Transcript
Speaker: Einen wunderschönen Tag und ein herzliches Willkommen zu einer neuen Folge von Was bewegt die Geografie?
Speaker: Heute geht es um ein Thema, das in den letzten Jahren derart präsent war und es nach wie vor ist, dass man fast vergessen könnte, wie schwierig es ist, es richtig zu vermitteln.
Speaker: Der Klimawandel.
Speaker: Und genauer, wie wir als WissenschaftlerInnen gerade aus der Geografie heraus eigentlich darüber sprechen.
Speaker: Denn auch wenn die Datenlage klar scheint, bleibt der Eindruck, das Wissen kommt nicht zwingend an.
Speaker: Aber worin liegt das?
Speaker: Und noch wichtiger, wie kann es besser gehen?
Speaker: Und genau darüber spreche ich heute mit Professorin Dr. Julia Pongratz und Professorin Dr. Inke Hoppe von der LMU München.
Speaker: Julian, nachdem du an der LMU und der University of Maryland Geografie studiert hast, hast du am Max-Planck-Institut für Meteorologie bzw.
Speaker: der Universität Hamburg zum frühen Einfluss des Menschen auf das Klima promoviert.
Speaker: Danach hast du am Department of Global Ecology in Stanford zu Geoengineering und Nahrungsmittelsicherheit geforscht und von 2013 bis 2020 hast du die Emmy-Nöther-Forschungsgruppe am Max-Planck-Institut für Meteorologie geleitet.
Speaker: Seit 2018 wiederum hast du den Lehrstuhl für physische Geografie und Landnutzungssysteme an der LMU München inne und bist Direktorin des Departments für Geografie.
Speaker: Aber das ist natürlich noch nicht alles.
Speaker: Du bist außerdem unter anderem Mitglied im wissenschaftlichen Lenkungsausschuss des Global Carbon Projects und trägst als Autorin in mehreren Bereichen zu den Sachstandsberichten des Weltklimarats Bayern.
Speaker: Außerdem berätst du als Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats für den Natürlichen Klimaschutz die Bundesregierung.
Speaker: Und bei all diesen Verpflichtungen freue ich mich umso mehr, dass du heute Zeit für mich hast und deine Expertise heute mit uns teilst.
Speaker: Hi und herzlich willkommen, Julian.
Speaker: Hallo, ich freue mich sehr, hier zu sein.
Speaker: Imken, du hast angewandte Medienwissenschaft an der TU Immenor studiert und dort auch promoviert und nach Stationen am Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie an der Universität Hamburg und im Exzellenzcluster CliceHub bist du seit 2023 Professorin für Wissenschaftskommunikation und Klimabildung am Department für Gigorephie der LMU München.
Speaker: In deiner Forschung beschäftigst du dich dementsprechend mit öffentlicher Klimawahrnehmung
Speaker: Und der Frage, wie lösungsorientierte Berichterstattung zur gesellschaftlichen Handlungsfähigkeit beitragen kann.
Speaker: Du verbindest dabei kommunikationswissenschaftliche Perspektiven mit Umwelt- und Nachhaltigkeitsfragen und bringst damit genau die Expertise mit, die wir für diese Folge brauchen.
Speaker: Insofern herzlich willkommen, Imke.
Speaker: Ja, vielen Dank für die Einladung.
Speaker: Bevor wir uns jetzt damit beschäftigen können, wie Klimawandel eigentlich vermittelt wird, sollten wir auch erst einmal erklären, was überhaupt vermittelt werden soll.
Speaker: Denn unser Bild vom Klimawandel ist alles andere als trivial.
Speaker: Es beruht auf komplexen Prozessen, langen Zeitreihen und noch längeren Berichten.
Speaker: Wenn wir also zum Beispiel in der Zusammenfassung des IPCC-Berichts auf die 1,5-Grad-Grenze stoßen oder im Global Carbon Budget die jährliche Emissionslücke nachvollziehen wollen, stellt sich die Frage, woher kommt
Speaker: Wie kommen diese Aussagen eigentlich?
Speaker: Und vor allem auch, und die Frage geht an dich, Julia, wie belastbar sind sie?
Speaker: Ja, das hängt natürlich dann sehr davon ab, welche konkreten Zahlen man jetzt betrachtet.
Speaker: Und ich kann mal exemplarisch vielleicht das Global Carbon Budget herausgreifen.
Speaker: Was wir da tun, wie du sagtest, wir berechnen, was die jährliche Emissionslücke ist.
Speaker: Wir berechnen, wie viele wir wirklich imitiert haben in allen Ländern der Welt aus anthropogenen Aktivitäten, fossile Landnutzungsemissionen.
Speaker: Und dann sehen wir, wo diese Emissionen verbleiben in der Atmosphäre zum Teil.
Speaker: Teilweise werden sie vom Land und vom Ozean aufgenommen.
Speaker: Und wie wir da an die Zahlen kommen, das ist ein Mammutprojekt, bei dem 100 Forschende involviert sind von 80 Institutionen.
Speaker: Weil man einfach versucht, wirklich die allerbesten Zahlen von allen Seiten zusammenzubringen.
Speaker: Also beispielsweise Erdbeobachtungen, Messungen von der CO2-Konzentration an verschiedenen Orten der Welt, vom Satellit, von In-Situ-Messungen.
Speaker: Oder die Modellierung, damit man wirklich sieht, wie die Pflanzen Photosynthese betreiben, aber auch wieder das Material verrottet oder der Ozean, wie der sich in seiner Dynamik ändert.
Speaker: Das wird viel mit Modellen gemacht, weil man das eben so nicht messen kann.
Speaker: Jedes Modell ist falsch, aber wenn man viele Modelle nimmt, dann kürzen sich diese Fehler raus.
Speaker: Man bemüht sich dann also sehr viele Beobachtungsdaten, sehr viele Modelle zusammenzubringen, damit man einfach die Zahlen hinreichend robust kriegt.
Speaker: Und da kann man die Aussagen treffen, manche Dinge wie fossile Emissionen, die man aus ökonomischen Daten ableitet, sind wahnsinnig gut bekannt, weil natürlich Geld dahinter steckt und man deswegen die Dinge sehr gut quantifiziert.
Speaker: Wenn es jetzt aber um Landnutzungsänderungen geht, niemand muss dafür zahlen, einen Wald abzubrennen, dann ist das viel unsicherer, dann ist da der Fehlerbalken plus minus 50%.
Speaker: Das heißt aber nicht, dass wir nicht genug wüssten, um handeln zu können.
Speaker: Alle diese Zahlen sind bei Weitem robust genug, dass wir wissen, was getan werden muss, in welcher Größenordnung auf Seiten des Klimaschutzes.
Speaker: Das heißt aber ja auch, und das hast du jetzt sehr schön dargestellt, dass die Faktenlage relativ stabil ist.
Speaker: Und dann stellt sich aber natürlich auch die Anschlussfrage, warum trotzdem so viele Menschen nicht handeln oder halt auch dieses Gefühl haben, man könne ja eh nichts machen.
Speaker: Also alle Aspekte, die du, Julia, gerade angesprochen hast, sind ja Dinge, die wir als Menschen unternehmen und die wir dementsprechend auch ändern könnten.
Speaker: Und das heißt, die Klimakommunikation hat hier sicher nichts falsch gemacht.
Speaker: Im Gegenteil, sie hat gesellschaftlich und politisch bereits vieles in Bewegung gesetzt, was ja zum Beispiel auch an dem außerparlamentarischen Aktivismus von Fridays for Future oder der letzten Generation deutlich wird.
Speaker: Und trotzdem klebt ihr jetzt irgendwie das Label der Panikmache oder politischen Agenda an.
Speaker: Imke, warum?
Speaker: Ja, als ordentliche Sozialwissenschaftlerin muss man diese Frage natürlich erstmal dekodieren und erstmal fragen, wer klebt denn wem hier an, Panikmache zu betreiben.
