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Niklas von Wurmb-Seibel: Begegnungen statt Sendezeit

S1 E6 · Transformation Journalism
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68 Plays19 days ago

Niklas von Wurmb-Seibel deckte als investigativer Journalist Betrug mit Krebsmedikamenten auf, recherchierte Korruption im Gesundheitswesen und arbeitete für Panorama beim NDR. Juristisch sattelfest, aber zermürbend. Er merkte, wie der misstrauische Blick seiner Arbeit auf sein Privatleben abfärbte. Überall suchte er nur noch nach Fehlern: Wo läuft es schief? Wer macht etwas falsch? Und er sah: Die großen Enthüllungen verpufften. Politiker versprachen Veränderungen, doch nichts geschah.

Irgendwann stellte er sich die entscheidende Frage: Will ich das weitermachen? 24 Stunden später traf er sich mit seinem Kollegen und sagte: Ich höre auf.

Zu dieser Zeit lebte Hasib bereits bei ihnen. Der junge Afghane, den Niklas und Ronja auf einer Recherche in Kabul kennengelernt hatten, war 2015 auf der Flucht nach Europa. Sie halfen ihm, aus Ungarn nach Deutschland zu kommen, und wurden seine Vormünder. Heute ist Hasib 25, lebt selbstständig in Hamburg – und ist ihr älterer Sohn. Diese Beziehung lehrte Niklas: Es gibt andere Wege, etwas zu bewirken. Echte Begegnungen verändern mehr als jede Enthüllung.

Mit ihrer Produktionsfirma BROT + ZWIEBEL entwickelten Niklas und Ronja eine radikal andere Form des Journalismus. Sie verkaufen ihre Filme nicht an Sender, sondern behalten die Rechte und entscheiden selbst, wo und wie ihre Geschichten gezeigt werden. Mit ihrem Film "Wir sind jetzt hier" organisierten sie über 900 Veranstaltungen – in Polizeiakademien, Jobcentern, Ministerien. Jede moderiert. Jede anders, weil der Kontext anders ist. Ihre Filme zeigen nicht nur Probleme, sondern auch, wie Menschen damit umgehen. Konstruktiver Journalismus.

Niklas erklärt, wie ein Drittel Lösungen im Film reicht, um die Wahrnehmung komplett zu verändern. Wie 22 Schulklassen an Polizeiakademien ihm Einblicke geben, die er an Polizeipräsidien weiterträgt. Wie zehn Jahre Beharrlichkeit an einem Thema mehr bewirken als hundert einzelne Geschichten.

Wir sprechen über den Wendepunkt vom Investigativreporter zum Impact-Produzenten, über das Geschäftsmodell, das ihnen erlaubt, nur alle paar Jahre einen Film zu produzieren. Über Familie, Unabhängigkeit und die Frage: Wie will ich leben?