Transcript
Speaker: Herzlich Willkommen zum Podcast Gespräche mit Opa.
Speaker: Mein Name ist Tim, ich lebe seit sieben Jahren in Schweden und ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, das Leben meines Opas in einem Podcast festzuhalten.
Speaker: Opa Hans hat alle wichtigen Phasen der jüngsten deutschen Zeitgeschichte miterlebt und kann daher einiges davon erzählen, wie die Zeit während und nach dem Zweiten Weltkrieg aussah, wie das Leben der Menschen in der DDR vonstatten ging und wie er sich nach der Wende an ein neues kapitalistisches Leben gewöhnen musste.
Speaker: Viele von uns, die nach der Wende geboren wurden, können sich oftmals kaum noch ausmalen, wie anders das Leben in den 1940ern bis 1980ern eigentlich aussah.
Speaker: Fernab von Netflix, iPhones und Supermärkten, in denen man alles kaufen kann, was die Welt hergibt.
Speaker: Jetzt wünsche ich euch viel Spaß bei der heutigen Episode mit Opa Hans.
Speaker: Hallo Opa.
Speaker: Hallo.
Speaker: Wie geht's dir?
Speaker: Hallo, wir haben uns langweilig nicht gehört.
Speaker: Ne, das stimmt.
Speaker: Ich freue mich, dass wir wieder zusammen miteinander sprechen und dass wir die alte Geschichte ein bisschen aufarbeiten.
Speaker: Mein Leben.
Speaker: Genau.
Speaker: Wir haben uns ja, vor drei, vier Wochen warst du hier bei mir in Schweden, da hatten wir eine schöne Zeit zusammen, waren beide angeln.
Speaker: Nicht ganz so erfolgreich wie gewünscht, aber wir hatten trotzdem eine schöne Zeit.
Speaker: Hauptsache wir waren zusammen und haben schöne Gespräche geführt und uns aneinander gefreut.
Speaker: Warst du nochmal zu Hause angeln auf Hornfisch?
Speaker: Ja, aber ich war vorgestern und da habe ich bloß zwei Hornfische.
Speaker: Zwei sind mir noch abgegangen, aber ich war zufrieden.
Speaker: Ich hatte schöne Stunden auf dem Wasser und darauf kommt es an.
Speaker: Das Gute ist, dass man nicht von dem, was man angelt, leben muss, sondern das ist Hobby, das ist Zugabe denn.
Speaker: Ja, das stimmt.
Speaker: Hast du heute noch viel gearbeitet oder ging?
Speaker: Ja, wir hatten heute noch Auftritt beim Schentikor und draußen im Garten habe ich was gemacht und heute Vormittag sollte ich noch einen Kaiserschnitt machen bei einer Katze.
Speaker: Deshalb konnte ich nicht nach Babel mit zum Auftritt
Speaker: Aber die hat behauptet, die war gestern Abend schon da und da hatte ich schon eine Wehenspritze gegeben.
Speaker: Und als sie zurück fuhr, kam noch ein Katzenwelpe raus und dann behauptete sie heute Morgen, da wäre noch einer drin oder zwei, die hat noch einen Bauch.
Speaker: Und da sage ich, da müssen Sie kommen, da müssen wir einen Kaiserschnitt machen.
Speaker: Deshalb konnte ich mich nicht mit nach Babel fahren zum Schentikor-Auftritt.
Speaker: Und als sie dann kam, ich die Katze abgefühlt, alles leer.
Speaker: Naja, da brauchte ich keinen Kaiserschnitt machen, sie freute sich, dass sie kein Geld ausgeben musste und die Katze hatte ja auch vier Kinder und das reicht ja auch für so eine Mietze.
Speaker: Ja, aber den Auftritt hast du verpasst dann.
Speaker: Den habe ich verpasst, aber wir hatten jetzt noch um halb sechs einen Aufer Exzellenz Choral.
Speaker: Das ist so ein Schiff, das ist mit Schweizer beladen.
Speaker: Die machen hier so eine Fahrt nach Bad und nach Hittensee und die ziehen heute wieder ab.
Speaker: Da hatten wir nochmal einen Auftritt für die.
Speaker: Vielleicht kannst du ja nachher am Ende dann auch mal ein Schanty-Lied heute singen.
Speaker: Ja, das kann ich machen.
Speaker: Wenn du noch die Stimme dafür hast, mal gucken, ob es nachher noch reicht.
Speaker: Müssen wir mal gucken.
Speaker: Ja, okay, ja, heute wollte ich mal allgemein über das Leben in der DDR reden, also vor allem, was man sich leisten konnte, wie man so gewohnt hat und auch wie die Essensbeschaffung vonstatten ging.
Speaker: Da habe ich mir ein paar Fragen überlegt.
