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Vom Umgang mit herausforderndem Verhalten bei Kindern

Freigestellt - der Podcast für Kitaleitungen
Zurück aus den Sommerferien beschäftigen wir uns in dieser Folge mit einem Thema, dass viele Kitas bewegt und oft auch belastet. Wir fragen nach Möglichkeiten zum Umgang mit herausforderndem Verhalten von Kindern. Wie schaffen Kita Teams es, tragfähige Lösungen und sinnvolle pädagogische Antworten auf schwierige Verhaltensweisen zu finden? Und was können Kita-Leitungen konkret tun, um ihre Teams zu entlasten und zu unterstützen? Wie immer gibt es nicht die eine fertige Antwort, aber es gibt erfolgversprechende Wege. Wir beschäftigen uns mit dem Modell HeVeKi und legen dar, wie mit Hilfe von strukturierter Beobachtung, gemeinsamer Fallberatung und gezielter Planung, Maßnahmen verabredet werden können, die im Team für Entlastung sorgen und Antworten auf die Bedürfnisse der Kinder finden. Paul stellt außerdem eine App vor, die Teams bei der strukturierten Fallberatung unterstützt. Wir sind Sascha Müller-Jänsch, Inhaber der Kita-Software clivver-kita und Paul Hofmann-Driesch, Erzieher, Betriebswirt, Inklusionspädagoge und deutschlandweit als Coach, Berater und Fortbildner für Kitas, Leitungen und Träger unterwegs. Lass uns auch sehr gerne eine Bewertung da. Und für direktes Feedback schreib gerne an: post@freigestellt-podcast.de

Transcript

Speaker: Freigestellt.

Speaker: Der Podcast

Speaker: für Kita -Leitungen.

Speaker: Kompakt.

Speaker: Alltagsnah.

Speaker: Und mit Themen, die manchmal mehr auslösen.

Speaker: als man so denkt.

Speaker: Freigestellt, der Podcast für Kita -Leitungen ist zurück aus der Sommerpause. Herzlich willkommen. Ich bin Sascha Müller-Jänsch, Journalist und Inhaber der clivver-kita.

Speaker: Clever.

Speaker: Kita.

Speaker: Ja, und hier ist Paul Hofmann-Driesch.

Speaker: Ich bin leider auch zurück aus der Sommerpause. Ich arbeite wieder wie vor der Sommerpause auch schon als Berater, Fortbildner und Coach für Kindertagesstätten und freue mich, dich wiederzusehen, Sascha.

Speaker: Ja, du scheinst eine schöne Sommerpause gehabt zu haben. Erzähl. Ja, wir hatten Ferien. Ich habe ja noch schulpflichtige Kinder und das ist mir so ein bisschen zwiegespalten. Also ich sage manchmal so am Ende der Ferien, weiß ich auch, warum manche Tiere ihre Jungen fressen. Aber es war natürlich auch eine tolle Zeit. Wir hatten viel Familienzeit, wir waren verreist.

Speaker: war mit unserem Wohnwagen in Südengland unterwegs, haben das Land wunderbar kennengelernt und hatten natürlich auch viel Quality -Time miteinander. Insofern vermisse ich das.

Speaker: Bin aber auch froh, wieder arbeiten zu können, weil ich einfach auch gerne arbeite.

Speaker: Und meine Kinder sind ja aus dem schulpflichtigen Alter raus, insofern...

Speaker: habe ich den Sommer tatsächlich durchgearbeitet und fahre jetzt erst.

Speaker: Im Herbst in den Urlaub. Aber das mit dem Kinderfressen, das kommt mir bekannt vor.

Speaker: Wir haben...

Speaker: Besuch gehabt von Freunden mit kleinen Kindern.

Speaker: Und ganz ehrlich...

Speaker: Die Kinder waren okay, aber ich hätte fast mal die Eltern gefressen.

Speaker: Vielen Dank.

Speaker: Ja, das ist halt schon eine spezielle Stimmung, die dann entstehen kann.

Speaker: Ja, also es ist schon...

Speaker: Schon Wahnsinn, wenn man nicht mehr selber als Elternteil involviert ist, dass man dann so mitkriegt, wie manche Eltern...

Speaker: es im Grunde genommen

Speaker: unbewusst darauf anlegen, Konflikte zu schüren.

Speaker: Und...

Speaker: Die Kinder reagieren dann entsprechend.

Speaker: Und...

Speaker: Du kriegst aber eigentlich mit.

Speaker: So.

Speaker: In Wahrheit muss man eigentlich eher die Eltern treten als die Kinder. Aber da sind wir schon fast...

Speaker: bei unserem heutigen Thema.

Speaker: Aber bevor wir dazu kommen, möchte ich eigentlich nochmal kurz auf unsere erste halbe Staffel, die wir produziert haben im Frühjahr, zurückkommen.

Speaker: Da haben wir sowas eingeführt, da haben wir uns eine schöne Rubrik ausgedacht, die Blitzgedanken, wo wir unsere Hörerinnen und Hörer einladen zu erzählen zu einem bestimmten Thema, was ihnen dazu einfällt.

Speaker: Ich finde das Konzept nach wie vor super, aber...

Speaker: Uns fehlen noch so ein bisschen die Hörerinnen und Hörer. Zumindest die regelmäßigen, die auch antworten auf unsere Fragen. Genau, die schnell hören und schnell antworten.

Speaker: Deswegen...

Speaker: haben wir ...

Speaker: Über die Sommerpause hin beschlossen, die Rubrik erstmal zurückzustellen und nicht weiter zu verfolgen.

Speaker: Vielen Dank.

Speaker: Vielen Dank.

Speaker: Wir hatten keinen Bock, da irgendwas Unauthentisches zu produzieren und haben aber gemerkt, wenn jetzt noch nicht so viele Zuschriften reinkommen,

Speaker: dann wird das ganz schön Arbeit, da noch hinterher zu haken.

Speaker: Ähm...

Speaker: Und dann...

Speaker: Dann lassen wir es lieber erst mal sein.

Speaker: Ja.

Speaker: Wir holen uns das vielleicht nochmal in einem Jahr vor, wenn hoffentlich die regelmäßigen Hörerzahlen schon größer sind.

Speaker: Und wir mehr Zuschriften bekommen. Zuschriften im Übrigen.

Speaker: an.

Speaker: Post.

Speaker: freigestellt minus

Speaker: podcast .de, da freuen wir uns immer drüber, über Lob, über Kritik.

Speaker: über Themenvorschläge.

Speaker: Alles herzlich.

Speaker: Gerne, willkommen, wir lesen jede Mail.

Speaker: Genau. Und wir haben auch noch ein paar Ideen, was wir statt der Blitzgedanken anders machen könnten. Aber da warten wir mal, wie sich das entwickelt und halten euch auf dem Laufenden.

Speaker: Aber kommen wir jetzt erstmal zu...

