Transcript
Speaker: Freigestellt, der Podcast für Kita-Leitungen.
Speaker: Kompakt, alltagsnah und mit Themen, die manchmal mehr auslösen, als man so denkt.
Speaker: Herzlich willkommen zur dritten Folge.
Speaker: Ich hoffe, ihr habt uns schon abonniert.
Speaker: Ich bin Sascha Müller-Jentsch, Journalist und Inhaber der Kita-Software Clever Kita.
Speaker: Ja, hey, hey, auch von mir herzlich willkommen.
Speaker: Ich bin Paul Hofmann-Driech, ich bin Erzieher und Betriebswirt und ich arbeite landauf, landab als Coach und als Fortbildner in Kitas.
Speaker: Und heute haben wir ein ganz unschuldiges Thema.
Speaker: Das haben wir genannt, ups, zu wenig Personal.
Speaker: Warum gute Maßnahmenpläne echte Entlastung bedeuten.
Speaker: Aber bevor wir damit loslegen, kommen wir erst mal zu unseren Blitzgedanken.
Speaker: Richtig, die Blitzgedanken für heute, die hatten wir das letzte Mal abgefragt und bevor ich zu der Frage komme, muss ich nochmal kurz berichten, wir hatten so ein richtiges Freudeerlebnis.
Speaker: Wir haben nämlich das erste Mal unmittelbar aus unserer Hörerschaft Antwort auf die Blitzgedankenfrage bekommen.
Speaker: Wir hatten ja in den ersten beiden Folgen Fragen so in unserem Umfeld gestreut, das hatten wir auch gesagt, wir haben Kolleginnen und Kollegen angeschrieben und haben um Rückmeldung gebeten.
Speaker: Und jetzt haben wir diese Frage formuliert und das erste Mal kamen direkt unmittelbar über unseren Mail-Account die Antworten und das ist einfach cool, weil wir merken, der Podcast, der verbreitet sich so langsam und ihr beteiligt euch da dran.
Speaker: Ganz super, also danke dafür.
Speaker: Vielen Dank.
Speaker: Ja, die Blitzgedanken, die wir in der letzten Folge abgefragt haben und die wir heute mit euch teilen wollen, das war unsere Frage nach euren Erfahrungen mit dem Eintuppern von Essensresten.
Speaker: Erinnert euch noch, da gab es einen Elternabend, die Eltern fragten mir, meine Kinder, das Essen nicht aufessen, hey, kann ich das nicht mit nach Hause nehmen?
Speaker: Also was haltet ihr davon, ihr liebe Kita-Leitungen vor Ort, das Essen einzutuppern und mitzugeben?
Speaker: Und hier haben wir unsere Rückmeldungen.
Speaker: Claudia arbeitet in einer Kita in Frankfurt und hat geschrieben, in meiner Einrichtung zahlen alle Eltern das gleiche Essensgeld, unabhängig davon, wie viel das Kind isst.
Speaker: Wir haben einen Koch, der für die Kinder und das Team kocht.
Speaker: Alles, was nicht gegessen wurde, können die Eltern mitnehmen.
Speaker: Wir haben einen Vorrat, alter Joghurtbecher, die von den Eltern genutzt werden können.
Speaker: Und es bleibt fast nie Essen am Ende des Tages übrig.
Speaker: Und wenn doch, darf sich unsere Reinigungskraft bedienen.
Speaker: Ich habe gerade so ein ganz lustiges Bild im Kopf mit den Joghurtbecherchen, wenn ich dann an die 75 Milliliter Fruchtjoghurt denke und ich versuche meine drei Kinder daheim satt zu kriegen und ich habe so einen ganzen Korb mit Joghurtbechern, den ich aus der Kita rausschleppe.
Speaker: Aber es ist jetzt nur so mein Hirnfurz, mein Bild im Kopf.
Speaker: Hervorragend.
Speaker: Ja, ich habe noch eine Rückmeldung von Nicole.
Speaker: Auch Nicole leitet eine Kita und sagt, ich erachte das in der Durchführung ziemlich schwierig und ich würde mich dagegen aussprechen.
Speaker: Man müsste meines Erachtens hierfür ein Formular erstellen, wo die Eltern unterschreiben müssten, wenn sie warmes Mittagessen mit nach Hause bekommen.
Speaker: Jetzt stell dir mal vor, ein Kind übergibt sich danach zu Hause.
Speaker: Dann kommt auch schnell die Frage bei den Eltern auf, ob mit dem Essen alles in Ordnung gewesen ist und nimmt automatisch die Kita mit in die Verantwortung.
Speaker: Das Schriftstück müsste die Entbindung der Verantwortlichkeit für die Kita enthalten und in der Durchführung ist das, glaube ich, zu aufwendig.
Speaker: Sagt Nicole.
Speaker: Ich muss gestehen, ich halte das nicht für komplett abwegig, dass man solche Verwaltungsfürze tatsächlich bekommen würde.
Speaker: Ja, da müsste man sich absichern.
Speaker: Aber ich hoffe, ehrlich gesagt, es wird doch etwas pragmatischer gehandelt.
Speaker: Uta ist auch eine Kita-Leiterin und hat uns geschrieben, in unserer Kita gibt es kein Mittagessen.
Speaker: Ansonsten würde ich es gut finden, Eltern die Reste mitzugeben, bevor man das Essen wegwirft.
Speaker: Und da muss ich gestehen, da bin ich komplett bei Uta, weil ich gesehen habe, wie Supermärkte Essen wegwerfen.
Speaker: Noch und nöcher, nur weil vorne alles hübsch sein muss, was hinten beim Supermarkt rauskommt.
Speaker: Das ist wirklich schlimm und das ist eine Essensverschwendung sondergleichen.
Speaker: Und deswegen immer, wenn man Essen nicht wegschmeißt, tut man was Gutes.