Speaker: Genau, fangen wir einfach mal an mit der Frage, wie ihr spezifisch in der DDR gewohnt habt mit deiner Familie.
Speaker: Na, wir waren ja privilegiert, weil ich ja Tierarzt war.
Speaker: Und da kriegten wir sogar zwei Wohnungen.
Speaker: Da habe ich noch für gesorgt, dass die auf dem Flur voneinander, dass sie voneinander nicht getrennt waren, sondern da haben wir den Durchbruch in der Mauer gemacht.
Speaker: Und dann hatten wir eigentlich recht schön Wohnraum.
Speaker: Ich hatte ja noch die Apotheke.
Speaker: Aber ansonsten hatten wir genügend Zimmer und brauchten für die Wohnung für drei Zimmer 81 Ostmark bezahlen.
Speaker: Und das war sehr günstig.
Speaker: Wir hatten eigentlich immer genügend Platz.
Speaker: Wir hatten zwei Kinderzimmer, ein Schlafzimmer, Wohnzimmer, Arbeitszimmer.
Speaker: Ja, wir waren zufrieden, wir wohnten zwar im Block, aber wir hatten nette Mieter mit im Block und da wir die einzigen waren, die Telefon hatten, kamen viele oft zu uns und wollten telefonieren und da hatten wir mit allen ein gutes Verhältnis.
Speaker: Okay, das ist schön, ja, das ist wichtig.
Speaker: Meine liebe Frau hat viele Ältere, die noch bei uns im Haus wohnten, mit unterstützt und geholfen und also da konnten wir sehr zufrieden sein.
Speaker: Ja, hattet ihr denn in der DDR-Zeit oder hattest du da auch schon deine Praxis unten drin oder kam das erst nach der Wende?
Speaker: Ich war ja reiner Großtierpraktiker.
Speaker: Ich hatte noch eine Facharztausbildung gemacht für Rinder und hatte Kleintierpraxis überhaupt nicht.
Speaker: Ich hatte, wenn ich mit einem kleinen Tier so mal einen Hund kasse oder einen Kater, das habe ich bei denen zu Hause gemacht auf dem Tisch.
Speaker: Aber bei uns in der Wohnung und auch sonst im Waschraum hatte ich damals keine Praxis.
Speaker: Das habe ich erst nach der Wende damit angefangen, bevor wir denn hier gebaut haben.
Speaker: Okay.
Speaker: Hattet ihr, also ich weiß, ihr hattet ja bei dem Haus, wo ihr gewohnt habt, hattet ihr keinen Garten, aber hattet ihr noch einen externen Garten oder sowas?
Speaker: Nee, hatten wir nicht.
Speaker: Also wir hatten einen Vorgarten, um den ich mich so ein bisschen gekümmert habe, aber das war nicht viel und
Speaker: Außerdem, wir hatten aber dadurch, dass ich zwei Wohnungen hatte, zwei Keller, das war schon ein großer Vorteil.
Speaker: Aber in den einen Keller, da kamen über 100 Zentner Brikett und das war immer ziemlich dreckig und die wurden vor dem Kellerfenster abgekippt und da musste man sie reinschaufeln und das war immer sehr schrecklich.
Speaker: dreckig alles und da wurde der Vorgarten auch immer mit ruiniert.
Speaker: Naja, also da hatte ich nichts mit zu tun, das habe ich erst dann später.
Speaker: Das hat mir auch nicht gefehlt, weil ich viel zu tun hatte.
Speaker: Ich hatte dann ja schon zwei Kinder und mit denen habe ich mich viel beschäftigt.
Speaker: Denen habe ich viel Zeit gewidmet abends, habe mit ihnen gesungen oder vorgelesen und
Speaker: Da hat mir kein Garten gefehlt, so wie heute.
Speaker: Das war eine andere Situation.
Speaker: Ja, und mit den Briketts, das kannst du auch nochmal erzählen, also ihr musstet eure Wohnung bis eigentlich nach der Wende immer mit Kohlen noch heizen oder wie?
Speaker: Ja, das war so in den 80er Jahren, da kriegten wir dann auch Fernwärme.
Speaker: Aber sonst haben wir immer mit Kohlen geheizt und hatten in jedem Zimmer einen großen Ofen.
Speaker: Und im Wohnzimmer und Arbeitszimmer, die wurden von einem Ofen geheizt, aber morgens, ich weiß nicht, als du Kind warst, hast du immer mit Oma Heize, Heize gemacht.
Speaker: Dann hast du davor gestanden und Heize, Heize, das, wenn du bei uns warst, das gehörte einfach morgens dazu.
Speaker: Heizen im Kinderzimmer, heizen im Wohnzimmer, auch in der Küche hatten wir so einen kleinen Beistellherd der Mode, auch wenn wir warm haben wollten, mussten wir immer heizen.
Speaker: Und mit den Briketts, das war immer alles sehr schmutzig und die Asche wegbringen.
