Transcript
Speaker: Freigestellt, der Podcast für Kita-Leitungen.
Speaker: Kompakt, alltagsnah und mit Themen, die manchmal mehr auslösen, als man so denkt.
Speaker: Herzlich willkommen zu unserer Premieren-Folge.
Speaker: Ich bin Sascha Müller-Jänsch, Journalist und Inhaber der Kita-Software clivver-kita .
Speaker: Und auch von mir ein herzliches Willkommen.
Speaker: Mein Name ist Paul Hofmann-Driesch.
Speaker: Ich bin Erzieher und Betriebswirt und ich arbeite als Coach und als Fortbildner für Kitas.
Speaker: Okay, das ist unsere Premiere und Folge, Paul.
Speaker: Sag, warum sind wir eigentlich hier?
Speaker: Naja Sascha, das war deine Idee.
Speaker: Also du hast mich eingeladen, hast gesagt, Mensch, ich möchte einen Podcast für Kita-Leitungen machen, hast Lust mitzumachen und das Ganze ein bisschen fachlich zu unterfüttern.
Speaker: Und deswegen bin ich hier, weil ich finde, das ist eine tolle Idee.
Speaker: Das gibt es gerade nicht, dieses Format und wir wollen Kolleginnen und Kollegen in Leitungsfunktionen unterstützen.
Speaker: Ja, in dem Sinne würde ich sagen, steigen wir auch direkt ein.
Speaker: Wir haben ein echtes Burner-Thema heute, Fensterbilder in Kitas.
Speaker: Aber vorher haben wir noch einen Blitzgedanken, bei dem wir immer unsere Hörerinnen und Hörer um ihre Ansichten zu einer kleinen Frage bitten.
Speaker: Ja, das haben wir uns vorgenommen und unseren heutigen Blitzgedanken haben wir zu einer Frage formuliert, die uns quasi bei der Planung vor die Füße gefallen ist.
Speaker: Wir haben gemerkt, dieser Podcast startet im Mai und bei der Terminplanung sind uns jetzt auch diese vielen Feiertage im Mai aufgefallen.
Speaker: Das ist auch ein echtes Freudeerlebnis für uns gewesen.
Speaker: Alle sagten Juhu, frei, wir freuen uns drauf, die Kinder, unsere Familien freuen sich drauf.
Speaker: Und als wir dann so drüber nachgedacht haben, haben wir aber auch gemerkt, naja, da wird auch schnell mal ein kniffliges Thema für Kitas draus, denn auf die Feiertage folgen die Brückentage.
Speaker: Viele Kolleginnen oder Kollegen möchten Urlaub, manche Leitungen sind ja aus Erfahrung auch ehrlich gesagt ganz froh, wenn die ganze Einrichtung mal geschlossen ist, denn dann kann Urlaub abgebaut werden, Mehrarbeit geht runter und alle können auch mal Luft holen.
Speaker: Gleichzeitig steht da aber auch der Anspruch von Familie, das wissen wir, möglichst wenig Schließtage zu haben.
Speaker: Und es ist ja auch ganz praktisch so, Eltern können sich nicht immer spontan Urlaub nehmen, nur weil die Kita gerade zu ist.
Speaker: Träger und Jugendamt argumentieren dann oft ganz ähnlich.
Speaker: Versorgungssicherheit, Verlässlichkeit, Planbarkeit.
Speaker: Wir haben die Frage daraus gemacht, wie macht ihr das eigentlich mit den vielen Brückentagen im Mai?
Speaker: Gibt es bei euch klare Regeln oder jedes Jahr neue Verhandlungen?
Speaker: Und wir haben natürlich noch keine Hörerinnen und Hörer Zuschriften, freuen uns über die für die nächsten kommenden Folgen.
Speaker: Diesmal haben wir einfach in unserem professionellen Bekanntenkreis gefragt und schon ein paar Antworten bekommen.
Speaker: Zum Beispiel von Ariane, die Leiterin einer kommunalen Kita ist.
Speaker: Die hat uns geschrieben, wir haben uns im Team darauf geeinigt, unsere Regenerationstage auf die Brückentage zu legen.
Speaker: An diesen Tagen bleibt die Kita geschlossen, von den Eltern gab es dazu bisher keine Einwände und das Team freut sich auf die freien Tage am Stück.
Speaker: Ja, wenn ich das so sehe, hat Ariane sogar einen kleinen Grinses-Smiley dazu geschickt.
Speaker: Das scheint ja gut zu klappen.
Speaker: Wir haben noch ein bisschen weiter gefragt und Miriam, die eine Kita eines freien Paritätischen Trägers leitet, die hat uns geschrieben, wir haben an den Brückentagen immer geschlossen, an allen Brückentagen.
