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Wie geht gute Hochschullehre in der Geographie?

Was bewegt die Geographie?
Was bewegt die Geographie?

126 plays · Jan 13, 2026

Prof. Dr. Angela Hof [https://www.plus.ac.at/umwelt-und-biodiversitaet/forschung/fachgebiete-der-geologie-und-physische-geographie/physische-geographie-3/stadt-und-landschaftsoekologie/mitarbeiterinnen/angela-hof/], Prof. Dr. Ivo Mossig [https://www.uni-bremen.de/geographie/personen/personen-a-z/prof-dr-ivo-mossig-1] und PD Dr. Jeannine Wintzer [https://www.geography.unibe.ch/ueber_uns/personen/pd_dr_wintzer_jeannine/index_ger.html] diskutieren mit Bjarne Braunschweig [https://www.chemgeo.uni-jena.de/33495/braunschweig] über gute Hochschullehre in der Geographie und darüber, wie Lehre so gestaltet werden kann, dass sie wirklich etwas bewegt. Die Expert:innen kommen zu dem Schluss, dass zentrale Ziele guter Hochschullehre sich vor allem an den Lernzielen orientieren: Studierende sind demnach in der Lage, Perspektiven wechseln zu können, eine fachliche Position zu entwickeln und mit erlernten Konzepten, Theorien und Methoden relevante Fragestellungen zu bearbeiten. Dabei machen sich die Hochschulleher:innen vor allem für das sogenannte forschende Lernen stark, bei dem Inputphasen regelmäßig mit der Produktion eigener Wissensprodukte durch Studierende abwechseln, sodass Theorie und Praxis eng verzahnt werden.  Damit geht einher, dass Lehrende weniger eine erklärende als vielmehr eine begleitende Haltung in der Lehre einnehmen und mit dieser die Identitätsbildung und forschende Haltung der Studierenden unterstützen. Hürden, welche die drei Wissenschaftler:innen identifizieren, sind befristete Arbeitsverträge, Publikations- und Drittmitteldruck sowie Zeitmangel. Diese Hürden können einerseits dadurch überwunden werden, dass Institutionen die Lehre organisatorisch und zeitlich anerkennen und Freiräume schaffen, diese weiterzuentwickeln. Andererseits helfen vor allem auch hochschuldidaktische Weiterbildungen und die Nutzung institutioneller Angebote neuen Lehrenden dabei, ihre Lehre zielgruppengerecht zu gestalten. In der Diskussion geht es unter anderem darum: * wie Studierende zu eigenständigen Positionen und Perspektivwechseln befähigt werden können, * wie forschendes Lernen in der Lehre verankert werden kann, * welche hochschuldidaktischen Weiterbildungsangebote und institutionellen Anerkennungen nötig sind, * welche strukturellen Bedingungen (Zeit, Vertragsformen, Prüfungsformate) gute Lehre behindern und * wie der Austausch zwischen Lehrenden innerhalb und außerhalb der eigenen Universität sowie neue Lehrformate die Lehrpraxis beleben können. Publikationen zu den besprochenen Themen * Hof, A., Lindau, A.-K. (2024): GeoTandem Salzburg - Halle: „Cooling  Cities = Greening Cities“ - OER zu Stadtökologie im Kontext von BNE in der Lehrkräftebildung gestalten [https://doi.org/10.25598/OER/GT-S-H/25] * Seckelmann, A., Hof, A. (Hrsg.) (2020): Exkursionen und  Exkursionsdidaktik in der Hochschullehre. Erprobte und reproduzierbare Lehr- und Lernkonzepte [https://doi.org/10.1007/978-3-662-61031-2] * Wintzer, J./Mossig, I./Hof, A. (2021): Prinzipien, Strukturen und Praktiken geographischer Hochschullehre [https://doi.org/10.36198/9783838556680] * Mossig, I. (2024): Innerdisziplinäre Paradigmenpluralität = Pluralität in der Wissenschaftsdidaktik? Das Beispiel der Geographie [https://doi.org/10.2307/jj.18255581.15] * Mossig, I./Müller, A.-L. (2024): GeoTandems. Teamteaching in der geographischen Hochschullehre [https://doi.org/10.52038/9783643156365] Der VGDH [https://vgdh.de/] ist Herausgeber des Podcast.

Transcript

Speaker: Willkommen zu einer neuen Folge von Was bewegt die Geografie?

Speaker: Heute geht es um ein Thema, das uns als WissenschaftlerInnen spätestens dann betrifft, wenn wir vorne stehen, die Tafel halb voll geschrieben ist und wir in einen Raum blanker Gesichter blicken.

Speaker: Was macht gute Hochschullehrer eigentlich aus?

Speaker: Gerade in einem Fach für die Geografie, das methodisch, inhaltlich und institutionell extrem vielfältig ist, will ich der Frage aber nicht allein nachgehen, sondern habe heute Prof. Dr. Ivo Mossig von der Universität Bremen, Assoziierte Professorin Dr. Angela Ho von der Universität Salzburg und Privatdozentin Dr. Janine Winzer von der Universität Bern zu Gast.

Speaker: Wir reden dabei nicht nur über Formate, Strukturen, Herausforderungen und Evaluation, sondern darüber, wie Lehre so gestaltet werden kann, dass sie nicht nur funktioniert, sondern wirklich etwas bewegt.

Speaker: Angela, du hast Geografie, Bodenkunde und Botanik in Gießen und Durham studiert und an der Universität Bochum promoviert und habilitiert.

Speaker: Seit 2014 warst du zunächst als Assistenzprofessorin und jetzt als Assoziierte Professorin an der Universität Salzburg tätig.

Speaker: Dort hast du zunächst im Fachbereich Geografie und Geologie gearbeitet und bist jetzt im Fachbereich Umwelt und Biodiversität tätig.

Speaker: Deine Forschung bewegt sich an der Schnittstelle von Mensch-Umwelt-Forschung und Stadtökologie.

Speaker: Und in der Lehre arbeitest du seit Jahren mit Projekt- und forschungsorientierten Formaten und Exkursionen und bringst damit eine wahnsinnig wichtige Perspektive mit, die wir heute brauchen.

Speaker: Herzlich willkommen, Angela.

Speaker: Servus, ich freue mich, dass ich heute hier dabei bin.

Speaker: Ivo, du hast

Speaker: Du hast Geografie und Mathematik auf Lehramt am Gymnasien in Gießen studiert und dort auch promoviert.

Speaker: Seit 2008 bist du Professor für Humanengeografie mit dem Schwerpunkt Wirtschafts- und Sozialgeografie an der Universität Bremen.

Speaker: Und in deiner Forschung beschäftigst du dich unter anderem mit Globalisierungsprozessen, Clustern und Netzwerken und deren Bedeutung für Regionalentwicklung, aber eben auch mit der Rolle der Geografie als Wissenschaftsdisziplin und der Hochschullehrer.

Speaker: Du hast gemeinsam mit Kollegen ein grundlegendes Werk zur geografischen Hochschullehre veröffentlicht und ich habe dich erstmals kennengelernt, als du auf dem DKG 2019 für deine gute Lehre ausgezeichnet wurdest.

Speaker: Besonders spannend für heute ist, dass du dich in letzter Zeit mit der Paradigmenvielfalt innerhalb der Geografie beschäftigst und in dem Zusammenhang mit der Frage, was das eigentlich für unsere Lehre bedeutet.

Speaker: Insofern, schön, dass du da bist.

Speaker: Herzlich willkommen, Ivo.

Speaker: Moin.

Speaker: Janine, du bist Privatdozentin für qualitative Methoden am Geografischen Institut der Uni Bern, wo du bereits dein PhD-Studium der Geografie zum Thema Geografien erzählend abgeschlossen hast.

Speaker: Im Jahr 2022 folgte die Verteidigung deiner Habilitation, in der du dich mit der Frage beschäftigt hast, welche Geografie braucht es im 21.

Speaker: Jahrhundert und damit in Wissensgesellschaften.

Speaker: Neben den unserer Disziplin zugrunde liegenden Theorien und Methoden liegt dir aber auch die Weiterentwicklung der Hochschullehre sehr am Herzen und so reflektierst du zum Beispiel auch Praktiken der Qualitätssicherung wie beispielsweise Evolution in deiner Arbeit.