Speaker: unserem Thema und dieses Thema, Paul, ist...

Speaker: Das, was dir wohl im Augenblick...

Speaker: Am häufigsten als Anfrage von deinen Kundinnen und Kunden.

Speaker: begegnet. Was ist das?

Speaker: Naja, also was ich momentan viel bearbeite und ich sage immer so ein bisschen salopp, womit ich momentan meine Familie ernähre, ist so das Thema, wieso tust du das? Also das hast du ja eben schon so in deiner Einführung geschildert, dass du manchmal dann deinen Bekannten, den Eltern gegenüber gestanden hast und gesagt hast, was ist denn hier los, wieso verhaltet ihr euch so, wie ihr euch verhaltet?

Speaker: Und das ist...

Speaker: Eine Kernfrage im pädagogischen Alltag, die immer wieder ihren Niederschlag in Fortbildungsanfragen findet, wo also Teams auf mich zukommen und sagen, wir möchten uns damit auseinandersetzen, das Verhalten von Kindern zu verstehen und vor allem herausfordernd das Verhalten von Kindern zu verstehen.

Speaker: Ich übersetze das mal mit dem herausfordernden Verhalten.

Speaker: Das ist DER Moment.

Speaker: Wo ich mich...

Speaker: Als...

Speaker: Teammitglied als Erzieherin, als Erzieher hinsetze und sage,

Speaker: Boah, geht mir das Kind gerade auf den Sack. Ich würd's am liebsten.

Speaker: Erwürgen.

Speaker: Vielen Dank.

Speaker: Sollte man aber nicht machen. Ja genau, also du merkst mich so nicht. Ich zöger gerade ein bisschen, ob ich jetzt das Jugendamt anrufen soll und sagen muss, Müller -Jentsch wirkt Kinder.

Speaker: Scherz beiseite. Das sind genau die Situationen, wo...

Speaker: einzelne Teammitglieder oder ganze Teams an die Grenzen ihrer Handlungsfähigkeit kommen, wenn bestimmte Verhaltensweisen von Kindern, die als schwierig empfunden werden, als herausfordernd empfunden werden, sich einfach nicht abstellen lassen.

Speaker: Wenn Kinder immer wieder Verhaltensweisen zeigen, die das ganze System so an den Rand...

Speaker: Das war unsere eigene Sprache. Genau, und ich muss ja...

Speaker: Als Erzieherin, als Erzieher und als Team von der rohen Emotion, die ja durchaus hochkochen.

Speaker: Darf?

Speaker: muss ich in der Lage sein, das zu übersetzen.

Speaker: in ein planvolles professionelles Verhalten, was im besten Falle

Speaker: Vielen Dank.

Speaker: Dazu führt...

Speaker: dass ich mit...

Speaker: dem Kind so arbeiten kann,

Speaker: dass genau dieses Verhalten, was mich auf die Palme bringt,

Speaker: reduziert wird.

Speaker: Genau, das ist...

Speaker: Der Punkt, den du da ansprichst, das ist erstmal...

Speaker: wichtig, aus der Emotion eine Aktion ableiten zu können. Also Emotionen sind wichtig. Wenn wir uns an die Folge mit Tom Küchler erinnern vor...

Speaker: Keine Ahnung, zwei, drei Folgen von ein paar Monaten, genau. Tom, da ging es ja auch darum, was mache ich eigentlich, wenn mich ein Gegenüber, in dem Fall war es ja eine Kollegin oder ein Kollege, wenn die mich so richtig triggern und ich am liebsten in meine Emotionen drin bleiben würde. Und Tom hat uns ja geraten, Emotionen wahrzunehmen und auch sich klarzumachen, da ist jetzt ein Verhalten, das mich wirklich herausfordert, was mich vielleicht wütend, ratlos, traurig, ängstlich macht, was auch immer.

Speaker: Und dann aber auch was daraus zu tun.

Speaker: Und...

Speaker: nach diesem Schritt die Emotionen wahrzunehmen und ins Tun kommen.

Speaker: Da entscheidet es sich aber ein bisschen.

Speaker: Die allermeisten Fachkräfte oder Teams kommen eigentlich sofort in Aktion.

Speaker: Also wenn das... Ich bleib mal bei einem...

Speaker: Prototypischen Fall, es gibt ein Kind, was...

Speaker: Dazu neigt, andere Kinder grundlos oder für uns unersichtlich grundlos zu hauen.

Speaker: Letzte Woche war ich in einem Team, die haben mir geschildert, da gibt es einen kleinen Jungen, nennen wir mal Julian, der heißt so nicht, aber wir bleiben mal hier bei dem Namen Julian.

Speaker: Geht an anderen Kindern vorbei, wollte eigentlich auf Toilette gehen.

Speaker: Und andere Kinder, die am Tisch sitzen und spielen, kriegen von Julian eine auf den Hinterkopf gehauen. Und das macht Julian immer wieder.

Speaker: Ohne erkennbaren Grund. Ohne erkennbaren Grund. Und das ist natürlich für alle Beteiligten ein Problem. Für das Team, für die anderen Kinder, für die involvierten Eltern, eigentlich auch für Julian, weil Julian sich damit ein Stück weit ausschließt aus der Gruppe und auch so ein bisschen zum Problembären wird in der Gruppe.

Speaker: Jetzt gehen die allermeisten hin und handeln unmittelbar. Also Julian kriegt entweder eine Strafe oder eine Sanktion oder ein Elterngespräch oder was auch immer. Also irgendwas wird getan. Es kommt auf die...

Speaker: Auf die Aktion folgt sofort eine Reaktion. Die allerwenigsten Teams und Fachkräfte sind allerdings in der Lage, einen Schritt zurückzutreten und sich zu überlegen, warum handelt Julian eigentlich so, wie er handelt.

Speaker: Und das ist eine Grundvoraussetzung dafür, dass es ein planvolles Vorgehen geben kann.

Speaker: um das Verhalten von Julian abzustellen.

Speaker: Ich würde da auch...

Speaker: mal gerade noch versuchen, das zu übersetzen. So wie ich es gehört habe, wenn...

Speaker: Ich sofort in die Aktion gehe.

Speaker: Und...

Speaker: Julian eben zum Beispiel bestrafe.

Speaker: Dann ist die Gefahr groß, dass das...

Speaker: Ein impulsives Handeln ist und kein planvolles Handeln. Genau.

Speaker: Und...

Speaker: Das ist ja was, das ich im Grunde genommen durch...

Speaker: fast alle Folgen

Speaker: unseres Podcasts bisher durchzieht, es ist eigentlich immer besser vorbereitet zu sein und immer besser

Speaker: einen Plan zu haben. Ja oder zumindest zu entwickeln.

Speaker: Ja.

Speaker: Ja.

Speaker: Und ich glaube...

Speaker: Der Plan hat sogar...