Speaker: Und eins der prominentesten Beispiele, das man immer gerne diskutiert, wenn es um Klimakommunikation geht, sind natürlich Debatten in den sogenannten sozialen Medien.
Speaker: Das heißt, da kann man eben sehr, sehr häufig beobachten, dass gerade prominente Akteure wie Östin Talley, Wettermoderator, sehr, sehr stark konfrontiert ist mit Argumenten, die den menschengemachten Klimawandel infrage stellen und dann sehr stark mit diesem Label konfrontiert werden.
Speaker: Er würde eine unpolitische Sache wie das Wetter politisch machen.
Speaker: Und wenn man genauer hinguckt und sich diese gerade Online-Debatten und die Debatten in den sozialen Medien dann halt mal genauer anschaut, dann sieht man natürlich sehr stark, dass das aus Einstellungsgruppen kommen, die generell diesem Thema skeptisch gegenüberstehen und sehr häufig mobilisiert sind.
Speaker: Also das heißt, entweder sozusagen gezielt von politischen Akteuren auch mit Argumenten ausgestattet werden und es eben dazu führt, dass gerade diese Gruppe an klimaskeptischen Menschen online überrepräsentiert ist.
Speaker: Das hat eine Wirkung auf all diejenigen, die solche Debatten lesen.
Speaker: Und zwar ist dann oft so die Wahrnehmung einer anderen öffentlichen Meinung, also eines anderen verzerrten öffentlichen Meinungsbildes.
Speaker: Man überbewertet diejenigen, die sich dazu Wort melden, die laut sind in ihrer Mehrheit.
Speaker: Und ich glaube, aus solchen Debatten nimmt man dann oft mit, es würde sich viel um Panikmache handeln.
Speaker: Eine andere Debatte, in der das sehr präsent ist, dieses Label, da wird Panikmacher betrieben, wird sicherlich oft dem Journalismus angekreidet.
Speaker: Das entspricht auch einer Journalismus-internen Debatte, die sich, glaube ich, auch selber immer wieder in Frage stellen, wie sollen wir über dieses Thema berichten.
Speaker: Und das ist ja wirklich nicht trivial, das ist ja wirklich eine schwierige Herausforderung.
Speaker: Und im Journalismus kann man natürlich oft beobachten, dass der entsprechend von Nachrichtenwerten funktioniert.
Speaker: Und Nachrichtenwerte sind eben sowas wie schwere von angenommenen Schäden, Anzahl Tote, Nähe von bestimmten Events.
Speaker: Und dann kommt es eben dazu, dass sowas wie Kipppunkte sehr diskursiv dargestellt werden oder eben auch
Speaker: Von einigen Medien natürlich übertrieben, um eben dieser Schlagzeilenlogik zu entsprechen.
Speaker: Und gerade dann beispielsweise wissenschaftliche Akteure stark versuchen, hier sozusagen das wissenschaftliche Bild dagegen zu halten.
Speaker: Nicht um die Wichtigkeit des Themas rauszunehmen, aber um eben eine wissenschaftlich korrekte Darstellung zu erhalten.
Speaker: sodass man eben nicht in so eine Logik reinkommt, ah ja, okay, die AMOC ist doch gar nicht so schlimm, Kipppunkte gibt es doch nicht.
Speaker: Wir haben zu Anfang der Debatte gesehen, dass der Kölner Dom auf dem bekannten Spiegel-Titelplatz zu sehen war, überflutet.
Speaker: Das ist mittlerweile zu einer Ikone dessen geworden, dass Journalismus eben sehr vorsichtig sein muss mit der Übernahme von solchen Warnungen.
Speaker: Und hast du da vielleicht auch aus deiner Erfahrung Ergänzung, Julia?
Speaker: Ich möchte das streichen, was Intke gesagt hat.
Speaker: Also gerade diese Kipppunkte ist so ein Paradebeispiel auch in der Wissenschaft.
Speaker: Das Risiko besteht und dieses Risiko muss uns wirklich Sorgen bereiten, dass diese Kipppunkte eben eintreten.
Speaker: Aber das sollte uns nicht der Hauptgrund sein zum Handeln.
Speaker: Allein der Klimawandel will ich nicht beobachten mit seinem Extremwetter, mit den ganzen Folgen gerade im globalen Süden.
Speaker: Das ist massiv genug.
Speaker: Also man muss nicht diese Kipppunkte dafür bemühen.
Speaker: Und da, glaube ich, schadet sich dann die Wissenschafts-Community selber, unterstützt natürlich dann von der öffentlichen Nachfrage.
Speaker: Das heißt, wir haben ja auch eigentlich diese Logiken einmal natürlich auf den Plattformen, wo die Algorithmen dafür sorgen, dass was kontrovers diskutiert wird, dass was viel diskutiert wird.
Speaker: Das heißt also auch gegebenenfalls mit entsprechenden AkteurInnen, die, wie du auch gesagt hast, mobilisiert werden und mit Argumenten ausgestattet werden, auf diesen Plattformen überrepräsentiert sind.
Speaker: wo wir ja eigentlich auch gleich wieder noch ein Feedback haben in den Journalismus, weil was online irgendwie wichtig ist, wird dann auch in, ich sage jetzt mal, traditionellen Medien aufgegriffen.
Speaker: Ah, hier findet eine Debatte statt und dann dementsprechend noch weiter überrepräsentiert ist.
Speaker: Da finde ich den Punkt, den du jetzt angebracht hast, Julia, sehr sinnvoll auch zu sagen, wir als WissenschaftlerInnen natürlich nicht sich jetzt hinstellen und sagen, okay, das ist nicht so schlimm.
Speaker: Nein, es ist schlimm.
Speaker: Es wird, wenn wir nichts tun, noch schlimmer.
Speaker: Aber wir müssen nicht diese ganz großen und schlimmen Ereignisse nach vorne holen, um den Punkt klarzumachen, sondern wir können tatsächlich auch dazu beitragen, die Debatte, ich sage jetzt mal, zu verwissenschaftlichen.
Speaker: Aber das Schwierige auch, da die Debatte zu versachlichen, denn jetzt gerade bei Themen, die wissenschaftlich komplex, gesellschaftlich umkämpft und natürlich irgendwie emotional aufgeladen sind,
Speaker: reichen ja diese Fakten allein selten aus, sondern es geht um viel, viel mehr.
Speaker: Aber warum ist das eigentlich so?
Speaker: Also was macht das Faktum allein so wenig überzeugend, beziehungsweise was fehlt, damit es zu den Menschen durchdringt, Imke?
Speaker: Ja, ich glaube, das Faktum ist schon sehr gut zu sehr vielen Menschen durchgedrungen.
Speaker: Also natürlich sehen wir auch da so eine Themenkarriere beziehungsweise ein Issue-Attention-Cycle.
Speaker: Das heißt also, das Thema ist mal mehr und mal weniger auf der öffentlichen Agenda, auf der medialen Agenda.
Speaker: Aber insgesamt sehen wir ziemlich zeitstabil, dass ein Problembewusstsein eigentlich etabliert wurde in ganz, ganz vielen Ländern auf der Welt.
Speaker: Und das ziemlich hoch ist, also ganz deutlich über 50 Prozent.
Speaker: Und dass das auch nicht so schnell durch diese Hochs und Tiefs in der Priorisierung angekratzt wird.
Speaker: Das heißt auch, wenn wir sozusagen so wie gerade so einen Sinkflug der Thematik auf der öffentlichen Agenda haben, können wir trotzdem immer noch davon ausgehen, dass wir eine sehr stabile, robuste Mehrheit haben, die den Klimawandel jetzt nicht mehr anzweifeln.
Speaker: Und das würde ich sagen, auch wenn es eine sehr lange Zeit
Speaker: Erfolgsgeschichte ist eine sehr langsame Erfolgsgeschichte, ist es doch einer.