Speaker: Ja, ich glaube auch, das ist schon der erste Ansatzpunkt für das Thema Bildung zu nachhaltiger Entwicklung der Kita, sich genau zu überlegen, wie vermeiden wir eigentlich Reste und wenn sie dann doch entstehen, wie gehen wir damit um.
Speaker: Aber es zeigt sich auch aus deiner Rückmeldung, Sascha, es kommt immer darauf an, was jeder persönlich da für ein Thema mit hat, wie wichtig einem das ist, wie man sich da auch mit positionieren möchte und ob man bereit ist, diese Extrameile mehr zu gehen, Joghurtwächer zu sammeln, Formulare zu entwerfen und alles das aufzubauen, was man braucht, um das Essen mitzugeben.
Speaker: Aber gut, manchmal finde ich es wichtig zu sagen, if you don't go, you won't know.
Speaker: Mal ausprobieren mit einem strukturierten Plan und nachdem man im Vorfeld dann alle wichtigen Fragen geklärt hat, warum eigentlich nicht.
Speaker: Absolut.
Speaker: Das trifft auf ein Management-Mantra, was ich mir mal so in meinem Hirn abgespeichert habe, was ich wirklich schlau finde, was entwickelt wurde als Antwort auf endlose Meetings und Besprechungen.
Speaker: Und das besagt, wenn du etwas rückgängig machen kannst, nicht lange reden, ausprobieren.
Speaker: Und verschwende deine Zeit in Meetings und auf Diskussionen nur auf Sachen, die nicht zurückzunehmen sind.
Speaker: Alles andere einfach ausprobieren und im Zweifelsfalle kann man es auch mal wieder sein lassen.
Speaker: Finde ich sehr schlau.
Speaker: Fürs nächste Mal haben wir uns eine Frage überlegt, wo ihr dann tatsächlich auch mal diskutieren könnt, sollen wir sowas auch machen?
Speaker: Denn wir wollen gerne wissen, wie gelingt nach eurer Erfahrung ein guter Start in einen Teamtag?
Speaker: Und da könnt ihr ja dann zum Beispiel auch diskutieren, ob man Joghurtbecher sammelt und Essen eintuppert.
Speaker: Ja, genau.
Speaker: Ja, eure Antworten schickt uns gerne an post.freigestellt-podcast.de.
Speaker: Wir freuen uns auf eure Ideen und eure Rückmeldungen.
Speaker: Schickt uns gerne auch mal eine Idee, wenn ihr selber einen Blitzgedanken teilen wollt.
Speaker: Also mal angenommen, ihr habt eine Frage in die Fachwelt, schickt es uns ebenfalls an unsere Mailadresse post.freigestellt-podcast.de und wir nehmen das gerne auf und teilen euren Blitzgedanken mit der Community.
Speaker: Und natürlich Podcast abonnieren nicht vergessen.
Speaker: Unbedingt.
Speaker: Okay, dann würde ich sagen, kommen wir zu unserem heutigen Thema.
Speaker: Ups, zu wenig Personal.
Speaker: Warum gute Maßnahmenpläne eine echte Entlastung bedeuten können.
Speaker: Ja, und wir hatten uns vorgenommen, diesmal keinen Gast in unserem Podcast zu haben, sondern wir wollten ein Thema beleuchten, das uns beiden in unserer beruflichen Praxis in den letzten Monaten häufiger begegnet ist.
Speaker: Ich selbst habe es gemerkt bei mir, ich habe viele Anfragen und Projekte zur Erarbeitung von Maßnahmenbläden in Kitas oder auch bei Trägern bekommen.
Speaker: Und Sascha, du selbst hast das Thema ja auch quasi täglich mit deiner Software Cliver Kita auf dem Schirm.
Speaker: Wir wollen heute mal klären, wo kommt das eigentlich her, das Thema Maßnahmenplan?
Speaker: Warum ist das in den letzten wenigen Jahren so virulent und wichtig geworden?
Speaker: Was ist ein Maßnahmenplan?
Speaker: Was kann da drin enthalten sein?
Speaker: Und wie können Kita-Leitungen Maßnahmenplanarbeit eigentlich gut managen?
Speaker: Und wie haben Kita-Leitungen Zugriff auf Notfallmanagement?
Speaker: Musik
Speaker: Bei uns in der Software beschäftigen wir uns schon ganz lange mit dem Thema, wie dokumentiert man, ob man genügend Personal für einen Tag zur Verfügung hat.
Speaker: Wir haben das 2018 eingeführt und haben das seitdem in verschiedenen Stufen weiter verfeinert und wir kriegen es immer so mit.
Speaker: Dass die Kitas an manchen Tagen sagen, wie soll ich die simplen Sachen eigentlich noch eintragen?
Speaker: Ich habe noch nicht mal mehr dafür Zeit, um ein paar Häkchen zu setzen.
Speaker: Das ist alles viel zu viel Dokumentation.
Speaker: Und da höre ich dann immer so eine gewisse Panik und so einen gewissen Stress raus, aber eigentlich glaube ich, hilft dir das total weiter, wenn du genau über deine Personalsituation Bescheid weißt.
Speaker: Aber eigentlich kommt das ja aus dem Schutz des Kindes her.
Speaker: Paul, kannst du dazu was erzählen?
Speaker: Ja, das versuche ich mal so ein bisschen einzurahmen.
Speaker: Sascha, du hast jetzt quasi von der Personalampel oder von der AK-Ampel gesprochen.
Speaker: Diese Ampel ist die Visualisierung der personellen Ausstattung einer Kita in Relation zu den anwesenden Kindern pro Tag.
Speaker: Ja.
Speaker: Also es könnte ja sein, dass ich 100 Prozent der Kinder habe, aber nur 50 Prozent des Personals, dann habe ich natürlich ein ziemlich großes Problem.
