ich kenne das Phänomen auch irgendwie, aber mir fällt auch keiner ein.
Speaker: Es gibt eine ganz süße Serie über Autismus, die heißt Atypical.
Speaker: Ja.
Speaker: Zum Beispiel.
Speaker: Habe ich gehört.
Speaker: Ja.
Speaker: Und ich finde, die kann man sich ruhig anschauen.
Speaker: Also ich finde das eigentlich sehr, sehr nett gemacht.
Speaker: Und da ist auch die Beziehung zur Therapeutin eben, die vorgespielt wird.
Speaker: Das ist echt interessant.
Speaker: Ja.
Speaker: Als Abschlussfrage vielleicht, möchten Sie vielleicht noch zukünftigen TherapeutInnen was mitgeben?
Speaker: Naja, nicht Ratschläge, aber Erfahrungen.
Speaker: Also Erfahrungen schon, das ist ja auch so Teil meiner, tatsächlich meiner wahrscheinlich letzten Phase meiner beruflichen Tätigkeit.
Speaker: einfach Erfahrungen weiterzugeben.
Speaker: Also auch sozusagen auch etwas darzulassen, was vielleicht nützlich sein kann.
Speaker: Und jeder muss selber entscheiden, was davon auch tatsächlich nützlich und hilfreich ist.
Speaker: Aber mein Wunsch sozusagen wäre, immer auch diese Neugier zu erhalten und dieses Interesse.
Speaker: Und wenn das erlarmt, wenn es mühsam wird, wenn es zart wird, wie man so schön sagt,
Speaker: dann bitte schaut es auf euch.
Speaker: Ihr seid die, um die es geht.
Speaker: Ich muss nicht nur meine Kunst, sondern auch mein Leben in die eigene Hand nehmen und bewahren.
Speaker: Deswegen ist Supervision, Selbsterfahrung und das alles wichtig.
Speaker: Sehr schön.
Speaker: Danke sehr.
Speaker: Ein sehr schönes Schlusswort, Herr Penner.
Speaker: Vielen, vielen Dank.
Speaker: Ja, danke schön.
Speaker: Nausica, super, dass du durchgehalten hast, obwohl du recht kränkelst.
Speaker: Ja, aber es war total spannend, also die ganzen Einblicke zu Selbsterfahrung, Supervision, Lehrtherapie, Gruppentherapie auch zu sehen.
Speaker: Selbsterfahrung und Lehrtherapie ist das Gleiche, aber super war es heute.
Speaker: Ich fand besonders toll diesen weiten Bogen, den man spannen kann für die Selbsterfahrung im Leben an sich, im Vorfeld von therapeutischen Erfahrungen, die in der Ausbildung selber die vorgeschriebenen Elemente,
Speaker: Und später dann im Berufsleben als Neverending-Entwicklung.
Speaker: Das hat mir gut gefallen.
Speaker: Und falls ihr Fragen oder Gedanken zu diesem Thema Selbsterfahrung habt oder wir haben irgendwas ausgelassen oder vergessen, schreibt uns echt gerne.
Speaker: Wir freuen uns über den Austausch mit euch.
Speaker: Wir werden auch ein paar benannte Dinge, Elemente, werden wir in den Shownotes verlinken.
Speaker: Könnt ihr gerne reinschauen und wenn es euch gefallen hat, abonniert unseren Podcast, teilt die mit anderen Interessierten und lasst uns gerne auch eine Bewertung da.
Speaker: Dann bis bald und bleibt neugierig.