Speaker: Also die vielen, vielen Bemühungen haben doch gefruchtet, aber eben nicht in dieser Übersetzung von naturwissenschaftlichem Wissen hin zu Handlungen im lebenspraktischen Sinne, die auf einer Skala sind, die diesem Klimawandel angemessen sind.
Speaker: Im Gegenteil, genau diese
Speaker: Ja, ja.
Speaker: Was aber für Handlungen sehr, sehr wichtig ist, dass es sozusagen zum einen diese Ebene des Wissens ist einfach nicht die gleiche, wenn wir ein Problemverständnis haben, das eine Einstellung betrifft oder eine konkrete Handlung im Alltag.
Speaker: Wie kann ich mich jetzt auf öffentlichen Verkehr umstellen zum Beispiel?
Speaker: Dafür braucht es ja eine Menge Wissen erst mal.
Speaker: Zum anderen hängt es aber natürlich nicht nur von individuellem Wissen über Handlungsmöglichkeiten im Alltag ab, sondern natürlich sind wir auch eingebettet in eine soziale Welt, in der andere Prioritäten erstmal maßgebend sind, um viele, viele Strukturbedingungen unseres Lebens überformt haben oder geformt haben.
Speaker: Das heißt also, unser Leben ist nicht nach dem Klimawandel ausgerichtet.
Speaker: Wir haben einen Verkehr, der nicht danach ausgerichtet ist, möglichst klimaschonend zu sein, sondern nach bestimmten ökonomischen Maßnahmen funktionieren soll.
Speaker: Für jeden Einzelnen, aber eben auch Organisationen.
Speaker: Das heißt, wir haben schlussendlich auch damit zu kämpfen, ich sage jetzt mal in Anführungszeichen, mit den Altlasten der Vergangenheit, mit Fahrtabhängigkeiten, die wir uns als Gesellschaft manövriert haben, sei es jetzt durch eine Stadtentwicklung, die eine autofreundliche Stadt darstellt und bebaute Umwelt sich dann logischerweise sehr schwierig erstmal umsetzen lässt und dann natürlich auch wieder auf uns wirkt.
Speaker: Und auf unsere Handlungsmöglichkeiten wirkt.
Speaker: Andererseits aber auch Wissen um den Klimawandel natürlich erstmal nicht direkt zur Handlung anregt, beziehungsweise nicht direkt in Handlungen umgesetzt werden kann, sondern es braucht nochmal eine weitere Übersetzung, was kann ich denn jetzt eigentlich tun und wie kann ich jetzt eigentlich damit umgehen?
Speaker: Das ist ja gerade dann schwierig, wenn wir uns jetzt auch die Daten anschauen zum Klimawandel.
Speaker: Und bei klaren Daten und Fakten heißt es halt auch nicht umsonst so, der Teufel steckt bekanntlich im Detail oder in diesem Fall im Konfidenzintervall.
Speaker: Und zwischen möglicherweise, wahrscheinlich und mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit liegen ja auch gerade in der Klimaforschung oft Welpen.
Speaker: Also das ist einerseits für uns Wissenschaftler herausfordernd.
Speaker: Aber wird auch gerade in der Kommunikation natürlich dann zu einem Problem, wenn an dieser Stelle dann jetzt diese Unsicherheiten mit Unwissen oder mit Willkür verwechselt werden.
Speaker: Wie lässt sich denn so eine Unsicherheit kommunizieren, ohne jetzt den Eindruck zu erwecken, wir würden einfach nur raten oder würfeln, die anderthalb Grad so, ja, die haben halt gewonnen.
Speaker: Ja, da muss man vielleicht zwei verschiedene Ebenen unterscheiden oder beide beleuchten.
Speaker: Also das eine ist einmal, wie quantifizieren wir und kommunizieren wir dann die Unsicherheiten?
Speaker: Und das andere ist die Frage, wo kommen sie denn tatsächlich her und was bedeutet das?
Speaker: Wenn wir bei dem ersten Block vielleicht bleiben und dann ist da der Weltklimarat mit seinen Sachstandsberichten, also der IPCC, wirklich Gold wert.
Speaker: Der hat ein sehr standardisiertes und transparentes Verfahren, wie die wissenschaftliche Aussagekraft dargestellt werden kann.
Speaker: Also einmal gibt es da den Grad der Übereinstimmung, dieses Confidence, wo es darum geht, wie robust ist denn die Evidenz?
Speaker: Also wie viele unabhängige Studien gibt es denn zu einer bestimmten Frage?
Speaker: Wie zuverlässig sind die denn?
Speaker: Und stimmen diese Studien überein?
Speaker: Und da kriegt man dann eben Confidenzniveaus, wird sehr niedrig, niedrig, mittel, hoch, sehr hoch, wo dann die Evidenz eben sehr gut ist und die Studien, die es gibt, auch weitgehend übereinstimmen.
Speaker: Also viele Studien, die sagen alle das Gleiche.
Speaker: Und in dieser Konfidenzfrage gibt es dann die, wo man quantitative Einschätzungen der Wahrscheinlichkeit gibt, dass etwas tatsächlich so eintritt, dass man beispielsweise unter dem 1,5 Grad oder 2 Grad unter der Marke bleibt.
Speaker: Und da werden numerische Wahrscheinlichkeiten dann in standardisierte Begriffe übertragen, genau die, die du ja verwendet hast, extrem wahrscheinlich, wahrscheinlich, unwahrscheinlich und so weiter.
Speaker: Und da steht dann immer eine Zahl dahinter.
Speaker: Also extrem wahrscheinlich ist beispielsweise mehr als 95 Prozent Wahrscheinlichkeit.
Speaker: dass dieses Ereignis so eintritt oder eben nicht.
Speaker: Und ich bin manchmal erstaunt, mit welchen Unsicherheiten wir hier rechnen im Vergleich dann zum Finanzsektor oder anderem.
Speaker: Hier wollen wir dann wirklich eine extrem hohe Wahrscheinlichkeit, bevor wir überhaupt aktiv werden.
Speaker: Im Finanzbereich, wenn man da sagt, die Chance ist 50-50 für irgendwas, da würde niemand da sein Geld anlegen.
Speaker: Aber man verlangt da schon immer, das ist ein bisschen unausgewogen, immer viel mehr.
Speaker: Die wesentlichen Aussagen sind eben wahnsinnig robust,
Speaker: Es gibt den Klimawandel, er ist ganz überwiegend menschgemacht in den letzten Jahrzehnten, was bedeutet, dass wir es auch selber in der Hand haben, den eben einzuschränken.
Speaker: Und dann gibt es diesen Block, wo kommen die Unsicherheiten denn wirklich her in der ganzen Kohlenstoffbudgetierung, in der Klimamodellierung, in diesen Aussagen.
Speaker: Wie geht man das an?
Speaker: Naja, das ist ein statistisches Problem.
Speaker: Also können wir das auch statistisch angehen, indem wir viele Modellrechnungen betreiben mit immer leicht veränderten Anfangsbedingungen oder Parameterwerten.
Speaker: Das sind diese großen Ensemble-Rechnungen.
Speaker: Dann sieht man, es gibt aber große Abweichungen, wenn man verschiedene Modelle befragt.
Speaker: Wir hatten schon gesagt, jedes Modell ist falsch.
Speaker: Die Lösung da ist, man nimmt einfach mehrere Dutzend solcher komplexen Erdsystemmodelle, die in den Weltklimaratsbericht eben einfließen.
Speaker: Und ganz erstaunlicherweise ist es ganz oft so für die verschiedenen Variablen, dass der Mittelwert über diese Modelle hinweg besser ist, selbst als die bekannt guten Modelle.
Speaker: Und dann die größte Unsicherheit langfristig, das ist natürlich die, ja, wie verhalten wir Menschen uns denn?
Speaker: Das ist dieses Szenario Unsicherheit.