Speaker: Einen Namen.

Speaker: Vielen Dank.

Speaker: Das Instrument, mit dem ich...

Speaker: viel Arbeit und das hilft, diesen Plan zu entwickeln, nennt sich HeVeKi. HeVeKi ist eine schön handliche Abkürzung für ein Programm, das wurde in Freiburg an der Evangelischen Hochschule Freiburg entwickelt. Dort gibt es das

Speaker: FKJ, das ist das Zentrum für Kinder - und Jugendforschung. Und dort haben Hochschulwissenschaftler, die einen Praxisbezug haben, also selber in der Kinder - und Jugendarbeit gearbeitet haben, dieses Programm entwickelt.

Speaker: Der eigentliche Name des Programmes heißt

Speaker: herausforderndem Verhalten von Kindern ressourcenorientiert begegnen.

Speaker: Da drin stecken eigentlich zwei Punkte. Erstens mal zu sagen, oder drei Punkte, wenn man es genau nimmt. Erstens mal zu sagen,

Speaker: Das Kind ist nicht das Problem, das Verhalten ist ein Problem und zwar in dem Setting, in dem sich das Kind gerade befindet.

Speaker: Also Julian handelt aus irgendeinem Grund heraus.

Speaker: Wenn das Verhalten sich ja abstellen ließe mit einer Strafe oder mit Schimpfe,

Speaker: Dann wäre es ja einfach, dann würde Julian das ja nicht mehr tun. Wir wissen aber alle, in der Regel wird sich dieses Verhalten dadurch nicht verändern. Also wir müssen das anders angehen. Wir müssen also erstens mal überlegen, warum verhält sich Julian so?

Speaker: Vielen Dank.

Speaker: Und verhält er sich vielleicht in anderen Settings ganz anders. Es könnte ja sein, dass er das zum Beispiel nur in einer großen Kindergruppe von 20 Kindern tut, zu Hause, wo er mit seinen wichtigen Bezugspersonen allein lebt. Na gut, er kann das vielleicht nicht tun, mangels anderer Kinder, aber selbst wenn er zwei Geschwister hätte, verhält sich Julian vielleicht nicht.

Speaker: zufällig aggressiv.

Speaker: Also ich übersetze nochmal.

Speaker: Es ist...

Speaker: nicht der

Speaker: Der Charakter...

Speaker: Von Julian.

Speaker: der ihn böse sein lässt?

Speaker: Vielen Dank.

Speaker: sondern

Speaker: Es ist ein Verhalten und dieses Verhalten

Speaker: hängt von der Umgebung ab. Also auf dem Spielplatz wäre es möglicherweise wieder anders, vielleicht ist es schon in der Kita draußen, im Garten anders, aber in dem Raum, in dem Setting.

Speaker: Da tritt das Verhalten auf.

Speaker: Da lohnt es sich.

Speaker: auch das Setting anzugucken.

Speaker: Genau. In diesem Setting ist das Verhalten.

Speaker: Wir versuchen es als herausfordernd zu bezeichnen, um einfach auch ein positives Mindset zu haben. Das fordert mich heraus. Da drin steckt auch die Idee, dass ich als Fachkraft jetzt etwas tun muss. Natürlich bin ich angefordert. Ich kann ja nicht einfach zulassen, dass dieses Verhalten fortdauert.

Speaker: Aber ich muss dieses Verhalten ressourcenorientiert bearbeiten.

Speaker: Also in dem...

Speaker: Namen HeVeKi steckt ressourcenorientiert drin. Es geht diesmal allerdings nicht um die Ressourcen von Kindern.

Speaker: Also in der Pädagogik spricht man ja oft von Ressourcenorientierung, wenn es darum geht, ich möchte dich, Sascha, in deiner Entwicklung begleiten, gucke ich nach deinen Ressourcen. Hier geht es darum, dass ich gucke, was kann ich denn, welche Ressourcen habe ich als Fachkraft oder wir als Team, als Einrichtung denn, um diesem Verhalten von Julian zu begegnen.

Speaker: Und dazu gehört auch erst einmal das Verhalten von Julian zu verstehen, denn jedes Verhalten hat einen Grund.

Speaker: Und für jeden Menschen auch erstmal einen Sinn. Also dass Julian sich so verhält, andere Kinder...

Speaker: zu hauen oder zu provozieren, ist für ihn aus irgendeinem Anlass heraus erstmal sinnvoll.

Speaker: Und das muss ich verstehen, um mit Julian daran arbeiten zu können, dieses Verhalten.

Speaker: Und da hilft HeVeKi bei als Tool, was Teams...

Speaker: lernen und implementieren können.

Speaker: Ich würde gerne nochmal kurz, weil du jetzt sehr oft das...

Speaker: Wort Ressourcen verwendet hast, genau...

Speaker: da drauf kommen. Also die Ressourcen

Speaker: die ich selber habe, die sind ja limitiert. Die sind schon allein deswegen limitiert, weil Julian nicht mein alleiniges Kind ist.

Speaker: Sondern...

Speaker: Ich.

Speaker: mit meiner Kollegin, mit meinem Kollegen für 20 oder vielleicht sogar 25 Kinder in einer Gruppe verantwortlich bin, denen muss ich auch allen gerecht werden.

Speaker: Nur limitierte Ressourcen.

Speaker: Du selber hast vielleicht nur limitierte Ressourcen, aber das ganze Team hat ja mehr Ressourcen. Das, was du gerade schilderst, ist so eine typische Falle, in die viele Fachkräfte mit Kindern mit auffälligem oder herausforderndem Verhalten reintappen, das nämlich zu ihrem Problem zu machen. Und erst recht, wenn Kitas noch im klassischen Gruppenverbund arbeiten, dann heißt es, Sascha, dein Julian hat meine Marie gehauen, schon wieder.

Speaker: Du musst mit den Eltern ein Gespräch führen, da muss endlich was geschehen oder du musst endlich mal mit Julian klarkommen. Also du wirst im Prinzip als Fachkraft, die für Julian zuständig ist, angesprochen und gerätst unter Druck, weil du was tun musst. Wir haben allerdings noch gar nicht betrachtet, ob Julian vielleicht in einem anderen Setting, vielleicht auch unter Beobachtung einer anderen erwachsenen Person, im Kontakt mit einem anderen Erzieher dieses Verhalten gar nicht zeigen würde. Außerdem kann es ja auch sein, wenn wir den Schritt machen,

Speaker: das Verhalten von Julian zu verstehen, dass du schon so in der

Speaker: Bei uns zu Hause würde man sagen im Rorges, also so in der Wut drin bist. Ich bin so involviert. Genau, du bist so involviert, dass du gar nicht mehr die Ressourcen, also die Möglichkeit hast, einen Schritt zurückzutreten und zu sagen, okay, möglicherweise ist Julians Verhalten Ausdruck von fehlgeleiteter Kontaktaufnahme oder von einem Bindungsbedürfnis oder sowas, dass du das gar nicht mehr sehen kannst und deswegen uns andere Kollegen...