Speaker: Aber wir kannten das nicht anders.
Speaker: Bei uns zu Hause, bei meiner Frau und mir, wir hatten auch keine Fernwärme.
Speaker: Wir hatten auch Öfen und haben die immer heißen müssen.
Speaker: Das war nichts Besonderes, nichts Neues für uns.
Speaker: Okay.
Speaker: Und in der Küche und im Badezimmer, was gab es da schon so für moderne Annehmlichkeiten?
Speaker: Also einen Kühlschrank nehme ich an und... Einen Kühlschrank hatten wir aber, wir haben in der Küche hatten wir dann nachher, entweder mit dem Herd hatten wir geheizt oder auch gekocht, aber wir hatten dann einen Propangaskocher.
Speaker: Mit Propangas musste ich immer Flaschen füllen und damit haben wir dann gekocht.
Speaker: Das ging ganz gut mit dem Propangaskocher.
Speaker: Okay, aber eine Toilette hattet ihr schon im Haus?
Speaker: Ja, eine Toilette hatten wir im Haus.
Speaker: Und fließend Wasser und Abwasser, das war in diesen neuen Blocks, die waren ja so Ende der 60er Jahre gebaut.
Speaker: Und in dieser Richtung waren wir da gut ausgestattet.
Speaker: Lass uns mal weitergehen zum Thema Autos.
Speaker: Wir hatten ja letztens schon mal privat darüber geredet, beide, aber das kannst du ja auch nochmal ein bisschen erzählen, wie das in der DDR lief, wie man Fahrzeuge bekommen hat und wie viel die ungefähr gekostet haben, mehr oder weniger.
Speaker: Die Fahrzeuge waren ja sehr rar und viele hatten sich Geld gespart und man musste nachher, war das 10, 12, 14 Jahre, je nach Typ, drauf warten.
Speaker: Aber
Speaker: Wir hatten auch wieder Glück, 1974, da kamen bei uns die rumänischen Dacia, die waren auf dem Markt und das waren die nachgebauten Renault von den Franzosen
Speaker: Und ich hatte auch eine Bestellung, die war sechs oder sieben Jahre alt, aber ich konnte die nutzen und konnte dann, weil die neu auf den Markt kamen und kosteten ja 24.000 Ostmark,
Speaker: Und das hatte auch nicht jeder.
Speaker: Und da ich schon schön zusammengespart hatte, konnte ich 1974 denn ein Auto kaufen.
Speaker: Und das war schon was Besonderes.
Speaker: So ein nachgebauter Renault und der war rot.
Speaker: Und den habe ich 18 Jahre gefahren bis zur Wende.
Speaker: Ich glaube, das war sogar 1972, als wir den kriegten.
Speaker: Weil ich den 18 Jahre gefahren habe bis 90.
Speaker: Und dann habe ich ihn halb verschenkt an Rumänen, die hier als Flüchtlinge waren.
Speaker: Die waren so glücklich, dass sie diesen alten Renault, alten Dacia kriegten.
Speaker: als Praxis als Praxiswagen habe ich immer einen Moskvitsch gefahren er ist so ein alter Typ ein Dreier oder wie sich das nannte und der nachher ein Acht also die waren dann schon moderner
Speaker: aber waren im Zero-Buchts, waren Diesel und im Winter kriegten sie M&S-Reifen drauf, so richtig mit einem ordentlichen Profil, weil wir hatten ja damals auch noch viel stärkere Winter mit Schnee und so und mit dem Mosquitsch, der hatte zwar Heckantrieb und wenn du da ein bisschen viel Gas gegeben hast, ging er hinten gleich rum.
Speaker: Aber ich bin da immer gut mit gefahren, aber das
Speaker: Der kostete sehr viel Diesel, ich glaube auf 100 Kilometer 10, 12 Liter.
Speaker: Aber das wurde ja vom Start, die Tankrechnung, die ging ja an den Start und wir haben ja das, was wir verdient haben, haben wir ja auch dem Start zugutekommen lassen.
Speaker: Und ich hatte immer eine positive Bilanz, habe immer mehr eingebracht, als ich gekostet habe.
Speaker: Das ist gut, ja.
Speaker: Und du meintest dann, als du 72 den bekommen hattest, hast du dann direkt die nächste Bestellung aufgegeben, richtig?
Speaker: Dann habe ich die nächste Bestellung aufgegeben und kurz vor der Wende, 18 Jahre, da hätte ich einen Wartburg kriegen können.
Speaker: Und da habe ich gesagt, nee, da will ich auch keinen mehr.
Speaker: Also damals war das wirklich so, 18 Jahre dauerte von der Bestellung, bis man das Auto kriegen konnte.