Speaker: Mit diesem Zugewinn für die versammelte Expertise freue ich mich umso mehr, dich heute im Podcast begrüßen zu dürfen.

Speaker: Herzlich willkommen Janine.

Speaker: Hallo und vielen, vielen Dank für diese Einladung.

Speaker: Ich freue mich sehr.

Speaker: Die Geografie ist ja ein Fach, das sich manchmal nicht so leicht greifen lässt.

Speaker: Also irgendwo zwischen physisch, human, qualitativ, quantitativ, regional und global.

Speaker: Und immerhin heißt es ja irgendwie auch, Geography is what geographers do.

Speaker: Und das macht sie einerseits für uns logischerweise irgendwie auch spannend, sonst wäre man nicht in dem Feld tätig, aber auch herausfordernd.

Speaker: Also gerade wenn man sie jetzt lehren soll.

Speaker: Wenn man zum Beispiel in einem Modul sowohl Statistik als auch raumtheoretische Texte und am besten noch irgendwie die Sozialgeografie abdecken muss oder wenn sich Studierende fragen, was eigentlich das verbindende Element unserer Disziplin ist, die Frage, die sich darstellt, ist, inwiefern trägt dieses Dazwischensein die Art und Weise, wie ihr Lehre denkt oder auch gestaltet?

Speaker: Ja, also ich bin mir gar nicht so richtig sicher, ob es um einen dazwischen geht.

Speaker: Vielleicht ist es einfach mal, wenn man die Perspektive einnimmt, es ist ein Alles.

Speaker: Weil das, was die Geografie möglicherweise verbindet und was wir ja Paradigmenpluralismus fachlich nennen, würde ich mal grundsätzlich als Perspektivenvielfalt bezeichnen.

Speaker: Und dadurch ist es eigentlich gute Lehre dann, wenn wir es schaffen, dass die Studierenden zwischen den Perspektiven wechseln können.

Speaker: Je nach Kontext.

Speaker: Und das finde ich doch erstmal ein sehr, sehr schönes Ziel für die Hochschullehre, das anzustreben, wenn Studierende ihre Perspektiven wechseln können.

Speaker: Und die lernen, Studierende ihre Perspektiven zu wechseln.

Speaker: Da würde ich sehr, sehr gerne den Vorschlag machen, dass da eigentlich als allererstes mal wir gefragt sind.

Speaker: Denn wenn wir in eine Vorlesung gehen und uns hinstellen und immer so tun, als wenn wir als Individuen

Speaker: für die gesamte Geografie stehen, dann haben wir schon mal das erste Problem.

Speaker: Es wäre doch irgendwie total schön, wenn wir auch sagen könnten, ich stehe für diesen Teil der Geografie.

Speaker: Also hallo, ihr seid jetzt bei mir hier in der Vorlesung, zum Beispiel qualitative Methoden und ich bin eine Konstrukturistin und ich sehe die Welt aus dieser und dieser Perspektive.

Speaker: Und dann wäre es doch erstmal super, dass wir selber uns lernen zu verorten

Speaker: Und dann können wir möglicherweise auch erreichen, dass andere sich verorten können, dass unsere Studierenden merken, okay, ich kann hier eine Position einnehmen.

Speaker: Mit einer Position kommt ein theoretisches Gerüst, mit einem theoretischen Gerüst kommt ein Zugang auf die Welt, eine Brille, wie wir das so oft sagen.

Speaker: Und ich habe irgendwie die Hoffnung, wenn wir selber uns regelmäßig verorten, bringen wir auch unserem Studierenden bei, sich zu verorten.

Speaker: Spannend.

Speaker: Und Ivo, wie ist das bei dir?

Speaker: Wie würdest du das beschreiben, dieses Dazwischensein bzw.

Speaker: das Ganze sein und diese Vielfalt der Perspektiven?

Speaker: Ich möchte am liebsten mit meinem Amtsvorgänger Gerhard Barenberg antworten.

Speaker: Er hat mal gesagt und damit oft provoziert, die Geografie ist aber auch ein verdammt schweres Fachwoll.

Speaker: Viel zu schwer eigentlich für die Studierenden und für die Gesellschaft.

Speaker: Und er meint damit, dass ich, wenn ich einfach nur die beiden großen Unterscheidungsfelder aufmache zwischen der physischen Geografie und der Humangeografie, dass sich in beiden Bereichen ganz unterschiedliche Denkstile entwickelt haben.

Speaker: Das denkt bei den Untersuchungsgegenständen an.

Speaker: Der Raum und räumliche Merkmale, räumliche Strukturen, wie sie in der physischen Geografie Gegenstand der Forschung sind, den hat die Humangeografie nicht mehr, sondern sie untersucht gesellschaftliche Handlungen, die sich dann räumlich niederschlagen.

Speaker: Es haben sich sehr unterschiedliche Methoden entsprechend ausgebildet, wie die beiden Sachen beforscht werden.

Speaker: Und wenn die Geografie diese vielbeschworene natürliche Interdisziplinarität aufrechthalten will, dann muss sie Formate und Gelegenheiten schaffen, dass dieses erlebbar ist.

Speaker: Ich stimme Janine völlig zu, dass man erstmal eine Positionierung braucht und dass man kenntlich macht.

Speaker: wo man steht und mit welcher Brille man drauf schaut.

Speaker: Mir kommt es manchmal so vor, wir hätten entweder ein Mikroskop oder ein Fernrohr.

Speaker: Ja, man sieht mit dem Mikroskop einiges, man sieht mit dem Fernglas was anderes.

Speaker: Aber das dazwischen muss auch irgendwann thematisiert und in den Modulen irgendwie auch erlebbar gemacht werden.

Speaker: Und ich glaube, da hilft es, wenn man ganz konkret Module, Veranstaltungen anbietet, die von Lehrenden, die sowohl aus der physischen als auch aus der Humangeografie kommen,

Speaker: Würdest du dem zustimmen oder hättest du Ergänzungen, Angela?

Speaker: Ich würde gerne aufgreifen, was Ivo gerade gesagt hat, also Mikroskop oder Fernrohr.

Speaker: Und für mich ist das eines der wenigen zentralen geografischen Konzepte, die ich mir wünschen würde, die Studierende als Denkform verinnerlichen, und zwar Skale oder Maßstabsebene.

Speaker: Und über diesen Zugang, glaube ich, kann ich sowohl physisch-geografische als auch humangeografische Inhalte ansprechen.

Speaker: Und das ist für mich gleichzeitig eine Verordnung, nämlich klarzumachen, auf welcher Maßstabsebene oder Skala befinde ich mich gerade mit der Ausführung oder mit dieser Perspektive.

Speaker: Studierende am Anfang, da kann man so drüber streiten, ist es gut, sie gleich mit diesen Theorien und so weiter zu beschäftigen.

Speaker: Da glaube ich, sind nicht alle so ganz glücklich mit oder es fällt nicht allen leicht.

Speaker: Deswegen habe ich mich in meiner Laufbahn inzwischen so ein bisschen auf das geografische Denken verlegt, wo ich denke, also was ist eigentlich so ein bisschen der Kern von dem, was wir alle haben.

Speaker: Und da ist für mich eben dieses Key Concepts, so hat das ein Buch mal genannt von englischen Kolleginnen, Key Concepts in Geography, ganz hilfreich.

Speaker: Das Place, Base und Scale.

Speaker: Und was ich toll finde an dem Band, da haben immer Kolleginnen aus der physischen und humanen Geografie zum selben Stichwort ein Kapitel geschrieben.

Speaker: Und das ist für mich, obwohl es jetzt 2009, glaube ich, erschienen ist, immer noch so hilfreich als Zugang.

Speaker: Und das habe ich so erlebt, ist vielleicht ein bisschen eingängiger für Kolleginnen, die sich mit den Theorien oder den Turns, also den Wänden in der Geografie vielleicht nicht so intensiv beschäftigt haben.

Speaker: Aber insofern stimme ich zu, Studierende auch mit diesem intradisziplinären Vielfaltsbild zu konfrontieren oder vielleicht ihnen das Vertrauen zu mahnen.