Speaker: Dann habe ich zu wenig Menschen, die die Kinder betreuen, dann muss ich den Eltern irgendwie das Signal geben können, es kann sein, dass bestimmte Maßnahmen im Laufe des Tages ergriffen werden müssen, um eine gute Betreuung der Kinder zu gewährleisten und da hilft die Ampel unheimlich bei.
Speaker: Die Ampel ist allerdings eher so die Visualisierung des Ganzen.
Speaker: Dahinter steht der sogenannte Maßnahmenplan.
Speaker: Der Maßnahmenplan soll eine Kita in die Lage versetzen, im Falle von unvorhergesehenen Ereignissen, und hier ist es ganz besonders bezogen auf Personalmangel, strukturell und planmäßig zu handeln und Situationen von Überforderungen auszuschalten oder auszuschließen.
Speaker: Genau, und wie der Titel Maßnahmenplan es ja schon so schön sagt, der liegt eigentlich schon in der Schublade.
Speaker: Ja, der ist geplant, dieser Maßnahmenplan, den habe ich schon.
Speaker: Ich habe mir also Gedanken darum gemacht, was mache ich denn, wenn die Relation meiner Fachkräfte zu den Kindern nicht mehr das Optimum oder sagen wir mal das Minimum, was mindestens nötig ist, gewährleistet.
Speaker: Das ist die Idee des Maßnahmenplans.
Speaker: Und der Maßnahmenplan selber ist, so wie die Ampel Ausfluss des Maßnahmenplanes ist, ist der Maßnahmenplan Ausfluss des Anspruchs des Kindesschutzes.
Speaker: Also es gibt das SGB VIII, Sozialgesetzbuch VIII, das formuliert in einigen Paragrafen ganz klar, welche Anforderungen ein Einrichtungsträger erfüllen muss, damit er die Erlaubnis zum Betrieb einer Kita bekommt.
Speaker: Und zum Beispiel steht in Paragraf 45 SGB VIII, dass ein Träger eine Betriebserlaubnis beantragen muss.
Speaker: Und um eine Betriebserlaubnis zu bekommen, muss ein Träger ein sogenanntes Schutzkonzept vorlegen.
Speaker: Und dieses Schutzkonzept oder die Pflicht zum Schutzkonzept, das ist tatsächlich in den letzten Jahren neu geworden.
Speaker: Diese Schutzkonzeptpflicht wurde 2021 durch das Kinder-Jugendschutzgesetz eingeführt in diesem Paragrafen 45 SGB VIII.
Speaker: Bundesweit, muss man immer dazu sagen.
Speaker: Das ist wichtig, genau.
Speaker: Das ist ein Bundesgesetz, Sozialgesetzbuch auf Bundesebene, das erstmal regelt, jeder Träger muss eine Betriebserlaubnis haben und jeder Träger muss ein Schutzkonzept haben.
Speaker: Einzelne Bundesländer haben dazu nochmal Spezifizierungen vor Ort.
Speaker: Jetzt sieht dieser Paragraf auch vor,
Speaker: dass das Schutzkonzept nicht nur ein Papiertiger sein soll, also nicht nur zwei, drei, vier Seiten DIN A4-Blattpapier, die irgendwo im Regal liegen, sondern dieses Schutzkonzept muss gelebt werden.
Speaker: Und ein Ausdruck dieses Lebens, des Schutzkonzeptes, ist es eben, einen Maßnahmenplan zu haben, sich darauf vorzubereiten, was tue ich denn, wenn Situationen eintreten, die grundsätzlich oder potenziell geeignet sein könnten, das Wohl von Kindern zu gefährden.
Speaker: Und wenn es eine
Speaker: Unterbesetzung im Personal gibt, dann kann die Situation eintreten, dass bestimmte gefährliche Situationen für Kinder entstehen, weil vielleicht eine Aufsicht nicht richtig gewährleistet ist oder dass es zu unangemessenem Handeln von erwachsenen Kindern gegenüber kommt aus Formen von Überforderung oder Stress oder ähnliches und das ist diese potenzielle Kindeswohlgefährdung, die sich aus dem Personalmangel ergibt.
Speaker: Und dann habe ich meinen Maßnahmenplan, der sagt also, wenn ich zu wenig Personal habe, dann werden in verschiedenen Stufen bestimmte Maßnahmen ergriffen, die gucken wir uns gleich noch.
Speaker: Aber wenn ich das richtig überblicke, ist die Gefährdung durch zu wenig Personal ja nur ein Aspekt.
Speaker: Es kann ja auch noch ganz andere Aspekte geben.
Speaker: Du hast, glaube ich, mal mir erzählt von der Situation, wo der Hausmeister alle Feuermelder, alle Rauchmelder...
Speaker: ... abgeschraubt hat und gesagt hat, ich springe die nächste Woche wieder.
Speaker: Ja, genau.
Speaker: Das war eine ganz skurrile Situation.
Speaker: In einer Kita sollten die Batterien der Rauchmelde ausgetauscht werden.
Speaker: Und die Person, das war auch ein Fachbetrieb eigentlich, die das tun sollte, die hat gemerkt, sie hat die falschen Batterien dabei.
Speaker: Er sagte, kein Problem, ich nehme die Dinger mit dem Werkstatt und kloppt die euch nächste Woche wieder an die Decke.
Speaker: Und wir hatten auf einmal eine Kita ohne funktionierendes Brandmeldesystem.
Speaker: Und das ist natürlich für so ein öffentliches Gebäude, für ein Gebäude mit Kindern hochgradig problematisch.
Speaker: Jetzt ist diese Situation, dass irgendjemand die Rauchmelder lahmlegt, grundsätzlich nicht planbar.
Speaker: Ich kann natürlich planen, wie gehe ich mit Personalausfällen um, das kann ich ja managen.