Speaker: Hier gibt es sogar eine Dienstvereinbarung zu.
Speaker: Die Eltern werden im Vertrag darauf hingewiesen und bisher hat es immer gut funktioniert.
Speaker: Wir haben aber auch keine Oster- oder Erbstschließzeiten.
Speaker: Das ist dann natürlich vielleicht, wenn man das so mit den Eltern verargumentieren muss, auch ein ganz guter Ausgleich.
Speaker: Ja, auf jeden Fall.
Speaker: Nicole ist ebenfalls Leiterin einer kommunalen Kita und sie hat geschrieben, wir haben bei uns in der Kita nur den Tag nach Christi Himmelfahrt als Brückentag die Einrichtung geschlossen.
Speaker: Aus Erfahrungen der letzten Jahre war dies der schlecht besuchteste Tag in der Kita.
Speaker: Abfragen vorher haben nichts gebracht, sodass ich den Freitag immer Personal im Überhang hatte.
Speaker: Mit dem Elternbeirat habe ich das dann gemeinsam abgesprochen, dass wir den Tag nach Christi Himmelfahrt immer geschlossen haben.
Speaker: Somit können auch einige Kolleginnen Urlaub machen.
Speaker: Diesen Tag habe ich meinem Team freigestellt, ob sie Urlaub nehmen oder in die Kita kommen.
Speaker: Aus Erfahrung bleibt ja immer genug im Alltag liegen, sodass auch gut Portfolio oder Aufräumarbeiten gemacht werden können.
Speaker: Ja, das glaube ich.
Speaker: Das ist ganz schön, mal so einen extra Takt zu haben, wo ein bisschen der Betrieb ruhiger läuft und mal so den ganzen Alltagsschnarch erledigen kann.
Speaker: Dann haben wir noch eine Rückmeldung bekommen von Maike, die ebenfalls eine kommunale Kita leitet.
Speaker: Und Maike hat geschrieben, an den Brückentagen hat bei uns die Einrichtung immer geöffnet und wir verlangen eine verbindliche Anmeldung seitens der Eltern.
Speaker: Das ist nicht mit einer Notgruppe zu verwechseln, alle Kinder sind herzlich willkommen.
Speaker: Mit der Anmeldungsliste kann ich dann aber gut das Personal planen und viele Personalwünsche erfüllen.
Speaker: Also Maike macht dann im Prinzip eine Planung auf die Anmeldezahl der Kinder hin.
Speaker: Genau, ich finde da ist das Stichwort Verbindlichkeit wichtig.
Speaker: drin und im Grunde genommen zieht sich das über alle Antworten eigentlich.
Speaker: Es muss eine Verbindlichkeit für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und für die Eltern geben und dann gibt es innerhalb dieser Verbindlichkeit oder wenn man diese Verbindlichkeit hergestellt hat, eine große Variante an Möglichkeiten, wie man das machen kann.
Speaker: Genau.
Speaker: Ja, danke für eure Praxisbeispiele.
Speaker: Das war eine tolle Erfahrung, dieses Feedback einsammeln zu können, weil wir gemerkt haben, das sind Themen oder das war ein Thema.
Speaker: Da haben viele Erfahrungen zu, da können alle was zu beitragen.
Speaker: Wir wollen auch versuchen, immer solche Themen zu finden, wo eine breite Beteiligung aus der Hörerschaft möglich ist.
Speaker: Für das nächste Mal haben wir uns auch schon eine Frage überlegt.
Speaker: Und zwar, was sind eure Erfahrungen mit Hochbeeten und Naschgärten?
Speaker: Eure Antworten schickt ihr bitte an post.freigestellt-podcast.de.
Speaker: Ich wiederhole das nochmal.
Speaker: Wir freuen uns über E-Mails an post.freigestellt-podcast.de.
Speaker: Und natürlich freuen wir uns auch wahnsinnig, wenn ihr uns direkt mit der Premierenfolge abonniert.
Speaker: bei Spotify, bei Apple Podcast und wo es sonst noch Podcasts zu hören gibt.
Speaker: Ja, und jetzt steigen wir ein in unser heutiges Thema, die Fensterbilder.
Speaker: Das Thema Fensterbilder haben wir heute und eigentlich gibt es ja so zwei große Schulen.
Speaker: Entweder sind alle Fenster frei und man sieht überhaupt gar nichts oder alle Fenster sind voll und man sieht jede Menge bunter Bilder.
Speaker: Dazwischen scheint es eigentlich fast gar nichts zu geben.
Speaker: Woran liegt das?