Speaker: Ja, was wir jetzt mit diesem Hinweis von Angela und auch mit dem Hinweis von Ivo ja gesehen haben, dass wir uns auf einen Gegenstand konzentrieren können und damit uns auch wegbewegen von dieser Vorstellung, es würde da etwas im Humangeografischen geben und es würde da etwas im Physischen geben.

Speaker: sondern dass wir an den Gegenständen merken, dass unser geografisches Denken ja gar nicht so unterschiedlich ist.

Speaker: Dass wir nicht sagen, ich bin eine Humangeografin und ich bin ein physischer Geografin oder ich bin eine Geoinformatikerin, sondern am Ende ist das geografische Denken liegt eigentlich in einem ganz wichtigen Kern an eben, wie jetzt wir gehört haben, Space, Place, arbeiten zu können, denken zu können und Bezüge zueinander machen zu können.

Speaker: Ja, ich denke, wir haben jetzt Antworten gegeben aus unserer eigenen vielleicht Lehrpraxis.

Speaker: Oft vergisst man, glaube ich, dass man ein Teil ist in diesem Puzzle, was Modul oder dann Curriculum ist und dass es ja auch einander ergänzen soll, aufeinander aufbauen kann.

Speaker: Und es ist vielleicht für junge Kolleginnen hilfreich, sich auch nicht zu überfordern.

Speaker: In dem Sinne, ich muss jetzt alles, was in der Modulbeschreibung so drinsteckt, auch wirklich leisten können.

Speaker: sondern mit den Kolleginnen auch zu sprechen, wie eben sich vielleicht auch der rote Faden ziehen kann durch das Modul.

Speaker: Ja, und das ist ein Prozess.

Speaker: Und da kommen wir doch schon an den Punkt, wie kann gute Lehre gelingen?

Speaker: Das heißt, die Modulverantwortlichen, die Lehrenden, die müssen miteinander auch reden.

Speaker: Die sollen sich nicht abkapseln und nur ihre Veranstaltung, ihren Kurs oder ihr Modul optimieren, sondern dieses Aufeinanderbeziehen bedeutet, dass man sich über die Inhalte austauscht, verständigt.

Speaker: Und wenn an geografischen Instituten kein gutes Arbeitsklima umgeht,

Speaker: unter den Lehrenden ist, dann hat man da ein Problem.

Speaker: Wenn es darum geht, dass nicht nur eine Veranstaltung gut ist, dann brauchen wir Kommunikation untereinander.

Speaker: Das heißt also, dass eigentlich das, was die Geografie ausmacht, nicht nur im Theoretischen liegt, das heißt also diese Offenheit, sondern sich diese Offenheit auch direkt auf den Lehralltag auswirken kann und eigentlich auch sollte.

Speaker: Und gerade dann, wenn wir jetzt vor den Studierenden stehen und diese Studierenden mit ganz unterschiedlichen Erwartungen, Hintergründen oder Lernzielen auch im Raum sitzen.

Speaker: Und du hast es jetzt schon angesprochen, ein Geder, dass das einfach auch ein Prozess ist, dieses Anpassen.

Speaker: Wie habt ihr im Laufe eurer Lehrtätigkeit euren eigenen Zugang zur Lehre entwickelt und was hat sich dabei vielleicht auch verändert?

Speaker: Also Janine, magst du den Anfang machen?

Speaker: Ja, ich habe mir am Anfang meiner beruflichen Tätigkeit oder meiner Hochschullehre sehr viel Gedanken darüber gemacht, was müssen diese Menschen, die da vor mir sitzen, denn jetzt wissen.

Speaker: Und ich glaube, ich bin relativ zu der Einstellung gekommen, naja, es kann jetzt nicht so sehr zum Beispiel ein lösungsorientiertes Wissen sein, weil dieses lösungsorientierte Wissen ist in fünf Jahren veraltet.

Speaker: Und dann habe ich mir gedacht, okay, also es kann wie nicht am Ende etwas präsentiert werden, sondern eigentlich muss der Prozess von Selbstlernprozessen, von intrinsischem Lernen initiiert werden.

Speaker: Also es geht ums Fragen stellen und irgendwie um diese Skills, dass die Personen in fünf, in zehn, in 15 Jahren sich immer wieder bereitwillig der Geografie zu wenden, um selber Wissen und Lösungen zu finden.

Speaker: Und ich glaube, man kann das immer nur wieder machen, indem man Beispiele aus der Forschung bringt und sagt, okay, wäre das heute noch möglich, so zu denken?

Speaker: Nein, wäre es nicht.

Speaker: Die feministische Geografie, die postkoloniale Geografie, die kritische Stadtgeografie, da kann man so viele empirische Beispiele herausziehen, wo man sieht, dass Antworten von vor zehn Jahren heute nicht mehr hinreichend sind.

Speaker: Und daran auch zu zeigen, schaut mal, was sind die Probleme, warum funktioniert das nicht, was brauchen wir noch.

Speaker: Das ist so mein Weg, den Reflexionsprozess anzustoßen für das, was diesen jungen Menschen möglicherweise in 10, in 15 Jahren begegnen wird.

Speaker: Würdest du das so unterschreiben, Angela?

Speaker: Oder wie hat sich das vielleicht auch bei dir verändert?

Speaker: Also was sich sicherlich verändert hat, ist, dass ich heute etwas besser dosiert vielleicht die Inhalte präsentiere.

Speaker: Also weniger ist mehr.

Speaker: Das ist einfach der Erfahrung geschuldet.

Speaker: Und es ist festgestellt, es ist nie dasselbe so von den Abläufen.

Speaker: Und ich glaube, das ist auch eine Reaktion auf diese Erkenntnis, wie Janine das richtig sagte, dass manche Sachen tragen nicht mehr oder das funktioniert so nicht mehr oder das ist vielleicht auch nicht mehr wirklich zeitgemäß, aber eben, dass ein permanentes Nachdenken und Gestalten wichtig ist.

Speaker: Und ich glaube, das ist etwas, was lebendig ist oder was lebendig macht, dann auch, wenn man Lehre so angeht.

Speaker: Und das ist ja irgendwie auch das Spannende.

Speaker: Also ihr habt von Vorlesungen geredet, von Seminaren, wo wir ja auch alle schlussendlich immer wieder neben dieser Verortung, die du vor allem auch Janine angesprochen hattest, jeweils unterschiedliche Rollen einnehmen.

Speaker: Also stellt sich dann irgendwann auch die zentrale Frage dieser Folge, nämlich was und vielleicht auch welches Rollenverständnis macht jetzt eigentlich gute Hochschullehrer aus?

Speaker: Und zwar jetzt nicht im abstrakten, normativen Sinne, sondern halt wirklich ganz praktisch.

Speaker: Also was versteht ihr unter guter Hochschullehrer in der Geografie?

Speaker: Oder woran merkt ihr selbst, dass Hochschullehrer jetzt gerade gelingt oder eben nicht, Ivo?

Speaker: Mich hat der Ansatz des Forschenden Lernens sehr inspiriert, weil es geht nicht nur darum zu gucken, welche Inhalte sind vielleicht nach zehn Jahren veraltet und so weiter.

Speaker: Eine Kompetenz, die die Studierenden ja lernen müssen, ist, relevante Fragen zu adressieren.

Speaker: Fragen, die sie auch mit den Konzepten, Theorien, Methoden, die sie gelernt haben, bearbeiten können.

Speaker: Also Fragen, die die richtige Fragenweite vielleicht haben.

Speaker: Aber erst mal selber diejenigen zu sein, die diese Fragen adressieren.

Speaker: Und das muss eingeübt werden.

Speaker: Man kann nicht fünf Semester hinterher lernen, was der State of the Art des Stoffes ist, um dann am Ende bei der Bachelorarbeit oder bei der Masterarbeit und jetzt mal selber schwimmen.

Speaker: Und deswegen orientieren wir uns bei dem forschenden Lernen auch immer an diesen Gedanken, man muss eigentlich regelmäßig im Studienverlauf einatmen und ausatmen.

Speaker: Einatmen, dass man natürlich Input bekommt, dass man den derzeitigen Stand des Wissens vermittelt bekommt.

Speaker: Aber gleichzeitig, dass man in jedem Semester auch immer wieder Wissensprodukte anfertigt, dass man selber aktiv daran gestaltet ist, warum ist das nun relevant und wie fügt sich das zum Fachdiskurs ein, den ich hier adressieren möchte.