Speaker: Ich kann ja einschätzen, wie viele Fehlzeiten haben denn Kolleginnen oder Kollegen potenziell, also ich kann mich da auf Szenarien vorbereiten.
Speaker: Das Szenario, was mache ich eigentlich, wenn die Rauchmelder ausfallen, das kann ich nicht unbedingt planen.
Speaker: Aber ich kann mir in dem Maßnahmenplan Meldeketten überlegen.
Speaker: Ich kann mir überlegen, wen muss ich eigentlich anrufen, wer jetzt zuständig ist, dafür Eltern zu informieren.
Speaker: Ich kann die Kita nicht einfach weiter betreiben ohne Rauchmelder.
Speaker: Das heißt, ich muss mir überlegen, wie werden in solchen Notfallsituationen erstmal die Kolleginnen und Kollegen im Team informiert und sensibilisiert.
Speaker: Weil, das war eine wichtige Maßnahme, erstmal mussten alle noch wachsamer als ohnehin sein auf mögliche Gefährdungen.
Speaker: Dann brauchten wir bestimmt Abläufe, wenn wir den Betrieb schließen müssen, wen rufen wir denn an, wo erreichen wir die Eltern, also es müssen Telefonlisten verfügbar sein, es muss überhaupt ein Überblick darüber da sein, welche Kinder sind heute überhaupt anwesend, gibt es eine vollständige Übersicht in Form eines Gruppenbuches oder eben in Form einer Software.
Speaker: Das sind alles Maßnahmen, die habe ich im Maßnahmenplan beschrieben, wenn unvorhergesehenes Eintritt, wie zum Beispiel das Ausschalten der Feuermelder, was kann ich dann tun, wen kann ich informieren.
Speaker: Ich greife das nochmal auf.
Speaker: Also da steckt ja drin, ich muss reagieren, ich muss informieren.
Speaker: Und ich glaube, in dem Beispiel mit den Feuermeldern steckt da auch drin, ich muss angemessen reagieren.
Speaker: Weil ich könnte natürlich sagen, keine Feuermelder mehr oder keine Rauchmelder mehr.
Speaker: Ich mache mal gerade die Kita für eine Woche zu.
Speaker: Das wäre natürlich ein bisschen übertrieben.
Speaker: Genau.
Speaker: Der Punkt dahinter ist, dass ein Plan niemals die Einschätzung der Situation und der Lage vor Ort vermittelt.
Speaker: von der Leitungskraft und eigentlich auch von allen Erwachsenen wegnimmt, sondern es muss immer situativ entschieden werden.
Speaker: Aber der Plan gibt mir einen Überblick darüber, was muss ich eigentlich tun im Hinblick auf das Management eines Notfalls.
Speaker: Und wenn wir den Begriff Management einführen, dann müssen wir immer in einem Dreiklang denken.
Speaker: Management ist immer der Dreiklang aus Planung, Steuerung und Kontrolle.
Speaker: Wenn ich also für meine Kita ein Notfallmanagement habe oder ein Krisenmanagement, dann gehe ich immer davon aus, ich plane erstmal einen Notfall.
Speaker: Das heißt natürlich nicht, dass ich den hervorrufe, aber ich übe Notfälle.
Speaker: Deswegen machen wir zum Beispiel Räumungsübungen in der Kita.
Speaker: Ich mache mir Gedanken darum in meinem Team, welche Szenarien können denn auftreten.
Speaker: Ich kenne Kitas, die machen sich zum Beispiel auch Gedanken um Amoklagen, um Überschwemmungen, um Insektenbefall, um Nagerbefall, um Hornissen oder Wespen und all sowas.
Speaker: Das gibt es alles auch teilweise von Fachberatungen, die das zuliefern.
Speaker: Das ist der Planungsaspekt.
Speaker: dann versuche ich immer wieder diesen Steuerungsaspekt in den Blick zu nehmen.
Speaker: Also wenn es dann zum Notfall kommt und ich habe alles versucht, den auszuschließen, diesen Notfall, es kommt dann trotzdem zum Notfall, wie handele ich dann?
Speaker: Wen informiere ich?
Speaker: Was muss ich tun?
Speaker: Wie sind Meldeketten?
Speaker: Wie erreiche ich Eltern?
Speaker: Wie erreiche ich Träger?
Speaker: Wie erreiche ich Aufsicht?
Speaker: Wie erreiche ich Polizei oder Notfallbehörden und ähnliches?
Speaker: Und dann kommt nachher der letzte Schritt im Management-Dreiklang, die Kontrolle.
Speaker: Lessons learned werden im Prinzip überprüft.
Speaker: Also hat unser Plan funktioniert, haben alle Meldeketten funktioniert, hat alles hingehauen, dass wir gut und zielgericht gehandelt haben und wie können wir das nächste Mal mögliche Probleme vermeiden.
Speaker: Ja, Personalausfall gibt es ja immer wieder.
Speaker: Und manchmal scheint es fast so, als wären Leitungen doch davon überrascht, dass obwohl sie Vollzeitkräfte haben, die gar nicht das ganze Jahr da sind.
Speaker: Und bei uns haben wir eben zum Beispiel, wenn wir unsere Dienstplansoftware präsentieren, zeigen wir eben auch auf,
Speaker: dass das systemische Lücken sind.
Speaker: Also eine Person, die Vollzeit arbeitet, die hat allein schon 30 Tage Urlaub, sagen wir mal, im Schnitt.
Speaker: Dann ist die noch 10 Tage krank, dann hat die noch 3 Tage Fortbildung und ist noch ein paar Tage zu Hause, weil ihre Kinder krank sind.
Speaker: Da kann sie ja auch dann sich selber krank melden, wenn die Kinder krank sind.
Speaker: Und dann hast du ruckzuck im Jahr 45 Fehltage für eine Vollzeitkraft.