Speaker: Naja, weißt du, das ist wie so oft in der Kita oder überhaupt in der Pädagogik, auch bei den Fensterbildern gibt es nicht die eine Betriebsanleitung für alle Kitas.
Speaker: Es gibt keinen Standard, der irgendwie definiert, wie eine Kindertagesstätte ihre Fenster zu gestalten hat.
Speaker: Aber trotzdem, ja, es scheint wie so zwei Schulen zu geben und ich weiß, dass zum Beispiel in der Regio-Pädagogik ja Fensterbilder ganz verpönt sind.
Speaker: Ja sicher, das drückt natürlich schon was aus.
Speaker: Also die Fensterbilder sind ja auf der einen Seite Gestaltungselemente.
Speaker: Also es gibt Leute, die finden das schön, denen ist das wichtig, die zeigen sich damit und zeigen das, was sie den ganzen Tag mit Kindern machen auf diese Art und Weise.
Speaker: Und andere sagen, nein, das ist eine Verniedlichung und wir wollen auch, dass Kinder rausgucken können und die weiter haben.
Speaker: Also eigentlich bewegt es sich zwischen diesen beiden Polen.
Speaker: Und wie verhalte ich mich da jetzt als Kita-Leitung?
Speaker: Ich habe sicherlich eine eigene Meinung, aber ist die maßgeblich, weil es sowieso mein Konzept ist?
Speaker: Also eigentlich ist die Frage, ob die Fenster gestaltet sind oder nicht, gar nicht die spannende Frage, sondern für uns aus Sicht der Kita-Leitungen ist es spannender, sich die Frage zu stellen, wie gehe ich eigentlich damit um, wenn es eben widerstreitende Meinungen zu diesem Thema in meinem Team gibt.
Speaker: Da kann es ja die Kollegin geben, die finden das klasse.
Speaker: Es kann vielleicht auch Eltern geben, die finden das toll und es gibt wieder Kolleginnen oder Kollegen, die lehnen das ab und vielleicht habe ich selber auch die ablehnende Haltung dazu.
Speaker: Und dann bin ich nicht so sehr in der Position, irgendwie top down zu entscheiden, was ist falsch oder richtig, sondern ich muss hier eher irgendwie mit diesem Konflikt umgehen, mit diesen widerstreitenden Sichtweisen auf die gestalteten Fenster.
Speaker: weil es sonst Konflikt im Team gibt?
Speaker: Ja, das kann zu einem weiteren Konflikt führen, wenn sich da Uneinigkeit ergibt.
Speaker: Und es zeigt eben auch, wir müssen an solchen Themen gemeinsam arbeiten.
Speaker: Also die Kita wird dann besser und klarer in ihrer Arbeit, wenn es gelingt, aus diesen widerstreitenden Meinungen eigentlich eine gemeinsame Stärke zu ziehen.
Speaker: Also nicht so zu entscheiden, was ist richtig und was ist falsch, sondern was ist unsere Antwort auf diese Frage, wie wir damit umgehen.
Speaker: Spannend wird es eigentlich dann, wenn es gelingt, aus diesem Konflikt nicht nur einen Kompromiss zu machen, sondern einen Konsens zu machen.
Speaker: Also nicht so sehr die Frage aufzulösen, was ist eigentlich das kleinste Gemeinsame, was wir da drin finden, sondern was denken wir denn gemeinsam darüber, was in Bezug auf Fensterbilder oder Raumgestaltung ganz allgemein wichtig ist.
Speaker: Okay, wie gehe ich da am besten vor?
Speaker: Also wenn diese Moderation erfolgen soll im Sinne einer Konsensbildung, dann ist es erstmal wichtig, dass das Team Gelegenheit hat, verschiedene Perspektiven einzunehmen, dass also eine gemeinsame Haltung entwickelt wird.
Speaker: Wir müssen erstmal diesen Konflikt identifizieren und müssen die Gelegenheit haben, das auszusprechen.
Speaker: Wenn wir dann uns zum Beispiel darüber verständigen können, was steckt denn an Themen alles drin in dem Fensterbild.
Speaker: Also für manche Kolleginnen und Kollegen steckt vielleicht so eine Art Arbeitsnachweis da drin.
Speaker: Es wird nach außen sichtbar.
Speaker: Ich bin den ganzen Tag hier.
Speaker: Ich arbeite, verbringe meine Zeit hier.
Speaker: Wir tun was.
Speaker: Für andere wird möglicherweise das Thema Partizipation sichtbar.
Speaker: Also was wird überhaupt abgebildet an den Fenstern?
Speaker: Sind das nette, dekorative Elemente oder können Kinder sich und ihre Themen abbilden?