Speaker: Und es gibt in der fachdidaktischen Literatur so eine Unterscheidung.

Speaker: Ich mache es mal ganz grob.

Speaker: Auf der einen Seite, man kann die Lehrenden in den Blick nehmen.

Speaker: Und sehr häufig, und das habe ich gerade zu Beginn auch selber gemacht, also ich habe den Lernprozess vororganisiert, habe vorgekaut und habe versucht, durch möglichst schöne, anschauliche Erklärungen, Ihnen das Verdauen des Stoffes möglichst einfach und angenehm darzulegen.

Speaker: Bis ich irgendwann gewerkt habe, Lernen findet statt, wenn man in einer aktiven Rolle ist.

Speaker: Nicht nur des Kauens und Verdauens oder des Verdauens des Vorgekautens,

Speaker: sondern dass man wirklich eine herausfordernde Frage gestellt bekommt, selber adressiert und sich der stellt.

Speaker: Und da hat natürlich in Kombination mit dem forschenden Lernen sich einiges bewegt.

Speaker: Wenn ich die Verantwortung abgebe für die Frage, was ist nun wirklich relevant, was erachtet ihr für relevant und begründet das aus einem fachlichen Kontext heraus, dann liegt gar nicht so sehr an meiner Performance, wie gut ich der Erklärer bin,

Speaker: sondern wie gut ich begleite und coache an der Stelle, wenn man eben seinen Fragen nachgeht.

Speaker: Und wie merke ich, ob etwas gelungen ist?

Speaker: Das Ziel ist es ja, dass die Studierenden eine fachliche Identität entwickeln und mir forschende Haltung tatsächlich eingenommen haben.

Speaker: Also nicht, wie ist es?

Speaker: Ich lerne hinterher, sondern diese Neugierde sich bemerkbar macht.

Speaker: Und das liest man dann in den Abschlussarbeiten.

Speaker: In der bestmöglichen Welt, die ich mir erträumen kann, lese ich Abschlussarbeiten, aus denen diese forschende Haltung und diese fachliche Identität hervorscheint.

Speaker: Spannend und ein wirklich schöner Ansatz, bei dem ja auch nochmal sehr deutlich deine Haltung gegenüber der Lehre, aber gleichzeitig auch die Eigenverantwortung der Studentin und diese Idee, weniger der handelnde Part, sondern vielmehr eigentlich der anleitende, der unterstützende Part im Vordergrund steht.

Speaker: Was natürlich gerade bei jüngeren KollegInnen, die auch weniger Erfahrung in der Lehre haben, eine ganze Menge Druck erzeugen kann.

Speaker: Insofern, als dass ich zum Beispiel auch nicht einfach meinen Stiefel fahren kann, sondern halt versuchen muss nachzujustieren, mich selber anpassen muss.

Speaker: Das heißt also selber eigentlich schon bei vielen Fragen sehr sicher sein muss.

Speaker: Insofern wäre meine Frage vielleicht auch an euch drei nochmal ergänzend.

Speaker: Inwiefern würdet ihr vielleicht auch strukturelle Schwierigkeiten darin sehen, was gute Lehre anbelangt, dass jetzt zum Beispiel

Speaker: PhDs dann auch alle sechs Jahre in Deutschland wechseln und damit natürlich auch das Wissen über die Lehre verloren geht.

Speaker: Ja, also ich glaube, eine Mischung ist sehr wichtig.

Speaker: Und wenn jüngere Kolleginnen und Kollegen zu Beginn vielleicht aus einer gewissen Unsicherheit heraus sehr stark überlegen, was muss ich an Stoff vorweg kennen, damit ich vor dem Kurs einen Wissensvorsprung habe, weil sie vielleicht noch nicht die Gelassenheit haben, haben junge Kolleginnen und Kollegen oft den Vorteil, dass sie eine viel höhere Serviceorientierung den Studierenden gegenüber haben, ein viel offeneres Ohr und viel näher dran sind für die vielfältigen Lebenslagen, die Studierende haben.

Speaker: Und genauso braucht man manchmal ein paar schrullige Alte mit Ecken und Kanten, weil an den Kanten kann man sich dann mal festhalten, wenn es drauf ankommt, die dann Erfahrung haben und das als Fels in der Brandung auch mal in die Waagschale werfen können.

Speaker: Und eben ganz wichtig ist der Austausch und erstmal das gegenseitige Anerkennen von verschiedenen Stilen und die Verständigung auf gemeinsame Nenner.

Speaker: Janin, du hast dich auch noch gemeldet.

Speaker: Ja, vielleicht können wir diese beiden Dinge auch ein bisschen zusammendenken.

Speaker: Also einmal, wie gelingt gute Lehre und andererseits unter diesen neoliberalen Kontexten, die wir jetzt an der Universität haben.

Speaker: Und da möchte ich etwas aufgreifen, was auch schon zu Beginn mal gesagt wurde.

Speaker: Es braucht eben nicht nur die Kommunikation über die fachlichen Inhalte, sondern eben auch über unsere hochschuldidaktischen Konzepte.

Speaker: Und es ist tatsächlich so, dass der große Wechsel von jungem Personal, vor allem aus dem Mittelbau, bei uns jetzt aus meiner Perspektive an unserem Institut schon auch immer wieder zu Lücken führt.

Speaker: Also man hat dann immer wieder junge Leute, die nicht wissen, wie man eine Prüfung stellt, wie man eigentlich richtig benotet, welche Kriterien man anlegt pro Semester.

Speaker: Und da brauchen wir dringend auch Unterstützung.

Speaker: Wir haben in Bern ein fantastisches Zentrum für hochschuldidaktische Weiterbildung.

Speaker: Und es braucht natürlich intern in den Instituten immer wieder auch top-down Debatten.

Speaker: Okay, das machen wir hier so.

Speaker: Und schau dir das mal an.

Speaker: Wenn du was veränderst, bitte rede darüber.

Speaker: Wenn du das genauso machst, bitte rede auch darüber.

Speaker: und tausche dich aus.

Speaker: Also in diesem neoliberalen System immer wieder zu kommunizieren, ich bin jetzt hier die neue PhD-Studentin, ich habe jetzt diese Übung, dieses Praktikum, diese Exkursion übernommen, ich möchte mich mit euch auseinandersetzen, euch alten.

Speaker: Wie habt ihr das gemacht?

Speaker: Nur das ist überhaupt ein guter Weg zu guter Lehre, um eine Einheitlichkeit im System auch festlegen zu können.

Speaker: Und ich denke, das ist eine ganz, ganz wichtige Sache, die wir viel zu selten machen.

Speaker: Wir bemängeln das immer wieder bei Forschung und schauen viel zu selten auf die Hochschullehrer.

Speaker: Spannend.

Speaker: Und eigentlich auch die ergänzende Perspektive zu dem, was du jetzt auch sagtest, Ivo, mit dem Team-Teaching.

Speaker: Aber du, Angela und du, Ivo, ihr habt noch Anmerkungen.

Speaker: Ich finde, wenn ich die letzten Jahre Revue passieren lasse, hat Lehre einen enormen Bedeutungsgewinn an Hochschulen erfahren.

Speaker: Und die Kolleginnen und Kollegen setzen sich intensiver damit auseinander, wie kann gute Lehre gelingen und sie nutzen die tollen Angebote, die es gibt an den einzelnen Universitäten.

Speaker: Was wir, glaube ich, noch stärker befördern könnten, wäre der Austausch über die Unis hinweg.

Speaker: Ich glaube, da liegt noch ein großes Potenzial und das ist etwas, was uns drei ja auch motiviert, dem AK Hochschullehrergeografie vorzustehen.

Speaker: Dass man nämlich Ideen, die am eigenen Standort gelingen, dass man diese austauschen kann mit den Kolleginnen und Kollegen von anderen Standorten.

Speaker: Und deswegen glaube ich, professionalisiert sich Hochschullehrer durchaus.

Speaker: Angela?

Speaker: Bei all diesen Dingen, die gesagt sind, gehe ich mit.

Speaker: Gleichwohl will ich auf meinen Punkt nochmal mit der Fachlichkeit so ein bisschen zurückkommen.

