Wir sprechen mit Stefan Nitzsche [https://stn1978.com/] (LinkedIn [https://www.linkedin.com/in/stn1978/]), freiberuflicher UX/UI-Designer und alter Bekannter des Podcasts, darüber, wie sich UX-Arbeit in den vergangenen Jahren verändert hat. Seit Stefans letztem Besuch in Revision 136 [https://workingdraft.de/136/] sind nicht nur 13 Jahre vergangen, auch die Werkzeuge und Workflows zwischen Design und Engineering sehen inzwischen deutlich anders aus.
Im Mittelpunkt steht dabei zwangsläufig KI: Wir reden darüber, wie sie Prototyping und Iterationen beschleunigt, welche Rolle UX-Expertise dabei weiterhin spielt, warum generisch gute Interfaces noch keine guten Produkte ergeben und wie sich die Zusammenarbeit zwischen Design und Engineering verschiebt. Außerdem schauen wir auf lokale Modelle, MCP, die zunehmende KI-Müdigkeit und die Frage, was passiert, wenn künftig nicht mehr nur Menschen, sondern auch Agenten unsere Interfaces benutzen.
Shownotes
[00:01:05] UX x Engineering: Wie verändert KI die Arbeit an Interfaces? Vor 13 Jahren war Stefan schon einmal in Revision 136 [https://workingdraft.de/136/] zu Gast und sprach dort unter anderem über einen modernen Design-Workflow. Diesmal nehmen wir diesen Faden wieder auf und fragen, was aus diesem Workflow inzwischen geworden ist. Stefan arbeitet weiterhin als freiberuflicher UX/UI-Designer und erlebt KI als derzeit größte Veränderung seiner Arbeit. Sie macht Wissen und Werkzeuge verfügbar, die früher vor allem größeren Projekten vorbehalten waren, und kann beispielsweise bei Personas, Audits, projektspezifischen Knowledge Bases oder der Prüfung von Konzepten unterstützen. Klassische UX-Arbeit wie qualitative und quantitative Research, Surveys und echte User-Tests ersetzt sie für ihn allerdings nicht.
Besonders deutlich wird die Veränderung beim Prototyping. Wo früher Paper-Prototypes, Klick-Dummies oder aufwendig miteinander kombinierte Design- und Animationstools nötig waren, kann Stefan heute innerhalb von ein oder zwei Tagen einen weitgehend funktionierenden Prototyp mit HTML, CSS und JavaScript erstellen. Dadurch lassen sich nicht nur Screens, sondern auch Interaktionen, Animationen und vollständige Abläufe früh ausprobieren. Das hilft insbesondere Menschen, denen es schwerfällt, sich aus statischen Entwürfen das spätere Verhalten einer Anwendung vorzustellen. Gleichzeitig entsteht eine neue Gefahr: Ein Prototyp kann bereits Dinge versprechen, die das für das eigentliche Produkt vorgesehene Framework technisch gar nicht leisten kann.
Diese Entwicklung verändert auch das Verhältnis zwischen UX und Engineering. Iterationen beginnen früher, weil Designerinnen und Designer nicht mehr darauf warten müssen, dass ein Entwurf implementiert wurde, bevor sie ihn tatsächlich erleben können. Fehler und unbefriedigende Entscheidungen lassen sich dadurch bereits während der Gestaltung erkennen und korrigieren. Engineering verschwindet deshalb nicht. Im Gegenteil: Architektur, Wartbarkeit, die Auswahl geeigneter Technologien und die Kontrolle dessen, was eine KI im Code tatsächlich veranstaltet, benötigen weiterhin entsprechende Expertise. Ähnliches gilt auf UX-Seite, wo zusätzlich menschliches Verhalten, Psychologie, mentale Modelle, Heuristiken und sehr unterschiedliche Nutzungssituationen berücksichtigt werden müssen.
Konkret arbeitet Stefan viel mit Figma und Claude. Einen wichtigen Impuls dafür bekam er von Christine Vallaure de la Paz [https://www.moonlearning.io/]. Statt des offiziellen Figma-MCP verwendet er inzwischen vor allem den von TJ Pitre beziehungsweise Southleft entwickelten Figma Console MCP [https://docs.figma-console-mcp.southleft.com/] in Kombination mit Claude Code. Für Projekte, bei denen Datenschutz oder Vertraulichkeit eine größere Rolle spielen, experimentiert er außerdem mit lokalen Modellen und einer selbst gehosteten Installation von