Speaker: brauchst, um

Speaker: Den Blick auf Julian zu verändern. Also im Prinzip soll HeVeKi auch helfen, dieses Problem des herausfordernden Verhaltens zu teilen. Denn oft sind einzelne Fachkräfte damit alleingelassen und geraten dann ganz schnell in die Überforderung und in die Wirkungslosigkeit heran. Und da sind wir auch.

Speaker: Bye.

Speaker: unserem Podcast -Thema, nämlich ein Podcast für Kita -Leitungen.

Speaker: Vielen Dank.

Speaker: Und...

Speaker: Das heißt...

Speaker: Die Kita -Leitung.

Speaker: kann

Speaker: Also sie muss von dieser Situation erfahren.

Speaker: Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass das auf die eine oder andere Weise sowieso passiert.

Speaker: Ja.

Speaker: Aber...

Speaker: Es ist dann quasi Aufgabe der Kita -Leitung.

Speaker: Vielen Dank.

Speaker: das Problem von den Schultern des einzelnen Mitarbeitenden wegzunehmen.

Speaker: und zu gucken, wie können unsere gemeinsamen Ressourcen helfen, diese Situation zu verändern.

Speaker: Genau. Das ist ein...

Speaker: eine sehr gute Beschreibung dazu, wie dieses HeVeKi funktioniert, dieses Problem oder diese Herausforderung, diese Aufgabe zu sozialisieren in einem Kita -Team. Und dafür bietet HeVeKi mit einem

Speaker: Ablauf, ein Modell, das also

Speaker: Kitas lernen, wo sie drin geschult werden von ausgebildeten Multiplikatoren und somit in die Lage versetzt werden, ganz gezielt zu gucken, was machen wir denn jetzt mit diesem Verhalten. Und der erste Schritt ist schon mal...

Speaker: Mh.

Speaker: ganz genau hinzugucken, in welchen Situationen, an welchen

Speaker: Tagen, zu welchen Uhrzeiten, in welchen Settings, mit anderen Kindern, mit Erwachsenen, zeigt sich dieses Verhalten denn?

Speaker: Also...

Speaker: Wenn so ein...

Speaker: Problemverhalten klassischerweise beschrieben wird, dann höre ich ganz oft

Speaker: Ja, wir wissen gar nicht, was das aus ist. Der zeigt das immer, der macht das immer. Der kommt immer vorbei und haut die anderen Kinder. Der kommt immer vorbei und schmeißt auf dem Bauteppich den Turm um.

Speaker: Ja.

Speaker: Und...

Speaker: Oftmals stellt sich raus, dass also...

Speaker: viele im Team von Julian, von unserem

Speaker: Beispiel Julian, schon mal gehört haben, auch über Klagen oder Beschwerden der anderen Teammitglieder, aber eigentlich noch gar nicht so richtig wahrgenommen haben, was Julian eigentlich tut. Und wenn die Teams anfangen, miteinander darüber zu reden, gibt es vielleicht die eine Kollegin, die sagt, ich habe Julian neulich draußen im Garten beobachtet.

Speaker: Da hat er ganz wunderbar mit den anderen gespielt. Da ging er an einer Kindergruppe vorbei, die hatte ein Stöcke -Tipi gebaut. Da hat Julian interessiert zugeguckt und ist weitergegangen. Da kam er also ohne Aggression an anderen Kindern vorbei.

Speaker: Und auf einmal merken wir, wenn diese Beobachtungen nebeneinander liegen, die eine Kollegin sagt, der haut immer die Türme um oder der haut immer die Kinder, die andere Kollegin sagt, nein, draußen im Garten sehe ich.

Speaker: das klappt, auf einmal merken wir, der macht das gar nicht immer, sondern der macht das unter bestimmten Voraussetzungen. Genau, ich komme jetzt mal von der nerdigen Software -Ecke. Und da gibt es im Grunde genommen...

Speaker: Ja, genau dasselbe. Das Untersuchen, wann...

Speaker: Bei der Software ist es ein Fehler. Bei Kindern würde ich nicht von Fehlern sprechen, sondern von Verhalten. Aber bleiben wir bei der Softwareanalogie. Wir kriegen eine Meldung.

Speaker: Dieses und jenes.

Speaker: funktioniert nicht.

Speaker: Und das erste, was wir machen, ist, das sehr strukturiert zu überprüfen und zu versuchen, das zu reproduzieren.

Speaker: Ich reproduziere da natürlich das Verhalten.

Speaker: von Julian.

Speaker: Aber ich versuche mir die Umstände, unter denen das Verhalten entsteht, möglichst genau anzugucken.

Speaker: Ja, das.

Speaker: kann eben zum Beispiel auch so was sein wie

Speaker: Der Durchgang.

Speaker: Zwischen den Stühlen.

Speaker: Und...

Speaker: Der Wand ist so eng, dass...

Speaker: vielleicht da das Problem liegt und Julian fühlt sich nicht mehr wohl.

Speaker: durch diesen engen Korridor zu gehen und dadurch reagiert er. Also wirklich genau gucken, was könnte hier der Auslöser sein. Ich gucke genau hin und das war auch ein ganz spannender Punkt.

Speaker: Punkt, als wir das dann zusammengetragen haben, diese Beobachtung zu Julian, da sagte die eine Kollegin, sie hat mit Julian ein Agreement getroffen, sie waren draußen zusammen, Julian musste auf Toilette, sie sind zusammen an die Verandatür der Kita -Gruppe gegangen, die Kollegin sagte, gell Julian, und drinnen spielten Kinder an dem Tisch, das war die Situation, wo ich eben sagte, er ging vorbei, hat jemanden gehauen, die Kollegin sagte,

Speaker: Du gehst zur Toilette, du gehst durch die Gruppe durch, du haust niemanden, du tust niemanden, du gehst einfach an den Kindern vorbei zur Toilette. Ich bleibe hier stehen, ich gucke nach dir, dir passiert nichts.

Speaker: Julian ist dann losgegangen.

Speaker: hat ihm vorbeigehenden Kindern, die da saßen, eine mitgegeben, ist dann auf Toilette gegangen.

Speaker: Nachher kam er zurück zu der Erzieherin und die Erzieherin fragte,

Speaker: Julian, wir hatten doch eine Abmachung. Du hast gesagt, du schaffst das.

Speaker: Du hast gesagt, du haust die anderen nicht, du bist vorbeigegangen und hast gehauen. Hat er gesagt, ja, ich habe dich da nicht mehr gesehen.

Speaker: Vielen Dank.

Speaker: Und...

Speaker: Ob das jetzt eine schlüssige Erklärung ist für Julian's Hauen oder nicht, ist ja nicht die Frage, aber es hätte dazu geführt.