Speaker: Mir scheint schon wichtig, dass man das nicht aus dem Blick verliert.

Speaker: Also dass man auch überlegt, was ist jetzt das, was das Alleinstellungsmerkmal ist oder was sollen die Studierenden am Ende vom Bachelor auf jeden Fall irgendwie können.

Speaker: Wie gesagt, meine gewisse Denkform oder Denkwirkung.

Speaker: Fähigkeit, die dann auch überdauert.

Speaker: Und das ist natürlich nicht trivial, die zu identifizieren.

Speaker: Das heißt also, wir haben eigentlich auch da wieder verschiedene Ebenen, die wir hier an der Stelle zusammendenken sollten.

Speaker: Nämlich einerseits das Interne zwischen den, du hattest das vorhin auch so schön gesagt, Ivo, zwischen den sehr serviceorientierten jungen KollegInnen und den schon älteren

Speaker: Damen und Herren, die ein paar mehr Kanten haben, die aber nicht nur dafür da sind, dass sich daran gestoßen wird, sondern tatsächlich an denen man sich auch mal festhalten kann.

Speaker: Und gleichzeitig aber über diesen internen Austausch, der im besten Falle auch institutionalisiert ist, hinaus von anderen Universitäten, von anderen Instituten zu lernen,

Speaker: Und gleichzeitig die Angebote, die die Universität bereitstellt, also diese Angebote tatsächlich auch wahrzunehmen und wenn diese hochschuldidaktischen Angebote sich weiterentwickeln, sich die Lehre weiterentwickelt und wieder frischer Wind zum Beispiel auch mit reingetragen werden kann und neue Formate mit reingetragen werden können.

Speaker: Gleichzeitig ist ja eben nicht nur eine Frage der Haltung oder jetzt auch des gelernten didaktischen Geschicks, sondern auch schlussendlich eine Frage der strukturellen Rahmenbedingungen, die gute Lehre ausmachen.

Speaker: Also wenn zum Beispiel ein Methodenmodul mit über 80 Teilnehmenden stattfindet, Exkursionen parallel laufen oder Prüfungsformen einfach schlicht und begreifend, wie sie in der Modulbeschreibung drinstehen, nicht zu den Lehrzielen passen.

Speaker: dann ist halt irgendwann auch die engagierteste Lehrperson limitiert in dem, was sie tatsächlich schaffen kann.

Speaker: Das heißt also, die Frage, die jetzt für mich interessant wäre, wäre, welche institutionellen Bedingungen jetzt aus eurer Sicht gute Lehre fördern, beziehungsweise wo wiederum typische Hürden im universitären Alltag liegen.

Speaker: Zunächst würde ich das nochmal unterstützen.

Speaker: Hochschuldidaktische Qualifizierung ist, glaube ich, sehr, sehr wertvoll.

Speaker: Und das ist ein wichtiges institutionelles, strukturelles Instrument.

Speaker: Das heißt, Zeit dafür geben, Zertifikate ausstellen und junge Mitarbeiterinnen auch ermutigen, das zu machen, sich also Zeit dafür zu nehmen.

Speaker: Denn Zeitmangel ist, glaube ich, ein wichtiges Stichwort, gerade mit Wissenschaftszeitvertragsgesetz und all diesen Dingen.

Speaker: Also das heißt, die Institution sollte auch

Speaker: gute Lehre würdigen.

Speaker: Und Hürden, ich würde meinen, dass Zeitmangel einfach eine große Hürde ist.

Speaker: Janine hat schon diese neoliberale Hochschulpolitik angesprochen.

Speaker: Also der Druck, viel zu veröffentlichen, gut in hochrangigen Journals und Drittmittelakquise und gute Lehre ist auch zeitintensiv.

Speaker: Und die Frage ist, wie ist das alles in das eigene Zeitmanagement einpassbar?

Speaker: Janine,

Speaker: Ja, ich würde an dieser Stelle sehr, sehr gerne ergänzen.

Speaker: Es ist doch eigentlich sehr, sehr verrückt, dass wir eine hochkomplexe, sehr diverse Welt haben und mit der Geografie einen Paradigmenpluralismus, eine Perspektivenvielfalt haben, die ja dadurch entstanden ist, dass wir diese sehr, sehr diverse Welt einfangen wollen.

Speaker: Und worauf ich hinaus möchte, also wenn wir schon immer wieder über die diverse Welt sprechen, müssen wir auch die Universität dringend diversifizieren.

Speaker: Es kann einfach nicht sein, dass es diese Pyramide von Studierenden bis hoch zur Professorinnenschaft gibt.

Speaker: Wir brauchen parallele Karrierewege an den Universitäten.

Speaker: Ich zum Beispiel sitze auf so einem parallelen Weg als Dozentin.

Speaker: Wir haben hier Dozenturen, die auf 100 Prozent ihre acht Semesterwochenstunden haben.

Speaker: Also da sind nebenbei Habilitationen, Publikationen und auch Bücher möglich.

Speaker: Wir haben eine flexible Art und Weise, wie wir unsere Lehre gestalten.

Speaker: Wir können eine Vorlesung auch mal blocken, ein Seminar auch mal in einer Woche durchziehen.

Speaker: Wir sind also flexibel, unsere beruflichen Ansprüche zu vereinen.

Speaker: Und dafür braucht es die entsprechenden Möglichkeiten, eine Flexibilität im Hinblick flexibel anzupassen, was eben mit meinem beruflichen Alltag und auch mit meinem privaten Alltag, wenn wir über Live-Work-Balance reden, passieren muss.

Speaker: Unsere Karrierewege an den Universitäten sind viel zu univers und ich habe manchmal den Eindruck, wir sind so die einzige Institution, die sich diesen Weg noch leistet.

Speaker: Harsche Worte?

Speaker: Ivo, Erkennzungen?

Speaker: Nee, leider nicht.

Speaker: Der Befund ist ähnlich und einem klargelegt, dass häufig angestimmt wird, ist die zunehmend heterogene Studierendenschaft.

Speaker: Und auch da im Vergleich zur Gesamtgesellschaft ist die Studierendenschaft wesentlich homogener.

Speaker: Ich glaube, was wir meinen mit zunehmend heterogener Studierendenschaft, ist die Ausdifferenzierung der Lebenslagen der Studierenden.

Speaker: Und ich kenne eigentlich keinen Studierenden mehr, der zu 100 Prozent Vollzeitgeografie studiert.

Speaker: Aber alle Studienprogramme müssen noch danach ausgelegt sein, dass man innerhalb der Redezeit studiert.

Speaker: Und die Neoliberalisierung der Universität ist ein Riesenproblem.

Speaker: Also wir müssen in unseren Arenen, in den akademischen Senaten und im Gespräch mit den Hochschulleitungen drauf drängen und immer wieder die Frage stellen, welche Form von Universität wollen wir?

Speaker: Wir wollen ja keine gemanagten Unternehmen haben, die irgendwelche Zielzahlen erreicht, die sich in Euro und Zitationen bemessen.

Speaker: Also welche Universität brauchen wir, für welche Universität stehen wir ein und das geht in die Richtung der Freiräume, die meine Vorrednerin angesprochen haben.

Speaker: Dafür müssen wir in unseren Organisationen, in unseren Universitäten kämpfen, streiten, dass es eben nicht nur um Output im Sinne von Drittmitteln und Publikationen geht.

Speaker: Aber trotz dieser Herausforderung sieht man ja auch, dass viele KollegInnen auch eine ganze Reihe an neuen Formaten zum Beispiel ausprobieren.

Speaker: Also sei es jetzt irgendwie sowas wie der Flipped Classroom oder Projektseminare oder das Forschung und Lernen, was du auch schon angesprochen hattest, Ivo.

Speaker: Und ihr zählt ja auch alle zu diesen KollegInnen, die permanent versuchen, neue Dinge auszuprobieren.

Speaker: Und was mir jetzt hier im Gespräch auch deutlich geworden ist, ist, dass die Lehre halt für euch nicht nur irgendwie einen besonders hohen Stellenwert hat,

Speaker: sondern ihr selbst auch beständig neue Formate dazulernt und euch, und da kommen diese Freiräume, die jetzt mehrfach angesprochen wurden, wieder ins den Raum dafür nehmt, euch auch das ganze neue Wissen anzueignen.