Speaker: Und mir hatte einer erzählt, als er auf die Bestellung neuen Trabant kam,
Speaker: gekriegt hatte und ich glaube so für 10.000, 12.000 und als er rauskam, da haben ihn die Leute bestürmt und haben fast das Doppelte geboten, wenn ihr ihnen den Trabant geben würdet, die haben 18.000 und 20.000 geboten, bloß weil sie so gerne ein Auto haben wollten.
Speaker: Und wenn man Westgeld hatte, konnte man ja über Genex, ich weiß, mein Kollege, der kriegte einen Wartburg über den Westen.
Speaker: Das ging dann sofort und der hatte dann einen schönen Wartburg.
Speaker: Man kriegte dann auch schon teilweise Golf, also diese VW, wenn man Westgeld hatte.
Speaker: Dann konnte man so ein Auto bekommen.
Speaker: Welche Autos gab es zur Auswahl an sich?
Speaker: Es war Trabant und es war... Trabant, Wartburg, erst gab es noch F8, F9, das waren auch so DKW-Art und naja, dann gab es die Moskvitsch, die fuhren viel bei uns, die Russen und dann gab es den polnischen Fiat, Potski Fiat,
Speaker: Und dann so ein Chicoli, das war auch so ein nachgebauter Fiat und das war schon was Besonderes.
Speaker: Die waren sehr teuer, aber mein Bruder, der hatte auch schon diesen nachgebauten Fiat, ja, Polsky Fiat oder auch einen russischen Fiat.
Speaker: Ja gut, aber auf jeden Fall Wahnsinn, wie das ablief damals.
Speaker: Und die waren eben auch recht teuer.
Speaker: Aber die Leute, die unbedingt ein Auto haben wollten, die haben dann auch richtig da was für ausgegeben.
Speaker: Man hatte ja die Möglichkeit zu sparen, weil es nicht allzu viel zu kaufen gab.
Speaker: Und wenn beide gearbeitet haben, Mann und Frau, dann kriegte man das Geld auch zusammen.
Speaker: Ja gut, aber wenn du ein Gehalt hast von, ich denke mal, normale Leute hatten ein Gehalt zusammen von 1.000 Ostmark oder 1.500 oder sowas.
Speaker: 1.500 war schon sehr viel.
Speaker: Und dann 24.000 für ein Auto, das ist natürlich schon... Das ist viel und das konnten wir uns auch nur leisten, weil ich noch immer so eine Kennziffern hatte, weil ich eine große Praxis hatte.
Speaker: Dadurch kriegte ich 600...
Speaker: Ostmarkt damals mehr und nachher ja mit den Kennziffern.
Speaker: Also vom Finanziellen her waren wir immer noch ganz gut gegenüber gutgestellt.
Speaker: Ja, ja.
Speaker: Okay, dann nächste Frage.
Speaker: Wann habt ihr euren ersten Fernseher bekommen?
Speaker: Kannst du dich noch erinnern?
Speaker: Ja, ich habe schon mit meiner Frau darüber diskutiert, so viel ich weiß, 1969, 70, so einen kleinen schwarz-weiß Fernseher und der stand im Wohnzimmer, aber wir haben nie so recht viel Fernsehen geguckt, bis heute.
Speaker: Heute gucken wir gar nicht mehr, weil Fernsehen ist mir zu passiv.
Speaker: Ich lese lieber oder genieße in der Natur und habe auch immer schön zu tun.
Speaker: Aber war auch teuer.
Speaker: Der hat auch 2.000 bis 3.000 Osmak hatte gekostet im Fernsehen.
Speaker: Wahnsinn.
Speaker: War das die ganze DDR über Schwarz-Weiß, das Fernsehen?
Speaker: Ja, solange DDR war, hatten wir nur Schwarz-Weiß.
Speaker: Wahnsinn, ja.
Speaker: Wir waren noch nicht so weit in der Technik.
Speaker: Wie der Westen, ja.
Speaker: Nee, das stimmt.
Speaker: Du meintest ja, ihr hattet Telefon als einer der wenigen Haushalte und Radio ja sicher auch noch irgendwas anderes, an das du dich erinnern kannst, außer Fernsehen, Telefon, Radio.
Speaker: Nö, mehr hatten wir nicht.
Speaker: Okay.
Speaker: Computer und sowas, das gab es nicht.
Speaker: Nö, wir, viel elektronische Geräte hatten wir nicht.
Speaker: Wir hatten eine große Kühltruhe im Keller.
Speaker: Das war schon eine Errungenschaft, dass wir immer schön was einlagern konnten.
Speaker: Wir kriegten ja kaum mal Südfrüchte, so gut wie gar nicht.
Speaker: So zu Weihnachten
Speaker: weil wir gute Beziehungen hatten zum Konsum hier, zu der Konsumfrau, die hob uns denn Bananen auf und da kriegte jeder so eine Tüte, war immer ganz so heimlich, doch da hatten wir auch Bananen, aber genau zugeteilt, konntest nicht kaufen, wie du wolltest.