Speaker: Und da sieht man dann, dass die Modelle auseinandergehen für ein Szenario, wo wir beispielsweise eben eine nachhaltige Welt haben, in der wir alle zusammenhalten gegenüber dann einer Welt mit regionaler Rivalitäten, wo wir nicht nachhaltig agieren können, der Klimaschutz eben keine große Rolle spielt.
Speaker: Und dann ist es aber auch wieder eben eine politische und gesellschaftliche Entscheidung, welches Risiko geht man ein und wie viel Zusatzkosten nimmt man dann für eine Maßnahme dagegen in Kauf.
Speaker: Absolut.
Speaker: Und ich finde das absolut korrekt, was du jetzt auch nochmal angebracht hast, im Vergleich zu anderen Wahrscheinlichkeiten.
Speaker: Also ich glaube, keine Person, die ich kenne, wenn ich sagen würde, mit 10%iger Wahrscheinlichkeit stürzt das Flugzeug ab, würde in dieses Flugzeug einsteigen und damit in den Robaub fliegen.
Speaker: Wo ich das Gefühl habe, dass wir manchmal es nicht schaffen, auch als Gesellschaft, diese Wahrscheinlichkeiten und den Effekt, den das auf unser Leben hat, in Einklang zu bringen.
Speaker: Und häufig wird dann ja auch entsprechend gefordert, weniger von diesen Unsicherheiten zu sprechen, sondern vielmehr dann auf die Lösung zu setzen.
Speaker: Also jetzt nicht nur diese Probleme zu beschreiben, um einen Handlungsmoment zu schaffen, weil offensichtlich Umgang mit Unsicherheiten ist häufig schwierig.
Speaker: sondern tatsächlich mögliche Handlungsräume aufzeigen.
Speaker: Und da kommt dann die sogenannte lösungsorientierte Berichterstattung mit rein, die hier eine komplett neue Perspektive öffnen kann.
Speaker: Etwa durch jetzt Beispiele lokaler Initiativen oder Städtepartnerschaften, die dann tatsächlich auch Klimaanpassungen als Chance begreifen.
Speaker: Die Frage, die sich für mich aber an der Stelle stellt, ist, wie gelingt denn so ein Perspektivwechsel und wo droht er dann, und das ist ja auch das andere Risiko an der Stelle, vielleicht halt auch zu einem Feigenblatt zu werden in Köln.
Speaker: Ja, das ist ein guter Punkt.
Speaker: Also ich denke, das haben wir in der Debatte auch schon oft gesehen, gerade so um die Aufmerksamkeit zu verschiedenen Klimaschutzlösungen im Alltag.
Speaker: Und dann sieht man sozusagen Mini-Lösungen, deren sehr viel mediale Aufmerksamkeit zugesprochen wird.
Speaker: Beispielsweise in der Plastikdebatte, Verbot des Plastikstrohhalms, der eine ganz große mediale Aufmerksamkeit bekommen hat, aber eben nicht den Eisberg, der drunter liegt, an Plastikmüll in den Blick nimmt und es dann so zu so einem Eindruck kommt, Mensch, wir haben ja was gemacht, großartig.
Speaker: Es gibt Handlungen, es ist Fortschritt zu verzeichnen, aber diese Mini-Lösung verdeckt sozusagen all das, was eigentlich noch getan werden müsste, damit es zu einem wirklichen Fortschritt in diesem Bereich kommt.
Speaker: Und dazu ist Forschung, die Julia gerade berichtet hat, so unglaublich wichtig, dass man eben immer wieder guckt, in welchem Bereich, in welchem Sektor finden wir eigentlich welchen Handlungsbedarf oder wo gibt es eigentlich sozusagen am meisten zu tun und welche der verschiedenen Möglichkeiten,
Speaker: geht auch eben mit verschiedenen Vorteilen oder auch Risiken Hand in Hand.
Speaker: Und das ist, glaube ich, eins der wichtigsten Sachen in dieser lösungsorientierten Berichterstattung.
Speaker: Gar nicht so als Verständnis von, jetzt hat die Wissenschaft festgestellt und das sollen wir alle machen.
Speaker: Also sozusagen eine klare Empfehlung rauszugeben, sondern einen Lösungsraum überhaupt erstmal zu eröffnen, in dem verschiedene Risiken und Vorteile
Speaker: Und das ist eine sehr gute Idee, die sich schon mit diesen Möglichkeiten auseinandergesetzt hat, die auch schon Ergebnisse dazu hat, wie könnte denn ein sozial gerechtes, ethisch wünschenswerte Zukunft in diesem Bereich aussehen?
Speaker: Mit welchen Nebeneffekten müssen wir rechnen und wollen wir die in Kauf nehmen?
Speaker: Um überhaupt sozusagen mal in so eine Debatte stärker reinzukommen, wäre eben der Fokus auf Lösungen aus meiner Sicht sehr, sehr wichtig.
Speaker: Und natürlich bringt es bestimmte Fallstricke mit sich.
Speaker: Wir haben oft in der Vergangenheit erlebt, dass es nicht reicht, so einen Lösungsraum aufzumachen.
Speaker: Stichwort Baggy Day oder andere Initiativen.
Speaker: Das ist natürlich nicht so, dass es irgendwie ausreichend ist, jetzt einfach nur zu sagen, oh, lass uns mal darüber reden.
Speaker: Und dann wird es automatisch weitergehen, sondern ich habe mir jetzt auch mit Kolleginnen gemeinsam mal angeschaut, wie Menschen aus verschiedenen Einstellungsgruppen zum Klimawandel mit so lösungsorientierter Berichterstattung umgehen.
Speaker: Das heißt, wie Menschen zum Beispiel auch Lösungen zu mehr Klimaschutz erleben, die jetzt eher skeptisch sind oder das Thema schon wichtig finden, aber eben nicht als Priorität setzen.
Speaker: Da wird deutlich, dass man eben da den Bogen ganz hervorragend zur Nachhaltigkeit spannen kann.
Speaker: Das heißt also, man doch nochmal substanziell auch gucken muss, wie hängt es eben mit sozialer Gerechtigkeit zusammen?
Speaker: Wie hängt es auch mit verschiedenen Werten dessen zusammen, wer Verantwortung in der Gesellschaft übernimmt, für was?
Speaker: Also wenn ich als Individuum angesprochen werde, ich soll jetzt mal mein Fahrrad benutzen und daran hängt es sozusagen, dann wünschen sich viele Menschen, dass eben auch mitgedacht wird, wie auf anderen gesellschaftlichen Ebenen diese Verantwortung genauso übernommen wird, wie also Unternehmen, Kommunen, Verwaltung.
Speaker: denn ihrer Verantwortung auch gerecht werden.
Speaker: Da wird ganz, ganz oft deutlich, wenn so eine Lösung in den medialen Raum reinkommt, dass viele Menschen sich sofort fragen, wohin zeigt die Lösung denn ihren Finger, wer da was machen soll?
Speaker: Und dann auf der einen Seite so kognitive Abwehrmechanismen greifen, im Sinne von, warum mischt sich jetzt jemand in meine Entscheidung ein?
Speaker: Warum soll ich den Komfort hergeben und andere nicht?
Speaker: Und gerade in Einstellungsgruppen, die jetzt eher, sage ich mal, skeptisch voreingestellt sind,
Speaker: sich eher eben wünschen würden, es würde etwas für sie getan.
Speaker: Also etwas eigentlich, was wir aus dem Klimaschutz ja liefern können, würde ich mal sagen, aus der Naturwissenschaft auch.
Speaker: Die ja eigentlich toll zeigen kann, was für super Side-Effects Klimaschutz eben haben kann.
Speaker: Ah, saubere Luft, ja großartig.
Speaker: Für die Gesundheit oder auch für Artenvielfalt und so weiter und so fort.
Speaker: Aber die stärker sich fast wünschen würden, wenn Lösungen diskutiert wären, dass irgendwie auch klar wird, was bringt mir das?
Speaker: Was habe ich denn davon?
