Transcript
Speaker: Einen wunderschönen Tag und ein herzlichst Willkommen zu einer neuen Folge des vom VGDH herausgebrachten Podcasts Was bewegt die Geografie?
Speaker: Mein Name ist Bjarne Braunschweig und ich moderiere heute eine krisenreiche politische und globale Folge.
Speaker: Sie wurde bereits im Frühjahr 2025 aufgenommen und entsprechend geht sie nicht auf die neuesten geopolitischen Entwicklungen ein, dennoch hat sie inhaltlich nichts an ihrer Aktualität eingebüßt.
Speaker: Gerade die jüngsten Entwicklungen wie der Austritt der USA aus dem Weltklimawissenschaftsrat IPCC zeigen, wie wichtig das Thema ist, um das es heute geht.
Speaker: Denn ich spreche heute mit Professorin Dr. Dagmar Hase, auch in ihrer Rolle als zweite Vorsitzende des VGDH, und Dr. Jan-Marco Müller über Wissenschaftsdiplomatie.
Speaker: Dabei geht es nicht nur darum, inwiefern mit der Arbeit in der Wissenschaft auch diplomatische Verantwortung einhergeht, sondern auch darum, ob die Geografie nicht eigentlich auch prädestiniert ist, derartige Verantwortung zu tragen.
Speaker: Sag mal, seit 2009 bist du jetzt Professorin an der Humboldt-Universität Berlin und leitest die Landschafts-Bökologie und Biogeografie.
Speaker: Und weil dir diese Verantwortung noch nicht genug ist, bist du eben auch die zweite Vorsitzende des VGTH, hast eine Reihe von Ehrenprofessuren inne und leitest seit 2006 immer wieder große EU-Projekte, wie zum Beispiel seit 2022 Natura Connect.
Speaker: Dabei geht es in deiner Forschung immer wieder um Fragen rund um Urbanisierung, Ökosystemdienstleistung, Resilienz und
Speaker: Und schlussendlich das verantwortliche Miteinander von Mensch und Natur auf zunehmend engen Raum.
Speaker: Bei all den Verpflichtungen bin ich sehr, sehr froh, dass du trotzdem Zeit für mich hast und dementsprechend, hi Dagmar.
Speaker: Hallo, Bjarne, ich freue mich auch sehr, euch beide hier zu sehen und beziehungsweise zu hören.
Speaker: Sehr schön und freut mich auch umso mehr, dass du dementsprechend dabei bist.
Speaker: Und Jan, du hast in Marburg Geografie studiert und dort auch promoviert, anschließend am Umweltforschungszentrum gearbeitet, wo du wiederum Dagmar begegnet bist und bist dann zum ersten Mal beruflich mit der EU in Kontakt gekommen, als du im Joint Research Center JRC in Ispra als Programmmanager für Umwelt und Nachhaltigkeit tätig warst.
Speaker: Nach einem kurzen Abstechen nach England bist du dann in die Zentrale des JRC nach Brüssel gewechselt, wo du Assistent des Generaldirektors warst.
Speaker: Anschließend hast du das Büro der wissenschaftlichen Chefberaterin des Präsidenten der EU-Kommission geleitet und nach einem Sabbatical an der University of Colorado hast du dann den derzeitigen wissenschaftlichen Beratungsmechanismus der EU-Kommission mit aufgebaut.
Speaker: Danach hast du an einem der wichtigsten Institute für Wissenschaftsdiplomatie, dem International Institute for Applied Systems Analysis, in Wien gearbeitet und wurdest während der Covid-Pandemie zum ersten Wissenschafts- und Technologieberater des Europäischen Auswärtigen Dienstes ernannt.
Speaker: Dort hast du dann den EU-Außenbeauftragten mit wissenschaftlichen Fakten versorgt.
Speaker: und koordinierst nun das Thema Wissenschaftsdiplomatie in der Europäischen Kommission.
Speaker: So, einmal kurz sacken lassen.
Speaker: Das heißt, du bereicherst die fachliche Perspektive von Dagmar mit deinem Wissen aus der EU-Praxis und deswegen bin ich umso erfreuter, dass du dir die Zeit nehmen konntest.
Speaker: Hi und herzlich willkommen, Jan.
Speaker: Ja, hallo Bjarne, hallo Dagmar.
Speaker: Vielen Dank für die Einladung.
Speaker: Und ich freue mich sehr auf unser Gespräch darüber, was Geografie in der Wissenschaftsdiplomatie tun kann und vielleicht auch, was die Wissenschaftsdiplomatie für die Geografie tun kann.
Speaker: Sehr schön.
Speaker: Dagmar, du hast in der Geografischen Rundschau ein Essay mit dem Titel Geografische Wissenschaftsdiplomatie – Eine Perspektive veröffentlicht, in dem du Geografinnen aufforderst, ihr Fachwissen zu nutzen, um diplomatische Verantwortung wahrzunehmen.
Speaker: Jetzt könnte man erst einmal sagen, dass wir in erster Linie immer noch Wissenschaftler sind und wir somit mit Diplomatie erst einmal relativ wenig am Hut haben.
Speaker: Aber gleichzeitig zeigen ja auch Lebensläufe wie der von dir, Jan, dass wir durchaus in der Lage sind, auch hauptberuflich in den diplomatischen Rollen tätig zu werden.
Speaker: Sei es jetzt in der Beratung oder im Hinblick dann auch auf spezifische Politikfelder.
Speaker: Insofern wirkt der Gedanke von Wissenschaftsdiplomatie dann doch wieder nicht so weit entfernt.
Speaker: Aber was lässt sich unter Wissenschaftsdiplomatie vielleicht auch erstmal ganz allgemein verstehen?
Speaker: Vielleicht von dir, Jan, aus deiner Sicht als waschechter Wissenschaftsdiplomat der EU.
Speaker: Ja, Bjarne, also ich möchte es mal ganz allgemein formulieren und sagen, Wissenschaftsdiplomatie ist die Nutzung von Wissenschaft, von wissenschaftlicher Evidenz, von wissenschaftlichen Kooperationen zum Erreichen diplomatischer Ziele.
Speaker: Das ist ganz wichtig auch zu verstehen, dass Wissenschaftsdiplomatie nicht gleichzusetzen ist mit internationaler Wissenschaftskooperation.
Speaker: Ich sage immer, Wissenschaftsdiplomatie erkennt man daran, dass da tatsächlich Diplomatinnen und Diplomaten involviert sind.
Speaker: Es gibt natürlich sehr viele unterschiedliche Praktiken und ich sage mal, der Begriff ist sehr populär geworden in den letzten 10, 15 Jahren, obwohl natürlich Wissenschaftsdiplomatie als solche schon auf Alexander von Humboldt zurückgeht und selbst im alten Ägypten findet man Beispiele.
Speaker: Aber ich sage mal so, dass es wirklich in der politischen Diskussion aufgetaucht ist.
Speaker: Es ist noch relativ jung.
Speaker: Es gab einen Report im Jahr 2010 von der American Association for the Advancement of Science in der Royal Society, wo die versucht haben, das zu definieren.
Speaker: Und haben so ein Drei-Säulen-Modell vorgestellt.
Speaker: Das besteht aus Wissenschaft für die Diplomatie.
Speaker: Also was kann Wissenschaft indirekt tun zum Fördern der Beziehungen zwischen Ländern beispielsweise, worauf dann diplomatische Beziehungen aufbauen können.
Speaker: Wissenschaft in der Diplomatie, das ist letztendlich wissenschaftliche Politikberatung.
Speaker: Und andererseits aber auch Diplomatie für die Wissenschaft.
Speaker: Also inwieweit kann Diplomatie etwas für die Wissenschaft tun?
Speaker: Denken wir jetzt beispielsweise an, wenn wir als Geografen irgendwo hingehen und Genehmigung für unsere Feldarbeit brauchen, dann ist das etwas, wo die Diplomatie helfen kann.