Speaker: Oder es hat bei der Kollegin dazu geführt, dass sie sagte, okay, das nächste Mal gehe ich mit dir bis zur Toilette.

Speaker: Und lasse dich da dann erst allein.

Speaker: Vielen Dank.

Speaker: Also...

Speaker: Es lohnt sich immer mal wieder ins Gespräch darüber zu kommen, welche Verhaltensweisen zeigen die Kinder eigentlich wirklich. Weil diese Beobachtung, dass Julian der Kollegin gesagt hat, warum er die Kinder gehauen hat, wäre, wenn wir nicht darüber gesprochen hätten, niemals bei der Kollegin, die dieses Problem gemeldet hat, angekommen.

Speaker: Das ist der erste Punkt.

Speaker: Vielen Dank.

Speaker: Vielen Dank.

Speaker: Der nächste Schritt ist dann...

Speaker: Wenn wir also diese Beobachtung und Kontext...

Speaker: Jetzt habe ich mich verhaspelt, wenn wir diese Beobachtung...

Speaker: kontextualisieren und

Speaker: Also wir versuchen den Kontext herzustellen, man zeigt sich das Verhalten und ist es überhaupt wirklich wahr, dass dieses Verhalten immer wieder auftritt. Dann überlegen wir als nächstes.

Speaker: Warum?

Speaker: tritt dieses Verhalten auf.

Speaker: Ich sagte eben schon mal, jedes Verhalten hat einen Grund. Der muss nicht immer passend sein, der muss auch nicht immer konstruktiv sein, aber er ist erstmal da.

Speaker: Und um diesen Grund rauszufinden, bietet HeVeKi eigentlich zwei...

Speaker: Erklärungsansätze an.

Speaker: Die klingen jetzt komplizierter, als sie eigentlich sind. Das eine ist ein sogenanntes biopsychosoziales Modell.

Speaker: Also wir überlegen, gibt es bestimmte Dinge in Julians innerer Verfasstheit, in seiner Körperlichkeit oder in seinem Weltbild oder auch in seinem sozialen Umfeld, die dazu führen könnten, dass Julian sich so verhält, wie er sich verhält. Also ich kenne Familien, bei denen ist es völlig normal, dass man sich anschreit.

Speaker: Also die meinen das nicht böse miteinander, sondern da sind schon die Eltern angeschrien worden und die schreien ihre Kinder an und die schreien wiederum ihre Kinder an. Da hat man immer so gelernt. Genau, das ist so. Und da muss man sich vielleicht auch nicht wundern, wenn auch...

Speaker: Diese Kinder, die zu Hause schreiend sozialisiert werden, in der Kita rumschreien, wenn sie was wollen, was gar nicht Aggression ist, sondern normale...

Speaker: Da kommen wir zu einem Punkt, wo ich immer gerne sage, dass es...

Speaker: Das ist Standard.

Speaker: in die Lage eines Kindes versetze, das...

Speaker: Kind beobachtet täglich zu Hause, was da passiert. Und das ist für das Kind...

Speaker: Normal.

Speaker: 0.

Speaker: Vielen Dank.

Speaker: Und alles andere, was später dazu kommt,

Speaker: In der Schule, in...

Speaker: Im Erwachsenenfall, das weicht alles...

Speaker: Oder das wird erst mal verglichen mit dem Standard, mit Normal Null. Und wenn Normal Null anschreien ist...

Speaker: Vielen Dank.

Speaker: Tschüss.

Speaker: Gott behüte.

Speaker: vielleicht sogar Ohrfeigen.

Speaker: Dann...

Speaker: Ist das das, was das Kind erstmal versteht? Also das ist doch vollkommen selbstverständlich. Und dann muss das Kind eben, und das ist auch völlig normal und Kinder können das, die lernen dann eben neben dem Normal in der Familie, dem Normal zu Hause, gibt es ein Normal im Kindergarten. Und es gibt ein Normal später in der Schule.

Speaker: Und ich spreche immer davon, das passt zu deiner Computernerdie -Idee von eben, ich rede immer davon, Kinder haben verschiedene Betriebssysteme.

Speaker: Die haben ihr Kita -Betriebssystem und die haben ihr Familienbetriebssystem und spannenderweise haben Kinder auch oft noch ihr Kumpelbetriebssystem. Also dann, wenn sie mit ihren besten Freunden zusammen sind oder Freundinnen zusammen sind. Wir dürfen nicht immer über die Jungs reden. Es gibt diese drei Welten, mindestens diese drei Welten in dem Erlebnis von Kindern und in jeder Welt gelten andere Regeln, verhalte ich mich anders, gelten andere Sozialisationen und Zusammenhänge.

Speaker: Wir als erwachsene Menschen, wir können es ja ständig in verschiedenen Rollen bewegen. Wenn ich jetzt hier mit dir sitze, kollegial.

Speaker: Und dann gelten für mich andere Regeln, als wenn ich heute Abend zu Hause mit meiner Frau beim Abendbrot sitze oder wenn ich im Büro gesessen habe und mit meinen Kollegen auf der Arbeit gesprochen habe. Das sind verschiedene Welten und als Sozialkompetenten...

Speaker: Kompetenter Mensch, bist du in der Lage, zwischen diesen Welten zu wechseln und einzuschätzen, jetzt bin ich...

Speaker: kollegial unterwegs, jetzt wird von mir das und das erwartet, jetzt bin ich Partner, jetzt wird von mir das und das erwartet. Aber das lernt man erst mal. Genau, ich würde da auch noch sagen,

Speaker: Deben.

Speaker: im Kindergartenalter.

Speaker: Ist das notwendig? Einfach?

Speaker: auf der funktionellen ebene ich

Speaker: Ich.

Speaker: Ich erarbeite mir als Kind...

Speaker: Diese drei Betriebssysteme.

Speaker: Weil ich weitergehend noch gar nicht reflektieren kann. Also wir wissen ja, dass die Selbstreflektion erst so, ich glaube, mit neun oder zehn Jahren beginnt.

Speaker: Und...

Speaker: Ich erst ab da.

Speaker: in der Lage bin, mich wirklich von außen zu betrachten.

Speaker: Und...

Speaker: Dann eben zum Beispiel auch diese Welten.

Speaker: diese Betriebssysteme intellektuell abzugleichen.

Speaker: daraus zum Beispiel eine Ethik zu entwickeln. Als Kindergartenkind

Speaker: Kann ich das alles noch nicht? Da muss ich erst mal nur funktionieren.

Speaker: Ja, das

Speaker: Da handele ich nach dem.

Speaker: was jetzt gerade mein Bedürfnis ist.

Speaker: Vielen Dank.

Speaker: Und wichtig dabei ist...