Speaker: Okay, ich dachte Bananen gab es gar nicht.
Speaker: Doch, Bananen, irgendwoher hatten sie die doch eingeführt aus Südamerika oder wo, dass wir da Beziehungen hatten zu Argentinien oder Brasilien oder Paraguay, ich weiß es nicht, jedenfalls wurden doch Bananen so in der Vorweihnachtszeit verkauft.
Speaker: Okay.
Speaker: Aber sonst irgendwelche anderen, ich sag mal, Luxus, Gegenstände hattet ihr wahrscheinlich nicht viel.
Speaker: Vielleicht irgendwelchen Schmuck, den ihr vererbt hattet oder sowas, aber... Also, das war auch ziemlich teuer und wenn wir mal in Berlin waren, zu Tagung und so, dann ging Oma immer, es gab ja Exquisitgeschäfte, da war alles ziemlich teuer, aber dann kaufte sie mal schöne Kristallrömer und sowas und
Speaker: Und da kriegte man dann auch mal was Besonderes.
Speaker: Ansonsten, es gab ja noch keine Kaufhäuser, wie wir das jetzt gewöhnt sind.
Speaker: Das waren kleine Läden in den Dörfern oder auch in der Stadt, so ein richtiges Kaufhaus, wie sie jetzt überall sind, Edeka oder Norma oder Aldi, das gab es ja alles nicht.
Speaker: Und ich war immer der Einkäufer, kriegst du den Zettel und dann hast du den Zettel abgearbeitet, was es so gab und dann war gut.
Speaker: Ja, verrückt.
Speaker: Aber in größeren Städten wie Berlin gab es doch sicherlich so größere Märkte auch, oder nicht?
Speaker: Ja, ja, da gab es schon größere Märkte, das stimmt.
Speaker: In Berlin, da waren auch schon große Kaufhäuser und sowas.
Speaker: Aber bei uns hier auf dem Land in Straßend, da gab es kein Kaufhaus.
Speaker: In dem Sinne ja, Kleidung und sowas konnte man dann auch schon oder
Speaker: andere Sachen, Möbel und das waren dann auch schon ein bisschen größere Kaufhäuser.
Speaker: Aber man musste immer zufrieden sein mit dem, was man kriegte und hat sich eingerichtet.
Speaker: Und wir waren auch zufrieden.
Speaker: Aber so Sachen wie, also gab es Berufe wie Goldschmiede oder sowas?
Speaker: Also ich meine, das konnte sich doch keiner leisten oder doch?
Speaker: Naja, es gab Goldschmiede, aber die Änderungen gemacht haben und sowas, aber so richtig wertvollen Schmuck hat sich keiner leisten können oder kaum.
Speaker: Jedenfalls hier nicht auf dem Lande, da musstest du super verdienen und das gab es ja gar nicht.
Speaker: Ja, okay, ja, interessant.
Speaker: Genau, du hast gerade schon gesagt, Essen, also wie gesagt, es gab nur einen kleinen Konsum in der Regel bei euch im Dorf.
Speaker: Wie sahen die so aus?
Speaker: Also wie muss man sich das vorstellen?
Speaker: Gab es da auch so Regale mit Produkten oder war alles lose?
Speaker: Es gab schon Regale, auch Dosen und Tüten und so, das Mehl.
Speaker: Ich weiß das von meinem Schwiegervater, der hatte ja so ein kleines Geschäft in der Stadt, in einer Kleinstadt und da war alles noch lose.
Speaker: Da füllte das Mehl ab und Marmelade.
Speaker: Ich kaufte Marmelade ein mit so einem Gefäß, so einem
Speaker: Emalje-Gefäß und dann das vollgefüllt und dann war gut.
Speaker: Auch Butter gab es lose und alles so verpackt, das war zuerst noch nicht.
Speaker: Aber das hat sich denn so in den 70er, 80er Jahren dann doch einigermaßen entwickelt.
Speaker: Aber kann man dann nicht vergleichen mit den Handelsketten hier mit Aldi und so, was da alles zu kaufen gibt.
Speaker: Aber wir waren immer froh, wenn wir was kriegten und wenn mal einer ein bisschen was aufgehoben hat für einen, dann war das schon was Besonderes.
Speaker: Du meinst ja selbst angebaut habt ihr nicht, aber ich schätze mal, du hattest glaube ich schon mal gesagt, ihr habt dann immer relativ viel auch geschenkt bekommen von deinen Patienten, oder?
Speaker: Und dann kriegten wir Enten und sowas zu Weihnachten und zu Ostern, einen Haufen Eier.
Speaker: Also wir waren eigentlich immer in diese Richtung gut versorgt.
Speaker: Auch wenn geschlachtet wurde, dass man da mal eine Wurst kriegte.