Speaker: Das ist aus diesen Gruppendiskussionen sehr deutlich geworden.
Speaker: Während hingegen Menschen, die Klimaschutz schon sehr, sehr wichtig finden, unbedingt sehen wollen, dass die Lösungen, die eben vorgeschlagen werden, auch einen hohen Impact haben und eine hohe Feasibility.
Speaker: Also die sind sozusagen relativ allergisch vielleicht auch gegenüber solchen technologischen Shortcuts, sage ich mal, wo man dann so eine kleine technische Lösung mal vorschlägt, aber eben nicht an die großen systematischeren Fragen beantwortet.
Speaker: Und damit sind wir ja im Umfeld.
Speaker: ganz, ganz schnell dabei, dass wir uns logischerweise, wenn wir in die Öffentlichkeit treten, schlussendlich auch positionieren müssen als Wissenschaftler.
Speaker: Also inwiefern spreche ich mich für gewisse Lösungen aus?
Speaker: Inwiefern kommuniziere ich aber auch meine Unsicherheiten?
Speaker: Und an wen kommuniziere ich?
Speaker: Und auf welche Art und Weise?
Speaker: Und das heißt, wenn jetzt aber zum Beispiel dann auch Klimaforschende auf Demonstrationen sprechen oder auch politische Forderungen öffentlich unterstützen, ist
Speaker: verschwimmen dann natürlich auch ganz schnell Grenzen zwischen Wissenschaft und Aktivismus.
Speaker: Und da verschwimmen dann natürlich auch Themen wie Verantwortung und sogenannte Neutralität.
Speaker: Und ich glaube, bevor wir überhaupt einmal einsteigen in die Frage, wie wir jetzt irgendwie als Geografin vielleicht auch eine Rolle finden, die wissenschaftlich integer und gesellschaftlich wirksam ist, wäre für mich, glaube ich, von euch beiden mal so ein Eindruck interessant,
Speaker: Wie ihr zu dieser Forderung nach Neutralität der Wissenschaft an der Stelle steht.
Speaker: Ich fange mal an und beziehe mich da wieder auf den IPCC, denn die haben das so schön gesagt, man möchte politikrelevant sein, aber eben nicht vorschreibend.
Speaker: Man gibt nicht direkte Empfehlungen.
Speaker: Warum?
Speaker: Weil es sich eben bei der Klimaproblematik um ein wicked problem handelt.
Speaker: Also es ist ein Problem, das sehr komplex ist und das aus ganz vielen verschiedenen Perspektiven angegangen werden muss.
Speaker: Da spielen die naturräumlichen Gegebenheiten, technische Potenziale, die ökonomische Machbarkeit, die politische Umsetzbarkeit, die gesellschaftliche Akzeptanz spielt auch da rein, wenn man jetzt über konkrete Klimaschutzmaßnahmen spricht, genauso wie wenn man darüber spricht, wann wollen wir denn Treibhausgasneutralität erreichen.
Speaker: Und deswegen ist dieser Dialog ganz wesentlich, dass man diese verschiedenen Perspektiven alle mit einbezieht.
Speaker: Denn die Gesellschaft guckt auf was anderes als jetzt die Industrie und die Politik.
Speaker: Also das ist das eine ganz Wesentliche, denn da kommt dann auch rein, dass man so als Wissenschaftler, als Wissenschaftlerin eine gewisse Demut auch mitbringen muss, weil man sich eben mit der wissenschaftlichen Seite bestens auskennt und die absoluten Grundlagen dafür legt, aufgrund derer Entscheidungen getroffen werden können.
Speaker: Aber es gehört eben alles andere auch noch mit dazu.
Speaker: Eine Abwägung von ganz vielen verschiedenen anderen Belangen auch.
Speaker: Und deswegen beneide ich auch keinen Politiker oder Politikerin für diese Abwägungstrage, die die eben dann beantworten müssen.
Speaker: Was die Wissenschaft aber machen kann, ist dieses Wenn-Dann-Aufzeigen.
Speaker: Und das ist ein ganz großer Mehrwert.
Speaker: Und natürlich bemühen wir uns da, dass wir relevante Szenarien aufstellen.
Speaker: Sie sagen, wenn wir uns so verhalten, dann kommt das raus.
Speaker: Und deswegen ist ja beispielsweise auch dieses Szenario, was immer dieses Schlimmste ist in den Klimaratsberichten, gar nicht mehr so relevant.
Speaker: Da geht es darum, dass wir einfach überhaupt keine Klimaschutzpolitik betreiben.
Speaker: Aber das stimmt nicht.
Speaker: Wir tun doch schon ein bisschen was.
Speaker: Zumindest nicht genug, aber wir tun was.
Speaker: Und insofern sind da manche Szenarien gar nicht mehr relevant für die politische Frage.
Speaker: Aber dann sind das auch wieder nur Fakten.
Speaker: Wenn wir das so machen, dann kommt Folgendes hinten raus.
Speaker: Und das wird leider manchmal schon unter den Tisch fallen gelassen, oft dann auch in der öffentlichen Wahrnehmung, wo alles dann sehr verkürzt wird, wo manchmal von Statements dann auch die Hälfte weggeschnitten wird.
Speaker: Beispielsweise, wenn man sagt, wir steuern ja auf 2,1 Grad zu, dann braucht das schon eine Spezifizierung.
Speaker: Da muss man sagen, das ist, wenn wir wirklich alle Verpflichtungen und alle Ziele so umsetzen bzw.
Speaker: einhalten.
Speaker: Wenn wir das nicht tun, wenn wir nur die heutigen Politikmaßnahmen weitertreiben, dann kommen wir aber bei 2,7 Grad raus.
Speaker: Und das müssen wir also sehr klar dann differenzieren.
Speaker: Aber das ist natürlich möglich und ich glaube auch, je länger man darüber spricht, je intensiver man diesen Dialog eben auch führt, desto mehr bekommt man auch die andere Seite dafür interessiert.
Speaker: Für diese verschiedenen Optionen, die es gibt und dann kann die andere Seite eben da aufgrund ihrer Interessenslage die Entscheidung treffen.
Speaker: Wie stehst du zu dem Thema der Neutralität, Imke?
Speaker: Ja, das ist eine sehr wichtige Frage.
Speaker: Eine, die man sicherlich immer ein Stückchen weit aktualisieren muss.
Speaker: Insgesamt stelle ich mir öffentliche Kommunikation ein bisschen wie so ein Orchester vor.
Speaker: Und so stelle ich mir sozusagen auch ein bisschen vor, dass jede Kommunikatorin, jeder Kommunikator so ein bisschen das eigene Instrumentarium hat, das er oder sie besonders gut beherrscht hat.
Speaker: Wo sie oder er virtuos drin ist.
Speaker: Und manchmal hören Wissenschaftlerinnen auch die Hoffnung von zum Beispiel sozialen Bewegungen doch mal lauter zu sein, sich stärker zu positionieren und da massiver dafür zu sorgen, dass das Thema eben noch besser vorangeht, die das einfach nicht mehr diesen Stillstand ertragen.
Speaker: Und auch wenn ich und viele Wissenschaftlerinnen das ganz bestimmt genauso geht, dass das ganz hart zu ertragen ist, glaube ich, dass das Potenzial von jedem doch in seinem Instrumentarium liegt.
Speaker: Also dass sozusagen Schlagzeugerinnen nicht anfangen sollten, Violine zu spielen, einfach weil der gemeinsame Klang den Klang ausmacht.
Speaker: Und das heißt also, dass wir, glaube ich, dadurch das auch schaffen können, dass wir Ansprechpartner und Gesprächspartner für viele verschiedene gesellschaftliche Gruppen bleiben können.
Speaker: Und das würde ich als sehr wichtiges Gut beschreiben.
Speaker: Aber was zusätzlich wichtig ist, glaube ich, ist, dass wir immer wieder neu justieren, wo müssen wir mehr Sichtbarkeit zum Beispiel herstellen müssen.