Speaker: dass ich dann aufmerksame und kompetente und wohlwollende Erwachsene, in der Regel dann im Kindergarten Fachkräfte an meiner Seite habe, die mir helfen, das erstmal zu regulieren und zu üben, mich zwischen diesen Welten zu bewegen. Also die erstmal in der Lage sind zu verstehen.

Speaker: Der Julian, wenn der haut, dann handelt, also das ist ja jetzt nur eine Idee, dann handelt der möglicherweise, weil es für ihn normal ist.

Speaker: Über Körperlichkeit

Speaker: Seine Emotionen auszudrücken. Und dann habe ich als Pädagoge, als pädagogische Fachkraft die Aufgabe mit Julian nachzulernen, dass ich meine Emotionen eben nicht über Körperlichkeit ausdrücke, sondern erstmal...

Speaker: Sprachlich Ausdrücke, aber dafür muss ich erst mal werben.

Speaker: verbal fit genug sein. Dafür muss ich ja erstmal Emotionen verstehen. Ich muss also wissen, wie fühlt sich eigentlich

Speaker: Wie fühlt es sich an, wenn ich wütend bin? Und wenn ich das Gefühl Wut habe, muss ich das erstmal ausdrücken, aussprechen können.

Speaker: Da kommen auf einmal ganz viele pädagogische Themen hoch, die aber alle davon ausgehen,

Speaker: dass ich...

Speaker: Über die Erklärung...

Speaker: Hier in dem Beispiel über das biopsychosoziale Modell verstehe, dass Julian zum Beispiel so handelt, weil das für ihn in seiner Familienwelt normal sein könnte.

Speaker: Das ist ja...

Speaker: Eine Hypothese. Also wir sind ja gerade auf der Ebene.

Speaker: Das...

Speaker: verschiedene Teammitglieder, dann eventuell eben auch unterschiedliche Hypothesen.

Speaker: entwickeln, was hinter dem Verhalten steht.

Speaker: Wir sind sogar noch einen Schritt vorher. Ich habe ja gesagt, das biopsychosoziale Modell ist ein Erklärungsansatz. Es gibt auch noch den Erklärungsansatz der sogenannten seelischen Grundbedürfnisse von Kindern.

Speaker: Das ist auch in HeVeKi implementiert, also auch eingebaut und bedeutet im Prinzip, dass wir Menschen alle und Kinder in spezifischer Form, also in kindlicher Form über bestimmte Grundbedürfnisse verfügen.

Speaker: die erfüllt sein müssen, damit ich in einem inneren und äußeren Gleichgewicht bin und mich gut entwickeln kann.

Speaker: Und eines dieser Grundbedürfnisse...

Speaker: ist zum Beispiel Bindung

Speaker: und Zuwendung durch Erwachsene.

Speaker: Vielen Dank.

Speaker: Jetzt könnte es ja sein...

Speaker: Das.

Speaker: Julian?

Speaker: sein.

Speaker: Bedürfnis nach Zuwendung durch Erwachsene, durch gebundene Personen so ausdrückt, dass er also durch ein Verhalten

Speaker: Aufmerksamkeit haben will. Das ist auch so etwas, das höre ich ganz oft, der will ja nur Aufmerksamkeit. Ja, Kinder wollen Aufmerksamkeit. Und manche Kinder kriegen Aufmerksamkeit, indem sie lieb zu dir sind oder dir ein Buch bringen und dich nämlich auf die Couch setzen und sagen, Paul, lies mir aus dem Buch vor. Das ist eine soziale angemessene Form von Aufmerksamkeit.

Speaker: Es gibt auch Kinder, die können das nicht und die hauen dann anderen Kindern auf die Nase und kriegen dann ihre Aufmerksamkeit. Oder machen was kaputt. Machen was kaputt oder schreien rum oder was auch immer.

Speaker: Das könnten also verschiedene Erklärungsstränge für das Verhalten von Julian sein.

Speaker: Und...

Speaker: eWiki hilft also mit strukturierten Fallberatungen.

Speaker: Mit einem ganz...

Speaker: Klaren und Moderierten durchgehen, durch eine Fallberatung sich zu überlegen, könnte das Verhalten möglicherweise in dieser Ursache liegen, könnte das Verhalten in dieser Ursache liegen, wissen wir überhaupt genug über Julian, über seine Lebensumwelt und ähnliches und welche Hypothese bilden wir. Und das ist das, was du eben auch angesprochen hast.

Speaker: Das kann eine von mehreren Möglichkeiten sein.

Speaker: Es muss aber nicht die Wahrheit sein.

Speaker: Aber wenn ich eine Hypothese gebildet habe oder im Team der Fallberatung vielleicht sogar drei, vier Hypothesen,

Speaker: gebildet habe, picke ich mir meine wahrscheinlichste, wir nennen es ganz bewusst Lieblingshypothese raus und sage, okay, ich gehe jetzt mal davon aus, das liegt im biopsychosozialen Modell, das ist Julians Art und Weise, Emotionen zu äußern, indem er körperlich wird.

Speaker: Und dann...

Speaker: fange ich an, gezielt mit den Kollegen zusammen einen Arbeitsplan zu entwickeln. Was machen wir jetzt? Am besten alle, um Julian zu helfen, Emotionen wahrzunehmen, Emotionen zu verbalisieren.

Speaker: andere Formen von Emotionsausdruck zu entwickeln.

Speaker: als Schläge zu fällen.

Speaker: Bevor wir jetzt ins Handeln...

Speaker: kommen oder in die Umsetzung.

Speaker: Ähm.

Speaker: Würde ich gerne nochmal...

Speaker: sagen.

Speaker: Die Lieblingshypothese ist natürlich nicht die Lieblingshypothese, weil sie mir am besten gefällt, sondern weil am meisten dafür spricht.

Speaker: Genau, wobei ich schon ein Freund davon auch bin.

Speaker: Das klingt jetzt auch wieder ein bisschen sperrig, aber den Fallgeber die Lieblingshypothese rausbringen.

Speaker: raussuchen zu lassen. Es gibt so aus der systemischen Arbeit wieder eine Hypothese, die heißt

Speaker: Wer das Problem kennt, kennt meistens auch die Antwort oder die Lösung des Problems. Also die Personen, die einen Fall wie Julian in eine Fallberatung einbringen, die sind in der Regel besonders involviert. Die wissen ein bisschen mehr über den Fall. Die wissen mehr über Julian, über die Familie, über das Setting. Die haben mehr Daten. Die haben mehr Daten, genau.

Speaker: Vielleicht auch im Hinterkopf oft nur. Aber wenn die sagen, okay, ich möchte hier ansetzen.

Speaker: dann stärkt das diese Person, auch wenn das ganze Team sagt, okay, wir tragen deine Idee mal mit, lass uns zusammen einen Plan schmieden.

Speaker: Hm?

Speaker: Mhm.