Speaker: Das war unser Vorteil.
Speaker: Ja, mal kurz zur Einordnung von Preisen.
Speaker: Du hattest mir erzählt, glaube ich, der offizielle Wechselkurs Ostmarkt-Westmarkt war 1 zu 4 oder 1 zu 5?
Speaker: Ja, 1 zu 4, 1 zu 5, aber auf dem Schwarzmarkt wurde bis 1 zu 10 getauscht.
Speaker: Okay, ja nur damit man sich ungefähr was vorstellen kann, wie billig oder wie teuer Sachen waren.
Speaker: Vor allen Dingen die Mieten, die waren ja so gering.
Speaker: Und ich weiß das von einem, der war mein Autoschlosser bei Moskvitsch und der sagte, ich habe ein großes Haus in der Badenstraße und die Mieter, die bringen so wenig ein, dass ich das Haus nicht unterhalten kann.
Speaker: Und er hat es dann der Stadt geschenkt.
Speaker: Er sagt, ich kann mit dem Haus nichts anfangen und das war ja
Speaker: Man sprach Trümmer schaffen ohne Waffen.
Speaker: Also weil keiner die Reparaturen, gerade wenn du ein Privathaus hattest, bezahlen konnte.
Speaker: Die Mieten brachten nichts ein, da zahltest du, ich weiß, bei Schwiegervater, der hatte ein Haus, die Mieter zahlten 20, 30 Euro.
Speaker: Und meine Wirtin in Berlin, die zahlte für eine Zwei-Zimmer-Wohnung 42 Euro.
Speaker: Und von mir kriegte sie für ein Zimmer, was sie mir vermietet hatte, ich gab ihr 45.
Speaker: Aber dadurch hatte ich eben ein schönes Zimmer und ich musste zwar mit allem sehr sparen und da war auch ein großer Ofen in dem Haus, in der Wohnung und da hat sie immer ganz sparsam Kohlen aufgelegt und wenn ich abends da saß in der Wohnung und lernte oder in den Büchern las, dann musste ich ganz dicht mit meinem Sessel an den Ofen gehen und dann noch eine Decke über die Knie
Speaker: vorne, dass ich nicht gefroren habe.
Speaker: Sie musste sehr sparen immer.
Speaker: Und mit dem Licht, wenn ich da einen so einen Leuchter, so einen Standleuchter und wenn ich den anhatte und das Oberlicht war auch bloß eine Birne drin, dann kamen sie rein, Herr Lang, der Zähler rennt wieder so.
Speaker: Naja, ich musste da immer ein bisschen Rücksicht nehmen.
Speaker: Ja.
Speaker: Sie kriegte ja auch bloß, ich glaube, 110 Euro kriegte sie Rente.
Speaker: Ostmarkt, ja.
Speaker: Ja, genau.
Speaker: Warum?
Speaker: Also man durfte als Mieter, war das verboten, mehr Miete zu nehmen?
Speaker: Oder wurde das vom Staat festgesetzt, wie hoch die Miete war?
Speaker: Das war...
Speaker: waren die Richtlinien.
Speaker: Du durftest nicht einfach Miete nehmen, was du wolltest.
Speaker: Das war vorgegeben und da konntest du, die Mieter, die hatten das Recht, so und so viel, mussten sie bloß bezahlen und gut.
Speaker: Da gab es keine Marktwirtschaft in der Richtung.
Speaker: Also so einen festen Quadratmeterpreis oder sowas?
Speaker: Nein, überhaupt nicht.
Speaker: Jedenfalls war das aber kontraproduktiv.
Speaker: Dadurch konnte keiner sein Haus unterhalten und es war auch keiner interessiert,
Speaker: Irgendwas zu bauen und das zu vermieten.
Speaker: Das lief alles über staatliche Sachen.
Speaker: Ja, das klingt, als könnte das System nicht so richtig funktionieren auf lange Sicht.
Speaker: Nee, das war so.
Speaker: Leider.
Speaker: Gib uns mal eine Vorstellung, die Lebensmittel, was die so gekostet haben.
Speaker: Ich sage mal ein Kilo Zucker oder Butter oder Marmelade.
Speaker: Die Lebensmittel waren sehr billig.
Speaker: Ich zahlte für so ein normales Roggenbrot 51 Pfennige.
Speaker: Und für ein Mischbrot 78 Pfennige.
Speaker: Und das war aber so ein 3 Pfund Brot.
Speaker: Also die Bäcker, die mussten, glaube ich, sie kriegten Subventionen, weil die für das, was sie für ihre Produkte kriegten, da konnten die gar nicht mit existieren.
Speaker: Das war einfach zu billig.
Speaker: Wenn sie die Energiekosten und alles hatten und dann für ein Brot bloß 1,50 Pfennige kriegten, das war ganz unnormal.