Speaker: Also bringen wir die Themen der Kinder an die Fenster?
Speaker: Da höre ich raus, da muss man nochmal unterscheiden eigentlich zwischen die Erzieherinnen und Erzieher dekorieren die Fenster und die Kinder haben die Möglichkeit, die Fenster zu dekorieren.
Speaker: Habe ich das richtig verstanden?
Speaker: Genau, das wäre ein ganz wichtiger Unterscheidungspunkt.
Speaker: Also wenn die Erzieherinnen und Erzieher, die Erwachsenen die Fenster dekorieren, ist das aus pädagogischer Sicht ein anderer Anpack, als wenn die Kinder diese Fenster gestalten nach ihren Ideen.
Speaker: Und ich bin mir ziemlich sicher, dass auch eigentlich niemand, der Fensterbilder kritisch sieht, es kritisch sehen würde, wenn Kinder anfangen, diese Fenster zu gestalten.
Speaker: Aber dennoch würden wir ja etwas darüber ausdrücken und möglicherweise in der Diskussion auch darüber herausfinden, wie sehen wir denn die Gestaltung durch Kinder an diesen Scheiben.
Speaker: Und daneben ist es wichtig, dass zu diesen Fragestellungen
Speaker: jedes Teammitglied Position beziehen kann, also erklären kann, warum es Fensterbilder gut findet oder nicht gut findet, warum es vielleicht Ideen von Kindern dort umsetzen lassen kann oder nicht umsetzen lassen kann.
Speaker: Also ich muss die Gelegenheit haben, mich und meine persönliche Positionierung dazu ausdrücken zu können im Team.
Speaker: Das wäre der erste Schritt.
Speaker: Wie geht es dann weiter?
Speaker: Im nächsten Schritt ist es dann erstmal wichtig, dass die Leitungskraft in der Lage ist, diesen Konsens zu finden, indem sie mit den Kolleginnen und Kollegen und zwar sowohl mit den Kritischen als auch mit den Befürwortenden ins Gespräch darüber kommt, warum tust du das eigentlich, was ist dein Ziel, was möchtest du erreichen?
Speaker: Also wenn wir uns vorstellen, wir haben vielleicht jemanden im Team, eine Person, die findet die Fenstergestaltung von Erwachsenen ganz toll und ganz wichtig, dann würde ich in die Diskussion gehen und fragen, warum findest du das wichtig?
Speaker: Was willst du damit erreichen?
Speaker: Und kannst du das vielleicht auch auf anderem Weg erreichen?
Speaker: Wenn jemand sagt, es ist ganz wichtig, dass Kinder dort ihre Bilder anbringen können, kann man auch diese Person einbeziehen und fragen, warum ist das wichtig?
Speaker: Was möchtest du damit erreichen?
Speaker: Und wären diese Wege auch anders erreichbar, kann man diese Ziele auch anders erreichen?
Speaker: Wenn wir dann einen Konsens gefunden haben, also wenn wir uns gemeinsam überlegt haben, warum wir das eigentlich tun, ist es wichtig, dass wir im nächsten Schritt diesen Konsens auch irgendwie sichern.
Speaker: Also dass wir nicht jedes Mal, wenn jemand neu hinzukommt ins Team oder jedes Mal, wenn das Thema doch wieder aufploppt, weil vielleicht die Jahreszeit wechselt oder so, wir anfangen müssen, das Thema neu zu bearbeiten.
Speaker: Wir müssen also überlegen, was hatten wir damals eigentlich für Ziele bei der Frage nach Fenstergestaltung und wie können wir das so aufbauen, dass auch nachfolgende Diskussionen immer wieder da ansetzen können.
Speaker: Das heißt, es macht Sinn, über den Moment, über die Periode, Jahreszeit hinaus zu denken und das Thema, ich nenne es mal über das ganze Kita-Jahr zu betrachten.
Speaker: Ja genau, das siehst du richtig.
Speaker: Und es geht nicht nur um das Kita-Jahr, sondern es geht auch darum, dass man erkennt, dass das im Prinzip ein pädagogischer Baustein in der Konzeptionsarbeit ist.
Speaker: Ich sagte ja eingangs schon mal, es hat eigentlich eine Meta-Ebene, dieses Thema der Fenstergestaltung.
Speaker: Es geht nicht um das Bildchen am Fenster, sondern es geht um unsere Positionierung.
Speaker: Ist das hier ein Ort für Kinder?
Speaker: Und wenn es ein Ort für Kinder ist, wie können die sich ausdrücken?
Speaker: Und wie drücken wir Erwachsenen uns auch aus?