Speaker: Und dabei ist es natürlich so, dass diese neuen Formate jetzt nicht nur Möglichkeiten mit sich bringen, sondern schlussendlich auch jedes eigene neue Format, auch neue Herausforderungen, vor allem, wenn dann die Gruppen an Studierenden auch heterogener werden müssen.

Speaker: unterschiedliche Vorkenntnisse, verschiedene Studien und Karriereziele, ungleiche Selbststeuerungskompetenzen und das eigentlich in jedem Kurs.

Speaker: Die Frage wäre jetzt tatsächlich, wie geht ihr mit dieser Heterogenität um?

Speaker: Einerseits natürlich auch im Hinblick darauf jetzt nicht zu vereinfachen, aber natürlich auch irgendwie nicht zu überfordern.

Speaker: Also das, was du jetzt angesprochen hast mit Heterogenität unter den Studierenden, das finde ich einen ganz, ganz wichtigen Punkt.

Speaker: Und ich denke, das ist das, was man, wenn man anfängt in der Hochschule zu arbeiten oder überhaupt im Bildungssektor, kommt man irgendwann an diesen Punkt.

Speaker: Man hat einen bestimmten Stil und dann merkt man, dass von 100 Studierenden 20 genauso sind wie ich und aber eben 80 sind anders.

Speaker: Sie sind vielleicht eher weniger auditiv, mehr visuell.

Speaker: Es gibt auch viele Personen, die können nicht mehr so lange in den Vorlesungen sitzen.

Speaker: Die sind berufstätig, sie haben Betreuungspflichten zu Hause mit vielleicht kleineren oder größeren Geschwistern.

Speaker: Und dann haben wir noch nicht darüber gesprochen, dass auch Menschen aus verschiedenen Milieus kommen, wo vielleicht eine bestimmte Art von Bildung gar nicht so zugänglich ist, sondern es braucht ganz andere Formen.

Speaker: Und ich habe mir da lange Gedanken darüber gemacht, was man da machen könnte.

Speaker: Und ich

Speaker: Ich weiß nicht, ob mir das immer gelingt.

Speaker: Ich bin immer wieder am Zweifeln.

Speaker: Aber grundsätzlich liegt, glaube ich, die Lösung mal darin, ganz verschieden anzubieten.

Speaker: Also ich bin eher so ein visueller Typ und so ein freisprechender Typ, dass ich aber gutes Material auch zur Seite stelle, wo Menschen, die ganz strukturierten Zugang haben, die alles auf Text, Weißpapier brauchen, gut folgen können.

Speaker: oder Personen, die berufstätig sind.

Speaker: Es braucht Podcast.

Speaker: Ich weiß, es ist auch kritisch zu sehen.

Speaker: Ich weiß, es ist auch schwierig.

Speaker: Alle meinen immer, dass die Podcasts nur von Menschen benutzt werden, die nicht in die Vorlesung kommen wollen.

Speaker: Das stimmt einfach nicht.

Speaker: Viele können einfach nicht kommen.

Speaker: Wir haben viele neurodiverse Personen, die in einem Saal mit 100 Leuten nicht sitzen können.

Speaker: Es geht nicht immer nur um die Unterstützung von der Unwilligkeit von Studierenden, sondern um die Unterstützung von vielseitigen Lebenskontexten.

Speaker: Summa summarum, wir werden nicht drum herum kommen, so vielseitig wie möglich Wissensvermittlung anzubieten, um dann aber einen Kontext zu schaffen, um über diese Vielseitigkeit zu reden.

Speaker: Ich frage dann die Studierenden, was hast du aus diesem Video genommen?

Speaker: Die anderen Studierenden frage ich, was hast du aus diesem Text mitgenommen?

Speaker: Die anderen frage ich, was hast du aus meiner Vorlesung mitgenommen?

Speaker: Und daran merken wir schon, das klassische Vorlesungssetting passt nicht mehr.

Speaker: Für mich passt es nicht.

Speaker: Und nur noch zum Auseinandersetzen.

Speaker: Und nur noch zum Besprechen und nicht zum Vorlesen.

Speaker: Spannend.

Speaker: Angela, wie ist das bei dir?

Speaker: Ja, ich glaube auch, dass es wichtig ist, diese Vielfalt an Lernressourcen zumindest aufzuzeigen, wenn sie auch nicht immer alle gleichzeitig eingesetzt werden kann oder von mir berücksichtigt werden kann.

Speaker: Das liegt aber auch am Gegenstand.

Speaker: Je nachdem, wie stark textorientiert Lehre ist, also in den humanen geografischen Veranstaltungen etwas mehr textbasiert,

Speaker: und vielleicht eher Daten- oder Analyse basiert in anderen Formaten.

Speaker: Und das, glaube ich, kann man berücksichtigen.

Speaker: Aber da wäre es dann die Vielfalt der Tools oder Zugänge, wie eben mit der Datenanalyse zum Beispiel vorgegangen werden kann.

Speaker: Und ich glaube sehr, sehr wohl, dass es eben nicht der Fall sein wird, dass die, in Anführungsstrichen, klassischen Face-to-Face-Formate in irgendeiner Form aussterben, weil sie verändern sich und sie passen sich an.

Speaker: Das Wichtige aber, um sie anpassen zu können, und das klang jetzt auch immer wieder an, ist einerseits natürlich dieser neue Input, der zum Beispiel durch jüngere KollegInnen, durch hochschuldidaktische Kurse und dergleichen reinkommt, aber natürlich auch sehr viel das Feedback von den StudentInnen.

Speaker: Also dieses Feedback zum Beispiel jetzt auch in Form von Evaluation ist natürlich wahnsinnig viel wert.

Speaker: Also sei es als Online-Fragebogen, kurzer Check, in mündliches Feedback oder aber auch tatsächlich so ein strukturierter Reflektionsbogen,

Speaker: Die Frage an euch wäre tatsächlich, wie nutzt ihr Evolution an eurer Lehre und was habt ihr dabei vielleicht auch gelernt, dass über jetzt die reine Feststellung, wie zufrieden waren sie mit dem Kurs, auf einer Skala von 1 bis 5 hinausgeht.

Speaker: Und du, Janine, hast ja auch dazu erst vor kurzem ein Paper veröffentlicht, also vielleicht kannst du da aus dieser Sicht einmal kurz darauf eingehen.

Speaker: Ich finde, das passt jetzt richtig gut dazu zu sagen, ja, wie kann ich denn meine Studierenden kennenlernen?

Speaker: Man kann Evaluationen benutzen, um die Studierenden kennenzulernen.

Speaker: Man kann Fragen stellen, was für Lerntypen seid ihr?

Speaker: Habt ihr den Eindruck, dass ihr von der Vielseitigkeit des Materials abgeholt wurdet?

Speaker: Man kann die Studierenden fragen, was denkt ihr eigentlich?

Speaker: Was sind Ziele einer Universität?

Speaker: Aber wir nutzen Evaluationen eher, um die Performance von Lehrenden zu überprüfen.

Speaker: Und das ist total fatal und das ist auch total unsinnig.

Speaker: Und wir nutzen Evaluationen, um Lehrende miteinander zu vergleichen in ihrem Erfolgsprofil.

Speaker: Das ist natürlich genauso unsinnig.

Speaker: Also wenn wir über Diversität reden, über Heterogenität von den Studierenden, dann könnten wir mit Evaluationen anfangen.

Speaker: Und das muss man gar nicht groß aufhängen.

Speaker: Manchmal mache ich am Anfang einer Vorlesung einen kleinen Mentimeter-Umfrage.

Speaker: Wer hat Special Needs?

Speaker: Wer hat Angst, hier zu sein?

Speaker: Wer fühlt sich super wohl?

Speaker: Wer hat in den ersten drei Wochen schon eine Lerngruppe aufgebaut?

Speaker: Und dann sieht man ganz genau, wie viel Prozent sich schon gefunden haben und wie viele noch suchen.

Speaker: Ich frage mal nicht mal auch, wer wohnt in Bern?

Speaker: Habt ihr eine Wohnung?

Speaker: Wohnt ihr zu Hause?

Speaker: Wie viel Fahrtweg habt ihr pro Tag?