Speaker: Was ganz wichtig ist aber hier auch zu verstehen, ist natürlich, die Welt um uns herum, die ändert sich.
Speaker: Wir sehen das in der Geopolitik, wir sehen es aber auch in der Wissenschaft und Technologie, wie sich das ändert.
Speaker: Stichwort künstliche Intelligenz zum Beispiel.
Speaker: Und das hat natürlich auch Auswirkungen auf die Wissenschaftsdiplomatie.
Speaker: Klassisch haben wir das immer so gesehen als so ein Soft-Power-Tool.
Speaker: Ja, wir helfen durch wissenschaftliche Beziehungen dazu, Brücken zu bauen, Kommunikationskanäle offen zu halten.
Speaker: Aber wir sehen halt in letzter Zeit auch zunehmend die Nutzung von Wissenschaftsdiplomatie als Hard-Power-Tore.
Speaker: Also wenn wir beispielsweise Russland ausschließen aus dem Überforschungsrahmenprogramm oder aus CERN, dann ist auch das Wissenschaftsdiplomatie, weil wir Wissenschaft nutzen, um ein diplomatisches Ziel zu erreichen, in dem Fall die Isolierung von Russland.
Speaker: Und deshalb kommt auch zunehmend natürlich dann in die Debattenreihe die ganze Frage rund um
Speaker: die Werte, die wir in der Wissenschaft und auch in unseren internationalen Beziehungen haben, also akademische Freiheit zum Beispiel, natürlich Gleichberechtigung und Inklusion, offene Wissenschaft etc.
Speaker: Und zunehmend aber dann natürlich auch die ganzen Fragen rund um die Forschungssicherheit.
Speaker: Also das zum Beispiel Einfluss von bestimmten Ländern auf Wissenschaftskooperationen und auf die Wissenschaft.
Speaker: Und wir sehen natürlich leider jetzt auch in verbündeten Ländern entsprechende Beispiele.
Speaker: Also insofern ist das wirklich ein sehr komplexes und sehr dynamisches Feld.
Speaker: Das heißt also, es geht wirklich vorrangig um die Nutzung von Wissenschaft durch diplomatische Akteure beziehungsweise für diplomatische Ziele, andererseits aber auch um wissenschaftliche Politikberatung.
Speaker: Im Hinblick auf die globalen Herausforderungen, die du, Dagmar, jetzt in deinem Artikel auch einleitend anführst, also globale Unweichheiten im Hinblick auf Ressourcen, Wohlstand und Chancen und zugleich gestärkte nationale Interessen, scheint jetzt der Weg auf Arbeitsebene in der Forschung miteinander in Kontakt zu bleiben,
Speaker: Erstmal zielführend.
Speaker: Was ist jetzt aber das Besondere an geografischer Wissenschaftsdiplomatie?
Speaker: Also inwiefern nimmt die Geografie als Disziplin hier eine besondere Rolle ein, beziehungsweise kann diese einnehmen?
Speaker: Genau, also Jan hat es ja eben gerade schon sehr schön angesprochen.
Speaker: Es geht schon auch darum, Fakten und Informationen bereitzustellen und gleichzeitig auch vielleicht ein bisschen mehr Licht in sehr komplexe Zusammenhänge zu bringen, denn daran scheitert sehr oft auch internationale Politik, aber durchaus auch das Top-Down oder das Bottom-Up von nationalen Politiken.
Speaker: Wir haben es gesehen in den diversen Wahlarenen hier in Deutschland vor der Bundestagswahl, das ist sozusagen kaum ein
Speaker: der PolitikerInnen überhaupt gelungen ist, die Komplexität oder die Interaktion zwischen Wirtschaft und Umwelt beziehungsweise anderen Politikfeldern und Umwelt wirklich gut kurz darzustellen.
Speaker: Das scheint also durchaus noch ein Ding zu sein, wo wir als WissenschaftlerInnen oder als GeografInnen das leisten können.
Speaker: Und das Gute ist auch, dass Geografie sich im Prinzip mit den großen Herausforderungen unseres Jahrhunderts des 21.
Speaker: Jahrhunderts
Speaker: Also wir schauen uns wirklich an, wie sind Mensch und Umwelt miteinander vernetzt.
Speaker: Wir gucken uns das auch an bei ganz kritischen Situationen, bei Umweltkatastrophen, sei es jetzt diese langfristige Austrocknung vom Amazonas zum Beispiel.
Speaker: Alle kennen die schlimmen Bilder, diesen ausgetrockneten, ausgedörrten Böden da mitten.
Speaker: Aber auch Ahrtal oder die Fluten in Valencia hat uns alle total mitgenommen.
Speaker: Dürre und Hoherkrisen, die bis hin zu den heißesten politischen Konflikten führen.
Speaker: Wenn wir mal an die Beginn des Syrien-Konflikts denken, da spielt das eine riesige Rolle.
Speaker: Und Natur ist immer mit drin und der Mensch ist immer mit drin und bestimmt Handeln.
Speaker: Und dieses Handeln ist natürlich zum Teil auch politisch.
Speaker: Was die Geografen und Geografinnen da besonders gut können und wirklich als Unterstützung für Diplomatinnen einbringen können, ist die Kontextualisierung, nennt er das.
Speaker: Also sozusagen die Hintergründe aufdecken von Kulturen, von den Wirtschaftsformen, von politischen Systemen, aber auch den Landschaften, Umwelten, die da eben beteiligt sind, zu zeigen, was bedeuten denn räumliche Unterschiede?
Speaker: Wie sind da?
Speaker: Sie werden oft auch beschrieben.
Speaker: Aber was bedeutet das?
Speaker: Was sind...
Speaker: Kausale Zusammenhänge zwischen Armut und Gewalt zum Beispiel.
Speaker: Was sind kausale Zusammenhänge zwischen Niederschlagsregime und politischem Aktivismus?
Speaker: Beziehungsweise auch dem Entstehen von Autokratien oder Diktaturen.
Speaker: Das wird häufig nicht auf den ersten Weg zusammengebracht.
Speaker: Und was kann man da auch tun?
Speaker: Wie kann man Alternativen denken?
Speaker: Wie kann man alternative Lösungen plausibel darstellen, interessant machen?
Speaker: Für jemanden, der vielleicht gar nicht so denkt.
Speaker: Und das Tolle ist auch, uns gibt es weltweit.
Speaker: Das heißt also, wir können untereinander viel voneinander lernen und das auch letzten Endes als Diplomatieleistung weitergeben.
Speaker: Letzter Satz dazu.
Speaker: Geografinnen verfügen über ein sehr vielfältiges Design an Methoden, Methodologien, Methodiken.
Speaker: wo qualitative und quantitative Methoden und Daten reinkommen, wo wir Worten arbeiten, Wortanalysen machen bis hin zu statistischen Analysen, Daten, Fernerkundungsbilder auswerten, die Welt quasi von oben sehen.
Speaker: Das alles muss man können und das können Geografinnen und wir können, glaube ich, auch das so gut in verständliche, kausale Sätze packen, dass das Diplomatinnen und PolitikerInnen verwenden können.
Speaker: Das heißt also, es ist ein ganz konkretes Fachwissen, was wir mitbringen, sowohl, ich sage jetzt mal in Anführungsstrichen, inhaltlich als auch methodisch, was uns dann, also uns als Geografin, dabei hilft, globale Vernetzung und Zusammenhänge zwischen unserer Umwelt und uns Menschen zu verstehen und dann entsprechend auch weiterzugeben.
Speaker: Und das zeigen ja auch deine langjährigen Forschungsthemen zum Beispiel, Dagmar.
Speaker: Also,
Speaker: Dieses Fachwissen kann uns dann ja auch helfen, als VermittlerInnen zwischen Politik, Wissenschaft und Gesellschaft tätig zu werden.
Speaker: Und gleichzeitig so ketzerisch gefragt, ist das nicht vielleicht auch ganz schön vielverlangt von uns als WissenschaftlerInnen?