Speaker: Wo müssen wir vielleicht stärker noch ran an den Point of Decision, wo wir bisher einfach nicht gehört, nicht vertreten sind, nicht sichtbar sind, wo die Argumente einfach doch unter den Tisch fallen, obwohl es die tollen IPCC-Reports und die vielen Projektwebseiten und so weiter und so fort gibt.
Speaker: Und das andere, was ich sehe, ist, dass wir eine lange, starke Tradition in den naturwissenschaftlichen Klimaforschungsdisziplinen haben, aber eine weniger stark ausgeprägte in den gesellschafts- und sozialwissenschaftlichen Disziplinen, in die Öffentlichkeit zu gehen und öffentlich sichtbar zu sein.
Speaker: Das hat auch was damit zu tun, dass wir, glaube ich, noch nicht so gut sortiert haben, wie wir Synthese machen.
Speaker: Das heißt, wie wir ganz vereinzelt verfügbare Studien zu wichtigen Bereichen, Verkehrswende, Ernährung, Konsum insgesamt, dass wir die eigentlich noch nicht gut gebündelt haben, so wie das zum Beispiel in der IPCC-Tradition gemacht wird und damit eben auch ein Stück weit schlechter in der öffentlichen Debatte verfügbar sind.
Speaker: Dass man eben diese, wie die Geografie das eigentlich perfekt schon kann, diese Vielfalt der Forschung, die über die sozialwissenschaftliche Forschung auch nochmal näher an handlungsrelevantem Wissen dran ist, dass man das nochmal stärker verfügbar macht.
Speaker: Da sind ja jetzt schon ganz viele Ansatzpunkte auch drin, wie wir als Geografinnen jetzt unsere Rolle finden in diesem Bereich.
Speaker: Also gerade dieses vernetzte Denken zu haben, dieses breit angelegte allgemeine Wissen, wie ein ehemaliger Dozent von mir immer so schön gesagt hat, wir sind quasi die Hausmeister in der Welt, wir können alles aber nicht richtig, aber dafür wissen wir zumindest, wo wir nachgucken müssen.
Speaker: Und gerade für die
Speaker: Wo richten wir den Blick hin?
Speaker: Wo sollten wir stärker vertreten sein?
Speaker: Und dafür dann auch tatsächlich die Sachen zusammenzuziehen und zusammenzustellen, dafür sind wir als Geografin ja eigentlich prädestiniert.
Speaker: Wo würdest du sagen, Julia, wären noch so Rollen für uns als Geografin, wo wir gleichzeitig wissenschaftlich integer bleiben können, aber auch gesellschaftlich wirksam bleiben?
Speaker: Also ich denke schon, dass die Geografie jetzt wirklich eine Sternstunde durchleben wird, durch diese Integration, die du angesprochen hast.
Speaker: Wir hätten ja gesagt, du hast dieses Wicked Problem mit diesen vielen verschiedenen Perspektiven, was Klimaschutz schützter Ökosysteme angeht.
Speaker: Und ganz viele von diesen Disziplinen sind ja Teil der Geografie.
Speaker: Und die anderen können eben dann auch besser...
Speaker: angedockt werden darüber.
Speaker: In diesem gesamten Blick, das ich aber Humboldt fand, da ging es ja nicht nur um die Naturräumlichkeiten, da ging es ja immer dann in seinen Berichtswenden darum, wie lebt der Mensch da vom Land, wie beeinflusst er das Land, wie degradiert er ist und so weiter.
Speaker: Und das, glaube ich, kommt jetzt wieder zurück und muss zurückkommen.
Speaker: Und deswegen ist es, glaube ich, auch ganz wesentlich, dass wir diese Breite der Geografie auch lehren von den Sozialwissenschaften, den ökonomischen Effekten, auch Politik in gewissem Maße.
Speaker: Zusammen mit der physischen Geografie, die natürlich ganz andere Grundlagen nur noch dazu.
Speaker: Am Ende dann auch diese Erweiterung, die wir in der Geografie ja auch erfahren, beispielsweise.
Speaker: Wir sind eben sehr froh, dass Imke zu uns gekommen ist, die dann diese Kommunikationsschiene bedienen kann, weil wir eben sehen, dass die Fakten auf dem Tisch nur eine Lösung dafür sind, dass eben wirklich Handeln geschieht.
Speaker: Also hier auch tatsächlich ein weiteres Mal ein Plädoyer und das haben wir ja auch in den letzten Jahren vermehrt gehört.
Speaker: Dafür physische und Romangeografie.
Speaker: Bitte arbeitet zusammen, zitiert euch auch gerne mal gegenseitig.
Speaker: Aber wie wir jetzt auch schon besprochen haben, selbst wenn wir das Ganze überwinden, selbst wenn wir die Dinge zusammenführen, ist es ja nicht nur eine Frage von dem, was wird kommuniziert, sondern vor allem auch, wie wird es kommuniziert.
Speaker: Das heißt also jetzt die Frage auch, ob jetzt ein Policy Brief gelesen wird, ein Insta-Review geteilt oder ein Datensatz wirklich verstanden wird, hängt maßgeblich auch vom Format, Medium und anderes Hard-Town ab.
Speaker: Die Frage, die sich für mich daraus stellt, ist, was lässt sich daraus für die Praxis ableiten?
Speaker: Also ihr habt jetzt angesprochen und du, Julia, sagtest auch, wir sind froh, dass Imke jetzt da ist, um halt auch die Kommunikation zu stärken.
Speaker: Aber was können denn auch andere Departments gegebenenfalls tun?
Speaker: Gelungene Wissenschaftskommunikation geht halt einfach auch hinaus über, wir bräuchten jetzt mal ein Instagram-Account, oder, Inke?
Speaker: Ja, auf jeden Fall.
Speaker: Also ich würde auch erstmal ermutigen, dass es nicht vorrangig eine technische Frage ist, nach dem, wie richten wir das jetzt alles ein, sondern vielleicht auch erstmal so eine generelle Offenheit erfordert und auch Ressourcen,
Speaker: Weg von diesem Informationsdefizitmodell reinzukommen in eine stärkere Dialogorientierung.
Speaker: Das heißt wirklich mit offenen Augen, offenem Geist auf Menschen immer wieder zuzugehen aus verschiedenen Bereichen.
Speaker: Also wenn man politisch relevant sein möchte, dass man tatsächlich versucht, dieses politische System zumindest teilweise mal ein bisschen besser zu verstehen.
Speaker: Was geht in einem Kopf eines Entscheidungsträgers, einer Entscheidungsträgerin vor?
Speaker: Unter welchen Prämissen müssen die eigentlich arbeiten?
Speaker: Was brauchen die eigentlich, um dieses Wissen, das wir jetzt haben, auch in die Praxis umsetzen zu können?
Speaker: Und ich glaube, sich da ein bisschen Zeit zu nehmen für Gespräche mit diesen Menschen, sich reinzudenken oder auch ganz harte empirische Taten sozusagen darüber zu haben,
Speaker: Was funktioniert da, was funktioniert eben nicht?
Speaker: Dass das das Erste ist, glaube ich, was ich empfehlen würde.
Speaker: Also gar nicht mal bei der Technik anzufangen, sondern erst mal sozusagen so dieses, okay, wenn wir wirksam sein wollen, müssen wir unsere Audiences auch besser verstehen.
Speaker: Das heißt, unsere Dialogpartner, bei denen wir
Speaker: Denken, dass wir landen wollen mit unserem Wissen, dass wir die sozusagen erstmal besser verstehen.
Speaker: Oder Bildungspartnerinnen und Bildungspartner.
Speaker: Bei uns so ein Lessons learned aus einem Projekt, ganz einfaches Basic.
Speaker: Und dann sind wir doch wieder bei den technischen Fakten.
Speaker: Wenn wir Material für die Schule bereitstellen, muss das schwarz-weiß kopierbar sein.