Speaker: Wie stellen wir uns da in dieses Bild ein Ort für Kinder?
Speaker: Und...
Speaker: Deswegen ist es ein Konzeptionsbaustein und deswegen gehört es auch in die Konzeption hinein.
Speaker: Vielleicht nicht als Überschrift Fensterbilder in unserer Kita, aber so als Überschrift, was heißt es eigentlich, wenn die Kita ein Ort für Kinder ist?
Speaker: Wo zeigen sich die Kinder und wo und wie zeigen sich die Erwachsenen?
Speaker: Jetzt hast du vorhin schon mal ganz kurz auch die Eltern mit ins Spiel gebracht.
Speaker: Und ich sage jetzt mal, wenn ich an der Kita vorbeikomme und da sind ganz viele Fensterbilder und dieses klassische, ganz bunte Kita-Logo, was man ja immer wieder sieht, dann weiß eigentlich jeder, ah ja, da sind Kinder und die wachsen auch hoffentlich richtig gut heran.
Speaker: Hat
Speaker: das ganze Thema auch was mit Außenwirkung zu tun und muss ich die berücksichtigen?
Speaker: Ja, absolut.
Speaker: Natürlich hat das was mit Außenwirkung zu tun, weil es ist ja tatsächlich dann im wahrsten Sinne des Wortes ein Schaufenster, also ein gestaltetes Fenster.
Speaker: Das fällt ja nicht vom Himmel, das wird ja von irgendjemandem so gemacht.
Speaker: Das wird ja von Erwachsenen gemacht oder von Kindern gemacht.
Speaker: Und bei diesem Machen kommt ja auch ein Bild zutage, also nicht nur wieder das rein optische Bild, sondern es wird ja auch eine Message damit transportiert.
Speaker: Und da kann ich mir genau überlegen, welche Message transportiere ich eigentlich.
Speaker: Also transportiere ich das Bild, wir müssen das hier schön machen für die Kinder, wir Erwachsene können das gut, wir können schön malen, wir können sauber arbeiten.
Speaker: Oder können die Kinder eben dort ihre Spuren hinterlassen, die vielleicht aus der Sicht des einen oder anderen Erwachsenen weniger perfekt sind, aber vielmehr die Lebendigkeit einer Kita ausdrücken können.
Speaker: Und wenn ich aber gleichzeitig auch noch Anteile habe, die ich als Erwachsener kommunizieren möchte, also häufig ist es ja so, dass auch der Name einer Kita oder ein Titel einer Kita ein bestimmtes Bild vom Kind und ein bestimmtes pädagogisches Programm transportieren soll.
Speaker: dann muss ich das anders machen.
Speaker: Dann muss ich das mit einem ordentlichen Türschild machen oder mit einem guten Briefkopf.
Speaker: Das hat nichts an den Fenstern zu suchen, die eigentlich Einblick auch geben in die Lebenswelt der Kinder.
Speaker: Jetzt haben wir die ganze Zeit...
Speaker: über die Kinder gesprochen und wie die sich ausdrücken wollen.
Speaker: Ist es eigentlich auch denkbar, dass man sagt, die Kinder sollen da auch mitentscheiden dürfen?
Speaker: Ich würde das auf jeden Fall, wenn ich mich dazu entscheide, die Fenster zu gestalten, den Kindern nicht nur mitüberlassen, sondern ich würde es ihnen eigentlich ganz überlassen.
Speaker: Ich würde mir erst mal für mich selber klären, habe ich ein Problem damit, wenn die Fenster gestaltet sind?
Speaker: Und wenn ich kein Problem damit habe, dann kann ich Kinder dazu einladen, zu sagen, Mensch, überlegt doch mal, möchtet ihr etwas nach außen transportieren?
Speaker: Ihr kommt ja jeden Tag auch mit Mama oder Papa in die Kita, ihr seht dieses Fenster, habt ihr eine Idee, was man da zeigen könnte oder vielleicht sogar zeigen sollte, damit jemand von außen sofort weiß, hier seid ihr, hier verbringt ihr euren Alltag,
Speaker: das sind eure Themen, das ist das, was euch interessiert, was ihr spannend findet.
Speaker: Das kann man ganz aktiv gestalten.
Speaker: Ist das maßgeblicher als mein eigenes
Speaker: Konzept oder als das pädagogische Konzept?
Speaker: Das ist mein pädagogisches Konzept.
Speaker: Ich glaube, das kann man gar nicht gegeneinander aufwiegen, sondern in dem Moment, wo ich Kindern die Verantwortung für solche wichtigen Botschaften oder Erscheinungen nach außen übergebe, drücke ich damit aus, dass ich Kinder und ihre Themen ernst nehme.