Speaker: Also ich meine, wir machen Lehre, forschen, versuchen Drittmittel einzuwerben, bilden LehrerInnen aus.
Speaker: Warum nun also noch zusätzlich diese diplomatische Verantwortung wahrnehmen?
Speaker: Ja, wenn du mir die Frage gestellt hättest, als ich meine Dissertation geschrieben habe, hätte ich da klar gesagt, mehr kann ich im Moment nicht leisten und das ist auch nicht meine Aufgabe.
Speaker: Das finde ich im Moment überhaupt nicht mehr.
Speaker: Da hat sich meine Einstellung total gewandelt und das wissenschaftliche Arbeiten an sich, und das sage ich meinen Doktorandinnen und meinen Studierenden und meinen Kolleginnen auch immer, das ist per se nicht politisch.
Speaker: WissenschaftlerInnen dürfen aber politisch sein im Gegensatz dazu.
Speaker: Ich analysiere Daten, ich erfasse Daten, ich baue Modelle, ich mache schöne Abbildungen, schöne Karten.
Speaker: Diese Daten sind bei sich erstmal neutral und ich komme dabei auch zu Erkenntnissen und ich erkenne deren Relevanz, sonst wäre man keine gute Wissenschaftlerin.
Speaker: Und gleichzeitig setze ich das in den Kontext von dem, was man schon weiß und in dem Moment mache ich das greifbar, auch für NichtwissenschaftlerInnen.
Speaker: Und spätestens in dem Moment, wenn ich das an andere kommuniziere, greifbar mache, habe ich auch eine Verantwortung, die weit über die erkenntnisgetriebene Wissenschaft herausgeht, dieses Wissen eben zu kontextualisieren.
Speaker: Natürlich möchte man gerne unvoreingenommen sein.
Speaker: Und es kommt auch darauf an, dass man präzise ist, dass man korrekt ist, dass man vorhandene Standards in der Wissenschaft eins zu eins erfüllt.
Speaker: Das ist, glaube ich, wichtig, sonst ist man untereinander nicht mehr glaubhaft.
Speaker: Aber dann einfach so zu hoffen, dass die Leute, PolitikerInnen, DiplomatInnen zum Beispiel, das Beste schon irgendwie draus machen.
Speaker: Das ist nicht neutral.
Speaker: Die Leute sind nicht neutral, die Welt ist auch nicht neutral.
Speaker: Und auch WissenschaftlerInnen sind Menschen, sie haben Werte, hat ja Marco eben gerade sehr schön gesagt.
Speaker: Und wir haben auch eine gewisse Ethik.
Speaker: Und da kommen wir zu dem Punkt, die Entscheidung, ob ich mit meinem Wissen etwas anfange, ob ich das einfach so weitergebe oder eben ob ich es gar nicht weitergebe, ist letzten Endes auch eine Entscheidung.
Speaker: Auch zurückzuhalten, das eigene Wissen, weil man denkt, es ist nicht so politisch, andere zu Wort kommen zu lassen, die vielleicht absoluten Nonsens erzählen und Nonsens damit machen und aber gehört werden, weil sie laut sind.
Speaker: Das, meine ich, ist am Punkt, wo die Wissenschaft, glaube ich, nicht still sein sollte.
Speaker: Ja, man sollte auch die Verantwortung, die man als Wissenschaftlerin hat, wenn man neues Wissen produziert oder kritische neue Erkenntnisse produziert, nicht zurückweisen, diese Verantwortung.
Speaker: Zumal wir eben in einer Welt leben, die ist definitiv nicht neutral.
Speaker: Also ich kann ja an der Stelle tatsächlich auch einfach nur zustimmen.
Speaker: Immerhin ist ja auch zum Beispiel dieser Podcast, den wir jetzt hier gerade zusammen aufnehmen, auch wieder ein Beispiel dafür, dass wir als WissenschaftlerInnen versuchen, mit unseren Ergebnissen, mit dem, was wir tatsächlich machen, auch an die Öffentlichkeit zu treten und diese darin teilhaben zu lassen.
Speaker: Also gerade natürlich, wenn wir dann zum Beispiel auch aus Steuergeldern bezahlt würden, ist für mich diese vierte Säule, also Wissenschaftskommunikation, als Teil des Wissenschaftssystems nicht nur ein hehres Ziel, irgendwie jetzt neben vielen anderen, sondern aus meiner Sicht auch eine ganz klare Aufgabe von Wissenschaftlerinnen.
Speaker: Und der Podcast ist jetzt irgendwie ein Beispiel dafür, aber mich würde tatsächlich auch nochmal interessieren, wie sowas in der Praxis aussehen kann.
Speaker: Was sind jetzt zum Beispiel dann Projekte oder auch Beispiele von der EU-Ebene, wie jetzt ein guter Beitrag zu diplomatischen Zielen aussehen kann, Jan?
Speaker: Ja, also zunächst mal möchte ich auch der Dagmar völlig zustimmen, dem, was sie gesagt hat.
Speaker: Die Gesellschaft investiert in die Wissenschaft.
Speaker: Und ich denke, deshalb haben wir als Wissenschaft auch eine Verantwortung, der Gesellschaft etwas zurückzugeben, indem wir eben zu Problemlösungen beitragen.
Speaker: Und ich glaube, gerade die Geografie spielt hier eine wichtige Rolle.
Speaker: Ich möchte mal drei Beispiele nennen.
Speaker: Das erste, das kennen wir alle, das ist der IPCC, Intergovernmental Panel on Climate Change.
Speaker: Das ist ein Vehikel, was wir aufgesetzt haben, wo wir die Evidenz zusammenfassen können, aufbereiten können und quasi der Politik sagen können, hier sind die Fakten, das ist das, was wir wissen, das ist das, was wir nicht wissen, was auch wichtig ist und auf diese Weise natürlich dafür sorgen, dass Klimapolitik auf Fakten basiert.
Speaker: Und es gibt ähnliche Beispiele aus anderen Bereichen, IPBS, also Intergovernmental Platform, Biodiversity and Ecosystem Services.
Speaker: Aber genauso muss man auch sagen, es gibt bestimmte Politikbereiche, wo es sowas nicht gibt.
Speaker: Ich nenne mal den Beispiel Freihandelsabkommen.
Speaker: Wenn Freihandelsabkommen verhandelt werden, sitzt die Wissenschaft nicht im Raum.
Speaker: Aber warum scheitern Freihandelsabkommen?
Speaker: Normalerweise an Unstimmigkeiten über Umweltstandards, Lebensmittelstandards.
Speaker: Und es gab schon viele Diskussionen um das Vereinigungsabkommen zwischen der EU und dem Mercosur, wo die Debatte darum ging, was für Auswirkungen hat das auf das Abholzen des brasilianischen Regenwaldes.
Speaker: Und das ist eine Frage, die die Geografie beantworten kann.
Speaker: Das heißt, wir müssen also auch darauf drängen, dass auch in diesen Bereichen, wo es vielleicht nicht solche schön aufgesetzten Mechanismen wie den IPCC gibt,
Speaker: Wir dafür sorgen, dass also die Fakten die Politik erreichen.
Speaker: Das zweite ist ein ganz konkretes Beispiel.
Speaker: Ich selbst habe mit organisiert einen Workshop in Nairobi.
Speaker: Da ging es um das grenzüberschreitende Management des Niedelwassers.
Speaker: Jetzt ist es so, es gibt eine diplomatische Krise zwischen Ägypten und Äthiopien.
Speaker: Die beiden Länder reden nicht miteinander, weil Äthiopien einen großen Staudamm gebaut hat, den Grand Äthiopien Renaissance Dam.
Speaker: Und natürlich hat man in Ägypten große Sorgen darum, dass da nicht mehr genug Wasser dort ankommt.
Speaker: Und die Länder bekriegen sich also untereinander diplomatisch darüber.