Speaker: Ja, ja.
Speaker: Ein paar banale Fakten, ne?
Speaker: Ja, aber es ist wichtig.
Speaker: Aber wo man einfach so ein bisschen merkt, wie kann es denn sein, damit es in der Schule benutzt wird?
Speaker: Wie können wir es den Menschen leicht machen, unser Wissen denn auch zu integrieren in ihren Alltag?
Speaker: Und der zweite ist immer wieder zu überlegen, was ist denn das Wichtigste, was ich an Wirkungsabsicht habe bei aller Dialogorientierung?
Speaker: Also wir haben Themen, die eine verschiedene Karriere hinter sich haben.
Speaker: Habe ich ein Thema, das schon total gut bekannt ist, wo alle schon wissen, ah, das ist wichtig?
Speaker: Oder geht es erst mal um diese sogenannte Awareness?
Speaker: Das heißt also, muss ich tatsächlich erst mal dafür sorgen, dass das Thema als solches erst mal
Speaker: auf dem Stapel nach oben rutscht von Menschen, die sich einen Kopf gerade darum machen und da sozusagen erstmal so ein Basisverständnis anzulegen?
Speaker: Oder geht es darum, dass eigentlich schon viel gewusst ist und ich mit meinem Projekt eher unterstützen möchte, dass zum Beispiel das Wissen spezifischer wird, besser verfügbar wird, zum Beispiel bei Landkreisen und Kommunen, sodass die dann auch wirklich in Handlung kommen können?
Speaker: Drei wichtige Wirkungsabsichten, die ich immer gerne unterscheide.
Speaker: Geht es um Wissen?
Speaker: Geht es um Einstellung?
Speaker: Geht es um Handlung?
Speaker: Was ist das, was meine Kommunikation anstoßen soll?
Speaker: Will ich Wissen vermitteln?
Speaker: Will ich eine Einstellung verändern?
Speaker: Oder will ich helfen, dass es wirklich in eine Handlung kommt?
Speaker: Mega gut.
Speaker: Also es ist auch ein wundervoller Dreiklang.
Speaker: Eigentlich ist es logisch, vom Ziel her zu denken.
Speaker: Und eigentlich ist es auch logisch, und das hatten wir jetzt vorhin schon angesprochen, mein Gegenüber verstehen zu müssen.
Speaker: Also was braucht mein Gegenüber eigentlich, um handeln zu können?
Speaker: Das geht ja bis hin zu diesem Aspekt, den wir ganz am Anfang angesprochen haben.
Speaker: Ich habe das Wissen, aber Wissen und Klimawandel bedeutet halt noch nicht, dass ich anfange zu handeln, sondern dafür brauche ich Wissen oder Informationen, die mich auch entsprechend zur Handlung anregen.
Speaker: Das heißt also, die mir auch entsprechende Möglichkeitskorridor aufweisen.
Speaker: Und alles in allem zeigt sich einfach, dass wir es hier mit einem wahnsinnig komplexen Thema zu tun haben, wo wir eigentlich gesicherte Daten haben, wir aber die Schwierigkeit in der Übersetzung haben.
Speaker: Das heißt natürlich dann auch entsprechend kämpfen müssen damit, dass es vielleicht jetzt gerade nicht auf der Agenda ist, dass es gerade Dinge gibt, die einfach der Politik und der Gesellschaft dringlicher behandelt werden.
Speaker: Wo dann vielleicht die Frage auch ist, wie du es jetzt nochmal ansprachst, Imke, inwiefern möchte ich denn vielleicht aber auch, dass ein Problem...
Speaker: höher in dem Stapel rutscht, dass Menschen tatsächlich zuhören, dass sie es mal auf dem Schirm haben.
Speaker: Dann aber auch nicht den Fehler zu machen, okay, nur weil sie es auf dem Schirm haben, heißt es jetzt, Job getan, ist ja alles gut, dann wird jetzt gehandelt.
Speaker: Nein, sondern da fehlt dann auch wiederum die entsprechenden Lösungskorridore.
Speaker: Also so ein bisschen auch wie die Szenarien, an denen du, Julia, auch mitarbeitest.
Speaker: Das heißt also hier auch aufzuzeigen, okay, wenn wir so und so handeln, dann haben wir den Korridor, dann haben wir den Korridor.
Speaker: Wenn wir so und so handeln, haben wir den Korridor.
Speaker: Das heißt also hier auch deutlich zu machen, mein Handeln und das Handeln von uns als Gesellschaft hat entsprechende Folgen.
Speaker: Und wie sehen diese Folgen aus, um tatsächlich auch eine informierte Abwägung zu ermöglichen?
Speaker: Wie du so schön sagtest, Enke, wir spielen vielleicht Schlagzeug.
Speaker: Aber wir brauchen halt die anderen Personen, die auch zu hören sind, weil diese Violine spielen.
Speaker: Und ohne Violine, da bringt das Schlagzeug halt auch nichts.
Speaker: Und dann brauchen wir aber Personen, die das ganze Orchester quasi in Einklang bringen und dementsprechend zwischen den einzelnen Tönen oder Einstellungen oder im Wissen den Dringlichkeiten vermitteln.
Speaker: Und das ist dann schlussendlich nicht mehr unser Job.
Speaker: Und wenn wir das verstanden haben, dann können wir auch viel besser unser Wissen so aufbereiten, so umsetzen, dass es das erreicht, was wir erreichen wollen.
Speaker: Ist es mein Ziel, Wissen zu vermitteln?
Speaker: Einstellungen zu verändern oder Handlungen anzuregen.
Speaker: Und danach kann ich dann auch entsprechend meine Kommunikationsformate, meine Kommunikationsstruktur und die Inhalte auswählen.
Speaker: Und ich würde auch jetzt zum Schluss gerne nochmal so einen Blick in die Praxis werfen.
Speaker: Also egal, ob wir jetzt nun von Infografiken des Global Carbon Projects reden oder von dem Visa and Storytelling der Climate Stripes oder auch das Narrativ von nur noch sechs Jahre im IPCC.
Speaker: Alle diese Beispiele erreichen Menschen, aber natürlich auch nicht immer im gewünschten Sinne.
Speaker: Was sind denn jetzt Beispiele, die ihr den HörerInnen mitgeben möchtet, von denen wir lernen können?
Speaker: Ein kleines konkretes Beispiel, wie wir uns bemühen, dass wir die Zahlen, die ja sonst irgendwie ein bisschen abstrakt wirken, wie wir dafür sorgen, dass die in Erinnerung bleiben und dass auch diese Dringlichkeit von Klimaschutzmaßnahmen klar wird, wäre, wie wir im Global Carbon Budget eben umgehen mit diesem Remaining Carbon Budget.
Speaker: Weil wir schon wissen, wie viele schon imitiert haben, können wir dann für ein gegebenes Temperaturzähl eben ablesen, wie viel wir noch dafür imitieren dürfen.
Speaker: Warum?
Speaker: Weil es einfach naturwissenschaftlich einen erstaunlich linearen Zusammenhang gibt zwischen unseren Emissionen seit Beginn der Industrialisierung und dem Temperaturanstieg, den wir sehen.
Speaker: Und jedes Jahr im Global Carbon Project bringen wir also diese neuen Zahlen dann auf den Tisch mit den aktuellen unterlegten Daten und hatten jetzt zuletzt dann für 2024 eben gesagt, wenn wir bei 1,5 Grad bleiben wollen mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit, dann hätten wir noch sechs Jahre bei heutigen Emissionen.
Speaker: für 1,7 Grad dann noch 14 Jahre von heutigen Emissionen übrig und dann müssten wir direkt runter auf Null.
Speaker: Und wie man dann versuchen kann, das anschaulicher zu machen, ist, indem man einfach diesen Eimer hinstellt, den man langsam befüllt.
Speaker: Der Eimer ist dieses Remaining Carbon Budget, der ist größer oder kleiner, je nachdem, welches Temperaturziel man sich eben vornimmt.