Speaker: Es gibt so viele Möglichkeiten.

Speaker: Erstmal, dass wir unsere Studierenden kennenlernen.

Speaker: Und das machen wir auch viel zu wenig.

Speaker: Ja, genau.

Speaker: Und ich glaube, da ist auch mal die Frage, in welcher Situation des Studienverlaufs man diese Evaluierungen oder diese Frage stellt.

Speaker: Denn gerade zu Beginn, das ist ja eine Statuspassage, die da stattfindet.

Speaker: Wenn ich aus dem schulischen Setting an die Universitäten wechsle oder auch hinterher vom Bachelor in den Master hinein, dann stellen sich ja nicht nur inhaltliche Fragen, die mit einem Kurs verbunden sind, sondern auch soziale und organisatorische Herausforderungen.

Speaker: Und viele Studierende haben auch noch

Speaker: Personale Herausforderung, die es zu bewältigen gibt, die man einbeziehen kann und sollte.

Speaker: Und das ist also eine Frage a, wann im Studienverlauf, wann im Rahmen der Veranstaltung, wenn ich es zum Abschluss mache, kann ich darauf gar nicht mehr reagieren.

Speaker: Also dieses Kennenlernen der Studierenden möglichst dann zu Beginn oder

Speaker: nach drei, vier Wochen einmal abfragen, um zu gucken, ob das Angebot, was man hier unterbreitet, resonant stößt.

Speaker: Und als ganz praktischen Tipp, ich mache die Evaluierungen zugegebenermaßen nicht immer alle mit super kreativen Fragen, wie Janine sie genannt hat, aber immer mit so einem Online-Umfragesystem, dass man also auf die Antworten direkt eingehen kann.

Speaker: Habe ich richtig verstanden, dass sie mir mitteilen möchten, ob, dass man sich direkt darauf beziehen kann.

Speaker: Und am

Speaker: Die informativsten sind natürlich offengestellte Fragen, jenseits der auf einer Skala von 1 bis 5, die gut war, die Dozentin immer vorbereitet.

Speaker: Da lernt man natürlich noch mehr.

Speaker: Ernüchtert habe ich mal festgestellt, dass ich eine Abschluss-Evaluierung von einem Kurs, den ich seit Jahren mache, und das eine Jahr hatte ich das Gefühl, es ist mir richtig schlecht gelungen.

Speaker: Aber ich hatte die gleichen Evaluierung-Rückmeldungen auf diesen Notenskalen wie vorher, wo ich dann dachte, okay, ich sollte wirklich nur noch auf die...

Speaker: qualitativen und die Textantworten schauen.

Speaker: Also das hat sich nicht immer wieder gespiegelt, wenn man diese Standardtests nimmt.

Speaker: Wir hatten jetzt zwei Stimmen, ich würde sagen, aus der qualitativen Methodik beziehungsweise der Humangeografie.

Speaker: Wie sieht das in der physischen Geografie aus?

Speaker: Gibt es da Unterschiede in den Evolutionen oder auch im Rangehen an Evolutionen?

Speaker: Ich kann sicher nicht für die physische Geografie so als Ganzes sprechen.

Speaker: Ich hatte ja vielleicht anklingen lassen, Exkursionen und Geländeübungen halte ich für zentral im Studium.

Speaker: Und ich denke, da ist oft das Feedback sehr viel unmittelbarer möglich, weil eben mit der Beschäftigung am Standort schon deutlich wird, also wie viele Studierende können vielleicht was dazu sagen oder tragen bei und so.

Speaker: dann wird vielleicht deutlich, an welchem Punkt sind die jetzt oder wie ist so die Verständnissituation gegeben, wie gut gelingt es, das herzustellen.

Speaker: Das ist halt ein anderes Setting als im Hörsaal oder im Labor.

Speaker: Und insofern denke ich, ist es wichtig, dieses Feedback einzuholen und auch bewusst einzubeziehen.

Speaker: Und eben Evaluationen mit den offenen Fragen und so weiter können das hilfreich unterstützen.

Speaker: Aber ich teile auch Janines vielleicht Bedenken mit dem Vergleich und das ist zu stark auf diese Output-Orientierung.

Speaker: Also diese Evolution als etwas zu nutzen und das kam jetzt sehr gut durch, was Lehrende nutzen können, um Studenten kennenzulernen.

Speaker: Und das, was wir heute alles besprochen haben, da sind Evolution natürlich irgendwie ein großer, aber irgendwie auch nur ein Teil der

Speaker: Denn wir haben damit angefangen, uns anzuschauen, okay, was macht denn irgendwie eigentlich die Geografie aus?

Speaker: Und da tatsächlich auch zu sehen, dass dieses Bindeglied zwischen den einzelnen Subdisziplinen eigentlich sind, der Untersuchungsgegenstand.

Speaker: Und das sind Places, Spaces und Scale, wo Lehrende ansetzen können, um damit auch anzudocken.

Speaker: Also anzuschauen, wo ordnet sich vielleicht auch meine Lehrveranstaltung in einem größeren Modul oder in einem Curriculum ein,

Speaker: Und da dann einerseits, und das ist der zweite wichtige Punkt, nämlich das Thema Austausch, einmal irgendwie intim zwischen denjenigen, die schon länger dabei sind, diejenigen, die jetzt irgendwie neu reinkommen, aber logischerweise auch mit anderen Lehrenden am Institut, da zu schauen, wie ordnet sich eigentlich meine Lehrveranstaltung gerade ein und die Angebote wahrzunehmen an Universitäten zur Hochschuldidaktik.

Speaker: Dann natürlich aber auch, und da sind wir wieder bei dem Thema Austausch,

Speaker: scale, also nicht nur innerhalb des Instituts, nicht nur innerhalb der eigenen Arbeitsgruppe bleiben, sondern auch weiterzuschauen.

Speaker: Das hattest du, Ivo, ja auch angesprochen, an andere Unis zu schauen und gleichzeitig diesen Austausch in irgendeiner Form auch zu institutionalisieren.

Speaker: Und das Wichtige ist dabei, dass natürlich irgendwie auch die Rahmenbedingungen stimmen und auch darüber haben wir gesprochen.

Speaker: Also, dass einerseits der Wert der Lehre beigemessen wird, dann dementsprechend auch hoch angesetzt ist.

Speaker: Also erst wenn das erfolgt, ist es überhaupt möglich, in einem bestimmten Rahmen auch entsprechende Lehre zu machen.

Speaker: Und gleichzeitig Evolution eben genau als das zu nutzen, wie wir es besprochen haben.

Speaker: Als A natürlich einmal Feedback, aber eigentlich noch viel mehr zu schauen, wen habe ich eigentlich gerade vor mir sitzen?

Speaker: Und damit kommen wir auch zu dem, was wir jetzt schon zu Lehrenden besprochen haben, nämlich welche Rolle haben wir eigentlich und welche Rolle nehmen wir ein, die auch ganz klar zu kommunizieren und gleichzeitig währenddessen, auch wenn wir uns der Rolle bewusst sind, flexibel zu bleiben und natürlich dann auf Basis dessen, wie ich meine Studentin kennengelernt habe, wenn irgendwie innerhalb der Rahmenbedingungen möglich, ein breites Angebot für diese heterogene Studierendenschaft zu schaffen,

Speaker: damit einfach die Wissensvermittlung die Personen dort abholt, wo sie auch gerade stehen.

Speaker: Und die eigene Rolle ist natürlich einerseits das, was die eigene Perspektive auf einen Untersuchungsgegenstand ausmacht, aber natürlich auch unsere Rolle als Lehrende entsprechend gegebenenfalls auch zu überdenken.

Speaker: Und vielleicht zum Beispiel auch weniger als die Person da vorne sich zu sehen,

Speaker: die jetzt irgendwie gerade die leeren Köpfe mit Wissen füllen muss und vielleicht eher hinzukommen zu einem Mentoring, zu einem Coaching.

Speaker: Das heißt also eher anleitend zu denken und die Eigenverantwortung in den Vordergrund zu stellen.

Speaker: Und damit kommen wir jetzt auch zum Schluss und

Speaker: Wir haben jetzt schon viele praktische Tipps dabei gehabt, aber was lässt sich jetzt konkret mitnehmen?