Speaker: dass ich Kindern und ihren Themen Raum gebe und auch einen prominenten Raum an diesen Fensterscheiben.
Speaker: Insofern ist das für mich nicht die Frage, ob das vielleicht meinen Botschaften entgegensteht, sondern das ist meine Botschaft.
Speaker: Der Kerngedanke dahinter ist, wenn ich versuche, meine pädagogische Haltung auszudrücken, meine Haltung Kindern und ihren Themen gegenüber, kann ich das eigentlich nur durch meine Handlungen tun.
Speaker: Also ich könnte noch so oft dir oder jemand anderen gegenüber sagen, ich habe die Haltung, Kinder sollen sich zeigen können und am Alltag beteiligt werden.
Speaker: Das kann ich tausendmal aufschreiben, ich kann es tausendmal erzählen, wenn ich sie auch tausendmal tue, indem ich zum Beispiel Kinder so etwas machen lasse, habe ich diese Haltung auch nicht wirklich deutlich.
Speaker: Irgendwann kommt es ja dann zu einem Beschluss und ich passe dann eventuell auch nochmal mein pädagogisches Konzept an, schreibe das vielleicht nicht expresses Verbes da rein, sondern übertrage nochmal das, was ich an Haltung erarbeitet habe, in das Konzept.
Speaker: Jetzt vergeht ein Dreivierteljahr.
Speaker: Ich habe, wie das so häufig ist, Fluktuation.
Speaker: Muss neue Mitarbeiterinnen, neue Mitarbeiter suchen.
Speaker: Find die auch.
Speaker: Wie hole ich denn die damit ins Boot?
Speaker: Also da können wir das Thema aufmachen und noch weitere Punkte eigentlich für Leitungsthemen finden.
Speaker: Also es stellt sich ja immer wieder die Frage,
Speaker: Wie halte ich eigentlich für Einbarungen fest und wie konserviere ich die sozusagen?
Speaker: Wo schreibe ich sie auf und wie sind sie auch dann auffindbar, wenn Alltag herrscht?
Speaker: Also eine Konzeption etwa ist zwar sozusagen die Gebrauchsanleitung für eine Kita, aber selten alltagstauglich.
Speaker: Also kein Mensch guckt alle 14 Tage in die Konzeption rein und überlegt sich, arbeite ich noch so, wie ich mir das vor einem halben Jahr mal aufgeschrieben habe?
Speaker: Also ich brauche alltagstägliche Tools.
Speaker: Ich kenne Kitas, die arbeiten ganz erfolgreich, damit sich so bestimmte Leitsprüche irgendwo hinzuschreiben.
Speaker: In Teamräume, vielleicht auch an Fenster oder in Flure, also als Poster, als Plakat irgendwo aufgeschrieben, dass da zum Beispiel drinsteht, wir wollen Kinder sichtbar machen und ihre Themen.
Speaker: Und wenn ich das als Plakat, als Spruch, als Leitbild immer wieder vor Augen habe, kann ich mir das eher merken.
Speaker: Das wäre eine Möglichkeit.
Speaker: Also quasi so die Ableitungen aus der Konzeption rausholen.
Speaker: Eine andere Möglichkeit und fast noch wichtiger im Alltag ist, dass das Team sich gegenseitig da so ein bisschen unterstützen, supportet.
Speaker: Also die Kolleginnen und Kollegen sind ja in ihrem Alltag autonom unterwegs.
Speaker: Und wenn ich sehe, dass
Speaker: Fenster gestaltet werden, dann ist es wichtig, dass ich den Kolleginnen und Kollegen die Rückmeldung gebe, wenn es gelingt.
Speaker: Und wenn es einmal in einer anderen Art und Weise geht, so wie wir uns das eigentlich nicht vorgenommen haben,
Speaker: dass die Kolleginnen und der Kollege da auch schnell die Rückmeldung bekommen, denkt doch mal an unseren Konzeptionsbaustein zu dem Bild vom Kind und zu der Darstellung von Kindern, wir wollten das eigentlich anders machen.
Speaker: Also das Team muss so ein bisschen das eigene Post-it-Zettelchen spielen und sagen, wir ähneln uns immer mal wieder, indem wir die Grundsätze irgendwo festhalten.
Speaker: Und weil ich eben schon mal sagte, das ist auch möglicherweise nochmal Potenzial für eine eigene Folge, das kann auch in einem Onboarding-Prozess festgehalten sein, dass also klar ist, wenn wir neue Mitarbeitende bekommen, dann müssen die bestimmte Leitlinien von uns erhalten innerhalb der ersten Wochen oder Monate.