Speaker: Und wenn wir das jetzt mal aufaddieren, nehmen wir nur zehn Personen, die da sind, zehn Vollzeitkräfte, die arbeiten, dann sind wir bei 450 Tagen in einem Jahr.
Speaker: Ja, das sind zwei, ein Viertel Vollzeitkräfte.
Speaker: Wo ich genau...
Speaker: schon jetzt weiß, die fehlen mir in diesem Jahr, die werden mir im nächsten Jahr fehlen und dafür brauche ich Vertretungen.
Speaker: Auch das kann ich planen.
Speaker: Genau, das ist auch schon eine Planungs- und Steuerungseinheit, sich zu überlegen, wie viel statistischen Ausfall an Personal kann ich denn eigentlich haben im Laufe des Jahres und wie kann ich diesen Ausfall decken.
Speaker: Über Vertretungen, über Aushilfen, über Springerkräfte oder ähnliches.
Speaker: Wichtig ist dabei immer, sich von diesen Notfällen nicht überraschen zu lassen oder möglichst wenig überraschen zu lassen, verschiedene Szenarien und Pläne in der Schublade zu haben.
Speaker: Ich würde gerne mal ganz pragmatisch hier bei dir nachfragen, wenn sich jetzt Kitas, Träger bei dir melden und in dem Bereich Beratung haben wollen.
Speaker: Gibt es so ein paar...
Speaker: Guidelines, so ein paar Schritte, beachte dieses und jenes, gehe in der Reihenfolge vor, um wirklich sicherzustellen, dass mein Maßnahmenplan nicht nur solide ist, in dem Sinne, dass ich nichts übersehen habe, sondern auch solide ist, in dem Sinne, dass er funktioniert und praktikabel ist.
Speaker: Was kann ich da praktisch planen?
Speaker: Also wir waren ja jetzt die ganze Zeit schon mit mehreren Sätzen in der Perspektive des Trägers, was der Träger tun kann, um eine Kita bei der Erarbeitung des Schutzkonzeptes und Maßnahmenplans zu unterstützen.
Speaker: Und der erste Punkt ist, dass einer Trägerinstitution klar sein muss, dass das eigentlich ihre Aufgabe ist und dass sie der Kita dafür Ressourcen zur Verfügung stellen muss.
Speaker: Die Kita muss sich auf den Weg machen, zusammen mit dem Träger erstmal Risiken zu identifizieren.
Speaker: Das kann von der Begehung bis hin zu einer Risikoanalyse alles Mögliche beinhalten.
Speaker: Genau, ich würde sogar sagen, man muss nicht nur Ressourcen zur Verfügung stellen, sondern der Träger ist aktiver Teil, muss aktiver Teil sein.
Speaker: Was sich eigentlich schon daraus gibt, das ist die Aufgabe des Trägers.
Speaker: Es ist nichts, was man der Kita-Leitung einfach rüber delegieren kann, sagen, macht ihr mal und wir setzen dann unseren Willi drunter.
Speaker: Richtig, richtig.
Speaker: Ich muss aber auch ein bisschen die Träger in Schutz nehmen, gerade die nicht pädagogischen Träger, die sind auf die Zuarbeit durch Kita-Leitungen angewiesen, aber ich gebe dir völlig recht, Sascha, die müssen das natürlich auch hören und umsetzen können.
Speaker: Aber Kita-Leitung muss aus ihrer professionellen Rolle, am besten angeteasert durch diesen Podcast auch, dem Kita-Träger sagen können, da müssen wir gemeinsam hingucken, du musst mich darin unterstützen und ich arbeite dir zu, das ist dein Job, lieber Träger.
Speaker: Das wäre wichtig.
Speaker: Ja, dann geht es darum, dass wenn wir also Risiken identifizieren und minimieren wollen, zum Beispiel nach einer Begehung, das ist immer ein gutes Beispiel, möglicherweise Maßnahmen ergreifen müssen, um Risiken auszuschalten.
Speaker: Das kann von einfachen Dingen wie Klemmschutz sein bis hin zu neuen Fluchtwegen oder auch, dass sich Träger und Kita-Leitungen zusammen Gedanken um Nutzung von Räumen machen.
Speaker: Und da ist natürlich der Träger auch gefordert,
Speaker: Weil der wieder möglicherweise die Ressourcen bereithält, um diese Dinge umzusetzen.
Speaker: Und nachher, nachdem also Maßnahmen besprochen wurden und geplant wurden, ist es auch ganz wichtig, dass Trägerstrukturen dem Kita-Team die Gelegenheit geben, diese Schutzkonzepte und den Maßnahmenplan mit Leben zu füllen.
Speaker: Der muss also irgendwie in den Alltag reinkommen und dafür ist es nötig, dass sich das Team mit diesem Plan und mit dem Konzept auseinandersetzt, dass Teamtage dazu genehmigt werden, dass das Team möglicherweise nochmal Unterstützung bekommt von außen, bei der Implementierung, bei der Detailarbeit an dem Plan, durch Coach, durch Berater, durch Fachberatung oder ähnliches und auch dafür muss der Träger Ressourcen zur Verfügung stellen, weil der Plan oder Schutzkonzept nur dann funktioniert und auch nur dann aufsichtsfest ist, wenn das kein Papiertiger bleibt.
Speaker: Ich versuche mal so ein Bild zu zeichnen.
Speaker: Das ist im Grunde genommen wie so ein Uhrwerk, was ich mir baue.
Speaker: Zahnräder greifen ineinander, dieses und jenes passiert, diese Meldeketten gibt es.
Speaker: Und wenn dann die Situation so ist,
Speaker: dass ich aus welcher Ursache auch immer Probleme habe, weil ich zu wenig Personal habe oder weil Hornissen in die Kita eingezogen sind, dann läuft eigentlich alles schon wie ein Uhrwerk.