Speaker: Das ist eine normative Frage.
Speaker: Und dann füllt sich der aber auf.
Speaker: Und das finde ich also insofern ein gelungenes Bild.
Speaker: Vor allem ist es dann, das bleibt in Erinnerung, zeigt die Dringlichkeit.
Speaker: Es ist auch ausbaubar.
Speaker: Man kann sich jetzt, wenn man die CO2-Entnahme eben auch einbauen will, dann kann man sagen, naja, letztlich ist es ja kein Eimer, der statisch ist, sondern es ist mehr so ein Waschbecken, da ist keiner unten auch wieder was raus.
Speaker: Wenn wir es also wirklich schaffende Atmosphäre nennen, es werden Maße, CO2 zu entnehmen, dann müssen wir dafür Sorge tragen, dass eben noch mehr rauskommt, als oben reingeht.
Speaker: Aber dann verhindern wir, dass das Ganze eben überläuft.
Speaker: Ich glaube, es vermittelt diese Zahlen, aber für alles andere übergebe ich dann an Imke.
Speaker: Ja, aber soll dann vielleicht auch gar nicht als Ziel in dieser Infografik zum Handeln anregen, sondern erstmal Wissen vermitteln.
Speaker: Von daher vielen, vielen Dank.
Speaker: Imke, hast du etwas, was zum Handeln anregt?
Speaker: Das ist tatsächlich die richtig harte Nuss.
Speaker: Wie kriegt man Information oder Kommunikation so aufbereitet, dass Menschen sich inspiriert und bekräftigt fühlen, etwas zu tun?
Speaker: Das ist eines der schwersten Fragen, die man Kommunikationswissenschaftler fragen kann.
Speaker: Wir können uns auch bei der Wissensvermittlung und bei der Einstellungsveränderung.
Speaker: Ich kann auch mal versuchen, aus meiner Promotion zu erzählen.
Speaker: Das ist zwar auch schon lange her, aber es ist ein Pfad, den ich auch irgendwie gerne nochmal wieder aufnehmen würde.
Speaker: Also ich habe mit einem Team zusammen ein 3D-Onlinespiel entwickelt zum Thema Strom sparen.
Speaker: Also Suffizienz, etwas, das nichts kostet, was im Gegenteil nochmal Geld bringt, aber trotzdem irgendwie wenig Menschen attraktiv und wichtig finden.
Speaker: Also Sparen, Suffizienz, wie kriegt man Menschen dazu, sowas zu machen?
Speaker: Und ich habe mir eine ganz alte dramaturgische Idee, wie sowas funktionieren kann und zwar von Lessing.
Speaker: Der hat die Idee gehabt, dass man Menschen kurz vor
Speaker: der faktischen Entscheidung zeigen sollte, weil das der sogenannte fruchtbare Moment ist, indem ich sozusagen kurz davor bin, wo entweder das Messer im Menschen landet oder eben nichts.
Speaker: Also sozusagen genau da, wo die Akteure davor stehen und sagen, was mache ich jetzt?
Speaker: Und dass es da besonders hilfreich ist, wenn man nicht eine Heldin sieht, die alles richtig macht, also strahlend weißer Superheld, sondern sozusagen beides in sich trägt, sowohl
Speaker: Gedanken, die wir alle kennen, man kann sie innerer Schweinehund nennen, also sowas wie Komfort, keine Zeit, habe ich jetzt keine Lust zu, muss ich das wirklich machen?
Speaker: Aber auch der Idee, eigentlich wollte ich doch, ich habe mir doch vorgenommen, das und jetzt mache ich es aber wirklich besser.
Speaker: Ich habe also Menschen gezeigt, die in solchen Entscheidungssituationen waren, zwischen, ich habe keine Zeit, ich muss jetzt los, will ich jetzt wirklich noch überall die Standby-Schalter ausdrücken oder, ja, schaffe ich das jetzt?
Speaker: eines der ermutigenden Ergebnisse war, dass Menschen sich da sehr mit identifizieren konnten, also wirklich das Gefühl haben, genau so eine Situation kenne ich aus meinem eigenen Alltag.
Speaker: Und ja, genau in so einer Situation entscheide ich hoffentlich das nächste Mal besser.
Speaker: Zum anderen habe ich gesehen, nochmal getestet, Informationsfeedback, wenn die jetzt wirklich sehen, wie viel CO2 spare ich ein, wenn ich jetzt wirklich immer ganz brav beispielsweise alles denn bei Schalter ausdrücke oder nicht,
Speaker: Und dann aufs Jahr gerechnet, was bringt das?
Speaker: Und wenn sich Menschen diese Info jetzt angucken und das Feedback kriegen, wie viel spare ich da wirklich ein, wenn ich das immer so mache?
Speaker: Das fanden viele Menschen wirklich richtig interessant und haben zumindest erstmal formuliert, dass sie das machen wollen.
Speaker: Man muss aber sagen, es gab auch eine andere Infotafel, die hat gezeigt, wie viel Geld spare ich dadurch ein.
Speaker: Die haben sich andere Menschen angeguckt und die fanden das wieder total überzeugend und haben dann aber auch gesagt, ja Mensch, könnte ich machen, weil da kommt eine Menge Geld zusammen.
Speaker: Beides hat auf seine Art funktioniert, würde ich sagen, sodass ich das ganz ermutigend fand.
Speaker: Ja, also an der Stelle vielen, vielen Dank für die beiden Beispiele.
Speaker: Und ich glaube, das, was wir davon mitnehmen können für unsere alltägliche Arbeit ist, nicht davor zurückschrecken, sondern tatsächlich auch sagen, hey, wir haben hier robuste Daten, mit denen können wir an die Öffentlichkeit.
Speaker: Bevor wir das machen, sollten wir uns sicher sein, was wollen wir damit erreichen?
Speaker: Wollen wir Wissen vermitteln, Einstellungen verändern oder Handlungen anregen?
Speaker: Und dann aber auch tatsächlich die Möglichkeit,
Speaker: ein Thema darzustellen, ohne es unterkomplex zu machen, wo wir ja eigentlich als WissenschaftlerInnen auch geschult drin sind.
Speaker: Also das ist ja auch etwas, wenn wir versuchen, Artikel zu schreiben, müssen wir auch ein Thema, wo wir sehr, sehr, sehr, sehr tief drinstecken, einem Publikum weitergeben, die gegebenenfalls nicht so viel Ahnung davon haben.
Speaker: Und ich habe nach dem Gespräch jetzt letztendlich auch weniger dieses Gefühl von, oh Gott, ist alles so viel, wie soll ich das denn machen und wie soll ich mich denn da bewegen?
Speaker: Gerade auch, weil wir ja zum Beispiel über die Rolle gesprochen hatten, die wir einnehmen können.
Speaker: Und insofern, es hat mich wahnsinnig gefreut, dass ihr diese Einsicht mit uns geteilt habt.
Speaker: Vielen Dank dafür.
Speaker: Vielen Dank auch.
Speaker: Ich bedanke mich auch.
Speaker: Und wenn ihr da draußen bei Was bewegt die Geografie auf dem Laufenden bleiben wollt, abonniert den Podcast auf der Streaming-Plattform eures Vertrauens und wenn ihr mehr über die SchöpferInnen hinter den Kulissen, also schlussendlich den VGDH, erfahren wollt, schaut auch gerne mal auf vgdh.de vorbei.
Speaker: Dort findet ihr noch alle Infos zu diesem Podcast und natürlich auch die Links zu allen Publikationen, über die wir gesprochen haben.
Speaker: Und in dem Sinne wünsche ich euch erstmal eine gute Zeit und euch beiden, Julia, Imke, vielen, vielen Dank für euren Input und eure Zeit.
Speaker: Ahoi und bis zum nächsten Mal.
Speaker: Ciao, ciao.
Speaker: Tschüss.