Speaker: Und wie vermitteln wir eigentlich neuen Kolleginnen und Kollegen, was da drinsteckt in dieser Zielsetzung, wie Kinder sichtbar werden?
Speaker: Ich würde gerne noch einen anderen Aspekt, bevor wir zum Schluss kommen, betrachten.
Speaker: Und zwar geht es da vor allem dann um Fotos, die ja im weiteren Sinne auch Bilder sind.
Speaker: Wie muss ich das Thema Datenschutz da berücksichtigen?
Speaker: Das ist wirklich ein Thema, das sollten wir noch mal separat bearbeiten.
Speaker: Da könnten wir uns vielleicht auch mal Unterstützung von einem Profi holen, weil Datenschutz, habe ich die Erfahrung gemacht, ist ein Feld, was viele Praktiker und vor allem auch Leitungskräfte verunsichert, was häufig so eingerahmt ist in das Gefühl, ich darf hier gar nichts mehr tun.
Speaker: Und ich denke, Datenschutz ist,
Speaker: ist keine Verbotsmentalität, es ist mehr eine Art Leitplanke, die dafür sorgen soll, dass ich immer noch meine Arbeit in der Kita transparent mache.
Speaker: Das ist ein wichtiger Auftakt, den wir auch so gesetzlich formuliert wiederfinden und gleichzeitig aber auch
Speaker: die Rechte an personenbezogenen Informationen anderer gewahrt werden.
Speaker: Dass man also ein Bewusstsein dafür entwickelt, wie wir mit Informationen zu einzelnen Menschen, egal ob das Kinder, Familien oder Kollegen sind, umgehen.
Speaker: Und diese Sensibilität, das habe ich immer geschätzt, eigentlich an der Datenschutzdebatte.
Speaker: Und trotzdem finde ich, müsste man das auch nochmal mit einem Profi zusammen besprechen, was ist eigentlich an Spielräumen gut und sinnvoll nutzbar.
Speaker: Das Thema Datenschutz würde ich gerne noch ergänzen.
Speaker: Wenn wir das nochmal zurückführen auf Fensterbilder, also auf Gemälde von Kindern, ist das Thema Datenschutz gar nicht so wichtig.
Speaker: Denn das, was Sie da hinmalen, ist ja jetzt erstmal kein Foto.
Speaker: Wenn ich allerdings unter das tolle Fensterbild eines Kindes drunter schreibe, und das hier hat Janis gemalt, dreieinhalb Jahre alt, der wohnt übrigens in der Hauptstraße Nummer 9.
Speaker: Dann bin ich natürlich in einem Bereich, das muss allen klar sein, das ist dann nicht mehr datenschutzkompatibel, sondern da geht es auch um eine Darstellung des Kindes.
Speaker: Das ist auch gar nicht nötig.
Speaker: Also wenn Janis das Fenster bemalt, dann will er es nachher betrachten können, will darauf stolz sein können, will das vielleicht seinen Eltern und Freunden zeigen und da muss der Name nicht drunter stehen.
Speaker: Ja.
Speaker: Insgesamt haben wir jetzt so einen kleinen Galoppritt gemacht durch verschiedene Bereiche.
Speaker: Ich glaube, du hast an anderer Stelle mal, als wir gesprochen haben, den Begriff Kompetenzlandkarte verwendet.
Speaker: Kannst du nochmal zusammenfassen, was da jetzt auf diese Kompetenzlandkarte gehört?
Speaker: Ja, klar.
Speaker: Also für unser Thema der Fensterbilder müssen wir nochmal in den Blick nehmen.
Speaker: Es gibt eigentlich drei wichtige Punkte, die sich für Leitungskräfte daraus ableiten lassen.
Speaker: Der erste Punkt ist der, Orientierung zu geben.
Speaker: Dass das Team sich gemeinsam dazu positioniert, welches Bild vom Kind steckt eigentlich hier in diesem Fensterbild drin.
Speaker: Was wollen wir vermitteln nach außen über unsere Einschätzung darüber, wie Kinder ihre Umwelt gestalten?
Speaker: Ist das Aufgabe der Kinder oder ist das Aufgabe der Erwachsenen?
Speaker: Und diese Haltung, die müssen wir im Team entwickeln, indem wir sie dialogisch entwickeln.
Speaker: Wir brauchen keinen Kompromiss, wir müssen nicht die kleinen gemeinsamen Nenner finden, sondern wir müssen als Leitungskräfte in der Lage sein, einen Konsens zu entwickeln, indem wir mit dem Team erarbeiten, was ist unsere persönliche Meinung dazu, darf raus, die muss raus, sie darf auch Raum haben.