Speaker: Dann bin ich nicht mehr dabei zu bauen und mir zu überlegen, sondern dann bin ich eigentlich dabei, ein Programm abzuspulen.
Speaker: Dann arbeite ich einen Plan ab.
Speaker: Und wie wir das eben schon mal sagten, gibt es bestimmte Dinge, die kann ich gut planen, es gibt bestimmte Dinge, die kann ich weniger gut planen.
Speaker: Gut planen kann ich Personalausfälle, das haben wir jetzt schon mehrmals thematisiert und da regen wir Kitas immer wieder an, sich zu überlegen, ab wie viel Anwesenheit von Personal oder ab welcher Relation von Personal zu Kindern muss ich denn anfangen, besondere Einschränkungen in meinem Kita-Alltag vorzunehmen.
Speaker: Und dazu hilft es, dass Teams sich damit auseinandersetzen, welche Maßnahmen können wir denn überhaupt ergreifen.
Speaker: Es gibt immer die mildeste Stufe, wenn ich also merke, ich habe zu wenig Personal für die anwesenden Kinder, kann ich versuchen, das Personal zu vermehren, sage ich mal ein bisschen technisch, dass ich also von außen Vertretungen mit reinhole.
Speaker: Springer mit reinhole, vielleicht auch Ungelernte mit reinhole, natürlich immer geeignete Personen, aber es gibt ja, je nachdem in welchem Bundesland ich arbeite, eine Vielzahl an Möglichkeiten, die ich habe, die immer abgestimmt sein müssen.
Speaker: Und das ist auch schon wieder Planung, sich also erstmal einen Überblick darüber zu verschaffen, wen kann ich denn eigentlich alles in meiner Kita einsetzen?
Speaker: Kann ich vorbauen?
Speaker: Kann ich zum Beispiel gucken, ob jemand ein FSJ machen möchte?
Speaker: Auch so ein FSJler kann ich wunderbar in Situationen, wo ich zu wenig Personal habe, dann schnell einsetzen als Vertretung.
Speaker: Das ist natürlich nicht optimal.
Speaker: Aber in allen Regelwerken, die ich kenne, ist es klar, dass nicht immer nur Fachkräfte Vertretungen sein können oder als Vertretungen herangezogen werden können.
Speaker: Deswegen dann gucke ich, welche Nicht-Fachkräfte habe ich da.
Speaker: Und deswegen ist es möglicherweise wirklich schlau, sich Praktikantinnen, Praktikanten zu holen, eventuell einen FSJler zu haben.
Speaker: Und da kann ich dann auch...
Speaker: schon in der allerersten Stufe vorausdenken und sagen, wenn ich jetzt hier den Abiturjahrgang habe, spreche ich mal jemanden an, mache ich aktiv dafür Werbung und so weiter und so fort.
Speaker: Ich finde es wichtig, da auch nochmal zu thematisieren, Aushilfen, vielleicht auch Fachfremde oder Praktikanten zu gewinnen, ist ein wichtiger Punkt und trotzdem weiß ich, dass es von vielen Kolleginnen und Kollegen auch kritisch gesehen wird, denn wir versuchen ja,
Speaker: Nicht irgendwie die Betreuung oder die Verwahrung bei Oma in der Garage zu organisieren, sondern eine fachlich-pädagogisch gute Arbeit anzubieten und eine gute Betreuung anzubieten.
Speaker: Deswegen ist es schon wichtig auch zu gucken, dass man Menschen mit viel Ausbildung in diesen Pools drin hält.
Speaker: Trotzdem gebe ich Sascha recht und sage, es ist wichtig, schnell reagieren zu können und jemanden für die Kinder da zu haben, wenn er persönlich geeignet ist.
Speaker: Denn die nächste Stufe, die ich im Maßnahmenplan zünde, ist dann sozusagen die Einschränkung des Angebotes oder die Einschränkung von bestimmten Freiräumen.
Speaker: Und das erste, was ich einschränke als Leitung, ist zunächst der Freiraum meiner Mitarbeitenden.
Speaker: Also
Speaker: Man kann Pläne schreiben, da steht dann zum Beispiel drin, das erste Mal gefragt wird dem Team, wer kann denn heute Überstunden machen?
Speaker: Ist jemand bereit, am Nachmittag länger zu bleiben?
Speaker: Ich habe natürlich auch die Möglichkeit, als Kita-Leitung, wenn es abgestimmt ist mit Träger und möglicher Mitarbeitervertretung, Überstunden anzuordnen.
Speaker: Also ich schränke erstmal so die Freiräume des Teams ein.
Speaker: Oder streiche Verfügungszeiten.
Speaker: Oder ich streiche Fortbildungen.
Speaker: Also mein Kollege Sascha, der morgen Bügelperlen sortieren will, der geht dann eben nicht zu dieser Fortbildung.
Speaker: Das kann natürlich zu Unmut führen, aber manchmal ist es notwendig.
Speaker: Und dann bin ich als Kita-Leitung auch oft in dieser unangenehmen Situation zwischen Betrieb und den Bedürfnissen oder den Wünschen der einzelnen Teamkollegen entscheiden zu müssen.
Speaker: Aber das ist Teil meines Jobs.
Speaker: Und wenn es schlimmer kommt, dann...
Speaker: müssen ja auch manchmal die Öffnungszeiten eingeschränkt werden.
Speaker: Das ist quasi die nächste Stufe.
Speaker: Wenn es mir nicht gelingt, Betreuungspersonal irgendwie aus dem Hut zu zaubern, wenn es mir nicht gelingt, den Radius meines Teams einzuschränken, dann muss ich anfangen, das Angebot an die Kinder einzuschränken, Betreuungsangebote, Aktivitäten einzuschränken, Ausflüge vielleicht sein zu lassen, wenn ich nicht genug Personal habe oder auch tatsächlich Eltern anzusprechen, die Kinder abzuholen, früher abzuholen oder auch mal zwangsweise Gruppen oder die ganze Kita zu schließen.