Speaker: Jetzt haben wir gesagt, okay, lass uns doch die Wissenschaftler aus der Region zusammenholen.
Speaker: Denn Wissenschaft kann immer miteinander reden, egal aus welchem Land derjenige oder diejenige ist.
Speaker: Und lass uns diskutieren, was können wir denn machen, was für Lösungen können wir aufkommen, was sind das für Fakten, die wir zusammentragen können.
Speaker: Und das war ein erfolgreiches Beispiel, wo man gesagt hat, okay, lass uns diese Länder zusammenbringen und dafür sorgen, dass sie miteinander reden.
Speaker: Und das ist übrigens nicht nur eine Frage der Naturwissenschaften, auch der Geisteswissenschaften.
Speaker: Diesen Nil-Konflikt, den kann man nicht verstehen, wenn man nicht weiß, dass der Nil für Ägypten eine andere Bedeutung hat als für Äthiopien.
Speaker: Also hier kann tatsächlich Wissenschaft mit konkreten Lösungen beitragen und das wiederum kann helfen.
Speaker: Ich sage nicht, dass das die Lösung für alles ist, aber es kann helfen, vielleicht doch dafür zu sorgen, dass die Länder im Gespräch bleiben.
Speaker: Und das letzte Beispiel, was ich nennen möchte, ist das Thema Forschungsinfrastrukturen.
Speaker: Manche kennen vielleicht Sesame, das ist ein Teilchenbeschleuniger, der in Jordanien gebaut wurde mit EU-Hilfe.
Speaker: Die Mitgliedsländer von Sesame, was so ein bisschen nach dem Modell CERN funktioniert, sind Israel, Palästina, Jordanien, Ägypten, Türkei, Zypern, Iran und Pakistan.
Speaker: Das ist eine sehr interessante Kombo von Ländern.
Speaker: Und die arbeiten zusammen.
Speaker: Die finanzieren zusammen diesen Teilchenbescheiniger und die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus diesen Ländern arbeiten dort zusammen, Seite an Seite.
Speaker: Und das sind natürlich Beispiele, die dafür sorgen, selbst wenn es wirklich hart auf hart kommt, wenn Länder gar nicht mehr miteinander reden, es gibt nach wie vor solche Kommunikationskanäle, ja.
Speaker: Wir sitzen auch nach wie vor mit den Russen in einer internationalen Raumstation zusammen, trotz allem, was passiert ist.
Speaker: Und natürlich sind das so Beispiele, die wir natürlich auch fördern müssen, um eben den Dialog am Laufen zu halten.
Speaker: Und vielleicht ein anderes Beispiel noch, die Mitgliedsländer der EU-Bau im Moment, ein großes Teleskop in der Atakama-Wüste, das Extremely Large Telescope.
Speaker: Das ist eine Investition von mehr als einer Milliarde Euro.
Speaker: Natürlich haben wir in der Wissenschaft ein Interesse daran, dass diese Infrastruktur gebaut wird und dass uns die Diplomatie da hilft.
Speaker: Aber umgekehrt ist das natürlich ein Vehikel, womit wir nicht nur chilenische Forschung fördern, sondern natürlich auch ist es ja ein Zeichen, wenn wir eine Milliarde Euro in Chile investieren, dass wir Vertrauen haben in die politische Stabilität dieses Landes, was wiederum dann Chile benutzen kann, um eben als Wirtschaftsstandort zum Beispiel zu werben.
Speaker: Also hier kommen wirklich Wissenschaft und Diplomatie zusammen und wir müssen also diese Connections finden, wo wir also tatsächlich Win-Win-Situations schaffen, wo wir als Wissenschaft profitieren, aber wo auch die Diplomatie von profitiert.
Speaker: Okay, das sind wahnsinnig spannende, also zum Teil für mich auch absolut neue Beispiele.
Speaker: Hast du, Dagmar, vielleicht auch aus Sicht der Wissenschaft noch so ein, zwei Beispiele, wie das Tragen von diplomatischer Verantwortung dann in der Wissenschaftspraxis aussehen kann, beziehungsweise aussieht?
Speaker: Auf jeden Fall.
Speaker: Das knüpft auch sehr gut an das an, was Jan erzählt hat.
Speaker: Also zum einen ist es halt so, wir decken, hatte ich ja gesagt, schon Zusammenhänge auf.
Speaker: Wir wollen verstehen, kausal, wie bestimmte Veränderungen im Klima mit Veränderungen in der Biodiversität zu tun haben, wie bestimmte Veränderungen im Klima Hochwässer erzeugen.
Speaker: Auf der anderen Seite, GeografInnen sind ein bisschen, und das positiv konnotiert, gefangen im System.
Speaker: Wir können quasi, wenn wir ein System erkennen, nicht einfach sagen, nee, das wird schon anders sein oder die Wasserscheide verläuft schon mal woanders.
Speaker: Da gibt es ja keinen Konflikt.
Speaker: Ja, Marco hatte ja sehr schön diesen Nierkonflikt angesprochen.
Speaker: Also man kann sozusagen wissenschaftliches Wissen nicht ignorieren, man muss sich da drin irgendwie bewegen.
Speaker: Und da habe ich jetzt mein eines Beispiel, wo wir uns mit Hochwassermanagement zwischen Ungarn und der Ukraine beschäftigen,
Speaker: beschäftigt haben in einem großen Projekt.
Speaker: Es ging darum, wie kann man den Teil der Ukraine dazu bringen, den Oberlauf sozusagen, wo wir vor allen Dingen entstehen, dass dort irgendwie eine bessere Vorhersage existiert, dass wir frühzeitig wissen, welche kleinen Bäche anschwellen und dann sozusagen die Übergabe des Wassers der Tais nach Ungarn schon weniger ist und wie kann man das dann in Ungarn managen und
Speaker: Interessanterweise war das in der Zeit, wo die EU-Wasserrahmenrichtlinie noch relativ jung war und Ungarn gehörte damals zur EU schon.
Speaker: Und die haben gesagt, naja, wir haben ja solche tollen Standards, wir arbeiten nach EU-Wasserrahmenrichtlinie, wir können da gar nichts anderes machen, wir machen schon alles tipptopp.
Speaker: Und die UkrainerInnen, die wurden von den Ungarn durchaus auch ein bisschen wie ein Entwicklungsland damals behandelt und gesagt, die haben ja nicht dieselben Standards, obwohl die UkrainerInnen sich damals schon sehr bemüht haben, diese Standards auch anzusetzen.
Speaker: Und wir als Systemwissenschaftlerinnen des Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung waren erstmal ein bisschen gefordert, wenn ich sagen überfordert, weil wir ganz klar waren, hier spielen sehr viele verschiedene Faktoren, auch Wertvorstellungen, auch politische Zugehörigkeiten eine Rolle.
Speaker: Und gleichzeitig befinden wir uns in dem System eines Einzugsgebietes, was nach naturwissenschaftlichen Gesetzen funktioniert und so weiter.
Speaker: Und wir haben dann versucht, mittels unserer Erkenntnisse, aber auch mittels unserer Methoden, wir haben da so eine Art Gruppenmodell entwickelt, wo jeder einen See hatte, jeder durfte eine kleine Karte an die Tafel pinnen.
Speaker: Dann haben wir die Karten versucht zu ordnen und so weiter.
Speaker: Und alles haben die Leute gesehen.
Speaker: Wir haben das mit viel Mühe auf Ukrainisch übersetzt, dann von Englisch wieder Ungarisch und so weiter und so fort, dass alle mitgekommen sind.
Speaker: War ein anstrengender Prozess.
Speaker: Und es hat aber geholfen, dass wir am Ende wirklich ein Verständnis erzeugt haben, weil das System ist das Gleiche geblieben.
Speaker: Und alle haben am Ende kapiert, wenn wir nicht in dem System zusammenarbeiten und den anderen glauben, was Jan Marco vorhin sagte, dass sie auch
Speaker: gute Standards haben.