Speaker: Und aus dieser persönlichen Meinung müssen wir eine gemeinsame Meinung entwickeln,
Speaker: Immer mit dem Fokus, warum tun wir das eigentlich?
Speaker: Wozu tun wir das?
Speaker: Wozu gestalten wir Fenster und können wir diese Ziele, die wir da haben, auch wirklich auf dem Weg erreichen?
Speaker: Das ist der zweite Punkt.
Speaker: Und der dritte Punkt in dieser Kompetenzlandkarte ist die Frage der Nachhaltigkeit.
Speaker: Also wenn wir uns...
Speaker: durch diesen Prozess hindurch gearbeitet haben, unsere Haltung im Team geklärt haben, einen Konsens gefunden haben, dann wollen wir das auch so konservieren, dass das trägt, dass das nicht alle 14 Tage neu angepackt werden muss, indem wir es also verschriftlichen, in die Konzeption einarbeiten, indem wir uns vielleicht kleine Erinnerungsmarker im Alltag setzen, mit Plakaten, mit Sprüchen oder mit Ähnlichem.
Speaker: Wichtig mit dem Feedback im Team auch, dass wir es alle vor Augen haben, uns daran erinnern, wenn es mal Ausreißer gibt,
Speaker: Und dass wir als letzten Punkt bei dieser Konservierung auch überlegen, wie können wir denn über ein Onboarding neue Teammitglieder da gut mit reinholen, ohne wieder bei Adam und Eva neu anfangen zu müssen.
Speaker: Das sind diese drei Punkte, die für mich in dem Thema der Fensterbilder drinstecken.
Speaker: Nachdem ich mir das nochmal angehört habe, ist mir eine kleine Sache noch aufgefallen, Paul.
Speaker: Und zwar haben wir davon gesprochen, was wohl die Kinder sagen.
Speaker: Und da hast du die Einschränkung gemacht, ja, wenn das in unser Konzept passt, fragt man auch die Kinder.
Speaker: Aber was ist eigentlich, wenn man die Kinder als allererstes fragt?
Speaker: Oha, das habe ich wirklich gesagt.
Speaker: Also wenn es zu unserem Konzept passt, fragen wir die Kinder.
Speaker: Also das rüttelt natürlich nochmal so an den Grundfesten des Berufsverständnisses.
Speaker: Da habe ich mich vielleicht auch mit der Formulierung ein bisschen verrannt.
Speaker: Natürlich fragen wir immer die Kinder als allererstes im Idealfall.
Speaker: Und das siehst du halt auch, wie das manchmal so ist in der Leitungsperspektive, wenn man sagt,
Speaker: Also wenn man dieses Thema, was du ja aufgeworfen hast, so ein bisschen mit dem Blick von außen, warum gibt es eigentlich keinen Standard zur Gestaltung von Fenstern?
Speaker: Wenn man das aus der Leitungsperspektive betrachtet, dann verliert man schnell die Kinder aus dem Blick, weil man oft als Leitungskraft die Erwachsenen im Fokus hat.
Speaker: Kolleginnen oder Kollegen, die agieren oder eben auch nicht agieren, die Eltern, die Außenwirkung.
Speaker: Und eigentlich ist ja die Arbeit mit Kindern und die Arbeit für Kinder auch bei Leitungskräften in Kitas der Kern der Arbeit.
Speaker: Und das war jetzt eine tolle Reflexion, dass du das so aufzeigen kannst.
Speaker: Man dreht als Leitungskraft manchmal zu viele Schleifen um die Erwachsenen und verliert selber die Kinder aus dem Blick.
Speaker: Wobei ich da aber auch so ein bisschen so zur Ehrenrettung dann einstreuen möchte.
Speaker: Man dreht ja diese Schleifen um die Erwachsenen, um die Arbeit für die Kinder optimal zu machen.
Speaker: Da könnten wir jetzt glaube ich noch stundenlang drüber reden.
Speaker: Ich sehe da schon wieder eine eigene Folge und ich weiß auch schon, wen ich dazu einladen würde.
Speaker: Aber jetzt sage ich erst mal, mir hat die erste Folge mit dir richtig viel Spaß gemacht.
Speaker: Vielen Dank dafür.
Speaker: Gerne.
Speaker: Ich hatte auch große Freude.
Speaker: Es war spannend, sich mit dieser Frage mal auseinanderzusetzen und zu gucken, was steckt da drin.
Speaker: Ich bin auf deinen Vorschlag zum Gast oder zur Gästin gespannt und freue mich aufs nächste Mal.
Speaker: Tschüss Sascha.
Speaker: Tschüss.