Speaker: Und das ist dann der nächste Schritt bei Hewiki, dass es also nicht jetzt einfach nur darum geht, Julian eine Auszeit zu verpassen, wenn er mal wieder Kinder schlägt, sondern wir gehen ja jetzt davon aus, Julian...

Speaker: braucht Möglichkeiten.

Speaker: Gefühle.

Speaker: wahrzunehmen, zu erfahren, zu verbalisieren

Speaker: Wie machen wir das? Und dann handeln alle nach diesem Plan.

Speaker: Vielen Dank.

Speaker: Dann...

Speaker: gehen alle auf Julian zu, wenn sie ihn sehen und sagen,

Speaker: Wie fühlst du dich? Welches Gefühl hast du jetzt gerade? Wie kannst du das Gefühl beschreiben? Kannst du dem Gefühl vielleicht eine Farbe geben oder was auch immer? Da gibt es ja dann gezielte Programme.

Speaker: um

Speaker: Emotionsentwicklung zu fördern. Die kann ein Team sich raussuchen.

Speaker: Und das könnte eine Möglichkeit sein und das ist eben die Idee zu sagen, ressourcenorientiert, das was ich gerade beschrieben habe als Beispiel, das kann jedes Team, man kann sich gemeinsam verabreden.

Speaker: Die andere Idee, die ich eben schon mal skizziert hatte, es gibt immer jemanden, der neben Julian hergeht und ihn quasi stoppt, bevor er andere Kinder haut. Das hat ja was von...

Speaker: Also wohlwollend ausgedrückt Einzelintegration, mies ausgedrückt von Einzelhaft, das ist nicht realisierbar.

Speaker: Ja, und es hätte auch was eher von einem Hund dressieren, als ein Kind in seiner Entwicklung zu finden. Genau. Und das ist nicht ressourcenorientiert. Also das ist vor allem nicht ressourcenorientiert auf...

Speaker: Im Hinblick auf die Kita, weil was machen wir denn, wenn die Kollegin, die immer neben Julian hergeht, mal krank wird?

Speaker: Ciao.

Speaker: Dann haben wir schon Teamausfälle und dann müssen wir auch noch jemanden für Julian abstellen. Also da wird schräg. Das ist nicht ressourcenorientiert. Das macht man nicht. Und wenn wir dann einen Plan haben, der...

Speaker: Wenn die entsprechende Hypothese, Julian hilft, unseren Ressourcen entspricht, dann setzen wir den Plan um. Und was ganz wichtig ist, das vergessen viele.

Speaker: Ähm.

Speaker: Wir gucken in sechs, acht, zehn Wochen nochmal drauf. Wir setzen uns nochmal zusammen. Die Kollegin, die den Fall damals eingebracht hat, bringt ihn wieder ein und wir gucken zusammen, hat sich was verändert?

Speaker: Vielen Dank.

Speaker: Häufig verändert sich was. Allein schon durch diese Hinwendung zum Kind verändert sich vieles. Aber vielleicht ist noch nicht der Effekt eingetreten, den wir haben wollten. Vielleicht müssen wir die Maßnahme verändern.

Speaker: Also vielleicht hat es einfach noch nicht funktioniert, Julian mit seinen Emotionen zu stärken oder wir müssen vielleicht die Hypothese beiseite legen und eine neue Hypothese wählen. Und das ist auch kein Fehler, eine Hypothese beiseite zu legen, sondern das ist Arbeit, weil wir haben eine Möglichkeit ausgeschlossen.

Speaker: Ein Fehler.

Speaker: in unserer Denkweise weggetan, jetzt wenden wir uns dem Nächsten zu und sind näher an der Lösung dran. Genau, Karl Popper als Philosoph würde jetzt sagen, das ist der einzige Weg, nämlich die Falsifizierung etwas

Speaker: definitiv ausschließen zu können, ist das, was

Speaker: Uns.

Speaker: in der Erkenntnis weiterbringt.

Speaker: Genau.

Speaker: Und mit diesem E -Wiki haben Kitas ein ganz wirksames Tool an der Hand.

Speaker: um

Speaker: Also wieder in die Wirksamkeit reinzukommen, wieder das Gefühl zu haben, wir sind.

Speaker: diesen schwierigen Verhaltensweisen nicht hilflos ausgeliefert. Und viele Kitas...

Speaker: Sagen sie im Gespräch.

Speaker: Sie haben das Gefühl...

Speaker: Diese Verhaltensweisen oder diese auffälligen Kinder werden mehr.

Speaker: Vielen Dank.

Speaker: Datenlagen geben das nicht her.

Speaker: Also.

Speaker: Man weiß aus Erhebungen, dass...

Speaker: Die Belastungsfaktoren für Kinder, die psychischen Belastungsfaktoren für Kinder und Jugendliche während der Corona -Pandemie stiegen und sie sind jetzt wieder auf dem Niveau der Vor -Corona -Zeit. Es gibt einen Anteil von Kindern, die dieses auffällige Verhalten zeigen, aber es sind nicht mehr und es sind auch nicht die Mehrheit der Kinder. Aber die Belastung der Fachkräfte ist gestiegen und damit wird es immer schwieriger für Fachkräfte, sich auf diesen...

Speaker: Ich wollte gerade sagen.

Speaker: Es wird...

Speaker: Gefühlt mehr.

Speaker: Aber dieses...

Speaker: hinter diesem gefühlt Meer steckt.

Speaker: Das...

Speaker: weitere Anforderungen immer wieder hinzukommen, mehr Dokumentation.

Speaker: Höhere Erwartungen von Eltern durch schnellere Kommunikation und, und, und, und, und, und.

Speaker: Und das erhöht meinen Stresspegel.

Speaker: Als Mitarbeiterin, als Mitarbeiter.

Speaker: Und dadurch...

Speaker: Vielen Dank.

Speaker: habe ich nicht mehr so viel, ich nenne es mal in der Boxersprache, Nehmerqualitäten, wenn es um so Stresssituationen mit einzelnen Kindern geht.

Speaker: Ich will jetzt noch mal ganz kurz sagen.

Speaker: Vielen Dank.

Speaker: Wir waren gerade nochmal an diesem Punkt der Wiedervorlage und das ist jetzt dann eben auch wieder ein klassischer Job.

Speaker: von der Kita -Leitung.

Speaker: die eben sagt, selbst wenn es jetzt sich in Wohlgefallen aufgelöst hat,

Speaker: Julian ist jetzt ein Engel.

Speaker: Mach das nicht mehr.

Speaker: Ich hole es trotzdem noch mal als Wiedervorlage acht Wochen später hoch. Ich habe mir das notiert.

Speaker: Und...

Speaker: Und systematisch arbeite ich das nach acht Wochen ab, weil auch wenn es alles super geklappt hat, dann ist die Besprechung, hey, wie haben wir das denn geil hingekriegt, was können wir denn daraus lernen.

Speaker: Für weitere Fälle.