Speaker: Dann wären wir da nicht zusammengekommen.
Speaker: Und letztlich waren wir am Ende als WissenschaftlerInnen, als Geografinnen und LandschaftsökologInnen nicht nur stolz, dass wir da einen beigetragen haben, sondern wir waren uns selbst auch unserer Rolle in diesen diplomatischen Verhandlungsprozessen im Einzugsgebiet viel mehr bewusst.
Speaker: Und ich hatte seitdem nie mehr Sorge, dass ich in so eine Rolle kommen könnte und wie ich sie ausfülle.
Speaker: Aber auch mega spannend.
Speaker: Und da muss ich tatsächlich sagen, wenn man euch beiden jetzt so zuhört, könnte man meinen, super.
Speaker: Also einfach rein in die Diplomatie, rein in die diplomatische Verantwortung, Fachwissen mit PolitikerInnen teilen.
Speaker: Also wo ist das Problem?
Speaker: Warum reden wir überhaupt darüber?
Speaker: Und gleichzeitig wäre für mich tatsächlich die Frage, wo sind denn vielleicht auch Grenzen für uns als WissenschaftlerInnen in der Wissenschaftsdiplomatie?
Speaker: Also das ist so der eine Part.
Speaker: Und der andere Part,
Speaker: Wo sind denn aber auch die Grenzen von Wissenschaftsdiplomatie allgemein?
Speaker: Also ab wann kommt der Punkt, dass man sagt, nee, also hier müssen wir jetzt, du hattest es vorhin angesprochen, Jan, Wissenschaft als Hard-to einsetzen und wir sagen, nee, an der Stelle auch keine Zusammenarbeit auf der Ebene mehr.
Speaker: Also vielleicht erst mal mit dem einen angefangen, die Grenzen von Wissenschaftsdiplomatie auf der einen Seite, Jan.
Speaker: Ich denke mal, zunächst mal ist es natürlich wichtig zu verstehen, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in verschiedenen Rollen auftreten können.
Speaker: Sie können Honest Broker sein, die versuchen zu vermitteln, Optionen auf den Tisch zu legen.
Speaker: Sie können aber auch als Aktivisten auftreten und dann versuchen quasi durch das Verengen von Optionen Politik zu beeinflussen.
Speaker: Und ich glaube, es ist sehr wichtig, dass man das auch deutlich macht in der Debatte, in welcher Rolle man dort auftritt.
Speaker: Natürlich muss man immer respektieren, Politiker sind Entscheidungsträger und es ist deren Aufgabe zu entscheiden.
Speaker: Die sind gewählt.
Speaker: Ich als Wissenschaftler bin nicht gewählt.
Speaker: Ich kann beraten, ich kann alles versuchen, die Fakten auf den Tisch zu legen, aber in einer Demokratie dürfen Politiker Fakten ignorieren.
Speaker: Das gefällt uns in der Wissenschaft nicht, aber so funktioniert Demokratie, weil wir natürlich nicht die einzigen sind, die die Politik beeinflussen.
Speaker: Was aber konkret die Wissenschaftsdiplomatie angeht, muss man natürlich sagen, es gibt da auch natürlich einen feinen Grad.
Speaker: Es gibt genügend Beispiele aus der Geschichte, wo Wissenschaft an Missbrauch aktiv mitgewirkt hat.
Speaker: Denken wir an die Kolonialverbrechen, denken wir an nationalsozialistische Verbrechen, da hat Wissenschaft aktiv mitgemacht.
Speaker: Da ist Wissenschaft missbraucht worden, da hat aber Wissenschaft durchaus auch Diplomatie missbraucht.
Speaker: Das muss man ganz offen sagen.
Speaker: Das heißt, man muss also tatsächlich auch wachsam sein gegen solchen Missbrauch.
Speaker: Das ist wichtig.
Speaker: Natürlich ist es auch wichtig anzuerkennen, Wissenschaft ist nicht frei von Politik und ist nicht frei von Geopolitik.
Speaker: zum Beispiel nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine, die Wissenschaftsbeziehungen abgebrochen wurden.
Speaker: So war das eben ein politisches Imperativ, dass das sein musste, was meine letztlich auch im Interesse der Wissenschaft ist, denn wir wollen natürlich einstehen für akademische Freiheit und Gegenkrieg.
Speaker: Aber man muss auch anerkennen, dass es eben, ich sage mal, diese politischen Zwängen gibt.
Speaker: Umso wichtiger ist es, dass wir eben auch diesen ethischen, moralischen Kompass haben, den die Dagmar schon erwähnt hatte und trotzdem versuchen,
Speaker: Ich sage mal, da wo es eben geht, tatsächlich solche Kommunikationskanäle offen zu halten.
Speaker: Ich habe ja mal gearbeitet am EASA, Internationalen Institut für Angewandte Systemanalyse in Wien.
Speaker: Das ist ein Institut, das wurde gegründet von Sowjetunion und USA 1972 während des Kalten Krieges mit den beiden Deutschlands damals als Gründungsmitglieder.
Speaker: Weil man sich bewusst gesagt hat, wir brauchen so ein Vehikel, um miteinander in Kontakt zu bleiben und an großen globalen Themen zu arbeiten, die kein einzelner politischer Block lösen kann.
Speaker: Zu den Mitgliedern des Erders gehören Russland und die Ukraine, auch heute noch.
Speaker: Das ist der einzige Platz, wo tatsächlich noch eine aktive Forschungskooperation zwischen beiden Ländern besteht.
Speaker: Und als der Krieg losging, die Invasion losging, hat die russische Akademie der Wissenschaften gesagt, solange der Krieg dauert, kommen wir nicht zu den Council-Meetings, um die Institution zu schützen.
Speaker: Weil wir ein Interesse daran haben, dass ein solches Institut wie das IASA weiter existiert, auch in dieser Situation.
Speaker: Insofern, da kann ich, ich sage mal, auch Wissenschaft tatsächlich mit beitragen, dass eben Dialog auch weiterhin möglich bleibt, selbst in einer solchen Situation.
Speaker: Spannend.
Speaker: Würdest du an der Stelle noch irgendwas ergänzen, wo du vielleicht noch weitere Grenzen siehst für die Wissenschaft in der Diplomatie?
Speaker: Ja, würde ich gerne machen.
Speaker: Es gibt einfach mentale und auch psychische Grenzen für sowas.
Speaker: Das trifft zum Beispiel auf Geografinnen, also jetzt ohne großes I zu, wie die sich zum Beispiel mit Gender, mit Gerechtigkeit, mit Armut, aber zum Beispiel auch mit Wasserdefiziten für den weiblichen Teil von Bevölkerung in Trockengebieten beschäftigen, die einfach auch schwierig sind.
Speaker: In dem Sinne auch gefährlich für Leib und Leben, wenn man dann eben ins Fähren reingerät, die sozusagen Tabus berühren, beziehungsweise auch in Konflikte reinkommen.
Speaker: Das heißt nicht, dass man das nicht tun soll.
Speaker: Es gibt wahnsinnig viele mutige Wissenschaftlerinnen, die sich in diesen Grenzbereichen bewegen.
Speaker: Lange Rede, kurzer Sinn, Diplomatie hat ihre Grenzen, aber ich würde sagen, das trifft nicht nur auf die Geografie zu und das trifft nicht nur auf die Wissenschaft zu, das trifft insgesamt auf Diplomatie durch Wissen oder Mitwissen zu.
Speaker: Und deswegen meine ich, wenn man sich darin auskennt, wenn man sich dessen bewusst ist, müssen das keine Grenzen sein in dem Sinne, sondern sie sind flexibel und jeder kann sie für sich auch ein bisschen austesten.
Speaker: Vielen, vielen Dank.
Speaker: Also auch für die Einschätzung diesbezüglich eurerseits.