Speaker: Und während wir das so ausbreiten, merkt ihr, das ist ein mehrstufiger Weg.
Speaker: Der Maßnahmenplan soll auch dazu dienen, dass Kita-Leitungen immer die mildeste, aber wirkungsvollste Maßnahme auswählen können, weil sie im Prinzip eine ganze Klaviatur an Maßnahmen vor sich haben, mit der sie arbeiten können.
Speaker: wenn es dann um Öffnungszeiten reduzieren geht und um andere Maßnahmen, dann sind ja auch die Eltern betroffen.
Speaker: Und ich würde jetzt gerne noch mal zurück zur Entstehung des Maßnahmenplans kommen.
Speaker: Da ist nämlich, glaube ich, auch sehr wichtig, schon an diesem Punkt, wenn der Maßnahmenplan steht, auch den Eltern zu kommunizieren.
Speaker: Also den sich nicht nur offiziell absegnen zu lassen,
Speaker: Von den Behörden, oft ja vom Jugendamt, sondern auch die Eltern müssen wissen, was da drin steht.
Speaker: Richtig, dieser Maßnahmenplan muss als Instrument an die Eltern kommuniziert sein und er muss auch quasi im Tun, also in der Nutzung an die Eltern kommuniziert sein.
Speaker: Ich kann den Eltern sagen...
Speaker: Wir haben verschiedene Maßnahmen, die wir ergreifen.
Speaker: Je nach Schwere haben wir auch verschiedene Härtegrade an Maßnahmen, die wir ergreifen müssen.
Speaker: Und ihr, liebe Eltern, wenn ihr euer Kind bei uns anmeldet, könnt ihr euch darauf verlassen, wir handeln nach diesem Plan, nach diesen Stufen, je nachdem, wie die Personalkind-Relation gerade ist.
Speaker: Und dann gibt es viele Kitas, die haben sehr gute Erfahrungen damit gemacht, mit diesem Ampelsystem, was wir am Anfang auch schon mal angesprochen haben, Eltern zu informieren.
Speaker: Kitas gehen also her und erarbeiten individuell für ihre Einrichtung einen Plan, der visualisiert, wenn so und so viele Fachkräfte für so und so viele Kinder da sind, dann haben wir Stufe Grün.
Speaker: Das ist ja auch immer ein bisschen Spielraum.
Speaker: Und in dieser Stufe Grün merken weder Eltern noch Kinder irgendetwas von Einschränkungen.
Speaker: Genau, da muss ich ganz kurz nachhaken.
Speaker: Ich finde diese Relation, wie viel Personal ist da in Relation zu den heute anwesenden Kindern, die finde ich ultra wichtig, weil die dir als Leitung viel mehr Spielraum gibt.
Speaker: Ja.
Speaker: Bei uns wird das automatisch berechnet und es wird dir angezeigt, ob du genügend Personal für den heutigen Tag da hast.
Speaker: Aber diese Dimension, dass die Anzahl der Kinder mit einbezogen wird in diese Berechnung, die ist irre wichtig und für viele Kita-Leitungen echt auch ein Augenöffner, wenn die das erste Mal so richtig darüber nachdenken.
Speaker: Genau, die Relation wird festgelegt und ausgebreitet.
Speaker: Die nächste Stufe ist dann quasi die Ampelstufe gelb.
Speaker: Wenn die Relation von Fachkräften zu Kindern so ungünstig ist, dass ich Maßnahmen ergreifen muss, die im Alltag spürbar sind.
Speaker: Meistens noch in der Kita für Personal, für Kinder, durch Einschränkung von Angebot, Zusammenlegung von Gruppen, wir gehen viel raus oder ähnliches.
Speaker: Und da gibt es Kitas, die haben verschiedene, ich sag mal Abstufungen von Gelb.
Speaker: Da gibt es ein hellgelb, da gibt es ein dunkelgelb, je nachdem wie heftig ich da eingreifen muss.
Speaker: Und dann gibt es irgendwann die Stufe Rot und Stufe Rot ist immer dann gegeben, auch da kann ich verschiedene Abgrenzungen oder Abstufungen machen, aber Stufe Rot ist immer dann gegeben, wenn der Rechtsanspruch der Kinder tangiert wird.
Speaker: Also wenn ein Kind den Anspruch hat, laut Vertrag zum Beispiel von 7 bis 16 Uhr betreut zu werden und ich muss eine Maßnahme ergreifen, dass die Betreuungszeit bis 14 Uhr eingeschränkt wird, dann ist der Rechtsanspruch des Kindes betroffen und dann bin ich im Grunde genommen in einer Form von roter Stufe, weil ich dann anders kommunizieren muss.
Speaker: Ich muss mich dann viel transparenter verhandeln.
Speaker: Genau.
Speaker: Und dann...
Speaker: Gibt es nämlich auch Meldungen, die man absetzen muss?
Speaker: Ja, dann gibt es Meldepflichten.
Speaker: Wenn ich also Maßnahmen ergreife, die Situationen betreffen, die ohne Maßnahme eine Kindeswohlgefährdung möglich gemacht hätten, dann bin ich im Bereich der sogenannten 47er-Meldungen.
Speaker: Das werden viele unserer Zuhörerinnen und Zuhörer schon mal gehört haben.
Speaker: Dieser Begriff ist in den letzten Jahren auch sehr wichtig geworden.
Speaker: Wenn es also Situationen im Kita-Alter gibt, unabhängig, was diese Situation ausgelöst hat,
Speaker: oder was für Situationen das sind, die möglicherweise Kindeswohl gefährden könnten, bin ich verpflichtet, eine 47er-Meldung abzugeben.