Speaker: Vielen Dank.

Speaker: Dieses Lesson learned ist immer total wichtig, egal ob es geklappt hat sofort, ob man einen kleinen Schritt weitergekommen ist, ob man vielleicht nicht weitergekommen ist, man muss nochmal drauf gucken im Team.

Speaker: Und das ist eine Aufgabe von Kita -Leitung und die andere Aufgabe von Kita -Leitung ist auch für eine ordentliche Moderation in diesen Runden zu sorgen. Sie muss es nicht immer selber tun, manchmal ist Kita -Leitung ja auch involviert, hat etwas beizutragen in der Fallberatung, dann muss eben eben anderes, der kompetent und in der Lage ist.

Speaker: Diese Fallberatung zu moderieren, ran. Aber Kita -Leitung muss auf diesen...

Speaker: Weg auf dieses Verfahren drängen.

Speaker: Okay.

Speaker: Und...

Speaker: Ich habe häufig die Erfahrung gemacht, dass Kita -Teams HeVeKi gut verinnerlichen können, dass diese, ich sag mal ein bisschen platt, die Einsicht HeVeKi zu nutzen da ist, aber dass oft...

Speaker: die Struktur in der Fallberatung verloren geht.

Speaker: Dass man also dann doch wieder vom Stöckchen aufs Hölzchen diskutiert und sich in Schleifen verliert und doch wieder bei schnellen Antworten ankommt. Deswegen habe ich mir in der letzten Zeit vorgenommen,

Speaker: Kolleginnen und Kollegen, die damit arbeiten wollen, einen kleinen digitalen Assistenten zur Verfügung zu stellen. Und ich habe eine App programmiert oder programmieren lassen, muss ich ehrlicherweise sagen.

Speaker: Die...

Speaker: Vielen Dank.

Speaker: Das Kita -Team durch die Fallberatung durchführt Schritt für Schritt mit Fragevorschlägen, mit Hinweisen auf Stolpersteine, mit Regieanweisungen. Diese App ist datenschutzkonform, ist ganz schlank, sammelt keine Daten, braucht keine Cookies, verbindet nichts und niemanden mit dem Internet, zeichnet nichts auf und man kann sie sich runterladen auf meiner Homepage www .wirksamimteam -

Speaker: Stark für Kinder.

Speaker: Vielen Dank.

Speaker: Dort findet man die App.

Speaker: Und wo würde man...

Speaker: Weiterführende Informationen zu HeVeKi an sich finden.

Speaker: Also zu HeVeKi an sich findet man die Informationen auf der Homepage des ZFKJ oder man kann den Begriff HeVeKi auch in eine Suchmaschine eingeben. Da gibt es mittlerweile ganz viele Informationen zu. Es gibt ja eine breite ausgebildete Multiplikatoren -Chart, die man sich also ranholen kann, wenn man sich als Team mit HeVeKi auseinandersetzen möchte.

Speaker: Und ich habe im letzten Jahr noch ein besonderes Angebot zu HeVeKi entwickelt. Ich nenne das, wie ich eben schon mal sagte, wirksam im Team, stark für Kinder. Und das erweitert HeVeKi insofern.

Speaker: dass...

Speaker: Teams Förderung zur Einführung, zur Implementierung von HeVeKi in Anspruch nehmen können.

Speaker: Vielen Dank.

Speaker: Man weiß aus Evaluationen, dass HeVeKi dann wirksam ist, wenn es über einen Prozess begleitet wird. Also nicht nur einen Tag Fortbildung, ja nett, jetzt haben wir HeVeKi, das nächste Tool, was bei uns im Schrank steht, sondern wenn Teams über mehrere Monate darin geschult werden, diese Fallberatung zu machen, das Mindset, die Haltung anzunehmen, Fallberatungen auch zu üben, zu moderieren, zu üben.

Speaker: die Fallberatungen nochmal anschauen, die Review zu machen, wie wir sie eben schon hatten. Und dafür braucht es viel Zeit und es braucht eine lange Prozessbegleitung. Und diese Prozessbegleitung ist teuer.

Speaker: Wenn Leute wie ich oder andere Prozessbegleiter kommen, kostet das jeden Tag einen Haufen Geld.

Speaker: Und...

Speaker: Ich habe deswegen eine Möglichkeit aufgetan, dass eine Krankenkasse HeVeKi -Implementation fördern kann in der Kita mit bis zu 100 Prozent, wenn Kita -Teams sich bereit erklären, zu den eigentlichen HeVeKi -Tagen noch...

Speaker: ein Modul für die Gesundheit von Kindern und Eltern dran zu hängen. Also sich im Prinzip nicht nur mit der Fallberatung beschäftigen, sondern auch sich überlegen, wie kann unser Alltag denn dann zum Beispiel stressfrei gestaltet werden oder das Übergangsmanagement gut gestaltet werden oder Gefühle aus Druck gut gestaltet werden. Wenn Teams da noch ein bisschen Zeit investieren, dann übernimmt sogar die Krankenkasse.

Speaker: Die HeVeKi -Implementation und Informationen dazu bekommt man auch auf www .wirksamimteam -starkfuerkinder .de.

Speaker: Genau, bedeutet.

Speaker: Dann muss ich als...

Speaker: Team als Kita, als Träger.

Speaker: immer noch die Zeit investieren? Ja, die muss ich investieren, das stimmt.

Speaker: Und das Kaffee wäre schön.

Speaker: Aber wenn die Kosten dramatisch reduziert werden dafür,

Speaker: dann ist es natürlich auch.

Speaker: Ja.

Speaker: Sehr wertvoll.

Speaker: Und die Teams, die HeVeKi implementiert haben und regelmäßig damit arbeiten,

Speaker: Die versichern, dass es was macht mit der pädagogischen Arbeit, mit der Qualität und mit dem Wirksamkeitsgefühl der Fachkräfte. Es erfordert Zeit im pädagogischen Alltag, auch das ist Leitungsaufgabe, Fallberatungen beizuhalten, Dienstbesprechungszeit dafür freizuschaufeln. Aber wenn sich das auch ein bisschen routiniert hat, wird der Zeitaufwand geringer.

Speaker: Gewinn ist für jede Kita enorm hoch.

Speaker: Das finde ich ist ein richtig gutes Schlusswort für die Kitas.

Speaker: die es nicht kennen. Es lohnt sich.

Speaker: sich Hiwiki mal anzugucken.

Speaker: einfach mal zu googeln, wie man so schön sagt.

Speaker: und sich ein bisschen genauer damit zu beschäftigen.

Speaker: Ich denke, am Ende ist es was, was...

Speaker: nicht nur

Speaker: dem Team sondern auch den Kindern.

Speaker: absolut helfen kann.

Speaker: Danke Paul.

Speaker: Danke dir Sascha, bis zum nächsten Mal.

Speaker

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