Speaker: Das heißt, Wissenschaftsdiplomatik funktioniert nicht nur im Großen und Ganzen, sondern wir als Geografin können halt schlussendlich speziell mit unserem Fachwissen auf politischer Ebene zur Lösung von großen Herausforderungen beitragen.
Speaker: Wenn ich mir dann aber anschaue, wofür dann an der Uni in jetzt...
Speaker: in Anführungsstrichen einem normalen Bachelor, irgendwie nur Platz ist, dann wird es natürlich irgendwie auch relativ eng damit, unsere Studie ist jetzt auf das Tragen, diplomatische Verantwortung vorzubereiten.
Speaker: Also kannst du, Jan, uns vielleicht auch mal so einen Einblick geben, was man mitbringen sollte, wenn man jetzt in der Wissenschaftsdiplomatie tätig wird oder vielleicht dann auch explizit im Hinblick auf unseren Podcast nochmal anders gefragt.
Speaker: Inwiefern hat dir dein Geografiestudium in deinem Job geholfen?
Speaker: Ja, also zunächst mal hilft es natürlich, wenn man mit der Diplomatie sich beschäftigt, dass man weiß, wo Burkina Faso liegt oder dass Bhutan kein Küstenstaat ist und sowas.
Speaker: Das hilft natürlich erstmal.
Speaker: Schon mal gut, ja.
Speaker: Aber ganz wesentlich ist natürlich, dass sich die Diplomatie und die Geografie mit dem gleichen Gegenstand beschäftigen.
Speaker: Und das ist der Planet Erde mit allem, was darauf passiert, den Konflikten zu tun.
Speaker: den Prozessen, den Systemen und so weiter.
Speaker: Und was mir sehr viel geholfen hat, ist die Interdisziplinarität der Geografie.
Speaker: Ich kann mich mit allen Disziplinen unterhalten, in den Naturwissenschaften, in den Geisteswissenschaften.
Speaker: Und das ist wichtig, weil die Probleme immer komplexer werden, immer mehr zusammenhängen.
Speaker: Das sehen wir natürlich beim Klimawandel, das wissen wir alle, der in alle Politikbereiche reinreicht, aber auch in vielen anderen Beispielen, die man dort nehmen könnte, wo es einfach auch wichtig ist, Wissen aus verschiedenen Fachbereichen zusammenzuführen.
Speaker: Nehmen wir das Beispiel, was wir schon erwähnt hatten, der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine.
Speaker: Das ist kein...
Speaker: Das ist ein lokaler Konflikt in Europa.
Speaker: Es hat Auswirkungen auf Lebensmittelsicherheit in Afrika.
Speaker: Also hat ganz andere Auswirkungen an anderen Ecken des Systems oder an anderen Ecken der Welt.
Speaker: Umgekehrt, wenn zum Beispiel der Tschadsee austrocknet, dann ist das kein rein hydrologisches Problem, sondern es führt zu Migrationsbewegungen, es führt zu politischer Instabilität mit der Nährboden für die Boko Haram-Rebellen im Norden von Nigeria.
Speaker: Und dort sind also solche, ich sage mal, geografisch erklebaren Prozesse sehr eng zusammenhängend mit den geopolitischen Prozessen.
Speaker: Und deshalb sind, glaube ich, Geografen und Geografen prädestiniert dazu, tatsächlich ein solches interdisziplinäres Fachwissen zu liefern und beraten zu können in die Außenpolitik.
Speaker: Nun, was muss man mitbringen?
Speaker: Jetzt mal abseits des Geografiestudiums ist es für mich mein waches Interesse an Geopolitik.
Speaker: Also ich muss wissen, was im Mindset der Diplomatinnen und Diplomaten ist.
Speaker: Ich muss also nicht nur wissenschaftliche Fachliteratur lesen, um zu wissen, was in der Wissenschaft passiert.
Speaker: Ich muss auch die Literatur lesen, die die Diplomatie liest, um zu wissen, was für Probleme die sich beschäftigen.
Speaker: Und ein ganz wichtiges Problem, das hat es Dubjan am Eingang schon angesprochen, ist natürlich das der Wissenschaftskommunikation.
Speaker: Das fängt mit der simplen Sprache an.
Speaker: Ja, also ich musste auch erstmal lernen, was eine Notverbal- oder eine Demarche ist.
Speaker: Das ist der Jargon, der Slang, den die Diplomaten benutzen.
Speaker: Umgekehrt mussten die lernen, was ein mRNA-Impfstoff und ähnliche Dinge sind.
Speaker: Also ich sage mal, da muss man auch sprachlich irgendwo eine Übersetzungsarbeit leisten und die Dinge natürlich relativ gut, einfach, aufbereitet erklären.
Speaker: Mir hat ein Europaparlamentarier mal sehr schön gesagt, Wissenschaftler müssen in der Lage sein, mir den Sachverhalt zu erklären, während ich von einem Meeting zum nächsten laufe.
Speaker: Also vergesst PowerPoint-Präsentationen und all diese schönen Dinge.
Speaker: Ich muss quasi, während ich mit...
Speaker: dem Politiker oder der Politiker in einem Aufzug stehe, in der Lage sein, zu erklären, worum es geht und worauf, was die wirklich wichtigen Dinge sind.
Speaker: Und dafür brauchen wir eben auch Leute, die tatsächlich an diesem Interface arbeiten.
Speaker: Und dafür brauchen wir auch Geografen und Geografen im Interface von Wissenschaft und Diplomatie arbeiten, die diesen Übersetzungsjobs machen können.
Speaker: Die wissen, wie
Speaker: Tickt die Wissenschaft?
Speaker: Wie funktioniert Wissenschaft?
Speaker: Aber auch, wie tickt die Diplomatie?
Speaker: Wann brauchen die die Evidenz?
Speaker: Ich habe so viele Beispiele gesehen von fantastischen Reports, die rauskamen, drei Wochen nachdem die politische Entscheidung getroffen wurde.
Speaker: Man muss also auch so ein bisschen die Zeitfenster treffen, wenn, ich sage mal, die Diplomatie oder die Politik offen sind für die wissenschaftliche Evidenz.
Speaker: Da sind aber so die Tipps und Tricks, die man so ein bisschen dann auch im Alltag lernen muss.
Speaker: Mhm.
Speaker: Und wo du jetzt auch gerade von Tipps und Tricks sprachst, hättest du, Dirk, vielleicht ein paar für uns, wie wir jetzt unsere Studis quasi nebenher und das in ganz großen Anführungszeichen auf diplomatische Verantwortung vorbereiten könnten?
Speaker: Ja, definitiv.
Speaker: Wir sehen im Moment, dass Leute von sehr vielen Informationskanälen überwältigt werden.
Speaker: Das trifft auch auf Studierende zu.
Speaker: Sie merken, dass Leute sehr verunsichert sind in Betreff auf das öffentliche Aussprechen von bestimmten Werten.
Speaker: Das ist auch bei Lernenden nicht immer so einfach.
Speaker: Das heißt also, wo holt man die Leute ab?
Speaker: Und um eben jemanden zu interessieren für Politik oder vielleicht mal Politikberatung in dem Sinne.
Speaker: Und da glaube ich, ist es wichtig, dass man sich zum einen darauf einlässt, wer nutzt welche Quellen.
Speaker: Vor allen Dingen nicht nur die Quellen, die in meinem Bubble sind und die zu mir passen, sondern auch die Leute zu animieren, etwas zu lesen, was definitiv nicht zu ihren oder zu meinen als Lehrkraft Überzeugungen passt und dann daraus eine Diskussionsentwicklung.
Speaker: Das kritische Pro und Contra ist, glaube ich, ganz, ganz wichtig.
Speaker: Und zum anderen glaube ich aber auch, dass wir den Studis Berlin, das sind natürlich ein idealer Ordner, wir haben das Berliner Parlament, wir haben Bundestags, viele Debatten sind öffentlich, dass die Leute verstehen, dass sie sich dafür auch Zeit nehmen müssen, das mal zuzuhören, um den Sprech auch zu verstehen.