Speaker: Und auch das ist durch die Novelle des Kinder-Jugendschutzgesetzes 2021 virulent und wichtig geworden.
Speaker: Vorher hatte ich natürlich schon die Meldung über § 8a oder 8b, tatsächliche Kindeswohlgefährdung zu melden.
Speaker: Aber § 47 SGB VIII sagt, ich muss auch Situationen melden, die zu Kindeswohlgefährdungen führen könnten.
Speaker: Und mir ist nochmal wichtig dabei auch zu betonen, diese Meldepflicht nach Paragraf 47 obliegt wiederum ebenfalls dem Träger der Kindertagesstätte.
Speaker: Aber der Träger, je nachdem wie weit er von der Kita entfernt ist, weiß ja nicht um die Situation.
Speaker: Das weiß häufig das Team, das weiß die Kita-Leitung und deswegen ist der Träger, um seiner Meldepflicht nachzukommen, auf die Zuarbeit durch die Menschen in der Kita angewiesen.
Speaker: Dann kann die Meldung richtig laufen.
Speaker: Ja.
Speaker: Als letztes ist mir noch ein Punkt wichtig.
Speaker: Ich möchte behaupten, kein Konzept, egal wie gut, egal wie ausgefeilt, kann in Stein gegossen sein.
Speaker: Es ist immer wieder so, dass man das überprüfen muss.
Speaker: Das heißt, man kann sich also nicht zurücklehnen und sagen, alles klar, wir haben unser Konzept, für die nächsten zehn Jahre sind wir damit gut.
Speaker: sondern ich muss das immer wieder auch überprüfen und im Sinne einer Qualitätssicherung dann möglicherweise auch nachschärfen.
Speaker: Das stimmt.
Speaker: Hilfreich ist es, einmal ein Gerüst zu erarbeiten, einen Maßnahmenplan, ein Schutzkonzept zu haben, was ich dann weiterhin überprüfen kann.
Speaker: Schwierig wird es für die Einrichtungen, die das noch nicht haben, die vielleicht ein Schutzkonzept haben, die aber noch keinen Maßnahmenplan haben oder Dokumente haben, die Papiertiger sind, die also irgendwo in der Schublade liegen und nicht gelebt werden.
Speaker: Dinge, die im Alltag implementiert sind, kann ich leichter überprüfen.
Speaker: Da gibt es dann auch eine gewisse Routine im Team.
Speaker: Und deswegen ist mein Rat auch dazu an alle, die da vielleicht merken, sie könnten nochmal nacharbeiten, geht diese Themen an, sie sichern euch ab, sie sorgen auch dafür, dass die Kommunikation zu Eltern und zu Träger einfacher wird.
Speaker: Sie sorgen dafür, dass ihr im Teamalltag planvoller handeln könnt.
Speaker: Holt euch Unterstützung durch Leute, die sich damit auskennen.
Speaker: Fragt eure Fachberatungen an, auch die sind dafür da,
Speaker: Und dann kann dieses Thema Maßnahmenplan, 47er-Meldungen, Kindeswohlgefährdung und Schutzkonzept eigentlich in einem Guss in der Kita gelebt werden.
Speaker: Und bevor ich jetzt in unserer Schlussbesprechung nochmal richtig Luft ablassen muss, weil das muss ich gleich, sage ich dir jetzt schon mal Danke, Paul, für diese wichtigen Informationen und dann kommen wir jetzt zum Schluss.
Speaker: Musik
Speaker: Du hast ja eben so schön gesagt, möglichst viele Fachkräfte soll man in seinem Pool haben.
Speaker: Und da muss ich sagen, da geht mir so ein bisschen die Hutschnur hoch.
Speaker: Nicht, weil die Leitungen was falsch machen, sondern weil ich das Gefühl habe, dass viele Jugendämter dazwischen.
Speaker: Da sehr unangemessen und sehr kurzsichtig agieren.
Speaker: Also in vielen Bundesländern sind die Betriebserlaubnisse ja so gestaltet, dass alles Personal, was dann in der Betriebserlaubnis ausgewiesen ist, als erforderliches Personal immer anwesend sein muss.
Speaker: Da wird dann so getan, als gäbe es keine Fehlzeiten.
Speaker: Und alle Vertretungen werden zwar finanziert, aber nicht dauerhaft, sondern immer nur so ein bisschen, immer nur für den Tag.
Speaker: Und die Jugendämter sind oft nicht willens und bereit, mit Trägern darüber zu verhandeln, dass man mehr Personal, was man einfach braucht, um auch qualitativ gute Arbeit in der Kita leisten zu können, selbst wenn es Ausfälle gibt,
Speaker: Und wir haben ja gelernt, dass das planbare Ausfälle sind, die zwangsläufig kommen müssen.
Speaker: Und wenn ich eben diese qualitativ hochwertige Arbeit leisten möchte, dann muss ich zusätzliches Fachpersonal vorhalten und das muss finanziert werden.
Speaker: Und die Finanzierung dieses zusätzlichen Fachpersonals wird aber verweigert, mindestens mal, was deren Urlaubsansprüche oder deren eigene Ausfallzeiten durch Krankheit angeht.
Speaker: Und das regt mich wahnsinnig auf.
Speaker: Das ist ein echter Mangel, das ist ein Manko.
Speaker: Und ich hoffe, dass ich das noch erlebe, dass sich das irgendwann mal ändert.
Speaker: Und mit diesem emotionalen Statement von Sascha verabschieden wir uns jetzt in den warmen Frankfurter Nachmittag.
Speaker: Gucken mal, ob wir uns irgendwo noch in den Schatten setzen und kühles Bier trinken können.
Speaker: Wir danken euch fürs Zuhören.
Speaker: Und bis zum nächsten Mal.
Speaker: Bleibt freigestellt.
Speaker: Macht's gut.
Speaker: Tschüss.