Speaker: Ja, ja.
Speaker: Aber es war ja wenig Geld und die Rentner, wenn ich denke, meine Eltern, mein Vater kriegte 330 Ostmark im Monat und meine Mutter 300.
Speaker: Also wenn du da alleine warst und musstest noch Miete zahlen und so, da blieb dir nicht viel übrig.
Speaker: Mhm.
Speaker: Da musste man sich mächtig einrichten mit.
Speaker: Ja, na dann kann man auch verstehen, dass das Essen auch so günstig sein musste, damit die Leute nicht hungern mussten.
Speaker: Ja, ja, ja, ja.
Speaker: Die Lebensmittel, die waren sehr billig alles.
Speaker: Und was man so kriegte an Gemüse und so, auch Moorüben oder Kohl, das war alles relativ preiswert.
Speaker: Auch das Fleisch?
Speaker: Fleisch, ich denke ja.
Speaker: Ich habe nicht viel Fleisch gekauft, aber das war auch relativ günstig.
Speaker: Das waren kaum noch Privatfleischereien, das waren Konsumfleischereien und sowas.
Speaker: Sonst hätten die da kaum existieren können von den Preisen, die sie nehmen durften.
Speaker: Ja.
Speaker: So exotische Früchte und sowas meinest du?
Speaker: Ja, ab und zu mal eine Banane oder sowas.
Speaker: Ja, ja.
Speaker: Gerade so zu den Festen, da wurde dann auch mal was eingeführt.
Speaker: Wir hatten ja immer als DDR zu wenig Devisen und konnten deshalb auf dem Weltmarkt wenig kaufen.
Speaker: Ja.
Speaker: Ja, verstehe ich.
Speaker: Und eure Währung war halt nichts wert.
Speaker: Nee, also die wollte keiner haben.
Speaker: Die war nicht gefragt.
Speaker: Ja, zuletzt will ich nochmal fragen, zu den Intershops hattest du mal erzählt, das waren ja diese Shops, die es bei euch gab, wo man mit Westgeld einkaufen konnte, richtig?
Speaker: Ja, Intershop, wer Westgeld hatte, konnte da gut einkaufen, aber du musstest eben Verwandte haben, die dir dann Westgeld zukommen lassen oder du hast was eingetauscht.
Speaker: Ja, hast du das denn?
Speaker: Hast du das verstanden, warum diese Shops überhaupt zugelassen waren, warum die Regierung das gemacht hat?
Speaker: Weil dadurch habt ihr dann ja gesehen, was euch aus dem Westen fehlt.
Speaker: Naja, aber andererseits, die Leute sollten irgendwo zufriedengestellt werden.
Speaker: Wer die Möglichkeit hatte, Westgeld zu beschaffen oder von Verwandten Westgeld zu bekommen, das kam unserem Staat ja als Devisen zugute.
Speaker: Und deshalb, da war er interessiert, doch, da konntest du für Westgeld einkaufen.
Speaker: Ja.
Speaker: Ja, schon spannend.
Speaker: Und die Produkte waren die typischen Westprodukte?
Speaker: Das waren die Westprodukte.
Speaker: Da konntest du alles kaufen, was du im Westen auch kaufen konntest.
Speaker: Aber wir hatten kaum mal Westgeld und haben da auch nicht groß eingekauft.
Speaker: Aber
Speaker: Ich muss trotzdem sagen, wir haben ja 40 Jahre DDR mitgemacht und jeder hat sich eingerichtet auf seine Art und wir waren auch zufrieden.
Speaker: Wir kannten das nicht besser, wir haben in einer Mietwohnung in einer Plattenbau gewohnt und haben immer das Beste draus gemacht.
Speaker: Und was ein Vorteil war, so auch unter den Kollegen, da war keine Konkurrenz, da war kein Neid, da war kein Hass.
Speaker: Wir haben zusammen große Fahrten gemacht.
Speaker: Wir sind nach Leningrad, Petersburg gefahren, wir waren in Prag und wir waren hier in der DDR, haben wir Fahrten gemacht.
Speaker: Wir haben zusammen Silvester gefeiert, wir haben zusammen Fasching gefeiert.
Speaker: ist heute alles unmöglich.
Speaker: Also jetzt in den Städten so, da sind ein Teil Tierärzte, da redet einer mit dem anderen nicht.
Speaker: Da ist Konkurrenz.
Speaker: Das vermissen wir eigentlich heute so ein bisschen.
Speaker: Jeder ist sein eigener Herr oder dieses Gemeinsame, das fehlt heute.
Speaker: Ja.
Speaker: Ja, aber gab es nicht auch mal das dann, also wie war das System?
Speaker: Ich sage mal, wenn jetzt ihr habt zusammengearbeitet, ihr Tierärzt und einer hat vielleicht irgendwie schlechter gearbeitet und musste dann der andere da irgendwie deswegen mehr arbeiten oder hatte jeder seinen eigenen Bereich?