Speaker: Es ist ja manchmal gar nicht so einfach zu kapieren, warum sich plötzlich alle Leute über ein, zwei Sätze total aufregen, wo man sagt, ja, was ist das schon?
Speaker: So was muss man lernen.
Speaker: Das können wir als Hochschuldozentinnen nur begrenzt.
Speaker: Aber was wir machen können ist,
Speaker: Leuten Raum zu geben, diese Chancen zu nutzen und auch entsprechende Informationskanäle zu nutzen, um Leuten das zuhänglich zu machen.
Speaker: Letzter Punkt vielleicht dazu.
Speaker: Ich selber finde es schade, dass die Geografie diesen doch relativ großen Wurf, den die Ökologie gemacht hat.
Speaker: Political Ecology ist ein eingefahrenes Fach, wo es darum ging, natürliche Ressourcen, Naturschutz usw.
Speaker: in eine Debatte zu überführen, eine Debattenkultur zu entwickeln.
Speaker: Da sind die relativ strong.
Speaker: Da kommen zum Teil auch die Grünen ein bisschen die Rückgründungsphase mit her.
Speaker: Es wäre schön, wenn Political Geography, wo der Mensch noch eine stärkere Rolle spielt, die Gesellschaft,
Speaker: auch Städte zum Beispiel noch eine starke Rolle spielen könnten als in der Political Ecology, wenn wir mal dahin kommen würden, dass die Geografie so ein debattenstarkes Fach, auch mit dem theoretischen Konzept, was dahinter ist, irgendwann mal erreichen könnte.
Speaker: Das sehe ich noch nicht ganz so, aber das wäre cool und mal sehen, es müssen ja auch ein paar Studis in der Wissenschaft bleiben, vielleicht können die das dann machen.
Speaker: Wenn ich noch was beitragen darf.
Speaker: Selbstverständlich immer.
Speaker: Ich glaube, wir müssen in der Wissenschaft auch lernen, Geschichten zu erzählen.
Speaker: Denn Politik ist ein sehr emotionales Geschäft.
Speaker: Das heißt nicht, dass wir als Wissenschaftler emotional werden sollten.
Speaker: Ich meine, wir müssen die Sprache der Vernunft sein.
Speaker: Aber niemand sagt, dass wir nicht die Herzen von Leuten erreichen dürfen.
Speaker: Und der Wissenschaftsberater der irischen Regierung, der hat mir das mal sehr schön erklärt, der ist mal gefragt worden, was soll ich tun, wenn ich wissenschaftliche Fakten bringe und der Politiker, die Politikerin bringt Anekdoten.
Speaker: Und dann war sein Rat, da musst du schlicht und einfach bessere Anekdoten bringen als die andere Seite.
Speaker: Denn Anekdoten, die auf Evidenz basieren, sind wesentlich machtvoller als Anekdoten, die quasi einfach aufgrund eines Bauchgefühls irgendwo in die Welt kommen.
Speaker: Sehr schön und definitiv sehr, sehr guter Tipp, den ich für mich auf jeden Fall auch gleich mitnehmen werde.
Speaker: Und wir haben jetzt ganz, ganz viel über Erfahrungen, notwendige Änderungen, jetzt auch für zukünftige Generationen und Geografien gesprochen.
Speaker: Und ich würde jetzt abschließend nochmal den Blick gern etwas weiten.
Speaker: Wenn jetzt die Geografie aufgrund ihres vernetzten Denkens und des breit angelegten Wissens über globale Zusammenhänge prädestiniert ist, jetzt einfach auch tatsächlich die internationale Diplomatie mitzugestalten, was wären dann vielleicht auch wirklich notwendige Schritte, um genau das zu stärken?
Speaker: Neben der Ausbildung, die wir dann dementsprechend mitbringen.
Speaker: Jan, vielleicht aus deiner EU-Sicht eine Einschätzung.
Speaker: Also der Tipp ist, speak up, stand up and gang up.
Speaker: Wir müssen uns zu Wort melden in den Debatten.
Speaker: Wir müssen sagen, hey, wir haben hier was beizutragen, weil wir uns mit diesen Themen beschäftigt haben.
Speaker: Wir können tatsächlich Lösungen liefern.
Speaker: Das heißt aber auch, wir müssen uns ein bisschen versammeln als Fachdisziplin, sage ich mal.
Speaker: Denn es gibt natürlich eine Kakophonie an Stimmen und gerade in Zeiten, wo populistische Politik in Mode ist, gibt es immer Politikerinnen und Politiker, die quasi die eine Stimme rauspicken, die ihre Weltsicht irgendwo repräsentiert.
Speaker: Tatsächlich gibt es aber auch bei sehr vielen Themen Konsens in der Wissenschaft.
Speaker: Und diesen Konsens zu kommunizieren, ich glaube, das ist wichtig, indem wir uns zusammentun und indem wir auch gang-up, dass wir also auch tatsächlich eben als eine geografische Fachdisziplin gemeinsam
Speaker: auftreten und sagen, hey, ihr dürft hier nicht die Fakten ignorieren.
Speaker: Denn eines dürfen wir nicht vergessen, politische Entscheidungen, die auf Fakten basieren, sind nachhaltiger.
Speaker: Denn die wissenschaftlichen Fakten, die ändern sich nicht mit einem Wechsel in der Regierung.
Speaker: Du kannst heute in Leninke und morgen eine rechte Regierung haben oder umgekehrt.
Speaker: Die wissenschaftlichen Fakten bleiben die gleichen.
Speaker: Die entwickeln sich natürlich über die Zeit, aber wenn man sich auf Fakten basiert, ist es wesentlich wahrscheinlicher, dass die politische Entscheidung dann auch sinnvoller in dem Sinne von einer Nachhaltigkeit ist.
Speaker: Und das finde ich ein wunderschönes vorläufiges Schlusswort zu dem großen Thema der Wissenschaftsdiplomatie.
Speaker: Vielen, vielen Dank.
Speaker: Also an der Stelle die Zusammenfassung.
Speaker: In der Theorie könnte man dann auch gleich aufhören.
Speaker: Stand-up, speak-up, gang-up.
Speaker: Aber nein, wir haben jetzt sehr, sehr viel über Wissenschaftsdiplomatie gesprochen.
Speaker: Gleichzeitig ist uns, glaube ich, auch allen dreien bewusst, dass wir an vielen Stellen trotzdem immer nur an der Oberfläche gekratzt haben.
Speaker: Aber wir haben darüber gesprochen, einerseits, dass die Geografie und wir als Geografin einfach auch aufgrund unserer breiten, sowohl methodischen als auch sonstigen fachlichen Ausbildung und dem Wissen, was wir anhäufen, besonders gut geeignet sind, Zusammenhänge zu verstehen, besonders gut aber auch geeignet sind, um unterschiedliche Disziplinen miteinander zu verknüpfen und verschiedene Disziplinen zu verstehen und dort in Kontakt zu bleiben und dieses Wissen dann zu sammeln und weiterzugeben mit Geografie.
Speaker: der entsprechenden Zusatzausbildung können wir dann auch als Geografin dazu beitragen, nicht nur zwischen den einzelnen Disziplinen innerhalb der Wissenschaft, sondern auch zwischen Wissenschaft und Politik zu vermitteln und hier das entsprechende Wissen weiterzugeben und nichtsdestoweniger aber auch den, ich sage jetzt mal in Anführungsstrichen, weiteren Schritt zu gehen, wie zum Beispiel du, Jan, und zu sagen, ich
Speaker: Konzentriere mich wirklich darauf, hier diplomatische Verantwortung insofern zu übernehmen, als dass ich zum Beispiel ein gesamtes wissenschaftsdiplomatisches System mit aufbaue.
Speaker: An der Stelle dann vielleicht auch für die Geografin, die nach dir kommen oder mit dir kommen, dann halt zumindest das Weiterentwickeln.