Speaker: Und ich weiß, dass viele, die uns zuhören, auch selbst unterrichten.

Speaker: Und von daher wäre meine Frage an euch, was würdet ihr diesen Kollegen mitgeben?

Speaker: Also gibt es jetzt irgendwie ein Lehrformat, eine besondere Einstellung zur Lehre oder vielleicht auch irgendeine andere einfache kleine Veränderung, die sich bei euch als besonders hilfreich erwiesen hat, gerade dann, wenn die Bedingungen vielleicht auch mal nicht ideal sind?

Speaker: Magst du den Anfang machen, Janine?

Speaker: Ja, sehr, sehr gerne.

Speaker: Also vielen Dank für diese Zusammenfassung von unserem Gespräch.

Speaker: Und ich würde den Hörern und Hörerinnen sehr, sehr gerne mitgeben, verortet euch, zeigt euch, macht euch sichtbar, macht euch da vielleicht auch angreifbar, verwundbar.

Speaker: Die Studierenden fragen vielleicht auch, warum bist du eine Konstruktivistin, warum bist du eine Feministin oder feministische Geografin?

Speaker: Aber verortet euch damit, Studierende lernen, sich zu verorten und dadurch eben auch ein Reflexionsprozess angestoßen wird.

Speaker: Zweitens, seien Sie solidarisch zu den Kollegen und Kolleginnen.

Speaker: Wir sollten aufhören, Paradigmen Pluralismus so zu verstehen, dass da eine disziplinspezifische Geopolitik entsteht.

Speaker: Das brauchen wir nicht.

Speaker: Wir wissen, dass wir unsere Wissensbereiche ergänzen.

Speaker: Und das ist doch auch ganz gut, wenn für die Studierenden so eine Art Karte der Geografie entstehen kann, weil das brauchen sie im Berufsleben da draußen arbeiten, die Studierenden dann eben mit anders denkenden Menschen zusammen und das ist doch eine ganz, ganz schöne Aufgabe, dieses Perspektiven-Hoppings ihnen beizubringen und zu ermöglichen.

Speaker: Und drittens möchte ich ergänzen, seien Sie solidarisch zu den Studierenden.

Speaker: Die wenigsten sind faul.

Speaker: Die meisten haben ein Sammelsurium an Herausforderungen in ihrem Alltag zu leisten.

Speaker: Und ich möchte vielleicht hier nochmal einen Begriff auch reinwerfen, wenn wir wirklich die Demokratisierung der Universität ernst nehmen.

Speaker: dann brauchen wir eben einen vielseitigen Zugang.

Speaker: Und da reicht es nicht, wenn ich manchmal von Kollegen oder Kolleginnen höre, ja, bei uns war das doch früher auch nicht nötig.

Speaker: Wenn man ein reines Bürgertum hat, dann ist es vielleicht nicht so vielseitig.

Speaker: Und da muss ich auch nicht vielseitig unterrichten.

Speaker: Aber wenn ich eben Demokratisierung möchte,

Speaker: Dann braucht es einen vielseitigen Zugang.

Speaker: Und ja, ich stimme dir zu, Björn, wir werden dann zu Supporterinnen und wir werden auch immer mehr zu einer Art Brücke, die wir von der Schule in die Hochschule machen müssen und die wir auch von der Hochschule ins Leben machen müssen.

Speaker: Wir werden wahrscheinlich nicht drum herum kommen, dass wir auch eine Art pädagogischen oder Erziehungsauftrag haben, weil die Jugendlichen oder diese jungen Menschen leben in anderen Kontexten, als wir sie erleben durften, als wir jung waren.

Speaker: Und man darf da keine Vergleiche von den Alten zu den Jungen herziehen.

Speaker: Es führt total in eine Sackgasse.

Speaker: Die Situation ist jetzt so, wie sie ist und diese jungen Menschen brauchen Unterstützung.

Speaker: Und wir sind an einem Punkt, die geben zu können.

Speaker: Vielen, vielen Dank Janine und an der Stelle dann auch gleich vielen, vielen Dank, dass du heute da warst und deine Expertise mit uns geteilt hast.

Speaker: Vielen Dank.

Speaker: Angela, was würdest du unseren Zuhörern mitgeben wollen?

Speaker: Ja, ich kann dem anschließen oder möchte anschließen.

Speaker: Also Austausch mit Kolleginnen halte ich für sehr wichtig und mit den Studierenden gemeinsam in den Gremien.

Speaker: Was ist die Fachlichkeit?

Speaker: Was wollen wir ins Zentrum stellen?

Speaker: Wählen wir immer wieder Suchbewegungen?

Speaker: Was ist jetzt das Zentrale, worauf wir uns einigen können?

Speaker: Und eben die kritische Würdigung anzunehmen.

Speaker: anderer Perspektiven, das halte ich für unerlässlich.

Speaker: Und manchmal auch vielleicht ein Blick in die alten Texte.

Speaker: Es ist ja so eine gewisse Vergesslichkeit auch, die sich manchmal einstellt.

Speaker: Studierende denken oft, was älter ist als x Jahre, ist nicht mehr relevant.

Speaker: Das halte ich auch für heilsam oder auch oft interessant, dass man sagt, also dieses Wort, diese Debatte, die ist schon 80 Jahre vorher geführt worden.

Speaker: Ja, solche Dinge, also immer einfach lebendig bleiben, das wäre vielleicht mein Stichwort.

Speaker: Und manchmal aber auch ein bisschen abwarten gegenüber allen neuen Trends, ob man vielleicht die immer alle aufgreifen muss.

Speaker: Fragezeichen, das kann man sich auch manchmal fragen und vielleicht einfach mal kurz durchschnaufen, wie man hier sagt.

Speaker: Vielen, vielen Dank, Angela.

Speaker: Und auch vielen Dank, dass du heute da warst.

Speaker: Gerne, vielen Dank.

Speaker: Ivo, was gibst du unseren Hörerinnen mit?

Speaker: Ja, ich schließe mich an.

Speaker: Betrachten Sie Hochschullehrer als Gemeinschaftsaufgabe.

Speaker: Als Gemeinschaftsaufgabe zwischen Lehrenden, Studierenden und allen, die in dem Umfeld mit dabei sind.

Speaker: Es geht darum, Studiengänge zu konzipieren, wo sich die Module aufeinander beziehen.

Speaker: Und wir sollten nicht den Studierenden alleine die Aufgabe überlassen, dass sich die Module als ein Ganzes zusammenfügen, sondern dass man sich darüber verständigt austauscht.

Speaker: Nutzen Sie die Gelegenheit zum Team-Teaching, um voneinander zu lernen, zusammen Ideen zu entwickeln und diese auszuprobieren und gemeinsam zu reflektieren.

Speaker: Ich könnte auch sagen, bildet Lernbanken.

Speaker: Sehr, sehr schöne Worte.

Speaker: Vielen, vielen Dank, Ivo.

Speaker: Und danke auch, dass du dir heute die Zeit genommen hast und deine Expertise mit uns geteilt hast.

Speaker: Sehr gerne.

Speaker: Wiederhören.

Speaker: In dem Sinne vielen lieben Dank, ihr drei, dass ihr diese Einsichten mit uns geteilt habt.

Speaker: Und an der Stelle auch einfach nochmal an euch drei zusammen vielen Dank dafür.

Speaker: Und wenn ihr da draußen bei Was bewegt die Geografie auf dem Laufenden bleiben wollt, abonniert den Podcast auf der Streaming-Plattform eures Vertrauens und wenn ihr mehr über die SchöpferInnen hinter den Kulissen, also schlussendlich den VGDH, erfahren wollt, schaut auch einfach gerne mal auf vgdh.de vorbei.

Speaker: Dort findet ihr dann noch alle Infos zu diesem Podcast und natürlich auch die Links zu allen Publikationen, über die wir heute gesprochen haben.

Speaker: Und in dem Sinne wünsche ich euch erstmal eine gute Zeit und euch, Janine, Angela und Ivo, danke ich nochmals vielmals für euren Input und eure Zeit und in dem Sinne...

Speaker: Ahoi und bis zum nächsten Mal.

Speaker: Ciao, ciao.

Speaker: Ciao.

Speaker: Tschüss.

Speaker: Tschüss.

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