Speaker: Jeder hatte...
Speaker: seinen Bereich, aber wir waren ja eine Gemeinschaftspraxis und wir haben die Arbeit dann aufgeteilt und ich habe gerne gearbeitet und hatte auch immer allerhand zu tun und andere, der eine machte nur die Euterkrankheiten, der andere der hatte dann noch weniger, weil er ein bisschen träge, ein bisschen faul war und das war aber als die Wende kam, war das für die der große Nachteil
Speaker: Die frisch gegründeten Betriebe, die mussten rechnen und die haben die Tierärzte angeheuert, von denen sie wussten, die sind fleißig.
Speaker: Und da haben wir von fünf Tierärzten, haben zwei nach der Wende Arbeit gehabt und die anderen mussten was anderes machen.
Speaker: Der eine fuhr nachher in Hamburg Taxi und der andere ging zum Liegenschaftsamt und so.
Speaker: Aber ich habe immer Glück gehabt, weil ich gerne gearbeitet habe und auch Freude an der Arbeit hatte.
Speaker: Und deshalb hatte ich auch nach der Wende wieder Gleicharbeit und konnte so, wir wurden ja alle entlassen als Staatstierärzte.
Speaker: und mussten uns niederlassen, war für uns alles, diese Marktwirtschaft war ja alles neu.
Speaker: Aber ich hatte Glück, ein Kollegen-Ehepaar, auch wieder über einen Bekannten, der hier nach Rügen gekommen war und seine alte Besitzung wieder übernommen hatte, der hatte ein befreundetes Ehepaar in Nordbayern, da in Franken,
Speaker: Und da hatten sie mich vermittelt, da war ich 14 Tage bei denen, das war ein sehr liebes, ordentliches Ehepaar und die haben mir viel beigebracht in der Kleinen und in der Großepraxis, wie das alles so lief mit den Rechnungen und den Bezahlungen und
Speaker: jetzt mussten wir ja immer selbst die Rechnung schreiben und das Geld selber eintreiben.
Speaker: Sonst machte das der Staat.
Speaker: Ja.
Speaker: Ja, sehr spannend auf jeden Fall.
Speaker: Ich glaube, bevor deine Stimme ganz weggeht, lassen wir dich, hoffe ich, heute in Ruhe.
Speaker: Du hast, glaube ich, alles beantwortet, was auf meinem Zettel steht.
Speaker: Ja.
Speaker: Und ja, ich glaube, wir lassen das Lied heute auch weg am Ende der Folge.
Speaker: Wie gesagt, deine Stimme klingt schon ein bisschen...
Speaker: Ein kleines Lied kann ich noch singen, das ist zwar kein Shanty, aber so was mit der Zufriedenheit zu tun hat.
Speaker: So dieses Lied.
Speaker: Was frag ich viel nach Geld und Gut, wenn ich zufrieden bin, gib Gott mir nur gesundes Blut.
Speaker: so hab ich frohen Sinn und sing aus dankbarem Gemüt mein Morgen und mein Abendlied.
Speaker: Die zweite singe ich noch.
Speaker: So mancher schwimmt im Überfluss, hat Haus und Hof und Geld und ist doch immer voll Verdruss und freut sich nicht der Welt.
Speaker: Je mehr er hat, je mehr er will, nie schweigen, seine Klagen still.
Speaker: Ja, ich habe vorhin mit Oma nochmal diskutiert über unser Leben.
Speaker: Wir können so glücklich sein, dass wir so ein schönes Leben hatten.
Speaker: Über 70, 75 Jahre keinen Krieg und das ging alles.
Speaker: Ich brauchte nicht auf andere Schießen üben, ich brauchte nicht zur Armee meine...
Speaker: Mein Kind, der musste noch drei Jahre zur Armee, wenn er studieren wollte, aber du brauchst es schon nicht mehr.
Speaker: Wir hatten mit unserer Lebenszeit richtig, richtig Glück und sind auch zufrieden.
Speaker: Und auf diese Zufriedenheit kommt es eigentlich immer an.
Speaker: Seelenruhe, Heiterkeit und Zufriedenheit sind ganz wichtige Faktoren für langes glückliches Leben.
Speaker: Seelenruhe, Heiterkeit und Zufriedenheit.
Speaker: Und zufrieden war ich eigentlich immer, weil ich ein Sonntagskind bin, weil ich ein Glücksjunge bin.
Speaker: Das sind doch schöner Schlussworte, würde ich sagen.
Speaker: Okay.
Speaker: Dann, bis zum nächsten Mal.
Speaker: Mach's gut.
Speaker: Vielen Dank.
Speaker: Tschüss.
Speaker: Vielen Dank.