Speaker: Und bei all dem haben wir gesehen, was für Vorteile Wissenschaftsdiplomatie hat und haben kann, wo aber auch ganz klare Grenzen liegen.
Speaker: Wir können in Kontakt bleiben, auch wenn politische Fronten verhärtet sind, können wir auf wissenschaftlicher Basis weiter mit Ländern zusammenarbeiten und hier auch
Speaker: Kommunikationskanäle offen halten, die ansonsten gegebenenfalls verschlossen werden und gleichzeitig aber auch zu sehen, das geht aber zum Teil auch nur in einem begrenzten Maße und hier sind wir immer noch Teil eines weiteren und größeren Systems, wo wir zwar Verantwortung tragen, aber tatsächlich uns auch bewusst sein müssen,
Speaker: Politische Entscheider sind die gewählten und dementsprechend von jeweiligen Volk legitimierten EntscheidungsträgerInnen.
Speaker: Und das, was wir machen können, ist Vorschläge zu unterbreiten und um das nochmal zu wiederholen, aufzustehen, zu sprechen und in Ermangelung einer besseren Übersetzung Banden zu bilden und zu sagen, wir nehmen daran teil, diese politische Diskussion auch wirklich aktiv zu beeinflussen, ohne dass wir dabei, und das ist wichtig, von der
Speaker: wissenschaftlichen Integrität abweichen und weiterhin die höchsten wissenschaftlichen Standards an unsere Arbeit setzen, was auch bedeutet, Wert und Werturteil ganz klar voneinander zu trennen und auch ganz klar die eigene Rolle in diesem Prozess zu reflektieren und nach außen auch ganz klar zu benennen.
Speaker: Abschließend würde ich mich allerdings auch noch über so ein, zwei Lektüre-Tipps freuen.
Speaker: Also wie gesagt, wir konnten jetzt nur einen Teil dessen abdecken, was Wissenschaftsdiplomatie ist, was das bedeutet und was wir als Geografinnen leisten können.
Speaker: Und dementsprechend würde ich mich freuen, was sind jetzt irgendwie vielleicht auch neben deinem Artikel, Dagmar, Publikationen, die ihr empfehlen würdet, wenn sich eine Person für Wissenschaftsdiplomatie vielleicht auch aus praktischer Perspektive interessiert und diesbezüglich fortbilden will.
Speaker: Dagmar, magst du den Anfang machen?
Speaker: Ja, kann ich machen.
Speaker: Also ich habe mich da selber ein bisschen belesen müssen.
Speaker: Und was mir da halt sehr geholfen hat, da wird sicherlich Jan, da gleich auch drauf hinweisen, ist natürlich die doch sehr spannende Website, die bei der Europäischen Kommission da ist und dieser European Framework for Science Diplomacy.
Speaker: Das hat mir schon sehr geholfen.
Speaker: Das fand ich spannend.
Speaker: Was ich aus fachlicher Sicht auf jeden Fall empfehlen könnte, wäre The Nature of Cities.
Speaker: Das ist aus meinem eigenen Fachgebiet, wo ganz viele Stadtökologinnen, aber auch Aktivistinnen und Governance-Leute, die sich im weitesten Sinne mit der Ökologie und der Gesundheit und der Lebensqualität in Städten beschäftigen,
Speaker: Und da sind ganz viele Leute dabei, die im weitesten Sinne Politik machen.
Speaker: Nicht nur jetzt auf der, sagen wir mal, StaatenlenkerInnen-Ebene, sondern auch auf den unteren politischen Ebenen, bis hin zum Aktivismus.
Speaker: Und TNOC ist ein cooler Blog, der von David Maddox, aus amerikanischen Kollegen, geleitet wird.
Speaker: Weltweit, da ist sehr viel Global South-Stimmen vereint.
Speaker: Das wäre also mein Tipp, aber ich würde jetzt mal denken, ja, da garantiert noch was auf der Platte.
Speaker: Hat er das?
Speaker: Jan?
Speaker: Ja, also ich zähle es mal für Einsteiger, würde ich sagen, die beiden Reports von S.A.S.
Speaker: und Royal Society, also American Association for the Advanced of Science and Royal Society.
Speaker: Da gab es einen Report aus dem Jahr 2010 und New Frontiers of Science Diplomacy und einen anderen, der erschienen ist im Februar 2025, der quasi das in die heutige Zeit transportiert.
Speaker: Der nennt sich Science Diplomacy in an Era of Disruption.
Speaker: Das, ich sage mal, sind relativ leicht zu lesende kurze Publikationen, die für den Einsteiger gut geeignet sind, um sich dem Thema zu nähern.
Speaker: Und dann haben wir einen großen Report von der EU-Seite publiziert, nennt sich European Framework for Science Diplomacy.
Speaker: Das ist ein 100-Seiten-Report, wo wir...
Speaker: darüber reflektieren, wie wollen wir Wissenschaftsdiplomatie in Europa entwickeln, wie wollen wir es strategisch nutzen.
Speaker: Und dieser Report, der beruht auf Empfehlungen von 130 Experten in fünf Arbeitsgruppen, die daran gearbeitet haben.
Speaker: Ja, da haben wir tatsächlich also Wissenschaftler und Diplomaten in einen Raum gesperrt und haben gesagt, so, und ihr unterhaltet euch jetzt miteinander und versucht euch untereinander zu verstehen.
Speaker: Und daraus sind dann diese Empfehlungen entstanden.
Speaker: Unter diesen Experten war zum Beispiel ein Geophysiker, James Hammond aus London,
Speaker: Das ist der Experte für Mold Pactu, das ist ein Vulkan in Nordkorea.
Speaker: Der Mensch, der arbeitet seit zehn Jahren in Nordkorea, der kennt Nordkorea besser als jeder Diplomat.
Speaker: Und das war, glaube ich, auch so ein IOPER für viele auf der diplomatischen Seite.
Speaker: Hoppla, da gibt es ja wirklich Expertise, auch wenn das jetzt in dem Fall eine vulkanologische Expertise ist, aber dadurch, dass er natürlich in dem Land arbeitet, kennt er auch sehr gut das Land aus dem Inneren.
Speaker: Und ich glaube, gerade die Geografinnen und Geografen, die ja Feldforschung überall auf der Welt betreiben, insbesondere auch in, ich sage mal, schwierigen Ländern, Iran, Myanmar und anderen, die haben wirklich, glaube ich, einen Haufen Sachkompetenz, die sie dort wirklich zum Tragen bringen können.
Speaker: Aber dazu müssen wir eben diese Kanäle schaffen, dass sich also dann die Geografie dann auch mit der Diplomatie unterhält.
Speaker: Sehr schön.
Speaker: In dem Sinne.
Speaker: Vielen, vielen Dank für das tolle Gespräch an euch beide.
Speaker: Und wenn ihr da draußen bei Was bewegt die Geografie auf dem Laufenden bleiben wollt, dann abonniert den Podcast auf der Streaming-Plattform eures Vertrauens.
Speaker: Und wenn ihr mehr über die SchöpferInnen hinter den Kulissen, also schlussendlich den VGDH, erfahren wollt, schaut gern auch mal auf vgdh.de vorbei.
Speaker: Dort findet ihr dann auch alle Infos zu diesem Podcast und natürlich auch die Links zu den Publikationen, die wir besprochen haben.
Speaker: Und in dem Sinne wünsche ich euch erst einmal eine gute Zeit und euch beiden, Dagmar und Jan, nochmals vielen, vielen Dank für euren Input.
Speaker: Und in dem Sinne freue ich mich auch schon auf die nächste Folge.
Speaker: Ahoi und bis zum nächsten Mal.
Speaker: Ciao, ciao.
Speaker: Tschüss.
Speaker: Ja, tschüss.
Speaker: Hat mich sehr gefreut, hier dabei zu sein.
Speaker: Mich ebenso.
Speaker: Danke.

